Erik schreibt auf einer IBM Selectric II

Hand auf’s Herz: Wie viele haben schon bei der Überschrift eine Schnappatmung bekommen? Kaum hängt an einer Maschine ein Stromkabel, so ist sie für viele Schreibmaschinen-Fans unattraktiv. Auch Richard Polt bricht in seinem „Typewriter Revolution“-Buch nur sehr bedingt eine Lanze für die elektrischen Maschinen. 

Im Prinzip kann ich es für elektronische Maschinen noch verstehen, auch wenn selbst diese Plastikbomber mit ihren Typenrädern ihre eigenen Fans haben. Alleine schon dieser seltsame Klang wenn das Rädchen gedreht wird und die Plastiktype auf das Papier trifft. Und trotzdem sind selbst diese Maschinen entschleunigender und die Schriftstücke brauchen mehr Hirnschmalz als bei irgendwelchen Computer-Pamphleten.  

Ich weiß, dass viele gerade diese wunderbare mechanische Eleganz der stromlosen Maschinen schätzen, aber wie sehr ist eine IBM Selectric erst ein Wunderwerk der mechanischen Technik? Eine Kugel, die gedreht und in vier verschiedenen Neigungswinkeln präzise das Papier erreichen muss? Filigraner kann Schreibmaschinentechnik fast nicht werden und nicht umsonst verzweifeln viele Hobbybastler an einer Selectric.  

© Eric Schlicksbier

Für mich erfüllt sie aber zwei ganz andere, elementare Zwecke. Zum einen bin ich ein absoluter Schriften-Fetischist. Schreibmaschinen mit der Pica-Schrift, egal wie selten ein Model sein mag, kann man mir nachwerfen und sie interessieren mich nicht. Abseits der Pica wird es spannend, was bei mir zunehmend zu einem Platzproblem führt. Bei einer IBM Selectric kann ich alle Schriften in einer Maschine haben — ich muss nur den Kugelkopf gegen den einer anderen Schrift austauschen, was auch wunderbar mitten im Text geht. So was eignet sich hervorragend um Zitate oder Zwischenüberschriften hervorzuheben oder Wörter durch kursive Auszeichnung hervorzuheben.

Apropos kursiv: Eine kursive Schrift ist noch immer mein Traum auf einer mechanischen Maschine. So was aber in einer haptisch vernünftigen Maschine in gutem Zustand und zu einem bezahlbaren Preis zu finden, gleicht fast einem Sechser im Lotto. Für die IBM kostet so eine Schrift in den geneigten Börsen nur ein paar Euro. 

© Eric Schlicksbier

 Nicht alles wurde von IBM perfekt designt. Die Schreibschrift fällt gerade in den Buchstaben „g“ und „f“ ganz deutlich im Vergleich zu den beiden RaRo-Schreibschriften (RAnsmeyer ROdrian Schriftengießerei) ab. Und bei dem „t“ der Dual Gothic fragt man sich endgültig, was die Designer da geritten haben mag. Angesichts der verfügbaren Schriften ist das aber Klagen auf hohem Niveau.

© Eric Schlicksbier

 Der andere Zweck, den sie für mich erfüllt, ist das schnelle Schreiben von Briefen. Ich muss zugeben, dass das eine sehr persönliche Problematik ist. Ich werde vielleicht nie verstehen können, wie Menschen es schaffen, auf einer mechanischen Maschine im 10-Finger-System brauchbar zu schreiben. Ich bekomme mit vielen Fingern nicht den notwendigen Druck hin, bzw. scheitere am richtigen Rhythmus so dass sich die Typen nicht ständig miteinander verhaken. Auch wenn ich auf einer mechanischen Maschine schnell zu schreiben vermag, so kommt es nicht im geringsten an meine Geschwindigkeit an einer IBM heran. Als zusätzlicher Bonus lassen sich Vertipper auch nahezu spurlos von dem Papier tilgen — egal, ob das Papier weiß ist oder nicht. 

© Eric Schlicksbier

 Neben den ganzen rationalen Gründen habe ich aber auch eine emotionale Bindung zu den Selectric Modellen, die mich vielleicht wohlwollender auf solch elektrischen Maschinen blicken lässt. Mein Vater war Chefarzt in einer Kinderklinik und fast immer wenn wir gemeinsam in der Stadt oder auf dem Markt unterwegs waren, wollte er „mal eben“ nach dem Rechten schauen oder hatte „nur kurz“ was zu erledigen. Nicht immer konnte ich bei den Visiten und Untersuchungen dabei sein und dann hat er mich immer in seinem Vorzimmer geparkt, wo ich die Selectric seiner Sekretärin für mich entdeckt hatte. Zwar kannte ich Schreibmaschinen von zu Hause, wo wir eine Olympia Color-Tip S, eine Olympia SF und eine elektrische Triumph Gabriele 5000 hatten, aber sie waren allesamt nicht vergleichbar mit der Magie und dem Klang eines rasenden und ratternden Kugelkopfes. Als die Leidenschaft für Schreibmaschinen wieder neu entfachte, war klar, dass irgendwann auch eine Selectric auf meinem Schreibtisch stehen musste.

© Eric Schlicksbier

Dieses Jahr habe ich mich dazu entschieden, Schreibmaschinen auch wieder beruflich zu nutzen. Als Fotograf und Podcaster muss ich immer wieder Konzepte und Texte erstellen. Ideen wollen gesammelt und ausgearbeitet werden. Allerdings bleibt die Selectric dafür ausgeschaltet und ich greife meist zu meiner Olympia SM3 mit der Congress Perl Elite Schrift (zu der vielleicht zu späterer Zeit mal mehr). Der Schreibfluss ist bei der Ausarbeitung solcher Konzepte ein völlig anderer. Längere Pausen des Nachdenkens sind nichts seltenes und in diesen Situationen bekommt das Grundsurren des Motors einer Selectric fast schon etwas Spöttisches: „Was? Du kommst schon wieder nicht weiter? Du musst schon wieder überlegen? Steckst Du fest?“. Eine mechanische Maschine wartet hingegen treu geduldig, bis die nächste Taste betätigt wird — egal, wie lange das dauern mag.

Erik

INFO: https://www.schlicksbier.com/

Andreas schreibt auf einer Mercedes Superba

Anm.: Als ich die Rubrik „… schreibt auf einer…“ kreierte, hoffte ich, anderen Leuten Lust auf die Schreibmaschine zu machen. Was ich jedoch nicht bedachte… Ich könnte mir selbst Appetit auf neue Schreibmaschinen holen. Autor Andreas Freiherr Mattes von Rothenstein, der freundlicherweise zum zweiten Mal einen Beitrag für diese Kategorie geschrieben hat, hat mich ja schon auf eine Adler „angespitzt“. Und auch beim vorliegenden Artikel denke ich: „Mann, ich muss die mal ausprobieren!“

Komischerweise denke ich das jetzt auch bei einer elektrischen IBM Selectric, von der mir ein anderer Bekannter so vorschwärmt (Du! Ja, DU!!! Du weißt genau, dass ich Dich meine!!!). All diesen wunderbaren Menschen möchte ich ein aufrichtiges „Danke! Und F.U.!!“ ausrichten. ;-D Doch nun zurück zum eigentlichen Artikel.

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Kurvenreich und doch geradlinig? Kann das sein?

Memo an mich selbst: Stöbere nicht so viel im Internet nach Schreibmaschinen. Andererseits wäre mir dann diese Schönheit entgangen. Sie ist für mich eine der schönsten Kleinschreibmaschinen, die ich bisher gesehen habe. Und sie sieht nicht nur elegant aus, sie schreibt auch so. Die Mercedes Superba. Ein genaues Baujahr konnte ich nicht festlegen, irgendwann um 1940 herum dürfte sie hergestellt worden sein. Bis 1954 wurde sie von den Mercedes-Büromaschinen-Werken in Zella/Mehlis gebaut. Als ich sie auf den Fotos vom Verkäufer sah, dachte ich: „Huch, was ist das denn?“ Solch eine geschlossene Schreibmaschine hatte ich noch nie gesehen.

© Andreas Mattes

Meistens liegt das Typensegment ja offen und man kann den Typen bei ihrem Auf und Ab zusehen, wenn sie ihre Abdrücke aufs Papier bringen. Aber hier ist alles geschlossen, beim Schreiben tauchen die Typen nur einen kurzen Moment auf und verschwinden dann wieder im Gehäuse. Scheinbar fühlte sich der ein oder andere Büromensch durch die Bewegung der Typen beim Schreiben irritiert und ein schlauer Ingenieur sorgte für Abhilfe, in dem er die Schreibmaschine mit einem geschlossenen Deckel versah. Unter dem Deckel ist ein Filzpolster angebracht, welches zusätzlich die Tippgeräusche dämpft, man sieht also keine „zappelnden“ Typen und hört auch recht wenig von ihnen, was das Schreiben für alle im Raum Anwesenden wesentlich erträglicher macht. Auf unsere beiden Hunde wirkt das rhythmische Geklackere sogar schlaffördernd, ihre Schnarchgeräusche sind auf jeden Fall lauter als die Schreibmaschine.

