„Tagtraeumen“ von Tagtraeumer

In den letzten Jahren hat sich in Österreich – trotz des (inoffiziellen, dennoch vorhandenen) Boykotts von Radio- und TV-Sendern – eine sehr lebendige und bunte Musikszene entwickelt. Und einige Bands haben durchaus das Potenzial, auch international durchzustarten. Die Musik richtet sich dabei eher an… wie sage ich es am besten?… reifere Ohren.

Die aus der Steiermark stammende Band Tagtraeumer (auch Tagträumer) geht da einen etwas anderen Weg. Mit ihrer Musik richtet sie sich vom Eindruck her eher an Teenies. Das ist jetzt keine negative Wertung meinerseits, sondern einfach nur ein Eindruck. Ein „Ah, das gibt es ja auch noch, hatte ich doch glatt vergessen“-Moment.

Ihr Song „Tagtraeumen“ wurde ein Hit – und ist auch ein sehr netter Ohrwurm. Das dazugehörige Video von Regisseur Philipp Müller ist aber auch für Schreibmaschinisten interessant. In einer Sequenz (01:32 – 01:38) geht Sänger Thomas Schneider durch ein angedeutetes Büro, in dem links und rechts neben ihm an Schreibmaschinen getippt wird. Er wirft mit Blättern um sich, durchbricht den Arbeitstrott, seine Arbeitskollegen (die auch seine Bandkollegen sind) blicken ihm verwundert nach.

Die Aussage verstehe ich wohl, man soll selbst bei einer 40-Stunden-Woche nie aufhören, Tagträume zu haben. Aber warum symbolisieren Schreibmaschinen (noch dazu unterschiedliche Modelle) den Büroalltag? Warum hat man nicht irgendwelche anonymen, massenproduzierte PCs oder Laptops genommen, die alle gleich ausschauen? Schreibmaschinen haben für mich doch eher etwas Individuelles.

Leider kann ich die Modelle der Schreibmaschinen nicht erkennen. Ich habe vor einiger Zeit schon einmal die Band (bzw. die Plattenfirma) um Infos ersucht, aber keine Antwort erhalten. Aber auch so ist es ein nettes Musikvideo, das wieder einmal Schreibmaschinen featured – und davon kann es ja meiner Meinung nach nie genug geben. 😀

Rodja

PS Und auch hier: Die Jungs tippen so, als hätten sie noch nie an einer Schreibmaschine gesessen.

Über Die Schreibmaschinisten

Journalist, Indie-Film-Fan(atiker), Möchtegern-Autor und Schreibmaschinist
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3 Antworten zu „Tagtraeumen“ von Tagtraeumer

  1. schmasch schreibt:

    Du hast die Plattenfirma um Infos über die im Video verwendeten Schreibmaschinen ersucht? Wow, das nenne ich echten Optimismus. Ich meine, es dürfte doch so aussehen: das weiss kein Schwein und es interessiert auch keins. Normalerweise wird doch vermutlich einfach eine Firma angefragt, die sich um Requesiten kümmert. „Wir benötigen 3 Schreibmaschinen. Ohne Kabel, also ohne Strom.“
    Und die liefern dann. Vermutlich weiss selbst diese Firma nicht einmal, was das für Maschinen sind. Irgendwelche Requisiten eben, die man mal vom Flohmarkt aufgesammelt hat.

    Anderes Beispiel: Stell Dir vor, Du produzierst persönlich ein Musikvideo. In dem Video steigen die Bandmitglieder auf ein paar alte Fahrräder und radeln dem Sonnenuntergang entgegen. Eines Tages kommt eine Anfrage, um welches Fabrikat es sich denn bei den Fahrrädern im Video gehandelt habe. Deine Reaktion wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit ein „whatthefuck? wasweissdenich? weninteressiertdas?“ (Solltest Du glühender Sammler von alten Fahrrädern sein, so ersetze das Beispiel bitte mit einem anderen Fortbewegungsmittel Deiner Wahl)

    Ich persönlich interpretiere da viel weniger Symbolik hinein. Betrachtet man den Look des Videos, so steht eins im Vordergrund und das ist das Traumartige, Minimalistische.
    Die nahezu leeren Tische, lediglich mit einer mechansichen Schreibmaschine darauf passen einfach viel besser zum Gesamtlook des Videos, als es bei Monitoren, Tastaturen, Computern und dann noch Kabeln und Mäusen, etc. der Fall gewesen wäre.
    Es geht hier meiner Meinung nach ausschliesslich um optische Oberflächlichkeiten, als um eine tiefere Symbolik.

    Die Maschine ganz vorne könnte eine Erika sein, meine ich. Die hinten links sieht ein bißchen aus wie eine Olympia SM oder Monika. Die vorne rechts hat ein Schild hinten drauf, auf dem ich meinte „Universum“ entziffern zu können – was ja wieder nur ein Re-Branding wäre.
    Aber mal ganz ehrlich: whatthefuck? Istdocheigentlichtotalegal! 😉

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    • Im Prinzip gebe ich dir Recht.

      Zu 1.: Zu dem Zeitpunkt, wie ich der Band geschrieben habe, wusste ich nicht, dass sie bei Warner Music sind. Ich habe einfach das Mail an die Kontaktadresse geschickt, fertig. Wenn ich gewusst hätte, dass das Label Warner Music ist, hätte ich es gelassen.

      Bei anderen Bands, die nicht so ein schwerfälliges Management haben, habe ich immer eine Antwort bekommen. Entweder gab es eine persönliche Geschichte zur Schreibmaschine – oder es wurde auf den Regisseur verwiesen. Und der hatte eine persönliche Geschichte zur Schreibmaschine.

      Natürlich kann es auch sein, dass ein „WTF?!?“-Gedanke auftaucht. Und zu 85 Prozent wird das wahrscheinlich auch zutreffen. Aber wenn nicht, dann könnte eine Geschichte dabei herausspringen. Und das Risiko gehe ich ein. Z.B. habe ich bei „Typewriterhead“ auch nicht erwartet, auf eine derartige Hintergrundgeschichte stoße.

      Das mit dem Traumartigen, Minimalistischen ist eine gute Interpretation. Allerdings denke ich mir, dass auch Laptops (ohne Maus, ohne Kabel, ohne Drucker) funktionieren würden. Auch glaube ich, dass sie wahrscheinlich bei mehr Requisitenverleihern wegen Schreibmaschinen anfragen mussten als wenn sie Laptop-Props angefordert hätten. (Meine Vermutung)

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  2. schmasch schreibt:

    Ich denke, mit Laptops hätte der Look auch recht gut gepasst, das stimmt.
    Andererseits sind das eben kaum Geräte, die man in einem Großraumbüro antreffen würde. (Ein solches soll durch die Sitzanordnung ja vermutlich simuliert werden). Somit hätte man vermutlich nicht sofort inutitiv erkannt, dass das Setting ein Büro darstellen soll.

    Am passendsten sowohl für den look, als auch fürs Bürosetting hätte ich einen alten IBM datamaster, oder zumindest einen IBM 5100 angesehen, aber davon mal so eben drei Stück aufzutreiben ist vermutlich eher schwierig.

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