Online-Schreibmaschinensimulator OverType

Der britische Softwareentwickler Ben Wheeler wollte seinen Kindern zeigen, wie das anno dazumal so war mit der mechanischen Schreibmaschine. Doch anstatt eine Schreibmaschine zu kaufen, hat er sich entschlossen, ein entsprechendes Online-Programm zu entwickeln. Und so kam OverType – The Over-The-Top Typewriter Simulator heraus – und ich muss sagen, dass es echt ein spaßiges Ding ist.

Man kann OverType online am Computer verwenden, so lange man eine echte mechanische Tastatur hat. Touchscreen-Tastaturen funktionieren nicht, erklärt Wheeler in der Beschreibung. Die Instruktionen sollte man sich schon durchlesen – wenn man aber zu ungeduldig ist, klickt man gleich auf „Start“. Es öffnet sich eine leere Seite. Das Ganze ist so eingestellt, dass man gleich zentriert eine Überschrift schreiben kann.

Bewusster schreiben

Wenn man gleich darauf lostippt, passieren meistens schon die ersten Fehler. Auf Keyboard-Tastaturen tippt man viel schneller – ein Tempo, das bei Schreibmaschinen zu einem Blockieren der Typen führen kann.

Zumindest denkt sich das Wheeler, denn auf Schreibmaschinen tippe ich viel schneller, als das anscheinend OverType auf dem Computer verkraften kann. Eine andere, etwas bewusstere Art von Tippen wäre aber trotzdem nicht verkehrt.

Was liegt, das pickt – das gilt vor allem bei Fehlern. Hat man sich vertippt oder ein Leerzeichen wurde nicht angenommen, merkt man das sofort. Zwar kann man die Backspace-Taste drücken, das bringt aber nicht viel. Der Cursor geht ein Feld zurück, der falsche Buchstabe wird aber nicht – wie bei Word-Dokumenten – gelöscht. So hat man nicht viele Möglichkeiten: Entweder man lässt den Fehler, übertippt ihn (x-elt ihn aus) – oder benützt das von OverType zur Verfügung gestellte „Correction Paper“ (im realen Leben: Korex – falls das noch irgendjemandem etwas sagt). Ziemlich umständlich.

For whom the „Pling“ tolls…

Wenn man ans Ende der Zeile kommt, ertönt ein „Pling“. Dann hat man noch ein paar Zeichen, um ein Wort richtig abzuteilen. Von selbst springt OverType nicht in die nächste Zeile, dafür muss man schon die Enter-Taste bemühen. Und dann – wie bei einer richtigen Schreibmaschine – wandert der Cursor eine Zeile nach unten und huscht nach links an den Zeilenanfang. Das kommt optisch sogar richtig gut rüber.

Die Geräusche der Schreibmaschine, wie das Anschlagen, das Retournieren des Wagens oder das Pling gegen Ende der Zeile hat Wheeler entweder selbst aufgenommen oder aus Sound-Libraries.

Zur Verfügung stehen drei Schriftarten: Courier, Special Elite und GNUTypewriter (ich wusste nicht einmal, dass es das gibt). Sogar in Rot kann man schreiben. Einstellen kann man auch die Genauigkeit des Schriftbildes. Je höher der Grad der „Brokenness“, desto mehr tanzen die Buchstaben in der Zeile nach oben oder nach unten, „drucken“ mal stärker, mal schwächer aufs „Papier“ (sprich: Bildschirm). Allerdings: Selbst bei einer geringen „Brokenness“ tanzen die Buchstaben auf der Seite mehr herum, als ich es von meinen – aktuell – sieben Schreibmaschinen gewohnt bin. Generell kommt mir so vor, als hätte Wheeler mehr aus der Erinnerung heraus Schreibmaschinen-Macken programmiert, als sie denn wirklich so en masse aufgetreten wären.

Das größte Manko ist leider der Versuch, die schwächer werdende Farbe zu simulieren. Wenn man es richtig einstellt, hat man 600 Zeichen zur Verfügung, bevor man das „Farbband wechseln“ muss, indem man den „Ribbon Ink“-Regler wieder ganz nach rechts schiebt. Doch bereits nach 400 Zeichen ist die Schrift so schwach, dass man nur schwer etwas lesen kann. Wenn man ausdruckt, wird vor allem der schwache Text sehr pixelig.

Wenn Wheeler dieses Feature auf 10.000 Zeichen umstellen oder ganz abschalten würde, dann würde ich wahrscheinlich öfters mit OverType tippen.

Das mit dem Abspeichern

Wheelers Gedanken zum Thema Abspeichern haben mich zum Lachen gebracht – und finden auch meine vollste Zustimmung. Es ist ganz einfach: Man kann nicht „saven“. Eben wie bei einer Schreibmaschine. Man kann den Text aber ausdrucken (im Text rechtsklicken und auf Drucken gehen).

Ein Fall für Qwerkywriter?

