Intelligente Schreibmaschine „Freewrite“ jetzt bestellbar

Computer sind wahre Multimediakünstler: Man kann nicht nur damit arbeiten, sondern auch mit ihnen spielen, Musik hören, Filme ansehen oder im Internet surfen. Jede Menge Möglichkeiten… jede Menge Ablenkungen. Und das ist für willensschwache Menschen wie mich ein Problem. Lieber mal schnell ein paar E-Mails checken, als die Deadline für einen Artikel im Auge zu behalten. Und genau vor diesen Ablenkungen soll nun der technisch abgespeckte Computer „Freewrite“ aus den USA schützen.

Ausgehend von einem erfolgreichen Crowdfundingprojekt – damals noch als „Hemingwrite“ (diesen Namen mochte ich eigentlich lieber, keine Ahnung, warum man den geändert hat) – kommt nun der „Freewrite“ auf den Markt.

Das Gehäuse ist aus robustem Aluminium, mit richtigen Tastenmodulen zum Tippen. Doch statt auf Papier blickt man auf einen 5,5-Zoll-E-Ink-Bildschirm. Da E-Ink wesentlich Strom sparender als ein normaler Laptopbildschirm ist, reicht der Akku laut Presseinformationen für mindestens vier Wochen. Die Speicherkapazität selbst beträgt bis zu eine Million Seiten.

© Astrohaus

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Im Internet surfen oder E-Mails checken geht mit dem „Freewrite“ nicht, das Gerät ist rein zum Schreiben gedacht. Mögliche Ablenkungen von der wichtigen Arbeit wurden mit dem Freewrite eliminiert, versprechen die beiden Entwickler Adam Leeb und Patrick Paul mit ihrer Firma Astrohaus. Für den „Freewrite“ gibt es verschiedene Keyboard-Layouts, man kann also auch die deutsche QWERTZ-Tastatur bestellen. (Edit 30.03.2016: Irrtum meinerseits, es folgt eine Richtigstellung)

Oliver Scheit machte mich auf ein Missverständnis aufmerksam: „Supported keyboard layouts“ bedeutet nicht, dass eine deutsche QWERTZ-Tastatur bestellbar ist. Man kann nur das ISO-Tastatur-Layout bestellen und als Setup „Deutsch“ wählen. Die Tasten sind zwar noch immer englisch QWERTY bedruckt, die Tastatur-Auslegung ist dann Standard-Deutsch QWERTZ mit Umlauten. Für Benutzer, die mit zehn Fingern blind schreiben können, also kein Problem. Wer nicht blind schreibt, hat dann ein Problem. Da es jedoch eine Cherry-Tastatur ist, können diese Tasten ausgetauscht werden. Dafür gibt es auch Bezugsquellen im Internet, meint Oliver.

Die „Schreibmaschine“ ist auch für Drehbuchautoren interessant. Soweit ich mich erinnern kann, gibt es bestimmte Shortcuts/Markups, mit denen man den Text in ein Drehbuchformat bringen kann.

Ganz aufs Internet wird aber nicht verzichtet, mittels WiFi oder Bluetooth kann man Texte mit Google Docs oder Evernote synchronisieren und speichern bzw. zur weiteren Verarbeitung auf den PC oder den Laptop verschicken. Der „Freewrite“ kann aber auch völlig vom Internet abgeschottet werden, da auch noch ein USB-C-Anschluss vorhanden ist. (Das sind die kleinen Anschlüsse – ich frage mich, ob es dafür USB-Sticks gibt.)

Wer bis Ende März das Gerät über die Website Getfreewrite.com bestellt, bezahlt 499 US-Dollar (exkl. Zoll). Danach steigt der Preis auf 549 US-Dollar (exkl. Zoll). Die Auslieferung soll noch im März starten.

© Astrohaus

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Ich habe den „Freewrite“ schon seit einiger Zeit im Blickfeld. Ja, ich war sogar ein Unterstützer der Crowdfunding-Aktion mit der höchsten Option – nämlich eines der Geräte zu bekommen. Ja, ich war bereit, viel Geld dafür auszugeben. Doch je mehr ich darüber nachdachte und Informationen darüber bekam, desto nachdenklicher wurde ich. Bereits in einem anderen Blog-Beitrag habe ich erklärt, warum ich mich dann doch entschloss, aus dem Crowdfunding-Projekt wieder auszusteigen.

