Kinder und die Schreibmaschine

Kindermund tut Wahrheit kund…

Diese Art von Videos wollte ich hier schon länger einmal vorstellen – und weil erst vor kurzem ein ähnlicher Clip aufgetaucht ist, habe ich mir gedacht, besser jetzt als nie.

Ja, die Schreibmaschine. Ich bin mit ihr aufgewachsen – sie war ständig präsent, selbst als ich noch zu jung war, um sie zu benutzen. In Film und Fernsehen war sie stets zu sehen – und ihre Bedeutung war uns glasklar. Man schrieb auf ihr. Briefe. Romane. Zeitungsartikel.

Die Schreibmaschine war auch Teil meiner schulischen Ausbildung. Freifach in der Hauptschule, ein (katastrophales) Jahr Handelsakademie, drei Jahre Handelsschule – und obwohl ich im anschließenden zweijährigen Aufbaulehrgang zur Handelsakademie dann kein MAS (Maschinschreiben & Stenografie) mehr hatte, musste ich doch die Schreibmaschine oft für Referate benutzen. Und dann… 1991 Matura und Eintritt ins Berufsleben. Aber da hatte schon der Computer die Bürowelt übernommen. Ich bilde mir ein, dass ich ab und zu VB-Karten (Versicherungsbestätigungen) für Autos auf der Schreibmaschine ausstellte – aber das war’s dann auch. In meinem Berufsleben war die Schreibmaschine nicht mehr vorhanden (von Stenografie ganz zu schweigen).

Dennoch wusste ich immer, wie man eine Schreibmaschine bedient. Kann sein, dass von Typ zu Typ gewisse Funktionen anders eingestellt wurden, wie z.B. der Tabulator. Aber nach einem kurzen Herumtesten kann ich auf jeder Schreibmaschine arbeiten. Ist wie Fahrradfahren. Einmal erlernt, vergisst man es nie wieder.

Das mag jetzt bei Kindern, die in den 1990ern (Kinder, haha), 2000er und 2010er geboren wurden, ganz anders sein. Die hatten kaum noch etwas damit zu tun – und auch in Film und Fernsehen wird die Schreibmaschine immer weniger präsent.

Nun befasst sich eine bestimmte Kategorie von Videos auf Youtube damit, wie Kinder auf alte Sachen reagieren – wie Walkman, Tonbänder, DOS-Computer, Wählscheibentelefon, Windows 95 oder eben Schreibmaschinen. Zwei besonders gelungene Clips kommen hier von Fine Brothers Entertainment.

Kids react to typewriters

Einige Kinder bzw. Teenies erkennen das Ding sogar als Schreibmaschine – weil sie es schon im Fernsehen und in Filmen gesehen haben. „Like old movies.“ Und eine glaubt sogar, dass irgendjemand in ihrer Familie sogar so eine Schreibmaschine hat. (Yay!)

Aber das war’s dann auch schon. Das Bedienen ist schon nicht mehr so einfach. Nachdem sie auch nicht wissen, was eine Schreibmaschine kann, können sie auch nicht so lange herumprobieren, bis sie zu einem gewünschten Ergebnis kommen.

Immerhin hat ein Mädchen einen der Vorteile der Schreibmaschine erkannt: Im Gegensatz zum Computer braucht man keinen Strom. Und so wie die Kids mit der Schreibmaschine umgehen, würden sie nie mit einem Tablet umgehen. Bzw. würde ein Tablet dem nicht standhalten.

Und davon gibt es auch noch eine Bonus-Runde…

Kids react to typewriters (Bonus #109)

Wenn man auf Youtube „Kids“ und „Typewriter“ sucht, findet man einige solcher Videos (Für mich persönlich sind die beiden Clips von Fine Brothers Entertainment jedoch die Highlights). Anscheinend billiges und leicht herzustellendes Material, denn von Youtube-Channels über Nachrichtensendungen bis hin zu Ellen DeGeneres zeigen alle diese Art von Videos. Ungläubiges Erstaunen in kindlichen Gesichtern angesichts alter Technologien. Das hat so etwas Süßes, Unschuldiges an sich.

