Rodja schreibt auf einer Olympia Traveller C

Die ganze Zeit über habe ich nette Mitstreiter gefunden, die hier von ihren Erfahrungen mit ihrer Schreibmaschine berichteten. Nur ich selbst habe in dieser Rubrik noch keinen Bericht abgeliefert – und das will ich hiermit nachholen.

© Rodja Pavlik

Lange habe ich überlegt, welche Schreibmaschine ich hier vorstelle. Die Schreibmaschine, mit der mein Hobby angefangen hat? Oder mit meiner Lieblingsschreibmaschine? Oder mit der subjektiv besten? Alle hier schwärmten von ihren Maschinen, schrieben von ihren positiven Erfahrungen. Was, wenn zur Abwechslung jemand mal das worst case scenario von einer Schreibmaschine beschreiben würde? Was, wenn jemand über die Olympia Traveller C schreiben würde? Quasi nach dem Motto: „Ich habe sie für euch getestet, damit ihr es nicht tun müsst.“

Die Olympia Traveller C ist meine dritte Maschine – und die erste, von der ich mich ersatzlos trennen werde. Kaum zu glauben, aber ich habe mir diese Maschine freiwillig ausgesucht – und war sogar glücklich, als ich sie um 20 Euro auf Willhaben.at erwarb.

Bis dato hatte ich nur die Olympia Monica de Luxe und eine Olympia Traveller de Luxe S. Die Monica betrachte ich als Schreibtisch-Maschine, aber ich wusste, dass ich auch eine portable Einheit brauchen würde. Also kam ich auf die Traveller de Luxe S. Und die war tatsächlich handlicher. Aber deswegen nicht unbedingt transportabler. Der Griff ist einfach mörderisch – und die Maschine auch nicht gerade ein Leichtgeweicht. Nach einem Tag hatte ich schmerzende Schwielen an der Hand vom Herumtragen. Also suchte ich nach einer noch leichteren Schreibmaschine. Und nachdem ich mit Olympia an sich zufrieden war, dachte ich mir, dass die Traveller C – das letzte mechanische Modell von Olympia – quasi die Krone der Schöpfung sei. Doch das Gegenteil ist der Fall doch, dazu später.

© Rodja Pavlik

Ich bekam die Traveller C fast neuwertig in der aufgebrochenen Originalverpackung, mit einigen Papieren, die zwecks Dokumentation recht interessant sind. Eine Rechnung von 1996 lag bei – und in die Schreibmaschine selbst war ein Blatt mit einem Testtext eingespannt. UND: Der Text war ein Tag nach Rechnungsdatum datiert. Das heißt, die Maschine wurde ausgepackt, kurz darauf getippt und wieder eingepackt – und dann all die Jahre nicht mehr benutzt. Ich hatte also eine fast neuwertige Schreibmaschine. Ich schätzte mich glücklich.

© Rodja Pavlik

Doch die Freude währte nur kurz. Aber bevor ich die schlechten Eigenschaften aufzähle, möchte ich doch kurz auf die positiven Aspekte eingehen. Und die gibt es tatsächlich.

Von den Features her baut die Traveller C auf der Traveller de Luxe S auf. Genau wie ihr Vorgänger hat die Traveller C einen Farbbandschalter. D.h., sie kann mit einem zweifärbigen Farbband betrieben werden. Und ebenso wie die Traveller de Luxe S hat die Traveller C fixe Tabulatoren in Zehner-Schritten. Um eine schnelle Tabelle aufzustellen reicht das allemal.

Darüber hinaus fallen aber noch ein paar andere Sachen auf:

1. Die Olympia Traveller C hat ein sehr interessantes, gebogenes Design. Meiner Meinung nach könnte sie auch so eine Stilikone wie die Olivetti Valentine sein. Sie wirkt wie aus einem Sci-Fi-Film der 1940er/1950er-Jahre… vorausgesetzt, dass sie damals noch nicht einmal eine elektrische Schreibmaschine gekannt hätten.

© Rodja Pavlik

2. Die Schreibmaschine hat einen Repeat Spacer. Das ist die rote Taste rechts unten, die es ermöglicht, innerhalb einer Zeile schnell voranzukommen.

