Zu Gast bei Schreib-Coach Ronny Rindler

Rodja killed the Youtube-Star… oder so ähnlich

© Ronny Rindler/Youtube Screenshot

(Ja, auf dem Screenshot steht Richard Polt – aber ich versichere Euch, dass ich es bin.)

Vor kurzem bin ich über den in Wien lebenden deutschen Schreib-Coach Ronny Rindler gestolpert. (Himmel, wie oft ich schon im Internet über was gestolpert bin… ich muss mir echt eine andere Redewendung dafür einfallen lassen.) In einem Video auf seinem für Autoren und sonstige Schreiberlinge interessanten Youtube-Channel RINDLERWAHN schreibverrückt schwärmte Ronny von der „Schreibmaschine“ Freewrite, auf die ich eh schon lange ein Auge geworfen habe. (Allerdings ist sie mir zu teuer, das Bestellen zu umständlich – und die Sache mit dem Service ist mir auch ein bisschen zu unsicher.) Dennoch erachte ich den Freewrite beim Schreiben durchaus als nennenswerte Alternative zum PC und zur Schreibmaschine. Etwas, das ich weiterhin im Auge behalten werde.

Einige Aspekte, die Ronny in dem Video positiv hervorhob, kamen mir seltsam bekannt vor. Ja, genau, die Vorteile, die Ronny im Freewrite sieht, treffen auch auf das Arbeiten mit der Schreibmaschine zu. Ich schrieb Ronny an, denn ich wollte mich unbedingt über den Freewrite mit ihm austauschen. Und als Ronny hörte, dass ich ein überzeugter Schreibmaschinen-Fan bin, war auch er neugierig. Und so lud er mich vor die Kamera – und das Ergebnis ist hier zu sehen…

Zu Gast waren auch die Hermes 3000, die Hermes Baby und Ronnys Freewrite von Astrohaus. So war es mir auch möglich, einen kleinen, direkten Vergleich zu machen.

Es war eine sehr nette Plauderei – und da habe ich gemerkt, wie viel Spaß es macht, über Sachen zu reden, von denen man so richtig überzeugt ist.

Gedreht wurde übrigens in der Buchhandlung Frick in der Schönbrunner Straße 261, 1120 Wien, wo Ronny auch einige Schreibkurse abhält.

Das T-Shirt, das ich trage, ist übrigens von Schreibmaschinenkünstler Robert Doerfler, der das Bild getippt hat. (Nur, falls jemand so exklusiv herumlaufen möchte. Das ist keine bezahlte Werbung, das T-Shirt habe ich schön brav selbst gekauft.)

Rodja

PS: Ronny stellte freundlicherweise den Schreibmaschinisten das Video zum Freewrite vor einiger Zeit zur Verfügung (hier zu sehen).

INFO: Ronny Rindler: https://www.rindlerwahn.de. Auf Youtube: RINDLERWAHN schreibverrückt

Tom Hanks‘ verborgenes Talent

Die US-Zeitschrift „Vanity Fair“ hat mit „Secret Talent Theatre“ eine nicht ganz ernst zu nehmende Clip-Reihe ins Leben gerufen, in der Stars ihre verborgenen Talente zeigen können. Helen Mirren lässt die Peitsche knallen, um „Wonder Woman“ Gal Gadot kreiselt der Hula-Hoop-Reifen – und Nicole Kidman isst Insekten. Solche Sachen halt.

Und was macht Oscar-Preisträger Tom Hanks? Der Schreibmaschinen-Poster-Boy wechselt furchtlos das Farbband auf einer Hermes 3000. Applaus!

You will get ink on your fingers. Deal with it! – Tom Hanks

Rodja

Die Postkarten-Challenge II

53 Postkarten. 53 Wochen.
Ein (fast) neues Jahr. Ein neues Projekt.

Ende des vergangenen Jahres habe ich das Projekt Postkarten-Challenge 2017 abgeschlossen. In dem Jahr wollte ich jede Woche eine Postkarte schreiben und schicken. Dafür besorgte ich mir so einen Postkarten-Kalender – und ja, tatsächlich schaffte ich es, eine Karte pro Woche zu schreiben. Also rein theoretisch und äußerst großzügig im Durchschnitt eines Jahres gerechnet (hüstel), wie man meinem Bericht hier entnehmen kann.

