Me, my T-Shirt and my Hermes Baby

Am Freitag hatte ich ein Interview mit Michael Schilhan von Technik im Büro, einem der wenigen, die in Österreich noch Schreibmaschinen reparieren. (Wenn nicht sogar der einzige, aber das muss ich noch verifizieren.)

Quasi als „Nebenprodukt“ gibt es nun auch ein Foto von mir, das ich für die Schreibmaschinen-Schiene verwenden kann. „Me, my T-Shirt and my Hermes Baby“ – eben ich, mein stilvolles T-Shirt von Working Typewriters aus den Niederlanden und meine allerliebste Reisemaschine, eine Hermes Baby, auf der auch schon Ernest Hemingway geschrieben hat. (Also nicht genau auf der, aber auf dem gleichen Modell.)

Das Foto hat Andreas Öcsi geschossen, der mich auch tatkräftig beim Interview unterstützt hat. Sehr empfehlenswert, der Herr Fotograf.

Rodja

©  Andreas Öcsi

© Andreas Öcsi

 

Aus Hemingwrite wird Freewrite

 

©  Astrohaus

© Astrohaus

Noch bevor ich im März die Schreibmaschine für mich wieder entdeckte, war ich schon lange auf der Suche nach einer ablenkungsfreien Schreibmöglichkeit. Ich muss gestehen, ich bin ein schwacher Mensch – ich lasse mich all zu leicht von Internet, Facebook, E-Mail und Spielen von meiner eigentlichen Aufgabe – dem Schreiben eines Artikels – ablenken. Manchmal fällt das auch unter Recherchearbeit, um schnell einen Link gegenzuchecken, sich ein Lied von einer Band anzuhören oder den neuesten Filmtrailer anzuschauen. Und dann bleibt man hängen und die Arbeit liegen. Das war ziemlich frustrierend.

Und dann stieß ich im Dezember 2014 auf die Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter von Adam Leeb und Patrick Paul, die mit der Hemingwrite (eine Anspielung auf Ernest Hemingway) eben so ein Gerät für Leute wie mich entwickeln wollten. Und anscheinend gibt es Bedarf daran. (Was mich wiederum etwas beruhigt, weil es zeigt, dass ich nicht der einzige schwache Mensch auf dieser Welt bin.) Als Kampagnenziel waren 250.000 US-Dollar angestrebt, erreicht wurden jedoch 342.471 US-Dollar! Nun naht mit September 2015 der Auslieferungszeitpunkt der ersten Tranche.

©  Astrohaus

© Astrohaus

Und Leeb und Paul haben anscheinend beschlossen, das Ding als Firma Astrohaus durchzuziehen – und der Maschine eine Namensänderung zu verpassen: Die Hemingwrite heißt nun Freewrite.

Die Freewrite sieht aus wie eine Schreibmaschine, die im 21. Jahrhundert angekommen ist. Also vom Design her – und weil es einen 6-Zoll-E-Ink-Bildschirm im Querformat statt Papier hat. Aber sonst kann das Ding nur eines: Schreiben. Damit empfängt man keine E-Mails, damit kann man auch keine Spiele spielen oder im Internet surfen. Man kann sich einfach nur aufs Schreiben konzentrieren.

Das Gehäuse ist aus robustem Aluminium – und es soll richtige Tastenmodule fürs Tippen geben. Die wichtigsten Funktionen lassen sich mit zwei großen Schalthebeln einstellen. Wie das zweite Bild schon zeigt, ist eine leichte Schräge drinnen, was mir wiederum sehr sympathisch ist. Der Akku reicht für vier Wochen plus, die Speicherkapazität bis zu einer Million Seiten. Ganz aufs Internet wird auch nicht verzichtet, mittels WiFi oder Bluetooth kann man Texte in der Cloud abspeichern. (Es gibt auch eine Möglichkeit, das mit USB zu erledigen.) Das war’s aber auch schon.

Ich war begeistert. Euphorisch. Genau das Ding, das ich will und brauche. Und ich wurde sogar ein Early-Bird-Backer. Um 369 US-Dollar wäre die Freewrite mein geworden (zum Vergleich: der Vorverkaufspreis beträgt aktuell 399 US-Dollar, der reguläre Preis im Handel wird 499 US-Dollar betragen!). Und ich sah mich schon auf einer Parkbank sitzen und tippen. Ich schrieb sogar einen Jubelbericht auf meinem Autorenblog – und damals  äußerte ich mich noch eher skeptisch über den Erwerb einer Schreibmaschine!

Doch dann kam der Kater. Natürlich verfolgte ich weiterhin die Entstehungsgeschichte, sah, wie die Crowdfundingsumme bei Weitem übertroffen wurde. Und freute mich auf das Ding. Aber langsam kamen auch Zweifel auf – und das hat auch mit den Videos zu tun, die Leeb und Paul veröffentlichten. Auf einmal sah ich, dass mir der Bildschirm einfach viel zu klein war. Für eine Zeile Geschriebenes auf der Schreibmaschine oder dem Computer scheint der Freewrite zwei bis drei Zeilen zu brauchen. Vielleicht spricht das die Generation E-Book an, ich bestehe aber auf meinem A4-Format.