Es kann aber natürlich sein, dass man es diesen Gfrastern, die sich auf Smartphones, Tablets, Internet allgemein sowie Instagram und Snapchat im speziellen besser auskennen als wir, noch eins reinwürgen möchte… Aber das ist nur eine Vermutung meinerseits.

Rodja

Wahre Schreibmaschinenkunst von Robert Doerfler

Wie man unschwer erkennen kann, habe ich mir ein neues T-Shirt gekauft.

Wie man unschwer erkennen kann, ist das Motiv momentan eines meiner Lieblingsmotive – eine Schreibmaschine.

Wie man schwer erkennen kann, wurde das Bild mit einer Schreibmaschine getippt.

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Schreibmaschine und Kunst – das hatte ich eigentlich immer in Richtung Literatur, Poesie, Drehbücher, und Theaterstücke verortet. Doch mittlerweile weiß ich schon mehr. So gibt es sogar Künstler, die mit der Schreibmaschine zeichnen können. ZEICHNEN! Und zwar so, dass sie mich beim Zeichnen mit Hand und Bleistift schlagen können. Das ist deprimierend, ist aber so.

So stieß ich auf die Werke von Paul Smith (den verstorbenen US-Künstlern kennt man vielleicht von diversen YouTube-Videos), Jorike van Werven oder Oi Doris.

Das T-Shirt oben ist von dem deutschen Künstler Robert Doerfler entworfen, der mit einer Brother Deluxe 1300 oder einer Erika arbeitet. Und ich muss sagen, ich bin schwer beeindruckt. Nicht nur, dass Robert sehr fein zeichnet/tippt/oder wie man auch immer das nennen mag, nein, der Chemnitzer gewährt auch Einblicke in seine Arbeit mit Making Of-Videos. Für den schwedischen Elektronikmusiker Anders Carlsson alias Goto80 entwarf er ein Cover für dessen neueste Musikkassette (!!!).

Und Robert experimentiert anscheinend auch gerne. So hat er z.B. ein Stop-Motion-Video (siehe unten) mit 44 getippten Zeichnungen gestaltet.

Wie kommt man denn bitte auf solche Ideen?!? Großartig.

Rodja

INFO: http://typewriter-art.de/

The creation of…

Typewritten stop motion…

Goatwriter!

Barbara schreibt auf einer Präsident

Beim Surfen bin ich auf den Blog „Scrap Impulse“ von Barbara Haane gestoßen, die Scrapbooking betreibt.

Auf dem Blog schreibt Barbara über Reisen und Fotografie, alles zum Thema Scrapbooking – und auch über ihre Scrapbooking-Workshops. Und hier kommt auch eine Schreibmaschine ins Spiel. Damit kann sie nämlich gleich Etiketten und Fotos direkt beschriften und in ihre Scrap Books einkleben.

Lange Zeit verwendete sie eine Brother, doch durch eine Kollegin bekam sie Lust auf eine Schreibmaschine mit kursiver Schrift. Sie war auf der Suche nach einer Gabriele – und landete schließlich bei einer Präsident. Doch der Weg zum Ziel war mit Irrungen und Wirrungen gespickt – und hätte ich ihren Bericht früher gelesen, dann wären mir wahrscheinlich auch einige Internet-Fehlkäufe erspart geblieben.

Ich habe bei Barbara natürlich angefragt, ob sie ihren Artikel meinem Blog zur Verfügung stellt – aber das hätte einiger Änderungen bedurft. Leider hat sie sich bei mir nicht mehr gemeldet. :-/

Also bleibt mir momentan nichts anderes übrig, als auf den sehr lesenswerten Erfahrungsbericht „Geschichten von der Schreibmaschine, oder Gabriele und die Präsident“ zu verlinken. Und ich muss gestehen, dass das auch ein bisschen mehr Sinn ergibt, weil der Artikel „in seiner natürlichen“ Umgebung eingebettet ist, in dem Raum steht, für den er gedacht wurde – und nicht herausgerissen und neu modifiziert auf meine Seite zugeschnitten wird.

Happy reading!

Rodja

INFO: http://scrap-impulse.typepad.com/

„Die Zeit“, ihre Follower und die Schreibmaschine

Nachdem ich ja in einer Nachrichtenagentur arbeite, lese ich kaum Tageszeitungen. Meldungen, die dort erscheinen, habe ich schon am Vortag gelesen – und meist ohne eine Prägung.

