10 Gründe für den Gebrauch einer Schreibmaschine

Schreibmaschinen-Enthusiast Richard Polt, auf dessen kommendes Sachbuch „The Typewriter Revolution ich mich schon sehr freue, hat für die Plattform Rodael’s OrganicLife zehn Gründe zusammengetragen, warum das Arbeiten mit der Schreibmaschine nicht nur ein hipper Trend ist, sondern – gerade in der Zeit des Computers und des Internet – durchaus immer noch Sinn macht.

Hier geht es zum Artikel: www.rodalesorganiclife.com/home/10-non-hipster-reasons-use-typewriter-instead-laptop

Ich persönlich kann mich mit den Punkten 1, 2, 3, 5 und 9 sehr identifizieren.

Rodja

Mein erster Job als Schreibmaschinist

Ich habe schon einige Arbeiten mit meinen Schreibmaschinen erledigen können. Artikel, Roman-Treatment, zwei Drehbuch-Treatments (und ein drittes steht auch noch an). Aber diesmal habe ich meinen ersten Job bekommen, eben weil ich auf Schreibmaschinen tippe. Obwohl… Job ist zu hochtrabend, da es nach „bezahlter Auftrag“ klingt. Ist es aber nicht, es geht mehr um das Vergnügen. Aber wenn weitere Anfragen kommen sollten, werde ich mir das wohl überlegen. 😀

Eine Band will für ihr neues Album einen Pressetext auf Schreibmaschine getippt haben. Ursprünglich wollte der Sänger selbst tippen, aber da ich da etwas mehr Erfahrung habe, bot ich ihm meine Hilfe an. Nach dem Zuschicken einiger Schriftproben entschied er sich für die Hermes Baby.

Genaueres folgt, wenn der Text auch abgenommen und wirklich veröffentlicht wird.

Rodja

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Die „falsche“ Erika 10

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Ach herrje, was für ein „Reinfall“.

Ein Drehbuchautor hat mir vor kurzem seine letzte Errungenschaft gezeigt, eine Erika 10. Und sofort war ich hin und weg. Das Tippen, das Drehen an der Walze, das sich anhört, als würde man am Zahlenschloss eines Tresors drehen. Vor allem das Öffnen der Haube. Man drückt einen Knopf – und wie bei einem Auto die Motorhaube öffnet sich auch die Schreibmaschine quasi selbstständig. So etwas will ich natürlich auch haben. Praktisch, dass auf Willhaben auch eine um 25 Euro angeboten wurde. Allerdings… die sah doch ein bisschen anders aus.

Dennoch bestellte ich sie – und bekam tatsächlich eine wunderschöne Maschine. Aber leider keine Automatik des Hauben-öffnens. Auf dem Deckblatt der Bedienungsanleitung stand Erika 10 – allerdings aber nur dort. Auf der Innenseite stand nämlich Erika 11. Ein kurzer Check im Internet, und schon musste ich feststellen, dass die Erika 11 – obwohl eine höhere Modellnummer – doch nur eine um mehrere Features abgespeckte Version der Erika 10 ist. Keine „Motorhaube“, kein Tabulator.

Bin ich also enttäuscht? Nun, eigentlich nicht. Denn die schwarze Erika 11 zeichnet sich vor allem durch eins aus: Eleganz. Sie ist tatsächlich die eleganteste Schreibmaschine in meiner kleinen Kollektion. Sollte ich mal Fotos von mir als Journalist/Schriftsteller/Drehbuchautor machen lassen, dann wird sie es sein, vor der ich sitzen werde. 😀

Rodja

Die Bier-Schreibmaschine

Writer’s Block adé.

Also wenn das kein Grund ist, es einmal mit der Schreibmaschine zu probieren, dann weiß ich nicht/ist Euch nicht zu helfen. ;-D

Der wahrhaft feuchte Traum eines jeden Schriftstellers. Eine Zapfmaschine, die Bier liefert, solange man auf der Schreibmaschine schreibt. Eine nette Idee, die uns da die tschechische Biermarke Staropramen mit dem TapWriter liefert.

