Fabian schreibt auf einer Hermes Baby

Hurra, der zweite Gastbeitrag zu „…schreibt auf einer…“. Diesmal Fabian Neidhart, der von seiner Hermes Baby schreibt. Der 29-jährige Stuttgarter ist Straßenpoet, Sprecher und Botschafter des Lächelns. Auf seiner Homepage Mokita.de bietet er außerdem seinen Roman „Das Leben ist ein Erdbeben und ich stehe neben dem Türrahmen“ unter einer Creative Commons-Lizenz kostenlos an. Man kann das Buch aber auch um zehn Euronen über Amazon beziehen.

© Fabian Neidhart

© Fabian Neidhart

Meine Geschichte mit Schreibmaschinen beginnt 2010. Ich bin in Berlin, auf einer Lesung und verbringe ein paar Tage mit einer Freundin, die ich viel zu selten sehe. Und bei ihr im Zimmer steht eine Schreibmaschine. Es ist eine schwere, selbst für eine Schreibmaschine alte Maschine. Wenn ich davor jemals eine Schreibmaschine benutzt habe, kann ich mich nicht mehr dran erinnern. Meine Erinnerung an Tastaturen beginnt mit acht Jahren und dort ist das ein 386er mit Windows 3.11 und einem Speed-Button. Nichts mit Schreibmaschine. Aber eben dann.

© Fabian Neidhart

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Ich verbringe Stunden damit, mich mit der Maschine vertraut zu machen. Mit schmerzenden, geschwärzten Fingerkuppen fahre ich Tage später nach Hause und ich weiß, dies wird nicht meine letzte Begegnung mit Schreibmaschinen gewesen sein. Und tatsächlich, ziemlich bald darauf finde ich eine Anzeige, in der zwei Schreibmaschinen verschenkt werden, eine elektrische und eine manuelle. Ich melde Interesse an und schleppe ein paar Tage später zwei Koffer quer durch Stuttgart. Die elektrische Maschine ist direkt in den Keller gewandert, die andere auf meinen Schreibtisch, eine Triumph Norm von 1936. Damit ging es los.

Danach habe ich drei Jahre lang so ziemlich jede Schreibmaschine aufgenommen, die im Umkreis von Stuttgart verschenkt wurde. Deshalb stehen nun knapp 20 Schreibmaschinen auf dem Dachboden meiner Eltern, einige Olympia, ein paar Triumph und Adler und wenige Olivetti und noch ein paar andere. Meist Büromaschinen, wie sie in den 1970ern zum Arbeiten genutzt wurden. Und bis auf zwei IBM Selectric II alles manuelle Maschinen. Meine Lieblingsmaschine dabei ist die Hermes Baby von 1949. Sie ist neben einer Olivetti Valentine auch die einzige, für die ich Geld bezahlt habe. Einen Euro. Als einziger Bieter bei einer Auktion auf eBay, die nur Abholung anbot und zwei Straßen von mir entfernt war.

Wenn man sich mit Schreibmaschinen beschäftigt, stößt man unweigerlich irgendwann auf die Hermes Baby. Sie ist das MacBook Air der Schreibmaschinen, eine Reisschreibmaschine, auf der beispielsweise Steinbeck geschrieben hat und die Max Frisch in „Homo Faber“ verewigt. Mit ihr habe ich Anfang 2011 das Ding namens Straßenpoesie begonnen. Ich sitze mit ihr auf Designmärkten, Kunstausstellungen oder Parties, Passanten nennen ein Thema und einen Preis und ich schreibe dann Geschichten auf Blankopostkarten. Macht unglaublich viel Spaß. Und immer habe ich zu viel zu tun.

© Fabian Neidhart

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2012 habe ich den Tumblr-Blog „typewriterspotting“ eröffnet, in dem ich Schreibmaschinensichtungen in Filmen, Serien und so weiter sammele.

Meine kleine Sammlung an Schreibmaschinen liegt mittlerweile auf dem Dachboden meiner Eltern. Ganz manchmal mache ich mit ihnen Workshops mit Jugendlichen. Führe sie an das Analoge und die Kreativität ran. Leider aber viel zu selten. Ich persönlich schreibe immer wieder auf der Hermes Baby. Es hat das Analoge eines Bleistifts oder eines Füllers und gleichzeitig das Bestimmte einer Computerschrift. Nur eben nicht so leicht auslöschbar. Man schreibt definitiv anders auf einer Schreibmaschine.

© Fabian Neidhart

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Für mein aktuelles Romanprojekt „Eine Nacht mit genügend Schlaf ist nur eine weitere, an die du dich nicht erinnern wirst“ habe ich die ersten fünf Seiten auf einer Schreibmaschine geschrieben. Für mehr bin ich leider zu faul. Deshalb nutze ich auch seit 2008 das gleiche Notizbuch, weil ich mir fast immer nur Notizen mache und den Rest dann am Computer schreibe. Ich will nicht alles doppelt abtippen müssen. Trotzdem, ich liebe diesen Grat von Altem und Neuem, und vor allem, die Verbindung dieser beiden Sachen. Und da gehören Schreibmaschinen definitiv dazu.

Fabian Neidhart
www.mokita.de
http://typewriterspotting.tumblr.com/

© Fabian Neidhart

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Über Die Schreibmaschinisten

Journalist, Indie-Film-Fan(atiker), Möchtegern-Autor und Schreibmaschinist
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3 Antworten zu Fabian schreibt auf einer Hermes Baby

  1. Shordzi schreibt:

    Haha, lässig. Siehst Du, one more reason for my Hermes Baby Buch.

    Gefällt 1 Person

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