Ronny schreibt auf einem Freewrite

Leser dieses Blogs wissen, dass ich für Schreib-Alternativen zum Laptop oder PC offen bin. Ich bin nicht nur auf Schreibmaschinen fixiert, ich mag auch Füllfedern und Bleistifte. Und auch neue Möglichkeiten, wie der reine Schreib-Computer Freewrite von Astrohaus bzw. dessen kleinen Bruder Traveler, reizen mich. Über beide habe ich hier auch mehrmals kritisch geschrieben. Also kritisch im Sinne von: Was finde ich positiv, was finde ich negativ. Aber das alles rein theoretisch, weil ich das Ding ja nie in der Hand gehabt habe.

© Astrohaus

Ich habe zwar bei der Crowdfunding-Aktion für den Freewrite (damals noch Hemingwrite) mitgemacht, letztendlich aber mein Angebot zurückgezogen. Ich war mir unsicher, ob der Freewrite auch wirklich das Gerät ist, das meine Kreativität unterstützt, oder ob es andere, kostengünstigere Alternativen auch tun?

(Spoiler: Ja, andere, kostengünstigere Alternativen tun es individuell auch. Für mich tat es eine Schreibmaschine um 15 Euro. (Okay, dann wurden es ein paar Schreibmaschinen mehr, aber theoretisch hätte mir die eine genügt. ;-))

Das Problem beim Freewrite ist… Man kann das Gerät hierzulande nicht einfach so testen gehen. Man muss es in den USA teuer ordern und auf das Beste hoffen. Insofern bin ich wahnsinnig froh, wenn ich auf deutschsprachige Autoren stoße, die den Freewrite nutzen und noch dazu ein kleines Review abliefern. Wie eben Ronny Rindler.

Ronny Rindler ist ein deutscher Schauspieler und Musical-Star, der u.a. in der Europa-Premiere von „Dirty Dancing“ und der Welt-Premiere des Udo-Jürgens-Musical „Ich war noch niemals in New York“ auftrat. Seit einigen Jahren nun lebt Ronny in Wien-Penzing. Mittlerweile ist er unter die Autoren gegangen und schrieb u.a. „toi, toi, TOT! – Hamburg Krimi“ und „Mörderische Nachbarschaft – 30 rasante Kurzkrimis“. Außerdem bietet er als Schreibcoach auf seiner Seite www.rindlerwahn.de mehrere Online-Kurse als auch Schreib-Cafés und Volkshochschulkurse in Wien an.

Ronny hat sich einen Freewrite geleistet – und ist sehr zufrieden damit. In einem Video, das er auf Anfrage auch den Schreibmaschinisten zur Verfügung stellte, erzählt er von den Vorteilen, aber auch von den Mankos dieser „elektronischen Schreibmaschine“. Ich persönlich hätte gerne noch ein bisschen mehr Tippen gehabt, damit ich ein Gefühl für das Haptische bekomme, aber das ist nur ein kleines Manko an dem Vorstellungsvideo.

Ich poste es hier unter „…schreibt auf einer…“ als auch „Alternativen“. Und irgendwie habe ich nach dem Clip wieder Lust, den Freewrite auszutesten. Ach, es juckt einfach in den Fingern…

Rodja

Intelligente Schreibmaschine „Freewrite“ jetzt bestellbar

Computer sind wahre Multimediakünstler: Man kann nicht nur damit arbeiten, sondern auch mit ihnen spielen, Musik hören, Filme ansehen oder im Internet surfen. Jede Menge Möglichkeiten… jede Menge Ablenkungen. Und das ist für willensschwache Menschen wie mich ein Problem. Lieber mal schnell ein paar E-Mails checken, als die Deadline für einen Artikel im Auge zu behalten. Und genau vor diesen Ablenkungen soll nun der technisch abgespeckte Computer „Freewrite“ aus den USA schützen.

Ausgehend von einem erfolgreichen Crowdfundingprojekt – damals noch als „Hemingwrite“ (diesen Namen mochte ich eigentlich lieber, keine Ahnung, warum man den geändert hat) – kommt nun der „Freewrite“ auf den Markt.

Das Gehäuse ist aus robustem Aluminium, mit richtigen Tastenmodulen zum Tippen. Doch statt auf Papier blickt man auf einen 5,5-Zoll-E-Ink-Bildschirm. Da E-Ink wesentlich Strom sparender als ein normaler Laptopbildschirm ist, reicht der Akku laut Presseinformationen für mindestens vier Wochen. Die Speicherkapazität selbst beträgt bis zu eine Million Seiten.