Ich hatte mit zwei Problemen zu kämpfen. Erstens hatte ich zu wenig Adressen (es hat sich nur eine Handvoll Leute gemeldet – und das für 53 Karten!), zweitens meine Faulheit (Ja, aber das war so was von unerwartet. Ich schwör’…). Aber dennoch schaffte ich es, den Postkarten-Kalender abzuarbeiten.

Und womit ich nicht gerechnet habe… ich konnte doch tatsächlich einigen Leuten eine Freude bereiten, ihnen ein kleines Lächeln in ihr Gesicht zaubern. Zumindest konnte ich das einigen Rückmeldungen in Form von Twitter-Kommentaren, E-Mails und ja, auch Postkarten und Briefen entnehmen. Es ist doch einfach was anderes, wenn man statt Rechnungen eine Karte im Postfach vorfindet.

Über zwei Reaktionen habe ich mich ganz besonders gefreut. Erstens habe ich einen Brief aus den USA von Mrs. Laura Hoelzinger erhalten (das Kuvert mit dem Emblem auf der grünen Schreibmaschine auf dem Bild). Für sie arbeitete meine Mutter in den 1970er, Anfang der 1980er als Mädchen für alles. Und von ihr bekam meine Familie die erste Schreibmaschine (nachzulesen unter „Ein Fund, der zu Tränen rührt“).

Die zweite Reaktion war von Martin Kellner, der hier schon über seine Erfahrungen mit seiner Olympia Splendid 33 geschrieben hat. In einem Mail schrieb er mir, dass er zwar von meiner Aktion gehört hatte und sie an sich ganz nett fand. Als er dann aber tatsächlich eine Karte von mir in seinem Postfach fand, trat ein Wow-Effekt ein. „Ich habe mich so sehr darüber gefreut. Das musste ich erst erleben, damit ich gemerkt habe, wie cool die Aktion ist“, so Martin in einem Mail. Und jetzt steht ebenfalls ein Postkartenkalender auf seinem Schreibtisch – ich habe die erste Karte davon bekommen (siehe Karte auf meiner grünen Hermes 3000). Vielen herzlichen Dank dafür, Martin!

Und aus diesem Grund habe ich mich – spät, aber doch (ist ja auch schon Ende Februar) – entschlossen, für mich die Postkarten-Challenge 2018 auszurufen.

© Rodja Pavlik

Wer also irgendwann im Jahr 2018 eine Postkarte erhalten will, möge mir bitte seine postalische Anschrift an schreibmaschinist(at)gmx.at übermitteln.

Vielleicht machen ja Postkarten die Welt wirklich zu einem besseren Ort. Kann mir jemand die Adressen von Donald Trump, Wladimir Putin und Kim-Jong Un schicken? Ich habe sie gerade nicht parat.

Da ich mich für eine Sache, die man eigentlich zum Jahresanfang beginnen sollte, recht spät entschlossen habe, bin ich auch recht spät mit einem Postkarten-Kalender dran. War gar nicht so einfach zu finden. Die meisten Motive (Sinnsprüche, Schottland, Irland) waren schon aus, also habe ich diesmal einen Norwegen-Kalender von Harenberg (siehe Bild) bekommen. Den Kalender hat freundlicherweise die Buchhandlung Ortner in der Tigergasse 19, 1080 Wien, besorgt.

Dort habe ich auch das kleine Blöckchen mit Schreibmaschinen-Thema vom Moses-Verlag entdeckt. (Ich wollte dafür keinen eigenen Artikel aufmachen, deswegen habe ich es in diesen Post hier reingepackt.)

Passend zu diesem Post (und weil ich ebenfalls keinen exklusiven Post dafür aufmachen wollte) möchte ich noch auf dieses graue Ding im Vordergrund des obigen Bildes verweisen. Es ist ein Adressen-Register in Schreibmaschinen-Form!

