Ronny schreibt auf einem Freewrite

Leser dieses Blogs wissen, dass ich für Schreib-Alternativen zum Laptop oder PC offen bin. Ich bin nicht nur auf Schreibmaschinen fixiert, ich mag auch Füllfedern und Bleistifte. Und auch neue Möglichkeiten, wie der reine Schreib-Computer Freewrite von Astrohaus bzw. dessen kleinen Bruder Traveler, reizen mich. Über beide habe ich hier auch mehrmals kritisch geschrieben. Also kritisch im Sinne von: Was finde ich positiv, was finde ich negativ. Aber das alles rein theoretisch, weil ich das Ding ja nie in der Hand gehabt habe.

© Astrohaus

Ich habe zwar bei der Crowdfunding-Aktion für den Freewrite (damals noch Hemingwrite) mitgemacht, letztendlich aber mein Angebot zurückgezogen. Ich war mir unsicher, ob der Freewrite auch wirklich das Gerät ist, das meine Kreativität unterstützt, oder ob es andere, kostengünstigere Alternativen auch tun?

(Spoiler: Ja, andere, kostengünstigere Alternativen tun es individuell auch. Für mich tat es eine Schreibmaschine um 15 Euro. (Okay, dann wurden es ein paar Schreibmaschinen mehr, aber theoretisch hätte mir die eine genügt. ;-))

Das Problem beim Freewrite ist… Man kann das Gerät hierzulande nicht einfach so testen gehen. Man muss es in den USA teuer ordern und auf das Beste hoffen. Insofern bin ich wahnsinnig froh, wenn ich auf deutschsprachige Autoren stoße, die den Freewrite nutzen und noch dazu ein kleines Review abliefern. Wie eben Ronny Rindler.

Ronny Rindler ist ein deutscher Schauspieler und Musical-Star, der u.a. in der Europa-Premiere von „Dirty Dancing“ und der Welt-Premiere des Udo-Jürgens-Musical „Ich war noch niemals in New York“ auftrat. Seit einigen Jahren nun lebt Ronny in Wien-Penzing. Mittlerweile ist er unter die Autoren gegangen und schrieb u.a. „toi, toi, TOT! – Hamburg Krimi“ und „Mörderische Nachbarschaft – 30 rasante Kurzkrimis“. Außerdem bietet er als Schreibcoach auf seiner Seite www.rindlerwahn.de mehrere Online-Kurse als auch Schreib-Cafés und Volkshochschulkurse in Wien an.

Ronny hat sich einen Freewrite geleistet – und ist sehr zufrieden damit. In einem Video, das er auf Anfrage auch den Schreibmaschinisten zur Verfügung stellte, erzählt er von den Vorteilen, aber auch von den Mankos dieser „elektronischen Schreibmaschine“. Ich persönlich hätte gerne noch ein bisschen mehr Tippen gehabt, damit ich ein Gefühl für das Haptische bekomme, aber das ist nur ein kleines Manko an dem Vorstellungsvideo.

Ich poste es hier unter „…schreibt auf einer…“ als auch „Alternativen“. Und irgendwie habe ich nach dem Clip wieder Lust, den Freewrite auszutesten. Ach, es juckt einfach in den Fingern…

Rodja

Crowdfunding für Traveler gestartet

Im August habe ich hier bereits über den Traveler, dem kleinen Bruder des Freewrite geschrieben. Nun hat das US-Unternehmen Astrohaus, wie angekündigt, eine Crowdfunding-Aktion auf Indiegogo gestartet.

Wie der Freewrite ist auch der Traveler ein Computer, der auf das für ein Textverarbeitungsgerät Nötigste abgespeckt wurde. Es gibt nur eine rudimentäre Internet-Nutzung (gerade so viel, dass man die Texte in der Cloud abspeichern kann), keine Spiele – und somit auch keine Möglichkeiten, beim Schreiben von E-Mail, Twitter, aufpoppenden Nachrichten oder Facebook abgelenkt zu werden. Der 6-Zoll-Bildschirm wird mit E Ink betrieben, was die Augen schont und weniger Strom verbraucht als herkömmliche Laptops. Laut Herstellerangaben kann der Traveler bis zu vier Wochen mit einer Akku-Ladung auskommen.

© Astrohaus

Technisch gesehen basiert der Traveler auf dem Freewrite. Er ist aber kleiner, leichter (0,8 Kilogramm im Gegensatz zu den 1,8 Killogramm des Freewrite), zusammenklappbar und leichter verstaubar. Allerdings hat der Traveler keine mechanische Tastatur wie der Freewrite. Trotzdem soll die Tastatur höchsten Schreibkomfort bieten. Durch diese Form hat der Traveler für mich aber sehr viel Schreibmaschinenhaftes – so wie es der Freewrite hat – verloren.

© Astrohaus

Eine entscheidende Änderung gibt es noch gegenüber dem Freewrite. Der Freewrite eignet sich vor allem für erste Entwürfe. Man kann nicht im Text herummanövrieren und irgendwo noch einen Text einfügen. Nein, dieses Gerät ist eigentlich nur für „straight forward“ schreiben gedacht. Das ist wichtig für zum Kopf entleeren. Einfach raus mit den Wörtern. Bearbeiten kann man schließlich noch später am Laptop. Einzig mit der Backspace-Taste kann man Wörter löschen. Das mag für viele Schreiber komisch klingen, aber nachdem ich jetzt schon einige Zeit mit der Schreibmaschine gearbeitet habe, kann ich diesem Argument durchaus etwas abgewinnen.

Aber nicht jedem Autor liegt diese Arbeitsweise. Und anscheinend gab es bei Astrohaus genügend Beschwerden, um ein Umdenken einzuleiten. Nun kann man mittels Shift + Tastenkombination W A S D herummanövrieren und Wörter oder Texte einfügen. Der Traveler ist also nicht nur für Entwürfe geeignet, sondern eben auch zum Bearbeiten. Und das ganz ohne störende Faktoren wie Facebook oder E-Mail.

(Da es sich bei dieser rudimentären Cursor-Funktion aber eigentlich um eine Software-Funktion handelt, könnte man dies – falls gewünscht – doch eigentlich auch beim Freewrite anbieten, oder?)

