Crowdfunding für die chinesische Schreibmaschine

Meiner Meinung nach war die Schreibmaschine eigentlich nur eine logische und konsequente Antwort auf die Industrielle Revolution. Verstärkte Produktion, Verbreitung von Maßeinheiten und Standards und mehr Welthandel – da musste doch so etwas wie eine Maschine für vereinfachte, (so weit wie möglich) standardisierte und schnelle Korrespondenz irgendwie in der Luft liegen.

Eine Maschine mit 26 Buchstaben (plus/minus) und Zahlen (wahlweise 0 bis 9 oder 2 bis 9, weil einige Buchstaben (klein „L“, großes „O“) auch als numerische Werte  (als 1 bzw. 0) verwendet werden können), die diese auf Papier druckt – und voila, schon ist das Konzept für die Schreibmaschine fertig. (Ja, zugegeben, das ist eine SEHR vereinfachte Darstellung der Geschehnisse rund um Peter Mitterhofer oder Carlos Glidden und Christopher Latham Sholes.)

Und nun stelle man sich ein Land mit rund 70.000 Schriftzeichen vor – eben China. Wie soll da bitte eine Schreibmaschine/ein schreibmaschinenähnliches Gerät funktionieren? Und doch gibt es so ein Ding, u.a. auch mit Hilfe der westlichen Welt entwickelt (soweit ich den Text von Tom Mullaney richtig interpretiere). Was heißt, eine Schreibmaschine? Gleich mehrere Varianten und Lösungsansätze – und davon ist Tom Mullaney, seines Zeichens Professor für Chinesische Geschichte und Geschichte der Technologie an der Stanford University, fasziniert. Die Historie der chinesischen Schreibmaschine reicht ja bis in die Gegenwart und Zukunft, schließlich ist sie eine der Grundlagen für die heutige Computertechnologie made in China.

Über zehn Jahre sammelte Mullaney die Maschinen und studierte ihre Geschichte, bis er eines Tages darauf kam, dass er die größte Sammlung an chinesischen Schreibmaschinen besitzt.

© Tom Mullaney

© Tom Mullaney

Nun will Tom Mullaney diese Schreibmaschinen nicht horten, sondern der weltweiten Öffentlichkeit in Museen zugänglich machen. Dafür hat er auf Kickstarter die Crowdfunding-Aktion „Save The Chinese Typewriter“ gestartet. Mit der Zielsumme von 9.500 US-Dollar (bis 5. Aug 2016) möchte Mullaney seine Sammlung bereit für eine weltweite Ausstellungstour machen. Er möchte geeignete Verpackungen für die Schreibmaschinen anfertigen lassen, aber auch die notwendigen Versicherungen und sonstige Gebühren damit begleichen.

Bis dato haben zehn Museen u.a. aus San Francisco, Los Angeles, Hong Kong und London Interesse gezeigt. Aber vielleicht schließen sich ja auch das Schreibmaschinenmuseum Peter Mitterhofer in Partschins (Südtirol) bzw. das Schreibmaschinenmuseum in Wattens (Tirol) an. Auch das Technische Museum Wien könnte ich mir als potenten Ausstellungsort vorstellen.

Rodja

INFO: Crowdfunding-Link: www.kickstarter.com/projects/chinesetypewriter/save-the-chinese-typewriter

„Save the Chinese Typewriter“ Kickstarter Campaign from Tom Mullaney on Vimeo.

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Über Die Schreibmaschinisten

Journalist, Indie-Film-Fan(atiker), Möchtegern-Autor und Schreibmaschinist
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