Im Farbrausch

Auf den tippenden Straßenpoeten Luke Winter bin ich bereits 2017 gestoßen, als der Brite über Crowdfunding sein Buch „Stories for Strangers Vol. II“ (hätte eigentlich „Stories while they waited No.2“ heißen sollen) finanziert bekommen wollte. Ich spendete einen Betrag – und bekam dafür auch das fertige Buch.

© Rodja Pavlik

Vor kurzem wurde ich dann über einen Blogeintrag des Australiers Robert Messenger wieder auf Luke Winter aufmerksam. Was ich nämlich nicht wusste: Der Poet fertigt nämlich auch ganz besondere Farbbänder für Schreibmaschinen an.

Farbbänder… Ich kenne viele Schreibmaschinen-Nutzer, die nur eine Farbe haben wollen. Damit können sie doppelt so viel auf Schwarz/Weiß tippen als mit einem zweifärbigen. Ich wiederum nutze, wenn es geht, zweifärbige Bänder. Man kann damit einem Text zusätzliche Nuancen verleihen. (Zu den Vorteilen von zweifärbigen Bändern aber ein anderes Mal.)

Luke Winter bietet nun ganz besondere Farbbänder an – und zwar mehrfärbige. D.h., auch mehr als zwei Farben. Und die Farben sind nicht untereinander, sondern nebeneinander. Man kann nicht zwischen zwei Farben wählen, indem man einfach auf die jeweilige Farbspur umschaltet, sondern geht beim Tippen jede Farbe durch. Dadurch erscheint der Text auch so schön bunt. Multi-colour-Farbband, sozusagen. Oder, wie Luke Winter sie nennt, Rainbow Typewriter Ribbons.

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Auf seiner Homepage, wo er auch seine Bücher vertreibt, bietet er die Rainbow Typewriter Ribbons um 14 britische Pfund (4 m) und 18 britische Pfund (8 m) an (exkl. Versandkosten).

Die Idee gefiel mir ganz gut, allerdings habe ich nicht unbedingt gute Erfahrungen mit custom made Farbbändern gemacht. Das Anliegen in Ehren, aber die Leute, die oft dahinter stecken, haben oft nicht die Expertise, geschweige denn das nötige Equipment, um gute Farbbänder herzustellen. Ich habe schon mal einige custom made-Farbbänder bestellt, die Qualität war nicht besonders berauschend. Vor allem trocknete die Farbe schnell aus.

Dennoch orderte ich Luke Winters Rainbow Typewriter Ribbons, weil ich die Idee an sich gut, neu und unterstützenswert finde. Sie bringt Farbe und ein bisschen Frische in die Typosphere.

© Rodja Pavlik

Der Versand funktionierte auch rasch und tadellos. Bekommen habe ich zwei kleine Schachteln mit offenen Farbbändern und einer kleinen Beschreibung. Normalerweise bekommt man ja die Bänder in Folie eingeschweißt, damit sie nicht austrocknen. D.h., Luke Winters Farbbänder sind wohl für den baldigen Gebrauch gedacht.

Für das reine Rainbow Typewriter Ribbon sollte der Käufer selbst zwei Original-Schreibmaschinenspulen parat haben. Nicht diese Einweg-Plastik-Einwegspulen, wie man sie beim Kauf eines normalen Farbbandes bekommt, sondern jene Spulen, die als Original-Zubehör bei älteren Maschinen manchmal zu finden sind. (Wenn sie nicht weggeschmissen wurden.) Die sind aus Metall und haben meist einen Widerhaken, an dem man das Farbband aufspießen/befestigen kann.

Ich beschloss, das Farbband auf einer kürzlich erstandenen Triumph Durabel zu testen. Auf deren Spulen wickelte ich das Rainbow Typewriter Ribbon auf. Um nicht zu schmutzig zu werden, benutzte ich Einweg-Küchenhandschuhe. Ein bisschen kommt man sich da auch wie ein Chirurg vor.

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Die Installation verlief recht problemlos. Und dann tippte ich darauf los. Zuerst einzelne Sätze – aber da kamen die wechselnden Farben zu wenig zur Geltung. Also schrieb ich eine längeren Text. Am Anfang war die Farbe noch recht schwach, aber wenn man ein bisschen ins Tippen kam, wurde es besser. Und wenn man mehrere Zeilen geschrieben hat, dann kann man sich schon einen ersten Eindruck machen.