©  Astrohaus

© Astrohaus

Auch scheint es einen kleinen, für mich aber doch störenden Zeitunterschied zwischen Tippen und dem Erscheinen der Buchstaben auf dem Bildschirm zu geben. Da lobe ich mir doch die Schreibmaschine, bei der Buchstabe für Buchstabe auf Papier getippt wird. Da habe ich wenigstens sofort etwas Haptisches, mit dem ich auch den Umfang eines Buches oder eines Filmskripts einschätzen kann. Mit dem Freewrite muss ich quasi erst in der Nähe eines Druckers sein, um einen Druckbefehl ausführen zu können.

Und dann ist da auch noch die Sache mit der Cloud. Was mir als großer Vorteil angepriesen wird, ist mir einfach zu… larifari, zu schwindelig. Vielleicht bin ich paranoid, aber ich will meine Manuskripte nicht irgendwo in der Datenwolke abgespeichert haben. Zwar wird in den FAQ von Astrohaus beschrieben, dass es einen „clumsy“ (würde ich mal mit umständlich/ungeschickt übersetzen) Weg gibt, die Daten auf den Computer zu übertragen, aber der Weg über die Wolke ist anscheinend der bevorzugte Abspeicherungsvorgang von Leeb und Paul.

Und die Leichtigkeit, wie schnell das Synchronisieren der Dateien geht, wie in dem unten angeführten Video demonstriert wird, ist nichts für mich. Ich merke, ich bin nicht in der Materie drinnen, brauche Zeit, um das zu behirnen. Und dann kommt jemand und sagt: „Ach geh, das ist doch simpel. Einfach so, so und so – und schon ist es fertig“ – während ich geistig noch versuche, die Ordner zu identifizieren.

Das ist ungefähr so, als würde ich meine zweijährige Tochter neben mich zur Schreibmaschine setzen, ihr einen Satz zeigen, den mit erprobtem Zehn-Finger-System abtippen und sagen: „Schau, das kannst du jetzt auch.“

©  Astrohaus

© Astrohaus

Das waren alles Punkte, die mein Engagement bei der Freewrite zurückschrauben ließen. Ja, ich stieg auch aus der Crowdfunding-Kampagne aus. Ich bin immer noch an dem Ding interessiert, aber ich will nicht blind in eine Sache investieren, bei der ich Zweifel habe.  Jetzt warte ich erst einmal die ersten Testberichte von Leuten ab, die das Ding auf Herz und Nieren überprüfen. Und ob tatsächlich der reguläre Verkaufspreis 499 US-Dollar (exklusive Versandkosten) betragen wird.

Rodja

INFO: www.astrohaus.com

In diesen Videos wird noch vom Hemingwrite gesprochen.

Der Schreibmaschinen-Täter und „Die Muse“

Für die Kunst muss (je)man(d) leiden

Die Muse - Schreibmaschine 3

Mit dem fein nuancierten Independent-Psychotrhiller „Die Muse“ lieferte der in Salzburg lebende deutsche Regisseur und Drehbuchautor Christian Genzel 2011 sein Spielfilmdebüt ab.

Synopsis: Katja (Henriette Müller), eine junge Frau Mitte zwanzig, erwacht in einer Zelle im Kellerraum. Ein Mann stellt sich ihr vor – es ist Peter Fischer (Thomas Limpinsel), ein Schriftstellter, der ihr erklärt, warum sie da ist. Sie ist Muse und Inspiration für sein neues Buch, und sie soll freiwillig in Gefangenschaft bleiben, damit er weiter schreiben kann. Er will ihr klar machen, dass er an etwas Wichtigem arbeite und sie Teil dessen sein könne.

Zwischen den beiden entsteht ein Machtspiel: Katja versucht, Fischers Schwächen zu erkennen und sie auszunutzen, um aus der Gefangenschaft ausbrechen zu können, während Fischer immer wieder probiert, sie von seiner Sache zu überzeugen und sie für ihre Fluchtversuche bestraft. Die Situation eskaliert allmählich…

Den Film kann man sich gegen ein geringes Entgelt auf Vimeo als VOD ganz ansehen.

Eva Merz - © high5films / ghost light productions

Eva Merz – © high5films / ghost light productions

Aber eigentlich ist das ja nur die Rahmenhandlung. In Wirklichkeit dreht sich die Geschichte natürlich rund um die elektrische Schreibmaschine, die mehr und mehr von Fischer Besitz ergreift und ihm befiehlt, junge Frauen zu kidnappen. ;-D

Laut Regisseur Christian Genzel handelt es sich bei der Schreibmaschine um eine Triumph electric 131f: „Die war funktionstüchtig. Thomas Limpinsel hat unter lauten Gehämmer virtuos darauf getippt.“ Die Triumph zeigte sich ihrer anspruchsvollen Rolle gewachsen und war auch gar nicht zickig. Eine angenehme Partnerin, über die Genzel sonst nicht viel zu berichten weiß: „Sie muss von irgendeinem Requisitenverleih gekommen sein, genau weiß ich das nicht.“ Der Unterschied in der Farbe der Schreibmaschine zwischen Screenshot und Making-of ist übrigens durch die Farbkorrektur zustande gekommen.

Und dass ein legendäres IMCO-Feuerzeug zu sehen ist, macht den Film gleich noch sympathischer.

Rodja

INFO: https://vimeo.com/ondemand/diemuse