Ralf schreibt auf einer daro Erika

Auf den Geschmack gebracht hat mich der Betreiber des Schreibmaschinisten-Blogs selbst. Als ich auf Instagram auf den Freewrite stieß, wurde ich neugierig. Nein, nicht dass ich in Versuchung gekommen wäre, für eine Tastatur mit e-Ink-Bildschirm und Speicher 650 Euro auszugeben. Aber ich wollte wissen, was das für ein Teil ist. Also Tante Google gefragt und auf dem Blog der Schreibmaschinisten gelandet. Die Euphorie über dieses Schreibgerät konnte mich auch hier nicht anstecken, aber ich habe mich mit einem anderen Virus infiziert: Der Bewunderung schöner, alter Schreibmaschinen. Lieber würde ich meinen Text auf einem solchen Gerät herunter hämmern wollen, als auf diesem abgespeckten Computer.

Erinnerungen wurden wach. Meine erste Schreibmaschine war eine giftgrüne (Privileg?-)Reiseschreibmaschine. Sie wurde bald abgelöst durch eine elektrische Schreibmaschine. Beide sind in dem Moment verschwunden, als der (zwei Monatsgehälter teure) PC auf meinem Schreibtisch Einzug hielt. Dessen Nachfolger, ein ESROM-Laptop, der es vom Gewicht her locker mit der elektrischen Schreibmaschine aufnehmen konnte, war wie sein Vorgänger ein Schreib-Werkzeug.

Um ins Internet zu gehen, musste man umständlich ein Modem in die Telefonbuchse stöpseln und anschließend viel Geduld mitbringen. Immerhin hielt einen das davon ab, „mal eben schnell“ ins Netz zu schauen, während man schrieb. Heute ist die Ablenkung allgegenwärtig. Hat man der Versuchung widerstanden, das am Vortag Geschriebene gleich wieder zu editieren oder gar zu löschen, sorgt der Klingelton einer eingehenden Mail umgehend und zuverlässig dafür, die Arbeit am Text zu unterbrechen. Ich komme mir manchmal vor wie der berühmte Pawlow’sche Hund. Warum also nicht mal ein Instrument ausprobieren, mit dem man ausschließlich reine Textverarbeitung betreiben kann? Nein, ich meine nicht dieses elektronische Gerät namens Freewrite, sondern seinen mechanischen Vor-Vorgänger.

Nachdem mich einige der Artikel der Schreibmaschinisten erst richtig heiß gemacht hatten, begann ich, auf dem bekannten Kleinanzeigenportal nach Schreibmaschinen zu suchen. Nur mal gucken, was man für so ein Teil heute anlegen muss.

© Ralf

Da ich nach der Wende in den ehemaligen Ostteil Deutschlands gezogen bin (eine andere Geschichte), bestand das regionale Angebot überwiegend aus Fabrikaten des Herstellers Robotron. Diesen volkseigenen Betrieb (der inzwischen lange abgewickelt ist) kannte ich bisher nur als Hersteller von Computertechnik. Aber egal. Also eine Robotron Cella. In edlem Schwarz, sowohl der Transportkoffer als auch die (Reise-)Schreibmaschine selbst. Wie neu blitzte sie mich auf den Verkaufsfotos an. Für kleines, für ganz kleines Geld: 20 Euro sollte das Prachtstück kosten. Also angefragt – und enttäuscht. Schon weg. Eh klar! Also weitersuchen.

Eine daro Erika (Anm.: daro steht für Datenverarbeitung, Automatisierung, Rationalisierung, Organisation) stach mir ins Auge, Hersteller Seidel & Naumann, später Robotron. Für einen ganz kleinen Taler – 10 Euro wurden aufgerufen. Und mit meiner Erika mache ich nun wieder meine ersten Versuche, wie früher im Zweifinger-Adler-Suchsystem. Der erste Text, der darauf entstand, war dieser Beitrag hier. Zur Strafe, dass er mich mit dem Virus angesteckt hat, wollte ich Rodja diesen Text als Typoskript zukommen lassen, aber ich habe es dann doch bei einem Foto und einer WORD-Datei belassen.

Spaß beiseite: Ich bin Rodja dankbar für die Arbeit, die er in seinen tollen Blog gesteckt hat und für die Inspiration aus den Artikeln.

Ralf

Die Schreibmaschine im Sat.1-Frühstücksfernsehen

Frühstücksfernsehen… was für eine kranke Scheiße ist das denn? Will wirklich jemand ständig fröhliche Menschen sehen, wenn man selbst sich gerade grummelig einen Kaffee oder seinen Kindern das Frühstück macht?

Egal, hier geht es um die Schreibmaschine – und das Frühstücksfernsehen auf Sat.1 hat die Generation Y befragt, ob sie mit einer Schreibmaschine umgehen kann. Herausgekommen ist dieser kleine, aber nette Beitrag mit einer Erika Schreibmaschine. Interessant fand ich, dass eine der Personen anscheinend den Touchscreen vom Smartphone so sehr gewohnt ist, dass sie nicht auf der Tastatur tippen kann.