Rodja

„The Underwood Typewriter“ von Fionn Regan

And I’m changing the ribbon in this old Underwood

Ich stehe auf Punk. Auf Metal. Auf österreichische Bands. Auf Klassik. Ja, auch von Pop gefällt mir hin und wieder etwas. Aber ich mag auch die leisen Sachen. Jackie Levens „Fairytales for Hard Men“ ist für mich das beste Album, das es gibt. Punkt. (<- Das ist eine Empfehlung, also auf, auf… suchen und hören gehen!)

Schreibmaschinen-mäßig bin ich nun über den irischen Singer/Songwriter Fionn Regan (Site ist anscheinend momentan tot, auf seiner Facebook-Site gibt es aktuelle Infos) gestolpert. Genauer gesagt über sein „The Underwood Typewriter“ von seinem 2006 erschienen Album „The End of History“. Besonders mag ich dieses leise Tippgeräusch, das er in den Refrain eingebaut hat. (Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es echtes Tippen ist – oder mit irgendwelchen Percussions nachgemacht. Vermute eher letzteres). Das Lied erinnert mich stark an Ryan Adams „Heartbreaker“-Album – und das höre ich einfach immer wieder gern.

TV-Serienfans dürfte Fionn Regan kein Unbekannter sein. Sein Song „Be Good or Be Gone“ fand unter anderem in „Grey’s Anatomy“, „Nearly Famous“ und „Skins“ Verwendung. Was mich besonders erfreut: Für Fionn Regan ist die Schreibmaschine nicht nur ein Ding der Vergangenheit, etwas, das er als Metapher in seinen Songs verwenden kann. Nein, er schreibt tatsächlich seine Songtexte auf der Schreibmaschine, weiß Wikipedia zu berichten.

Regan states that he wrote character-based songs on his typewriter first, before putting the words to music, and notes that.

In einem Interview mit der irischen Radiomoderatorin Vanessa Monaghan auf ihrer Website über sein Album „100 Acres of Sycamore“ erzählte der Musiker, wie er auf die Schreibmaschine kam.

I got into that on the last record. Aesthetically, it’s beautiful and also it makes you think about things in a different way, the rhythm of it. I would say the rhythm of the typewriter, you could probably write a book about it, how that actually affected writing, how the actual physical.. I heard someone talk about Paul Auster and it sounds like someone is practising the drums when he is hammering out a book, it’s such a physical thing. You have to wait, you have to think about it, you really have to think about the process and what you’re doing before you commit to the page, otherwise you’ve got to roll it out and do it again.

It’s the same with music, I record to tape, I use, what for some people would be archaic techniques to make records. Analogue, tape machine, a room full of musicians, me set up here, strings set up over there, drums over there. Three takes of a song and that was it.

So, und jetzt bin ich auf, ein paar Scheiben von Fionn Regan zu suchen.

Rodja

INFO: Fionn Regan auf Facebook: www.facebook.com/fionnregan

Die Zeichen an der Wand deuten

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Früher habe ich es geliebt, durch Wien spazieren zu gehen. (Eigentlich liebe ich es jetzt auch noch – doch die Zeit dafür ist leider knapp bemessen) Das konnte ich stundenlang. Einfach dahinschlendern, ohne fixen Plan – und die Leute dabei beobachten, wie sie von Termin zu Termin hetzen. Den Blick starr vor sich gerichtet, leicht nach unten – auf den Rücken des Vordermanns starrend. Und wenn das Leben einen noch weiter runterdrückte, dann auf den Arsch oder noch tiefer auf die Füße.

Wenn ich so etwas sah, dann habe ich bewusst den Blick nach oben gerichtet. Und da habe ich so manch‘ Sehenswertes entdeckt. Verwinkelte Balkone, geheime Zeichen, mutige Pflanzen, die sich an der Mauer festkrallten, Spuren eines längst aufgelösten Geschäftes (ein Höhepunkt: Ein Reisebüro, das aussieht, als wäre es erst gestern geschlossen worden – und Prospekte von 1995 in der Auslage hat!) oder Hängeschilder. Das beflügelt meine Fantasie und meine Schwermut. Das hat so etwas Endliches an sich.

