Zu Gast bei Schreib-Coach Ronny Rindler

Rodja killed the Youtube-Star… oder so ähnlich

© Ronny Rindler/Youtube Screenshot

(Ja, auf dem Screenshot steht Richard Polt – aber ich versichere Euch, dass ich es bin.)

Vor kurzem bin ich über den in Wien lebenden deutschen Schreib-Coach Ronny Rindler gestolpert. (Himmel, wie oft ich schon im Internet über was gestolpert bin… ich muss mir echt eine andere Redewendung dafür einfallen lassen.) In einem Video auf seinem für Autoren und sonstige Schreiberlinge interessanten Youtube-Channel RINDLERWAHN schreibverrückt schwärmte Ronny von der „Schreibmaschine“ Freewrite, auf die ich eh schon lange ein Auge geworfen habe. (Allerdings ist sie mir zu teuer, das Bestellen zu umständlich – und die Sache mit dem Service ist mir auch ein bisschen zu unsicher.) Dennoch erachte ich den Freewrite beim Schreiben durchaus als nennenswerte Alternative zum PC und zur Schreibmaschine. Etwas, das ich weiterhin im Auge behalten werde.

Einige Aspekte, die Ronny in dem Video positiv hervorhob, kamen mir seltsam bekannt vor. Ja, genau, die Vorteile, die Ronny im Freewrite sieht, treffen auch auf das Arbeiten mit der Schreibmaschine zu. Ich schrieb Ronny an, denn ich wollte mich unbedingt über den Freewrite mit ihm austauschen. Und als Ronny hörte, dass ich ein überzeugter Schreibmaschinen-Fan bin, war auch er neugierig. Und so lud er mich vor die Kamera – und das Ergebnis ist hier zu sehen…

Zu Gast waren auch die Hermes 3000, die Hermes Baby und Ronnys Freewrite von Astrohaus. So war es mir auch möglich, einen kleinen, direkten Vergleich zu machen.

Es war eine sehr nette Plauderei – und da habe ich gemerkt, wie viel Spaß es macht, über Sachen zu reden, von denen man so richtig überzeugt ist.

Gedreht wurde übrigens in der Buchhandlung Frick in der Schönbrunner Straße 261, 1120 Wien, wo Ronny auch einige Schreibkurse abhält.

Das T-Shirt, das ich trage, ist übrigens von Schreibmaschinenkünstler Robert Doerfler, der das Bild getippt hat. (Nur, falls jemand so exklusiv herumlaufen möchte. Das ist keine bezahlte Werbung, das T-Shirt habe ich schön brav selbst gekauft.)

Rodja

PS: Ronny stellte freundlicherweise den Schreibmaschinisten das Video zum Freewrite vor einiger Zeit zur Verfügung (hier zu sehen).

INFO: Ronny Rindler: https://www.rindlerwahn.de. Auf Youtube: RINDLERWAHN schreibverrückt

Ronny schreibt auf einem Freewrite

Leser dieses Blogs wissen, dass ich für Schreib-Alternativen zum Laptop oder PC offen bin. Ich bin nicht nur auf Schreibmaschinen fixiert, ich mag auch Füllfedern und Bleistifte. Und auch neue Möglichkeiten, wie der reine Schreib-Computer Freewrite von Astrohaus bzw. dessen kleinen Bruder Traveler, reizen mich. Über beide habe ich hier auch mehrmals kritisch geschrieben. Also kritisch im Sinne von: Was finde ich positiv, was finde ich negativ. Aber das alles rein theoretisch, weil ich das Ding ja nie in der Hand gehabt habe.

© Astrohaus

Ich habe zwar bei der Crowdfunding-Aktion für den Freewrite (damals noch Hemingwrite) mitgemacht, letztendlich aber mein Angebot zurückgezogen. Ich war mir unsicher, ob der Freewrite auch wirklich das Gerät ist, das meine Kreativität unterstützt, oder ob es andere, kostengünstigere Alternativen auch tun?

(Spoiler: Ja, andere, kostengünstigere Alternativen tun es individuell auch. Für mich tat es eine Schreibmaschine um 15 Euro. (Okay, dann wurden es ein paar Schreibmaschinen mehr, aber theoretisch hätte mir die eine genügt. ;-))

Das Problem beim Freewrite ist… Man kann das Gerät hierzulande nicht einfach so testen gehen. Man muss es in den USA teuer ordern und auf das Beste hoffen. Insofern bin ich wahnsinnig froh, wenn ich auf deutschsprachige Autoren stoße, die den Freewrite nutzen und noch dazu ein kleines Review abliefern. Wie eben Ronny Rindler.