© Andreas Mattes

Als mir die Maschine angeliefert wurde, war sie im originalen Holzkoffer, in dem sie wohl die meiste Zeit ihres Daseins verbracht hatte. Eigentlich hatte sie keinerlei Staub angesetzt, der Lack war schwarz wie die schwärzeste Nacht, einzig das kleine Schildchen für die Farbbandauswahl war abgelöst. Dieses erinnert mich irgendwie an die Flagge Frankreichs. Ein paar Tropfen Kleber und es war wieder an seinem Platz, unter dem schwarzen, gewölbten Deckel. Einmal mit der Druckluftpistole vorsichtshalber die Schreibmaschine ausgeblasen, eine Grundreinigung der Tasten, dann ein paar Tropfen Öl und ein neues, zweifarbiges Farbband eingelegt und sie war schreibfertig.

© Andreas Mattes

Ich bin begeistert von ihrer Formschönheit, die so selten zu sehen ist, sie ist ein wahrer Augen- und Ohrenschmaus und es macht richtig, richtig Spaß auf ihr zu schreiben, denn sie lässt sich sehr weich „anschlagen“.

Für die Einstellung der Papierränder kippt man das Blech mit der goldenen Schrift „Mercedes“, an dem die ausklappbare Papierstütze befestigt ist nach vorne und gelangt so an die Randsteller, die ansonsten nicht zu sehen sind. Kommt man dann beim Schreiben an den Punkt wo es nicht mehr weitergeht, man aber mehr will, drückt man vorne, links oben über der Eins, einen gerändelten Knopf und kann dann bis zum Blattende weiterschreiben. Rechts außen am Gehäuse befindet sich ein ebenfalls gerändelter Drehknopf, mit dem man die Farbbandrollen umspulen kann, wenn eine Rolle während das Schreibens abgespult sein sollte.

© Andreas Mattes

Was sofort ins Auge springt, sind die roten Umschalttasten links und rechts an der Tastatur, die wunderbar aus dem glänzenden Schwarz hervorstechen. Aber nicht nur das Schreiben auf ihr macht Spaß, es ist auch eine Freude sie nur zu betrachten. Es soll tatsächlich Menschen geben, die finden Schreibmaschinen ästhetisch und der bloße Anblick einer solchen bringt die Augen zum Leuchten. Ich gehöre definitiv dazu.

Andreas

INFO: Autoren-Site von Andreas Freiherr Mattes von Rothenstein auf Facebook: https://www.facebook.com/ScriptoriumPoetas

Andreas schreibt auf einer Adler 7

Jede Dummheit findet einen, der sie begeht

Bisher fand ich Schreibmaschinen eher zum Sterben langweilig. Nie habe ich mir darüber Gedanken gemacht. Genauso wenig wie über Briefmarken. Briefmarkensammler fand ich sowieso immer irgendwie seltsam. Dass man aber auch Schreibmaschinen sammeln kann, erfuhr ich erst unlängst am eigenen Leib. Und das kam so:

Mitte des Jahres habe ich die kleine Kindergeschichte „Die Rückkehr der verlorenen Träume: Eine kleine Geschichte, nicht nur für kleine Ritter“ in Buchform über den Buchhandel veröffentlicht, so mit allem Drumherum, mit Verlag, Druckerei, Pressebericht und allem was dazu gehört. Und da ich eigentlich immer schon gerne geschrieben habe und auch im Internet mehr oder weniger anonym bereits mehrere Gedichte und kleinere Texte veröffentlicht habe, schimpfte ich mich, nach dem ich das erste, eigene Buch in den Händen hielt, stolz „Autor“. Und was gehört unbedingt zu einem richtigen Autor? Richtig, eine Schreibmaschine. Aber, dass eine Schreibmaschine unbedingt zu mir gehört, wusste ich eigentlich erst, als ich zufällig auf einer bekannten Internet-Auktionsplattform über eine aus den frühen 1930er Jahren stolperte. So etwas musste her, nur aus Jux und nur zur Dekoration und zum Angeben.

Zuvor wusste ich nicht einmal, dass es so etwas überhaupt noch gibt. Über diesen Fund war ich höchst erfreut und auch im Glauben, etwas höchst Seltenes entdeckt zu haben. Aber dem war nicht so, denn alte Schreibmaschinen gibt es noch wie Sand am Meer und so kam dann diese alte Mercedes Modell Nr. 6 zu mir aufs Sideboard. Aber sie tat nichts, außer gut aussehen, so ganz in Schwarz mit dem gewissen Etwas. Irgendwann dachte ich so bei mir, es wäre sicher toll, auf einer solch betagten Maschine zu schreiben. Und dieser Gedanke war bereits der Beginn einer Virusinfektion, die man nicht unterschätzen sollte. Langer Schwede, kurzer Finn, es kamen mehr und mehr funktionierende Schreibmaschinen hinzu.

Ich konnte alle wirklich für einen angebissenen Apfel und ein Ei im Internet erwerben, ok, manche kosteten zwei Äpfel und mehrere Eier, aber alles hielt sich im Rahmen. Die meisten waren Reiseschreibmaschinen im Koffer, aus den  50er/60er Jahren, die ich allein wegen der Optik ansprechend fand. Die Geschichten dahinter erforschte ich erst danach. Und dann fielen mir die Schreibmaschinen nur so zu, überall in meiner näheren Umgebung wurden welche angeboten, da konnte ich nicht „Nein“ sagen, zumal der Preis mir ein „Nein“ unmöglich machte. Nun hatte ich auch Schreibmaschinen von 1930 – 1940, die nicht nur toll aussahen, sondern auch tadellos funktionierten. Es sind keine spektakulären Maschinen, dafür gibt es weitaus wertvollere und seltenere, aber spektakulär müssen sie ja auch nicht sein.

Irgendwann vermittelte mir ein auf Facebook befreundeter Schreibmaschinist diese Adler 7, auf der ich gerade schreibe. Die Adler 7 war mir bereits ein Begriff, aber näher befasst hatte ich mich damit noch nicht. Sie wurde ihm angeboten, damit sie nicht beim Schrotthändler landet, aber er lehnte aus Platz- und Zeitgründen ab. Also schrieb ich der Besitzerin eine Mail, handelte einen Preis aus, nicht mehr als ein Menü bei McDonald’s für zwei Personen und bat sie, die Maschine gut zu verpacken, da sie ja versendet werden musste. Sie kam aus der Nähe von Bonn und ich wohne ihm Saarland. Ich schrieb, dass es schade um die Maschine wäre, wenn sie solange überlebt hätte und jetzt vom Paketdienst ein vorzeitiges Ende bereitet bekäme.

© Andreas Mattes

Dann kam es wie es kommen musste und die Vorbesitzerin brachte das Paket mit der Maschine zum Versandshop, wo das Paket dann, immerhin elf Kilogramm schwer, von der Angestellten vom Tresen unsanft auf den Boden befördert wurde, bevor der Zusteller es zu mir beförderte. All dies schrieb mir die Vorbesitzerin in einer Mail und hoffte, dass nichts kaputt ging. Gott sei Dank war dem auch so, die Maschine hatte Sturz und Transport unbeschadet überstanden.

© Andreas Mattes

Und da stand sie dann vor mir, eine der legendären Adler 7 von 1914, die alleine durch ihr schickes Aussehen, schwarz mit goldfarbenem, geschwungenem Schriftzug, beeindruckte. Leider funktionierte sie nicht auf Anhieb, aber mit einem stolzen Alter von einhundertsechs Jahren darf man auch mal ein Zipperlein haben. Da ich mich mittlerweile ein wenig in die Technik der Maschinen eingelesen hatte, war das Zipperlein auch schnell behoben und sie hätte funktioniert, wenn…. ich ein passendes Farbband gehabt hätte. Farbbänder dieser Maschinen haben nicht die 13mm Breite wie die meisten neueren Maschinen, sondern 25mm Breite. Dazu fand ich nichts Passendes im Internet, bis ich einen Tipp bekam, dass es Drucker gäbe, mit 25mm Farbband. Ich wurde dank Google gleich fündig und spulte das neue Farbband nach Erhalt auf die alten metallenen Farbbandspulen der Adler 7 um. Dass das bestellte Farbband 50m lang war, ich aber lediglich höchstens 10m bräuchte, war mir gleich, ich kürzte es auf die benötigte Länge. Also fädelte ich das neue Farbband auch in die Farbbandgabel ein und tat erst einmal nichts, außer ehrfürchtig vor der Maschine sitzen und sie zu bestaunen. Für all die Hebel und Rädchen dachte ich, benötigt man ja einen Maschinisten-Lehrgang.