Nun ist ein lieber Arbeitskollege – nennen wir ihn Stefan Rathmanner – über etwas gestolpert, bei dem er sofort an mich denken musste. In der Strozzigasse im achten Wiener Gemeindebezirk fiel ihm eine Geschäftsinschrift auf, die farblich mit der Wand zu verschmelzen scheint: „Schreibmaschinen Franz Jelen & Co.“ – ein Geschäft, das einmal war.

© Stefan Rathmanner

© Stefan Rathmanner

Ich habe natürlich gleich danach gegoogelt, aber sehr viel habe ich nicht herausgefunden. 2003 gab es eine Urnenbestattung von einem Franz Jelen. Aber ob es sich dabei um den Geschäftsinhaber des Kellerlokals handelt, kann ich nicht feststellen. Dafür fand ich aber auf dem Flickr-Account von Michael Stoll ein Foto von 2009 vom gleichen Motiv. Und da war die Inschrift noch nicht überfärbt. Auf Ipernity postete ein Michiel500 das gleiche Motiv, diesmal von 2008. Da finde ich es wiederum interessant, dass jemand schon vor sechs, sieben Jahren das fotografierenswert fand.

Rodja

„Tagtraeumen“ von Tagtraeumer

In den letzten Jahren hat sich in Österreich – trotz des (inoffiziellen, dennoch vorhandenen) Boykotts von Radio- und TV-Sendern – eine sehr lebendige und bunte Musikszene entwickelt. Und einige Bands haben durchaus das Potenzial, auch international durchzustarten. Die Musik richtet sich dabei eher an… wie sage ich es am besten?… reifere Ohren.

Die aus der Steiermark stammende Band Tagtraeumer (auch Tagträumer) geht da einen etwas anderen Weg. Mit ihrer Musik richtet sie sich vom Eindruck her eher an Teenies. Das ist jetzt keine negative Wertung meinerseits, sondern einfach nur ein Eindruck. Ein „Ah, das gibt es ja auch noch, hatte ich doch glatt vergessen“-Moment.

Ihr Song „Tagtraeumen“ wurde ein Hit – und ist auch ein sehr netter Ohrwurm. Das dazugehörige Video von Regisseur Philipp Müller ist aber auch für Schreibmaschinisten interessant. In einer Sequenz (01:32 – 01:38) geht Sänger Thomas Schneider durch ein angedeutetes Büro, in dem links und rechts neben ihm an Schreibmaschinen getippt wird. Er wirft mit Blättern um sich, durchbricht den Arbeitstrott, seine Arbeitskollegen (die auch seine Bandkollegen sind) blicken ihm verwundert nach.

Die Aussage verstehe ich wohl, man soll selbst bei einer 40-Stunden-Woche nie aufhören, Tagträume zu haben. Aber warum symbolisieren Schreibmaschinen (noch dazu unterschiedliche Modelle) den Büroalltag? Warum hat man nicht irgendwelche anonymen, massenproduzierte PCs oder Laptops genommen, die alle gleich ausschauen? Schreibmaschinen haben für mich doch eher etwas Individuelles.

Leider kann ich die Modelle der Schreibmaschinen nicht erkennen. Ich habe vor einiger Zeit schon einmal die Band (bzw. die Plattenfirma) um Infos ersucht, aber keine Antwort erhalten. Aber auch so ist es ein nettes Musikvideo, das wieder einmal Schreibmaschinen featured – und davon kann es ja meiner Meinung nach nie genug geben. 😀

Rodja

PS Und auch hier: Die Jungs tippen so, als hätten sie noch nie an einer Schreibmaschine gesessen.

Neulich beim Tandler, erster Versuch

Die MA 48 (Magistratsabteilung) ist in Wien zuständig für die Abfallwirtschaft und die Straßenreinigung. Sie verwaltet auch die Mistplätze, auf denen Leute nicht nur Sperrmüll, sondern auch nicht mehr gebrauchte, aber einwandfreie Sachen wie alte Computer, Kleidung oder Möbel abliefern können. Und seit kurzem werden letztere Sachen nun auch wieder verkauft – und zwar beim 48er-Tandler in 1050 Wien. (Anm.: Tandler ist österreichisch für Klein-, Wander- oder Altwarenhändler)

Dementsprechend bietet 48er-Tandler unter anderem Vintage-Möbel und andere gebrauchte Sachen wie Geschirr, Kleidung, Bücher, Sportgeräte, Musikinstrumente, Schallplatten, Spielsachen und vieles, vieles mehr. Aus den Erlösen werden karitative Projekte, wie die Gruft (Betreuung von Obdachlosen), das Integrationshaus (Betreuung von Flüchtlingen oder das TierQuarTier Wien (Tierschutz).