Ronny Rindler ist ein deutscher Schauspieler und Musical-Star, der u.a. in der Europa-Premiere von „Dirty Dancing“ und der Welt-Premiere des Udo-Jürgens-Musical „Ich war noch niemals in New York“ auftrat. Seit einigen Jahren nun lebt Ronny in Wien-Penzing. Mittlerweile ist er unter die Autoren gegangen und schrieb u.a. „toi, toi, TOT! – Hamburg Krimi“ und „Mörderische Nachbarschaft – 30 rasante Kurzkrimis“. Außerdem bietet er als Schreibcoach auf seiner Seite www.rindlerwahn.de mehrere Online-Kurse als auch Schreib-Cafés und Volkshochschulkurse in Wien an.

Ronny hat sich einen Freewrite geleistet – und ist sehr zufrieden damit. In einem Video, das er auf Anfrage auch den Schreibmaschinisten zur Verfügung stellte, erzählt er von den Vorteilen, aber auch von den Mankos dieser „elektronischen Schreibmaschine“. Ich persönlich hätte gerne noch ein bisschen mehr Tippen gehabt, damit ich ein Gefühl für das Haptische bekomme, aber das ist nur ein kleines Manko an dem Vorstellungsvideo.

Ich poste es hier unter „…schreibt auf einer…“ als auch „Alternativen“. Und irgendwie habe ich nach dem Clip wieder Lust, den Freewrite auszutesten. Ach, es juckt einfach in den Fingern…

Rodja

Crowdfunding für Traveler gestartet

Im August habe ich hier bereits über den Traveler, dem kleinen Bruder des Freewrite geschrieben. Nun hat das US-Unternehmen Astrohaus, wie angekündigt, eine Crowdfunding-Aktion auf Indiegogo gestartet.

Wie der Freewrite ist auch der Traveler ein Computer, der auf das für ein Textverarbeitungsgerät Nötigste abgespeckt wurde. Es gibt nur eine rudimentäre Internet-Nutzung (gerade so viel, dass man die Texte in der Cloud abspeichern kann), keine Spiele – und somit auch keine Möglichkeiten, beim Schreiben von E-Mail, Twitter, aufpoppenden Nachrichten oder Facebook abgelenkt zu werden. Der 6-Zoll-Bildschirm wird mit E Ink betrieben, was die Augen schont und weniger Strom verbraucht als herkömmliche Laptops. Laut Herstellerangaben kann der Traveler bis zu vier Wochen mit einer Akku-Ladung auskommen.

© Astrohaus

Technisch gesehen basiert der Traveler auf dem Freewrite. Er ist aber kleiner, leichter (0,8 Kilogramm im Gegensatz zu den 1,8 Killogramm des Freewrite), zusammenklappbar und leichter verstaubar. Allerdings hat der Traveler keine mechanische Tastatur wie der Freewrite. Trotzdem soll die Tastatur höchsten Schreibkomfort bieten. Durch diese Form hat der Traveler für mich aber sehr viel Schreibmaschinenhaftes – so wie es der Freewrite hat – verloren.

© Astrohaus

Eine entscheidende Änderung gibt es noch gegenüber dem Freewrite. Der Freewrite eignet sich vor allem für erste Entwürfe. Man kann nicht im Text herummanövrieren und irgendwo noch einen Text einfügen. Nein, dieses Gerät ist eigentlich nur für „straight forward“ schreiben gedacht. Das ist wichtig für zum Kopf entleeren. Einfach raus mit den Wörtern. Bearbeiten kann man schließlich noch später am Laptop. Einzig mit der Backspace-Taste kann man Wörter löschen. Das mag für viele Schreiber komisch klingen, aber nachdem ich jetzt schon einige Zeit mit der Schreibmaschine gearbeitet habe, kann ich diesem Argument durchaus etwas abgewinnen.

Aber nicht jedem Autor liegt diese Arbeitsweise. Und anscheinend gab es bei Astrohaus genügend Beschwerden, um ein Umdenken einzuleiten. Nun kann man mittels Shift + Tastenkombination W A S D herummanövrieren und Wörter oder Texte einfügen. Der Traveler ist also nicht nur für Entwürfe geeignet, sondern eben auch zum Bearbeiten. Und das ganz ohne störende Faktoren wie Facebook oder E-Mail.

(Da es sich bei dieser rudimentären Cursor-Funktion aber eigentlich um eine Software-Funktion handelt, könnte man dies – falls gewünscht – doch eigentlich auch beim Freewrite anbieten, oder?)

