Tom Hanks und die drei Coronas

Dass Oscar-Preisträger Tom Hanks ein Fan von Schreibmaschinen ist, weiß man spätestens seit der sehenswerten Doku „California Typewriter“. Hanks gilt quasi als Poster-Boy der Szene – und es gibt auf diesem Blog hier viele schöne Geschichten, z.B. wie er Schreibmaschinen verschenkt oder sein verborgenes Talent zeigt.

© American Buffalo Pictures

Zuletzt bereitete der US-Filmstar seinen Fans aber große Sorgen, denn er und seine Frau Rita Wilson erkrankten in Australien an dem Coronavirus. Und zu dem Zeitpunkt hatte er eine Smith-Corona-Schreibmaschine mit, wie er nach der Genesung auf Instagram schrieb.

Nun, das ist Schnee von gestern. Hanks und seine Frau sind wieder gesund, zurück in den USA und in Selbstisolation. Das Ganze hat aber noch eine Nachgeschichte mit Awwwwwwww-Faktor.

Denn wie Nachrichtenportale wie z.B. „Südtirolnews.it“ berichteten, bekam Hanks von einem australischen Buben einen Brief. Der Achtjährige erkundigte sich nach Hanks‘ Gesundheit nach der Corona-Erkrankung und erzählte, dass er daheim wegen seinem Namen gehänselt wird – er heißt nämlich Corona de Vries. Und was tat der US-Filmstar? Er ließ es sich nicht nehmen und schrieb dem Buben zurück. Und nicht nur das, er schenkte ihm eine Schreibmaschine. Natürlich eine Smith-Corona.

https://platform.twitter.com/widgets.js

Der TV-Sender 9 News Australia brachte sogar einen Beitrag darüber.

Übrigens hatte Hanks nach seiner Genesung und seiner Rückkehr in die USA bereits einen ersten Fernsehauftritt – und zwar in der Comedy-Show Saturday Night Live (SNL). Normalerweise wird die Show aus einem Studio mit einem Live-Publikum gesendet. Doch in Zeiten von Corona sind alle Schauspieler daheim – und ein Publikum schon gar nicht erlaubt. Also nahmen die Schauspieler ihre Teile von daheim aus auf – und bei Tom Hanks, dem „celebrity canary in the coal mine for the corona-virus“, wie er sich selbst nennt, sieht man beim Anfangsschwenk gleich einen (sehr kleinen) Teil seiner Schreibmaschinen.

Rodja

So ein Virus kann einem den Geburtstag schon ganz schön vermiesen

© Rodja Pavlik

Demnächst jährt sich mein Geburtstag zum 49. Mal. Diesen „Schicksalstag“ teile ich auch mit einem jungen Mädchen. Das Besondere: Wegen der Corona-Pandemie kann das Mädchen leider nicht wie geplant mit Freunden und dem Rest der Familie feiern.

Um dem Mädchen doch noch eine Freude zu bereiten, erfolgte in den Sozialen Medien der Aufruf, ihr doch eine Postkarte zu schicken. Eine nette Idee, wie ich finde – und der ich gerne Folge geleistet habe.

Rodja

Fanpost? Für mich?!?

Hui, da habe ich aber schön geschaut: Mein Blog hat aus heiterem Himmel Fanpost bekommen – und zwar von Claas Keller von der Hanseatischen Analogpost-Gesellschaft. Und der Brief ist ein richtiges kleines Kunstwerk. Da merkt man die Sorgfalt – so schön bekomme ich das wohl nicht hin.

Wie der Name „Analogpost-Gesellschaft“ vermuten lässt, ist über diese Gesellschaft kaum etwas im Netz zu finden. Aber ich habe eine Adresse – und da werde ich mich natürlich auch via Snail-Mail bedanken.

Rodja

PS: Ich bin gerade darauf gekommen, dass dies hier mein 200. Blog-Post ist.

©Rodja Pavlik

Zu Gast bei Schreib-Coach Ronny Rindler

Rodja killed the Youtube-Star… oder so ähnlich

© Ronny Rindler/Youtube Screenshot

(Ja, auf dem Screenshot steht Richard Polt – aber ich versichere Euch, dass ich es bin.)