Auf den ersten Blick bietet sich auch ein wirklich gefälliges, farbenfrohes Schriftbild. Nur wenn man etwas genauer schaut, merkt man, dass die Buchstaben nicht immer perfekt abgedruckt werden. Auf Anfrage meinte Luke Winter, dass es damit zusammenhängen könnte, dass ein frisches Farbband noch zu viel Farbe hat. Erst nach einiger Benützung würde sich das einpegeln und ein schärferes Schriftbild ergeben.

Ich muss noch hinzufügen, dass meine Triumph Durabel wahrscheinlich auch gewartet gehört, deswegen kann ein Teil der farblichen Unzulänglichkeiten natürlich damit zusammenhängen, dass die Maschine nicht ganz einwandfrei arbeitet bzw. die Gummiwalze verhärtet ist.

Dennoch fiel mir auch bei Fotos von anderen Nutzern des Rainbow Typewriter Ribbon im Internet auf, dass ebenfalls eine gewisse Unschärfe der Buchstaben vorhanden ist.

© Rodja Pavlik

Fazit: Im Großen und Ganzen bin ich mit dem Produkt von Luke Winter zufrieden. Gut, einen Artikel oder ein Buch werde ich damit nicht schreiben, aber für spezielle Sachen wie Briefe kann ich mir den Einsatz des Rainbow Typewriter Ribbon durchaus vorstellen. Würde ich es noch einmal bestellen? Definitiv ja. Es bietet doch einen gewissen Schauwert.

Rodja

INFO: Luke Winter: www.storiesforstrangers.com, https://prancepress.ecwid.com; Rainbow Typewriter Ribbon: Direkt-Link Edit: Ach, so etwas von bad timing. Gerade erfahren, dass Luke Winter für ein Monat nach Griechenland geht – und erst ab März wieder liefern kann. 😦

Postkarten-Challenge III – Advanced Version 2019

Kurzmitteilung

Das Jahr 2018 neigt sich dem Ende zu – und wie aufmerksame Leser richtig vermuten, so auch der Norwegen-Kalender meiner Postkarten-Challenge 2018. Wie voriges Jahr hatte ich mir auch heuer vorgenommen, jede Woche eine Karte zu schreiben. Und ich muss sagen, dass ich im Endspurt eigentlich ganz gut bin – nur noch sechs Karten übrig (ja, ich weiß, ist nicht ganz genau – aber ich bin zuversichtlich, dass ich das bis zum 31. Dezember schaffen werde.

Es ist also Zeit, sich Gedanken für das nächste Jahr zu machen – und auch da will ich mich einer Postkarten-Challenge unterziehen – aber mit ein bisschen mehr Herausforderung. Eine Advanced Version sozusagen. Diesmal gibt es sogar kleine Briefchen mit – von Fall zu Fall – kleinen Extras dazu. Dazu werde ich die Box „Typewriter Notes“ der US-Verlegerin Janine Vangool verwenden.

© Rodja Pavlik

Eine Box enthält 20 Notizzetteln, zusammengefaltet auf Polaroid-Größe, sowie 20 Briefumschläge. Auf den Zetteln befinden sich dann auch passenderweise Schreibmaschinen-Motive in Polaroid-Größe.

So eine Box habe ich mir schon 2015 zugelegt, bis dato aber nie verwendet. Damals fand ich die Motive einfach zu schön, als dass ich sie wirklich hätte verwenden wollen. Heute denke ich mir, dass es wohl keinen besseren Botschafter in Sachen Schreibmaschine gibt, als eben ein auf meiner Continental Silenta 1936 getippter Brief auf diesen Notizzetteln.

Und da ein Jahr mehr Wochen hat als Zetteln/Kuverts in einer Box sind, musste ich mir natürlich auch gleich mehrere Boxen auf Vorrat bestellen – und zwar drei. (So bleibt mir noch immer eine Box erhalten).

Zum Einsatz werden natürlich auch mein Schreibmaschinen-Stempel und ein Kalligraphie-Set kommen, an dem ich mich gerade versuche.

Wer also irgendwann im Jahr 2019 ein kleines Briefchen (mit vielleicht einem kleinen Extra) erhalten will, möge mir bitte seine postalische Anschrift an schreibmaschinist(at)gmx.at übermitteln.

Die Adresse wird nur im Rahmen der Postkarten Challenge III 2019 verwendet – und nach Gebrauch wieder gelöscht und nicht gespeichert.

Challenge III wird dann mit der ersten Jänner-Woche 2019 starten.