Im Gegensatz zur Schreibmaschine, wo man aber eine ganze A4-Seite überblicken kann, hat man hier nur ein paar Zeilen auf dem Bildschirm. Das finde ich für das Herummanövrieren schon ein bisschen unübersichtlich.

© Astrohaus

Astrohaus will nun mithilfe von Crowdfunding den neuen Traveler produzieren. Und das dürfte so gut wie sicher sein. Denn innerhalb weniger Tage nach Start der Aktion wurde die angestrebte Summe von 50.000 US-Dollar bereits um ein Mehrfaches überschritten (mit Stand 07.10.2018 derzeit bei gerundet 282.000 US-Dollar – und es sind noch 26 Tage Zeit). Wie beim Freewrite trifft auch der Traveler anscheinend einen gewissen Nerv bei den Leuten. Natürlich könnte man sich auch einen Laptop mit x-beliebigen und x-fachen Funktionen zulegen, aber anscheinend sehnen sich doch viele nach einem Gerät, mit dem man einfach nur schreiben kann.

Für 329 US-Dollar kann man sich schon so ein Teil sichern, regulär soll der Traveler im Handel später anscheinend 599 US-Dollar kosten. Weitere Perks sind zwei Traveler zum Preis von 558 US-Dollar und ein Set Freewrite + Traveler um 728 US-Dollar. Die erste Charge soll im Juni 2019 ausgeliefert werden.

Was mir schon bei anderen Crowdfunding-Aktionen aufgefallen ist (das ist nur als neutrale Anmerkung zu verstehen): Mir scheint, dass Crowdfunding immer mehr zu einem Art Bestellsystem verkommt. Man kann ein Stück (oder zwei) einer geplanten Charge bestellen.

Zwei Sachen, die mir beim Traveler vom Betrachten der Fotos und dem Durchlesen der Features aufgefallen sind. Erstens bin ich mir bezüglich des Winkels des Bildschirms nicht sicher, ob das angenehm ist. Auf der Crowdfunding-Site wird der Bildschirm mühelos aufgeklappt. Ist der Winkel aber regulierbar? Und hält die Scharniere auch bei ständigem Auf- und Zuklappen? Weil wenn ich mir den Winkel anschaue, mit dem die Frau unten im Bild arbeitet – das halte ich bei langem Arbeiten nicht gerade für angenehm.

© Astrohaus

Zweitens: Ist die Tastatur auch für hierzulande geeignet? Soweit ich das erlesen konnte, unterstützt der Traveler die deutsche Sprache. Man kann ihn so einstellen, dass man auf Deutsch schreiben kann. Allerdings… es wird nur die englische Tastatur geliefert. Man kann also QWERTZ auf QWERTY schreiben. Wenn man blind schreibt, ist das vielleicht kein Problem (obwohl es mich beim ersten Blick auf die Tastatur schon irritiert). Auch hätte ich bei Sonderzeichen wie dem @-Zeichen oder dem „ß“ schon gerne eine visuelle Bestätigung, wenn ich kurz auf die Tastatur schaue.

Das finde ich schon etwas ärgerlich. Wieso ist es nicht möglich eine QWERTZ-Tastatur anzubieten? Beim Penna war das sofort möglich – und auch der QWERKYwriter, bei dem anfangs QWERTZ anfangs verweigert wurde, gab es bei einer späteren Generation die Option auf eine QWERTZ-Tastatur.

Und wenn man beim Traveler schon keine Tastatur anbieten will, warum kann man nicht so kleine QWERTZ-Sticker anbieten, die sich deutschsprachige Kunden selbst draufpicken können? Die müssen natürlich qualitativ gut sein, damit sie durch ständige Benutzung nicht abgenudelt werden, aber das sollte wohl doch zu schaffen sein.

Rodja

INFO: Crowdfunding-Site für Traveler auf Indiegogo: https://www.indiegogo.com/projects/traveler-ultimate-distraction-free-writing-tool#/; Freewrite: https://getfreewrite.com/; Astrohaus: https://astrohaus.com/

Traveler, der kleine Bruder von Freewrite

Es ist schon einige Zeit her, dass ich über den zum reinen Schreibgerät abgespeckten Computer Freewrite (damals noch unter dem Namen Hemingwrite) von der Firma Astrohaus geschrieben habe. Das war im Dezember 2014, da war gerade eine Crowdfunding-Aktion dafür angekündigt. Ich war richtig heiß auf das Ding, wollte es unbedingt haben.

© Astrohaus

Und nicht nur ich erkannte die vielen Vorteile, die das Gerät bot: Ein reines Textverarbeitungsgerät, das an eine Schreibmaschine erinnert, eine mechanische, leicht stufenförmig angeordnete Tastatur besitzt, einen E-Ink-Bildschirm hat und einen generell niedrigen Stromverbrauch hat, so dass man mehrere Wochen damit arbeiten kann, und die Texte sowohl am Gerät als auch für späteres Editieren in der Cloud abspeichert – zu so etwas kann man doch nicht „Nein“ sagen, oder? Noch dazu, wenn das Gerät ablenkungsfrei ohne Internet und Spiele arbeitet.

Die Crowdfunding-Aktion wurde ein voller Erfolg – und auch ich war dabei. Doch der hohe Preis für ein Gerät, das ich nicht ausprobieren konnte, geschweige denn wusste, ob diese Art des Schreibens überhaupt etwas für mich war… nein, das Risiko war mir da zu hoch und ich stieg wieder aus der Crowdfunding-Aktion aus (mehr darüber hier nachzulesen).

Aber ich muss zugeben, dass mich der Freewrite noch immer fasziniert – und ich wirklich gerne das Ding einmal ausprobieren möchte.

Doch nun zu etwas Neuem. Die Firma Astrohaus hat nun angekündigt, ein kleineres Gerät auf den Markt bringen zu wollen: Den Traveler!

Wie Astrohaus-Chef Adam Leeb auf Anfrage gegenüber den Schreibmaschinisten erklärte, wird auch für den Traveler eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Zeitpunkt: Irgendwann im September.