Vor kurzem bin ich über den in Wien lebenden deutschen Schreib-Coach Ronny Rindler gestolpert. (Himmel, wie oft ich schon im Internet über was gestolpert bin… ich muss mir echt eine andere Redewendung dafür einfallen lassen.) In einem Video auf seinem für Autoren und sonstige Schreiberlinge interessanten Youtube-Channel RINDLERWAHN schreibverrückt schwärmte Ronny von der „Schreibmaschine“ Freewrite, auf die ich eh schon lange ein Auge geworfen habe. (Allerdings ist sie mir zu teuer, das Bestellen zu umständlich – und die Sache mit dem Service ist mir auch ein bisschen zu unsicher.) Dennoch erachte ich den Freewrite beim Schreiben durchaus als nennenswerte Alternative zum PC und zur Schreibmaschine. Etwas, das ich weiterhin im Auge behalten werde.

Einige Aspekte, die Ronny in dem Video positiv hervorhob, kamen mir seltsam bekannt vor. Ja, genau, die Vorteile, die Ronny im Freewrite sieht, treffen auch auf das Arbeiten mit der Schreibmaschine zu. Ich schrieb Ronny an, denn ich wollte mich unbedingt über den Freewrite mit ihm austauschen. Und als Ronny hörte, dass ich ein überzeugter Schreibmaschinen-Fan bin, war auch er neugierig. Und so lud er mich vor die Kamera – und das Ergebnis ist hier zu sehen…

Zu Gast waren auch die Hermes 3000, die Hermes Baby und Ronnys Freewrite von Astrohaus. So war es mir auch möglich, einen kleinen, direkten Vergleich zu machen.

Es war eine sehr nette Plauderei – und da habe ich gemerkt, wie viel Spaß es macht, über Sachen zu reden, von denen man so richtig überzeugt ist.

Gedreht wurde übrigens in der Buchhandlung Frick in der Schönbrunner Straße 261, 1120 Wien, wo Ronny auch einige Schreibkurse abhält.

Das T-Shirt, das ich trage, ist übrigens von Schreibmaschinenkünstler Robert Doerfler, der das Bild getippt hat. (Nur, falls jemand so exklusiv herumlaufen möchte. Das ist keine bezahlte Werbung, das T-Shirt habe ich schön brav selbst gekauft.)

Rodja

PS: Ronny stellte freundlicherweise den Schreibmaschinisten das Video zum Freewrite vor einiger Zeit zur Verfügung (hier zu sehen).

INFO: Ronny Rindler: https://www.rindlerwahn.de. Auf Youtube: RINDLERWAHN schreibverrückt

DkG: „California Typewriter – Die Revolution wird mit der Schreibmaschine geschrieben“

Auf einem anderen Blog, der sich mit Indie-Filmen beschäftigt, habe ich von Zeit zu Zeit ein DkG (Abkürzung für „Das kleine Gewinnspiel“) veranstaltet. Da habe ich dann Indie-Filme auf DVD verlost. Auf dem Schreibmaschinisten-Blog habe ich bis dato noch kein Gewinnspiel veranstaltet – und zwar aus dem einfachen Grund, weil Schreibmaschinen mit der Post verschicken sicher kein kleines (sprich: kostengünstiges) Ding ist. Aber diesmal habe ich etwas – und rufe hiermit zum ersten Gewinnspiel auf dem Schreibmaschinisten-Blog aus.

Weil ich mich so sehr freue, dass es die Dokumentation „California Typewriter“ von Doug Nichol nun auf DVD und Blu-Ray auch in den deutschsprachigen Raum geschafft hat, verlose ich eine DVD von dieser sehr sehenswerten Doku (mit deutschem Voice Over, ist aber ausschaltbar).

© Rodja Pavlik

Dass es nun eine deutschsprachige Version von dem Film gibt, ist dem Label KSM zu verdanken. Ich möchte aber betonen, dass ich die DVD für das Gewinnspiel selbst gekauft habe – und dies keine bezahlte Werbeaktion von KSM ist.

Um die DVD zu gewinnen, möge man bitte zwei Fragen beantworten. Wobei die eine Frage MUSS beantwortet werden, die andere Frage ist mehr eine Bitte, und soll mir helfen, diesen Blog hier zu verbessern.

Hier die Muss-Frage:

– Welcher verstorbene Oscar-nominierte Schauspieler kommt in dieser Dokumentation zu Wort? (Bitte nicht hier posten. Details weiter unten.)

