Was macht eine Schreibmaschine in der Bank?

Antwort: Nichts!

Doch zuerst zu etwas anderem: Vor einigen Tagen ging die Aktion „Helios“ zu Ende (siehe Bericht der „Kleinen Zeitung“ zum Anfang). Das Planspiel sollte simulieren, wie gut Österreich auf einen dreitägigen Blackout vorbereitet ist. Sprich: Wenn kein Strom da ist. Im ersten Moment denkt man sich: Tja, Leben geht weiter. Ein Stromausfall kann ja schon mal passieren. Aber man stelle sich vor… der Kühlschrank mit den Lebensmitteln, teilweise die öffentlichen Verkehrsmittel, die Zapfsäulen an der Tankstelle, die medizinischen Geräte, Computer, Internet, Smartphones, die ganze Telekommunikation… all das würde zusammenbrechen – und das über einen längeren Zeitraum! Was würde da wohl geschehen?

Für mich war natürlich ein gewisser Aspekt sehr interessant. Bei der Kommunikation, beim Überbringen von Nachrichten, Anweisungen oder Befehlen… würde man da wieder auf mechanische Schreibmaschinen setzen? Hätte man da ein paar Schreibmaschinen parat? Gewartet und bereit für den Einsatz?

Obwohl ich mir mit meiner mickrigen Website und Nischen-Interesse nicht unbedingt eine Chance ausrechnete, schrieb ich doch die Pressestelle des Innenministeriums an, ob man mir diesbezüglich Auskunft geben könnte.

Und dann geschah das Strache-Video, der Vizekanzler und ein Parteifreund traten zurück, die Regierung wurde gesprengt – und auch der Innenminister (FPÖ) musste den Hut nehmen. Tja, jetzt glaube ich noch weniger, dass ich eine Antwort bekommen werde. Aber damit kann ich sehr gut leben. 😀

Dafür bekam ich von unerwarteter Seite eine Antwort auf eine Frage, die ich vor Jahren gestellt habe.

Ein Freund von mir arbeitet bei der Bank Austria (früher Creditanstalt). Wir kennen uns seit Ende der 1980er. Gemeinsam besuchten wir den Aufbaulehrgang zur Handelsakademie – und haben quasi den gleichen schulischen Background. Wir hatten beide noch Maschinschreiben und Stenografie in der Handelsschule. Das Maschinschreiben konnten wir im Aufbaulehrgang noch brauchen, an Stenografie wurde nicht mehr gedacht. Und als wir ins Berufsleben eintraten – er Bank, ich Versicherungsmakler (damals) – hatten wir hauptsächlich nur noch mit Computern und Netzwerken zu tun, und kaum noch mit Schreibmaschinen. Und mit den folgenden Jahrzehnten verschwand die Schreibmaschine ganz aus den Büros.

Oder doch nicht? Denn als ich vor ein paar Jahren die Schreibmaschine privat wieder entdeckte, erzählte mir der Freund, dass sie in der Bank noch immer eine Schreibmaschine herumstehen haben. Irgendwo zumindest. Ich war entzückt – und bat um ein Foto bzw. um Bekanntgabe des Verwendungszwecks. Doch immer wieder wurde darauf von uns beiden vergessen. Irgendwann fragte ich nach – und dann kam die Antwort, dass er mal aus dem Urlaub zurückkam und die Schreibmaschine suchte. Und da sagte man ihm, dass sie entsorgt wurde.

Oder auch nicht. Denn an dem Tag, an dem das Strache-Video publik wurde, bekam ich das Foto einer elektronischen Olympia Carrera de Luxe zugeschickt. Mein Kumpel hatte die Schreibmaschine in der Bank doch noch gefunden!

© S.E.

Als ich den Verwendungszweck erfuhr, war ich überrascht. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass die Schreibmaschine für den Ernstfall (sprich: Zusammenbruch des Computernetzwerks) gedacht ist. Doch tatsächlich hat sie einen fixen Platz im Banken-Leben. Und das trotz Internet-Banking, Smartphones & Co. Allerdings wiederum nur theoretisch.

Die Schreibmaschine kommt dann zur Verwendung, wenn Bankschecks ausgestellt werden müssen, erzählte mein Kumpel. „Die müssen nämlich noch mit Schreibmaschine geschrieben werden.“ Doch das kommt relativ selten vor. „Wir haben das Ding seit ca. fünf Jahren – als Ersatz für eine mechanische.“ Und die „neue“ Schreibmaschine wurde noch nie verwendet.

Es gebe auch keine Dienstanweisung dafür – und gewartet wurde sie auch noch nie. „Ich hoffe, die Farbbänder sind noch nicht zu Staub zerfallen“, so mein Freund abschließend.

Das ist für mich als Schreibmaschinen-Afficionado natürlich unbefriedigend. Natürlich hoffte ich auf eine Geschichte à la „Und da hatten wir eines Tages einen Netzwerkzusammenbruch. Und nur mit der Schreibmaschine und Boten konnten wir mit anderen Filialen kommunizieren.“ Aber nix. Allerdings sieht man daran auch wieder, wie der aktuelle Stand der Schreibmaschine im Büroleben ist. Und auch das ist wiederum zumindest interessant.

Rodja

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Über Die Schreibmaschinisten

Journalist, Indie-Film-Fan(atiker), Möchtegern-Autor und Schreibmaschinist
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3 Antworten zu Was macht eine Schreibmaschine in der Bank?

  1. Richard P schreibt:

    Whenever I go to my local small bank, I see a typewriter behind the tellers. I assume it is meant for a similar purpose — typing checks or documents that occasionally need to be created on paper.

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  2. Kat Impossible schreibt:

    Ich kann mich noch erinnern als ich als Volksschulkind an manchen Tagen zur Firma meiner Mutter mitgegangen bin und die hatten dort auch Schreibmaschinen rumstehen. Eine manuelle und eine mit dem Computer verbundene. Da sie so gut wie nie gebraucht wurden (wegen Computer etc.), durfte ich damit immer rumspielen und habe deswegen auch eine nostalgische Verbindung zu den Teilen. Ob sie irgendwo gebunkert sind, um im Notfall wieder genutzt zu werden, das weiß ich nicht. Aber ich kann mir vorstellen dass heutzutage mehr Hipster eine zuhause stehen haben als man vielleicht annehmen würde.

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