Field Writing Nr. 2: Mit dem Campinghocker im Paradies

Diesmal fahre ich nicht mit dem Zug. Diesmal verschlägt es mich bequemer- und versuchsweise sowie Corona-bedingt sogar sehr, sehr nah von meinem Daheim.

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© Rodja Pavlik

Die Zugreise mit der Schreibmaschine liegt schon so lange zurück, dass ich mich kaum noch daran erinnern kann. Nur soviel: Ich saß noch ohne Mund-Nase-Schutzmaske im Zug. Seither ist viel geschehen. Ein Virus zwang uns zu Homeoffice, Homeschooling und Zoom-Konferenzen (ein digitaler Overkill) – und sorgte auch dafür, dass wir unsere Gegend näher erkundeten. Wir haben das Glück, in einer grünen Umgebung am Stadtrand zu leben, so dass wir während des Corona-Lockdowns doch immer wieder raus konnten, ohne Menschen zu begegnen. Und so konnten meine Kids und ich das Paradies für uns entdecken. Obwohl es nur ein paar hundert Meter von meinem Wohnblock entfernt ist, liegt es sehr versteckt. So versteckt, dass ich beim ersten Mal am Eingang – der direkt an der Hüttelbergstraße liegt – sogar vorbeigegangen bin. Und selbst beim zweiten Mal hatte ich kurz das Gefühl, dass ich wieder daran vorbeilaufen würde.

Das Paradies heißt wirklich so. Das etwa 7,5 Hektar große Erholungsgebiet befindet sich auf dem Areal des ehemaligen Kinderfreunde-Heims „Paradies“. Ich weiß nicht viel davon, aber es ist schon lange weg. Davor war es ein Steinbruch. Irgendwann in der Mitte der 2000er-Jahre sollte hier ein großes Kunstmuseumprojekt verwirklicht werden – aber das soll eine sogenannte „Linke“, ein großer Betrug gewesen sein. Das in das Projekt gepumpte Geld soll futsch sein.

Auf jeden Fall blieb das Gelände 20 Jahre lang gesperrt, bis es im September 2010 eben als Erholungsgebiet für die Wiener wieder geöffnet wurde. Das Paradies liegt im Schutzgebiet Wald- und Wiesengürtel und ist Teil des Landschaftsschutzgebietes Penzing sowie des Biosphärenparks Wienerwald. Obwohl es einen großen Spielplatz (der aufgrund Corona natürlich gesperrt war) und eine steile Wiese (ideal fürs Rodeln, allerdings konnten wir das aufgrund Schneemangels noch nicht wirklich testen) hat, gibt es auch viel Wald und viele steile, felsige Bereiche, die man erklettern kann. Auf diesen geheimen Pfaden – die nicht sooo geheim sind – begegnet man kaum Menschen. Es war ein Riesenspaß, hier mit den Kids zu klettern. Und die Kids wollten danach auch immer mehr. Es war eine schöne Zeit, wenn sie sich auspowern konnten.

Ich throne nun oberhalb der Hüttelbergstraße. Heute arbeite ich „stationär“. Das Wetter ist sehr kühl und grau. Ich sitze auf eben auf einem dieser „Geheimwege“, den meine Kinder und ich während der Corona-Hardcore-Zeit entdeckt haben. Ich habe mir so einen Billingsdorfer-Campinghocker gekauft  – und meine Hermes Baby wackelt im Rhytmus meiner Anschläge auf meinen Knien. Habe ich schon gesagt, dass ich meine Hermes Baby liebe? Dieses Schreibgerät ist mir echt ans Herz gewachsen.

© Rodja Pavlik

Von meinem Standpunkt oberhalb der Hüttelbergstraße sieht man die Straße durch den Blätterwald kaum. Hören tut man sie aber sehr wohl. Ständig fahren Autos unten vorbei. Als wir hier während dem Lockdown waren, war nichts zu hören – weil eben auch niemand fuhr. Ich bilde mir ein, dass die Luft auch viel frischer roch.

Unter mir sind – ebenfalls außer Sicht – die Villa des Phantastischen Malers Ernst Fuchs und ein kleiner Gemeindebau. Ein sehr, sehr kleiner Gemeindebau. Soweit mich meine Informationen nicht trügen, ist der Gemeindebau in der Hüttelbergstraße 26a mit drei Wohneinheiten der kleinste Gemeindebau von Wien! Allerdings habe ich nicht das Gefühl, dass dort jemand wohnt – so verfallen, wie der aussieht. In diese Richtung werde ich aber noch recherchieren, weil um den Bau tut es mir irgendwie leid. Ich nehme an, dass er unter Denkmalschutz steht. Das macht eine Renovierung natürlich noch teurer, wenn nicht sogar unmöglich. Da lässt man das Ding anscheinend lieber verfallen, bis es nicht mehr zu retten ist.

Das Paradies ist ein Naturjuwel vor der Haustür. Zur Hüttelbergstraße ist es mit einem Zaun recht gut abgegrenzt. Nach oben und zum Wienerwald ist es aber recht offen. Hier gibt es unzählige Tierarten und Insekten. Spechte, Hirschkäfer und Falken habe ich schon gesehen. Meine Kinder haben hier sogar schon Rehe gesehen. Und Füchse und Wildschweine wird es hier wohl auch geben. Sogar Spuren von Idioten sind hier zu finden, wie man meinem Arbeitsplatz ersehen kann.

© Rodja Pavlik

Auf dem Hügel gegenüber sehe ich mehrere Einfamilienhäuser. Ich würde gerne dort wohnen, so ein Haus mit Garten, das wäre schon fast Feines. Nur spiele ich finanziell nicht in dieser Liga.

Ich sehe, dass ein Haus abgetragen wird. Ein anderes scheint eine Brandruine zu sein. Irgendwie scheint das dem weißen Sonnenschirm da oben am Balkon des letzten Stockwerkes nichts auszumachen. Einen gewissen Humor mag ich dem Bild nicht absprechen.

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© Rodja Pavlik

Das Wetter ist jetzt wesentlich kühler geworden. Es könnte bald anfangen zu regnen. Wieder einmal. Als ob es die letzte Woche nicht eh schon genug geregnet hätte. Andererseits ist mir das nicht so unrecht. Die Sommer, also die richtig heißen Sommer in Wien, sind für mich unerträglich geworden.