Hier die zweite Frage/Bitte:

– Mich würde interessieren, was Ihr von dem Schreibmaschinisten-Blog haltet. Vermisst Ihr etwas? Eine Rubrik? Habt Ihr Themen, über die ich schreiben/berichten sollte? Was ist Euer Zugang zur Schreibmaschine/Alternativen zum PC/Laptop generell? Die Antworten (oder Teile davon) könnt Ihr hier unten in den Kommentaren posten. (Wer hier noch nicht gepostet hat, muss erst freigeschalten werden.)

Die Antwort auf die Muss-Frage bitte NICHT hier posten, sondern per Mail mit postalischer Versandadresse an mich übermitteln. Die E-Mail-Adresse lautet schreibmaschinist[at]gmx.at. Als Betreff bitte “California Typewriter” angeben. Einsendeschluss ist der 31. Oktober 2019. Die DVD wird unter den Einsendern mit den richtigen Antworten verlost.

Das Ganze findet unter Ausschluss des Rechtsweges statt. Preise, die auf dem Postweg verloren gehen, können leider nicht ersetzt werden. Bitte auch Namen, Alter und Postadresse angeben (Warnung: Wer keine vollständigen Angaben abliefert, wird automatisch ausgeschlossen!). Diese Daten werden nur im Rahmen des Gewinnspiels verwendet und nicht weitergeleitet – nach Abschluss der Runde werden sie auch sofort gelöscht.

Rodja

„California Typewriter“ erscheint mit deutschem Voice-Over

2016 brachte der US-Filmer Doug Nichol die Dokumentation „California Typewriter“ heraus.

Der Film dreht sich um das titel-gebende Schreibmaschinen-Geschäft – und wie dessen Besitzer versucht, sich und seine Familie über Wasser zu halten. Zu Wort kommen aber auch Personen wie Oscar-Preisträger Tom Hanks, Musiker John Mayer oder der Philosoph und Buchautor Richard Polt („The Typewriter Revolution“). Ihnen allen ist die Liebe zur Schreibmaschine – besonders in dieser digitalen Zeit – gemein.

© Rodja Pavlik

Leider schaffte es der Film nie in die österreichischen Kinos, geschweige denn in den deutschsprachigen Raum. Aber da mein Englisch nicht soooo schlecht ist, habe ich mir den Film auf DVD gekauft. Leider musste ich ihn mir zwei Mal besorgen, weil mir zuerst eine DVD nach US-Ländercode zugeschickt wurde, die ich nicht abspielen konnte. Das hat mich schon etwas verwundert, weil ich bis dato nie ein Problem damit hatte. Selbst die Low-Budget-Produktion „The Typewriter (In The 21st Century)“ (2012) von Chris Lockett konnte ich problemlos abspielen.

Zurück zu „California Typewriter“. Das deutsche Label KSM verpasste dem Film eine längst fällige deutsche Synchronisation (mit Voice-Over). Die deutsche Version ist ab 29. August 2019 auf DVD erhältlich.

Rodja

PS: Und hier der deutsche Trailer zu „Califirnia Typewriter“ (sic!)

Die Royal Classic und der amerikanische Traum vom Teleshopping-Sender

Vor kurzem berichtete ich hier, dass eine neue mechanische Schreibmaschine auf den Markt gekommen ist: die Royal Classic, die auch tatsächlich von der renommierten US-Schreibmaschinenmarke Royal kommt, aber – im Gegensatz zu den historischen Schreibmaschinen der Firma – in China produziert wird.

Die Royal Classic weist auch erstaunliche Ähnlichkeiten mit der We R Memory Keepers auf, allerdings hat sie einen metallenen Korpus, während die We R Memory Keepers rein aus Plastik zu bestehen scheint. Anscheinend dürften beide Schreibmaschinen von der gleichen Firma in Shanghai hergestellt werden.

Allerdings hat die We R Memory Keepers einen gewaltigen Vorteil gegenüber der Royal Classic. Die Maschine wurde gezielt über die Warenhauskette und Online-Plattform Michael’s an Scrap Book Artists verkauft. Die Royal Classic hat diesen Distributionsweg nicht. Deswegen war ich auch auf die weitere Entwicklung neugierig.