Rodja

PS: Man entschuldige bitte meine unflätige Flucherei…

Wiedersehen mit Erika – Sonderausstellung für eine Schreibmaschine

Hinweg mit Tint‘ und Feder,
mit Erika schreibt jeder

Die Erika der Firma Seidel & Naumann gilt als die meisthergestellte Kleinschreibmaschine Deutschlands. Nun bietet das Esche-Museum in Limbach-Oberfrohna vom 16. Juni bis 15. Oktober 2017 (Eröffnung 15. Juni 2017, 18 Uhr) eine Sonderausstellung zu diesem Kapitel sächsischer Industriegeschichte.

© Robert Doerfler

Die Exponate werden von Reinhold Schubert zur Verfügung gestellt. Was mich aber besonders freut, ist, dass der Schreibmaschinen-Maler Robert Doerfler (der hier ja schon öfters vorgestellt wurde) einige seiner Bilder ebenfalls im Rahmen der Schau ausstellt.

Das obige Bild stammt übrigens aus Roberts Oeuvre. Eine Erika, getippt auf einer Erika – das hat ja was Eschereskes an sich. (Höhöhö… got it? Escheresk… Esche-Museum… Ach, vergesst es!!)

Übrigens hat Robert in Zukunft Großes vor. A4 wird ja mit der Zeit auch langweilig. Aus dem Grund hat er sich auch eine Breitbandschreibmaschine von Wanderer Continental besorgt. Damit sind Bilder in A3 und A2 möglich.

© Robert Doerfler

Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie Robert bei der Arbeit an einem solchen Bild ausschaut…

Rodja

INFO: http://www.esche-museum.de, http://typewriter-art.de

Schreibmaschinen-Ersatzteile aus dem 3D-Drucker

© 3D Typewriter Parts.com

Schreibmaschinen sind an und für sich unkaputtbar. Pflegt man sie gut, halten sie ewig. Pflegt man sie nicht, halten sie unter Umständen auch ewig. Doch hin und wieder gibt es Teile, die verschleißen einfach. Die Füße zum Beispiel, oder der Drehknopf für die Walze. Oder die Farbbandspule. Im Glücksfall gibt es irgendwo noch eine baugleiche Schreibmaschine zum Ausschlachten – oft wird man da auch noch im Web fündig.

Aber da mechanische Schreibmaschinen kaum noch produziert werden – und die heutigen Schreibmaschinen kaum passende Teile für alte Maschinen aufweisen, ist diese Ressource begrenzt. Und hier könnte eine neue Technologie Abhilfe schaffen: Der 3D-Druck. Mittels eines detaillierten Plans werden Objekte schichtweise „gedruckt“ bzw. aufgebaut. Hat man also den Plan eines Schreibmaschinen-Fußes, kann man den beliebig oft ausdrucken.

Das Problem ist halt, dass man – neben der entsprechenden Hardware – auch diese Pläne haben sollte. Und hier kommt die Site 3dtypewriterparts.com ins Spiel. Die Webpage ist erst im Aufbau begriffen, beinhaltet aber bereits einige Pläne für u.a die Hermes Baby, die Erika 11 oder die Olivetti Lettera 32, um nur ein paar zu nennen. Hier gibt es keine Pläne von ganzen Schreibmaschinen, sondern eben von Einzelteilen, wie die vorhin genannten Füße und Spulen. Aber wer weiß, das kann sich mit zunehmendem Traffic auf der Seite auch ändern. Denn natürlich sind auch andere 3D-Druck-Spezialisten eingeladen, ihr Wissen und ihre Erfahrungen zu teilen.

Ich muss zugeben, dass ich mit 3D-Druck bis dato wenig am Hut hatte. Ich weiß zwar, dass es diese Technologie gibt, aber für meinen persönlichen Gebrauch hatte ich noch keinen Bedarf dafür. Allerdings finde ich es doch recht spannend, wie sich – nachdem die Industrie ja selbst kein Interesse an der Produktion von Schreibmaschinen hat – die Schreibmaschinen-Sammlerszene selbst Abhilfe schafft.

Rodja

INFO: http://3dtypewriterparts.com/

Wahre Schreibmaschinenkunst von Robert Doerfler

Wie man unschwer erkennen kann, habe ich mir ein neues T-Shirt gekauft.

Wie man unschwer erkennen kann, ist das Motiv momentan eines meiner Lieblingsmotive – eine Schreibmaschine.

Wie man schwer erkennen kann, wurde das Bild mit einer Schreibmaschine getippt.

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Schreibmaschine und Kunst – das hatte ich eigentlich immer in Richtung Literatur, Poesie, Drehbücher, und Theaterstücke verortet. Doch mittlerweile weiß ich schon mehr. So gibt es sogar Künstler, die mit der Schreibmaschine zeichnen können. ZEICHNEN! Und zwar so, dass sie mich beim Zeichnen mit Hand und Bleistift schlagen können. Das ist deprimierend, ist aber so.

So stieß ich auf die Werke von Paul Smith (den verstorbenen US-Künstlern kennt man vielleicht von diversen YouTube-Videos), Jorike van Werven oder Oi Doris.