Das hier heute ist nur ein kurzer Fieldwriting Versuch. Eigentlich wollte ich nur wissen, wie das Schreiben mit dem Campinghocker geht – und ich muss sagen, ich bin eigentlich recht begeistert. Das Ding, made in China, hat etwas um die sechs Euro gekostet. Da können auf jeden Fall noch einige Fieldwritings darauf stattfinden. Leider fetzt mir der Wind das Papier in der Schreibmaschine gerade umadum. Da muss ich mir noch etwas einfallen lassen.

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© Rodja Pavlik

Jetzt werde ich heim gehen. Und das nächste Mal werde ich ein Sackerl für all den Müll hier mitnehmen. Das ist etwas, das ich nie verstehen werde. Wenn man schon sich die Mühe macht, hier etwas zum Konsumieren mitzubringen… Warum kann man dann es nicht auch wieder mitnehmen und entsorgen?

Field Writing Nr. 1 – Zugstrecke Bad Aussee – Attnang Puchheim

Im Dezember habe ich einen sehr inspirierenden Brief von Gerhard Richter aus Deutschland bekommen. Der Journalist nutzt die Schreibmaschine für Projekte wie „Die Galerie der verlorenen Heimat“ oder Field Writing. In seinem Schreiben forderte Gerhard mich auf, mit der Schreibmaschine nach draußen zu gehen – ich würde da einiges erleben.

Es ist nicht so, dass ich diesen Gedanken nicht eh schon gehabt hätte. Denn eine (Typewriter) Revolution findet im Offenen statt – und nicht im geheimen Kämmerlein, in das ich mich gerne verkrieche. Gerhards Brief gab mir nun den nötigen Fußtritt, um dieses Projekt in Angriff zu nehmen. Eine erste Gelegenheit bot sich, als ich meinen nach einer Krankheit wieder genesenen Sohn Benjamin mit dem Zug nach Bad Aussee zum Schikurs begleitete, nachdem Mama Christine und Tochter Nina schon vorgefahren waren. Mein erstes Field Writing Projekt startete dann auf der ersten Teilstrecke der Rückfahrt.

© Rodja Pavlik

Heast as net,
wia die Zeit vergeht? – Hubert von Goisern

Ist es ein Wunder, dass mir die Liedzeilen von Hubert von Goisern hier einfallen? Wohl nicht, denn ich fahre gerade mit dem Regionalexpress durch seine Heimat – von Bad Aussee nach Attnang Puchheim mit Stationen wie Obertraun Dachsteinhöhlen, Hallstatt und Bad Goisern, um nur einige zu nennen. Ich – und meine treue Reiseschreibmaschine Hermes Baby.

Es ist Anfang Februar und hier sollte eigentlich alles weiß sein. Es sind schließlich Semesterferien – und da sind nun mal Skikurse angesagt, verdammt noch mal. In Bad Aussee lag sogar Schnee, schwer und patzig. Er ist aber vom Regenwasser vollgesogen. Kaum ist man zwei Zugstationen entfernt, hat sich das Bild schon sehr stark verändert. Die Landschaft, die ich hier sehe, ist grün-braun, wobei der Braunton intensiver ist. Die Wiesen stehen teilweise unter Wasser. Es regnet, das Wetter ist milchig-grau, der Nebel hängt teilweise über den Bergkamm, teilweise wabert er auch im Tal. Das einzig Bunte hier sind die knalligen Weingummis, die ich mir am Automaten am Bahnhof in Bad Aussee gezogen habe.

© Rodja Pavlik

In Bad Aussee habe ich bereits von der Station aus den Fluss rauschen hören. Er führt viel Schmelzwasser, ist wild. Es ist – vermute ich mal – die Traun, die zum Hallstätter See führt, an dem wir gerade vorbei fahren. Ich sehe vier Schwäne draußen am Wasser. Viele Wiesen stehen unter Wasser. Es fehlt nicht viel, dann überschwemmt die Traun die Straße.

Im Hallstätter See gibt es einige grüne Stellen, so karibisch-grün. Das ist nicht als Hohn zu verstehen. Auch die reißende Traun ist grün, aber eher so matt wie Erbensuppe. Von den Bergen kommt viel Wasser, es sind richtige reißende Wasserfälle, die sich da ihren Weg ins Tal bahnen.

Die Ortschaften, an denen wir vorbei fahren, wirken verlassen. Bei dem Wetter will wohl keiner raus aus dem Haus. Ich finde die Stimmung aber nicht trostlos. Sie wirkt sogar beruhigend auf mich.

© Rodja Pavlik

Man sieht in den Ortschaften hier kaum Menschen, eigentlich nur bei den Bahnstationen. Und Autos sieht man fahren oder bei den Bahnübergängen stehen. Aber die Menschen darin fallen mir nicht auf. Geister-Autos? Autonom fahrende Fahrzeuge?

Jetzt kommen wir nach Bad Ischl, ich habe gerade mal eine 3/4 Stunde geschrieben. Oh, ja, gerade gehört – meine Schreibmaschine ist gerade aufgefallen. Aber nicht unangenehm. Da bin ich doch etwas erleichtert. Gerade kommt die Durchsage, dass wir auf den Gegenzug warten müssen und sich die Weiterfahrt um ca. zehn Minuten verschieben wird.

Gerade bin ich an einem Löwen vorbeigefahren. Zwar nur auf einem Spielplatz, aber doch ein unerwarteter Anblick hier in Bad Ischl.

© Rodja Pavlik

Ich habe die Schreibmaschine schon auf der Hinfahrt ausprobiert. Wie ich die Schreibmaschine auspackte, verdrehte mein Sohn nur die Augen. „Papa, du bist peinlich.“ Soll mir recht sein. Mein Sohn wird mir sicher noch genug peinliche Situationen liefern, da kann man das hier als prophylaktische Revanche betrachten.

Als ich im Zug die Schreibmaschine auspackte, wurde ich natürlich nervös. Ich spürte so eine kleine Sensation – und einerseits mag ich das, andererseits auch nicht. Ich stehe nicht so gern im Mittelpunkt, andererseits liebe ich es aber, auf einer Theaterbühne zu spielen. Ist ein bisschen paradox.

Der „Empfang“ im Zug war aber sehr herzlich. Als ich so vor mich hintippte, kam ein Paar von ein paar Reihen vor uns nach hinten. „Tatsächlich. Habe ich doch richtig gehört… eine Schreibmaschine“, schmunzelte die Dame. Und hinter uns saß ein kleines Mädchen, das mich heimlich beobachtete. Als ich ihr anbot, auf der Schreibmaschine zu tippen, lehnte sie aber schüchtern ab. Aber ihre Mutter erklärte ihr, dass daheim noch irgendwo eine Schreibmaschine herumstehen müsse.