Bis dahin – falls ich hier nichts mehr veröffentlichen sollte – wünsche ich eine besinnliche Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Rodja

Vom Schwinden der Handschrift…

Ich muss zugeben, meine Handschrift ist eine Klaue – war sie immer schon. Und das obwohl ich seit der Schulzeit immer lieber mit der Füllfeder geschrieben habe – und das selbst zu einem Zeitpunkt, als man uns (für die meisten Schüler endlich) erlaubt hat, mit Kugelschreiber zu schreiben.

Ich hatte auch Brieffreundinnen, denen ich geschrieben habe. Natürlich mit der Hand. Erstens war mir Schreibmaschine in den 1980ern noch zu mühsam, zweitens galt das zu unpersönlich, weil Geschäftsbrief-mäßig. Heute schreibt man E-Mails, Chat-Nachrichten oder SMS ohne solche Gewissensbisse in Sachen Stil zu haben. Im Gegenteil: Schreibt man einen Brief mit der Schreibmaschine (statt mit dem Computer), gilt das schon als etwas Besonderes.

Für meine Challenge „Eine Postkarte die Woche“ schreibe ich in Blockschrift. Erstens, weil ich mich für meine Handschrift schon ein bisschen geniere (sie hat teilweise noch so etwas Volksschulmäßiges an sich), zweitens schreibe ich teilweise wildfremden Menschen, die meine Schrift nicht kennen – und eigentlich die Postkarten doch verstehen sollen.

Aber das Schreiben mit der Hand habe ich eigentlich nie ganz aufgegeben. Ich schleppe immer ein Notizbüchlein mit mir herum, in dem ich erste Gedanken festhalte. Und das Notizbuch und die Füllfeder sind quasi immer einsatzbereit – und das ohne Aufrufen eines Programms und Abwarten der Ladezeit.

Aber vielleicht sollte ich trotzdem etwas mehr mit der Hand schreiben. Ich merke schon, dass sich meine Hand etwas verkrampft, wenn sie länger einen Stift hält.

Vor kurzem hat es auf ORF in der Sendung „kulturMontag“ einen sehr sehenswerten Beitrag über das Schwinden der Handschrift gegeben.

Rodja

Das Schwinden der Handschrift

Die Handschrift ist zu einem schwindenden Gut geworden. Viele bevorzugen die digitale Niederschrift ihrer Gedanken. Auch im Schulbereich entwickelt sich ein Trend hin zu elektronischen Unterrichtsmaterialien.

Adolf Mayer – Der Schreibmaschinen-Sammler

Irgendwie habe ich so ein Gefühl, dass Servus TV mein Stammsender wird. Ich mag die Doku-Schiene – und vor allem jene Beiträge, in denen man etwas über Brauchtümer, Land und Leute erfährt. Vor kurzem stellte der Sender nun in der Sendung „Servus am Abend“ den Schreibmaschinen-Sammler Adolf Mayer vor – und mit dem hatte ich schon mal zu tun.

Als ich mit dem Blog angefangen habe, habe ich natürlich zuerst einmal im Internet recherchiert. U.a. stieß ich eben auch auf Adolf Mayer, der sogar eine eigene Website hat. Was mich besonders reizte: Er bot Reparatur-Workshops an. Über die Kontaktinformationen auf der Website versuchte ich den Niederösterreicher zu erreichen. Zwei, drei Mal habe ich es über E-Mail versucht, bevor ich ihn dann doch eines Tages anrief. Er war etwas überrascht von meinem Anruf, meinte, dass er eigentlich nie seine E-Mails lesen würde – und die Site von jemandem anderen für ihn gemacht wurde, er sie aber eigentlich nicht nutzen würde. Auch würde er gerade davor stehen, aus Altersgründen seine Sammlung aufzulösen. Ob ich nicht Interesse an ein paar Maschinen hätte? Ich muss sagen, ich war perplex. Eigentlich wollte ich mit ihm über Schreibmaschinen sprechen – und er offenbarte mir gerade, dass er quasi genug davon hat.

Ein paar Monate später berichtete das „Bezirksblatt“ davon, dass Mayer seine einzigartige Sammlung auflösen würde.

Doch nun kommt dieser Beitrag von „Servus TV“ – und da klingt das Ganze doch ein bisschen optimistischer. Ja, er hat Schreibmaschinen abgebaut, aber wenn dann doch ein Gustostückerl vorbeikommt, kann er wohl doch nicht Nein sagen. (Ich muss zugeben, das freut mich für Herrn Mayer sehr. :-D)

Rodja

INFO: http://www.buero-mayer.at/

The Secret Life of Fountain Pen Enthusiasts

Die Füllfeder.