Sie sah so ganz anders aus, als alles was ich bisher in und auf meinen Regalen hortete. Und auch die Anordnung der Buchstaben auf der Tastatur war anders. Die Adler 7 hat nur drei Tastenreihen, anstatt der gewohnten vier Reihen. Selbst einige Buchstaben sind anders angeordnet und nicht da, wo sie üblicher Weise zu finden sind. Das erschwert das Schreiben damit, weil man eigentlich mehr sucht, als tippt. Vielleicht kommt daher der Ausdruck „ADLER-Such-System“, wer weiß.

© Andreas Mattes

Und auch die Funktionsweise der Adler 7 ist anders, dort, wo sonst Typenhebel sitzen, hat sie Stoßstangen, die bei jedem Tastenanschlag pfeilgerade vorschnellen, wie die Zunge einer Schlange und ebenso schnell wieder zurückschnalzen. Und nimmt man den  schweren Verkleidungsdeckel mit dem goldenen Schriftzug ab, sieht sie aus wie ein Ungetüm aus grauer Vorzeit.

Einhundertsechs Jahre stehen da nun vor mir und ich überlege, wer damit wohl schon in all den Jahren geschrieben hat. Sicherlich auch den einen oder anderen Liebesbrief. Naja, aber wozu braucht man ein ¾ Zeichen oder ein ½ Zeichen oder  ein ¼ Zeichen in einem Liebesbrief? Entweder man liebt ganz oder gar nicht, aber nicht in Brüchen. Wie dem auch sei, ich liebe diese Maschine jetzt schon, obwohl sie mich zur Verzweiflung bringt, aber das tut meine Ehefrau ja auch und ich liebe sie.

Und dann fange ich an zu schreiben, erst zaghaft, dann kräftiger und sie funktioniert. Sie gibt mir tatsächlich Antwort, ich kann es auf dem Papier sehen. Die Maschine und ich müssen uns erst kennenlernen. Es ist ungewohnt, weil man ordentlich Druck auf die Tasten bringen muss, damit auch am anderen Ende der Stoßstangen auf dem Papier etwas zu sehen ist, aber es macht unheimlich Spaß, gerade weil sie irgendwie anders ist und herrliche Geräusche dabei macht. Für ein Großraumbüro mit mehreren solcher Maschinen ist sie ungeeignet, zumindest nach heutigen Maßstäben. Jeder Buchstabe eine Musik für sich.

© Andreas Mattes

Die verchromte Umschalttaste für Großbuchstaben und zugleich auch für Zahlen und Zeichen liegt außerhalb des Tastaturfeldes am linken unteren Rand der Maschine und gibt ihr unter anderem das  interessante Aussehen. Für all diese Funktionen wird nur eine Taste benötigt, die entweder nur nach unten gedrückt wird um groß zu schreiben, oder nach unten gedrückt und dabei seitlich weggeklappt wird, um Zeichen zu schreiben. Auch die Umlaute ä, ü und ö muss man sich selbst zusammenbasteln. Mit einer „Tot-Taste“, die den Wagenvorschub nicht auslöst, setzt man die Pünktchen über den gewünschten Buchstaben und macht so zum Beispiel aus einem a ein ä. Rechts an der Maschine befindet sich ein Knopf, den man drücken kann, vom Aussehen ähnelt er sehr dem Choke-Knopf meiner auch schon betagten Harley-Davidson. Jedoch dient er hier nicht um den Kaltstart zu verbessern, sondern wird betätigt, wenn das  liebliche „Pling“ der verchromten Glocke erklingt und man noch ein paar Buchstaben über den eingestellten Rand hinaus schreiben möchte.

© Andreas Mattes

Es ist, als wäre man immer ein Fahrzeug mit Automatikgetriebe gefahren und fährt jetzt plötzlich Schaltgetriebe. Man benötigt Zeit, um fehlerfrei mit ihr schreiben zu können, Zeit, die man sich sowieso nehmen sollte, wenn man mit einer Schreibmaschine schreibt. Denn Schreibmaschinen sind im wahrsten Sinne Zeitmaschinen, weil sie eben zum einen aus einer anderen Zeit stammen und uns zum anderen entschleunigen und den Blick aufs Wesentliche richten. Hierbei ist es egal ob sie einhundertsechs  Jahre alt sind oder nur dreißig. Es ist und bleibt etwas Besonderes. Und das Besondere sollten wir uns immer bewahren.

Andreas

INFO: Autoren-Site von Andreas Freiherr Mattes von Rothenstein auf Facebook: https://www.facebook.com/ScriptoriumPoetas

Ralf schreibt auf einer daro Erika

Auf den Geschmack gebracht hat mich der Betreiber des Schreibmaschinisten-Blogs selbst. Als ich auf Instagram auf den Freewrite stieß, wurde ich neugierig. Nein, nicht dass ich in Versuchung gekommen wäre, für eine Tastatur mit e-Ink-Bildschirm und Speicher 650 Euro auszugeben. Aber ich wollte wissen, was das für ein Teil ist. Also Tante Google gefragt und auf dem Blog der Schreibmaschinisten gelandet. Die Euphorie über dieses Schreibgerät konnte mich auch hier nicht anstecken, aber ich habe mich mit einem anderen Virus infiziert: Der Bewunderung schöner, alter Schreibmaschinen. Lieber würde ich meinen Text auf einem solchen Gerät herunter hämmern wollen, als auf diesem abgespeckten Computer.

Erinnerungen wurden wach. Meine erste Schreibmaschine war eine giftgrüne (Privileg?-)Reiseschreibmaschine. Sie wurde bald abgelöst durch eine elektrische Schreibmaschine. Beide sind in dem Moment verschwunden, als der (zwei Monatsgehälter teure) PC auf meinem Schreibtisch Einzug hielt. Dessen Nachfolger, ein ESROM-Laptop, der es vom Gewicht her locker mit der elektrischen Schreibmaschine aufnehmen konnte, war wie sein Vorgänger ein Schreib-Werkzeug.

Um ins Internet zu gehen, musste man umständlich ein Modem in die Telefonbuchse stöpseln und anschließend viel Geduld mitbringen. Immerhin hielt einen das davon ab, „mal eben schnell“ ins Netz zu schauen, während man schrieb. Heute ist die Ablenkung allgegenwärtig. Hat man der Versuchung widerstanden, das am Vortag Geschriebene gleich wieder zu editieren oder gar zu löschen, sorgt der Klingelton einer eingehenden Mail umgehend und zuverlässig dafür, die Arbeit am Text zu unterbrechen. Ich komme mir manchmal vor wie der berühmte Pawlow’sche Hund. Warum also nicht mal ein Instrument ausprobieren, mit dem man ausschließlich reine Textverarbeitung betreiben kann? Nein, ich meine nicht dieses elektronische Gerät namens Freewrite, sondern seinen mechanischen Vor-Vorgänger.

Nachdem mich einige der Artikel der Schreibmaschinisten erst richtig heiß gemacht hatten, begann ich, auf dem bekannten Kleinanzeigenportal nach Schreibmaschinen zu suchen. Nur mal gucken, was man für so ein Teil heute anlegen muss.

© Ralf

Da ich nach der Wende in den ehemaligen Ostteil Deutschlands gezogen bin (eine andere Geschichte), bestand das regionale Angebot überwiegend aus Fabrikaten des Herstellers Robotron. Diesen volkseigenen Betrieb (der inzwischen lange abgewickelt ist) kannte ich bisher nur als Hersteller von Computertechnik. Aber egal. Also eine Robotron Cella. In edlem Schwarz, sowohl der Transportkoffer als auch die (Reise-)Schreibmaschine selbst. Wie neu blitzte sie mich auf den Verkaufsfotos an. Für kleines, für ganz kleines Geld: 20 Euro sollte das Prachtstück kosten. Also angefragt – und enttäuscht. Schon weg. Eh klar! Also weitersuchen.

Eine daro Erika (Anm.: daro steht für Datenverarbeitung, Automatisierung, Rationalisierung, Organisation) stach mir ins Auge, Hersteller Seidel & Naumann, später Robotron. Für einen ganz kleinen Taler – 10 Euro wurden aufgerufen. Und mit meiner Erika mache ich nun wieder meine ersten Versuche, wie früher im Zweifinger-Adler-Suchsystem. Der erste Text, der darauf entstand, war dieser Beitrag hier. Zur Strafe, dass er mich mit dem Virus angesteckt hat, wollte ich Rodja diesen Text als Typoskript zukommen lassen, aber ich habe es dann doch bei einem Foto und einer WORD-Datei belassen.

Spaß beiseite: Ich bin Rodja dankbar für die Arbeit, die er in seinen tollen Blog gesteckt hat und für die Inspiration aus den Artikeln.

Ralf

Rodja schreibt auf einer brother Electric 3600

Man sagt, seine erste Liebe vergisst man nie. Nun, Liebe war das zwischen mir und der brother Electric 3600 keine, mehr so eine Zweckgemeinschaft. Dennoch werde ich sie nie vergessen. Auf ihr habe ich nämlich ab Mitte der 1980er das Tippen gelernt – und zwar so richtig „blind“ das 10-Finger-System, das ich heute noch beherrsche. (Wenn ich so recht überlege, habe ich aus der damaligen kaufmännischen Schulbildung eigentlich nur meine Englisch-Kenntnisse und das Tippen in die Jetztzeit retten können.)