© Rodja Pavlik

Im Gegensatz zur Hinfahrt ist die Rückfahrt nicht ganz so herzlich. Ja, die Schreibmaschine erregt auch wieder Aufmerksamkeit. Diesmal jedoch von einer Gruppe Teenagerinnen, die ständig vor sich hinkichern und mich mit dem Smartphone filmen. Heimlich. Ich weiß nicht, wieso mir das ein bisschen aufstößt. Mir brummt der Schädel. Ich höre jetzt auf.

Ich machte auch einen Fehler, indem ich mich abkapselte und sie nicht weiter beachtete. Vielleicht hätte ich aber aus sie zugehen sollen, mit ihnen scherzen, mir die Aufnahmen anschauen sollen. Aber im Nachhinein weiß man es ja immer besser, oder?

Die ganze Situation war aber an sich interessant – und ein interessanter Aspekt kam dann noch zum Schluss. Als ich nämlich aufhörte zu tippen, höre ich mich noch eine Zeitlang weiter – als Echo. Nur halt vom Smartphone digital aufgenommen und elektronisch verzerrt wiedergegeben. Das… war ein interessantes Erlebnis.

Rodja

Was ich von dem ersten Field Writing mitnehme:

  • Zugreisen sind, anders als zuerst gedacht, nicht ganz so ideal fürs Field Writing. Die Landschaft huscht an einem vorbei, die Eindrücke sind flüchtig und entziehen sich einer näheren Analyse. Ständig hat man das Gefühl, dass man etwas versäumt, ist gehetzt. Vielleicht nicht ganz so ideal für Field Writing-Anfänger.
  • Statt sich rein aufs Tippen zu konzentrieren, habe ich auch Fotos geschossen. Bin mir noch nicht sicher, ob das im Sinne von Field Writing ist. Vielleicht sollte ich mehr dem Text vertrauen und ihn wirken lassen. Ich persönlich denke, dass beim Fieldwriting Fotos schon okay sind, aber ich kann nicht nur Fotos schießen. Ich komme mit dem Schreiben nicht nach.
  • Einerseits versucht man, ständig konzentriert zu sein, andererseits wird die Konzentration oft auch durch vorbeigehende Passagiere gestört. Aber das liegt nun mal in der Natur einer Zugreise. Deal with it.
  • Die ständige Konzentration und die schummrigen Lichtverhältnisse sorgen nach einer Zeit für Kopfweh. Man ist regelrecht erleichtert, wenn man beschließt, dass es genug ist.

Zu Gast bei Schreib-Coach Ronny Rindler

Rodja killed the Youtube-Star… oder so ähnlich

© Ronny Rindler/Youtube Screenshot

(Ja, auf dem Screenshot steht Richard Polt – aber ich versichere Euch, dass ich es bin.)

Vor kurzem bin ich über den in Wien lebenden deutschen Schreib-Coach Ronny Rindler gestolpert. (Himmel, wie oft ich schon im Internet über was gestolpert bin… ich muss mir echt eine andere Redewendung dafür einfallen lassen.) In einem Video auf seinem für Autoren und sonstige Schreiberlinge interessanten Youtube-Channel RINDLERWAHN schreibverrückt schwärmte Ronny von der „Schreibmaschine“ Freewrite, auf die ich eh schon lange ein Auge geworfen habe. (Allerdings ist sie mir zu teuer, das Bestellen zu umständlich – und die Sache mit dem Service ist mir auch ein bisschen zu unsicher.) Dennoch erachte ich den Freewrite beim Schreiben durchaus als nennenswerte Alternative zum PC und zur Schreibmaschine. Etwas, das ich weiterhin im Auge behalten werde.

Einige Aspekte, die Ronny in dem Video positiv hervorhob, kamen mir seltsam bekannt vor. Ja, genau, die Vorteile, die Ronny im Freewrite sieht, treffen auch auf das Arbeiten mit der Schreibmaschine zu. Ich schrieb Ronny an, denn ich wollte mich unbedingt über den Freewrite mit ihm austauschen. Und als Ronny hörte, dass ich ein überzeugter Schreibmaschinen-Fan bin, war auch er neugierig. Und so lud er mich vor die Kamera – und das Ergebnis ist hier zu sehen…

Zu Gast waren auch die Hermes 3000, die Hermes Baby und Ronnys Freewrite von Astrohaus. So war es mir auch möglich, einen kleinen, direkten Vergleich zu machen.

Es war eine sehr nette Plauderei – und da habe ich gemerkt, wie viel Spaß es macht, über Sachen zu reden, von denen man so richtig überzeugt ist.

Gedreht wurde übrigens in der Buchhandlung Frick in der Schönbrunner Straße 261, 1120 Wien, wo Ronny auch einige Schreibkurse abhält.

Das T-Shirt, das ich trage, ist übrigens von Schreibmaschinenkünstler Robert Doerfler, der das Bild getippt hat. (Nur, falls jemand so exklusiv herumlaufen möchte. Das ist keine bezahlte Werbung, das T-Shirt habe ich schön brav selbst gekauft.)

Rodja

PS: Ronny stellte freundlicherweise den Schreibmaschinisten das Video zum Freewrite vor einiger Zeit zur Verfügung (hier zu sehen).

INFO: Ronny Rindler: https://www.rindlerwahn.de. Auf Youtube: RINDLERWAHN schreibverrückt

Nervenkitzel pur – und das mit Schreibmaschine nur

© Rodja Pavlik

Wien – Split – und retour

Am Flughafen. Das Handgepäck wird gescannt. Man beobachtet den Beamten, der stutzt. Ein leichtes Stirnrunzeln, ein mehrfaches Drücken eines Knopfes, um einen besseren Kontrast vom Inhalt des Rucksacks zu bekommen. Ein kurzer Ruf zum Kollegen, der sich ebenfalls das Bild anschaut. Eine Unterhaltung, eine Handbewegung Richtung meines Rucksacks. Ein irritierter Blick auf mich… Die leise Sensation, der Hauch der Angst, Spannung pur. Wird sich gleich ein Einsatzkommando auf mich werfen – oder werde ich auch diesmal mit meiner Reiseschreibmaschine durch die Kontrolle kommen?