Im Gegensatz zur Schreibmaschine, wo man aber eine ganze A4-Seite überblicken kann, hat man hier nur ein paar Zeilen auf dem Bildschirm. Das finde ich für das Herummanövrieren schon ein bisschen unübersichtlich.

© Astrohaus

Astrohaus will nun mithilfe von Crowdfunding den neuen Traveler produzieren. Und das dürfte so gut wie sicher sein. Denn innerhalb weniger Tage nach Start der Aktion wurde die angestrebte Summe von 50.000 US-Dollar bereits um ein Mehrfaches überschritten (mit Stand 07.10.2018 derzeit bei gerundet 282.000 US-Dollar – und es sind noch 26 Tage Zeit). Wie beim Freewrite trifft auch der Traveler anscheinend einen gewissen Nerv bei den Leuten. Natürlich könnte man sich auch einen Laptop mit x-beliebigen und x-fachen Funktionen zulegen, aber anscheinend sehnen sich doch viele nach einem Gerät, mit dem man einfach nur schreiben kann.

Für 329 US-Dollar kann man sich schon so ein Teil sichern, regulär soll der Traveler im Handel später anscheinend 599 US-Dollar kosten. Weitere Perks sind zwei Traveler zum Preis von 558 US-Dollar und ein Set Freewrite + Traveler um 728 US-Dollar. Die erste Charge soll im Juni 2019 ausgeliefert werden.

Was mir schon bei anderen Crowdfunding-Aktionen aufgefallen ist (das ist nur als neutrale Anmerkung zu verstehen): Mir scheint, dass Crowdfunding immer mehr zu einem Art Bestellsystem verkommt. Man kann ein Stück (oder zwei) einer geplanten Charge bestellen.

Zwei Sachen, die mir beim Traveler vom Betrachten der Fotos und dem Durchlesen der Features aufgefallen sind. Erstens bin ich mir bezüglich des Winkels des Bildschirms nicht sicher, ob das angenehm ist. Auf der Crowdfunding-Site wird der Bildschirm mühelos aufgeklappt. Ist der Winkel aber regulierbar? Und hält die Scharniere auch bei ständigem Auf- und Zuklappen? Weil wenn ich mir den Winkel anschaue, mit dem die Frau unten im Bild arbeitet – das halte ich bei langem Arbeiten nicht gerade für angenehm.

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Zweitens: Ist die Tastatur auch für hierzulande geeignet? Soweit ich das erlesen konnte, unterstützt der Traveler die deutsche Sprache. Man kann ihn so einstellen, dass man auf Deutsch schreiben kann. Allerdings… es wird nur die englische Tastatur geliefert. Man kann also QWERTZ auf QWERTY schreiben. Wenn man blind schreibt, ist das vielleicht kein Problem (obwohl es mich beim ersten Blick auf die Tastatur schon irritiert). Auch hätte ich bei Sonderzeichen wie dem @-Zeichen oder dem „ß“ schon gerne eine visuelle Bestätigung, wenn ich kurz auf die Tastatur schaue.

Das finde ich schon etwas ärgerlich. Wieso ist es nicht möglich eine QWERTZ-Tastatur anzubieten? Beim Penna war das sofort möglich – und auch der QWERKYwriter, bei dem anfangs QWERTZ anfangs verweigert wurde, gab es bei einer späteren Generation die Option auf eine QWERTZ-Tastatur.

Und wenn man beim Traveler schon keine Tastatur anbieten will, warum kann man nicht so kleine QWERTZ-Sticker anbieten, die sich deutschsprachige Kunden selbst draufpicken können? Die müssen natürlich qualitativ gut sein, damit sie durch ständige Benutzung nicht abgenudelt werden, aber das sollte wohl doch zu schaffen sein.

Rodja

INFO: Crowdfunding-Site für Traveler auf Indiegogo: https://www.indiegogo.com/projects/traveler-ultimate-distraction-free-writing-tool#/; Freewrite: https://getfreewrite.com/; Astrohaus: https://astrohaus.com/

Traveler, der kleine Bruder von Freewrite

Es ist schon einige Zeit her, dass ich über den zum reinen Schreibgerät abgespeckten Computer Freewrite (damals noch unter dem Namen Hemingwrite) von der Firma Astrohaus geschrieben habe. Das war im Dezember 2014, da war gerade eine Crowdfunding-Aktion dafür angekündigt. Ich war richtig heiß auf das Ding, wollte es unbedingt haben.