Und hier ist sie auch schon. Die Firma Royal hat anscheinend den Weg über den Teleshopping-Sender QVC (Steht für Quality, Value, Convenience. Hab‘ ich auch nicht gewusst) gewählt. Einen entsprechenden Fernsehbeitrag gibt es schon, in dem zwei Moderatoren über die Vergangenheit schwadronieren und wie viel „Fun!!!“ doch die in mehreren Farben lieferbare Royal Classic biete.

Auf der QVC-Site wird die Schreibmaschine inzwischen um 229,95 Dollar angeboten. Zum Vergleich – auf der Royal-Site wird sie aktuell um 249,95 Dollar angeboten.

Da es von der US-Firma QVC auch einen deutschen Ableger gibt, bin ich gespannt, ob Royal Classic den Sprung über den großen Teich schaffen wird.

Rodja

Was macht eine Schreibmaschine in der Bank?

Antwort: Nichts!

Doch zuerst zu etwas anderem: Vor einigen Tagen ging die Aktion „Helios“ zu Ende (siehe Bericht der „Kleinen Zeitung“ zum Anfang). Das Planspiel sollte simulieren, wie gut Österreich auf einen dreitägigen Blackout vorbereitet ist. Sprich: Wenn kein Strom da ist. Im ersten Moment denkt man sich: Tja, Leben geht weiter. Ein Stromausfall kann ja schon mal passieren. Aber man stelle sich vor… der Kühlschrank mit den Lebensmitteln, teilweise die öffentlichen Verkehrsmittel, die Zapfsäulen an der Tankstelle, die medizinischen Geräte, Computer, Internet, Smartphones, die ganze Telekommunikation… all das würde zusammenbrechen – und das über einen längeren Zeitraum! Was würde da wohl geschehen?

Für mich war natürlich ein gewisser Aspekt sehr interessant. Bei der Kommunikation, beim Überbringen von Nachrichten, Anweisungen oder Befehlen… würde man da wieder auf mechanische Schreibmaschinen setzen? Hätte man da ein paar Schreibmaschinen parat? Gewartet und bereit für den Einsatz?

Obwohl ich mir mit meiner mickrigen Website und Nischen-Interesse nicht unbedingt eine Chance ausrechnete, schrieb ich doch die Pressestelle des Innenministeriums an, ob man mir diesbezüglich Auskunft geben könnte.

Und dann geschah das Strache-Video, der Vizekanzler und ein Parteifreund traten zurück, die Regierung wurde gesprengt – und auch der Innenminister (FPÖ) musste den Hut nehmen. Tja, jetzt glaube ich noch weniger, dass ich eine Antwort bekommen werde. Aber damit kann ich sehr gut leben. 😀

Dafür bekam ich von unerwarteter Seite eine Antwort auf eine Frage, die ich vor Jahren gestellt habe.

Ein Freund von mir arbeitet bei der Bank Austria (früher Creditanstalt). Wir kennen uns seit Ende der 1980er. Gemeinsam besuchten wir den Aufbaulehrgang zur Handelsakademie – und haben quasi den gleichen schulischen Background. Wir hatten beide noch Maschinschreiben und Stenografie in der Handelsschule. Das Maschinschreiben konnten wir im Aufbaulehrgang noch brauchen, an Stenografie wurde nicht mehr gedacht. Und als wir ins Berufsleben eintraten – er Bank, ich Versicherungsmakler (damals) – hatten wir hauptsächlich nur noch mit Computern und Netzwerken zu tun, und kaum noch mit Schreibmaschinen. Und mit den folgenden Jahrzehnten verschwand die Schreibmaschine ganz aus den Büros.

Oder doch nicht? Denn als ich vor ein paar Jahren die Schreibmaschine privat wieder entdeckte, erzählte mir der Freund, dass sie in der Bank noch immer eine Schreibmaschine herumstehen haben. Irgendwo zumindest. Ich war entzückt – und bat um ein Foto bzw. um Bekanntgabe des Verwendungszwecks. Doch immer wieder wurde darauf von uns beiden vergessen. Irgendwann fragte ich nach – und dann kam die Antwort, dass er mal aus dem Urlaub zurückkam und die Schreibmaschine suchte. Und da sagte man ihm, dass sie entsorgt wurde.

Oder auch nicht. Denn an dem Tag, an dem das Strache-Video publik wurde, bekam ich das Foto einer elektronischen Olympia Carrera de Luxe zugeschickt. Mein Kumpel hatte die Schreibmaschine in der Bank doch noch gefunden!