Die obige Situation ereignete sich wie beschrieben am Flughafen von Split auf dem Rückflug nach Wien. Ähnliches geschah auch schon am Hinflug am Flughafen Wien. Der Unterschied: In Wien starrten sie ratlos auf den Bildschirm – und als ich rief: „Das ist meine Schreibmaschine!“, reagierten sie nur genervt: „Das seh‘ ma eh!“

In Kroatien hatte ich wiederum ein T-Shirt von Schreibmaschinen-Künstler Robert Doerfler an. Als der Beamte zuerst irritiert den Rucksack ansah – und dann mich anschaute, musste er lächeln, gab ein Thumbs up und meinte: „Cool!“

Rodja

PS: Ich möchte unbedingt ein Foto von dem Scan meiner Schreibmaschine haben…

© Rodja Pavlik

Schreibmaschinen-Ersatzteile aus dem 3D-Drucker

© 3D Typewriter Parts.com

Schreibmaschinen sind an und für sich unkaputtbar. Pflegt man sie gut, halten sie ewig. Pflegt man sie nicht, halten sie unter Umständen auch ewig. Doch hin und wieder gibt es Teile, die verschleißen einfach. Die Füße zum Beispiel, oder der Drehknopf für die Walze. Oder die Farbbandspule. Im Glücksfall gibt es irgendwo noch eine baugleiche Schreibmaschine zum Ausschlachten – oft wird man da auch noch im Web fündig.

Aber da mechanische Schreibmaschinen kaum noch produziert werden – und die heutigen Schreibmaschinen kaum passende Teile für alte Maschinen aufweisen, ist diese Ressource begrenzt. Und hier könnte eine neue Technologie Abhilfe schaffen: Der 3D-Druck. Mittels eines detaillierten Plans werden Objekte schichtweise „gedruckt“ bzw. aufgebaut. Hat man also den Plan eines Schreibmaschinen-Fußes, kann man den beliebig oft ausdrucken.

Das Problem ist halt, dass man – neben der entsprechenden Hardware – auch diese Pläne haben sollte. Und hier kommt die Site 3dtypewriterparts.com ins Spiel. Die Webpage ist erst im Aufbau begriffen, beinhaltet aber bereits einige Pläne für u.a die Hermes Baby, die Erika 11 oder die Olivetti Lettera 32, um nur ein paar zu nennen. Hier gibt es keine Pläne von ganzen Schreibmaschinen, sondern eben von Einzelteilen, wie die vorhin genannten Füße und Spulen. Aber wer weiß, das kann sich mit zunehmendem Traffic auf der Seite auch ändern. Denn natürlich sind auch andere 3D-Druck-Spezialisten eingeladen, ihr Wissen und ihre Erfahrungen zu teilen.

Ich muss zugeben, dass ich mit 3D-Druck bis dato wenig am Hut hatte. Ich weiß zwar, dass es diese Technologie gibt, aber für meinen persönlichen Gebrauch hatte ich noch keinen Bedarf dafür. Allerdings finde ich es doch recht spannend, wie sich – nachdem die Industrie ja selbst kein Interesse an der Produktion von Schreibmaschinen hat – die Schreibmaschinen-Sammlerszene selbst Abhilfe schafft.

Rodja

INFO: http://3dtypewriterparts.com/

Martin schreibt auf einer Olympia Splendid 33

Mein Name ist Martin Kellner. Ich habe eine Steuerberatungskanzlei in Köln. Meine Mitarbeiter und ich, wir sind ein richtig tolles Team. Bei uns wird viel gearbeitet und viel gelacht. Unsere Mandanten kommen zum großen Teil aus der Medienbranche oder aus künstlerischen Berufen. Wir sind für viele Menschen der erste Ansprechpartner in vielen Fragen. Und wir reden die Sprache unserer Mandanten. Das zeichnet uns aus. Wir lösen Probleme.

In unserer Kanzlei haben wir die allerneueste Technik im Einsatz; natürlich ist alles computerisiert und ganz viele Abläufe gibt es bei uns digital. Aber mir fehlt da etwas…

© Martin Kellner

In meinen Teenagerjahren hatte ich eine Olympia Monica. Ein ziemlich großes Teil, weiß, schwer, mit Riesenkoffer. Gott, habe ich das Ding geliebt. Darauf habe ich hunderte von Gedichten, Geschichten, sogar Theaterstücke geschrieben (hat nur nie jemand gelesen). Über die Tasten bin ich nur so geflogen. Ich habe ganze Reisen mit der Maschine unternommen. Ein Wort führte zum nächsten, Satz für Satz reihte sich aneinander und ich versank in Tiefseewelten, erkletterte das Dach der Welt und gelangte an den Rand von allem Bekannten – und noch einen Schritt weiter, und noch ein Wort weiter…

Irgendwann hat etwas gehakt, funktionierte nicht mehr richtig. Mein Vater wollte es reparieren, hat eine falsche Schraube gelöst und er hatte einen kleinen Haufen glänzender, unterschiedlich gebogener Drähte in der Hand. Das war das Ende der Olympia Monica. Nach einer schmerzlichen Entzugszeit ohne Maschine kam ich für wenig Geld, also Taschengeld-kompatibel, an eine elektrische Schreibmaschine. Es gab einen Korrekturspeicher von dreizehn Zeichen. Wahnsinn, zumindest für damals. Und das Schriftbild sah viel moderner aus, viel weniger Serifen. Wir sind viele Jahre unseren Weg gemeinsam gegangen. Aber richtig Freunde wurden wir nicht.

© Martin Kellner

Dann gab es für mich, als studierenden Germanisten und Historiker Zugriff auf den ersten tragbaren Koffer-Computer. Nochmals: Wahnsinn. Und das ging dann so weiter. Die Entwicklung des Berufs zog auch die Veränderung der benutzten Technik, von technischer Ausstattung nach sich. Ja, was hat sich denn wirklich verändert? Mittlerweile schreibt man ständig irgendwelche Texte in irgendwelchen digitalen Medien, man verändert sie, immer und immer wieder. Man druckt sie aus, Berge von Abfall entstehen, man versendet seine Nachrichten, die Belanglosigkeit greift um sich, alles versinkt in der Belanglosigkeit von digitalen Textnachrichten. Und die Finanzverwaltung will, dass wir das alles auch noch zehn Jahre speichern und aufbewahren. Ich kann nicht mehr.