Wir hatten schon vor der brother Electric 3600 eine Schreibmaschine, so eine schwarze, mechanische Gusseiserne, die meine Mutter von ihrer amerikanischen Chefin, Mrs. Laura Hoelzinger, bekommen hat. Die hatte natürlich die amerikanische QWERTY-Tastatur – und somit keine Umlaute und kein ß. Trotzdem schrieb mein Vater auf ihr einige Kurzgeschichten für mich (siehe „Ein Fund, der zu Tränen rührt“).

Meine Mutter arbeitete bei Mrs. Hoelzinger als Haushälterin, doch irgendwann wollte sie es sich beruflich verbessern und belegte Kurse in Buchhaltung und Schreibmaschine. Und da wurde auch die brother Electric 3600 für daheim angeschafft. Das war vermutlich um 1982 rum – und die Maschine hat damals 2.300 Schilling (ca. 175,- Euro) gekostet. Das war damals in den 80ern wirklich viel Geld, eine richtige Investition also.

Dennoch wechselte meine Mutter nie ins Sekretariat. Das war vor allem eine Zeitfrage. Im Sekretariat hätte sie Vollzeit arbeiten müssen. Etwas, das mit einem Mann, der am Abend etwas Warmes auf dem Tisch haben wollte, und mit einem schulischen Sorgenkind (ich), das Aufsicht bei den Hausaufgaben am Nachmittag benötigte, nicht machbar war. Und so tippte manchmal mein Vater auf der elektrischen Schreibmaschine, aber sonst stand sie mehr in der Ecke herum.

Doch bald wurde sie aus dieser wieder hervorgeholt. Ich glaube, ich habe in der vierten Klasse Hauptschule als Freifach Schreibmaschine gehabt. Da schrieb ich aber eigentlich nur in der Schule, lernte also nie wirklich tippen. Dann kam ich in die Handelsakademie. Ein Schuljahr, das ziemlich katastrophal endete. Zwar lernte ich da schon etwas tippen und Stenografie, dennoch reichte es nur für einen Fleck in diesem Fach (und in vielen anderen). Danach ging ich in die dreijährige Handelsschule – und dort strengte ich mich so richtig an. Und ja, ich meisterte auch Stenografie und das 10-Finger-System.

In der Handelsschule tippte ich mehrere Jahre auf einer IBM Kugelkopfmaschine, später auch auf einer elektronischen Toptronic (von Hermes, wenn ich mich nicht irre) mit Zeilendisplay und -speicher. Und während ich im anschließenden Aufbaulehrgang zur Handelsakademie erstmals CTV (Computerunterstützte Textverarbeitung) hatte, tippte ich daheim auf der brother Electric 3600. Diese Schreibmaschine war durch viele Jahre meine treue Begleiterin – von den ersten Zeilen asdf asdf asdf bis hin zu Hausaufgaben, Referaten, Bewerbungen und den ersten Uni-Arbeiten (so 1994 herum – da wechselte ich aber rasch auf einen VideoWriter von Philips – hier ein Youtube-Video – mit einer Speicherdiskette. Das Ding hat mir mein Bruder damals geborgt.). Nur Liebesbriefe schrieb ich keine auf ihr.

Ready to hummmmmmmmmmmmm……

Und nun steht sie wieder vor mir – die brother Electric 3600. Orange-schwarz, made in Japan. Und mit einer Mission. Denn mein zehnjähriger Bub soll zwecks Medienkompetenz das 10-Finger-System erlernen. Dabei muss er jetzt schon Texte in Word tippen, abspeichern und versenden. Und wir sollen ihm das beibringen. Weil Lockdown und so.

Aus dem Grund habe ich nun die brother von meiner Mutter abgestaubt. Sie ist zwar ein Plastikbomber – und gerade die Abdeckung ist sehr dünn. Aber alles sitzt tadellos und man sieht auch keine Bruchstellen, wie das bei altem Plastik oft passiert.

Ich bin erstaunt, die Maschine ist in relativ gutem Zustand. Die Walze ist noch nicht einmal steinhart. Meine Mutter hat vor fünf Jahren das Farbband erneuert – und nach einem kurzen Einschreiben ist die Farbabgabe wieder perfekt. Aber ich sehe, welche Spuren der Gebrauch von Tipp-Ex und Korex-Blättern in den 1980ern hinterlassen hat. Grindig. Die Klingel, die das Zeilenende anzeigt, geht nicht. Aber das stört mich nicht so sehr

Es ist ein komisches Gefühl, die Maschine wieder anzuwerfen. Dieses Gerät hat mir immer einen Heidenrespekt eingeflößt, wenn es unter Strom stand. Wenn man die Hand an die Seitenwand legt, spürt man ein starkes Vibrieren. Und über allem liegt dieser Summton, so ein unheilvolles „Hummmmmmmmmmmm…“ (Hm, gibt es statt Summen auch Hummen?). Ähnlich den Transformatoren der elektrischen Eisenbahn, die mein Bruder als Kind hatte. Ich fühlte mich da immer unwohl – und auch jetzt ist das noch immer so.

Rodja goes electric!!

Verstärkt wird dieses ungute Gefühl auch noch durch ein gelegentliches „Aufbellen“ des Motors. Daran bin ich nicht ganz unschuldig. Als ich damals Stenografie und Schreibmaschine lernte, war mir oft fad im Schädel. Und da platzierte ich die Steno-Bleistifte immer in den Typenkorb und katapultierte sie mittels Tastenanschlags hinaus. Nur einmal ging es schief und der Blei landete über Umwege im Inneren der Schreibmaschine, wo er auch noch heute  sein Unwesen treibt, wenn er kurz in den Motor gerät.

Die Tastatur ist um Wesentliches leichtgängiger als bei meinen mechanischen Schreibmaschinen. Ein kurzer Druck; die Taste muss nur die Hälfte dessen und mit weniger Kraft niedergedrückt werden, als ich von meinen mechanischen her gewohnt bin. Die Typen fliegen so schnell, dass man sie nur schemenhaft sieht. Und dann auch noch dieses leicht futuristische Schriftbild (also für eine Schreibmaschine aus den 1980ern). Ein weiterer Vorteil der elektrischen Schreibmaschine: Neben dem leichtgängigen Tippen braucht man sich keine Sorgen machen, ob man zu schwach tippt – das Schriftbild ist immer gestochen und gleichmäßig scharf.

Wenn man mit dem Finger die Rückseite einer getippten Seite entlang fährt, spürt man ein leichtes Relief.

Nach einem Einschreiben

Die Tastatur hat auf jeden Fall schon sehr starke Ähnlichkeiten zu den damals aufkommenden Computerkeyboards – ob C64 oder die externen Keyboards der PCs der späten 1980er, frühen 1990er. Statt einem Zeilenschalthebel habe ich eine Power Return-Taste, für schnelles Vorwärtskommen in der Zeile den Repeat Spacer. Auch eine Rückwärts-Taste gibt es. Doch statt nur einem Schritt rückwärts pro Tastendruck (wie bei mechanischen) kann diese Schreibmaschine auch mehrere Schritte rückwärts gesetzt werden. Und das mit lautstarkem Rattern. Man merkt, dass da mechanische Kräfte am Werk sind.

Captain Power Return and the Repeat Spacers

Und erst heute merke ich, wie privilegiert ich damals war. Alle Schreibmaschinen, auf denen ich meine ersten Schritte machte, hatten die Ziffern 1 und 0 – einen Luxus, den die meisten meiner jetzigen mechanischen Schreibmaschinen nicht haben. Ich dachte lange Zeit, dass 1 und 0 eh die Norm wären, bis ich eben eines Besseren belehrt wurde.

So muss ich bei meinen mechanischen Schreibmaschinen oft eben das kleine „L“ als 1 und das große „o“ als 0 verwenden. Direkter Vergleich: 1 = l und O = 0. Am Computer bemerkt man natürlich den Unterschied, auf der Schreibmaschine gibt es zwar zwischen 1 und l einen kleinen Unterschied, zwischen 0 und O eher nicht. Aber beim Tippen ist es beim 10-Finger-System angenehmer, wenn die Zahlen alle in einer Reihe sind und ich bei manchen Ziffern nicht in Buchstaben umdenken muss.

1 ist nicht gleich l

Was ich erst jetzt wieder entdecke… die meisten Buchstaben geben auf Tastendruck nur einen Buchstaben ab – bis auf Bindestrich, Punkt und X. Wenn man diese Zeichen länger gedrückt hält, werden so lange diese Zeichen getippt, so lange man die Taste hält. Das macht auch Sinn, denn mit dem Bindestrich „–„ kann man durchstreichen bzw. bei Großschaltung unterstreichen, mit „xxxx“ kann man durch-xen. Und „…“ dienen als Platzhalter.