© Astrohaus

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Im Internet surfen oder E-Mails checken geht mit dem „Freewrite“ nicht, das Gerät ist rein zum Schreiben gedacht. Mögliche Ablenkungen von der wichtigen Arbeit wurden mit dem Freewrite eliminiert, versprechen die beiden Entwickler Adam Leeb und Patrick Paul mit ihrer Firma Astrohaus. Für den „Freewrite“ gibt es verschiedene Keyboard-Layouts, man kann also auch die deutsche QWERTZ-Tastatur bestellen. (Edit 30.03.2016: Irrtum meinerseits, es folgt eine Richtigstellung)

Oliver Scheit machte mich auf ein Missverständnis aufmerksam: „Supported keyboard layouts“ bedeutet nicht, dass eine deutsche QWERTZ-Tastatur bestellbar ist. Man kann nur das ISO-Tastatur-Layout bestellen und als Setup „Deutsch“ wählen. Die Tasten sind zwar noch immer englisch QWERTY bedruckt, die Tastatur-Auslegung ist dann Standard-Deutsch QWERTZ mit Umlauten. Für Benutzer, die mit zehn Fingern blind schreiben können, also kein Problem. Wer nicht blind schreibt, hat dann ein Problem. Da es jedoch eine Cherry-Tastatur ist, können diese Tasten ausgetauscht werden. Dafür gibt es auch Bezugsquellen im Internet, meint Oliver.

Die „Schreibmaschine“ ist auch für Drehbuchautoren interessant. Soweit ich mich erinnern kann, gibt es bestimmte Shortcuts/Markups, mit denen man den Text in ein Drehbuchformat bringen kann.

Ganz aufs Internet wird aber nicht verzichtet, mittels WiFi oder Bluetooth kann man Texte mit Google Docs oder Evernote synchronisieren und speichern bzw. zur weiteren Verarbeitung auf den PC oder den Laptop verschicken. Der „Freewrite“ kann aber auch völlig vom Internet abgeschottet werden, da auch noch ein USB-C-Anschluss vorhanden ist. (Das sind die kleinen Anschlüsse – ich frage mich, ob es dafür USB-Sticks gibt.)

Wer bis Ende März das Gerät über die Website Getfreewrite.com bestellt, bezahlt 499 US-Dollar (exkl. Zoll). Danach steigt der Preis auf 549 US-Dollar (exkl. Zoll). Die Auslieferung soll noch im März starten.

© Astrohaus

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Ich habe den „Freewrite“ schon seit einiger Zeit im Blickfeld. Ja, ich war sogar ein Unterstützer der Crowdfunding-Aktion mit der höchsten Option – nämlich eines der Geräte zu bekommen. Ja, ich war bereit, viel Geld dafür auszugeben. Doch je mehr ich darüber nachdachte und Informationen darüber bekam, desto nachdenklicher wurde ich. Bereits in einem anderen Blog-Beitrag habe ich erklärt, warum ich mich dann doch entschloss, aus dem Crowdfunding-Projekt wieder auszusteigen.

Das heißt nicht, dass ich mich jetzt für den „Freewrite“ nicht mehr interessiere. Ich will nur mehr Informationen bekommen bzw. die ersten Praxistests abwarten.

© Astrohaus

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Nun ist es bald soweit – und die ersten Pressetexte lassen mich noch immer etwas unschlüssig zurück. War in ersten Informationen noch von einer Akku-Laufzeit von sechs Wochen die Rede, sind es jetzt nur noch vier Wochen plus. Und das auch nur bei einer Nutzung von einer halben Stunde pro Tag. Das kommt mir allerdings etwas wenig vor. Wenn man bedenkt, dass meine mechanische Schreibmaschine 24/7 nur auf mich wartet – und ich so zwei, drei Stunden täglich damit arbeiten kann, bevor MEIN Akku (Anm.: der geistige) schlapp macht.

Allerdings… so sparsam die Schreibmaschine auch ist – sie braucht Papier. Da ist „Freewrite“ natürlich viel praktischer, denn auf dem Gerät können bis zu einer Million Seiten gespeichert werden. Laut Pressetext. Leider steht da nicht, ob sich die Seitenzahl auf das A4-Format bezieht, oder ob darunter die Seiten zu verstehen sind, die diesem 5,5-Zoll-Display entsprechen. Quasi E-Book-Seiten halt.

Ein Computer ist in der heutigen Gesellschaft doch akzeptierter als eine Schreibmaschine. Und so wird das auch mit dem „Freewrite“ sein. Mit dem Laptop im Café zu sitzen ist heute gang und gäbe. Mit einer Schreibmaschine ist das schon schwieriger. Sie ist halt lauter – und man wird als störend empfunden und gebeten, doch woanders zu tippen. (Ja, ist mir schon einmal passiert. Ich verstehe das ja auch und höre dann auch mit dem Tippen auf.)