Ich habe ziemlich lange versucht, herauszufinden, was mir fehlt. Das Schreibmaschinenschreibgefühl? Das Geklapper auf den Tasten? Ich habe es lange nicht herausgefunden. Mit unserem wirklich guten IT-Service im Büro habe ich einige Gespräche über gute Tastaturen geführt. Alles blieb aber unbestimmt, unbefriedigend. Durch einen Zufall, ja ich weiß, es gibt keine Zufälle, bin ich auf die Schreibmaschinisten gestoßen. Rodja im Urlaub auf Mallorca mit einer Hermes Baby. Was ist das denn: Hermes Baby? Ein paar Wochen hat es dann gedauert und ich wurde Besitzer einer Olympia Splendid 33. Warum habe ich nicht viel früher an diese Möglichkeit gedacht! Da sitze ich jetzt dran, das ist doch klar, und schreibe diesen Text… und denke nach.

© Martin Kellner

Etwas ist jetzt runder geworden, ist mir verständlich geworden. Buchstabe für Buchstabe wandert auf das Papier, unauslöschlich. Sätze formen sich, Stück für Stück. Die Beliebigkeit hat ein Ende bekommen. Mit dem Tippen arbeitet mein Gehirn irgendwie anders. Es formt. Sätze haben einen Anfang und bekommen ein Ende. Eine Geschichte erzählt sich mit dem Klappern der Tasten und der Typen auf dem Papier. Ohne Spuren nimmt man keinen Buchstaben vom Papier. Man muss schon die ganze Seite neu schreiben.

Natürlich: sich in der Öffentlichkeit hinzusetzen und auf Zuruf kleine Geschichten auf Postkarten zu schreiben, geht nicht mit dem Computer, das geht nicht mit Rechtschreibprüfung. Der Vorgang und das Ergebnis sind miteinander verwoben.

Die Splendid 33 fordert meine verweichlichten Finger und meinen Geist. Während ich hier am Tisch sitze, denke ich nach. In meinem Studium hatte ich die ältesten gedruckten Bücher, die im Besitz der Kölner Uni waren, in ehrfürchtigen Händen. Ich weiß, wie wichtig Schrift für die Entwicklung der Menschheit ist. Warum ist mir nicht früher aufgefallen, was durch die Digitalisierung verloren gegangen ist; warum ist mir nicht aufgefallen, welches Wunderwerk eine Schreibmaschine ist…

Jetzt muss ich ins Büro und arbeiten. Am Computer. Das ist in Ordnung. Ich komme ja wieder.

Martin Kellner

INFO: www.kellner-steuer.de

© Martin Kellner

Benjamin schreibt auf einer Olympia Traveller de Luxe

© Neuer Österreichischer Trickfilm

© Neuer Österreichischer Trickfilm

Benjamin Swiczinsky ist ein Drittel des österreichischen Studios Neuer Österreichischer Trickfilm (kurz NÖT), das seit fünf Jahren in Wien residiert. Davor war es um den österreichischen Animationsfilm recht mau bestellt, aber dem Trio, bestehend aus Benjamin Swiczinsky, Condrad Tambour und Johannes Schiehsl, ist es mit zu verdanken, dass der österreichischen Szene neues Leben eingehaucht wurde. Sie haben u.a. die Regie für eine Staffel der Zeichentrickserie „Hexe Lilli“ gemacht – und zuletzt Animationen für Tom Tykwers „Ein Hologramm für den König“ (mit Schreibmaschinenfan Tom Hanks, womit sich quasi ein Bogen zum vorigen Blogeintrag mit Denise Esposito schlagen lässt) gezeichnet.

Benjamin kenne ich aber schon wesentlich länger. Ich bin ja auch ein großer Fan des deutschsprachigen Indie-Films und habe mit dem HomeMovieCorner 2001 eine eigene Plattform dafür gegründet (die mit Unterbrechungen bis jetzt aktiv ist). Schon Anfang der 2000er-Jahre lernte ich damals den jungen Benjamin Swiczinsky kennen, wie er sich als Autodidakt am Trickfilm versuchte. Damals war noch Disney seine große Inspiration, seine ersten Filme realisierte er mithilfe des Medienzentrums der Stadt Wien. Schließlich heuerte er beim No-Budget-Indie-Film „Faust“ von Philipp Hochhauser als Chef-Animator an. Ein bemerkenswerter Film der Indie-Szene, der Goethes Theaterstück werkgetreu darstellte – aber ohne dessen Worte, quasi als Stummfilm (nur mit dem fantastischen Score von Alexander Zlamal). Es war eine Mischung aus Real- und Animationsfilm, wobei die Animationen immer dann ins Spiel gebracht wurden, wenn es magisch wurde. Benjamin leitete dabei in den Räumen der ASIFA Austria ein Heer von Trickfilm-Laien. Nach „Faust“ ging Benjamin nach Deutschland, wo er an der Filmakademie Baden-Württemberg Animation studierte, Conrad Tambour und Johannes Schiehsl traf – und eben NÖT gegründet wurde.

Tricky Trio: Swiczinsky, Tambour und Schiehsl (© Rodja Pavlik)

Anlässlich des fünfjährigen Jubiläums von NÖT baten mich die Filmemacher (das Foto stammt übrigens von der offiziellen Vorstellung der Truppe 2011), im heurigen Juni einen Filmabend mit ihnen zu moderieren. Natürlich nahm ich an – und vor dem Abend tippte ich im Kino noch ein paar Sprecherkarten mit meiner Hermes Baby ab. Während ich so tippte, merkte ich, dass die Schreibmaschine bei den Filmemachern gut ankam – vor allem bei Benjamin. Wie sehr, erfuhr ich aber erst wesentlich später, als Benjamin mir schrieb, dass ich ihn mit der Schreibmaschine „angefixt“ hätte. Und nun freut es mich, ihn in der Rubrik „… schreibt auf einer…“ selbst zu Wort kommen zu lassen. Was ich nämlich nicht wusste: Für ihn bedeutet die Schreibmaschine eine Rückkehr zu den Wurzeln. (Dabei hätte ich angenommen, dass der 1982 geborene Filmemacher doch viel eher bereits mit dem Computer aufgewachsen wäre.)

PS: Übrigens versucht NÖT aktuell mit „Birne, Schädel & Haupt“ eine Web-Trickfilmserie auf die Beine zu stellen. Dafür soll über Crowdfunding ein Budget auf die Beine gestellt werden – hier geht es zur Kampagne.