© Rodja Pavlik

Das Adress-Register habe ich um drei oder vier Euro bei Willhaben entdeckt und es aus Neugierde genommen. Leider ist es noch weniger wert, deswegen werde ich es auch entsorgen. Aber zwecks Dokumentation (you know… Schreibmaschine… das Thema zieht sich durch diesen Blog hier) will ich es dennoch kurz vorstellen.

© Rodja Pavlik

Das Ding ist grau und hässlich und leider nicht mal funktionell. Eigentlich ist es auch mehr ein Telefon-Register, denn eine ganze Adresse geht sich beim besten Willen nicht aus.

© Rodja Pavlik

Wie man sieht, haperts auch mit der Mechanik. Eigentlich habe ich „JKL“ gedrückt, bekommen habe ich „GHI“. Wie gesagt, ein Fall für die Entsorgung…

Rodja

INFO: Buchhandlung Ortner: https://ortnerbuecher.at/

PS.: Die Autorin Anika Bischoff („Abflug Transplantation: Letzter Aufruf“, „Hamburgersafari“), die hier schon über ihre Erfahrungen mit ihrer orangenen Brother DELUXE 250 TR geschrieben hat, hat mich übrigens auf das Portal www.postcrossing.com verwiesen. Falls ich also zu wenig Adressen haben sollte, werde ich mein Glück dort versuchen.

Schreibmaschinen-Ersatzteile aus dem 3D-Drucker

© 3D Typewriter Parts.com

Schreibmaschinen sind an und für sich unkaputtbar. Pflegt man sie gut, halten sie ewig. Pflegt man sie nicht, halten sie unter Umständen auch ewig. Doch hin und wieder gibt es Teile, die verschleißen einfach. Die Füße zum Beispiel, oder der Drehknopf für die Walze. Oder die Farbbandspule. Im Glücksfall gibt es irgendwo noch eine baugleiche Schreibmaschine zum Ausschlachten – oft wird man da auch noch im Web fündig.

Aber da mechanische Schreibmaschinen kaum noch produziert werden – und die heutigen Schreibmaschinen kaum passende Teile für alte Maschinen aufweisen, ist diese Ressource begrenzt. Und hier könnte eine neue Technologie Abhilfe schaffen: Der 3D-Druck. Mittels eines detaillierten Plans werden Objekte schichtweise „gedruckt“ bzw. aufgebaut. Hat man also den Plan eines Schreibmaschinen-Fußes, kann man den beliebig oft ausdrucken.

Das Problem ist halt, dass man – neben der entsprechenden Hardware – auch diese Pläne haben sollte. Und hier kommt die Site 3dtypewriterparts.com ins Spiel. Die Webpage ist erst im Aufbau begriffen, beinhaltet aber bereits einige Pläne für u.a die Hermes Baby, die Erika 11 oder die Olivetti Lettera 32, um nur ein paar zu nennen. Hier gibt es keine Pläne von ganzen Schreibmaschinen, sondern eben von Einzelteilen, wie die vorhin genannten Füße und Spulen. Aber wer weiß, das kann sich mit zunehmendem Traffic auf der Seite auch ändern. Denn natürlich sind auch andere 3D-Druck-Spezialisten eingeladen, ihr Wissen und ihre Erfahrungen zu teilen.

Ich muss zugeben, dass ich mit 3D-Druck bis dato wenig am Hut hatte. Ich weiß zwar, dass es diese Technologie gibt, aber für meinen persönlichen Gebrauch hatte ich noch keinen Bedarf dafür. Allerdings finde ich es doch recht spannend, wie sich – nachdem die Industrie ja selbst kein Interesse an der Produktion von Schreibmaschinen hat – die Schreibmaschinen-Sammlerszene selbst Abhilfe schafft.

Rodja

INFO: http://3dtypewriterparts.com/

Bier, ein Mord… und eine Schreibmaschine

Von Zeit zu Zeit habe ich so Phasen, in denen ich in der Nacht so um zwei Uhr aufwache und nicht mehr einschlafen kann. Dann schleppe ich mich ins Wohnzimmer und schaue fern. Oft bleibe ich bei der Serie „Medical Detectives – Geheimnisse der Gerichtsmedizin“ (OT: „Forensic Files“) hängen, in der reale Verbrechensfälle vorgestellt werden, wo forensische Spurensuche letztendlich den Täter überführt.