Look, but don't touch - alles nur Dekoration © Rodja Pavlik

Look, but don’t touch – alles nur Deko hier © Rodja Pavlik

So etwas unterstützt man doch gerne. Vor allem wenn man annehmen kann, dass sich auch Schreibmaschinen unter den angebotenen Sachen befinden. Ich fragte per E-Mail an und bekam als Antwort.

Wir haben Schreibmaschinen zum Verkauf. Sammlerstücke sowie auch jüngere Modelle.

Oh, klang das verlockend. Allerdings deutete der Satz auch an, dass die Damen und Herren von der MA 48 wissen, dass sie die Schreibmaschinen nicht unbedingt billig abgeben müssen. Ich sah schon eine eigene Abteilung vor mir, wo man in Ruhe durchgehen und verschiedene Modelle nebeneinander ausprobieren konnte. Und so fuhr ich am Donnerstag hin (das Geschäft hat nur Donnerstag bis Samstag offen). Doch leider erlebte ich eine Enttäuschung.

Erstens war der Raum zwar groß, aber nicht so groß, wie man anhand der Angebotsliste hätte annehmen können. Schon beim Eingang stolperte ich zwar über eine Olympia SM9, aber danach wurde es auf den ersten Blick ziemlich mau. Ich erkundigte mich bei einer Angestellten, die jedoch ziemlich genervt wirkte. Generell wirkten die Angestellten eher unwirsch, was aber auch zum Teil an den potenziellen Kunden liegt, die durchs Geschäft gingen und alles möglichst billig, aber mit ganz viel Bedienung haben wollten. So verlangte jemand lautstark nach einer Kiste zum Transportieren. Gibt es nicht? Ah, ein großes Papiersackerl kann man haben. Was? Dafür wird 30 Cent verlangt?!? Die „Kundin“ drehte sich mit einer Handbewegung um, die an die Leichtigkeit, mit der ein Mittelfinger gezeigt wird, erinnerte. Oder eine andere Kundin, die quasi meinte, dass jemand auf ihre Kinder aufpassen müsste, damit sie sich in Ruhe in der Geschirrabteilung umschauen könne – denn sonst könnten die Kinder ja etwas ruinieren! Da kann ich mir schon vorstellen, dass die Angestellten gegenüber den Kunden eher „defensiv“ auftreten.

Deswegen fragte ich höflich nach, wo denn die Schreibmaschinen stehen würden. Und da bekam ich den bestimmten Fingerzeig in die ungefähre Richtung der Möbelabteilung. „Dort… Irgendwo. Aber nur jene, bei denen ein Preisschild ist. Die anderen sind nicht verkäuflich. Und…“ – sie zeigte auf die Olympia SM9 – „…die kann man auch kaufen. Obwohl da kein Preisschild drauf ist.“

Ausgestattet mit so präzisen Informationen machte ich mich auf den Weg… und fand nichts. Oder? Ja, doch. Da waren doch Schreibmaschinen. Und zwar jede Menge. An der Wand befestigt. Auf Regalen, gerade noch in Reichweite, aber so Monster-Trümmer, dass man sich nicht traut, sie alleine herunterzuheben. Gerade eine konnte ich von dem Regal herunterheben – und war sogleich verliebt. Eine Remington Noiseless 7, eine ausgesprochene Schönheit, die – wenn ich mich recht erinnere – auch von der „Blitzdichterin“ Nicola Gold verwendet wird. Aber siehe da: Kein Preisschild. Ich hievte die Maschine wieder aufs Regal zurück. Und dann erwischte ich einen Angestellten und fragte, was mit den Schreibmaschinen an der Wand sei. „Oh, die dienen nur zur Dekoration. Die sind nicht zum Verkauf bestimmt“, kam als Antwort. Was für eine bittere Enttäuschung. Und wo seien nun die Schreibmaschinen, die man kaufen kann? Darauf blickte sich der Verkäufer um… und um… und um. „Es gab einige. Aber die dürften schon alle weg sein.“