© Astrohaus

Dem von Astrohaus zur Verfügung gestellten Bildmaterial kann man schon einmal einige Änderungen entnehmen. Während der Freewrite von der Form her an eine portable Schreibmaschine erinnert und dementsprechend starr und vielleicht unhandlich rüberkommt, ist der Traveler zusammenklappbar und wirkt wie eine Clutch (Diese Damenhandtasche. Ja, ich bin selbst ganz erstaunt, dass ich dieses Wort kenne.). Im Gegensatz zum Freewrite wird der Traveler aus Platzgründen auch nicht über eine mechanische Tastatur verfügen. Im Gegensatz zum rund zwei Kilo schweren Freewrite soll der Traveler nur noch halb so viel wiegen.

Ansonsten wird der Traveler ähnlich funktionieren wie der Freewrite: Ein abgespeckter Computer mit einem simplen Schreibprogramm, der keine Ablenkung durch Internet oder sonstige Medien zulässt. Die Texte kann man ebenfalls in der Cloud oder am eigenen Computer mittels WiFi abspeichern.

© Astrohaus

Einen Unterschied gegenüber dem Freewrite soll der Traveler aber doch haben. Beim Freewrite ist eigentlich nur eine Schreibrichtung möglich: Vorwärts! Man kann zwar Wörter löschen, das aber nur auf der Stelle (so weit ich das verstanden habe). Es gibt keine Cursor, mit denen man im Text herummanövrieren kann, um z.B. einen Satz zu überarbeiten oder einen Absatz einzuschieben. Sehr ähnlich wie bei einer Schreibmaschine halt. Der Freewrite ist eben für den ersten Entwurf gedacht, ein Überarbeiten des Textes erfolgt dann am Computer. Das ist eine Arbeitsweise, die manchen recht ungewohnt erscheint. Und wie ich einigen Kommentaren von Usern entnehmen kann, eben nicht jedermanns Sache.

Wie Adam Leeb nun den Schreibmaschinisten verriet, soll der Traveler nun verschiedene Arbeitsweisen erlauben – und eben dass auch ein Editieren/Bearbeiten des Textes am Traveler – im Gegensatz zum Freewrite – möglich sein soll. Auf die Nachfrage, ob z.B. Cursor-Tasten zum Herummanövrieren kommen, gab Leeb jedoch kein Kommentar.

Ich lasse hier einmal das englische Originalzitat von Adam Leeb stehen. Mein Englisch ist etwas eingerostet, vielleicht interpretiere ich auch etwas nur falsch.

Traveler, as a concept, is similar to Freewrite but with a smaller, travel friendly, size. It also is designed to be a more flexible device whereas the Freewrite is ultra-focused on a single style of drafting. What that means is that we plan to offer other types of writing environments that are suitable to various writing styles. This means that we can have a new experience that includes some thoughtful editing abilities and features for alternative writing styles while still maintaining its distraction-free nature that our customers love. – Adam Leeb

Das mit dem Überarbeiten klingt für ein neues Klientel sinnvoll. Ich selbst bin mittlerweile die Schreibmaschine gewohnt – und da schreibe ich eben beim ersten Entwurf auch nur geradeaus vorwärts. Das Überarbeiten kommt später. Und hier hat die Schreibmaschine einen weiteren Vorteil gegenüber dem kleinen Bildschirm des Freewrite bzw. Traveler. Ich kann weitaus besser und länger zurückblicken. Ich weiß nicht, wie viele Zeilen man auf dem kleinen Bildschirm lesen kann, aber wenn ich da immer zurückscrollen muss, finde ich das doch eher hinderlich. Eine A4-Seite ist eben eine A4-Seite und nicht sechs Zoll.

Ich werde Freewrite und Traveler weiterhin im Auge behalten. Da ist noch immer dieser Reiz… ;-D

Rodja

INFO: https://astrohaus.com/; https://getfreewrite.com/; https://traveler.getfreewrite.com/

Martin schreibt auf einer Penna

Vor einiger Zeit hat Steuerberater Martin Kellner aus Köln hier über seine Erfahrungen mit einer Olympia Splendid 33 geschrieben. Wir dürften beide die taktile Erfahrung beim Schreiben gesucht haben – und waren neben der Vorliebe für Schreibmaschinen auch auf der Suche nach Alternativen zu herkömmlichen Computertastaturen, als da wären u.a. Freewrite oder Qwerkywriter. Ich muss zugeben, dass ich anfangs mit dem Qwerkywriter geliebäugelt habe. Aber erstens war er damals mir doch zu teuer, zweitens lieferten sie nur in QWERTY aus. Selbst auf Anfrage wollten sie von QWERTZ nichts wissen. (Mittlerweile haben sie aber QWERTZ im Angebot. Pff!)

Und dann kam die Crowdfunding-Aktion für das Penna-Keyboard/die Penna-Tastatur von Elretron. Das Ding wirkte zwar nicht ganz so hochwertig wie der Qwerkywriter, war aber doch um einiges billiger. Auf der Homepage boten sie es nur in QWERTY an, als ich aber nachfragte, antworteten sie binnen Stunden, dass auch QWERTZ möglich sei. Und auch auf der Page stand plötzlich QWERTY/QWERTZ/und andere Sprachen. Das, liebe Leute, nenne ich Dienst am Kunden. Also entschied ich mich für das Penna – zeitgleich eben wie Martin Kellner, der uns freundlicherweise einen Erfahrungsbericht zur Verfügung gestellt hat.

Der Bericht läuft sowohl in der Rubrik „…schreibt auf einer…“ als auch unter „Alternativen.“

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Vor langer Zeit hatte mich Rodja durch einen Artikel auf ein Crowdfunding-Projekt aufmerksam gemacht: die Penna-Tastatur von Elretron. Wir haben uns im Vorfeld gedanklich ein bisschen darüber ausgetauscht – und dann beide entschlossen, den Schritt zu wagen und bei dem Crowdfunding mitzumachen.

Ich habe mich für eine schwarze Tastatur mit runden Tasten entschieden. Und, was kostet die Welt, auch eine Tasche für den Transport. Hin und wieder habe ich mitverfolgt, wie sich das Crowdfunding-Projekt im Laufe der Zeit entwickelte. Die Unternehmer haben ihr gestecktes Ziel offenbar um ein Vielfaches übertroffen. Das zeigte mir, dass es vermutlich doch eine Menge Menschen auf der Welt gibt, die Interesse am guten Tippen haben.

