Patrick schreibt auf einer Olympia SM3

Nach Benjamin Swiczinsky mit seiner Olympia Traveller de Luxe konnte ich nun einen zweiten Filmemacher für die Rubrik „… schreibt auf einer…“ gewinnen. Patrick Haischberger ist ein Schauspieler/Autor/Regisseur aus Bad Ischl. Zuletzt fiel er vor allem mit seinem Kurzfilm „Rainy Season“ (Trailer hier), einer Adaption einer Kurzgeschichte von US-Horrorautor Stephen King, auf.

© Patrick Haischberger

Aber wie kommt man denn an die Erlaubnis von so einem renommierten Schriftsteller? Ganz einfach, man schreibt ihn an. „Anfangs bekam ich auf meine Anfrage nur so ein Standard-Mail zurück, aber später schrieb mir King selbst, dass er mich gerne unterstützen würde“, erzählte Haischberger in einem Interview mit der „Kronen-Zeitung“.

Haischberger erhielt die Rechte für die Horror-Kurzgeschichte „Rainy Season“: „Ein abgelegenes Dorf, seltsame Bewohner, Menschenopfer – es war perfekt für mich.“ Er sandte King vorab das Drehbuch: „Ich habe dreimal mit ihm telefoniert, da war ich natürlich sehr nervös. Aber er segnete alles ab, obwohl ich das Ende geändert habe“, so Haischberger im Gespräch mit der „Kronen-Zeitung“.

Für den Kurzfilm konnte Haischberger bekannte österreichische Stars wie u.a. Sabrina Reiter („In 3 Tagen bist du tot“, „Blockbuster – Das Leben ist ein Film“, „Spuren des Bösen“, „Kaviar“), Thomas Stipsits („Jenseits“, „Vorstadtweiber“, „Baumschlager“) und Fritz Karl („Falk“, „Inspektor Jury“, „Meiberger – Im Kopf des Täters“) gewinne. Die Vorpremiere fand bereits am 5. Oktober 2019 statt, nun befindet sich „Rainy Season“ auf Festivaltour

Mit 35 Jahren ist Patrick Haischberger alt genug, um eigentlich nur mit dem Computer aufgewachsen zu sein – und dennoch ist die Schreibmaschine seine „weapon of choice“.

© Patrick Haischberger

“If you hear a soft creaking at the cemetery, do not be afraid. These are not bones rising from their graves, it’s just the sound my typewriter makes when I’m working here.”

Patrick Haischberger

Es ist zwei Uhr in der Früh, Schatten tanzen durch die Gassen, das Klacken der Schreibmaschine erfüllt die Nacht. Ich schreibe in diesen modernen Zeiten mit einer Schreibmaschine. Jeden Tag. Alles, egal ob Drehbücher, Kurzgeschichten oder der Roman, an dem ich gerade arbeite. Zumindest die erste Fassung. Dann tippe ich die Seiten in mein MacBook und überarbeite diese. Die Schreibmaschine ist etwas Mystisches für mich geworden, etwas Befreiendes und erfüllt mich mit Kreativität. Aber auch, wenn ich mit einer Schreibblockade konfrontiert bin, setze ich mich gerne zur Schreibmaschine. Das Gefühl ist einfach ein komplett anderes als am Laptop und gibt mir neue Energie.

Es ist doch so, wenn man stundenlang am Computer schreibt, ist man irgendwann ausgelaugt. Das Licht vom Monitor quält einen und ständig wird man vom Internet abgelenkt. Nachrichten von Sozialen Medien überfluten einen und der E-Mail Ordner geht mit Nachrichten, die beantwortet werden wollen, über. Dabei habe ich noch gar nicht Netflix, oder die unzählige Auswahl an Pornos erwähnt, die es zu bestaunen gibt. Diese Ablenkungen sind zwar ein netter Zeitvertreib, doch der Tod für jegliche Kreativität. Dann bin ich auf etwas gestoßen. Es war fast Magie. Nein vergesst das. Es war Magie. Pure Magie. Etwas aus längst vergangenen Tagen. Etwas völlig Analoges in einer digitalen Welt.

Die Schreibmaschine.

Inzwischen besitze ich mehrere Schreibmaschinen, wobei zwei Stück davon meine Lieblinge sind. Die Ico Olivetti, aus den 1930er Jahren. Die ich von einem schrulligen älteren Bibliothekar erhalten habe, der gerne meine Geschichten liest. Und die Olympia SM3, die ich euch jetzt vorstellen möchte.

© Patrick Haischberger

Gute Geschichten, Vorlagen für Filme, all das schrieb Alfred Hitchcock auf seiner Olympia SM3, einer mechanischen Schreibmaschine aus den 1950ern. Hitchcock war aber nicht der Einzige, der diesem Modell vertraute, auch Regisseur Woody Allen malträtierte die SM3.

Schön ist am Anfang allerdings nur ihr Anblick. Der Akt des Schreibens, er kostet Kraft. Physisch. Wer seine Sätze sonst auf der leichtfingrigen Tastatur eines Laptops hin hastet und gleich wieder neu aufsetzt, für den ist das kleine Ungetüm vor allem eines: ein formidabler Bremsklotz. Erst nach frühem kläglichem Vertippen zeigt sich die eigentliche Schönheit. Die Sinnlichkeit. Die Maschine riecht. Nach Tinte, Farbband, Bakelit und Metall. Der Geruch berauscht, er sagt dir: „Ich bin da.“

© Patrick Haischberger

Wie der Duft, der dich im Nacken deiner Liebsten umfängt. Dann die Tasten, die Typen, die nach vorne schnellen, knallen, schellen. Kein flinkes Fingerspiel, eine Massage, kraftvoll und genau an den richtigen Stellen. Bis sie stöhnt, nein: klingelt. Am Ende der Zeile. Das macht man nicht im Café. Keiner schleppt freiwillig einen kiloschweren Koffer mit sich und hämmert in der Menge herum. Das spleenige Liebemachen findet besser zu Hause statt, wo es auch hingehört. Schön langsam. Satz für Satz. Gedanke für Gedanke.
Schreibmaschinen wurden von Computern ersetzt. Doch es wird sie immer geben. Weil es noch Menschen gibt, die sie benutzen.

© Patrick Haischberger

Wenn man Bücher in einem Bücherregal betrachtet, dann wirken sie antiquiert in einer Welt, in der die meisten Bücher, auch in digitaler Form vorliegen. Ich glaube nicht, dass alle Bücher auf den Bildschirm wandern sollten. Ein gedrucktes Buch ist wie ein Hai, und Haie sind alt. Sie schwammen schon lange vor den Dinosauriern durch die Ozeane und der Grund, warum es noch immer Haie gibt, ist: Sie sind einfach besser darin, Haie zu sein, als andere es wären. Gedruckte Bücher sind zäh, schwer zu zerstören, badewasserresistent, sonnengeschützt, und sie liegen gut in der Hand. Sie sind einfach gut darin, Bücher zu sein, und deshalb wird es immer einen Platz für sie geben.

Faszinierende Menschen zu erschaffen ist immer ein Wetteifern mit Gott. Er hatte Sternenstaub zur Verfügung. Ich meine Schreibmaschine.

Patrick Haischberger

© Patrick Haischberger

Über Die Schreibmaschinisten

Journalist, Indie-Film-Fan(atiker), Möchtegern-Autor und Schreibmaschinist
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Eine Antwort zu Patrick schreibt auf einer Olympia SM3

  1. Joe Van Cleave schreibt:

    Fascinating, thank you.

    Gefällt 1 Person

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