Norbert Schneider: „Immer schee draubleim“

Ich habe zwei Leidenschaften – den Indie-Film und die österreichische Musikszene (die ja quasi auch wieder größtenteils independent ist). Zum einen betreibe ich den Blog HomeMovieCorner – zum anderen auf Facebook die Gruppe Musik News Österreich. Und momentan bin ich – mal abgesehen vom Abschneiden beim ESC (0 Punkte für The Makemakes – ich bin mir sicher, dass die Russen die Computer gehackt haben und die Punkte für The Makemakes bei sich dazu addiert haben!) – sehr zufrieden, was sich in der heimischen Musikszene da so alles tut. Und das ohne große Unterstützung der österreichischen Radiostationen oder irgendwelcher Musiksender (sagt, gibt es die noch?).

Austropop war gestern. Lange Zeit sah es so aus, als würde man sich bewusst von Fendrich, Ambros, Hirsch, STS & Co. distanzieren wollen. Die Bands versuchten sich in „teutschem“ Deutsch (wohl auch auf den Markt in Deutschland schielend) oder auf Englisch. Doch in letzter Zeit bemerkt man eine Gegenströmung – Dialekt ist wieder in. Und zu meiner Überraschung muss ich gestehen, dass mir das voll taugt. Der Nino aus Wien, 5/8erln in Ehr’n, David Stellner, Harald Baumgartner, Norbert Schneider u.v.a. heißen die neuen Mundart-Vertreter.

Und Norbert Schneider hat es mir überhaupt angetan. Der in Wien lebende Niederösterreicher hat sich dem Blues/Reggae/Jazz verschrieben. Und den bis vor kurzem eigentlich auch auf Englisch interpretiert. Mit „Take It Easy“ und „Medicate My Blues Away“ hat der mehrfach ausgezeichnete Musiker sogar veritable Ohrwürmer serviert. Und plötzlich brachte er 2013 mit „Schau ma mal“ ein Blues-Album im Wiener Dialekt heraus. Gut, das ist zwar noch an mir vorbei gegangen – und deswegen registrierte ich seinen Amadeus-Gewinn 2014 im Bereich Jazz/World/Blues auch nur unter „ferner liefen“. Nicht aber sein 2015 erschienenes Album „Entspannt bis auf die Knochen“ – und das vor allem wegen der Single-Auskoppelung „Immer schee draubleim (Featuring Musikverein Prottes)“.

Da wurde ich hellhörig – und hiermit kommen wir auch zurück zum eigentlichen Grund dieses Blogs hier: Der Repräsentation der Schreibmaschine. Denn im Clip kommt Norbert Schneider als glückloser Schlurf vor, der trotz seiner Niederlagen sich immer wieder selbst Mut zusingt. So sitzt er auch vor einer wunderschönen Adler Tippa (zumindest glaube ich das am Logo zu erkennen) mit einer veritablen Schreibblockade. Das weiße Blatt Papier spottet ihn aus und zeigt ihm die Zunge (Nur so ein kleiner Tipp, falls einem das als Autor wirklich passiert: Finger weg von den Drogen und vom Alkohol! ;-))

Und in einem Anfall heil’gen Zorns packt Norbert Schneider die Maschine und schleudert sie von sich. In Zeitlupe prallt sie auf Wassergläser und bricht auseinander!

Autsch! Das tut weh.

Und so sehr ich die beiden Alben von Norbert Schneider (in der Tat sogar so sehr, dass ich sie mir gekauft habe) mag, so hat das Lied jetzt doch einen schalen Beigeschmack bei mir.

Auf meine Anfrage, ob es der Schreibmaschine gut geht, ob sie den Stunt überstanden hat – und ob sich Norbert Schneider wenigstens den kleinen Finger zur Strafe gebrochen hat, habe ich von den Machern leider keine Antwort bekommen.

Rodja

INFO: http://norbertschneider-music.com/

Und wie man im Making Of sehen kann, wurden da keine Special Effects verwendet. Nix CGI (okay, vom scheußlich animierten Blatt Papier mal gänzlich abgesehen). Also von wegen „Während den Dreharbeiten kam keine Schreibmaschine zu Schaden“…

Beim nächsten Konzert werde ich ihm mal eine Schreibmaschine auf die Bühne schmeißen.

Nein, natürlich nicht. Aber du, Norbert Schneider, solltest dich nicht wunden, wenn dir ein paar Farbbänder (gebrauchte) entgegen fliegen werden. ;-D

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Über Die Schreibmaschinisten

Journalist, Indie-Film-Fan(atiker), Möchtegern-Autor und Schreibmaschinist
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