Die Abenteuer von Mats Honigtau

Von Zeit zu Zeit suche ich auf YouTube nach „Schreibmaschine“ oder „Typewriter“ – und zwar nach aktuellem Uploaddatum geordnet. So bin ich auch auf Mats Honigtau aufmerksam geworden, einem kleinen Teddybären, der allerlei Abenteuer besteht. Eigentlich ist Mats Honigtau auf Instagram daheim, wo er auf vielen Fotos zu sehen ist. Doch es gibt auch einige Stop-Motion-Filme mit ihm. In einem Clip tippt er sogar mit einer grünen Olympia Monica auf einem Blatt.

Nein, nicht Blatt Papier, sondern auf einem echten Blatt von einem Baum. Ein sehr zauberhafter Film, eine bezaubernde Idee. Grund genug, den kreativen Kopf hinter Mats Honigtau anzuschreiben.

Die Spur führte zu Yvonne Eiting. Hauptberuflich arbeitet sie als Assistentin des Chefredakteurs der „Stuttgarter Nachrichten“. Da sie auf eine jahrzehntelange Karriere im Büro zurückblicken kann, ist ihr der Umgang mit der Schreibmaschine nicht fremd. Mit den Schreibmaschinisten sprach sie nun über Mats Honigtau und den Büroalltag in den 1980ern.

Die Abenteuer von Mats Honigtau sind für Eiting nur ein Hobby. Mats ist ein Stofftier der bekannten Firma Steiff. „Den Knopf hat er noch, das Fähnchen habe ich abgeschnitten, damit ich besser mit ihm arbeiten kann“, so die Stuttgarterin. Mats hat sogar eine eigene Seite auf Instagram (mats.honigtau.the.bear). „Es ist unglaublich, wie viele Leute dort Bilder von Bären oder anderen Stofftieren und deren Abenteuern posten. Meiner ist allerdings der einzige, der sie auch in Stop-Motion erlebt“, so Eiting. „Die Filme sind nur auf Youtube, weil einige Bekannte nicht bei Instagram sind.“ Ihr größter Erfolg bisher war ein „Kuchen“-Stop-Motion-Film anlässlich des 70. Geburtstages der „Stuttgarter Nachrichten“, der – direkt über die Facebook-Seite der Zeitung eingebunden – über 9.000 Mal angeklickt wurde.

Mats Honigtau ist für Eiting ein reines Fun-Projekt. „So lange es mir Spaß macht, mache ich weiter. Eigentlich wollte ich mit dem Bären meine Heimatstadt fotografieren und schöne Plätze vorstellen. Aber jetzt sind es halt auch Zeitraffer. Wenn ich aber merke, dass der Aufwand zu groß ist und zu wenige Leute auf Instagram die Filme anschauen, lass ich es wieder.“

Die grüne Olympia Monica gehört ihrem Mann. „Er hat sie sich in seiner Jugend – das ist auch schon wieder 30 Jahre her – für die Ausbildung gekauft.“ Auf die Idee für den Film kam sie, als sie während ihrer Ausbildung eine Fotografie von einem Baumblatt mit eingestanztem Text sah. „Ich habe das dann damals selbst gemacht – und jetzt ist es mir wieder eingefallen und ich habe es mit dem Zeitraffer nochmal verarbeitet.“ Im Grunde hat sie einfach ein Blatt von einem Baum eingespannt und darauf geschrieben. „Man muss halt das richtige Blatt nehmen, da nicht alle gehen. Jedenfalls nicht bei meiner Schreibmaschine. Manche Blätter sind zu dünn, manche zu dick, andere haben zu feste Adern… So richtig gelungen ist es ja auch nicht, wie man im Film sieht. Aber das war quasi alles live und in Farbe.“

Zur Schreibmaschine allgemein hat sie eine besondere Beziehung. „Da ich Sekretärin bin, habe ich dementsprechend unzählige Stunden vor Schreibmaschinen gesessen. Meine liebste war die IBM Kugelkopf, die gab es in meiner damaligen Ausbildungsfirma in zig Varianten und Farben. Am Anfang ohne Korrekturband, später mit. Danach hatte ich eine Olivetti, die bereits einen Speicher mit Display hatte. Damit konnte man eine Seite abspeichern und diese dann am Stück auszudrucken. Die Kollegen machten riesige Augen, als das Teil zum ersten Mal losratterte und ich ein paar Meter weiter stand, um mir den Spaß zu gönnen, die Kollegen beim Staunen zu beobachten“, erinnert sich Eiting zurück. „Damit ich die Olivetti bekommen habe, umfasste die Begründung damals drei A4-Seiten und die Anforderung musste bis zur Geschäftsleitung.“ So beeindruckend dürfte die Olivetti aber aus heutiger Sicht wohl nicht mehr sein, denn: „Wenn ich den Platz hätte, würde ich mir eine IBM Kugelkopf einfach so in die Ecke stellen. Das war einfach die beste und sie hörte sich auch einfach super an.“