Angespornt von dem werten Betreiber dieses Blogs habe ich seit vergangenem Sommer wieder begonnen, auf der Schreibmaschine zu tippen. Und zwar auf einer kleinen Olympia Traveller de Luxe aus den 70er Jahren, die ich aus einem verstaubten Regal meiner Eltern wieder reaktivierte. Es war ein wunderbares Wiedersehen. Dazu muss ich aber sagen, dass meine Familie eine etwas längere Schreibmaschinen-Tradition hat.

Ich bin nämlich in einem extremen Low-Tech-Haushalt groß geworden. Meine ersten getippten Arbeiten für die Schule habe ich also auf eben dieser Olympia geschrieben. Danach kam dann die erste elektrische Schreibmaschine. Eine riesige rote IBM-Kugelkopfschreibmaschine, ebenfalls aus den 70er-Jahren. Ich glaube, sie kommt in einer Columbo-Folge vor, wo Columbos Assistent ihm das technische Wunderwerk mit den Worten “Wollen Sie mal was Modernes sehen?” vorstellt. Man konnte sie übrigens fast nur zu zweit tragen, und wenn man sie ansteckte, flogen des Öfteren die Sicherungen raus. Wieder einige Jahre später bekam ich dann meine erste eigene hochmoderne Schreibmaschine zum Geburtstag geschenkt. Ich glaube, es war eine Canon Typestar 110. Praktisch schon ein kleiner Computer. Mit speicherbaren Zeilen und sogar ganzen Texten und perfekter Korrekturfunktion. Und man konnte sie sogar alleine tragen und die Sicherungen flogen auch nicht mehr so oft raus.

Noch ein paar Jahre später, kurz vor der Matura, hielt dann der erste richtige Computer Einzug in den elterlichen Haushalt. Ein Rechner der Firma “digital” aus dem Jahr 1982 (gleich alt wie ich) auf dessen „farbenreichem“ hell-orangenen und dunkel-orangenen Bildschirm man im Prinzip aber nicht wirklich sinnvoll schreiben konnte. Vor allem sahen die Ausdrucke am ebenfalls Sicherungs-gefährdenden Nadeldrucker nicht einmal annähernd so schön wie die der Schreibmaschine aus. Dafür konnte man aber sehr gut das einzige Spiel, das es darauf gab, spielen: “Wörmie” (eine Art norwegisches “Snake” oder so).

© Benjamin Swiczinsky

© Benjamin Swiczinsky

Erst mit meinem Auszug aus dem Elternhaus nach der Matura und meinem wachsenden Film- und Animationsinteresse schloss ich dann Computer-technisch relativ schnell auf und hatte dann bald und bis heute relativ zeitgemäße Rechner. Um ehrlich zu sein, sogar etwas zu viele Rechner. Arbeitsbedingt habe ich mittlerweile eigentlich rund um die Uhr mit digitaler Technik zu tun. Ich schreibe, zeichne, animiere, recherchiere und kommuniziere über den Rechner. Gerade beim Schreiben, einer sehr direkten schöpferischen Tätigkeit, bemerkte ich schon des Öfteren, dass es mir schwer fällt, hier direkt vorm Rechner kreativ zu sein. Vermutlich, weil es hier zu viel technische Möglichkeiten und vor allem zu viele ablenkende Faktoren (Stichwort: Internet) gibt. Also zu viel Inspiration.

Deshalb beschloss ich für mein nächstes größeres Drehbuch-Projekt, mich mit meiner allerersten Schreibmaschine – der geliebten Olympia, die ich seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hatte – in eine komplett Internet-lose Hütte im hintersten Teil des Ennstales alleine zurückzuziehen, um dort meiner “schöpferischen Tätigkeit” nachzugehen.

Mein Hauptanliegen war dabei einmal möglichst linear zu arbeiten. In Zeiten, in denen man fast immer und überall gewohnt ist zu “copy-pasten”, spürte ich das Verlangen, einmal wieder eine Geschichte von vorne nach hinten geradlinig durchzuschreiben. Wobei mir dabei klar war, dass das erste Endresultat dazu keine finale Geschichte sein würde und ich mich irgendwann zwecks “Endverarbeitung” fürs finale Buch wieder zurück an den Computer setzen musste.

Eben wie diese bewusste Nachbereitung war mir auch klar, dass es für meinen Schreibmaschinen-Versuch auch eine entsprechende Vorbereitung geben musste. Im Prinzip eine Art Fahrplan, den ich mir mithilfe von einzelnen Karteikärtchen erstellte. Darauf standen die wichtigsten Eckpfeiler meiner Geschichte. Auf der Schreibmaschine bin ich dann vergleichsweise frei meine Geschichte entlang gefahren, wobei mir die Karteikärtchen wie Autobahn-Ausfahrtsschilder dienten, um in der generell richtigen Richtung zu bleiben.

© Benjamin Swiczinsky

© Benjamin Swiczinsky

Als ich mit meiner „Autobahnreise“ auf der Schreibmaschine von vorne bis hinten durch war, begann ich dann das schnell Getippte zu analysieren. Ich notierte mir auf einem karierten Papier pro Zeile eine Drehbuchseite und notierte mir dann darauf grob die wichtigsten Dinge. Also zum Beispiel Wendepunkte, Auftritt neuer Charaktere, Ortswechsel. Als ich damit durch war, bekam ich einen ganz guten Überblick, wo es Unregelmäßigkeiten oder Längen in der Struktur der Geschichte gab. So war zum Beispiel der erste Akt viel zu lang und der dritte Akt verhältnismäßig zu kurz. Danach machte ich auf dem Papier grobe Korrekturvorschläge, wie man die Geschichte mehr in Balance bringen könnte. Weiters machte ich mir noch Notizen, was mir sonst an der Geschichte noch nicht gefiel… was sehr sehr viel war.

Nachdem ich mit meinem Selbst-Feedback durch war, setzte ich mich wieder an die gute alte Olympia und arbeitete die ganzen Korrekturen ein, was mindestens so lange dauerte wie das Schreiben des eigentlichen Drehbuchs.