© Rodja Pavlik

3. Die Olympia Traveller C ist tatsächlich die einzige Schreibmaschine in meinem Besitz, die die Ziffern 1 und 0 hat.

© Rodja Pavlik

Bei meinen anderen Maschinen fehlen entweder die Null oder die Null und die Eins, da muss ich mir immer mit klein „L“ – als l – als Eins behelfen, ober eben das große „o“ – also O -als Null behelfen. Und die Olympia Traveller C ist somit die einzige Schreibmaschine, bei der sich mein erlerntes Zehn-Finger-System quasi voll auszahlen würde. Schade eigentlich.

© Rodja Pavlik

Die Maschine ist nämlich der volle Plastikbomber, mit all den schlechten Eigenschaften, die man mit diesem Wort assoziiert. Sie ist ein Schandfleck in der sonst so ruhmreichen Historie der mechanischen Schreibmaschinen von Olympia. Und sie war ihr Sargnagel. Das kann man wirklich so verstehen, denn sie war das letzte mechanische Modell der deutschen Firma. Olympia glaubte wohl, mit diesem billig produzierten Ding made in China doch noch das Steuer herumreißen zu können. Denkste!

Wie gesagt, gefällt mir das Design recht gut. Erinnert mich auch ein bisschen an den legendären C64 von Commodore, den sogenannten „Brotkasten“. Nimmt man aber die Maschine auseinander, tut man sich beim Zusammenbauen ein bisschen schwer. Da will nichts so richtig ineinander gleiten und greifen – und mann muss oft ein bisschen herumwurschteln, bis die Schreibmaschine wieder passt.

Vom Material will ich gar nicht reden. Das Plastik ist wirklich schlechte Qualität. Die Bodenplatte zeigt schon einige Haarrisse rund um die Füße auf. Dabei habe ich nicht wirklich viel mit dieser Schreibmaschine geschrieben. Es gibt anscheinend keine Dämpfung zwischen Fuß und Bodenplatte, die die Wucht beim Hämmern auf die Schreibmaschine abmindert.

© Rodja Pavlik

Und auch das Metall scheint irgendein Weichmetall zu sein. Die Typen sowie der Farbbandwahlschalter und jener für das Einstellen der Anschlagsstärke lassen sich recht einfach verbiegen.

© Rodja Pavlik

Das Schreiben selbst ist eine Qual. Die Tastatur ist äußerst schwammig. Am Anfang fällt das einem nicht so auf, aber mit der Zeit ist das für die Hand äußerst irritierend und ermüdend. Man muss öfters pausieren, damit sich die Hand erholen kann.

Sieht man sich eine Schriftprobe der Traveller C an, fällt auf, dass die Großbuchstaben um eine halbe Stufe herabgesetzt sind. Zuerst dachte ich, dass das so gehört… dass das ein eigenwilliger Stil sei. Und irgendwie sieht das auch auch cool aus. Aber jetzt bin ich mir sicher, dass es einfach ein Fehler in der Höhenadjustierung ist.

© Rodja Pavlik

Beim Blick ins Innere fällt auf, dass die Mechanik sehr reduziert ist. Da ist so ein langes Gestänge, das eher sehr lose wirkt. Auch bei anderen Maschinen habe ich so ein Gestänge gesehen, aber es war viel kürzer und hatte nur einen kurzen Weg zu erledigen. Es wirkt bei den anderen Maschinen viel mehr ineinandergreifend, viel präziser. Bei der Traveller C wirkt es, als wäre es lose eingehängt und hätte die Hauptarbeit zu erledigen.

© Rodja Pavlik

Überhaupt scheint es mir, als würde es bei der Traveller C vor allem ums Reißen gehen. Die Typen werden mit voller Wucht auf das Papier geschleudert. Und nicht nur das: Während die Typen bei anderen Schreibmaschinen wie der Hermes 3000 brav in ihre Ausgangsposition zurückkehren und dort verharren, saust bei der Traveller C die Type zwar zurück, prallt aber in der Ausgangsstellung ab und wird wieder die Hälfte des Wegs zurückgeschleudert, bevor sie in ihre Ruheposition zurückfällt. Mechanische Präzision ist das jedenfalls keine.

