Wider die Einfärbigkeit auf getippten Seiten!

An einem Feature der Schreibmaschine scheiden sich die Geister: dem Farbbandschalter bzw. dem Nutzen und Benutzen von zweifärbigen Bändern.

Nun ja, eigentlich stehe ich damit allein auf weiter Flur, denn ich kenne niemanden, der tatsächlich zweifärbige Farbbänder verwendet. Und ich verstehe es auch vom ökonomischen Standpunkt her. Ist eine Spur Schwarz aufgebraucht und wird schwach bei der Farbabgabe, schaltet man einfach den Farbbandschalter um und schreibt auf der zweiten Spur Schwarz weiter.

Für mich jedoch haben aber zweifärbige Farbbänder sehr wohl einen Sinn. Ein großer Teil dieser Anwendungsmöglichkeiten findet in Entwürfen Niederschlag, nicht unbedingt in der finalen Version des Textes.

Es gibt nicht viele Features, um in einem Schreibmaschinentext etwas hervorzuheben. Man kann in BLOCKSCHRIFT schreiben, man kann etwas unterstreichen, entweder einfach oder zweifach (dazu verwendet man das „=“ eine halbe Zeile unter dem Geschriebenen), oder man setzt eben die zwei Farben bewusst ein. Und ich mag das.

© Rodja Pavlik

Natürlich habe ich auch Schreibmaschinen, die nur einfärbig schreiben (wie meine treue Hermes Baby), aber wann immer es geht, achte ich beim Kauf einer Schreibmaschine, dass sie zweifärbig schreiben kann. Und wenn sie es kann, dann möchte ich auch ein zweifärbiges Farbband dafür.

Für mich hat das Zweifärbige – bzw. die Wahlmöglichkeit – durchaus etwas Sinnvolles. Erstens, wie bereits gesagt, die Akzentuierung, das Hervorheben im Text. Es ist doch eine elegante Alternative zu z.B. in BLOCKSCHRIFT schreiben. Oder eben etwas im Nachhinein zu unterstreichen.

Die zweite Verwendungsmöglichkeit für mich, ist beim Schreiben von Geschichten oder Drehbüchern. Meistens habe ich schon einen Geschichtsstrang im Kopf, den ich abarbeite. Der ist aber nicht fix, meistens fallen mir beim Schreiben noch Ideen ein. Wenn ich im Flow bin, switche ich einfach auf Rot und schreibe den zweiten möglichen Handlungsstrang auf. Oder eine mögliche, spätere Wendung, die mir erst jetzt eingefallen ist. Sobald ich damit fertig bin, schalte ich auf Schwarz zurück und schreibe am alten Strang weiter. So geht nichts verloren – und ich kann dann genau unterscheiden, was der ursprüngliche Gedanke war – und mich erst später entscheiden, was besser ist.

© Rodja Pavlik

Manchmal fällt mir aber auch eine Frage zu bestimmten Sachen ein, die ich noch genauer nachrecherchieren muss. Ich könnte das ja sofort am Computer nachschauen – aber so wie ich mich kenne, bleibe ich dann auf Youtube oder Facebook hängen und versumpere. So schreibe ich die Frage/Problemstellung in Rot auf – und kann kurz darauf wieder zur Geschichte zurückkehren und schwarz weiterschreiben.

Ja, für mich machen zweifärbige Farbbänder durchaus Sinn und ich möchte diese Wahlmöglichkeit einfach nicht missen.

Rodja

4 Gedanken zu „Wider die Einfärbigkeit auf getippten Seiten!

  1. Macht Sinn, wenn man es wie Du sieht. Ich nutze die zweite Spur, wie Du beschreibst, als zusätzliche, ökonomische Spur. Ich nutze die Schreibmaschine oft zum schnellschreiben, da bleibt keine Zeit zum umschalten. Brauche ich eine korrigierte Version, scanne ich den Text mit einem OCR Programm ein und mache eine bereinigte Version draus.

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  2. Wer einmal einen fehlerfreien Brief oder eine Karte von Rodja bekommen hat, zu diesen Kreis der Begünstigten gehöre ich, wird den Nutzen der Zweifarbigkeit erlebt haben und nicht mehr in Frage stellen.

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