Die einzige (Wochen)Zeitung, die ich relativ regelmäßig lese, ist „Die Zeit“. Allerdings nur, wenn ich tatsächlich die Zeit dafür habe…

Nun sprang mich auf Facebook eine Werbung für die Facebook-Gruppe der Zeitung an. Darauf gratulierte sich „Die Zeit“ zu 300.000 Facebook-Followern. Und das mit dem Sujet einer Schreibmaschine. Da möchte ich natürlich auch gleich der Zeitung gratulieren – zu den Followern UND der Schreibmaschine natürlich.

Allerdings… warum ist auf einer Schreibmaschine Computerdruck? Und warum ist die Zahl 300.000 eigentlich auf der Rückseite des eingezogenen Blattes?

Aber wer bin ich schon, darüber zu richten? 😉

Rodja

Screenshot Facebook

Screenshot Facebook

Das „Kellerwerk“ und die Olivetti M40 Kr. (vereinfachte Kriegsausführung)

Upcycling – so wird der Prozess genannt, in dem aus Abfallprodukten oder (scheinbar) nutzlosen, weil nicht mehr verwendeten Stoffen oder Produkten andere, neuwertige Produkte entstehen. Wenn z.B. aus der Trommel einer alten Waschmaschine ein Hocker entsteht, oder aus alten Schwimmwesten aus Flugzeugen wasserabweisende, belastbare Rucksäcke werden. Aus einem alten Dia-Projektor eine Lampe gemacht wird. Aus den Tasten einer ausrangierten Schreibmaschine Manschettenknöpfe und Ringe… Yikes!!! Darüber hüllen wir jetzt aber rasch den Mantel des Schweigens…

But you get the idea. Das Ganze ist einerseits Ressourcen-schonend, andererseits auch etwas, das dem Lifestyle-Gefühl anspricht. Etwas Handgefertigtes mit einem Hauch von Historie. Und darauf haben sich eben Sascha Johannik und Romana Fürst vom Geschäft „Kellerwerk“ in der Gumpendorfer Straße im 6. Wiener Gemeindebezirk spezialisiert.

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Mir ist das Geschäft schon früher aufgefallen, weil ich schon länger nach einem strapazierfähigen Rucksack für meine Hermes Baby suche. Doch als ich voriges Jahr eines Tages an dem Geschäft vorbeikam, erregte etwas anderes meine Aufmerksamkeit.

Da stand sie – eine Olivetti M40 Kr. (vereinfachte Kriegsausführung) auf der Verkaufstheke. Ein Monstrum von einer Schreibmaschine, starr und unbeweglich. Natürlich ging ich sofort in das Geschäft.

Wie ich eintrat, bemerkte ich auch eine andere Schreibmaschine – eine Continental mit kyrillischen Schriftzeichen.

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Und gleich daneben… Ringe aus den Tasten einer Schreibmaschine. Oy, das tut weh. :-/ Natürlich hatte ich den Verdacht, dass auch der Olivetti M40 Kr. ein ähnliches Schicksal drohen würde. Doch da konnte mich Romana Fürst beruhigen. Nein, dieser Maschine würde man nicht die Tasten entfernen.

Sie würden aus der Schreibmaschine eine Lampe machen!

D’oh!

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Romana musste mir meinen Schock angemerkt haben, denn sie fragte mich gleich, wie viel ich für die ganze Schreibmaschine zahlen würde. Doch so ein sperriges Ding bei mir daheim? Leider habe ich nur Platz für Reiseschreibmaschinen, die man auch mal wegstellen kann.

Und so sehr mich das dräuende Schicksal der Olivetti M40 Kr. dauerte, so war ich doch recht neugierig. Man muss es ja so sehen. Diese Schreibmaschine will niemand. Sie wurde vielleicht schon seit Jahrzehnten nicht mehr gebraucht. Und macht es da nicht Sinn, etwas Neues daraus zu machen? Ich denke schon. So sehr mich auch der Gedanke schmerzt.

Und eine Lampe, der man den Schreibmaschinen-Ursprung ansieht, ist auf jeden Fall besser, als Ringe oder Manschettenknöpfe aus den Tasten.