Dass ich beim Schreiben wohl etwas anders bin, habe ich so ungefähr in der Handelsschule mitbekommen. Da sagte der Klassenvorstand zu uns, dass es ihr eigentlich egal sei, mit was wir schreiben – und dass wir ruhig Kugelschreiber verwenden könnten.

Da brandete ein riesiger Jubel auf – nur mir war es so ziemlich egal. Ich würde trotzdem bei meiner Füllfeder bleiben. Und tatsächlich, fortan schrieben fast alle meiner Kollegen mit Kugelschreiber, nur ich benutzte noch meine Parker-Füllfeder. Das zog sich dann durch meine Uni-Zeit bis jetzt ins Berufsleben. Aber meine persönliche Beziehungsgeschichte zur Füllfeder wird hier ein anderes Mal erzählt.

Da mein Sohn demnächst in die Schule kommt, überlege ich mir natürlich bereits, welche Füllfeder für ihn am besten wäre. Oder ob überhaupt so ein Gerät in der Volksschule überhaupt noch notwendig ist. Ich habe da schon von einigen Seiten gehört, dass die Handhabung von Füllfedern gar nicht mehr erwünscht ist, weil die Kleinen oft mit Tinte verschmierte Finger haben. Das überrascht mich nicht wirklich – und es schmerzt mich auch nicht so sehr, als wenn die Schreibmaschine für immer verschwinden würde. Aber dennoch möchte ich meinem Sohn einmal eine tolle Füllfeder schenken. Denn mir macht es mehr Spaß, damit zu schreiben als mit einem Kugelschreiber. (Ob es ihm Spaß macht, bleibt ihm überlassen. Weil er es bei mir gesehen hat, möchte er auch eine Füllfeder haben. Und eine Schreibmaschine sowieso – eine Princess 300.)

Vor kurzem bin ich auf „The Secret Life of Fountain Pen Enthusiasts“ gestoßen, ein dokumentarischer Kurzfilm der australischen Filmstudentinnen Lili Owen und Jaime Morice, die eben der Leidenschaft von Füllfeder-Fans nachgehen. Dabei stellen sie auch den Shop T. Sharp & Co. in Perth vor. Sehr sehenswert. Eigentlich wollte ich Lili Owen noch ein paar Interviewfragen stellen, aber nach einem kurzen Kontakt habe ich nichts mehr von ihr gehört. Nur so viel: Sie hat auch eine Schreibmaschine. 😀

Beim Anschauen des Films sind mir sofort zwei Sachen aufgefallen.

1. Eine der Verkäuferinnen erklärt, wie wichtig im Shop die Beratung ist. Dem kann ich nur zustimmen. Als ich meine letzte Füllfeder beim Miller (feiert übrigens 150-jähriges Jubiläum, wie Die Presse und Vienna Online zu berichten wissen) auf der Mariahilfer Straße gekauft habe, habe ich mir auch die Zeit genommen, mich beraten zu lassen und die Schreibgeräte auszuprobieren. Etwas, das über Internetportale wie Amazon nicht möglich ist. Und ich muss sagen, dass mir das sehr getaugt hat und dass ich mich gut aufgehoben gefühlt habe. Ich schreibe mit der neuen Füllfeder irrsinnig gerne – und benutze auch ein Tintenfass. Ja, so verwegen bin ich. Und auch dreckig. Aber es ist einfach ein eigenes Gefühl, damit zu schreiben.

Aber was es eben bei Füllfedern in einer Stadt oft mehrfach gibt (ein Geschäftslokal, das man betreten kann – und wo man die Geräte ausprobieren kann), ist bei Schreibmaschinen leider nicht mehr der Fall. Oft bleibt nichts anderes übrig, als über Internet zu kaufen. Diese Blindkäufe bergen natürlich ein gewisses Risiko. Und dass man einmal mehrere Schreibmaschinen hintereinander testen kann, ist – im Gegensatz zu Füllfedern – leider nicht möglich.

2. Mindestens eine Gemeinsamkeit gibt es aber zwischen Füllfedern und Schreibmaschinen. Man kann einen Fehler nicht mehr rückgängig machen. Entweder fängt man neu an – oder man arbeitet mit diesem Fehler. Eine Philosophie, der ich sehr wohl etwas abgewinnen kann.

Kleiner Schmunzler am Rande. Beim Interviewpart mit dem Musiker Jack wird ein Satz mit Füllfeder geschrieben: „The quick brown fox jumps over the lazy dog.“ Das ist eben jener Satz, mit dem im englischsprachigen Raum Schreibmaschinen auf ihre Funktionalität überprüft werden, weil darin so ziemlich jeder Buchstabe vorkommt.

Rodja