© Rodja Pavlik

Nun bleibt mir nur noch, dieser seltsam misslungenen Maschine Lebewohl zu sagen. Eigentlich wollte ich sie aus Designgründen noch aufbewahren. Aber irgendwie bin ich ständig frustriert, wenn ich sie auseinandernehme und erst ein bisschen herumwerkeln muss, bis alles passt. Ich glaube, ich werde sie ein paar Kindern überlassen, damit sie das mal ausprobieren können. Bis dahin werde ich die Olympia Traveller C in ihr Cover schließen und nicht mehr hervorholen.

Rodja

© Rodja Pavlik

14 Gedanken zu „Rodja schreibt auf einer Olympia Traveller C

  1. Tja lieber Rodja, hättes Du den „Hl.St. Michael der Schreibmaschinen“ gefragt, hättest Du dir Schmerzen erspart.
    Olympia Traveller C ist nämlich keine „echte“ Olympia, sondern eine billige Michung aus 2-3 verschiedenen anderen Firmen. Z.B. Silverreed.

    Ich habe diese Maschinen damals von Olympia auch gekauft, aber allesamt zurück gegeben. Auf den Geräten kann man einfach nicht schreiben und sind für mich eher ein schlechter „Schreibbehelf“ als eine Schreibmaschine. So etwas verkaufe ich meinen Kunden nicht. Du solltest einmal sehen wie die schreibt, wenn sie einige Jahre verwendet wurde… 😉
    Ergo: Olympia Traveller C hat nichts mit der Legende Traveller de Luxe zu tun
    Grüße von
    Michael Schilhan aus der Schreibmaschinen Werkstätte

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  2. Interessanterweise wurde diese Schreibmaschine noch ca. 2012 von Olympia in Deutschland vertrieben. Ich weiß noch, wie ich zu dem Zeitpunkt damit geliebäugelt habe mir eine zu kaufen und dann ziemlich verärgert war, als es sie einige Monde später nicht mehr zu kaufen gab.
    Danke Rodja, jetzt weiß ich, dass es doch eine gute Fügung des Schicksals war 😀

    Liebe Grüße aus Paderborn wünscht
    Matthias

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  3. So weit ich weiss ist dies gar keine Olympia Schreibmaschine aus dem Olympia Wek Bremerhaven mehr. Ein Importeur hatte die Markenrechte der Marke „Olympia “ aufgekauft und unter diesen Namen Maschinen aus China aufgekauft. Es sind also chinesische Maschinen nach meiner Kenntnis.

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    • Wirklich? So weit ich weiß, war das noch die deutsche Olympia, die diese Schreibmaschine in China herstellen ließ. Der Schreibmaschinen-Meister meines Vertrauens, Michael Schilhan, hat mir erzählt, dass ihm dieses Plastikklumpert von Olympia Deutschland angeboten wurde. Er hat es aber nicht verwenden können, weil die Qualität zu mies war.

      Falls Du was Genaueres weißt, immer her damit.

      Ich weiß, dass es jetzt eine Firma in Shanghai gibt, die die Markenrechte zu „Olymia“ (sic!) 2010 gekauft haben. Von den stammt auch die We ‚R‘ Memory Keepers Typewriter (dazu mehr demnächst).

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  4. Spannend das alles! Wie heißt der Roman? Und taugt die Olympia Splendid 33 irgendwas oder ist das noch viel schlimmer? Ich sitze nämlich gerade an einer und ärger mich, weil von den Buchstaben das obere Drittel nicht aufs Farbband trifft … Anfängerfehler? Schöne Grüße!

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    • Hallo, Mirjam,

      eigentlich ist eine Olympia Splendid 33 eine von den guten portablen Schreibmaschinen. Ich habe selbst eine. Dass die Buchstaben nicht das obere Drittel vom Farbband erwischt, kann mehrere Gründe haben. Vielleicht hat die Mechanik, die das Farbband anhebt, etwas. Oder aber – und das ist mir vor kurzem bei einer Maschine aufgefallen – das Farbband ist nicht korrekt eingelegt. Kannst Du mir ein Fotos an schreibmaschinist@gmx.at schicken? Ein Foto vom Schriftbild – und eines vom Band vorne, dort, wo die Typen auf das Band treffen. Vielleicht muss man das nur richtig einlegen.

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