Kommen wir nun zum vermeintlich größten Kritikpunkt: dem Preis. Natürlich sind rund 500 bzw. 550 US-Dollar ein stolzer Preis. Aber man darf nicht vergessen: Der „Freewrite“ ist ein Nischenprodukt. Er ist nicht für die Massen gedacht. Er ist für Schreiber gedacht. Und da kann ich mir durchaus vorstellen, dass das Gerät seinen Markt findet. Natürlich, auf Laptops gibt es Word oder CeltX oder Final Draft, aber da gibt es eben auch die vielen Quellen der Ablenkung. Und ja, es gibt Apps, bei denen man eine bestimmte Zeit einstellt – und dann kann man halt diesen Zeitraum nicht im Internet surfen.

Aber Autoren ticken nun einmal anders. Sie sind auf der Suche nach dem für sie perfekten Schreibgerät. Und sollte ich das Gefühl haben, endlich mit dem „Freewrite“ meinen ersten Roman fertig stellen zu können, dann ist mir das Gerät den Preis auch wert. Egal, ob 500, 550 oder 600 US-Dollar.

Das hier sind alles nur rein theoretische Gedankengänge zum „Freewrite“, der „Schreibmaschine“ der neuen Zeit. Vielleicht würden viele Bedenken einfach weggewischt werden, könnte ich das Gerät doch nur einmal ausprobieren, meine Hand darauf legen, die ersten Texte problemlos abspeichern und auf meinen Computer übertragen. Aber nein, das ist leider nicht möglich. Ich müsste den „Freewrite“ quasi blind bestellen und darauf vertrauen, dass das Ding halt doch das kann, was ich will. Und da ist mir das Risiko zu groß. Da bleibe ich doch lieber meinen Schreibmaschinen treu.

Da die Auslieferungen jetzt im März starten (sollen), werden wohl bald die ersten hands-on-reviews erfolgen. Ganz besonders gespannt bin ich auf die Meinung von Oliver Scheit, ebenfalls einem Schreibmaschinisten. Oliver ist ein Backer der „Freewrite“-Crowdfundingaktion gewesen und sollte bald sein Gerät bekommen. Er plant, auf seiner Site Schmasch.de eine ausführliche Rezension zu veröffentlichen. Darauf bin ich schon sehr gespannt.

Rodja

INFO: http://getfreewrite.com

Aus Hemingwrite wird Freewrite

 

©  Astrohaus

© Astrohaus

Noch bevor ich im März die Schreibmaschine für mich wieder entdeckte, war ich schon lange auf der Suche nach einer ablenkungsfreien Schreibmöglichkeit. Ich muss gestehen, ich bin ein schwacher Mensch – ich lasse mich all zu leicht von Internet, Facebook, E-Mail und Spielen von meiner eigentlichen Aufgabe – dem Schreiben eines Artikels – ablenken. Manchmal fällt das auch unter Recherchearbeit, um schnell einen Link gegenzuchecken, sich ein Lied von einer Band anzuhören oder den neuesten Filmtrailer anzuschauen. Und dann bleibt man hängen und die Arbeit liegen. Das war ziemlich frustrierend.

Und dann stieß ich im Dezember 2014 auf die Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter von Adam Leeb und Patrick Paul, die mit der Hemingwrite (eine Anspielung auf Ernest Hemingway) eben so ein Gerät für Leute wie mich entwickeln wollten. Und anscheinend gibt es Bedarf daran. (Was mich wiederum etwas beruhigt, weil es zeigt, dass ich nicht der einzige schwache Mensch auf dieser Welt bin.) Als Kampagnenziel waren 250.000 US-Dollar angestrebt, erreicht wurden jedoch 342.471 US-Dollar! Nun naht mit September 2015 der Auslieferungszeitpunkt der ersten Tranche.

©  Astrohaus

© Astrohaus

Und Leeb und Paul haben anscheinend beschlossen, das Ding als Firma Astrohaus durchzuziehen – und der Maschine eine Namensänderung zu verpassen: Die Hemingwrite heißt nun Freewrite.

Die Freewrite sieht aus wie eine Schreibmaschine, die im 21. Jahrhundert angekommen ist. Also vom Design her – und weil es einen 6-Zoll-E-Ink-Bildschirm im Querformat statt Papier hat. Aber sonst kann das Ding nur eines: Schreiben. Damit empfängt man keine E-Mails, damit kann man auch keine Spiele spielen oder im Internet surfen. Man kann sich einfach nur aufs Schreiben konzentrieren.