Dennoch ist Eiting über den Einzug des Computers im Büro mehr als froh: „Ansonsten war die Arbeit im Sekretariat damals mit der Schreibmaschine oft sehr… sagen wir… zäh. Man schrieb einen dreiseitigen Brief und dann kam der Chef auf die Idee, auf der ersten Seite noch einen Absatz einzufügen. Heißt: Man hat alle drei Seiten nochmal geschrieben. Oft mit mehrfachem Durchschlag, der keinen Fehler haben durfte“, erinnert sich Eiting an die Schattenseiten von damals. „Es gab zu meiner Anfangszeit 1982 nicht mal Faxgeräte und auch keine Kopierer. Den ersten Kopierer durften wir dann auch nicht selbst bedienen. Er stand in der sogenannten Hausdruckerei und nur die Kollegen der Druckerei durften ihn bedienen.“

Auch Ansagen nahm Eiting entgegen. „Oft wurde auf Band diktiert, oft per Steno – was zwei Arbeitskräfte band: Der Chef diktierte und grübelte, die Sekretärin hatte die Sätze manchmal schon fertig im Kopf, durfte aber erst schreiben, wenn der Chef dann soweit war. Saß also da und langweilte sich. Dafür war nicht alles so hektisch: Der Brief ging per Post raus. Bis er ankam, dauerte es zwei bis drei Tage. Bis dann die Antwort formuliert war und eintraf, waren nochmal drei Tage rum. Also nicht so wie heute, wo die Leute meinen, man sitzt auf E-Mails wartend vor dem PC, und schon telefonisch nachfassen, wenn man sich nicht innerhalb von drei Minuten meldet. Trotzdem vermisse ich die Schreibmaschine nicht. Immerhin war es in so einem Großraumbüro ganz schön laut bei dem Getippe.“

INFO: YouTube-Channel von Mats Honigtau; der Bär auf Instagram: https://www.instagram.com/mats.honigtau.the.bear/

PS: Für mich persönlich interessant ist die Tatsache, dass zwischen Eitings Arbeitsbeginn 1982 und meinem Eintritt ins Büroleben 1992 kein so großer Zeitunterschied ist. Gerade mal zehn Jahre. Und obwohl ich von meiner Ausbildung her (Handelsschule/Handelsakademie mit Stenografie und Maschinschreiben, im Aufbaulehrgang allerdings bereits rudimentäre Kenntnisse von CTV – Computertextverarbeitung) her auf Eitings Arbeitswelt eingestimmt wurde, fand ich jedoch ganz andere Verhältnisse vor: Computer, Netzwerkdrucker und Kopierer waren Standard. Eine Schreibmaschine gab es auch, aber ad hoc kann ich mich nicht erinnern, dass die damals je benutzt wurde.

Rodja

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Über Die Schreibmaschinisten

Journalist, Indie-Film-Fan(atiker), Möchtegern-Autor und Schreibmaschinist
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2 Antworten zu Die Abenteuer von Mats Honigtau

  1. jjlegrand@hetnet.nl schreibt:

    Lieber Rodja, du schreibst wenn anderen schlafen, ein tapferer Versuch um hier in Europa ein gleichgewichtiges Emailangebot durch den ganzen tag hindurch anzubieten. Ich mag deine Beiträge, sie haben Verwantschaft mit was ichselbst ab und zu mache für eine kleine holländische Gemeinschaft. Es geht dabei, genau wie oft bei dir, um die Aktualität der Schreibmaschine, in jeglicher Form. Ich hoffe dass du noch lange weiter machst, beziehungsweise machen kannst, weil man statistisch gesehen erwarten kann, dass die Information über Schreibmaschinen mit jedem Jahre nachlässt.

    Schöne Grüße aus Maastricht,

    Jos

    From: Die Schreibmaschinisten Sent: Monday, February 20, 2017 2:46 AM To: jjlegrand@hetnet.nl Subject: [Neuer Beitrag] Die Abenteuer von Mats Honigtau

    Die Schreibmaschinisten veröffentlichte:“ Von Zeit zu Zeit suche ich auf YouTube nach „Schreibmaschine“ oder „Typewriter“ – und zwar nach aktuellem Uploaddatum geordnet. So bin ich auch auf Mats Honigtau aufmerksam geworden, einem kleinen Teddybären, der allerlei Abenteuer besteht. Eigentlich“ Kommentiere diesen Beitrag, indem Du über dieser Zeile antwortest

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    Von Zeit zu Zeit suche ich auf YouTube nach „Schreibmaschine“ oder „Typewriter“ – und zwar nach aktuellem Uploaddatum geordnet. So bin ich auch auf Mats Honigtau aufmerksam geworden, einem kleinen Teddybären, der allerlei Abenteuer besteht. Eigentlich ist Mats Honigtau auf Instagram daheim, wo er auf vielen Fotos zu sehen ist. Doch es gibt auch einige Stop-Motion-Filme mit ihm. In einem Clip schreibt er sogar auf einer grünen Olympia Monica auf einem Blatt.