© Astrohaus

Und nicht nur ich erkannte die vielen Vorteile, die das Gerät bot: Ein reines Textverarbeitungsgerät, das an eine Schreibmaschine erinnert, eine mechanische, leicht stufenförmig angeordnete Tastatur besitzt, einen E-Ink-Bildschirm hat und einen generell niedrigen Stromverbrauch hat, so dass man mehrere Wochen damit arbeiten kann, und die Texte sowohl am Gerät als auch für späteres Editieren in der Cloud abspeichert – zu so etwas kann man doch nicht „Nein“ sagen, oder? Noch dazu, wenn das Gerät ablenkungsfrei ohne Internet und Spiele arbeitet.

Die Crowdfunding-Aktion wurde ein voller Erfolg – und auch ich war dabei. Doch der hohe Preis für ein Gerät, das ich nicht ausprobieren konnte, geschweige denn wusste, ob diese Art des Schreibens überhaupt etwas für mich war… nein, das Risiko war mir da zu hoch und ich stieg wieder aus der Crowdfunding-Aktion aus (mehr darüber hier nachzulesen).

Aber ich muss zugeben, dass mich der Freewrite noch immer fasziniert – und ich wirklich gerne das Ding einmal ausprobieren möchte.

Doch nun zu etwas Neuem. Die Firma Astrohaus hat nun angekündigt, ein kleineres Gerät auf den Markt bringen zu wollen: Den Traveler!

Wie Astrohaus-Chef Adam Leeb auf Anfrage gegenüber den Schreibmaschinisten erklärte, wird auch für den Traveler eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Zeitpunkt: Irgendwann im September.

© Astrohaus

Dem von Astrohaus zur Verfügung gestellten Bildmaterial kann man schon einmal einige Änderungen entnehmen. Während der Freewrite von der Form her an eine portable Schreibmaschine erinnert und dementsprechend starr und vielleicht unhandlich rüberkommt, ist der Traveler zusammenklappbar und wirkt wie eine Clutch (Diese Damenhandtasche. Ja, ich bin selbst ganz erstaunt, dass ich dieses Wort kenne.). Im Gegensatz zum Freewrite wird der Traveler aus Platzgründen auch nicht über eine mechanische Tastatur verfügen. Im Gegensatz zum rund zwei Kilo schweren Freewrite soll der Traveler nur noch halb so viel wiegen.

Ansonsten wird der Traveler ähnlich funktionieren wie der Freewrite: Ein abgespeckter Computer mit einem simplen Schreibprogramm, der keine Ablenkung durch Internet oder sonstige Medien zulässt. Die Texte kann man ebenfalls in der Cloud oder am eigenen Computer mittels WiFi abspeichern.

© Astrohaus

Einen Unterschied gegenüber dem Freewrite soll der Traveler aber doch haben. Beim Freewrite ist eigentlich nur eine Schreibrichtung möglich: Vorwärts! Man kann zwar Wörter löschen, das aber nur auf der Stelle (so weit ich das verstanden habe). Es gibt keine Cursor, mit denen man im Text herummanövrieren kann, um z.B. einen Satz zu überarbeiten oder einen Absatz einzuschieben. Sehr ähnlich wie bei einer Schreibmaschine halt. Der Freewrite ist eben für den ersten Entwurf gedacht, ein Überarbeiten des Textes erfolgt dann am Computer. Das ist eine Arbeitsweise, die manchen recht ungewohnt erscheint. Und wie ich einigen Kommentaren von Usern entnehmen kann, eben nicht jedermanns Sache.

Wie Adam Leeb nun den Schreibmaschinisten verriet, soll der Traveler nun verschiedene Arbeitsweisen erlauben – und eben dass auch ein Editieren/Bearbeiten des Textes am Traveler – im Gegensatz zum Freewrite – möglich sein soll. Auf die Nachfrage, ob z.B. Cursor-Tasten zum Herummanövrieren kommen, gab Leeb jedoch kein Kommentar.

Ich lasse hier einmal das englische Originalzitat von Adam Leeb stehen. Mein Englisch ist etwas eingerostet, vielleicht interpretiere ich auch etwas nur falsch.

Traveler, as a concept, is similar to Freewrite but with a smaller, travel friendly, size. It also is designed to be a more flexible device whereas the Freewrite is ultra-focused on a single style of drafting. What that means is that we plan to offer other types of writing environments that are suitable to various writing styles. This means that we can have a new experience that includes some thoughtful editing abilities and features for alternative writing styles while still maintaining its distraction-free nature that our customers love. – Adam Leeb

Das mit dem Überarbeiten klingt für ein neues Klientel sinnvoll. Ich selbst bin mittlerweile die Schreibmaschine gewohnt – und da schreibe ich eben beim ersten Entwurf auch nur geradeaus vorwärts. Das Überarbeiten kommt später. Und hier hat die Schreibmaschine einen weiteren Vorteil gegenüber dem kleinen Bildschirm des Freewrite bzw. Traveler. Ich kann weitaus besser und länger zurückblicken. Ich weiß nicht, wie viele Zeilen man auf dem kleinen Bildschirm lesen kann, aber wenn ich da immer zurückscrollen muss, finde ich das doch eher hinderlich. Eine A4-Seite ist eben eine A4-Seite und nicht sechs Zoll.