„Bitter Brew“ erzählt vom Entführungsfall von Adolph Coors, dem Erben einer der größten Bierbrauereien Amerikas. 1960 war der Mann auf dem Weg zur Arbeit – doch er kam nie an. Wenig später wird sein Wagen mit laufendem Motor und eingeschaltetem Radio auf einer Brücke vorgefunden. Von Coors selbst fehlt jedoch jede Spur. Am nächsten Morgen erhält Coors‘ Ehefrau eine Lösegeldforderung in Höhe von 500.000 Dollar. Der Brief wurde von jemandem geschrieben, der offenbar an der Schreibmaschine ausgebildet wurde. Die Familie Coors stellt das Geld bereit, doch der Entführer meldet sich nie wieder. Monate später wird Adolph Coors‘ Leiche gefunden. Die Polizei hat nur den Brief des Entführers, doch die Analyse des Schriftbildes reicht aus, um erste Spuren auf den Mörder zu legen…

Rodja

Video in Originalsprache:

Benjamin schreibt auf einer Olympia Traveller de Luxe

© Neuer Österreichischer Trickfilm

© Neuer Österreichischer Trickfilm

Benjamin Swiczinsky ist ein Drittel des österreichischen Studios Neuer Österreichischer Trickfilm (kurz NÖT), das seit fünf Jahren in Wien residiert. Davor war es um den österreichischen Animationsfilm recht mau bestellt, aber dem Trio, bestehend aus Benjamin Swiczinsky, Condrad Tambour und Johannes Schiehsl, ist es mit zu verdanken, dass der österreichischen Szene neues Leben eingehaucht wurde. Sie haben u.a. die Regie für eine Staffel der Zeichentrickserie „Hexe Lilli“ gemacht – und zuletzt Animationen für Tom Tykwers „Ein Hologramm für den König“ (mit Schreibmaschinenfan Tom Hanks, womit sich quasi ein Bogen zum vorigen Blogeintrag mit Denise Esposito schlagen lässt) gezeichnet.

Benjamin kenne ich aber schon wesentlich länger. Ich bin ja auch ein großer Fan des deutschsprachigen Indie-Films und habe mit dem HomeMovieCorner 2001 eine eigene Plattform dafür gegründet (die mit Unterbrechungen bis jetzt aktiv ist). Schon Anfang der 2000er-Jahre lernte ich damals den jungen Benjamin Swiczinsky kennen, wie er sich als Autodidakt am Trickfilm versuchte. Damals war noch Disney seine große Inspiration, seine ersten Filme realisierte er mithilfe des Medienzentrums der Stadt Wien. Schließlich heuerte er beim No-Budget-Indie-Film „Faust“ von Philipp Hochhauser als Chef-Animator an. Ein bemerkenswerter Film der Indie-Szene, der Goethes Theaterstück werkgetreu darstellte – aber ohne dessen Worte, quasi als Stummfilm (nur mit dem fantastischen Score von Alexander Zlamal). Es war eine Mischung aus Real- und Animationsfilm, wobei die Animationen immer dann ins Spiel gebracht wurden, wenn es magisch wurde. Benjamin leitete dabei in den Räumen der ASIFA Austria ein Heer von Trickfilm-Laien. Nach „Faust“ ging Benjamin nach Deutschland, wo er an der Filmakademie Baden-Württemberg Animation studierte, Conrad Tambour und Johannes Schiehsl traf – und eben NÖT gegründet wurde.