Nachdem ich mit all dem durch war, wagte ich das erste Mal, zwei Kopien des frühen Drehbuchs an zwei enge Vertraute (einmal weiblich, einmal männlich) zum Durchlesen auszuhändigen. Allerdings wies ich dabei öfters darauf hin, dass es sich dabei noch um eine grobe Arbeitsversion handelt, da mir bewusst war, dass es ein ordentlich gewaschenes Feedback von beiden Seiten geben würde. Und einige Tage später gab es auch genau das. Sehr ausführliches Feedback von beiden Seiten, was meine Vermutung bestätigte, dass die Story noch bei weitem nicht filmtauglich ist. Allerdings brachte mich das Feedback einen riesigen Schritt voran und half mir auch Aspekte zu betrachten, die ich im Moment noch gar nicht so auf dem Schirm hatte.

Das ganze Feedback baute ich dann wieder ins Treatment ein, das ich jetzt am Computer schrieb, da ich diesmal auch vieles mit Recherchematerial gegencheckte und mit einarbeitete. Dieses Treatment verwendete ich dann für eine Einreichung bei der Filmdrehbuchförderung.

Und da stehe ich jetzt. Treatment und Filmidee sind bei der Filmförderung eingereicht und ich warte jetzt darauf, um zu erfahren, ob ich etwas finanzielle Unterstützung von dort bekomme, um das Buch zusammen mit einer befreundeten Autorin und Dramaturgin weiter auszuarbeiten.

Man darf also weiter gespannt bleiben…

Benjamin Swiczinsky

INFO: Neuer Österreichischer Trickfilm: www.neuer-trickfilm.at

„Faust“ – Teaser

Heldenkanzler

A Hologram For The King – Full Opening Sequence

„Birne, Schädel & Haupt“

Die Hermes Baby auf Mallorca

Es war mal wieder Urlaubszeit angesagt. Nach einem Kurzurlaub Anfang Juli in Windischgarsten (Oberösterreich) auf dem fantastischen Ferienhof der Familie Gressenbauer sollte es diesmal für neun Tage ans Meer gehen. Mallorca, um genauer zu sein. Und wie auch in OÖ konnte ich mir nicht vorstellen, nach Spanien ohne Schreibmaschine zu verreisen.

Diesmal tendierte ich eigentlich zur stylischen Olympia SF De Luxe, die mir Guido Lehwalder vor seinem Umzug in die Türkei schenkte. Letztendlich entschied ich mich dann aber doch wieder für die Hermes Baby, die mir schon in Oberösterreich gute Dienste leistete. Sie passt einfach besser in den Tagesrucksack, den ich immer mit mir schleppe.

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Ich machte mir allerdings auch noch einige Gedanken bezüglich der Sicherheitskontrolle am Flughafen. Wie würde man angesichts so viel Heavy Metal reagieren? Als meine Freundin mitbekam, dass ich – trotz ihres ausdrücklichen Wunsches/Befehls/11. Gebotes – eine Schreibmaschine mit hatte, verdrehte sie nur genervt die Augen. But that’s me. You’ve got to deal with it.

Das Scannen des Handgepäcks am Flughafen Wien-Schwechat war von einer gewissen Angespanntheit meinerseits begleitet. Ich konnte genau beobachten, wie der Sicherheitsbeamte etwas länger als sonst und stirnrunzelnd vor dem „Röntgenbild“ meiner Schreibmaschine auf dem Bildschirm verharrte (ich wünschte, ich hätte in dem Moment ein Foto von dem „Skelett“ machen können). Schließlich deutete er seiner Kollegin, sich das Bild kurz einmal anzuschauen. Als ich dann sagte, dass es eine Schreibmaschine sei, lächelte mich die Kollegin an: „So etwas haben wir hier noch nie gesehen. Ein Sammlerstück, nicht?“ „Nein, ich verwende das Ding tatsächlich.“

Und so durfte meine Schreibmaschine nach Mallorca ausreisen.

Zugegeben, sehr viel kam ich nicht zum Tippen. Und auch nicht zum Posen (z.B. Schreibmaschine auf schroffen Klippen vor weißer Gischt der Meeresbrandung) – aber doch, ja, ein paar Seiten konnte ich trotz Sandburgen bauen, schwimmen, Kindern und Ausflügen der Schreibmaschine abringen. Zwei Geschichten konnte ich so schon vorbereiten: Einen Artikel über eine neue mechanische Schreibmaschine – und traurigerweise auch einen Nachruf. Die Hermes Baby hat sich für mich als Reiseschreibmaschine auf jeden Fall wieder einmal bewährt. Ich glaube, ich werde auch in Zukunft auf sie setzen.

Beim Heimflug gab es auch auf dem Flughafen von Mallorca eine Verzögerung. Mein vollgestopfter Rucksack sorgte für Aufmerksamkeit. Aber es war nicht der merkwürdige Transportbehälter der Hermes Baby, den der Sicherheitsbeamte mit einem achselzuckenden „máquina de escribir“ abtat. Nein, der Rucksack an sich war einfach zu vollgestopft und ich musste einige Sachen erneut scannen lassen. Aber ansonsten gab es mit der Schreibmaschine keine gröberen Probleme – und das freut mich.

Rodja

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Benjamin Swiczinsky und die Olympia Traveller de Luxe

Wie ja einige wissen, liegt mein Hobby-Schwerpunkt auf dem deutschsprachigen Independent Film. Mit dem HomeMovieCorner betreibe ich auch seit 2001 eine Plattform, die sich mit dem unabhängigen Filmgeschehen in Österreich, Deutschland und der Schweiz beschäftigt. Man kann sagen, dass ich mit der Zeit einiges an Expertise gewonnen habe – und aus dem Grund habe ich mich auch sehr geehrt gefühlt, vor einigen Wochen durch einen Filmabend des Neuen Österreichischen Trickfilms (kurz NÖT) zu führen. Die Gruppe besteht aus Johannes Schiehsl, Conrad Tambour und Benjamin Swiczinsky, die seit nunmehr genau fünf Jahren die Trickfilmszene in Österreich erfolgreich beleben.

Neben Auftragsarbeiten wie Schriftzüge und Animationen für Filme (u.a. für „Ein Hologramm für den König“ – dem aktuellen Tom-Tykwer-Film mit Schreibmaschinen-Enthusiast Tom Hanks) oder ganzen Serien (z.B. „Hexe Lilli“) arbeitet das Trio auch an eigenen Projekten.