Ich weiß nicht, ob ich die brother Electric 3600 jetzt öfters benützen werde. Für ein flottes, gleichmäßiges Tippen ist die wirklich noch gut zu gebrauchen. Aber auf einer mechanischen Schreibmaschine zu tippen – das ist für mich viel befriedigender. Es hat einfach mit Liebe und Hingabe zu tun.

Ich hoffe, dass mein Sohn das 10-Finger-System damit erlernen kann. Jetzt brauche ich nur noch ein altes Schreibmaschinen-Lehrbuch.

Rodja

The End…?

Patrick schreibt auf einer Olympia SM3

Nach Benjamin Swiczinsky mit seiner Olympia Traveller de Luxe konnte ich nun einen zweiten Filmemacher für die Rubrik „… schreibt auf einer…“ gewinnen. Patrick Haischberger ist ein Schauspieler/Autor/Regisseur aus Bad Ischl. Zuletzt fiel er vor allem mit seinem Kurzfilm „Rainy Season“ (Trailer hier), einer Adaption einer Kurzgeschichte von US-Horrorautor Stephen King, auf.

© Patrick Haischberger

Aber wie kommt man denn an die Erlaubnis von so einem renommierten Schriftsteller? Ganz einfach, man schreibt ihn an. „Anfangs bekam ich auf meine Anfrage nur so ein Standard-Mail zurück, aber später schrieb mir King selbst, dass er mich gerne unterstützen würde“, erzählte Haischberger in einem Interview mit der „Kronen-Zeitung“.

Haischberger erhielt die Rechte für die Horror-Kurzgeschichte „Rainy Season“: „Ein abgelegenes Dorf, seltsame Bewohner, Menschenopfer – es war perfekt für mich.“ Er sandte King vorab das Drehbuch: „Ich habe dreimal mit ihm telefoniert, da war ich natürlich sehr nervös. Aber er segnete alles ab, obwohl ich das Ende geändert habe“, so Haischberger im Gespräch mit der „Kronen-Zeitung“.

Für den Kurzfilm konnte Haischberger bekannte österreichische Stars wie u.a. Sabrina Reiter („In 3 Tagen bist du tot“, „Blockbuster – Das Leben ist ein Film“, „Spuren des Bösen“, „Kaviar“), Thomas Stipsits („Jenseits“, „Vorstadtweiber“, „Baumschlager“) und Fritz Karl („Falk“, „Inspektor Jury“, „Meiberger – Im Kopf des Täters“) gewinne. Die Vorpremiere fand bereits am 5. Oktober 2019 statt, nun befindet sich „Rainy Season“ auf Festivaltour

Mit 35 Jahren ist Patrick Haischberger alt genug, um eigentlich nur mit dem Computer aufgewachsen zu sein – und dennoch ist die Schreibmaschine seine „weapon of choice“.

© Patrick Haischberger

“If you hear a soft creaking at the cemetery, do not be afraid. These are not bones rising from their graves, it’s just the sound my typewriter makes when I’m working here.”

Patrick Haischberger

Es ist zwei Uhr in der Früh, Schatten tanzen durch die Gassen, das Klacken der Schreibmaschine erfüllt die Nacht. Ich schreibe in diesen modernen Zeiten mit einer Schreibmaschine. Jeden Tag. Alles, egal ob Drehbücher, Kurzgeschichten oder der Roman, an dem ich gerade arbeite. Zumindest die erste Fassung. Dann tippe ich die Seiten in mein MacBook und überarbeite diese. Die Schreibmaschine ist etwas Mystisches für mich geworden, etwas Befreiendes und erfüllt mich mit Kreativität. Aber auch, wenn ich mit einer Schreibblockade konfrontiert bin, setze ich mich gerne zur Schreibmaschine. Das Gefühl ist einfach ein komplett anderes als am Laptop und gibt mir neue Energie.

Es ist doch so, wenn man stundenlang am Computer schreibt, ist man irgendwann ausgelaugt. Das Licht vom Monitor quält einen und ständig wird man vom Internet abgelenkt. Nachrichten von Sozialen Medien überfluten einen und der E-Mail Ordner geht mit Nachrichten, die beantwortet werden wollen, über. Dabei habe ich noch gar nicht Netflix, oder die unzählige Auswahl an Pornos erwähnt, die es zu bestaunen gibt. Diese Ablenkungen sind zwar ein netter Zeitvertreib, doch der Tod für jegliche Kreativität. Dann bin ich auf etwas gestoßen. Es war fast Magie. Nein vergesst das. Es war Magie. Pure Magie. Etwas aus längst vergangenen Tagen. Etwas völlig Analoges in einer digitalen Welt.

Die Schreibmaschine.

Inzwischen besitze ich mehrere Schreibmaschinen, wobei zwei Stück davon meine Lieblinge sind. Die Ico Olivetti, aus den 1930er Jahren. Die ich von einem schrulligen älteren Bibliothekar erhalten habe, der gerne meine Geschichten liest. Und die Olympia SM3, die ich euch jetzt vorstellen möchte.

© Patrick Haischberger

Gute Geschichten, Vorlagen für Filme, all das schrieb Alfred Hitchcock auf seiner Olympia SM3, einer mechanischen Schreibmaschine aus den 1950ern. Hitchcock war aber nicht der Einzige, der diesem Modell vertraute, auch Regisseur Woody Allen malträtierte die SM3.

Schön ist am Anfang allerdings nur ihr Anblick. Der Akt des Schreibens, er kostet Kraft. Physisch. Wer seine Sätze sonst auf der leichtfingrigen Tastatur eines Laptops hin hastet und gleich wieder neu aufsetzt, für den ist das kleine Ungetüm vor allem eines: ein formidabler Bremsklotz. Erst nach frühem kläglichem Vertippen zeigt sich die eigentliche Schönheit. Die Sinnlichkeit. Die Maschine riecht. Nach Tinte, Farbband, Bakelit und Metall. Der Geruch berauscht, er sagt dir: „Ich bin da.“

© Patrick Haischberger

Wie der Duft, der dich im Nacken deiner Liebsten umfängt. Dann die Tasten, die Typen, die nach vorne schnellen, knallen, schellen. Kein flinkes Fingerspiel, eine Massage, kraftvoll und genau an den richtigen Stellen. Bis sie stöhnt, nein: klingelt. Am Ende der Zeile. Das macht man nicht im Café. Keiner schleppt freiwillig einen kiloschweren Koffer mit sich und hämmert in der Menge herum. Das spleenige Liebemachen findet besser zu Hause statt, wo es auch hingehört. Schön langsam. Satz für Satz. Gedanke für Gedanke.
Schreibmaschinen wurden von Computern ersetzt. Doch es wird sie immer geben. Weil es noch Menschen gibt, die sie benutzen.

© Patrick Haischberger

Wenn man Bücher in einem Bücherregal betrachtet, dann wirken sie antiquiert in einer Welt, in der die meisten Bücher, auch in digitaler Form vorliegen. Ich glaube nicht, dass alle Bücher auf den Bildschirm wandern sollten. Ein gedrucktes Buch ist wie ein Hai, und Haie sind alt. Sie schwammen schon lange vor den Dinosauriern durch die Ozeane und der Grund, warum es noch immer Haie gibt, ist: Sie sind einfach besser darin, Haie zu sein, als andere es wären. Gedruckte Bücher sind zäh, schwer zu zerstören, badewasserresistent, sonnengeschützt, und sie liegen gut in der Hand. Sie sind einfach gut darin, Bücher zu sein, und deshalb wird es immer einen Platz für sie geben.

Faszinierende Menschen zu erschaffen ist immer ein Wetteifern mit Gott. Er hatte Sternenstaub zur Verfügung. Ich meine Schreibmaschine.

Patrick Haischberger

© Patrick Haischberger

Sabrina schreibt auf einer Diplomat

Dem heutigen Gastbeitrag habe ich zwei wichtige Erkenntnisse zu verdanken. Erstens: Auch Wissenschafter können unter einer Schreibblockade leiden. Da muss ich tatsächlich sagen, dass mich das doch sehr überrascht hat. Hier beschreibt die Kärntner Filmwissenschafterin Sabrina Gärtner, wie sie dieses Problem dank einer sehr störrischen Schreibmaschine lösen konnte. Und hier die zweite Erkenntnis: Auch dank Widerstände kommt man ans Ziel – und manchmal sogar besser als gedacht.

© Sabrina Gärtner

Vor etwa zwei Jahren hatte mich eine garstige Schreibblockade fest im Griff. Stunden, Tage, nein: Wochen verbrachte ich damit, völlig unproduktiv auf ein leeres Word-Dokument zu starren. Wenn ich mich dann doch dazu überwinden konnte, einen Satz in die Tasten zu klopfen, hatte dieser selten lange Bestand. Hastiges, beinahe panisches Hämmern auf die Backspace-Taste machte jedem Wort, jedem Buchstaben nahezu augenblicklich wieder den Garaus. „Nicht gut genug. – Das ist doch kein anständiger Anfang. – Denk daran: Der erste Satz entscheidet über das Schicksal des Texts!“, murmelte ich vor mich hin und manövrierte mich damit in eine völlige Schreibstarre.