© Rodja Pavlik

Es hat gefühlt ewig gedauert, bis das Projekt verwirklicht wurde. Soll heißen, bis ein Paket bei mir ankam. Das war auch okay. Dadurch hat sich die Vorfreude, bekanntlich die schönste Freude, auch verlängert. Paket ausgepackt und gestaunt: Die Tasche besteht aus Kunstleder, ist aber haptisch sehr hochwertig und macht auch vom Aussehen etwas her. Das hätte ich so nicht erwartet. Die kann ich auch gut zu Mandantenterminen mitnehmen.

Auch die Tastatur macht, obwohl zum großen Teil aus Kunststoff, keinen billigen Eindruck. Ich hatte meine Erwartungen bewusst niedrig gehalten. Jetzt wurde ich angenehm überrascht.

Die Tastatur hat an der linken Seite einen Hebel. Der macht den Transport, auch in der vorgesehenen Tasche, sicher etwas schwierig. Da sich mir der Nutzen dieses Hebels noch nicht erschlossen hat, denke ich tatsächlich darüber nach, den Hebel abzuschrauben. Habe ich aber noch nicht gemacht, weil die Tastatur mit Hebel richtig gut aussieht.

So, jetzt zur Tastatur! Es ist natürlich selbstverständlich, dass ich diesen Text auf dem Penna-Keyboard schreibe. Im Grunde handelt es sich um eine Bluetooth-Cherry-Tastatur, die nett aussieht und sich an das Aussehen einer Schreibmaschine anhlehnt. Fest verbinden kann man sie mit fünf verschiedenen Geräten. Ich habe sie mit meinem Kindle 10 Fire Tablet verbunden. Das ging eigentlich recht einfach – dabei habe ich wirklich nicht viel technischen Sachverstand. Obwohl es eine deutschsprachige QWERTZ-Tastatur ist, hat sie leider auf dem Tablet doch etwas anders geschrieben – sie ist halt auf die englischsprachige QWERTY-Tastatur eingestellt. Das hat mich anfangs sehr irritiert. Nach zwei Tagen war mir klar, dass ich dafür noch eine Einstellung am Tablet selbst ändern musste. Das ging auch ganz leicht und ohne Hilfe. Und seitdem läuft alles wunderbar. Für jemanden, der wesentlich mehr mit aktueller Computertechnik zu tun hat als ich, wird das völlig selbstverständlich sein.

© Martin Kellner

Die Tastatur imitiert ein bisschen eine Schreibmaschinen-Tastatur. Die Tasten steigen sanft an. Am hinteren Ende, wo bei einer Schreibmaschine das Papier eingespannt wird, ist ein Schlitz, in den das Tablet gesteckt werden kann. Mein Tablet passt auch ganz wunderbar hinein. Und das Ganze sieht auch ziemlich stylisch aus. Zum transportablen Gebrauch ziemlich perfekt. Ich müsste mich mal damit in ein Starbucks unter all die Yuppies mit ihren iPads setzen. Das würde vermutlich Aufsehen erregen. Ja, das Penna-Keyboard finde ich richtig cool, gerade weil praktisch noch niemand so etwas gesehen hat.

Beim Schreiben am Tisch habe ich festgestellt, dass mir der Winkel des Tablets nicht ganz passt. Dafür habe ich mir bei Amazon von Lamicall für recht wenig Geld einen ziemlich hochwertigen Tabletständer besorgt. Jetzt benutze ich die Tastatur und habe das Tablet auf dem Ständer in einem schönen Winkel direkt dahinter. Das funktioniert super.

© Martin Kellner

Ich hatte ja schon erwähnt, dass die Installation zwei Tage gedauert hat. Keine Sorge, ich habe nicht wirklich so lange dafür gebraucht, nur abends mal 20 Minuten. Aber schon da habe ich auf der Tastatur herumgetippt, um das Schreibgefühl zu erleben. Und schon da war ich recht begeistert. Alle Tasten sind da, wo sie sein sollen, haben die richtigen Abstände zueinander. Ich finde blind alles, was ich brauche – und das ohne Vertipper, weil die Finger abrutschen oder so. Vertipper liegen dann wirklich nur daran, wenn ich unkonzentriert bin. Es gibt keinen Nummernblock, also nichts für Buchhalter. Aber sonst ist alles leicht auffindbar und so angeordnet, dass ich gar nicht suchen muss.

Das Schreibgefühl finde ich auch klasse. Und darum geht es ja. Die Tasten haben einen Druckpunkt, den man überwinden muss. Und sie geben ein angenehmes Klickgeräusch von sich. Bei der Konfiguration des Penna während des Bestellvorgangs hat man mehrere Optionen zur Auswahl. Ich habe bekommen, was ich wollte. Und ich stelle fest, dass das eine gute Entscheidung war. Ich komme beim Tippen ziemlich nahe an das Schreibmaschinen-Gefühl heran. Ich kann sogar sehr schnell damit tippen – und habe doch die Annehmlichkeiten moderner Technik.

Achtung! Das Penna ist nicht mit einer Schreibmaschine zu vergleichen. Das ganz sicher nicht. Aber wer keine Lust mehr auf diese schrecklichen standardisierten Laptop-Tastaturen hat, wird sich mit einem Penna vermutlich sehr wohl fühlen.

Martin Kellner

Keine Schicht ohne Kumpel – Reportage mit Bleistift

Die Arbeit des Journalisten hat sich sehr gewandelt. Am Computer sitzen, telefonierend, E-Mailend, teilweise auch mit Bildbearbeitungsprogrammen hantierend – ja, diesen Alltag kenne ich. Doch wenn man raus- und einer Geschichte nachgeht, dann hat man ein Problem. Denn den Laptop mitnehmen ist etwas unhandlich. Deswegen schwört der deutsche Journalist Thomas Kletschke auch auf B&B – auf Block und Bleistift. Back to basics halt…

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Verrenkte Glieder, Menschen mit Verätzungen. Blut. Eine Notärztin verteilt Karten. Knallhart. Drei Kategorien: liegen lassen (tot oder so gut wie), muss warten (leicht verletzt), hohe Priorität (sofort abtransportieren). Mit wenigen Rettern möglichst viele Leben erhalten. Feuerwehrleute und THW’ler (Anm.: Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW)- Zivil- und Katastrophenschutzorganisation) karren schweres Gerät herbei. Ein mehr-achsiger Kranwagen ist zu sehen, ein Unimog mit Blaulicht. Höre einen Helikopter und Sirenen. Rettungshunde schlagen an – ein Verschütteter ist geortet, aber noch nicht geborgen.