Das T-Shirt oben ist von dem deutschen Künstler Robert Doerfler entworfen, der mit einer Brother Deluxe 1300 oder einer Erika arbeitet. Und ich muss sagen, ich bin schwer beeindruckt. Nicht nur, dass Robert sehr fein zeichnet/tippt/oder wie man auch immer das nennen mag, nein, der Chemnitzer gewährt auch Einblicke in seine Arbeit mit Making Of-Videos. Für den schwedischen Elektronikmusiker Anders Carlsson alias Goto80 entwarf er ein Cover für dessen neueste Musikkassette (!!!).

Und Robert experimentiert anscheinend auch gerne. So hat er z.B. ein Stop-Motion-Video (siehe unten) mit 44 getippten Zeichnungen gestaltet.

Wie kommt man denn bitte auf solche Ideen?!? Großartig.

Rodja

INFO: http://typewriter-art.de/

The creation of…

Typewritten stop motion…

Goatwriter!

Warum konnte ich daran nicht einfach vorbei gehen?

Ja, warum bloß?

Das Notzibüchlein habe ich bei „Graf und Gräfin vom Raimundhof“ erstanden, ein Geschäft, das man als willensschwacher Mensch übrigens meiden sollte. Selbst wenn man nur kurz mal reinschauen will… so einfach kommt man da nicht heraus. ;-D

Und eine Schreibmaschine steht auch noch drinnen.

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Es ist ja nicht so, dass ich als angehender Bestseller-Autor unter einem Mangel an Notizbüchern leiden würde. Im Gegenteil, sie stapeln sich bei mir daheim – ob No Name oder Moleskine oder Moleskine-Kopien. Das Problem… sie sind noch immer leer.

Wie bei Schreibmaschinen bin ich auch bei Notizbüchern dazu geneigt, das perfekte Ding zu suchen. Klein, aber nicht zu klein, praktisch, robust, nicht zu starr, dass es gegen die Schreibhand drückt, wenn’s geht auch Hochwasser-abweisend, selbstschreibend (ich geb’s zu, das habe ich gerade erfunden – aber Ihr versteht, in welche Richtung es geht). So haben sich schon viel zu viele Notizbücher bei mir angesammelt und harren ihrer Bestimmung.

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Dabei schleppe ich eh immer brav ein Notizbüchlein mit mir herum und schreibe auch meine Gedanken und Ideen rein. Eine Methode, die ich zu meinen Hochzeiten (Hoch-Zeiten) als Comic-Zeichner angewandt habe, als ich immer wieder Geistesblitze von Ideen und Gags hatte. Meistens kurz vor dem Einschlafen. Da musste ich mich zwingen, aufzuspringen und den Gedanken aufzuschreiben. Wenn ich es nicht getan hätte, wäre ich am nächsten Tag aufgewacht und hätte gewusst, dass ich da eine geniale Idee hatte, aber ich hätte sie nicht mehr so pointiert rekonstruieren können. So bin ich dann doch auf über 500 Comic-Strips gekommen.

Rodja

INFO: www.graefinvomraimundhof.at

PS: Die Schreibmaschine auf dem Foto ist übrigens eine Erika 8, meine (aktuell) letzte Anschaffung. Endlich habe ich eine Schreibmaschine mit diesen silbernen Ringen. Das Tippen macht großen Spaß damit.

Die „falsche“ Erika 10

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Ach herrje, was für ein „Reinfall“.

Ein Drehbuchautor hat mir vor kurzem seine letzte Errungenschaft gezeigt, eine Erika 10. Und sofort war ich hin und weg. Das Tippen, das Drehen an der Walze, das sich anhört, als würde man am Zahlenschloss eines Tresors drehen. Vor allem das Öffnen der Haube. Man drückt einen Knopf – und wie bei einem Auto die Motorhaube öffnet sich auch die Schreibmaschine quasi selbstständig. So etwas will ich natürlich auch haben. Praktisch, dass auf Willhaben auch eine um 25 Euro angeboten wurde. Allerdings… die sah doch ein bisschen anders aus.

Dennoch bestellte ich sie – und bekam tatsächlich eine wunderschöne Maschine. Aber leider keine Automatik des Hauben-öffnens. Auf dem Deckblatt der Bedienungsanleitung stand Erika 10 – allerdings aber nur dort. Auf der Innenseite stand nämlich Erika 11. Ein kurzer Check im Internet, und schon musste ich feststellen, dass die Erika 11 – obwohl eine höhere Modellnummer – doch nur eine um mehrere Features abgespeckte Version der Erika 10 ist. Keine „Motorhaube“, kein Tabulator.

Bin ich also enttäuscht? Nun, eigentlich nicht. Denn die schwarze Erika 11 zeichnet sich vor allem durch eins aus: Eleganz. Sie ist tatsächlich die eleganteste Schreibmaschine in meiner kleinen Kollektion. Sollte ich mal Fotos von mir als Journalist/Schriftsteller/Drehbuchautor machen lassen, dann wird sie es sein, vor der ich sitzen werde. 😀

Rodja