Und so stromerte ich enttäuscht durch die Halle, warf sehnsuchtsvolle Blicke auf die unerreichbaren Modelle – und landete immer wieder am Ausgangspunkt, der Olympia SM9. Schließlich fragte ich nach dem Preis. 25 Euro. Nicht schlecht. Wenn ich nicht meine Olympia Monica de Luxe hätte, hätte ich wahrscheinlich zugeschlagen. Die Olympia SM9 ist an sich keine Schönheit, sie ist aber ein echtes Arbeitstier. Auf die Tastatur kann man dreschen, dass es eine reine Freude ist. Und: Wenn man die Großschalttaste niederdrückt, drückt man den Wagen runter, um groß zu schreiben. Wenn man die Großschalttaste loslässt, gleitet der Wagen wieder in die ursprüngliche Position. Das hat den Vorteil, dass man bei der Großschaltung das Gewicht des Wagens nicht stemmen muss, sondern dieses sogar nutzen kann. Ganz anders als meine Olympia Monica de Luxe, bei der ich mit dem kleinen Finger kräftig die Großschalttaste drücken muss, um den Wagen nach oben zu stemmen. Schreibmäßig fühlt es sich bei der Olympia SM9 so an, dass es kaum einen Unterschied gibt, ob ich die Buchstaben tippe oder die Großschaltung drücke. Das ist echt angenehm.

Die SM9 im Laden selbst wirkte so, als hätte man sehr häufig damit gearbeitet. Auf den Typen waren so feine weiße Farbspritzer zu sehen. Tipp-Ex? Kores-Korrekturblätter? Ich weiß es nicht. Das Tippen ging recht flott und die Typen blieben nicht stecken. Alles in allem ein zufriedenstellender Eindruck. Und für 25 Euro ein recht gutes Angebot, wenn man nicht viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres legt. (Man wird da recht schnell verwöhnt, ich weiß.)

Eine Olympia SM9 - die einzig käufliche Maschine hier - © Rodja Pavlik

Eine Olympia SM – die einzig käufliche Maschine hier – © Rodja Pavlik

Schließlich fand ich doch noch eine Verkäuferin, von der ich mehr erfahren konnte. Ja, es hat einige Schreibmaschinen gegeben, die waren aber recht rasch verkauft – und das bei Preisen bis zu 120 Euro! Das erstaunte die Frau sehr. Und dass vor allem junge Leute die Schreibmaschinen gekauft hätten. Fast so, als ob die Maschinen ein Revival feiern würden. Die meisten Schreibmaschinen wären am Samstag verkauft worden. Es gebe noch viele weitere Schreibmaschinen, aber wann die im Verkaufsraum aufgestellt werden, konnte sie nicht sagen. Am besten, man rufe in der Früh an, dann könnte man besser Bescheid geben.

Fazit:Elf Schreibmaschinen, die als Dekoration an der Wand hängen – und nur eine Maschine, die man tatsächlich kaufen kann. Herrje, was für eine Enttäuschung. Aber noch will ich die Hoffnung aufgeben, deswegen werde ich noch zwei, drei Mal vorbeischauen. Allerdings: Man sollte sich bewusst sein, was man sucht. Die Angestellten dort wissen leider nicht immer, wie die Sachen, die sie verkaufen, funktionieren. Bei der Vielfalt der dargebotenen Waren ist das aber auch nicht ernsthaft zu erwarten.

Rodja

INFO: 48er-Tandler, Siebenbrunnenfeldgasse 3/Ecke Einsiedlergasse, 1050 Wien. Do. 10:00 – 20:00 Unr, Fr. & Sa. 10 – 18:00 Uhr. Tel.: 01/58817 48702. Weitere Informationen unter https://48ertandler.wien.gv.at

„Meine Schreibmaschine und ich“ – Thomas Glavinic

© Carl Hanser Verlag

© Carl Hanser Verlag

Früher war ich ein sehr intensiver Leser. So ein, zwei Bücher pro Monat – das ging sich schon mal aus. Aber das ist lange her, heute bin ich froh, wenn ich ein paar Seiten während der knapp 20-minütigen U-Bahn-Fahrt in die Arbeit schaffe.