Weder die liebgemeinten Motivationssprüche aus meinem Umfeld („Schreib halt drauf los.“ – „Wie schwer soll das schon sein? Fang einfach an!“ – „Du kannst ja später alles überarbeiten.“) noch die zahllosen Schreibratgeber, die ich mir zu Gemüte geführt hatte, konnten mich auch nur ansatzweise aus meiner Lethargie reißen. Und während die Deadline des Grauens bedrohlich und unaufhaltsam näher rückte, begann ich mich langsam mit dem Gedanken anzufreunden, dass mein Schreibprojekt wohl beendet war, bevor es seinen Anfang gefunden hatte. In einem letzten verzweifelten Aufbegehren bekam ich völlig unverhofft einen Strohhalm zu fassen, der mein Schreiben von Grund auf verändern sollte. Oder anders gesagt: Auf einem Altstadt-Flohmarkt fiel mir eine muffige, staubige Uralt-Reiseschreibmaschine in die Hände.

© Sabrina Gärtner

„Eh nett“, kommentierte eine Freundin, als ich ihr voller Stolz via WhatsApp das erste Foto meiner Errungenschaft präsentierte. Mit ihrer unverhohlenen Skepsis stand sie längst nicht allein da: Während ich – beseelt von neuem Tatendrang – meine letzten Cent in einen unvernünftig großen Papiervorrat und ein passendes Ersatz-Farbband investierte, reagierte mein Umfeld recht verhalten: „Was willst du denn mit dem alten Ding?“ – „Irgendwie riecht die komisch.“ – „Hübsch ist anders, gell?“ – „Ist das dein Ernst? Du wirst dir beim Tippen die Finger brechen!“ Dass die ungebetenen Unkenrufe ihre Berechtigung haben würden, musste ich schon bei der ersten Inbetriebnahme erkennen, denn: Meine Diplomat war und ist in vielerlei Hinsicht eine echte Herausforderung.

© Sabrina Gärtner

Die „portable Kleinschreibmaschine“ stammt aus dem Hause Olympia, mein Modell dürfte etwa in den 1930er-Jahren auf den Markt gekommen sein und bringt stolze 5,1 Kilo auf die Waage. An heutigen Standards gemessen ist sie nur bedingt für den Transport geeignet – und will zudem partout nicht in meine Handtasche passen. Erschwerend kommt hinzu, dass sie sich auch in der Handhabung als äußerst unbequem zeigt, erfordert der Tastenanschlag doch ein wohldosiertes Maß an Kraft und Präzision. Drückt man die Tasten zu kräftig, stanzt man das ein oder andere Loch ins Papier. Schlägt man zu schwach an, muss man im Endergebnis fehlende Buchstaben beklagen. Tippt man jedoch zu hastig, verkeilen sich die Typenhebel. Auch beim Einspannen des Papiers empfiehlt sich Akkuratesse, bleibt die Kante doch gerne an den Farbbandklemmen am äußeren Geräterand hängen; zerrissenes Papier, noch bevor die erste Taste berührt wurde.

Die Kooperationsbereitschaft der Farbbandgabel ist indes von einer mysteriösen Tagesverfassung der Schreibmaschine abhängig und führt dazu, dass ich nie ein sauberes schwarzes Schriftbild erhalte, sondern sich immer ungewollte Rottöne einschleusen. Und selbst der Wagenrücklauf hat seine Tücken und will gefälligst (!) mit penibler Sorgfältigkeit und gleichbleibendem Druck betätigt werden – andernfalls drohen hässliche unregelmäßige Zeilenabstände.

© Sabrina Gärtner

Klingt alles nicht sehr einladend, oder? Meine Diplomat ist ein störrisches Biest mit unverschämten Allüren, wodurch der Schreibprozess zu einem physischen und psychischen Kraftakt mutiert. Und doch ist sie das Alpha und das Omega all meiner wissenschaftlichen Texte. Auf ihr tippe ich sowohl die ersten Rohentwürfe als auch die finalen Korrekturfahnen.

Das Ganze sieht dann so aus: Nachdem ich handschriftlich eine Grobstruktur in einen Collegeblock gekritzelt habe, nimmt ein peinlich-genau getaktetes Ritual seinen Anfang. Ich öffne meinen heißgeliebten Sekretär, hebe die Diplomat auf eine schwarze Filzunterlage, rücke meinen Drehhocker zurecht und nehme bedächtig Platz. Tief einatmen, ausatmen. Zwei Bögen Papier zur Hand nehmen, die Kanten bündig aneinanderlegen und sorgsam in die Maschine einspannen. Einatmen und ausatmen nicht vergessen. Behutsam rücke ich die Walze in die Ausgangsposition, lege die Finger an die Tasten… und los geht die wilde Fahrt. Mit Angela Lansbury in ihrer Rolle als J. B. Fletcher in „Murder, She Wrote“ (1984-1996) habe ich wenig gemein, eher fühle ich mich Jack Nicholson als Jack Torrance in „The Shining“ (1980, Stanley Kubrick) sehr nahe.

© Sabrina Gärtner

Kennt Ihr das Gefühl? Da glaubt man, einen großartigen Text geschrieben zu haben, geht erschöpft, aber zufrieden grinsend zu Bett und am nächsten Tag ist das Geschreibsel ein klarer Fall für den Papierkübel? Weil ich anfällig für die verpeilende Wirkung der „Schöpfungsendorphine“ bin, verschwindet meine Rohfassung zunächst immer einige Zeit in der Schublade. Erst wenn ich den nötigen Abstand gewonnen habe, überdenke und überarbeite ich den Text dann am Laptop.

Wenn ich schließlich weitgehend zufrieden bin – das kann ein wenig länger dauern und wirklich zufrieden bin ich nie! –, setze ich mich für die finale Korrekturfahne zurück an die Schreibmaschine. Im Anschluss wird der Rotstift gezückt und die maschinenbeschriebenen Seiten werden mit den nötigen Korrekturanmerkungen verunstaltet. Für den letzten Schliff und den abschließenden Versand an die Herausgeber/Verleger kehre ich erneut an den Laptop zurück.

© Sabrina Gärtner

Das liest sich mit fremden Augen wahrscheinlich eigenartig, umständlich und/oder lächerlich. Warum quält man sich freiwillig mit beschwerlichen, unangenehmen, Kräfte raubenden Stunden an einer alten Schreibmaschine – und das dann auch noch mehrfach? Wäre es nicht leichter und vor allem zeitsparender, alles von Anfang an in den Laptop zu tippen? Mit Sicherheit! Aber mir hilft der ritualisierte, strukturierte Ablauf, den ich rund um die Diplomat etabliert habe, beim Fokussieren. Ich schweife nicht so stark ab, verliere den Sukkus nicht aus den Augen, habe die Grundpfeiler meines Textes immer im Blick und verirre mich nicht hoffnungslos in gedanklichen Einbahnstraßen.

Der Diplomat verdanke ich außerdem – und das ist mir wohl das Wichtigste! – den Abschied vom vergeblichen Streben nach Perfektion. Ich verschwende keinen Gedanken daran, ob das Geschriebene denn gut genug sei, sondern verliere mich völlig im stetigen Rattern, Rumpeln und Klingeln des Geräts und bin doch hochkonzentriert. Mir ist dabei von Beginn an klar, dass der Text es in mehrerlei Hinsicht nicht fehlerfrei aus der Maschine schaffen wird. Und das verschafft mir eine ungemeine innere Erleichterung, die für mich den ungebrochenen Reiz des Ganzen ausmacht.

Sabrina

Sabrina Gärtner ist Filmwissenschafterin mit Fokus auf den Neuen österreichischen Film. Sie promovierte mit einer Arbeit zum Filmschaffen von Jessica Hausner („Hotel“, „Amour fou“, demnächst „Little Joe“) Ihre wissenschaftlichen Texte beschränken sich aber nicht ausschließlich auf österreichische Filme, generell ist sie sehr am Autor/inn/en-Kino interessiert und hat einen Faible für alle Facetten der Filmgeschichte. Hin und wieder schnuppert sich auch gerne mal ins Genre-Kino.

Ronny schreibt auf einem Freewrite

Leser dieses Blogs wissen, dass ich für Schreib-Alternativen zum Laptop oder PC offen bin. Ich bin nicht nur auf Schreibmaschinen fixiert, ich mag auch Füllfedern und Bleistifte. Und auch neue Möglichkeiten, wie der reine Schreib-Computer Freewrite von Astrohaus bzw. dessen kleinen Bruder Traveler, reizen mich. Über beide habe ich hier auch mehrmals kritisch geschrieben. Also kritisch im Sinne von: Was finde ich positiv, was finde ich negativ. Aber das alles rein theoretisch, weil ich das Ding ja nie in der Hand gehabt habe.