Ich werde Freewrite und Traveler weiterhin im Auge behalten. Da ist noch immer dieser Reiz… ;-D

Rodja

INFO: https://astrohaus.com/; https://getfreewrite.com/; https://traveler.getfreewrite.com/

„Black Friday“ für „Freewrite“

Ich weiß nicht, irgendwie ist der Terminus „Black Friday“ für mich negativ behaftet. Klingt so nach Börseneinbruch und Wirtschaftskrise. Aber meiner Gefühlswelt zu Trotz ändern sich die Zeiten nun einmal – und „Black Friday“ ist nun für Konsumenten ein Grund zur Freude.

Das haben sich wohl auch die Leute von Astrohaus gedacht und bieten ihre spartanisch ausgerüstete Cloud-Schreibmaschine (den Ausdruck habe ich auf der Technik-Plattform Golem.de gelesen – und finde ihn treffend) „Freewrite“ aktuell um 499 US-Dollar an. Und das mit kostenlosem Versand in über 30 Länder (Deutschland und Österreich sind dabei). Da aber der Freitag schon vorbei ist, verlängert Astrohaus das kostenlose Versandangebot bis inklusive Montag (28. November 2016). Einfach nur den Code „SHIPFREE16“ beim Checkout eingeben.

© Astrohaus

© Astrohaus

Das Hauptmanko bei der „Freewrite“ sehe ich vor allem darin, dass ich absolut keine Möglichkeit habe, das Gerät irgendwo in meiner Nähe zu testen. Meine zwiespältigen Reviews hier und hier beziehen sich vor allem auf Fragen, die ich mir stellte, und auf Beobachtungen von Videos von Astrohaus. Freundlicherweise hat Golem.de ein ganz aktuelles Review herausgebracht. Auch hier ist eine Zwiespältigkeit mit einem gewissen positiven Unterton zu orten.

Eines möchte ich aber dennoch betonen: Ich finde es cool, dass die Leute von Astrohaus hier einen Weg abseits des Mainstreams gegangen sind. Vielleicht entwickelt sich die Freewrite technisch noch in eine Richtung, bei der ich mir dann sicher bin, dass ich sie haben will. Oder es werden vielleicht weitere Projekte in diese Richtung angestoßen.

Rodja

INFO: Astrohaus: www.getfreewrite.com, Review auf Golem.de: www.golem.de/news/astrohaus-freewrite-im-test-schreibmaschine-mit-cloud-anschluss-und-gpl-verstoss-1611-124655.html

Intelligente Schreibmaschine „Freewrite“ jetzt bestellbar

Computer sind wahre Multimediakünstler: Man kann nicht nur damit arbeiten, sondern auch mit ihnen spielen, Musik hören, Filme ansehen oder im Internet surfen. Jede Menge Möglichkeiten… jede Menge Ablenkungen. Und das ist für willensschwache Menschen wie mich ein Problem. Lieber mal schnell ein paar E-Mails checken, als die Deadline für einen Artikel im Auge zu behalten. Und genau vor diesen Ablenkungen soll nun der technisch abgespeckte Computer „Freewrite“ aus den USA schützen.

Ausgehend von einem erfolgreichen Crowdfundingprojekt – damals noch als „Hemingwrite“ (diesen Namen mochte ich eigentlich lieber, keine Ahnung, warum man den geändert hat) – kommt nun der „Freewrite“ auf den Markt.

Das Gehäuse ist aus robustem Aluminium, mit richtigen Tastenmodulen zum Tippen. Doch statt auf Papier blickt man auf einen 5,5-Zoll-E-Ink-Bildschirm. Da E-Ink wesentlich Strom sparender als ein normaler Laptopbildschirm ist, reicht der Akku laut Presseinformationen für mindestens vier Wochen. Die Speicherkapazität selbst beträgt bis zu eine Million Seiten.

