Matthias schreibt auf einer Twen T180 Plus

Ich muss zugeben, seit ich mich wieder für Schreibmaschinen interessiere, ist mir noch nie der Gedanke gekommen, eine elektronische Schreibmaschine mit Display, Memory und Korrekturfunktion zu kaufen. Elektrische Maschinen ja, aber elektronisch? Da könnte ich mir ja gleich einen Computer kaufen… Dabei war es damals in der Handelsschule wirklich eine wahnsinnige Erleichterung, als wir von elektrischen auf elektronische Schreibmaschinen umstiegen.

Dass ein Vergleich elektronische Schreibmaschine versus PC durchaus angebracht ist, zeigt nun der folgende Text von Matthias (Nachname der Redaktion bekannt). Er schreibt auf einer Twen – und soviel ich mitbekommen habe, ist das eine Schreibmaschine, die durch die Resteverwertung der Markenrechte der Traditionsmarke Triumph-Adler entstanden ist. Irgendwie ist da die Firma Bandermann darin involviert – und das muss ich mir für einen späteren Artikel merken.

Doch nun zurück zum Erfahrungsbericht von Matthias, der mir irgendwie Gusto auf eine elektronische Schreibmaschine gemacht hat. Danke!

Der Text wurde übrigens in Papierform mit der Post zugestellt.

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Irgendwie bin ich hier ja ein wenig der Außenseiter. Ich habe keine mechanische Schreibmaschine, sondern schreibe auf einem modernen Plastikbomber. Teils meinten auch schon Freunde zu mir, dass das dann ja schon fast so wäre, als würde man am PC tippen. Tatsächlich ist es das eben nicht!

Aber viel größer ist doch die Frage: Wie kommt man überhaupt dazu, im Jahre 2018 auf einer elektronischen Schreibmaschine zu schreiben? Gerade dann, wenn man noch keine 30 Jahre alt ist?

© Matthias

Gekauft hatte ich mir damals eine gebrauchte TA T110. Leider kannte ich mich mit dem Gerät nicht so gut aus (bin ja erst im Computerzeitalter geboren worden) – und eine Bedienungsanleitung lag leider auch nicht bei. Ich musste mich da also reinfuchsen und irgendwie machte es Spaß, darauf zu tippen. Leider machte irgendwann das Typenrad schlapp und auch die Korrekturfunktion funktionierte nie so wirklich wie sie sollte. So verschwand die Maschine irgendwann auf dem Sperrmüll und einige Zeit verging.

Einige Jahre dann später brachte mich eine erneute Schnapsidee auf den Gedanken, mir wieder eine Schreibmaschine anzuschaffen. Eben die Twen T180 Plus, auf der ich diesen Text hier tippe.

Am Computer zu schreiben empfand ich nämlich als unangenehm. Schnell bin ich dazu geneigt, mich am PC abzulenken. Man will nur schnell was nachgucken – und wenn man dann schon mal den Browser offen hat, kann man doch schnell da oder dort vorbeischauen. Und zack, ist der halbe Nachmittag rum, ohne dass man was Produktives gemacht hat. Daran wollte ich was ändern. Während andere einfach das Internet so lange ausmachen, um dem Problem zu begegnen, mache ich Nägel mit Köpfen und holte mir eine nagelneue Schreibmaschine aus dem Bürofachmarkt.

© Matthias

Zuhause angekommen, habe ich mich direkt ans Werk gemacht und an meiner Prüfungsvorbereitung für die Uni weiter getippt. Und… ich bereute nichts. Das Problem mit der Ablenkung war einfach nicht mehr da. Außerdem musste ich sehr viel mehr über das, was ich schreiben wollte, nachdenken.

Was erstmal wie ein Nachteil klingt, ist in Wirklichkeit keiner: Dass man nicht mehr den Luxus hat, eine halbe Seite einfach zu löschen oder irgendwo zwei, drei Sätze noch reinzuquetschen, nötigt einen dazu, sich wesentlich intensiver mit dem, was man schreiben möchte, auseinanderzusetzen.

Außerdem ist es mit der Schreibmaschine in vielen Situationen viel leichter und flexibler: Schnell mal eine Postkarte oder einen Briefumschlag tippen: Bis ich mit dem Tippen am Computer anfangen kann und ihn ausgedruckt habe, habe ich den Brief mit der Schreibmaschine längst fertig getippt.

© Matthias

Ich muss zugeben, dass ich immer wieder Richtung mechanische Schreibmaschine äugle. Irgendwie hat das so seinen speziellen Charme! Aber eine elektronische Schreibmaschine bietet einem nicht unerhebliche Vorteile:

Zum Beispiel kann ich problemlos im Text korrigieren. Falls ich mich mal vertippt haben sollte, kann das Korrekturband den Buchstaben wieder entfernen. Natürlich kann ich damit nicht wirklich ganze Absätze löschen. Nun ja… theoretisch ginge das, aber es würde in der Praxis nicht so viel Sinn machen. Aber genau diese Tatsache kann man als einen nicht ganz unerheblichen Vorteil sehen.

© Matthias

Außerdem kann ich durch das Typenrad auch zwischen unterschiedlichen Schriftarten wechseln. Zum Beispiel ist dieser Text hier mit „Pica 10“ geschrieben worden.

Standardmäßig ist die Twen T180 Plus aber mit der Schriftart „Letter Gothic“ ausgestattet. Diese kann man auch auf 12er Teilung umstellen. Dann wird der Text enger gedruckt und sieht dadurch kleiner aus. Für eine etwas persönlichere Note kann man auch das Typenrad „Script“ einlegen.

© Rodja Pavlik

Den größten Vorteil, den die Schreibmaschine mir aber bietet, habe ich noch gar nicht genannt. Lustigerweise passt der auch genau zum Werbeslogan, den Twen zur Vermarktung der T180 Schreibmaschinenreihe nutzt: „Freude am Schreiben. Kann man kaufen!“ Denn tatsächlich macht es einfach unglaublich Spaß, auf der Schreibmaschine zu tippen!

Auch ein Freund von mir, der es erstmal irgendwie affig fand, eine Schreibmaschine zu nutzen, die fast wie ein Drucker mit Tastatur aussieht, musste nach wenigen Minuten zugeben: „Irgendwie verrückt, aber… das macht total Spaß, auf dem Ding rumzutippen.“

© Matthias

Auf jeden Fall ist es schon allein auch aus dem Grund sehr schön, dass es elektronische Schreibmaschinen nach wie vor neu zu kaufen gibt. Sogar mit Display und Speicherfunktion.

Ich hoffe, das bleibt auch noch lange so, sollte meine Twen irgendwann mal in Rente gehen.

Matthias

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Über Die Schreibmaschinisten

Journalist, Indie-Film-Fan(atiker), Möchtegern-Autor und Schreibmaschinist
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2 Antworten zu Matthias schreibt auf einer Twen T180 Plus

  1. joevc schreibt:

    I’m also curious about the electronic typewriter, thank you for sharing this.

    Gefällt 1 Person

  2. Steve K schreibt:

    A Nakajima sadly. 😉

    Gefällt mir

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