„Kacke“, denke ich. „Getz‘ fängt et auch noch an zu schütten.“ Hilft nix, heute hab‘ ich Schicht hier draußen. Zum Glück mit Kumpel Bleistift und Kollegin Notizblock.

Glück auch für die Verletzten und Toten. Alles nur eine Katastrophenschutzübung. Nachgestellt wird ein MANV, Behörden-Sprech für Massenanfall von Verletzten. Echt ist der stundenlang strömende Regen – bin ebenso durchweicht wie der Block aus Papier.

Macht nix. Wenn ich nachher die Seiten vorsichtig trenne, lässt sich alles lesen, um die bestellten 120 Zeilen Reportage für den Lokalteil runter tippen zu können. Die formen sich eh im Kopf und nicht am PC. Den Tipp meines Redakteurs – „draußen nur mit Bleistift und Block“ – befolge ich immer noch.

Mehr als 15 Jahre später. Wenn ich heute unterwegs bin, arbeite ich oft wie damals. Auf manchen Terminen schießt du nebenbei noch Fotos. Oder bist ständig in Bewegung, musst im Laufen schreiben. Mancherorts gibt es kaum Platz oder ein leuchtendes Display, eine klappernde Tastatur würden bloß stören, etwa im Theatersaal oder bei der teilnehmenden Beobachtung inmitten einer Meute fröhlich pogender Punker. Auch beim Besuch des im Bau befindlichen Brenner-Basistunnels musste ich mir keine Sorgen um ein elektronisches Gerät machen, dass Unter Tage kollabiert. Hier, in diesem Lärm, bei Minus-Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit, musst du sowieso darauf achten, wo du hin trittst. Dicke Kabel, nahende Baustellenfahrzeuge, Arbeiter und Mineure, die sich etwas zurufen – ein Gemisch aus Italienisch, österreichischen Dialekten, Schweizer Mundarten oder Ruhrpott-Regiolekt. Mal ehrlich: Mit einem iPad oder so nimmt dich hier unten keiner für voll. Zu Recht.

Kumpel & Kollegin – © Thomas Kletschke

Zurück vom Termin, endlich zu Hause. In ein paar Stunden ist Abgabe, wie immer rast die Zeit. Rechner an, Zettel raus. Das Gekritzel – leider habe ich nie Kurzschrift gelernt, sondern eine eigene entwickelt – ist immer irgendwie zu decodieren. Was ich handschriftlich notiere, behalte ich übrigens sehr gut. Was ich in einen Rechner tippe, memoriere ich schlechter. Muss dann viel herunter scrollen. Zeitkiller.

In der Interaktion mit Menschen sind handschriftliche Notizen ebenfalls unschlagbar. Ein Block, kleiner als die Handfläche: auf den kritzele ich, während ich dem Gesprächspartner in die Augen schaue. Ist unauffällig. Hältst du dagegen jemandem einen Laptop unter die Nase, tippst in ein Smartphone, verfälscht das die Auge-in-Auge-Situation. Besonders, wenn das Gegenüber keine medienerfahrene Politikerin und kein durchtriebener PR-Profi irgendeiner Lobbygruppe ist, sondern der sprichwörtliche Mensch von der Straße. Mit B&B dagegen kommst du den Protagonisten deiner Story sehr nahe.

Papier und Bleistift sind obendrein günstige Arbeitsmittel. Sie stürzen nicht ab, bekommen keine Risse in ihren Touch-Flächen (bin Grobmotoriker, der die ihn umgebenden Objekte gerne mal „erdet“) und dürften nahezu überall auf der Welt verfügbar sein. Um einen Bleistift endgültig zu zerstören bedarf es großen Kraftaufwands. Einen Mini-Block steckst Du ins Jackett oder die Gesäßtasche. Außer ein paar Segelohren passiert da nix. Jeder hat zwar sein Päckchen zu tragen. Aber auch meine leichtesten Klapprechner wiegen gut 500 Gramm (ein 2009er Sony Vaio P mit 8″ Screen) oder 1 Kilo (Macbook 2016, 12″), hinzu kommen Kamera, Optiken, ein paar dicke Socken (wenn’s mal regnet beim Außentermin), eine Flasche Wasser oder eine Kanne Schwarzen Tee. Trag‘ dat mal drei bis acht Stunden mit dir herum.

Nutzt du dagegen einen fliegengewichtigen Block, kannst du die Notizen verwahren. So kannst du notfalls nachweisen, dass der Bürgermeister, die Geschäftsführerin oder wer auch immer das genau so und nicht anders gesagt hat. Die irgendwann anstehende Altpapier-Entsorgung solcher Zettel ist übrigens wesentlich datenschutzkonformer als das Löschen von (Cloud-) Dateien. Behaupte ich mal, ohne dass ich Jurist wäre.

© Thomas Kletschke

Welchen Bleistift? – Faber-Castell halte ich persönlich für überteuerten Mumpitz, den sich Menschen zu Weihnachten schenken, die schon einen hässlichen Montblanc-Füller auf dem Louis-Quatorze-Beistelltischchen liegen haben. Besitze zwar ein Set mit zwei Faber Castell-Stiften der etwas teureren Linie, wird mal um die 35 Euro gekostet haben, mit einem aufsteckbaren integrierten Anspitzer, hat aber praktisch nicht überzeugt. Die dunkelgrünen Modelle des nämlichen Herstellers sehen mir zu langweilig aus, nie genutzt. Die schwarz-gelb gestreiften von Staedtler schreien mich dagegen an: „Geh weg, ich bin ein Lehrer-Bleistift.“ Stabilo habe ich dann und wann lieb gewonnen, das Mauerblümchen unter den Bleistiften, das interessanter ist, als seine aufgemotzten Freunde.
Unschlagbar ist ein Druckbleistift. Die Mine lässt sich einfahren, ruiniert kein Sakko-Innenfutter und piekst nicht ins Sitzfleisch. Er lässt sich befestigen wie ein Kuli, läuft aber nie aus. Natürlich kannst du mit einem Kuli über Kopf schreiben, bei einem Parabelflug, oder im Orbit kreisend. Doch ein Druckbleistift lässt sich zumindest auf und unter der Erde auch über dem Kopf nutzen. Mein allerbester Kumpel kommt von Rotring. Liegt gut in der Hand, haptisch angenehm ist die geriffelte Fläche am Schaft-Ende. Silber- und anthrazitfarben lieferbar, jeweils matt. Meiner ist natürlich dunkel wie eine Staublunge. Befülle ihn mit 0,7 mm dünnen und mittel-harten Minen von Faber-Castell. Perfekt.