Also bat ich Romana, mich über das Schreibmaschinen-Lampen-Projekt auf dem Laufenden zu halten, damit ich den Transformationsprozess für den Blog hier dokumentieren kann. Sie versprach es, betonte aber, dass es noch einige Zeit dauern würde.

Wochen, Monate vergingen – und nachdem ich keine Nachrichten bekam, schaute ich immer wieder bei „Kellerwerk“ vorbei. Vielleicht hatte man ja mich und mein Ansuchen vergessen. Aber da stand die Olivetti M40 Kr. noch immer auf der Verkaufstheke, noch immer unbehelligt.

Und dann passierte es: Wie ich wieder einmal ins Geschäft ging, um mich nach der Schreibmaschine zu erkundigen, sagte man mir, dass man die Lampen-Pläne ad acta gelegt habe und dass die Olivetti M40 als Dekoration im Shop bleiben würde. Vielleicht würde man sie für die Kunden zum Eintragen in einen Newsletter verwenden, auf jeden Fall sollte das sperrige Ding den hässlichen Belegdrucker verbergen, den man demnächst installieren würde.

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

So sehr der Transformationsprozess mich gereizt hätte, fiel mir doch ein Stein vom Herzen. Und ich bot gleich an, die nötigen Sachen zur Ingangsetzung der Schreibmaschine zu besorgen. Ich glaube, Sascha und Romana waren ein bisschen vorsichtig ob meines Enthusiasmus‘ – aber ich kann es ihnen nicht verdenken. Kommt da ein Typ ins Geschäft und bietet einfach von sich aus an, Sachen zu besorgen.

Ein kurzer Check zeigte, dass zumindest die Tasten und Typen einwandfrei funktionierten. Also besorgte ich noch ein Farbband (Gruppe 8) und zwei passende Metallspulen. Das hört sich so kennermäßig an, aber ohne Meister Schilhan in der Rochusgasse im dritten Bezirk hätte ich absolut keinen Tau davon gehabt.

Danach spulte ich das Farbband auf die Metallspulen und installierte diese in die Olivetti M40 Kr. – und voila… Nun steht eine funktionierende Schreibmaschine im „Kellerwerk“.

Rodja

Nachträgliche Anmerkung von Sascha Johannik und Romana Fürst: Vielen Dank für den sehr gelungenen Bericht. Die Schreibmaschine kommt mit neuem Farbband übrigens super bei unseren Kunden an. Vielen Dank nochmal!

INFO: Kellerwerk, Gumpendorfer Straße 48, 1060 Wien Di – Fr 11-18 h und Sa 10-15 h www.kellerwerk.at

Was Otto Office sich unter Retroflair vorstellt

Ich geb’s zu, ich bin schon älteren Semesters. Dennoch bin ich mir sicher, dass viele in Bezug auf Schreibmaschine bei Begriffen und Phrasen wie „back to the roots“, „Tipp-Erlebnis neu aufleben lassen“, „ein Stückchen Nostalgie ins Arbeits- und Berufsleben zurückbringen“ und „charmantes Retroflair“ sich andere Geräte vorstellen, als die so vom Büroartikel-Versandhandel Otto Office ganz aktuell beworbene Triumph Adler Twen 180 plus.

Mir da eine elektronische Schreibmaschine vorzusetzen ist schon ein bisschen eine Enttäuschung. Andererseits finde ich es wieder herzig, mir so ein altmodisch wirkendes Verkaufsvideo zu präsentieren. Und – das muss auch betont werden – es ist wohl das neueste Werbevideo für eine Schreibmaschine.

Auf der Produktseite von Otto Office gibt es ein längeres Video, in dem wenigstens auch eine historische Adler 7-Schreibmaschine (zumindest entnehme ich das dem Gerede im Video) in Aktion zu sehen ist. Wobei sie sich da a bisserl mit den Jahrhunderten vertan haben: „Bereits im 18. Jahrhundert sorgte die Entwicklung der Schreibmaschine für Furore.“ Das wäre von 1700 bis 1799…

Aber wenn ich ehrlich bin – wenn schon eine elektronische Schreibmaschine, dann eine durchsichtige vom US-Unternehmen Swintec.

Rodja

INFO: www.otto-office.com/de/Buerotechnik/Schreibmaschinen/207100/s