Happy Typewriter Day 2016

© Rodja Pavlik

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Ganz liebe Grüße von meiner Princess 300 – in Schreibschrift und mit rot-blauem Farbband.

Rodja

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Jennifer Lopez und die Hermes

Screenshot YouTube/© 2016 Epic Records, a division of Sony Music Entertainment

Screenshot YouTube/© 2016 Epic Records, a division of Sony Music Entertainment

Okay, Jennifer Lopez war musikalisch nie so mein Fall. Als Schauspielerin fand ich sie in „Out of Sight“ sehr gut. Und in „U-Turn“ habe ich sie zuerst einmal gar nicht erkannt. Ich weiß auch, dass sie spielen kann, allerdings hat sie ab einem gewissen Zeitpunkt immer nur solche stereotypische Rollen bekommen, in denen Frauen von schwach zu stark mutieren – und immer, wenn das passiert, bekommt die Lopez so einen starren, maskenhaften Blick.

Auch im Video zu „Ain’t Your Mama“, das mich thematisch sehr an den unsäglichen Frauen-Empowerment-Song „Run The World (Girls)“ von Beyoncé erinnert, demonstriert Jennifer Lopez all das: Warum sie musikalisch nicht mein Fall ist – und diesen starren Blick.

Der Clip schwimmt wohl auf der 50er- und 60er-Retro-Welle, ausgelöst durch die TV-Serie „Mad Men“. Aber immerhin kommt eine Schreibmaschine vor. Eine Hermes 3000 Portable, wie der australische Schreibmaschinen-Experte Robert Messenger erkannt hat. (Aufgrund der grünen Farbe hätte ich sie nur als Hermes – ohne Type – erkannt. Ich muss da noch viel lernen. Frage ist nur, ob ich auch will.) Es gibt auch kurz noch eine zweite Schreibmaschine zu sehen – eine IBM (schätze ich mal). Aber die ist nicht so prominent in Szene gesetzt wie die Hermes.

Die Schreibmaschinen trösten wenigstens etwas, wenn man sich auch sonst durch den Song quälen muss. ;-D

Rodja

PS: Nur damit man mich nicht falsch versteht. Nichts gegen Frauen-Empowerment – aber Beyoncé und Jennifer Lopez? Das fühlt sich einfach nur so kalkuliert, so… fake an.

The Secret Life of Fountain Pen Enthusiasts

Die Füllfeder.

Dass ich beim Schreiben wohl etwas anders bin, habe ich so ungefähr in der Handelsschule mitbekommen. Da sagte der Klassenvorstand zu uns, dass es ihr eigentlich egal sei, mit was wir schreiben – und dass wir ruhig Kugelschreiber verwenden könnten.

Da brandete ein riesiger Jubel auf – nur mir war es so ziemlich egal. Ich würde trotzdem bei meiner Füllfeder bleiben. Und tatsächlich, fortan schrieben fast alle meiner Kollegen mit Kugelschreiber, nur ich benutzte noch meine Parker-Füllfeder. Das zog sich dann durch meine Uni-Zeit bis jetzt ins Berufsleben. Aber meine persönliche Beziehungsgeschichte zur Füllfeder wird hier ein anderes Mal erzählt.

Da mein Sohn demnächst in die Schule kommt, überlege ich mir natürlich bereits, welche Füllfeder für ihn am besten wäre. Oder ob überhaupt so ein Gerät in der Volksschule überhaupt noch notwendig ist. Ich habe da schon von einigen Seiten gehört, dass die Handhabung von Füllfedern gar nicht mehr erwünscht ist, weil die Kleinen oft mit Tinte verschmierte Finger haben. Das überrascht mich nicht wirklich – und es schmerzt mich auch nicht so sehr, als wenn die Schreibmaschine für immer verschwinden würde. Aber dennoch möchte ich meinem Sohn einmal eine tolle Füllfeder schenken. Denn mir macht es mehr Spaß, damit zu schreiben als mit einem Kugelschreiber. (Ob es ihm Spaß macht, bleibt ihm überlassen. Weil er es bei mir gesehen hat, möchte er auch eine Füllfeder haben. Und eine Schreibmaschine sowieso – eine Princess 300.)