© Astrohaus

Ich habe zwar bei der Crowdfunding-Aktion für den Freewrite (damals noch Hemingwrite) mitgemacht, letztendlich aber mein Angebot zurückgezogen. Ich war mir unsicher, ob der Freewrite auch wirklich das Gerät ist, das meine Kreativität unterstützt, oder ob es andere, kostengünstigere Alternativen auch tun?

(Spoiler: Ja, andere, kostengünstigere Alternativen tun es individuell auch. Für mich tat es eine Schreibmaschine um 15 Euro. (Okay, dann wurden es ein paar Schreibmaschinen mehr, aber theoretisch hätte mir die eine genügt. ;-))

Das Problem beim Freewrite ist… Man kann das Gerät hierzulande nicht einfach so testen gehen. Man muss es in den USA teuer ordern und auf das Beste hoffen. Insofern bin ich wahnsinnig froh, wenn ich auf deutschsprachige Autoren stoße, die den Freewrite nutzen und noch dazu ein kleines Review abliefern. Wie eben Ronny Rindler.

Ronny Rindler ist ein deutscher Schauspieler und Musical-Star, der u.a. in der Europa-Premiere von „Dirty Dancing“ und der Welt-Premiere des Udo-Jürgens-Musical „Ich war noch niemals in New York“ auftrat. Seit einigen Jahren nun lebt Ronny in Wien-Penzing. Mittlerweile ist er unter die Autoren gegangen und schrieb u.a. „toi, toi, TOT! – Hamburg Krimi“ und „Mörderische Nachbarschaft – 30 rasante Kurzkrimis“. Außerdem bietet er als Schreibcoach auf seiner Seite www.rindlerwahn.de mehrere Online-Kurse als auch Schreib-Cafés und Volkshochschulkurse in Wien an.

Ronny hat sich einen Freewrite geleistet – und ist sehr zufrieden damit. In einem Video, das er auf Anfrage auch den Schreibmaschinisten zur Verfügung stellte, erzählt er von den Vorteilen, aber auch von den Mankos dieser „elektronischen Schreibmaschine“. Ich persönlich hätte gerne noch ein bisschen mehr Tippen gehabt, damit ich ein Gefühl für das Haptische bekomme, aber das ist nur ein kleines Manko an dem Vorstellungsvideo.

Ich poste es hier unter „…schreibt auf einer…“ als auch „Alternativen“. Und irgendwie habe ich nach dem Clip wieder Lust, den Freewrite auszutesten. Ach, es juckt einfach in den Fingern…

Rodja

Rodja schreibt auf einer Olympia Traveller C

Die ganze Zeit über habe ich nette Mitstreiter gefunden, die hier von ihren Erfahrungen mit ihrer Schreibmaschine berichteten. Nur ich selbst habe in dieser Rubrik noch keinen Bericht abgeliefert – und das will ich hiermit nachholen.

© Rodja Pavlik

Lange habe ich überlegt, welche Schreibmaschine ich hier vorstelle. Die Schreibmaschine, mit der mein Hobby angefangen hat? Oder mit meiner Lieblingsschreibmaschine? Oder mit der subjektiv besten? Alle hier schwärmten von ihren Maschinen, schrieben von ihren positiven Erfahrungen. Was, wenn zur Abwechslung jemand mal das worst case scenario von einer Schreibmaschine beschreiben würde? Was, wenn jemand über die Olympia Traveller C schreiben würde? Quasi nach dem Motto: „Ich habe sie für euch getestet, damit ihr es nicht tun müsst.“

Die Olympia Traveller C ist meine dritte Maschine – und die erste, von der ich mich ersatzlos trennen werde. Kaum zu glauben, aber ich habe mir diese Maschine freiwillig ausgesucht – und war sogar glücklich, als ich sie um 20 Euro auf Willhaben.at erwarb.

Bis dato hatte ich nur die Olympia Monica de Luxe und eine Olympia Traveller de Luxe S. Die Monica betrachte ich als Schreibtisch-Maschine, aber ich wusste, dass ich auch eine portable Einheit brauchen würde. Also kam ich auf die Traveller de Luxe S. Und die war tatsächlich handlicher. Aber deswegen nicht unbedingt transportabler. Der Griff ist einfach mörderisch – und die Maschine auch nicht gerade ein Leichtgeweicht. Nach einem Tag hatte ich schmerzende Schwielen an der Hand vom Herumtragen. Also suchte ich nach einer noch leichteren Schreibmaschine. Und nachdem ich mit Olympia an sich zufrieden war, dachte ich mir, dass die Traveller C – das letzte mechanische Modell von Olympia – quasi die Krone der Schöpfung sei. Doch das Gegenteil ist der Fall doch, dazu später.

© Rodja Pavlik

Ich bekam die Traveller C fast neuwertig in der aufgebrochenen Originalverpackung, mit einigen Papieren, die zwecks Dokumentation recht interessant sind. Eine Rechnung von 1996 lag bei – und in die Schreibmaschine selbst war ein Blatt mit einem Testtext eingespannt. UND: Der Text war ein Tag nach Rechnungsdatum datiert. Das heißt, die Maschine wurde ausgepackt, kurz darauf getippt und wieder eingepackt – und dann all die Jahre nicht mehr benutzt. Ich hatte also eine fast neuwertige Schreibmaschine. Ich schätzte mich glücklich.

© Rodja Pavlik

Doch die Freude währte nur kurz. Aber bevor ich die schlechten Eigenschaften aufzähle, möchte ich doch kurz auf die positiven Aspekte eingehen. Und die gibt es tatsächlich.

Von den Features her baut die Traveller C auf der Traveller de Luxe S auf. Genau wie ihr Vorgänger hat die Traveller C einen Farbbandschalter. D.h., sie kann mit einem zweifärbigen Farbband betrieben werden. Und ebenso wie die Traveller de Luxe S hat die Traveller C fixe Tabulatoren in Zehner-Schritten. Um eine schnelle Tabelle aufzustellen reicht das allemal.

Darüber hinaus fallen aber noch ein paar andere Sachen auf:

1. Die Olympia Traveller C hat ein sehr interessantes, gebogenes Design. Meiner Meinung nach könnte sie auch so eine Stilikone wie die Olivetti Valentine sein. Sie wirkt wie aus einem Sci-Fi-Film der 1940er/1950er-Jahre… vorausgesetzt, dass sie damals noch nicht einmal eine elektrische Schreibmaschine gekannt hätten.

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2. Die Schreibmaschine hat einen Repeat Spacer. Das ist die rote Taste rechts unten, die es ermöglicht, innerhalb einer Zeile schnell voranzukommen.

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3. Die Olympia Traveller C ist tatsächlich die einzige Schreibmaschine in meinem Besitz, die die Ziffern 1 und 0 hat.

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Bei meinen anderen Maschinen fehlen entweder die Null oder die Null und die Eins, da muss ich mir immer mit klein „L“ – als l – als Eins behelfen, ober eben das große „o“ – also O -als Null behelfen. Und die Olympia Traveller C ist somit die einzige Schreibmaschine, bei der sich mein erlerntes Zehn-Finger-System quasi voll auszahlen würde. Schade eigentlich.

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Die Maschine ist nämlich der volle Plastikbomber, mit all den schlechten Eigenschaften, die man mit diesem Wort assoziiert. Sie ist ein Schandfleck in der sonst so ruhmreichen Historie der mechanischen Schreibmaschinen von Olympia. Und sie war ihr Sargnagel. Das kann man wirklich so verstehen, denn sie war das letzte mechanische Modell der deutschen Firma. Olympia glaubte wohl, mit diesem billig produzierten Ding made in China doch noch das Steuer herumreißen zu können. Denkste!

Wie gesagt, gefällt mir das Design recht gut. Erinnert mich auch ein bisschen an den legendären C64 von Commodore, den sogenannten „Brotkasten“. Nimmt man aber die Maschine auseinander, tut man sich beim Zusammenbauen ein bisschen schwer. Da will nichts so richtig ineinander gleiten und greifen – und mann muss oft ein bisschen herumwurschteln, bis die Schreibmaschine wieder passt.

Vom Material will ich gar nicht reden. Das Plastik ist wirklich schlechte Qualität. Die Bodenplatte zeigt schon einige Haarrisse rund um die Füße auf. Dabei habe ich nicht wirklich viel mit dieser Schreibmaschine geschrieben. Es gibt anscheinend keine Dämpfung zwischen Fuß und Bodenplatte, die die Wucht beim Hämmern auf die Schreibmaschine abmindert.

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Und auch das Metall scheint irgendein Weichmetall zu sein. Die Typen sowie der Farbbandwahlschalter und jener für das Einstellen der Anschlagsstärke lassen sich recht einfach verbiegen.

