Wiedersehen mit Erika – Sonderausstellung für eine Schreibmaschine

Hinweg mit Tint‘ und Feder,
mit Erika schreibt jeder

Die Erika der Firma Seidel & Naumann gilt als die meisthergestellte Kleinschreibmaschine Deutschlands. Nun bietet das Esche-Museum in Limbach-Oberfrohna vom 16. Juni bis 15. Oktober 2017 (Eröffnung 15. Juni 2017, 18 Uhr) eine Sonderausstellung zu diesem Kapitel sächsischer Industriegeschichte.

© Robert Doerfler

Die Exponate werden von Reinhold Schubert zur Verfügung gestellt. Was mich aber besonders freut, ist, dass der Schreibmaschinen-Maler Robert Doerfler (der hier ja schon öfters vorgestellt wurde) einige seiner Bilder ebenfalls im Rahmen der Schau ausstellt.

Das obige Bild stammt übrigens aus Roberts Oeuvre. Eine Erika, getippt auf einer Erika – das hat ja was Eschereskes an sich. (Höhöhö… got it? Escheresk… Esche-Museum… Ach, vergesst es!!)

Übrigens hat Robert in Zukunft Großes vor. A4 wird ja mit der Zeit auch langweilig. Aus dem Grund hat er sich auch eine Breitbandschreibmaschine von Wanderer Continental besorgt. Damit sind Bilder in A3 und A2 möglich.

© Robert Doerfler

Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie Robert bei der Arbeit an einem solchen Bild ausschaut…

Rodja

INFO: http://www.esche-museum.de, http://typewriter-art.de

Die Schreibmaschine als Deko

Auf der Suche nach Spuren der Schreibmaschine in der heutigen Zeit habe ich mir auch die klassischen Versandhäuser einmal näher angeschaut Als ich ein junger Bursche war, gingen in unserem Gemeindebau die dicken Kataloge der Versandhäuser um – die Bibeln des selig machenden Konsums wurden von Haushalt zu Haushalt gereicht. Eine Hausfrau bestellte den Katalog, andere borgten ihn sich aus.

Ich war fasziniert von den ganzen Sachen, die es da gab. Stereoanlagen, Platten, Spielekonsolen (und da rede ich von Atari und Activision), Video-Recorder (Video 2000, Betamax, VHS) – und auch Spielfilme! Und ich war so unschuldig damals, dass ich mir rein gar nicht vorstellen konnte, wie dieser „Massagestab“ funktionieren sollte. Massage ja, aber wie soll dieser Stab auf dem Rücken funktionieren? Und warum wurde ein diskreter Versand versprochen?

Aber ich schweife ab. Der Versandhandel und die Schreibmaschine haben ja eine gemeinsame Historie. Man nehme z.B. die Neckermann Brillant Junior, die eigentlich eine in der DDR hergestellte Groma Kolibri ist, die Neckermann quasi als Eigenmarke verkaufte. (Kleiner Exkurs: Vor Jahren bin ich über die Doku „Die Akte Joel“ über den unheilvollen Konnex zwischen Neckermann und US-Popstar Billy Joel („Uptown Girl“) gestoßen.)

Wieder zurück zum Thema. Natürlich nahm ich an, dass die Versandhäuser noch immer Schreibmaschinen verkaufen. Aber eher diese modernen, elektronischen – mit Zeilenspeicher und Korrekturfunktionen. Und damit hatte ich teilweise Recht. Neckermann hat solche, Otto wiederum nicht.

Womit ich allerdings auch nicht gerechnet habe, ist, dass z.B. das Versandhaus Otto die Schreibmaschine als Dekorations-Objekt verkauft. Das machte mich neugierig. Waren das echte Schreibmaschinen? Und woher bekam Otto die?

Die Spur führte zum Zulieferer, dem Versandhandel Heine, der die Schreibmaschinen um rund 180 Euro (exkl. Versandkosten) auch direkt vertreibt. Über das Deko-Objekt schreibt Heine auf seiner Homepage: „Ob eine Originalschreibmaschine von zum Beispiel Orga, Continental, Optima oder Olympia, alle verschönern einen Schreibtisch, ein Regal, eine Kommode, etc. auf außergewöhnliche Art und Weise. … Die Schreibmaschinenmodelle lassen sich herrlich in viele Wohnstile integrieren. So harmonieren sie wunderbar mit Einrichtungen im Kolonialstil, im Shabby-Chic oder im romantischen Stil.“

Screenshot

Screenshot

Die Schreibmaschine quasi als funktionsloses Möbelstück, als modisches Accessoire? War das ein neuer Trend? Auf Nachfrage bei Heine erfuhren die Schreibmaschinisten: „Alte Raritäten wie Schreibmaschinen oder Nähmaschinen sind aktuell sehr gefragt, natürlich schön anzuschauen und etwas Besonderes, wofür Heine steht.“ Die Maschinen werden dabei anscheinend nur oberflächlich restauriert: „Unser Lieferant arbeitet die Maschinen auf, damit man zwar ein antikes Stück in Händen hat, aber die Optik trotzdem schön anzusehen ist.“

Welche Schreibmaschine der Kunde genau bekommt, weiß er im Vorhinein nicht. Nur die ungefähren Eckdaten – Gusskorpus, H/B/T ca. 24/40/34 cm – bekommt er, damit er sich schon mal Gedanken machen kann, wo er die Schreibmaschine aufstellen kann. Auf Nachfrage erklärte Heine: „Allgemein sind alte Schreibmaschinen schwierig zu bekommen und können sehr unterschiedlich im Aussehen sein. Damit unser Kunde so gut wie möglich weiß was ihn erwartet, haben wir uns entschieden uns auf gezielte Modelle zu konzentrieren.“ Dabei verspricht Heine Originale aus den 30er- und 40er-Jahren, also nicht unbedingt die schlechtesten Jahrgänge für eine Schreibmaschine.

Da die Schreibmaschine als reines Dekorationsobjekt verkauft wird, fragte ich mich, ob sie absichtlich entfunktionalisiert wird. Wie eine Pistole, die ja für Deko-Zwecke auch schussunfähig gemacht wird. „Wir verkaufen die Artikel als Dekoobjekt, da wir nicht dafür garantieren können, dass jede Maschine funktionsfähig ist. Sie werden allerdings nicht absichtlich funktionsunfähig gemacht“, so Heine. Das wollte ich dann doch noch etwas präziser haben. Hatte ich das richtig verstanden, dass die Schreibmaschinen – da nicht absichtlich stillgelegt – also im besten Fall reibungslos funktionieren könnten, im schlechtesten Fall eben nicht? Heine bejahte dies.

Wie das Produkt am Markt angenommen wird, beschrieb Heine so: „Spezielles Feedback unserer Kunden haben wir bis dato noch nicht erhalten, allerdings sind die Artikel gut nachgefragt, was ein positives Feedback ist.“

Rodja

INFO: www.heine.de