Tricky Trio: Swiczinsky, Tambour und Schiehsl (© Rodja Pavlik)

Anlässlich des fünfjährigen Jubiläums von NÖT baten mich die Filmemacher (das Foto stammt übrigens von der offiziellen Vorstellung der Truppe 2011), im heurigen Juni einen Filmabend mit ihnen zu moderieren. Natürlich nahm ich an – und vor dem Abend tippte ich im Kino noch ein paar Sprecherkarten mit meiner Hermes Baby ab. Während ich so tippte, merkte ich, dass die Schreibmaschine bei den Filmemachern gut ankam – vor allem bei Benjamin. Wie sehr, erfuhr ich aber erst wesentlich später, als Benjamin mir schrieb, dass ich ihn mit der Schreibmaschine „angefixt“ hätte. Und nun freut es mich, ihn in der Rubrik „… schreibt auf einer…“ selbst zu Wort kommen zu lassen. Was ich nämlich nicht wusste: Für ihn bedeutet die Schreibmaschine eine Rückkehr zu den Wurzeln. (Dabei hätte ich angenommen, dass der 1982 geborene Filmemacher doch viel eher bereits mit dem Computer aufgewachsen wäre.)

PS: Übrigens versucht NÖT aktuell mit „Birne, Schädel & Haupt“ eine Web-Trickfilmserie auf die Beine zu stellen. Dafür soll über Crowdfunding ein Budget auf die Beine gestellt werden – hier geht es zur Kampagne.

Angespornt von dem werten Betreiber dieses Blogs habe ich seit vergangenem Sommer wieder begonnen, auf der Schreibmaschine zu tippen. Und zwar auf einer kleinen Olympia Traveller de Luxe aus den 70er Jahren, die ich aus einem verstaubten Regal meiner Eltern wieder reaktivierte. Es war ein wunderbares Wiedersehen. Dazu muss ich aber sagen, dass meine Familie eine etwas längere Schreibmaschinen-Tradition hat.

Ich bin nämlich in einem extremen Low-Tech-Haushalt groß geworden. Meine ersten getippten Arbeiten für die Schule habe ich also auf eben dieser Olympia geschrieben. Danach kam dann die erste elektrische Schreibmaschine. Eine riesige rote IBM-Kugelkopfschreibmaschine, ebenfalls aus den 70er-Jahren. Ich glaube, sie kommt in einer Columbo-Folge vor, wo Columbos Assistent ihm das technische Wunderwerk mit den Worten “Wollen Sie mal was Modernes sehen?” vorstellt. Man konnte sie übrigens fast nur zu zweit tragen, und wenn man sie ansteckte, flogen des Öfteren die Sicherungen raus. Wieder einige Jahre später bekam ich dann meine erste eigene hochmoderne Schreibmaschine zum Geburtstag geschenkt. Ich glaube, es war eine Canon Typestar 110. Praktisch schon ein kleiner Computer. Mit speicherbaren Zeilen und sogar ganzen Texten und perfekter Korrekturfunktion. Und man konnte sie sogar alleine tragen und die Sicherungen flogen auch nicht mehr so oft raus.

Noch ein paar Jahre später, kurz vor der Matura, hielt dann der erste richtige Computer Einzug in den elterlichen Haushalt. Ein Rechner der Firma “digital” aus dem Jahr 1982 (gleich alt wie ich) auf dessen „farbenreichem“ hell-orangenen und dunkel-orangenen Bildschirm man im Prinzip aber nicht wirklich sinnvoll schreiben konnte. Vor allem sahen die Ausdrucke am ebenfalls Sicherungs-gefährdenden Nadeldrucker nicht einmal annähernd so schön wie die der Schreibmaschine aus. Dafür konnte man aber sehr gut das einzige Spiel, das es darauf gab, spielen: “Wörmie” (eine Art norwegisches “Snake” oder so).

© Benjamin Swiczinsky

© Benjamin Swiczinsky

Erst mit meinem Auszug aus dem Elternhaus nach der Matura und meinem wachsenden Film- und Animationsinteresse schloss ich dann Computer-technisch relativ schnell auf und hatte dann bald und bis heute relativ zeitgemäße Rechner. Um ehrlich zu sein, sogar etwas zu viele Rechner. Arbeitsbedingt habe ich mittlerweile eigentlich rund um die Uhr mit digitaler Technik zu tun. Ich schreibe, zeichne, animiere, recherchiere und kommuniziere über den Rechner. Gerade beim Schreiben, einer sehr direkten schöpferischen Tätigkeit, bemerkte ich schon des Öfteren, dass es mir schwer fällt, hier direkt vorm Rechner kreativ zu sein. Vermutlich, weil es hier zu viel technische Möglichkeiten und vor allem zu viele ablenkende Faktoren (Stichwort: Internet) gibt. Also zu viel Inspiration.