Das heißt nicht, dass ich mich jetzt für den „Freewrite“ nicht mehr interessiere. Ich will nur mehr Informationen bekommen bzw. die ersten Praxistests abwarten.

© Astrohaus

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Nun ist es bald soweit – und die ersten Pressetexte lassen mich noch immer etwas unschlüssig zurück. War in ersten Informationen noch von einer Akku-Laufzeit von sechs Wochen die Rede, sind es jetzt nur noch vier Wochen plus. Und das auch nur bei einer Nutzung von einer halben Stunde pro Tag. Das kommt mir allerdings etwas wenig vor. Wenn man bedenkt, dass meine mechanische Schreibmaschine 24/7 nur auf mich wartet – und ich so zwei, drei Stunden täglich damit arbeiten kann, bevor MEIN Akku (Anm.: der geistige) schlapp macht.

Allerdings… so sparsam die Schreibmaschine auch ist – sie braucht Papier. Da ist „Freewrite“ natürlich viel praktischer, denn auf dem Gerät können bis zu einer Million Seiten gespeichert werden. Laut Pressetext. Leider steht da nicht, ob sich die Seitenzahl auf das A4-Format bezieht, oder ob darunter die Seiten zu verstehen sind, die diesem 5,5-Zoll-Display entsprechen. Quasi E-Book-Seiten halt.

Ein Computer ist in der heutigen Gesellschaft doch akzeptierter als eine Schreibmaschine. Und so wird das auch mit dem „Freewrite“ sein. Mit dem Laptop im Café zu sitzen ist heute gang und gäbe. Mit einer Schreibmaschine ist das schon schwieriger. Sie ist halt lauter – und man wird als störend empfunden und gebeten, doch woanders zu tippen. (Ja, ist mir schon einmal passiert. Ich verstehe das ja auch und höre dann auch mit dem Tippen auf.)

Kommen wir nun zum vermeintlich größten Kritikpunkt: dem Preis. Natürlich sind rund 500 bzw. 550 US-Dollar ein stolzer Preis. Aber man darf nicht vergessen: Der „Freewrite“ ist ein Nischenprodukt. Er ist nicht für die Massen gedacht. Er ist für Schreiber gedacht. Und da kann ich mir durchaus vorstellen, dass das Gerät seinen Markt findet. Natürlich, auf Laptops gibt es Word oder CeltX oder Final Draft, aber da gibt es eben auch die vielen Quellen der Ablenkung. Und ja, es gibt Apps, bei denen man eine bestimmte Zeit einstellt – und dann kann man halt diesen Zeitraum nicht im Internet surfen.

Aber Autoren ticken nun einmal anders. Sie sind auf der Suche nach dem für sie perfekten Schreibgerät. Und sollte ich das Gefühl haben, endlich mit dem „Freewrite“ meinen ersten Roman fertig stellen zu können, dann ist mir das Gerät den Preis auch wert. Egal, ob 500, 550 oder 600 US-Dollar.

Das hier sind alles nur rein theoretische Gedankengänge zum „Freewrite“, der „Schreibmaschine“ der neuen Zeit. Vielleicht würden viele Bedenken einfach weggewischt werden, könnte ich das Gerät doch nur einmal ausprobieren, meine Hand darauf legen, die ersten Texte problemlos abspeichern und auf meinen Computer übertragen. Aber nein, das ist leider nicht möglich. Ich müsste den „Freewrite“ quasi blind bestellen und darauf vertrauen, dass das Ding halt doch das kann, was ich will. Und da ist mir das Risiko zu groß. Da bleibe ich doch lieber meinen Schreibmaschinen treu.

Da die Auslieferungen jetzt im März starten (sollen), werden wohl bald die ersten hands-on-reviews erfolgen. Ganz besonders gespannt bin ich auf die Meinung von Oliver Scheit, ebenfalls einem Schreibmaschinisten. Oliver ist ein Backer der „Freewrite“-Crowdfundingaktion gewesen und sollte bald sein Gerät bekommen. Er plant, auf seiner Site Schmasch.de eine ausführliche Rezension zu veröffentlichen. Darauf bin ich schon sehr gespannt.