Das Gehäuse ist aus robustem Aluminium – und es soll richtige Tastenmodule fürs Tippen geben. Die wichtigsten Funktionen lassen sich mit zwei großen Schalthebeln einstellen. Wie das zweite Bild schon zeigt, ist eine leichte Schräge drinnen, was mir wiederum sehr sympathisch ist. Der Akku reicht für vier Wochen plus, die Speicherkapazität bis zu einer Million Seiten. Ganz aufs Internet wird auch nicht verzichtet, mittels WiFi oder Bluetooth kann man Texte in der Cloud abspeichern. (Es gibt auch eine Möglichkeit, das mit USB zu erledigen.) Das war’s aber auch schon.

Ich war begeistert. Euphorisch. Genau das Ding, das ich will und brauche. Und ich wurde sogar ein Early-Bird-Backer. Um 369 US-Dollar wäre die Freewrite mein geworden (zum Vergleich: der Vorverkaufspreis beträgt aktuell 399 US-Dollar, der reguläre Preis im Handel wird 499 US-Dollar betragen!). Und ich sah mich schon auf einer Parkbank sitzen und tippen. Ich schrieb sogar einen Jubelbericht auf meinem Autorenblog – und damals  äußerte ich mich noch eher skeptisch über den Erwerb einer Schreibmaschine!

Doch dann kam der Kater. Natürlich verfolgte ich weiterhin die Entstehungsgeschichte, sah, wie die Crowdfundingsumme bei Weitem übertroffen wurde. Und freute mich auf das Ding. Aber langsam kamen auch Zweifel auf – und das hat auch mit den Videos zu tun, die Leeb und Paul veröffentlichten. Auf einmal sah ich, dass mir der Bildschirm einfach viel zu klein war. Für eine Zeile Geschriebenes auf der Schreibmaschine oder dem Computer scheint der Freewrite zwei bis drei Zeilen zu brauchen. Vielleicht spricht das die Generation E-Book an, ich bestehe aber auf meinem A4-Format.

©  Astrohaus

© Astrohaus

Auch scheint es einen kleinen, für mich aber doch störenden Zeitunterschied zwischen Tippen und dem Erscheinen der Buchstaben auf dem Bildschirm zu geben. Da lobe ich mir doch die Schreibmaschine, bei der Buchstabe für Buchstabe auf Papier getippt wird. Da habe ich wenigstens sofort etwas Haptisches, mit dem ich auch den Umfang eines Buches oder eines Filmskripts einschätzen kann. Mit dem Freewrite muss ich quasi erst in der Nähe eines Druckers sein, um einen Druckbefehl ausführen zu können.

Und dann ist da auch noch die Sache mit der Cloud. Was mir als großer Vorteil angepriesen wird, ist mir einfach zu… larifari, zu schwindelig. Vielleicht bin ich paranoid, aber ich will meine Manuskripte nicht irgendwo in der Datenwolke abgespeichert haben. Zwar wird in den FAQ von Astrohaus beschrieben, dass es einen „clumsy“ (würde ich mal mit umständlich/ungeschickt übersetzen) Weg gibt, die Daten auf den Computer zu übertragen, aber der Weg über die Wolke ist anscheinend der bevorzugte Abspeicherungsvorgang von Leeb und Paul.

Und die Leichtigkeit, wie schnell das Synchronisieren der Dateien geht, wie in dem unten angeführten Video demonstriert wird, ist nichts für mich. Ich merke, ich bin nicht in der Materie drinnen, brauche Zeit, um das zu behirnen. Und dann kommt jemand und sagt: „Ach geh, das ist doch simpel. Einfach so, so und so – und schon ist es fertig“ – während ich geistig noch versuche, die Ordner zu identifizieren.

Das ist ungefähr so, als würde ich meine zweijährige Tochter neben mich zur Schreibmaschine setzen, ihr einen Satz zeigen, den mit erprobtem Zehn-Finger-System abtippen und sagen: „Schau, das kannst du jetzt auch.“

©  Astrohaus

© Astrohaus

Das waren alles Punkte, die mein Engagement bei der Freewrite zurückschrauben ließen. Ja, ich stieg auch aus der Crowdfunding-Kampagne aus. Ich bin immer noch an dem Ding interessiert, aber ich will nicht blind in eine Sache investieren, bei der ich Zweifel habe.  Jetzt warte ich erst einmal die ersten Testberichte von Leuten ab, die das Ding auf Herz und Nieren überprüfen. Und ob tatsächlich der reguläre Verkaufspreis 499 US-Dollar (exklusive Versandkosten) betragen wird.

Rodja

INFO: www.astrohaus.com

In diesen Videos wird noch vom Hemingwrite gesprochen.