Deshalb beschloss ich für mein nächstes größeres Drehbuch-Projekt, mich mit meiner allerersten Schreibmaschine – der geliebten Olympia, die ich seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hatte – in eine komplett Internet-lose Hütte im hintersten Teil des Ennstales alleine zurückzuziehen, um dort meiner “schöpferischen Tätigkeit” nachzugehen.

Mein Hauptanliegen war dabei einmal möglichst linear zu arbeiten. In Zeiten, in denen man fast immer und überall gewohnt ist zu “copy-pasten”, spürte ich das Verlangen, einmal wieder eine Geschichte von vorne nach hinten geradlinig durchzuschreiben. Wobei mir dabei klar war, dass das erste Endresultat dazu keine finale Geschichte sein würde und ich mich irgendwann zwecks “Endverarbeitung” fürs finale Buch wieder zurück an den Computer setzen musste.

Eben wie diese bewusste Nachbereitung war mir auch klar, dass es für meinen Schreibmaschinen-Versuch auch eine entsprechende Vorbereitung geben musste. Im Prinzip eine Art Fahrplan, den ich mir mithilfe von einzelnen Karteikärtchen erstellte. Darauf standen die wichtigsten Eckpfeiler meiner Geschichte. Auf der Schreibmaschine bin ich dann vergleichsweise frei meine Geschichte entlang gefahren, wobei mir die Karteikärtchen wie Autobahn-Ausfahrtsschilder dienten, um in der generell richtigen Richtung zu bleiben.

© Benjamin Swiczinsky

© Benjamin Swiczinsky

Als ich mit meiner „Autobahnreise“ auf der Schreibmaschine von vorne bis hinten durch war, begann ich dann das schnell Getippte zu analysieren. Ich notierte mir auf einem karierten Papier pro Zeile eine Drehbuchseite und notierte mir dann darauf grob die wichtigsten Dinge. Also zum Beispiel Wendepunkte, Auftritt neuer Charaktere, Ortswechsel. Als ich damit durch war, bekam ich einen ganz guten Überblick, wo es Unregelmäßigkeiten oder Längen in der Struktur der Geschichte gab. So war zum Beispiel der erste Akt viel zu lang und der dritte Akt verhältnismäßig zu kurz. Danach machte ich auf dem Papier grobe Korrekturvorschläge, wie man die Geschichte mehr in Balance bringen könnte. Weiters machte ich mir noch Notizen, was mir sonst an der Geschichte noch nicht gefiel… was sehr sehr viel war.

Nachdem ich mit meinem Selbst-Feedback durch war, setzte ich mich wieder an die gute alte Olympia und arbeitete die ganzen Korrekturen ein, was mindestens so lange dauerte wie das Schreiben des eigentlichen Drehbuchs.

Nachdem ich mit all dem durch war, wagte ich das erste Mal, zwei Kopien des frühen Drehbuchs an zwei enge Vertraute (einmal weiblich, einmal männlich) zum Durchlesen auszuhändigen. Allerdings wies ich dabei öfters darauf hin, dass es sich dabei noch um eine grobe Arbeitsversion handelt, da mir bewusst war, dass es ein ordentlich gewaschenes Feedback von beiden Seiten geben würde. Und einige Tage später gab es auch genau das. Sehr ausführliches Feedback von beiden Seiten, was meine Vermutung bestätigte, dass die Story noch bei weitem nicht filmtauglich ist. Allerdings brachte mich das Feedback einen riesigen Schritt voran und half mir auch Aspekte zu betrachten, die ich im Moment noch gar nicht so auf dem Schirm hatte.