Vor kurzem bin ich auf „The Secret Life of Fountain Pen Enthusiasts“ gestoßen, ein dokumentarischer Kurzfilm der australischen Filmstudentinnen Lili Owen und Jaime Morice, die eben der Leidenschaft von Füllfeder-Fans nachgehen. Dabei stellen sie auch den Shop T. Sharp & Co. in Perth vor. Sehr sehenswert. Eigentlich wollte ich Lili Owen noch ein paar Interviewfragen stellen, aber nach einem kurzen Kontakt habe ich nichts mehr von ihr gehört. Nur so viel: Sie hat auch eine Schreibmaschine. 😀

Beim Anschauen des Films sind mir sofort zwei Sachen aufgefallen.

1. Eine der Verkäuferinnen erklärt, wie wichtig im Shop die Beratung ist. Dem kann ich nur zustimmen. Als ich meine letzte Füllfeder beim Miller (feiert übrigens 150-jähriges Jubiläum, wie Die Presse und Vienna Online zu berichten wissen) auf der Mariahilfer Straße gekauft habe, habe ich mir auch die Zeit genommen, mich beraten zu lassen und die Schreibgeräte auszuprobieren. Etwas, das über Internetportale wie Amazon nicht möglich ist. Und ich muss sagen, dass mir das sehr getaugt hat und dass ich mich gut aufgehoben gefühlt habe. Ich schreibe mit der neuen Füllfeder irrsinnig gerne – und benutze auch ein Tintenfass. Ja, so verwegen bin ich. Und auch dreckig. Aber es ist einfach ein eigenes Gefühl, damit zu schreiben.

Aber was es eben bei Füllfedern in einer Stadt oft mehrfach gibt (ein Geschäftslokal, das man betreten kann – und wo man die Geräte ausprobieren kann), ist bei Schreibmaschinen leider nicht mehr der Fall. Oft bleibt nichts anderes übrig, als über Internet zu kaufen. Diese Blindkäufe bergen natürlich ein gewisses Risiko. Und dass man einmal mehrere Schreibmaschinen hintereinander testen kann, ist – im Gegensatz zu Füllfedern – leider nicht möglich.

2. Mindestens eine Gemeinsamkeit gibt es aber zwischen Füllfedern und Schreibmaschinen. Man kann einen Fehler nicht mehr rückgängig machen. Entweder fängt man neu an – oder man arbeitet mit diesem Fehler. Eine Philosophie, der ich sehr wohl etwas abgewinnen kann.

Kleiner Schmunzler am Rande. Beim Interviewpart mit dem Musiker Jack wird ein Satz mit Füllfeder geschrieben: „The quick brown fox jumps over the lazy dog.“ Das ist eben jener Satz, mit dem im englischsprachigen Raum Schreibmaschinen auf ihre Funktionalität überprüft werden, weil darin so ziemlich jeder Buchstabe vorkommt.

Rodja

Wie man Typen so richtig aufpoliert

Nein, das wird keine „Fight Club“-Anleitung…

Wenn eine Schreibmaschine nicht mehr ordentlich schreibt, Buchstaben nicht mehr ganz abgedruckt werden, so kann das daran liegen, dass die Buchstabentypen verschmutzt sind. Das Farbband, auf das die Typen hämmern, gibt ja nicht nur auf das Papier die Farbe ab, sondern auch auf die Typenbuchstaben selbst. Da kann dann so eine Art Schmiere entstehen, die auch noch den normalen Haushaltsstaub zusätzlich bindet.

Der Amerikaner Joe Van Cleave, der hier ja schon mal vorgestellt wurde, erklärt nun in seinem neuesten Video „Cleaning Type Slugs“ seiner „Typewriter Series“ anhand einer Underwood Universal, wie man diese Buchstaben mit Hilfe von Reinigungsalkohol, Zahnstocher, Zahnbürste und anderen Hilfsmitteln reinigt – und worauf man achten soll. Denn Reinigungsalkohol greift unter Umständen auch etwaige Plastikteile der Schreibmaschine an.

Um sich die Hände nicht all zu schmutzig zu machen, empfiehlt es sich, Einmalhandschuhe zu kaufen. Die Latexhandschuhe gibt es an und für sich beim DM oder Bipa in so einer 50er-Packung.

Rodja

INFO: http://joevancleave.blogspot.co.at/