Anlässlich des fünfjährigen Jubiläums fand nun im Schikaneder Kino der Filmabend statt (ein Bericht dazu hier). Vor dem Filmabend tippte ich mir im Kino noch einige Notizen mit meiner Hermes Baby – und natürlich erntete das Getippe neugierige Blick. Irgendwie dürfte ich da auch etwas bei Benjamin Swiczinsky „getriggered“ haben, denn vor kurzem erhielt ich eine Mail von ihm: „Bei unserem letzten Treffen hast Du mich ja endgültig überzeugt, mein nächstes Drehbuch auf klassischer Schreibmaschine zu schreiben.“ Na, das hört man doch gerne. 😀

Er hat sich mittlerweile auch schon die alte Olympia Traveller de Luxe von seiner Mutter besorgt, mit der er schon als Kind immer geschrieben hat. Leider hat die ein paar Macken, aber nachdem das Büro von NÖT auf der Landstraßer Hauptstraße sowieso in der Nähe von Meister Schilhan in der Rochusgasse liegt, dürfte das bald erledigt sein. Und sollte es aus Kostengründen scheitern, so stelle ich Benjamin Swiczinsky für sein Projekt gerne eine meiner Schreibmaschinen zur Verfügung.

Rodja

Anbei ein Animationsfilm von Benjamin, der anlässlich der Premiere von NÖT 2011 in Wien präsentiert wurde. „Heldenkanzler“ behandelt das historisch nicht uninteressante Kapitel des Austrofaschisten Engelbert Dollfuß.

Fabian schreibt auf einer Hermes Baby

Hurra, der zweite Gastbeitrag zu „…schreibt auf einer…“. Diesmal Fabian Neidhart, der von seiner Hermes Baby schreibt. Der 29-jährige Stuttgarter ist Straßenpoet, Sprecher und Botschafter des Lächelns. Auf seiner Homepage Mokita.de bietet er außerdem seinen Roman „Das Leben ist ein Erdbeben und ich stehe neben dem Türrahmen“ unter einer Creative Commons-Lizenz kostenlos an. Man kann das Buch aber auch um zehn Euronen über Amazon beziehen.

© Fabian Neidhart

© Fabian Neidhart

Meine Geschichte mit Schreibmaschinen beginnt 2010. Ich bin in Berlin, auf einer Lesung und verbringe ein paar Tage mit einer Freundin, die ich viel zu selten sehe. Und bei ihr im Zimmer steht eine Schreibmaschine. Es ist eine schwere, selbst für eine Schreibmaschine alte Maschine. Wenn ich davor jemals eine Schreibmaschine benutzt habe, kann ich mich nicht mehr dran erinnern. Meine Erinnerung an Tastaturen beginnt mit acht Jahren und dort ist das ein 386er mit Windows 3.11 und einem Speed-Button. Nichts mit Schreibmaschine. Aber eben dann.

© Fabian Neidhart

© Fabian Neidhart

Ich verbringe Stunden damit, mich mit der Maschine vertraut zu machen. Mit schmerzenden, geschwärzten Fingerkuppen fahre ich Tage später nach Hause und ich weiß, dies wird nicht meine letzte Begegnung mit Schreibmaschinen gewesen sein. Und tatsächlich, ziemlich bald darauf finde ich eine Anzeige, in der zwei Schreibmaschinen verschenkt werden, eine elektrische und eine manuelle. Ich melde Interesse an und schleppe ein paar Tage später zwei Koffer quer durch Stuttgart. Die elektrische Maschine ist direkt in den Keller gewandert, die andere auf meinen Schreibtisch, eine Triumph Norm von 1936. Damit ging es los.

Danach habe ich drei Jahre lang so ziemlich jede Schreibmaschine aufgenommen, die im Umkreis von Stuttgart verschenkt wurde. Deshalb stehen nun knapp 20 Schreibmaschinen auf dem Dachboden meiner Eltern, einige Olympia, ein paar Triumph und Adler und wenige Olivetti und noch ein paar andere. Meist Büromaschinen, wie sie in den 1970ern zum Arbeiten genutzt wurden. Und bis auf zwei IBM Selectric II alles manuelle Maschinen. Meine Lieblingsmaschine dabei ist die Hermes Baby von 1949. Sie ist neben einer Olivetti Valentine auch die einzige, für die ich Geld bezahlt habe. Einen Euro. Als einziger Bieter bei einer Auktion auf eBay, die nur Abholung anbot und zwei Straßen von mir entfernt war.

Wenn man sich mit Schreibmaschinen beschäftigt, stößt man unweigerlich irgendwann auf die Hermes Baby. Sie ist das MacBook Air der Schreibmaschinen, eine Reisschreibmaschine, auf der beispielsweise Steinbeck geschrieben hat und die Max Frisch in „Homo Faber“ verewigt. Mit ihr habe ich Anfang 2011 das Ding namens Straßenpoesie begonnen. Ich sitze mit ihr auf Designmärkten, Kunstausstellungen oder Parties, Passanten nennen ein Thema und einen Preis und ich schreibe dann Geschichten auf Blankopostkarten. Macht unglaublich viel Spaß. Und immer habe ich zu viel zu tun.

© Fabian Neidhart

© Fabian Neidhart

2012 habe ich den Tumblr-Blog „typewriterspotting“ eröffnet, in dem ich Schreibmaschinensichtungen in Filmen, Serien und so weiter sammele.

Meine kleine Sammlung an Schreibmaschinen liegt mittlerweile auf dem Dachboden meiner Eltern. Ganz manchmal mache ich mit ihnen Workshops mit Jugendlichen. Führe sie an das Analoge und die Kreativität ran. Leider aber viel zu selten. Ich persönlich schreibe immer wieder auf der Hermes Baby. Es hat das Analoge eines Bleistifts oder eines Füllers und gleichzeitig das Bestimmte einer Computerschrift. Nur eben nicht so leicht auslöschbar. Man schreibt definitiv anders auf einer Schreibmaschine.

© Fabian Neidhart

© Fabian Neidhart

Für mein aktuelles Romanprojekt „Eine Nacht mit genügend Schlaf ist nur eine weitere, an die du dich nicht erinnern wirst“ habe ich die ersten fünf Seiten auf einer Schreibmaschine geschrieben. Für mehr bin ich leider zu faul. Deshalb nutze ich auch seit 2008 das gleiche Notizbuch, weil ich mir fast immer nur Notizen mache und den Rest dann am Computer schreibe. Ich will nicht alles doppelt abtippen müssen. Trotzdem, ich liebe diesen Grat von Altem und Neuem, und vor allem, die Verbindung dieser beiden Sachen. Und da gehören Schreibmaschinen definitiv dazu.

Fabian Neidhart
www.mokita.de
http://typewriterspotting.tumblr.com/

© Fabian Neidhart

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