© Astrohaus

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Im Internet surfen oder E-Mails checken geht mit dem „Freewrite“ nicht, das Gerät ist rein zum Schreiben gedacht. Mögliche Ablenkungen von der wichtigen Arbeit wurden mit dem Freewrite eliminiert, versprechen die beiden Entwickler Adam Leeb und Patrick Paul mit ihrer Firma Astrohaus. Für den „Freewrite“ gibt es verschiedene Keyboard-Layouts, man kann also auch die deutsche QWERTZ-Tastatur bestellen. (Edit 30.03.2016: Irrtum meinerseits, es folgt eine Richtigstellung)

Oliver Scheit machte mich auf ein Missverständnis aufmerksam: „Supported keyboard layouts“ bedeutet nicht, dass eine deutsche QWERTZ-Tastatur bestellbar ist. Man kann nur das ISO-Tastatur-Layout bestellen und als Setup „Deutsch“ wählen. Die Tasten sind zwar noch immer englisch QWERTY bedruckt, die Tastatur-Auslegung ist dann Standard-Deutsch QWERTZ mit Umlauten. Für Benutzer, die mit zehn Fingern blind schreiben können, also kein Problem. Wer nicht blind schreibt, hat dann ein Problem. Da es jedoch eine Cherry-Tastatur ist, können diese Tasten ausgetauscht werden. Dafür gibt es auch Bezugsquellen im Internet, meint Oliver.

Die „Schreibmaschine“ ist auch für Drehbuchautoren interessant. Soweit ich mich erinnern kann, gibt es bestimmte Shortcuts/Markups, mit denen man den Text in ein Drehbuchformat bringen kann.

Ganz aufs Internet wird aber nicht verzichtet, mittels WiFi oder Bluetooth kann man Texte mit Google Docs oder Evernote synchronisieren und speichern bzw. zur weiteren Verarbeitung auf den PC oder den Laptop verschicken. Der „Freewrite“ kann aber auch völlig vom Internet abgeschottet werden, da auch noch ein USB-C-Anschluss vorhanden ist. (Das sind die kleinen Anschlüsse – ich frage mich, ob es dafür USB-Sticks gibt.)

Wer bis Ende März das Gerät über die Website Getfreewrite.com bestellt, bezahlt 499 US-Dollar (exkl. Zoll). Danach steigt der Preis auf 549 US-Dollar (exkl. Zoll). Die Auslieferung soll noch im März starten.

© Astrohaus

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Ich habe den „Freewrite“ schon seit einiger Zeit im Blickfeld. Ja, ich war sogar ein Unterstützer der Crowdfunding-Aktion mit der höchsten Option – nämlich eines der Geräte zu bekommen. Ja, ich war bereit, viel Geld dafür auszugeben. Doch je mehr ich darüber nachdachte und Informationen darüber bekam, desto nachdenklicher wurde ich. Bereits in einem anderen Blog-Beitrag habe ich erklärt, warum ich mich dann doch entschloss, aus dem Crowdfunding-Projekt wieder auszusteigen.

Das heißt nicht, dass ich mich jetzt für den „Freewrite“ nicht mehr interessiere. Ich will nur mehr Informationen bekommen bzw. die ersten Praxistests abwarten.

© Astrohaus

© Astrohaus

Nun ist es bald soweit – und die ersten Pressetexte lassen mich noch immer etwas unschlüssig zurück. War in ersten Informationen noch von einer Akku-Laufzeit von sechs Wochen die Rede, sind es jetzt nur noch vier Wochen plus. Und das auch nur bei einer Nutzung von einer halben Stunde pro Tag. Das kommt mir allerdings etwas wenig vor. Wenn man bedenkt, dass meine mechanische Schreibmaschine 24/7 nur auf mich wartet – und ich so zwei, drei Stunden täglich damit arbeiten kann, bevor MEIN Akku (Anm.: der geistige) schlapp macht.

Allerdings… so sparsam die Schreibmaschine auch ist – sie braucht Papier. Da ist „Freewrite“ natürlich viel praktischer, denn auf dem Gerät können bis zu einer Million Seiten gespeichert werden. Laut Pressetext. Leider steht da nicht, ob sich die Seitenzahl auf das A4-Format bezieht, oder ob darunter die Seiten zu verstehen sind, die diesem 5,5-Zoll-Display entsprechen. Quasi E-Book-Seiten halt.

Ein Computer ist in der heutigen Gesellschaft doch akzeptierter als eine Schreibmaschine. Und so wird das auch mit dem „Freewrite“ sein. Mit dem Laptop im Café zu sitzen ist heute gang und gäbe. Mit einer Schreibmaschine ist das schon schwieriger. Sie ist halt lauter – und man wird als störend empfunden und gebeten, doch woanders zu tippen. (Ja, ist mir schon einmal passiert. Ich verstehe das ja auch und höre dann auch mit dem Tippen auf.)