Erinnerungen an dies und das oder den und wen… © Thomas Kletschke

Zuhause habe ich eine Sammlung ungenutzter schwarzer und weißer Bleistifte. Sie werben für Steigenberger Hotels, für Kempinski, das Ritz Carlton oder den Diogenes Verlag. Ein knall-orangener Bleistift einer kleinen Design-Agentur ist der Stolz der Sammlung. Es sind Erinnerungen an Orte, Situationen, Personen. Ebenso wie die kleinen und uralten Bleistiftstummel, gespitzt, die ich nie wegschmeiße.

Schreiben mit Graphit-Ton-Gemisch; das ist Unter Tage malochen. Durch Stollen kriechen, das Material herausarbeiten, heraus schälen, heraus hauen. Erkennst an deinen Fingern, wenn du schwer geschuftet hast. Probier‘ es aus. Glück auf beim Schreiben!

Thomas Kletschke

Thomas Kletschke ist Redakteur beim Tech-Newsletter www.invidis.de und schreibt dort für B2B-Leser zu Screen-Technologien, Digitalisierung und verwandten Themen. Als freier Journalist schreibt und recherchiert er derzeit für Tageszeitungen, aktuell für die „Landshuter Zeitung“. Zuvor arbeitete er für verschiedene Magazine.

Privat mag er Retro-Tech – von Super 8 und Telex bis DAT – ebenso wie die Technologien von morgen und übermorgen. Privat liest er französische Post-Strukturalisten in fehlerhaften deutschen Übersetzungen und versucht Informatiker-Witze oder in esoterischen Programmiersprachen verfasste Hello-World-Programme nachzuvollziehen. Lieblings-Zahlungsmittel: Bar- und Verrechnungsscheck. Meist gehasste Innovationen der letzten 1.000 Jahre: Autokorrektur und Autofill-Funktionen. Ab und an trötet er via Mastodon. Bislang auf der To-do-Liste und noch nie praktiziert: Versenden eines Telegramms.

Penna – endlich ist es da!

Obwohl es vielleicht so aussehen mag, so ist dieser Blog nicht allein zur bedingungslosen Huldigung der Schreibmaschine gedacht. Nein, auch Alternativen wie mit der Hand schreiben (gestern war übrigens „Tag der Handschrift“) oder besondere Keyboards wird hier Aufmerksamkeit gewidmet.

So habe ich schon mehrmals über von der Schreibmaschine inspirierte Keyboards geschrieben, wie das Qwerkywriter oder das Penna . Beides waren Crowdfunding-Projekte, die mein Interesse weckten. Letztendlich entschied ich mich für das Penna, weil erstens billiger, zweitens verweigerte Qwerkywriter von Anfang an eine deutschsprachige QWERTZ-Tastatur. Erst beim zweiten Modell des Qwerkywriter wurde eine QWERTZ-Tastatur angekündigt (ist noch immer „coming soon“).

Penna bzw. die dahinter agierende Firma Elretron hatte da nie Probleme gemacht. Als die Firma das Projekt vorstellte, war von QWERTZ keine Rede. Erst auf Nachfrage antwortete sie zuerst persönlich – und hatte dann auch innerhalb von ein paar Stunden auf ihrer Site den entsprechenden Verweis, dass man auch ein deutschsprachiges Keyboard-Layout ordern kann.

Und nun liegt das Penna-Keyboard vor mir. Mit dabei ist auch eine Lederimitiat-Tasche, passend für das Keyboard und ein Tablet sowie ein paar Stifte und Utensilien. Das wertet das Ganze schon mal optisch auf.

© Rodja Pavlik

Sehr viel zum Ausprobieren bin ich noch nicht gekommen. Bisher hatte ich nur einige „Trockenübungen“ – und vom Gefühl her ist das schon einmal ein ganz anderes, sympathischeres Tippen als auf dem Macbook. Aber irgendwie klappt die Verbindung via Bluetooth zu meinem 2010er-Macbook nicht. Ich muss mich da noch mal so richtig schlau machen. Wozu der Hebel (eine Reminiszenz an den Zeilenschalthebel der Schreibmaschine) wirklich gut sein soll, erschließt sich mir auch nach mehreren Videos nicht. Es soll Wörter, Sätze und Absätze verdoppeln können. Na toll.

Von einem Bekannten, der leider auch noch nicht sehr viel Zeit zum Ausprobieren hatte, habe ich schon gehört, dass das Penna trotz QWERTZ-Tastatur noch auf QWERTY eingestellt ist. Aber das sollte eigentlich auch einfach zu beheben sein. Wenn man denn Zeit hat.

Rodja

Und schon wieder… Ein von der Schreibmaschine inspiriertes Keyboard

Okay, langsam reicht es. Als der Qwerkywriter hier vorgestellt wurde, war es noch eine echt nette, wenn auch teure Hommage an die Schreibmaschine. Auch den Penna, den ich letztendlich beim Crowdfunding unterstützt habe (und den ich so auch geordert habe), fand ich noch recht interessant.

Jetzt aber auf das dritte, von der Schreibmaschine inspirierte Keyboard zu stoßen… das wird mir langsam zu viel. Wie wäre es einmal, eine richtige Schreibmaschine neu zu erfinden? (Und damit meine ich nicht dieses Retro-„Scrapbook-Spielzeug“ We’re Typecast von American Draft aus 2016, zu dem ich auch schon seit längerem einen Text plane).

Doch zurück zum Keyboard. Diesmal erregte der unten stehende Videoclip (erst ab 00:45 sieht man das Keyboard – für ein Werbevideo eigentlich merkwürdig) meine Aufmerksamkeit. Das Ding heißt (anscheinend aus dem Chinesischen via Babblefish übersetzt) „Angel of Baroque“ (an anderer Stelle auch „Baroque Angel“). Barock? Echt jetzt?