Ich war nicht unbedingt ein Qualitäts-Leser, eher mehr so in der Sparte „Kraut und Rüben“ unterwegs. Der Titel war ansprechend? Die Inhaltsangabe auch? Dann gleich ausgeborgt aus der Bibliothek. Ich achtete kaum auf Namen und noch weniger auf aktuelle Rezensionen. Und so entging mir einiges an Zeitgenössischem. Zum Beispiel hat es der österreichische Buchautor Thomas Glavinic erfolgreich geschafft, längere Zeit unterhalb meines Wahrnehmungsradars zu agieren. Das ist nicht seine Schuld. Sein Name ist mir bekannt – und auch die Titel einiger seiner Werke. Z.B. „Der Kameramörder“ oder „Wie man leben soll“. Aber das wahrscheinlich eher dadurch, dass diese Bücher auch verfilmt wurden. Wobei ich auch die Filme wiederum nicht gesehen habe. Eben nur als „…verfilmt nach dem Buch von…“ wahrgenommen habe.

Und dann stoße ich auf sein Buch „Meine Schreibmaschine und ich“ (Carl Hanser Verlag, 2014). Die Texte stammen eigentlich aus einer Vorlesung, die der Schriftsteller 2012 im Rahmen einer Poetikprofessur an der Universität Bamberg gehalten hat. Für das Buch wurden sie noch einmal überarbeitet.

Natürlich wurde ich neugierig. Ein Autor, der tatsächlich noch mit der Schreibmaschine schreibt? Ich weiß selbst nicht, warum ich so erstaunt bin. Schließlich kenne ich mit Paul Auster und Jason Dark bereits zwei Schriftsteller, die so arbeiten. Mit Letzterem hatte ich ein Interview, von Paul Auster habe ich sein Buch „Die Geschichte meiner Schreibmaschine rezensiert.

Um es gleich einmal vorwegzunehmen: Der Buchtitel des in Wien lebenden Grazers ist eine Irreführung. Eigentlich hätte es „Meine Befindlichkeiten und ich“ heißen sollen. Ja, es kommt etwas Schreibmaschine vor, aber von den rund 115 Seiten passt das Geschriebene über die Schreibmaschine zusammengefasst auf 1 1/4 Seiten (in Worten eineinviertel) – wenn es hoch kommt. Etwas enttäuschend für Schreibmaschinen-Fans. Aber dennoch nicht uninteressant, zumindest für angehende Schriftsteller. Lässt man mal die Schilderungen von Glavinic der eigenen Befindlichkeiten weg. Und die gibt es en masse in Kapitel 1 („Was ich mag und was ich nicht mag“) und Kapitel 4 („Was andere denken“… sollte eigentlich „Was ich denke, was andere denken“ lauten). Es ist ein imaginäres Interview mit einem präpotenten Journalisten, der Glavinic ständig in eine Ecke drängen möchte. Sagt sehr viel aus, zumindest über das, was der Schriftsteller von den Journalisten denkt.

Das ist NICHT Glavinics Olivetti Lettera 32 © Georg Sommeregger

Das ist NICHT Glavinic‘ Olivetti Lettera 32 © Georg Sommeregger

Glavinic schreibt mit einer Olivetti Lettera 32 (siehe Symbolfoto), die er vor 20 Jahren von einer Bekannten bekommen hat. Er ist ein typischer Vertreter der „Mit einer Schreibmaschine schreibt man bewusster“-Mentalität. (Mit typisch meine ich, dass ich dieses Argument schon oft gehört habe – u.a. bei Paul Auster. Ich selber benutze die Maschine ja, um Gedanken hinzufetzen, bevor sie mir entwischen. Aber dazu ein anderes Mal mehr.)