    Nein, nicht Blatt Papier, sondern auf einem echten Blatt von einem Baum. Ein sehr zauberhafter Film, eine bezaubernde Idee. Grund genug, den kreativen Kopf hinter Mats Honigtau anzuschreiben.

    Die Spur führte zu Yvonne Eiting. Hauptberuflich arbeitet sie als Assistentin des Chefredakteurs der „Stuttgarter Nachrichten“. Da sie auf eine jahrzehntelange Karriere im Büro zurückblicken kann, ist ihr der Umgang mit der Schreibmaschine nicht fremd. Mit den Schreibmaschinisten sprach sie nun über Mats Honigtau und den Büroalltag in den 1980ern.

    Die Abenteuer von Mats Honigtau sind für Eiting nur ein Hobby. Mats ist ein Stofftier der bekannten Firma Steiff. „Den Knopf hat er noch, das Fähnchen habe ich abgeschnitten, damit ich besser mit ihm arbeiten kann“, so die Stuttgarterin. Mats hat sogar eine eigene Seite auf Instagram (mats.honigtau.the.bear). „Es ist unglaublich, wie viele Leute dort Bilder von Bären oder anderen Stofftieren und deren Abenteuern posten. Meiner ist allerdings der einzige, der sie auch in Stop-Motion erlebt“, so Eiting. „Die Filme sind nur auf Youtube, weil einige Bekannte nicht bei Instagram sind.“ Ihr größter Erfolg bisher war ein „Kuchen“-Stop-Motion-Film anlässlich des 70. Geburtstages der „Stuttgarter Nachrichten“, der – direkt über die Facebook-Seite der Zeitung eingebunden – über 9.000 Mal angeklickt wurde.

    Mats Honigtau ist für Eiting ein reines Fun-Projekt. „So lange es mir Spaß macht, mache ich weiter. Eigentlich wollte ich mit dem Bären meine Heimatstadt fotografieren und schöne Plätze vorstellen. Aber jetzt sind es halt auch Zeitraffer. Wenn ich aber merke, dass der Aufwand zu groß ist und zu wenige Leute auf Instagram die Filme anschauen, lass ich es wieder.“

    Die grüne Olympia Monica gehört ihrem Mann. „Er hat sie sich in seiner Jugend – das ist auch schon wieder 30 Jahre her – für die Ausbildung gekauft.“ Auf die Idee für den Film kam sie, als sie während ihrer Ausbildung eine Fotografie von einem Baumblatt mit eingestanztem Text sah. „Ich habe das dann damals selbst gemacht – und jetzt ist es mir wieder eingefallen und ich habe es mit dem Zeitraffer nochmal verarbeitet.“ Im Grunde hat sie einfach ein Blatt von einem Baum eingespannt und darauf geschrieben. „Man muss halt das richtige Blatt nehmen, da nicht alle gehen. Jedenfalls nicht bei meiner Schreibmaschine. Manche Blätter sind zu dünn, manche zu dick, andere haben zu feste Adern… So richtig gelungen ist es ja auch nicht, wie man im Film sieht. Aber das war quasi alles live und in Farbe.“

    Zur Schreibmaschine allgemein hat sie eine besondere Beziehung. „Da ich Sekretärin bin, habe ich dementsprechend unzählige Stunden vor Schreibmaschinen gesessen. Meine liebste war die IBM Kugelkopf, die gab es in meiner damaligen Ausbildungsfirma in zig Varianten und Farben. Am Anfang ohne Korrekturband, später mit. Danach hatte ich eine Olivetti, die bereits einen Speicher mit Display hatte. Damit konnte man eine Seite abspeichern und diese dann am Stück auszudrucken. Die Kollegen machten riesige Augen, als das Teil zum ersten Mal losratterte und ich ein paar Meter weiter stand, um mir den Spaß zu gönnen, die Kollegen beim Staunen zu beobachten“, erinnert sich Eiting zurück. „Damit ich die Olivetti bekommen habe, umfasste die Begründung damals drei A4-Seiten und die Anforderung musste bis zur Geschäftsleitung.“ So beeindruckend dürfte die Olivetti aber aus heutiger Sicht wohl nicht mehr sein, denn: „Wenn ich den Platz hätte, würde ich mir eine IBM Kugelkopf einfach so in die Ecke stellen. Das war einfach die beste und sie hörte sich auch einfach super an.“

    Dennoch ist Eiting über den Einzug des Computers im Büro mehr als froh: „Ansonsten war die Arbeit im Sekretari

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  2. Hi Jos, danke – aber das Arbeiten in der Nacht habe ich meinen zwei Kids zu verdanken. Einmal aufgeweckt, schlafe ich sehr schwer wieder ein. Und den Text hatte ich schon auf Schreibmaschine größtenteils vorgetippt.

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