© S.E.

Als ich den Verwendungszweck erfuhr, war ich überrascht. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass die Schreibmaschine für den Ernstfall (sprich: Zusammenbruch des Computernetzwerks) gedacht ist. Doch tatsächlich hat sie einen fixen Platz im Banken-Leben. Und das trotz Internet-Banking, Smartphones & Co. Allerdings wiederum nur theoretisch.

Die Schreibmaschine kommt dann zur Verwendung, wenn Bankschecks ausgestellt werden müssen, erzählte mein Kumpel. „Die müssen nämlich noch mit Schreibmaschine geschrieben werden.“ Doch das kommt relativ selten vor. „Wir haben das Ding seit ca. fünf Jahren – als Ersatz für eine mechanische.“ Und die „neue“ Schreibmaschine wurde noch nie verwendet.

Es gebe auch keine Dienstanweisung dafür – und gewartet wurde sie auch noch nie. „Ich hoffe, die Farbbänder sind noch nicht zu Staub zerfallen“, so mein Freund abschließend.

Das ist für mich als Schreibmaschinen-Afficionado natürlich unbefriedigend. Natürlich hoffte ich auf eine Geschichte à la „Und da hatten wir eines Tages einen Netzwerkzusammenbruch. Und nur mit der Schreibmaschine und Boten konnten wir mit anderen Filialen kommunizieren.“ Aber nix. Allerdings sieht man daran auch wieder, wie der aktuelle Stand der Schreibmaschine im Büroleben ist. Und auch das ist wiederum zumindest interessant.

Rodja

Unhappy 48th birthday to me…

Am 26. April feierte ich meinen 48. Geburtstag. Mann, bin ich alt geworden. Vor sechs Jahren konnte ich noch mit einem Verweis auf Douglas Adams (Hint: „42“, Hint: „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“) punkten.

Jetzt bin ich eher reif für die MA 48 (hier in Wien ist das die Müllabfuhr).

Normalerweise mache ich auch nicht viel Aufhebens um meinen Geburtstag. Aber diesmal muss ich es wohl machen, weil ein sehr lieber Arbeitskollege (und Schreibmaschinist) mir ein kleines Präsent gab.

Vielen Dank, Stefan, das hat mir doch ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Rodja

©Rodja Pavlik

Royal Classic – eine neue Schreibmaschine für 2019

2016 war ein besonderes Jahr für Schreibmaschinenfans. Da brachte die Firma American Crafts, spezialisiert auf Scrapbook Art, die mechanische Schreibmaschine We R Memory Keepers heraus. Eine NEUE Schreibmaschine, wohlgemerkt.

Die Fotos sahen gut aus – und die ersten Reviews, die ich fand, klangen auch recht vielversprechend. Mann, war ich angefixt. Aber ich glaubte nicht, dass ich jemals Hand an diese neue Schreibmaschine legen würde. Solange sie eine QWERTY-Tastatur hat – ausgelegt für den englischsprachigen Raum -, würde ich sie mir auch nie kaufen. Ich wollte die neue Entwicklung aber auch nicht aus den Augen verlieren und suchte immer wieder nach weiteren Reviews. Und mit der Zeit änderte sich der Tenor der Kritik, abhängig von der Erfahrung der Rezensenten. Vor allem in der Facebook-Gruppe Antique Typewriter Collectors wurde die Schreibmaschine sehr zwiespältig aufgenommen.

Nun hatte ich vor kurzem dank dem Analog-Shop „Supersense“ die Möglichkeit, so eine We R Memory Keepers Typewriter zu testen. Und was soll ich sagen? Der reinste Plastikbomber – und das würde man angesichts der Fotos gar nicht vermuten. Die Review dazu werde ich aber zu einem anderen Zeitpunkt abliefern, denn eigentlich wollte ich über etwas anderes schreiben. Nämlich dass eine neue mechanische Schreibmaschine aufgetaucht ist – und zwar von der Traditionsmarke Royal!!!

Was das aber trotzdem mit der We R Memory Keepers-Schreibmaschine zu tun hat, darauf werde ich noch eingehen…

© Richard Polt

Vor einigen Tagen kündigte der US-Philosoph Richard Polt, von dem das meiner Meinung nach wegweisende Buch „The Typewriter Revolution“ stammt, auf seinem Blog in einem Post die neue Royal Classic an. Eine mechanische Schreibmaschine aus 2019!!!