Glavinic schreibt:

Ich schreibe an der Schreibmaschine und nicht am Computer, weil ich zu faul bin und mich durch die etwas komplexere Art des Arbeitsprozesses zu größerer Genauigkeit zwinge.

Ich denke länger nach, ehe ich einen Satz niederschreibe, ich gebe mich nicht so leicht zufrieden. Ich spüre seinem Klang so lange nach, bis ich meine, den perfekten Ton, die harmonischste Struktur gefunden zu haben, ich überlege wieder und wieder, ob er denn wirklich stimmig ist. Erst dann kommt er aufs Papier.

Allerdings beschreibt er ein Problem, das ich so nicht kenne:

Zudem habe ich kaum noch Farbbänder, was oftmals dazu führt, dass ich die Maschine öffnen und das Band manuell zurückspulen muss, um einen weiteren Absatz halbwegs leserlich tippen zu können.

Wirklich? Hm, dann muss etwas bei der automatischen Umschaltung der Laufrichtung defekt sein. Jedes Farbband hat an jedem Ende eine Metallöse. Wenn also das Ende des Bandes erreicht ist, löst die Öse einen Mechanismus aus, der die Laufrichtung ändert. Wenn man so will, kann man ewig schreiben – nur die Farbe wird halt immer blasser. Aber zurückspulen? Das bringt eigentlich genau gar nix. Auch verstehe ich nicht ganz, wie man in Zeiten von Amazon einen Mangel an Farbbändern haben kann. Oder man geht in Wien zum Miller auf der Mariahilfer Straße oder zum Michael Schilhan in der Rochusgasse und besorgt sich welche.

Allerdings – einen Tipp habe ich mir aufgeschrieben. Glavinic schreibt am Tag zwei Seiten. Und hört dann auf. Auch mitten im Satz. Zuerst fragte ich mich, was das soll. Aber der Autor hat einen wirklich guten Grund – und ich überlege, ob ich das in Zukunft auch so machen werde.

Und wenn ich sie geschrieben habe (Anm. die zwei Seiten), ist Feierabend. Mitten im Satz ziehe ich das Papier aus der Maschine, lege es zur Seite und sehe zu, dass ich vom Schreibtisch wegkomme. Was sonderbar klingen mag, doch für mich folgt diese Praxis einer zwingenden Logik. Es ist viel einfacher für mich, in den Text, in seinen Ton zurückzufinden, wenn ich morgens mitten in einem Satz oder Absatz weitermachen kann.

Natürlich ist auch Thomas Glavinic im Zeitalter des Computers angekommen. Aber die erste und zweite Fassung des Romans werden mit der Schreibmaschine geschrieben. Erst mit der dritten Überarbeitung wird der Text in den Computer übertragen. Danach kann es 10, 20 oder gar bis zu 50 Arbeitsgänge dauern, bis das Skript fertig ist.

Fazit: Das Buch „Meine Schreibmaschine und ich“ ist an und für sich recht unterhaltsam zu lesen. Letztendlich hat es Schreibmaschinen-Fans nicht wirklich etwas zu bieten. Im Grunde genommen tut das auch Paul Austers Buch „Die Geschichte meiner Schreibmaschine“ auch nicht, das ja eher einen Essay und Bilder eines mit Auster befreundeten Malers enthält. Es scheint, als könnte – außer in Sachbüchern – die Schreibmaschine kein ganzes Buch tragen. Für Fans von Thomas Glavinic und/oder angehende Autoren ist „Meine Schreibmaschine und ich“ durchaus unterhaltsam – und wenn man die Selbstbefindlichkeiten des Autoren außer Acht lässt, kann man vielleicht auch zwei, drei Tipps für das eigene Schreiben daraus ziehen.

Rodja

INFO: www.thomas-glavinic.de/

Auf den Straßen von Rangun

Ein relativ aktueller Beitrag von Radio Free Asia über Schreibmaschinisten in Myanmar. Einige der Maschinen schauen ja ganz schön ramponiert aus – aber sie funktionieren immer noch! Und obwohl es natürlich längst Computer in Myanmar gibt, haben die mechanischen Schreibmaschinen noch immer ihre Berechtigung – vor allem angesichts der vielen Stromausfälle, die die Computer lahm legen.

Rodja