Kommen wir nun zum vermeintlich größten Kritikpunkt: dem Preis. Natürlich sind rund 500 bzw. 550 US-Dollar ein stolzer Preis. Aber man darf nicht vergessen: Der „Freewrite“ ist ein Nischenprodukt. Er ist nicht für die Massen gedacht. Er ist für Schreiber gedacht. Und da kann ich mir durchaus vorstellen, dass das Gerät seinen Markt findet. Natürlich, auf Laptops gibt es Word oder CeltX oder Final Draft, aber da gibt es eben auch die vielen Quellen der Ablenkung. Und ja, es gibt Apps, bei denen man eine bestimmte Zeit einstellt – und dann kann man halt diesen Zeitraum nicht im Internet surfen.

Aber Autoren ticken nun einmal anders. Sie sind auf der Suche nach dem für sie perfekten Schreibgerät. Und sollte ich das Gefühl haben, endlich mit dem „Freewrite“ meinen ersten Roman fertig stellen zu können, dann ist mir das Gerät den Preis auch wert. Egal, ob 500, 550 oder 600 US-Dollar.

Das hier sind alles nur rein theoretische Gedankengänge zum „Freewrite“, der „Schreibmaschine“ der neuen Zeit. Vielleicht würden viele Bedenken einfach weggewischt werden, könnte ich das Gerät doch nur einmal ausprobieren, meine Hand darauf legen, die ersten Texte problemlos abspeichern und auf meinen Computer übertragen. Aber nein, das ist leider nicht möglich. Ich müsste den „Freewrite“ quasi blind bestellen und darauf vertrauen, dass das Ding halt doch das kann, was ich will. Und da ist mir das Risiko zu groß. Da bleibe ich doch lieber meinen Schreibmaschinen treu.

Da die Auslieferungen jetzt im März starten (sollen), werden wohl bald die ersten hands-on-reviews erfolgen. Ganz besonders gespannt bin ich auf die Meinung von Oliver Scheit, ebenfalls einem Schreibmaschinisten. Oliver ist ein Backer der „Freewrite“-Crowdfundingaktion gewesen und sollte bald sein Gerät bekommen. Er plant, auf seiner Site Schmasch.de eine ausführliche Rezension zu veröffentlichen. Darauf bin ich schon sehr gespannt.

Rodja

INFO: http://getfreewrite.com

Aus Hemingwrite wird Freewrite

 

©  Astrohaus

© Astrohaus

Noch bevor ich im März die Schreibmaschine für mich wieder entdeckte, war ich schon lange auf der Suche nach einer ablenkungsfreien Schreibmöglichkeit. Ich muss gestehen, ich bin ein schwacher Mensch – ich lasse mich all zu leicht von Internet, Facebook, E-Mail und Spielen von meiner eigentlichen Aufgabe – dem Schreiben eines Artikels – ablenken. Manchmal fällt das auch unter Recherchearbeit, um schnell einen Link gegenzuchecken, sich ein Lied von einer Band anzuhören oder den neuesten Filmtrailer anzuschauen. Und dann bleibt man hängen und die Arbeit liegen. Das war ziemlich frustrierend.

Und dann stieß ich im Dezember 2014 auf die Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter von Adam Leeb und Patrick Paul, die mit der Hemingwrite (eine Anspielung auf Ernest Hemingway) eben so ein Gerät für Leute wie mich entwickeln wollten. Und anscheinend gibt es Bedarf daran. (Was mich wiederum etwas beruhigt, weil es zeigt, dass ich nicht der einzige schwache Mensch auf dieser Welt bin.) Als Kampagnenziel waren 250.000 US-Dollar angestrebt, erreicht wurden jedoch 342.471 US-Dollar! Nun naht mit September 2015 der Auslieferungszeitpunkt der ersten Tranche.

©  Astrohaus

© Astrohaus

Und Leeb und Paul haben anscheinend beschlossen, das Ding als Firma Astrohaus durchzuziehen – und der Maschine eine Namensänderung zu verpassen: Die Hemingwrite heißt nun Freewrite.

Die Freewrite sieht aus wie eine Schreibmaschine, die im 21. Jahrhundert angekommen ist. Also vom Design her – und weil es einen 6-Zoll-E-Ink-Bildschirm im Querformat statt Papier hat. Aber sonst kann das Ding nur eines: Schreiben. Damit empfängt man keine E-Mails, damit kann man auch keine Spiele spielen oder im Internet surfen. Man kann sich einfach nur aufs Schreiben konzentrieren.

