Anika schreibt auf einer Brother DELUXE 250TR

Schreiben, das tue ich schon lange. Als Kind habe ich gern Gedichte und Geschichten geschrieben. Damals natürlich von Hand in irgendwelche Schulhefte hinein. Später, als ich längst erwachsen war, kaufte ich mir eine elektrische Schreibmaschine auf dem Flohmarkt. Das Modell weiß ich nicht mehr, aber sie war riesig, schwer, grau und in einem Koffer. Mich haben alte Dinge schon immer fasziniert. Heute mehr denn je. Alles ist heute elektronisch. Für jeden Mist gibt es ein Ladekabel. Und so fing ich Stück für Stück an, alte Dinge anzusammeln, wo meine Familie nur den Kopf schütteln konnte.

© Anika Bischoff

© Anika Bischoff

Die alte Schreibmaschine vom Flohmarkt war nur der Anfang. Leider hatte ich damals nicht so viel Ahnung, das Internet war noch nicht wirklich bei mir eingezogen – und so flog die alte Maschine nach irgendwelchen Defekten in den Müll. Alte Sachen sammelte ich weiter. Mein drittes und bisher letztes Auto ist ein VW Käfer. Retro total. Ich besitze auch ein altes, schwarzes Posttelefon aus den 50er Jahren, welches bei Tom Cruise im Film „Operation Walküre“ auf dem Schreibtisch stand. Ich habe einen Plattenspieler und einen Kassettenrecorder. Von meinem Stiefvater konnte ich die alte Konica analog Kamera vor dem Mülleimer retten.

Als Autorin (2014 veröffentlichte ich mein erstes Buch, aktuelles Buch: „Abflug Transplantation – Letzter Aufruf!“) sind bei mir natürlich auch Füller und Tintenfass zu Hause. Ich verschmähe die moderne Technik nicht. Auch ich besitze mittlerweile ein iPhone. Allerdings liebe ich alte Sachen. Mir hat mal jemand gesagt, alte Dinge haben eine Seele. So ist es auch. Früher musste man sich noch Mühe geben, Geld ausgeben, Zeit investieren, bis man Fotos machen konnte oder Briefe geschrieben hatte. Heute ist alles schnelllebig, nichts darf mehr kosten. Man bekommt keine handgeschriebene Geburtstagskarte mehr wie früher von Oma, man bekommt WhatsApp-Nachrichten. Es muss schnell gehen und darf nichts (mehr) kosten. Eine für mich grausige Entwicklung.

Letzten Sommer erinnerte ich mich an meine Schreibmaschine von früher und schaute mir im Internet bei den Kleinanzeigen verschiedene Modelle an. Keine Ahnung, was ich darauf schreiben wollte, aber ich dachte, als alte Schreibfreundin und Autorin brauche ich (wieder) so eine Maschine.

Da meine Mutter gerade eine große Hausentrümplung vornahm, fragte ich sie, ob sie nicht zufällig eine Schreibmaschine hätte. Was soll man sagen? Ja, sie hatte eine und wusste sogar noch wo diese stand! Ich konnte es kaum erwarten, meine neue, alte Maschine abzuholen – und so wurde ich stolze Besitzerin einer Brother DELUXE 250TR-Schreibmaschine in Orange. Ein altes Farbband befand sich noch in der Maschine. Den Koffer gab es nicht mehr, aber alles andere war im einwandfreien Zustand. Stark eingestaubt, aber sie funktionierte. Ohne Stromkabel, ohne Akku. Ist das nicht der Wahnsinn? In der heutigen Zeit? Ich finde diese Entschleunigung so perfekt. Der Klang ist laut, egal, es ist Musik in den Ohren. Im Sommer saß ich auf dem Balkon und tippte laut kleine Kurzgeschichten.

Das alte Farbband meiner Mutter hielt nicht lange, es wurde immer blasser – und so suchte ich im Internet ein neues. Ich habe mich so darauf konzentriert, die richtige Größe zu bestellen, dass ich übersah, dass es ein schwarzrotes Band war. Keine Ahnung, was ich mit roten Buchstaben schreiben soll, aber irgendetwas wird mir schon noch einfallen. Ein Korrekturband habe ich übrigens nicht. Das muss dann durchgestrichen werden, so einfach ist das.

© Anika Bischoff

© Anika Bischoff

Warum sind alte Dinge so faszinierend? Ist es die gute, alte Zeit? Nein, früher war ja nicht alles herrlich. Computer, WhatsApp und iPad sind ja auch tolle Dinge, gar keine Frage. Aber diese Dinge sind ohne Seele und Geschichte und einfach zum Wegschmeißen produziert. Unsere Großväter schrieben mit der Hand, deren Kinder mit Schreibmaschinen. Eine Schreibmaschine ist einfach zu bedienen, man braucht keine Einführung, keinen Kurs. Jeder kann damit schreiben, und wenn er nur mit zwei Fingern tippt. Ich glaube, die Schreibmaschine stirbt nicht aus und wird auch noch ihr Comeback bekommen, man sieht es ja jetzt an der Platten-Industrie. Plötzlich wird Musik wieder auf Vinyl herausgebracht.

Freuen wir uns also alle auf den nächsten Sommer, wenn wir die vertrauten Schreibmaschinengeräusche wieder in den Gärten und Balkonen hören. Lasst uns dann darüber twittern. So ganz modern.

Anika Bischoff

INFO: www.abflugtx.de

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Über Die Schreibmaschinisten

Journalist, Indie-Film-Fan(atiker), Möchtegern-Autor und Schreibmaschinist
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4 Antworten zu Anika schreibt auf einer Brother DELUXE 250TR

  1. Rodja Pavlik schreibt:

    Wenn ich mir eine Schreibmaschine zulege (ich habe ja – leider – schon mehrere. Die Zahl ist zu klein, um als Sammlung durchzugehen – zu groß für die Wohnung), dann möchte ich schon eine mit Farbauswahl haben. Man kann mit Rot (logischerweise) im Text natürlich etwas hervorheben.

    Beim Treatment-Schreiben verwende ich es aber für etwas anderes. Meist habe ich eine Geschichte im Kopf, wenn ich mich hinsetze und tippe. Doch wenn ich dann tippe und mich mehr und mehr in der Welt der Geschichte einfinde, komme ich manchmal an Abzweigungen, an die ich nicht gedacht habe. Sei es eine Wendung in der Geschichte, eine Charaktereigenschaft der handelnden Person, die ich später vielleicht noch brauchen könnte, oder etwas anderes. Wenn ich nicht weiß, ob ich das gebrauchen kann (wenn z.B. die Geschichte durch die Wendung so gewaltig verändert wird, dass sie von der vorgefassten Geschichte abweicht), dann tippe ich in Rot. Quasi zur weiteren Verarbeitung markiert.

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  2. Steve K schreibt:

    Anika’s just my type. 😉

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  3. Danke, dass ich schreiben durfte. Guter Tipp mit der roten Markierung. Mich erinnerte es erstmal an die Korrekturfarbe der Lehrer 😉

    Gefällt 1 Person

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