„Uncommon Type“ von Tom Hanks

Momentan erfahren Schreibmaschinen ja einen ziemlichen Hype – und dass so ein altes Gerät in den Mittelpunkt des Medieninteresses gerät, haben wir unter anderem einem Oscar-Preisträger zu verdanken: Tom Hanks, der selbst ein großer Schreibmaschinen-Enthusiast ist und über Hunderte von Schreibmaschinen sein eigen nennt.

Nicht nur, dass er sein prominentes Gesicht und seine Expterise der Dokumentation „California Typewriter“ leiht, nein, er hat auch ein Buch mit Kurzgeschichten veröffentlicht. „Uncommon Type“ (der deutsche Titel „Schräge Typen“ soll im Februar 2018 erscheinen) beinhaltet 17 Kurzgeschichten, die Hanks auf verschiedenen seiner mechanischen Schreibmaschinen getippt hat. “In den zwei Jahren, die ich an den Geschichten gearbeitet habe, habe ich Filme in New York, Berlin, Budapest und Atlanta gedreht und überall geschrieben. Ich habe in Hotels bei Presse-Tourneen geschrieben, ich habe im Urlaub geschrieben. Ich habe im Flugzeug, zu Hause und im Büro geschrieben”, teilte Hanks den Medien mit.

© Rodja Pavlik

Nun ist das Buch in Amerika bereits erschienen – und ich habe mir natürlich ein Exemplar besorgt, ein Paperback. Zwar habe ich noch nicht reingelesen (Zeit ist momentan ein äußerst kostbarer Luxus, den ich mir nicht leisten kann), aber allein die Aufmachung ist für Schreibmaschinen-Fans sehr interessant. Neben vier Postkarten (mit Buchcover und drei verschiedenen Schreibmaschinen – Olivetti Underwood, Groma Kolibri (kyrillische Schriftzeichen) und Continental als Motiven) befinden sich auch im Inneren des Buches Bilder der Schreibmaschinen, mit denen der Hollywood-Schauspieler seine Geschichten geschrieben hat (u.a. Olympia, Remington, IBM, etc., etc.). Die Bilder sind aber auf Papier gedruckt, so dass ein Laie wie ich nicht wirklich Details erkennen kann. Vielleicht bietet die teuere Hardcover-Version des Buches eine optisch bessere Qualität.

Momentan ist ja Hanks auf medialer Promo-Tour für sein Buch (wie in dem unten angeführten Clip von der TV-Show „CBS Sunday Morning“). Und ja, auch ich habe mit meinen bescheidenen Mitteln versucht, ihn für meinen Blog zu interviewen. Ich geb’s zu, ein bisschen größenwahnsinnig, aber ich wollte es zumindest ausprobieren. Und bis dato hat sich sein Agent eh noch nicht mit meinem Sekretariat in Verbindung gesetzt. (Nicht, dass ich wirklich damit gerechnet hätte, aber träumen wird man ja wohl noch dürfen, dass einen der Hauch von Hollywood streift.)

Wie gesagt, ich bin noch nicht wirklich dazu gekommen, das Buch zu lesen (da habe ich noch eine lange Liste abzuarbeiten). Die Reviews zu „Uncommon Type“ lesen sich aber auch sehr zwiespältig. Ich bezweifle aber, dass mein Englisch so gut ist, dass ich beurteilen kann, ob Tom Hanks‘ Kurzgeschichten gute oder schlechte literarische Qualität aufweisen. Aber eine Rezension werde ich definitiv noch nachliefern…

Rodja

PS: Was die Postkarten betrifft… Ach herrje, die sind mir schon fast zu schade, um sie wirklich zu verschicken… :-/

Die Schreibmaschine als Deko

Auf der Suche nach Spuren der Schreibmaschine in der heutigen Zeit habe ich mir auch die klassischen Versandhäuser einmal näher angeschaut Als ich ein junger Bursche war, gingen in unserem Gemeindebau die dicken Kataloge der Versandhäuser um – die Bibeln des selig machenden Konsums wurden von Haushalt zu Haushalt gereicht. Eine Hausfrau bestellte den Katalog, andere borgten ihn sich aus.

Ich war fasziniert von den ganzen Sachen, die es da gab. Stereoanlagen, Platten, Spielekonsolen (und da rede ich von Atari und Activision), Video-Recorder (Video 2000, Betamax, VHS) – und auch Spielfilme! Und ich war so unschuldig damals, dass ich mir rein gar nicht vorstellen konnte, wie dieser „Massagestab“ funktionieren sollte. Massage ja, aber wie soll dieser Stab auf dem Rücken funktionieren? Und warum wurde ein diskreter Versand versprochen?