Rodja

INFO: http://getfreewrite.com

Warum konnte ich daran nicht einfach vorbei gehen?

Ja, warum bloß?

Das Notzibüchlein habe ich bei „Graf und Gräfin vom Raimundhof“ erstanden, ein Geschäft, das man als willensschwacher Mensch übrigens meiden sollte. Selbst wenn man nur kurz mal reinschauen will… so einfach kommt man da nicht heraus. ;-D

Und eine Schreibmaschine steht auch noch drinnen.

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Es ist ja nicht so, dass ich als angehender Bestseller-Autor unter einem Mangel an Notizbüchern leiden würde. Im Gegenteil, sie stapeln sich bei mir daheim – ob No Name oder Moleskine oder Moleskine-Kopien. Das Problem… sie sind noch immer leer.

Wie bei Schreibmaschinen bin ich auch bei Notizbüchern dazu geneigt, das perfekte Ding zu suchen. Klein, aber nicht zu klein, praktisch, robust, nicht zu starr, dass es gegen die Schreibhand drückt, wenn’s geht auch Hochwasser-abweisend, selbstschreibend (ich geb’s zu, das habe ich gerade erfunden – aber Ihr versteht, in welche Richtung es geht). So haben sich schon viel zu viele Notizbücher bei mir angesammelt und harren ihrer Bestimmung.

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Dabei schleppe ich eh immer brav ein Notizbüchlein mit mir herum und schreibe auch meine Gedanken und Ideen rein. Eine Methode, die ich zu meinen Hochzeiten (Hoch-Zeiten) als Comic-Zeichner angewandt habe, als ich immer wieder Geistesblitze von Ideen und Gags hatte. Meistens kurz vor dem Einschlafen. Da musste ich mich zwingen, aufzuspringen und den Gedanken aufzuschreiben. Wenn ich es nicht getan hätte, wäre ich am nächsten Tag aufgewacht und hätte gewusst, dass ich da eine geniale Idee hatte, aber ich hätte sie nicht mehr so pointiert rekonstruieren können. So bin ich dann doch auf über 500 Comic-Strips gekommen.

Rodja

INFO: www.graefinvomraimundhof.at

PS: Die Schreibmaschine auf dem Foto ist übrigens eine Erika 8, meine (aktuell) letzte Anschaffung. Endlich habe ich eine Schreibmaschine mit diesen silbernen Ringen. Das Tippen macht großen Spaß damit.

Ein Abend für die Schreibmaschine von Dieter Hildebrandt

Ja, eh… Comedy ist eh ganz nett. Aber die Königsklasse ist halt noch immer das Kabarett – und ja, ich sehe da sehr wohl einen Unterschied.

Vor allem in Zeiten wie diesen wäre gutes politisches Kabarett sehr vonnöten. Angesichts der Wahlen in Deutschland wären Pointen und Gedanken eines Kalibers, wie Dieter Hildebrandt es war, mehr als hörenswert gewesen. Ich kannte ihn von der TV-Sendung „Der Scheibenwischer“ her – und das muss noch in die 80er zurückreichen, denn ich kann mich noch erinnern, dass ich die Sendung in meinem Kinderzimmer geschaut habe.

Doch leider ist Hildebrandt bereits 2013 – also lange vor diesem EU-weiten Debakel in Sachen Griechenland, Flüchtlingskrise und dem Wiedererstarken der Rechten – verstorben. Ich wäre echt gespannt, was er in Zeiten wie diesen zu sagen hätte.

Seine Witwe, Renate Hildebrandt, hat im Dezember 2014 die Schreibmaschine des Kabarettisten – eine Olympia Carina 2 – dem Deutschen Kabarettarchiv übergeben. Der Abschied ist ihr nicht leicht gefallen, wie man dem vor kurzem veröffentlichten Filmbeitrag „Ein Abend für die Schreibmaschine von Dieter Hildebrandt“ entnehmen kann.

Rodja

INFO: Deutsches Kabarettarchiv: www.kabarettarchiv.de;