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Das Schreiben selbst ist eine Qual. Die Tastatur ist äußerst schwammig. Am Anfang fällt das einem nicht so auf, aber mit der Zeit ist das für die Hand äußerst irritierend und ermüdend. Man muss öfters pausieren, damit sich die Hand erholen kann.

Sieht man sich eine Schriftprobe der Traveller C an, fällt auf, dass die Großbuchstaben um eine halbe Stufe herabgesetzt sind. Zuerst dachte ich, dass das so gehört… dass das ein eigenwilliger Stil sei. Und irgendwie sieht das auch auch cool aus. Aber jetzt bin ich mir sicher, dass es einfach ein Fehler in der Höhenadjustierung ist.

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Beim Blick ins Innere fällt auf, dass die Mechanik sehr reduziert ist. Da ist so ein langes Gestänge, das eher sehr lose wirkt. Auch bei anderen Maschinen habe ich so ein Gestänge gesehen, aber es war viel kürzer und hatte nur einen kurzen Weg zu erledigen. Es wirkt bei den anderen Maschinen viel mehr ineinandergreifend, viel präziser. Bei der Traveller C wirkt es, als wäre es lose eingehängt und hätte die Hauptarbeit zu erledigen.

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Überhaupt scheint es mir, als würde es bei der Traveller C vor allem ums Reißen gehen. Die Typen werden mit voller Wucht auf das Papier geschleudert. Und nicht nur das: Während die Typen bei anderen Schreibmaschinen wie der Hermes 3000 brav in ihre Ausgangsposition zurückkehren und dort verharren, saust bei der Traveller C die Type zwar zurück, prallt aber in der Ausgangsstellung ab und wird wieder die Hälfte des Wegs zurückgeschleudert, bevor sie in ihre Ruheposition zurückfällt. Mechanische Präzision ist das jedenfalls keine.

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Nun bleibt mir nur noch, dieser seltsam misslungenen Maschine Lebewohl zu sagen. Eigentlich wollte ich sie aus Designgründen noch aufbewahren. Aber irgendwie bin ich ständig frustriert, wenn ich sie auseinandernehme und erst ein bisschen herumwerkeln muss, bis alles passt. Ich glaube, ich werde sie ein paar Kindern überlassen, damit sie das mal ausprobieren können. Bis dahin werde ich die Olympia Traveller C in ihr Cover schließen und nicht mehr hervorholen.

Rodja

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Matthias schreibt auf einer Twen T180 Plus

Ich muss zugeben, seit ich mich wieder für Schreibmaschinen interessiere, ist mir noch nie der Gedanke gekommen, eine elektronische Schreibmaschine mit Display, Memory und Korrekturfunktion zu kaufen. Elektrische Maschinen ja, aber elektronisch? Da könnte ich mir ja gleich einen Computer kaufen… Dabei war es damals in der Handelsschule wirklich eine wahnsinnige Erleichterung, als wir von elektrischen auf elektronische Schreibmaschinen umstiegen.

Dass ein Vergleich elektronische Schreibmaschine versus PC durchaus angebracht ist, zeigt nun der folgende Text von Matthias (Nachname der Redaktion bekannt). Er schreibt auf einer Twen – und soviel ich mitbekommen habe, ist das eine Schreibmaschine, die durch die Resteverwertung der Markenrechte der Traditionsmarke Triumph-Adler entstanden ist. Irgendwie ist da die Firma Bandermann darin involviert – und das muss ich mir für einen späteren Artikel merken.

Doch nun zurück zum Erfahrungsbericht von Matthias, der mir irgendwie Gusto auf eine elektronische Schreibmaschine gemacht hat. Danke!

Der Text wurde übrigens in Papierform mit der Post zugestellt.

– – –

Irgendwie bin ich hier ja ein wenig der Außenseiter. Ich habe keine mechanische Schreibmaschine, sondern schreibe auf einem modernen Plastikbomber. Teils meinten auch schon Freunde zu mir, dass das dann ja schon fast so wäre, als würde man am PC tippen. Tatsächlich ist es das eben nicht!

Aber viel größer ist doch die Frage: Wie kommt man überhaupt dazu, im Jahre 2018 auf einer elektronischen Schreibmaschine zu schreiben? Gerade dann, wenn man noch keine 30 Jahre alt ist?

© Matthias

Gekauft hatte ich mir damals eine gebrauchte TA T110. Leider kannte ich mich mit dem Gerät nicht so gut aus (bin ja erst im Computerzeitalter geboren worden) – und eine Bedienungsanleitung lag leider auch nicht bei. Ich musste mich da also reinfuchsen und irgendwie machte es Spaß, darauf zu tippen. Leider machte irgendwann das Typenrad schlapp und auch die Korrekturfunktion funktionierte nie so wirklich wie sie sollte. So verschwand die Maschine irgendwann auf dem Sperrmüll und einige Zeit verging.

Einige Jahre dann später brachte mich eine erneute Schnapsidee auf den Gedanken, mir wieder eine Schreibmaschine anzuschaffen. Eben die Twen T180 Plus, auf der ich diesen Text hier tippe.

Am Computer zu schreiben empfand ich nämlich als unangenehm. Schnell bin ich dazu geneigt, mich am PC abzulenken. Man will nur schnell was nachgucken – und wenn man dann schon mal den Browser offen hat, kann man doch schnell da oder dort vorbeischauen. Und zack, ist der halbe Nachmittag rum, ohne dass man was Produktives gemacht hat. Daran wollte ich was ändern. Während andere einfach das Internet so lange ausmachen, um dem Problem zu begegnen, mache ich Nägel mit Köpfen und holte mir eine nagelneue Schreibmaschine aus dem Bürofachmarkt.

© Matthias

Zuhause angekommen, habe ich mich direkt ans Werk gemacht und an meiner Prüfungsvorbereitung für die Uni weiter getippt. Und… ich bereute nichts. Das Problem mit der Ablenkung war einfach nicht mehr da. Außerdem musste ich sehr viel mehr über das, was ich schreiben wollte, nachdenken.

Was erstmal wie ein Nachteil klingt, ist in Wirklichkeit keiner: Dass man nicht mehr den Luxus hat, eine halbe Seite einfach zu löschen oder irgendwo zwei, drei Sätze noch reinzuquetschen, nötigt einen dazu, sich wesentlich intensiver mit dem, was man schreiben möchte, auseinanderzusetzen.

Außerdem ist es mit der Schreibmaschine in vielen Situationen viel leichter und flexibler: Schnell mal eine Postkarte oder einen Briefumschlag tippen: Bis ich mit dem Tippen am Computer anfangen kann und ihn ausgedruckt habe, habe ich den Brief mit der Schreibmaschine längst fertig getippt.

© Matthias

Ich muss zugeben, dass ich immer wieder Richtung mechanische Schreibmaschine äugle. Irgendwie hat das so seinen speziellen Charme! Aber eine elektronische Schreibmaschine bietet einem nicht unerhebliche Vorteile:

Zum Beispiel kann ich problemlos im Text korrigieren. Falls ich mich mal vertippt haben sollte, kann das Korrekturband den Buchstaben wieder entfernen. Natürlich kann ich damit nicht wirklich ganze Absätze löschen. Nun ja… theoretisch ginge das, aber es würde in der Praxis nicht so viel Sinn machen. Aber genau diese Tatsache kann man als einen nicht ganz unerheblichen Vorteil sehen.

© Matthias

Außerdem kann ich durch das Typenrad auch zwischen unterschiedlichen Schriftarten wechseln. Zum Beispiel ist dieser Text hier mit „Pica 10“ geschrieben worden.

Standardmäßig ist die Twen T180 Plus aber mit der Schriftart „Letter Gothic“ ausgestattet. Diese kann man auch auf 12er Teilung umstellen. Dann wird der Text enger gedruckt und sieht dadurch kleiner aus. Für eine etwas persönlichere Note kann man auch das Typenrad „Script“ einlegen.

© Rodja Pavlik

Den größten Vorteil, den die Schreibmaschine mir aber bietet, habe ich noch gar nicht genannt. Lustigerweise passt der auch genau zum Werbeslogan, den Twen zur Vermarktung der T180 Schreibmaschinenreihe nutzt: „Freude am Schreiben. Kann man kaufen!“ Denn tatsächlich macht es einfach unglaublich Spaß, auf der Schreibmaschine zu tippen!

Auch ein Freund von mir, der es erstmal irgendwie affig fand, eine Schreibmaschine zu nutzen, die fast wie ein Drucker mit Tastatur aussieht, musste nach wenigen Minuten zugeben: „Irgendwie verrückt, aber… das macht total Spaß, auf dem Ding rumzutippen.“

© Matthias

Auf jeden Fall ist es schon allein auch aus dem Grund sehr schön, dass es elektronische Schreibmaschinen nach wie vor neu zu kaufen gibt. Sogar mit Display und Speicherfunktion.

Ich hoffe, das bleibt auch noch lange so, sollte meine Twen irgendwann mal in Rente gehen.

Matthias