Aber ich schweife ab. Der Versandhandel und die Schreibmaschine haben ja eine gemeinsame Historie. Man nehme z.B. die Neckermann Brillant Junior, die eigentlich eine in der DDR hergestellte Groma Kolibri ist, die Neckermann quasi als Eigenmarke verkaufte. (Kleiner Exkurs: Vor Jahren bin ich über die Doku „Die Akte Joel“ über den unheilvollen Konnex zwischen Neckermann und US-Popstar Billy Joel („Uptown Girl“) gestoßen.)

Wieder zurück zum Thema. Natürlich nahm ich an, dass die Versandhäuser noch immer Schreibmaschinen verkaufen. Aber eher diese modernen, elektronischen – mit Zeilenspeicher und Korrekturfunktionen. Und damit hatte ich teilweise Recht. Neckermann hat solche, Otto wiederum nicht.

Womit ich allerdings auch nicht gerechnet habe, ist, dass z.B. das Versandhaus Otto die Schreibmaschine als Dekorations-Objekt verkauft. Das machte mich neugierig. Waren das echte Schreibmaschinen? Und woher bekam Otto die?

Die Spur führte zum Zulieferer, dem Versandhandel Heine, der die Schreibmaschinen um rund 180 Euro (exkl. Versandkosten) auch direkt vertreibt. Über das Deko-Objekt schreibt Heine auf seiner Homepage: „Ob eine Originalschreibmaschine von zum Beispiel Orga, Continental, Optima oder Olympia, alle verschönern einen Schreibtisch, ein Regal, eine Kommode, etc. auf außergewöhnliche Art und Weise. … Die Schreibmaschinenmodelle lassen sich herrlich in viele Wohnstile integrieren. So harmonieren sie wunderbar mit Einrichtungen im Kolonialstil, im Shabby-Chic oder im romantischen Stil.“

Screenshot

Screenshot

Die Schreibmaschine quasi als funktionsloses Möbelstück, als modisches Accessoire? War das ein neuer Trend? Auf Nachfrage bei Heine erfuhren die Schreibmaschinisten: „Alte Raritäten wie Schreibmaschinen oder Nähmaschinen sind aktuell sehr gefragt, natürlich schön anzuschauen und etwas Besonderes, wofür Heine steht.“ Die Maschinen werden dabei anscheinend nur oberflächlich restauriert: „Unser Lieferant arbeitet die Maschinen auf, damit man zwar ein antikes Stück in Händen hat, aber die Optik trotzdem schön anzusehen ist.“

Welche Schreibmaschine der Kunde genau bekommt, weiß er im Vorhinein nicht. Nur die ungefähren Eckdaten – Gusskorpus, H/B/T ca. 24/40/34 cm – bekommt er, damit er sich schon mal Gedanken machen kann, wo er die Schreibmaschine aufstellen kann. Auf Nachfrage erklärte Heine: „Allgemein sind alte Schreibmaschinen schwierig zu bekommen und können sehr unterschiedlich im Aussehen sein. Damit unser Kunde so gut wie möglich weiß was ihn erwartet, haben wir uns entschieden uns auf gezielte Modelle zu konzentrieren.“ Dabei verspricht Heine Originale aus den 30er- und 40er-Jahren, also nicht unbedingt die schlechtesten Jahrgänge für eine Schreibmaschine.

Da die Schreibmaschine als reines Dekorationsobjekt verkauft wird, fragte ich mich, ob sie absichtlich entfunktionalisiert wird. Wie eine Pistole, die ja für Deko-Zwecke auch schussunfähig gemacht wird. „Wir verkaufen die Artikel als Dekoobjekt, da wir nicht dafür garantieren können, dass jede Maschine funktionsfähig ist. Sie werden allerdings nicht absichtlich funktionsunfähig gemacht“, so Heine. Das wollte ich dann doch noch etwas präziser haben. Hatte ich das richtig verstanden, dass die Schreibmaschinen – da nicht absichtlich stillgelegt – also im besten Fall reibungslos funktionieren könnten, im schlechtesten Fall eben nicht? Heine bejahte dies.

Wie das Produkt am Markt angenommen wird, beschrieb Heine so: „Spezielles Feedback unserer Kunden haben wir bis dato noch nicht erhalten, allerdings sind die Artikel gut nachgefragt, was ein positives Feedback ist.“

Rodja

INFO: www.heine.de