Das Gehäuse ist aus robustem Aluminium – und es soll richtige Tastenmodule fürs Tippen geben. Die wichtigsten Funktionen lassen sich mit zwei großen Schalthebeln einstellen. Wie das zweite Bild schon zeigt, ist eine leichte Schräge drinnen, was mir wiederum sehr sympathisch ist. Der Akku reicht für vier Wochen plus, die Speicherkapazität bis zu einer Million Seiten. Ganz aufs Internet wird auch nicht verzichtet, mittels WiFi oder Bluetooth kann man Texte in der Cloud abspeichern. (Es gibt auch eine Möglichkeit, das mit USB zu erledigen.) Das war’s aber auch schon.

Ich war begeistert. Euphorisch. Genau das Ding, das ich will und brauche. Und ich wurde sogar ein Early-Bird-Backer. Um 369 US-Dollar wäre die Freewrite mein geworden (zum Vergleich: der Vorverkaufspreis beträgt aktuell 399 US-Dollar, der reguläre Preis im Handel wird 499 US-Dollar betragen!). Und ich sah mich schon auf einer Parkbank sitzen und tippen. Ich schrieb sogar einen Jubelbericht auf meinem Autorenblog – und damals  äußerte ich mich noch eher skeptisch über den Erwerb einer Schreibmaschine!

Doch dann kam der Kater. Natürlich verfolgte ich weiterhin die Entstehungsgeschichte, sah, wie die Crowdfundingsumme bei Weitem übertroffen wurde. Und freute mich auf das Ding. Aber langsam kamen auch Zweifel auf – und das hat auch mit den Videos zu tun, die Leeb und Paul veröffentlichten. Auf einmal sah ich, dass mir der Bildschirm einfach viel zu klein war. Für eine Zeile Geschriebenes auf der Schreibmaschine oder dem Computer scheint der Freewrite zwei bis drei Zeilen zu brauchen. Vielleicht spricht das die Generation E-Book an, ich bestehe aber auf meinem A4-Format.

©  Astrohaus

© Astrohaus

Auch scheint es einen kleinen, für mich aber doch störenden Zeitunterschied zwischen Tippen und dem Erscheinen der Buchstaben auf dem Bildschirm zu geben. Da lobe ich mir doch die Schreibmaschine, bei der Buchstabe für Buchstabe auf Papier getippt wird. Da habe ich wenigstens sofort etwas Haptisches, mit dem ich auch den Umfang eines Buches oder eines Filmskripts einschätzen kann. Mit dem Freewrite muss ich quasi erst in der Nähe eines Druckers sein, um einen Druckbefehl ausführen zu können.

Und dann ist da auch noch die Sache mit der Cloud. Was mir als großer Vorteil angepriesen wird, ist mir einfach zu… larifari, zu schwindelig. Vielleicht bin ich paranoid, aber ich will meine Manuskripte nicht irgendwo in der Datenwolke abgespeichert haben. Zwar wird in den FAQ von Astrohaus beschrieben, dass es einen „clumsy“ (würde ich mal mit umständlich/ungeschickt übersetzen) Weg gibt, die Daten auf den Computer zu übertragen, aber der Weg über die Wolke ist anscheinend der bevorzugte Abspeicherungsvorgang von Leeb und Paul.

Und die Leichtigkeit, wie schnell das Synchronisieren der Dateien geht, wie in dem unten angeführten Video demonstriert wird, ist nichts für mich. Ich merke, ich bin nicht in der Materie drinnen, brauche Zeit, um das zu behirnen. Und dann kommt jemand und sagt: „Ach geh, das ist doch simpel. Einfach so, so und so – und schon ist es fertig“ – während ich geistig noch versuche, die Ordner zu identifizieren.

Das ist ungefähr so, als würde ich meine zweijährige Tochter neben mich zur Schreibmaschine setzen, ihr einen Satz zeigen, den mit erprobtem Zehn-Finger-System abtippen und sagen: „Schau, das kannst du jetzt auch.“

©  Astrohaus

© Astrohaus

Das waren alles Punkte, die mein Engagement bei der Freewrite zurückschrauben ließen. Ja, ich stieg auch aus der Crowdfunding-Kampagne aus. Ich bin immer noch an dem Ding interessiert, aber ich will nicht blind in eine Sache investieren, bei der ich Zweifel habe.  Jetzt warte ich erst einmal die ersten Testberichte von Leuten ab, die das Ding auf Herz und Nieren überprüfen. Und ob tatsächlich der reguläre Verkaufspreis 499 US-Dollar (exklusive Versandkosten) betragen wird.

Rodja

INFO: www.astrohaus.com

In diesen Videos wird noch vom Hemingwrite gesprochen.