Bis dato findet man nicht viele Infos über das Ding – auch habe ich noch nicht herausgefunden, wer das eigentlich produziert. Auf der Rückseite einer Tastatur habe ich das Logo „Hellboy“ gesehen, aber dazu habe ich nicht wirklich was gefunden. (Merkwürdig, dass das Logo auf den ersten Blick auch dem Logo des Comic ähnelt.) Das Keyboard scheint nur über chinesische Handelsseiten erhältlich zu sein.

Der Drehknopf bei der Walze ist für die Lautstärke, der Zeilenschalthebel für Lichteffekte. Im Großen und Ganzen wirkt das Keyboard auf mich nicht so wertig wie der Qwerkywriter oder der Penna. Es sieht eher mehr wie ein Gimmick, ein Spielzeug aus. Die verschiedenen Lichteffekte verstärken diesen Eindruck. Und mal ehrlich, dieses irre Herumflackern, wirkt ja auf den ersten Moment ganz stylisch, würde mich aber spätestens nach fünf Minuten ganz kirre und unrund machen. Da lobe ich mir doch die Ruhe, die eine Schreibmaschine ausstrahlt.

Rodja

Penna – ein von der Schreibmaschine inspiriertes Keyboard

Obwohl die Schreibmaschine an sich in der heutigen Zeit vermeintlich obsolet ist, hat sie doch noch immer eine ikonenhafte Ausstrahlung. Niemand – bis auf ein paar Verwegene – schreibt auf ihr. Und doch gilt sie als Inbegriff des Schriftstellertums. Sobald man ein Bild von ihr sieht, verbindet man sie automatisch mit produktivem Schreiben und einem Klick-Klack der Tastatur – selbst wenn man noch nie etwas mit ihr zu tun gehabt hat. Ich denke, dass das durch Medien wie Film und Fernsehen noch eine Zeit lang anhalten wird. Ein ähnliches Schicksal ist ja auch der Diskette vergönnt. Niemand speichert auf Disketten noch ab, aber dadurch, dass sie als Symbol fürs Abspeichern (siehe z.B. in Word) dient, wird sie uns noch erhalten bleiben.

Und auch die Schreibmaschine findet ihren Niederschlag in der heutigen Welt. Über das von ihr inspiriertem Keyboard QWERKYwriter habe ich hier ja schon öfters berichtet. Als ein weiteres Schreibmaschinen-inspiriertes Projekt wird der Lofree beworben – aber da spüre ich persönlich eigentlich nur einen Hauch von „retro“, von der Schreibmaschine an sich eher nicht so sehr.

Bei einem neuen Crowdfunding-Projekt, dem Penna von der chinesischen Firma Elretron Inc., wiederum empfange ich ganz starke Schreibmaschinen-Vibes.

© Elretron Inc.

Und wie man der Crowdfunding-Aktion auf Kickstarter entnehmen kann, herrscht bei den Usern anscheinend der Bedarf nach etwas Handfestem. Wahrscheinlich gibt es viel zu viele geräuschlose Touchscreens auf der Welt – hier giert man nach etwas Haptischem. Etwas, das den Fingern leichten Widerstand bietet, eine Geräuschkulisse, das Feedback über die eigene Produktivität gibt.

Anders lässt es sich nicht erklären, dass das ursprüngliche Crowdfunding-Ziel von 50.000 US-Dollar bereits um ein Vielfaches überschritten wurde – aktuell liegt der erreichte Betrag bei ca. 415.000 US-Dollar. Also über das 8-fache der gewünschten Summe. Und man kann das Projekt noch immer bis zum 6. Mai 2017 unterstützen. (Ehrlich, ich bin stark in Versuchung.)

Die Tastatur, die sich mit insgesamt bis zu fünf Geräten (egal, ob Windows, Android oder iOS) koppeln lässt, kommt wahlweise mit Diamond- oder Chrome Tasten geliefert, wobei letztere eher die Schreibmaschinen-Optik bieten. Die mechanischen Cherry-Tasten imitieren das Klick-Klack der Schreibmaschinen. (Obwohl… eine mechanische Schreibmaschine klingt einfach anders… seufz)

Im Gegensatz zum Qwerkywriter wird der Penna auch wahlweise mit der deutschsprachigen QWERTZ-Tastatur (also auch ä, ö, ü und ß) geliefert. Für mich definitiv ein Plus.

Auch farblich gesehen gibt es eine Auswahl: Von mattschwarz über Baby-pink bis hin zu olivgrün und weiß gibt es die Tastaturen. Was natürlich noch mehr Retro-Gefühle hervorruft. Ab 299 Dollar gibt es die Tastatur aber auch in Holz.

© Elretron Inc.

Ein großer Vorteil, den der Penna gegenüber dem Qwerkywriter hat, ist natürlich der Preis. Den Qwerkywriter gibt es laut Homepage regulär um 249 Euro (davor 349 Euro, für Crowdfunder damals 329 Euro). Den Penna gibt es in der Crowdfunding-Phase bereits ab 99 Euro (statt 180 Euro im Einzelhandel). Dabei schaut für mich der Qwerkywriter „wertiger“ aus, der Body besteht auch aus Metall, während der Penna halt Plastik (bis auf die teurere Holz-Variante) ist.

Wie beim Qwerkywriter hat auch der Penna einen dem Zeilenschalthebel nachempfundenen Hebel. Während beim Qwerkywriter damit tatsächlich Zeilen geschalten werden, hat der Hebel beim Penna eine Art Aufnahmefunktion. Sätze, die während des Aufnahmemodus getippt werden, können per Hebeldruck beliebig oft wiederholt werden. (Allerdings… wozu, zum Teufel, soll das bitte gut sein?!?)

Die Tastatur wird von zwei AA-Batterien betrieben, die sechs Monate halten sollen. Hier hat der Qwerkywriter einen Vorteil – er ist nämlich über USB-Kabel aufladbar.

© Elretron Inc.

