Royal Classic – eine neue Schreibmaschine für 2019

2016 war ein besonderes Jahr für Schreibmaschinenfans. Da brachte die Firma American Crafts, spezialisiert auf Scrapbook Art, die mechanische Schreibmaschine We R Memory Keepers heraus. Eine NEUE Schreibmaschine, wohlgemerkt.

Die Fotos sahen gut aus – und die ersten Reviews, die ich fand, klangen auch recht vielversprechend. Mann, war ich angefixt. Aber ich glaubte nicht, dass ich jemals Hand an diese neue Schreibmaschine legen würde. Solange sie eine QWERTY-Tastatur hat – ausgelegt für den englischsprachigen Raum -, würde ich sie mir auch nie kaufen. Ich wollte die neue Entwicklung aber auch nicht aus den Augen verlieren und suchte immer wieder nach weiteren Reviews. Und mit der Zeit änderte sich der Tenor der Kritik, abhängig von der Erfahrung der Rezensenten. Vor allem in der Facebook-Gruppe Antique Typewriter Collectors wurde die Schreibmaschine sehr zwiespältig aufgenommen.

Nun hatte ich vor kurzem dank dem Analog-Shop „Supersense“ die Möglichkeit, so eine We R Memory Keepers Typewriter zu testen. Und was soll ich sagen? Der reinste Plastikbomber – und das würde man angesichts der Fotos gar nicht vermuten. Die Review dazu werde ich aber zu einem anderen Zeitpunkt abliefern, denn eigentlich wollte ich über etwas anderes schreiben. Nämlich dass eine neue mechanische Schreibmaschine aufgetaucht ist – und zwar von der Traditionsmarke Royal!!!

Was das aber trotzdem mit der We R Memory Keepers-Schreibmaschine zu tun hat, darauf werde ich noch eingehen…

© Richard Polt

Vor einigen Tagen kündigte der US-Philosoph Richard Polt, von dem das meiner Meinung nach wegweisende Buch „The Typewriter Revolution“ stammt, auf seinem Blog in einem Post die neue Royal Classic an. Eine mechanische Schreibmaschine aus 2019!!!

Royal… da klingelt es doch bezüglich Schreibmaschinen-Historie. Begonnen hat alles 1904 mit The Royal Typewriter Company. Damals wurden schwere, gusseiserne Maschinen produziert, von denen einige Klassiker wurden, wie z.B. die Royal 5 oder die Royal 10. Berühmte Autoren wie Ernest Hemingway oder Ian Fleming, der „Vater“ von James „007“ Bond, benützten Royal-Schreibmaschine. (Da ich momentan eine intensive „James Bond“-Phase durchlebe, interessiert mich das natürlich sehr. Lese zurzeit einige „007“-Romane, aber auch Autobiografisches über Ian Fleming.) Fleming kaufte sich sogar eine goldene Royal Quiet Deluxe, die Gerüchten zufolge von Bond-Darsteller Pierce Brosnan 1995 bei einer Auktion um rund 56.000 britische Pfund ersteigert wurde.

1926 wurde die millionste Royal Schreibmaschine hergestellt, 1957 war es die zehnmillionste Maschine. Doch mit dem Aufkommen des Computers schwand die Bedeutung der Schreibmaschine für das Unternehmen.

Das jetzige Unternehmen Royal Consumer Information Products, Inc. hat sich eigentlich auf Bürobedarf spezialisiert – auf Taschenrechner, Bleistiftspitzer, Laminatoren, Briefwaagen, Shredder, Kassen, etc. Schreibmaschinen wie der mechanische Plastikbomber Royal Epoch scheinen nur einen kleinen Teil des Repertoires auszumachen. Elektronische Schreibmaschinen wie die Royal Scriptor II dürften sogar nicht mehr lagernd zu sein. Alle Produkte größtenteils aus Plastik, und mich würde es wundern, wenn nicht ein Großteil davon made in China ist.

Und nun hat die Firma mit Royal Classic eine neue mechanische Schreibmaschine herausgebracht, die an die alte Tradition anschließen soll. Sie ist um 249,95 US-Dollar in den Farben Schwarz, Rot, Mint und Violett erhältlich. Und: Der Korpus ist aus Metall!

Doch im Gegensatz zu früher stellt Royal die Schreibmaschine nicht selbst her, sondern lässt sie in China produzieren. Und die Spur führt zur Shanghai Weilv Mechanism Company, die eben auch den We R Memory Keepers-Plastikbomber hergestellt hat. Zwar ist auf der Site kein Hinweis auf Royal zu finden, aber die Ähnlichkeiten zwischen der Royal Classic und der We R Memory Keepers Typewriter sind mehr als augenscheinlich.

Was das nun über die Qualität der Royal Classic aussagt, verheißt – laut meiner Erfahrung mit der We R Memory Keepers – nichts Gutes. Immerhin: Dass der Korpus aus Metall und nicht aus Plastik ist, ist eine Verbesserung.

In seiner Review schreibt Polt (der freundlicherweise das oben stehende Foto der Royal Classic uns zur Verfügung gestellt hat), dass aber nicht die ganze Schreibmaschine aus Metall ist. Einige Teile sind leider doch aus Plastik. Zum Beispiel eben auch die Typen selbst. Also quasi die „Stempeln“, auf denen die Buchstaben und Ziffern oben sind. Was ich davon halte, schreibe ich ein anderes Mal.

Polt ist in seiner Review kritisch, aber eher zurückhaltend optimistisch. Es gebe eine graduelle Verbesserung zur We R Memory Keepers – und eine neue Maschine ist immerhin ein Anzeichen dafür, dass ein Interesse an Schreibmaschinen besteht. Diesem Argument kann ich etwas abgewinnen.

Dennoch bin ich ein bisschen skeptisch, was den Erfolg der Royal Classic angeht. American Crafts hatte einen speziellen Markt vor Augen – und in Kooperation mit der Warenhauskette und Online-Plattform Michael’s auch einen sehr guten und eigenständigen Distributionskanal. Ob Royal diesen Buzz um seine neue Schreibmaschine wiederholen kann, bleibt abzuwarten.

Rodja

INFO: Royal Consumer Information Products, Inc.: http://www.royalsupplies.com/

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Über Die Schreibmaschinisten

Journalist, Indie-Film-Fan(atiker), Möchtegern-Autor und Schreibmaschinist
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