Royal… da klingelt es doch bezüglich Schreibmaschinen-Historie. Begonnen hat alles 1904 mit The Royal Typewriter Company. Damals wurden schwere, gusseiserne Maschinen produziert, von denen einige Klassiker wurden, wie z.B. die Royal 5 oder die Royal 10. Berühmte Autoren wie Ernest Hemingway oder Ian Fleming, der „Vater“ von James „007“ Bond, benützten Royal-Schreibmaschine. (Da ich momentan eine intensive „James Bond“-Phase durchlebe, interessiert mich das natürlich sehr. Lese zurzeit einige „007“-Romane, aber auch Autobiografisches über Ian Fleming.) Fleming kaufte sich sogar eine goldene Royal Quiet Deluxe, die Gerüchten zufolge von Bond-Darsteller Pierce Brosnan 1995 bei einer Auktion um rund 56.000 britische Pfund ersteigert wurde.

1926 wurde die millionste Royal Schreibmaschine hergestellt, 1957 war es die zehnmillionste Maschine. Doch mit dem Aufkommen des Computers schwand die Bedeutung der Schreibmaschine für das Unternehmen.

Das jetzige Unternehmen Royal Consumer Information Products, Inc. hat sich eigentlich auf Bürobedarf spezialisiert – auf Taschenrechner, Bleistiftspitzer, Laminatoren, Briefwaagen, Shredder, Kassen, etc. Schreibmaschinen wie der mechanische Plastikbomber Royal Epoch scheinen nur einen kleinen Teil des Repertoires auszumachen. Elektronische Schreibmaschinen wie die Royal Scriptor II dürften sogar nicht mehr lagernd zu sein. Alle Produkte größtenteils aus Plastik, und mich würde es wundern, wenn nicht ein Großteil davon made in China ist.

Und nun hat die Firma mit Royal Classic eine neue mechanische Schreibmaschine herausgebracht, die an die alte Tradition anschließen soll. Sie ist um 249,95 US-Dollar in den Farben Schwarz, Rot, Mint und Violett erhältlich. Und: Der Korpus ist aus Metall!

Doch im Gegensatz zu früher stellt Royal die Schreibmaschine nicht selbst her, sondern lässt sie in China produzieren. Und die Spur führt zur Shanghai Weilv Mechanism Company, die eben auch den We R Memory Keepers-Plastikbomber hergestellt hat. Zwar ist auf der Site kein Hinweis auf Royal zu finden, aber die Ähnlichkeiten zwischen der Royal Classic und der We R Memory Keepers Typewriter sind mehr als augenscheinlich.

Was das nun über die Qualität der Royal Classic aussagt, verheißt – laut meiner Erfahrung mit der We R Memory Keepers – nichts Gutes. Immerhin: Dass der Korpus aus Metall und nicht aus Plastik ist, ist eine Verbesserung.

In seiner Review schreibt Polt (der freundlicherweise das oben stehende Foto der Royal Classic uns zur Verfügung gestellt hat), dass aber nicht die ganze Schreibmaschine aus Metall ist. Einige Teile sind leider doch aus Plastik. Zum Beispiel eben auch die Typen selbst. Also quasi die „Stempeln“, auf denen die Buchstaben und Ziffern oben sind. Was ich davon halte, schreibe ich ein anderes Mal.

Polt ist in seiner Review kritisch, aber eher zurückhaltend optimistisch. Es gebe eine graduelle Verbesserung zur We R Memory Keepers – und eine neue Maschine ist immerhin ein Anzeichen dafür, dass ein Interesse an Schreibmaschinen besteht. Diesem Argument kann ich etwas abgewinnen.

Dennoch bin ich ein bisschen skeptisch, was den Erfolg der Royal Classic angeht. American Crafts hatte einen speziellen Markt vor Augen – und in Kooperation mit der Warenhauskette und Online-Plattform Michael’s auch einen sehr guten und eigenständigen Distributionskanal. Ob Royal diesen Buzz um seine neue Schreibmaschine wiederholen kann, bleibt abzuwarten.

Rodja

INFO: Royal Consumer Information Products, Inc.: http://www.royalsupplies.com/