Eminem: „Walk On Water“

Bitch, I wrote „Stan“ – Eminem

Ich gebe es zu… HipHop und/oder Rap sind nicht so wirklich was für mich. Ich wüsste ad hoc nicht einmal, ob es einen musikalischen Unterschied zwischen den beiden Wörtern gibt. Ja, doch, einige Songs, die zu diesem Genre dazu gehören, gefallen mir (siehe auch diesen Post hier). Aber es ist nicht so wirklich meine Richtung. Wobei ich betonen möchte, dass ich sehr wohl die Wort-Akrobatik der Musiker bewundere – und es würde mir nie im Traum einfallen, diesem Genre auch nur irgendwie eine Berechtigung abzusprechen. Es ist halt nur nicht mein Stil. Vor allem das Kompetitive, diese Battles, behagen meinem an sich introvertierten Charakter überhaupt nicht. So selbstbewusst und aggressiv sich selbst auf die Brust zu klopfen und dabei „Dei Mudda!“ intonieren… dazu gehört es Balls, die ich nicht habe.

Was mir aber immer getaugt hat, ist dieses Klischeebild von Rappern, das in Filmen und Musikclips so oft zitiert wird. So trägt Eminem in dem Oscar-gekrönten „8 Mile“ (Oscar für besten Filmsong von – eh kloar – Eminem) ständig ein Notizbuch mit sich herum, in das er seine Rhymes hineinkritzelt. Das erinnert mich auch an meine aktive Comiczeichner-Phase, als ich auch dauernd so ein Büchlein mit mir herumtrug, um Pointen, die mir einfielen, schnell aufzuschreiben.

Rapper haben es also mit Wörtern – und das gefällt mir. Sie machen sich Notizen – und einige setzen eben auf analoge Techniken, wie Eminem (im Film) auf Notizbücher oder Macklemore (wie im oben erwähnten Post ersichtlich) auf Schreibmaschine.

Im Dezember 2017 veröffentlichte Eminem sein neuntes Studioalbum „Revival“. Dazu brachte der 45-jährige US-Rapper (45?!? Verdammt, der hat sich gut gehalten) auch das Video zur Singleauskoppelung „Walk On Water“ heraus. Und in diesem Clip sieht man eine Klon-Armee von Eminems an Schreibmaschinen (Smith Corona Classic 12, laut einigen Kommentaren im Internet). Und diese Armee tippt und tippt manisch unsinnige Zeichenfolgen in ihre Scheibmaschinen. Doch langsam formen sich bei einem dieser Eminems so was wie Wortfragmente, sogar Sätze. Und letztendlich hat er einen fertigen Rhyme, den er triumphierend in die Kamera rappt.

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Was mich an Eminem immer ein bisschen fasziniert hat, ist seine Art der Selbstreflexion. Einerseits lebt Rap von der Darstellung eines übersteigerten Selbstbewusstseins, andererseits zeigt Eminem immer wieder, dass auch er unsicher sein kann, dass er ein Mensch mit Fehlern ist, der von Zeit zu Zeit strauchelt. In „Walk on Water“ beschreibt der Rapper nun den Schaffungsprozess eines Songs. Seine Fans glauben immer, dass Eminem die Wörter und Reime nur so aus dem Ärmel schüttelt. Doch der Song/das Video zeigen, dass es harte, manische Arbeit ist, bis man den roten Faden findet – und von dem aus dann das Lied weiterspinnt.

Aber Eminem zeigt noch etwas. Nicht nur Talent und harte Arbeit zählen, sondern auch noch ein anderer, ganz wichtiger Faktor: der Zufall! Denn in dem Clip wird nämlich laut diversen Plattformen wie Genius.com auch das Infinite-Monkey-Theorem (auf Deutsch das Theorem der endlos tippenden Affen) zitiert.

Es gibt mehrere Varianten dieses Theorems. Ich kenne jenes, dass, wenn in einem Raum lauter Affen an Schreibmaschinen sitzen und tippen, irgendwann einmal ein Werk von Shakespeare rauskommt. Eine andere Variante besagt, dass auch ein Affe alleine das schafft, wenn er denn ewig tippt.

Ich glaube auch, dass Eminem dieses Theorem mit einem ironischen Augenzwinkern kommentiert. Denn obwohl viele Eminems an ihren Maschinen sitzen und in die Tasten hauen – und dementsprechend ein Meisterwerk rauskommen müsste, klingt der Reim, den Eminem am Ende in die Kamera schmettert, nach… nun ja… Anfänger-Niveau.

Rodja

PS: Und hier tritt noch zusätzlich der „Hanx-Effekt“ ein, der nach Tom Hanks benannt ist. Seit bekannt ist, dass der US-Schauspieler Schreibmaschinen sammelt, steigen die Preise für Vintage Schreibmaschinen. Im Fall von Eminem wird die Smith Corona Classic 12 auf Ebay quasi schon als „Schreibmaschine, die von Eminem benutzt wird“ verkauft.

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