Was mir bei der Aktion auffällt: Es scheint nicht wirklich um die Finanzierung eines Projekts zu gehen. Die Crowdfunding-Summe von 50.000 Dollar kommt mir nämlich nicht all zu hoch vor. Es wirkt eher so, als würden hier – wie man auch den Perks (es gibt im Wesentlichen nur die Keyboards als Preise) entnehmen kann – einfach Vorbestellungen entgegengenommen werden. Das ist jetzt nicht negativ gemeint, aber irgendwie geht mir doch etwas das Idealistische ab. Das Unterstützen einer Idee um der Idee willen. Die aktuelle Crowdfunding-Aktion ist einfach nur Business.

Rodja

PS: In Verbindung mit der Schreibmaschinen-App „Hanx“ (von Oscar-Preisträger Tom Hanks) stelle ich mir den Penna richtig cool vor. Natürlich wird mir das Keyboard NICHT die Schreibmaschine ersetzen. Aber ja, ich bin definitiv in Versuchung…

INFO: www.elretron.com; Crowdfunding-Aktion: www.kickstarter.com/projects/1950503124/penna-retro-bluetooth-keyboard-starting-as-low-as

Der Onyx Boox Typewriter

Kenner dieses Blogs wissen ja, warum ich mit der Schreibmaschine angefangen habe. Ich habe nach einer Möglichkeit für ungestörtes Schreiben gesucht – und in der Schreibmaschine gefunden. Ein Gerät, das nur schreiben kann – keine Spiele, keine E-Mails, kein Internet, keine Filme. Eben ablenkungsfrei.

Natürlich interessiere ich mich da auch für andere Schreibmöglichkeiten wie den Freewrite, den ich sogar als Backer unterstützt habe. Letztendlich habe ich aber doch meine Unterstützung zurückgezogen, weil mir in den Vorführungsvideos doch Sachen auffielen, die mir nicht so ganz taugten. Trotz seiner Mankos halte ich den Freewrite dennoch für eine sehr spannende Alternative (nur eben für mich nicht).

Nun hat sich die auf E-Reader spezialisierte Firma Onyx Boox anscheinend zu einem recht interessanten Projekt entschlossen – dem Onyx Boox Typewriter. Zwar gibt es noch nichts Offizielles auf ihrer Homepage, aber einige Berichte von einer Messe in Hong Kong lassen aufhören. Der Plattform liliputing zufolge ist der Onyx Boox Typewriter eine Art auf E-Ink basierender Laptop mit abnehmbaren Bildschirm, den man separat als E-Reader verwenden kann. Man kann sogar mit einem speziellen Stift darauf schreiben bzw. zeichnen.

E-Ink hat nicht nur den Vorteil, dass sie sparsam ist. Nein, sie ist auch ungeeignet für Spiele und Video (daher für ablenkungsfreies Arbeiten geeignet) – und noch dazu schwarz-weiß und augenschonender. Außerdem ist der Bildschirm wesentlich größer als beim Freewrite.

Wie man beim Video von Vlogger Charbax sehen kann, ist beim Tippen keine solche Verzögerung zu bemerken wie beim Freewrite (siehe meine Kritik in oben angeführtem Link).

Irgendwo habe ich auch gelesen/gehört, dass es zu dem Onyx Boox Typewriter auch Programme geben wird. Sicher für Autoren von E-Books interessant. Aber vielleicht gibt es auch dann ganz einfache Programme für Formate wie Drehbücher oder Theaterstücke.

Dem Vernehmen nach ist der Onyx Boox Typewriter noch nicht fix. Wahrscheinlich, dass die Produzenten erst herausfinden wollen, ob ein Markt für so ein Gerät besteht. Auf jeden Fall werde ich das Ding im Auge behalten.

Rodja

PS: Demnächst darf ich dank Autorenkollegen Anton Preinsack die Hände auf ein älteres Modell eines Word Processors legen, einen Alphasmart 3000. Da habe ich bis dato auch nur Gutes davon gehört.

INFO: https://liliputing.com/2017/04/onyx-boox-typerwriter-e-ink-2-1-laptop.html

Hier noch ein weiteres Video von der Plattform Notebook Italia.

Vom Schwinden der Handschrift…

Ich muss zugeben, meine Handschrift ist eine Klaue – war sie immer schon. Und das obwohl ich seit der Schulzeit immer lieber mit der Füllfeder geschrieben habe – und das selbst zu einem Zeitpunkt, als man uns (für die meisten Schüler endlich) erlaubt hat, mit Kugelschreiber zu schreiben.

Ich hatte auch Brieffreundinnen, denen ich geschrieben habe. Natürlich mit der Hand. Erstens war mir Schreibmaschine in den 1980ern noch zu mühsam, zweitens galt das zu unpersönlich, weil Geschäftsbrief-mäßig. Heute schreibt man E-Mails, Chat-Nachrichten oder SMS ohne solche Gewissensbisse in Sachen Stil zu haben. Im Gegenteil: Schreibt man einen Brief mit der Schreibmaschine (statt mit dem Computer), gilt das schon als etwas Besonderes.

Für meine Challenge „Eine Postkarte die Woche“ schreibe ich in Blockschrift. Erstens, weil ich mich für meine Handschrift schon ein bisschen geniere (sie hat teilweise noch so etwas Volksschulmäßiges an sich), zweitens schreibe ich teilweise wildfremden Menschen, die meine Schrift nicht kennen – und eigentlich die Postkarten doch verstehen sollen.

Aber das Schreiben mit der Hand habe ich eigentlich nie ganz aufgegeben. Ich schleppe immer ein Notizbüchlein mit mir herum, in dem ich erste Gedanken festhalte. Und das Notizbuch und die Füllfeder sind quasi immer einsatzbereit – und das ohne Aufrufen eines Programms und Abwarten der Ladezeit.

Aber vielleicht sollte ich trotzdem etwas mehr mit der Hand schreiben. Ich merke schon, dass sich meine Hand etwas verkrampft, wenn sie länger einen Stift hält.

Vor kurzem hat es auf ORF in der Sendung „kulturMontag“ einen sehr sehenswerten Beitrag über das Schwinden der Handschrift gegeben.

Rodja

Das Schwinden der Handschrift

Die Handschrift ist zu einem schwindenden Gut geworden. Viele bevorzugen die digitale Niederschrift ihrer Gedanken. Auch im Schulbereich entwickelt sich ein Trend hin zu elektronischen Unterrichtsmaterialien.