Vielleicht sollte sich Ben Wheeler mit Brian Min zusammenreden und ein Programm für dessen Qwerkywriter (hier vorgestellt) schreiben? Das wäre sicherlich ein nettes Zusatz-Feature für Mins Schreibmaschinen-Keyboard.

Rodja

INFO: http://uniqcode.com/typewriter/

Update 24.08.2015: Softwareentwickler Ben Wheeler hat mir eine sehr nette, ergänzende Antwort auf mein Review geschickt.

Hi, thanks for the review 🙂 You’re right that OverType tends to do too much vertical displacement of characters compared to a real typewriter, and the ink runs out too fast. These are things I chose to exaggerate it for comic effect – hence it is the “over-the-top” simulator rather than the “super-realistic” simulator. But at Brokenness 0 the characters should all be perfectly aligned. And I did indeed write OverType from the distant memory of using a typewriter some decades ago – I have only recently bought a real typewriter, so I may make some improvements to the realism based on my experiences with it.

(It’s an) Adler Universal, circa 1962.

It works pretty well but several of the hammers don’t spring back properly so it’s not possible to type fast on it as I’m having to continuously push the hammers back… probably just needs a good going over with WD40.

Cheers

Ben

Screenshot

Screenshot

Trumbo

Ui, da komme ich nicht mal mit dem Zählen der Schreibmaschinen im Trailer nach. 😀

Der im November 2015 erscheinende Spielfilm „Trumbo“ mit Bryan „Breaking Bad“ Cranston basiert auf dem Leben des 1976 verstorbenen US-Drehbuchautors Dalton Trumbo, der es in der McCarthy-Ära wagte, kein mieser Denunziant zu werden – und dadurch als Kommunist gebrandmarkt auf die schwarze Liste für Hollywood-Bosse kam. Folglich wollte auch kein Filmstudio offiziell etwas mit ihm zu tun haben. Trotzdem schrieb er unter Pseudonymen weiter – seine Mitarbeit z.B. zu der wundervollen Romantikkomödie „Ein Herz und eine Krone“ (1953) mit Gregory Peck und Audrey Hepburn wurde erst 2011 von der Writers Guild of America offiziell bestätigt – und das obwohl Trumbo posthum bereits 1993 der Oscar für das beste Drehbuch zuerkannt wurde.

Der Bannfluch der McCarthy-Schauprozesse zerbröselte, als Regisseur Otto Preminger Trumbo für seine Arbeit an „Exodus“ (1960) offiziell als Drehbuchautor benannte – und auch in „Spartacus“ (1960) mit Kirk Douglas erwähnt wurde. Ein weiterer großer Hit wurde „Papillon“ (1973) mit Steve McQueen und Dustin Hoffman, da war Trumbo aber bereits rehabilitiert.

Trumbo schrieb auch das auf seinem Roman basierende Drehbuch zu dem Antikriegsdrama „Johnny Got A Gun“, das er 1971 selbst verfilmte. Aus diesem Spielfilm verwendete die Metalband Metallica einige Szenen für ihr Musikclip zu „One“. Um nicht auf ewig Lizenzgebühren zu zahlen, kauften sie gleich die ganzen Rechte am Film.

Rodja

INFO: Dalton Trumbo auf Wikipedia

Schreibmaschinenthriller „Die Muse“ gratis online

Eva Merz - © high5films / ghost light productions

Eva Merz – © high5films / ghost light productions

Vor kurzem habe ich hier den No-Budget-Indie-Thriller „Die Muse“ des in Salzburg lebenden Filmemachers Christian Genzel vorgestellt, in dem eine Triumph electric 131f eine nicht unwesentliche Rolle spielt.

Nun bietet Regisseur Genzel eine Sommeraktion an: Er serviert sein kleines, aber feines Psycho-Kammerschauspiel „Die Muse“ für kurze Zeit gratis.

Bis einschließlich Sonntag (09. August 2015) gilt: Mit dem Kennwort SWORDFISH kann man den Film auf der VOD-Seite Vimeo gratis streamen – einfach beim Leihvorgang das Passwort angeben.

Synopsis: Katja (Henriette Müller), eine junge Frau Mitte zwanzig, erwacht in einer Zelle in einem Kellerraum. Ein Mann stellt sich ihr vor – es ist Peter Fischer (Thomas Limpinsel), ein Schriftsteller, der ihr erklärt, warum sie da ist: Sie ist Muse und Inspiration für sein neues Buch, und sie soll freiwillig in Gefangenschaft bleiben, damit er weiterschreiben kann. Er will ihr klarmachen, dass er an etwas Wichtigem arbeite und sie Teil dessen sein könne.

Zwischen den beiden entsteht ein Machtspiel: Katja versucht, Fischers Schwächen zu erkennen und sie auszunutzen, um aus der Gefangenschaft ausbrechen zu können, während Fischer immer wieder probiert, sie von seiner Sache zu überzeugen, und sie für ihre Fluchtversuche bestraft. Die Situation eskaliert…

Rodja

Hier geht es zum Videostream: http://vimeo.com/ondemand/diemuse (Passwort: SWORDFISH nicht vergessen)