Das ganze Feedback baute ich dann wieder ins Treatment ein, das ich jetzt am Computer schrieb, da ich diesmal auch vieles mit Recherchematerial gegencheckte und mit einarbeitete. Dieses Treatment verwendete ich dann für eine Einreichung bei der Filmdrehbuchförderung.

Und da stehe ich jetzt. Treatment und Filmidee sind bei der Filmförderung eingereicht und ich warte jetzt darauf, um zu erfahren, ob ich etwas finanzielle Unterstützung von dort bekomme, um das Buch zusammen mit einer befreundeten Autorin und Dramaturgin weiter auszuarbeiten.

Man darf also weiter gespannt bleiben…

Benjamin Swiczinsky

INFO: Neuer Österreichischer Trickfilm: www.neuer-trickfilm.at

„Faust“ – Teaser

Heldenkanzler

A Hologram For The King – Full Opening Sequence

„Birne, Schädel & Haupt“

Die Hermes Baby auf Mallorca

Es war mal wieder Urlaubszeit angesagt. Nach einem Kurzurlaub Anfang Juli in Windischgarsten (Oberösterreich) auf dem fantastischen Ferienhof der Familie Gressenbauer sollte es diesmal für neun Tage ans Meer gehen. Mallorca, um genauer zu sein. Und wie auch in OÖ konnte ich mir nicht vorstellen, nach Spanien ohne Schreibmaschine zu verreisen.

Diesmal tendierte ich eigentlich zur stylischen Olympia SF De Luxe, die mir Guido Lehwalder vor seinem Umzug in die Türkei schenkte. Letztendlich entschied ich mich dann aber doch wieder für die Hermes Baby, die mir schon in Oberösterreich gute Dienste leistete. Sie passt einfach besser in den Tagesrucksack, den ich immer mit mir schleppe.

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Ich machte mir allerdings auch noch einige Gedanken bezüglich der Sicherheitskontrolle am Flughafen. Wie würde man angesichts so viel Heavy Metal reagieren? Als meine Freundin mitbekam, dass ich – trotz ihres ausdrücklichen Wunsches/Befehls/11. Gebotes – eine Schreibmaschine mit hatte, verdrehte sie nur genervt die Augen. But that’s me. You’ve got to deal with it.

Das Scannen des Handgepäcks am Flughafen Wien-Schwechat war von einer gewissen Angespanntheit meinerseits begleitet. Ich konnte genau beobachten, wie der Sicherheitsbeamte etwas länger als sonst und stirnrunzelnd vor dem „Röntgenbild“ meiner Schreibmaschine auf dem Bildschirm verharrte (ich wünschte, ich hätte in dem Moment ein Foto von dem „Skelett“ machen können). Schließlich deutete er seiner Kollegin, sich das Bild kurz einmal anzuschauen. Als ich dann sagte, dass es eine Schreibmaschine sei, lächelte mich die Kollegin an: „So etwas haben wir hier noch nie gesehen. Ein Sammlerstück, nicht?“ „Nein, ich verwende das Ding tatsächlich.“

Und so durfte meine Schreibmaschine nach Mallorca ausreisen.

Zugegeben, sehr viel kam ich nicht zum Tippen. Und auch nicht zum Posen (z.B. Schreibmaschine auf schroffen Klippen vor weißer Gischt der Meeresbrandung) – aber doch, ja, ein paar Seiten konnte ich trotz Sandburgen bauen, schwimmen, Kindern und Ausflügen der Schreibmaschine abringen. Zwei Geschichten konnte ich so schon vorbereiten: Einen Artikel über eine neue mechanische Schreibmaschine – und traurigerweise auch einen Nachruf. Die Hermes Baby hat sich für mich als Reiseschreibmaschine auf jeden Fall wieder einmal bewährt. Ich glaube, ich werde auch in Zukunft auf sie setzen.

Beim Heimflug gab es auch auf dem Flughafen von Mallorca eine Verzögerung. Mein vollgestopfter Rucksack sorgte für Aufmerksamkeit. Aber es war nicht der merkwürdige Transportbehälter der Hermes Baby, den der Sicherheitsbeamte mit einem achselzuckenden „máquina de escribir“ abtat. Nein, der Rucksack an sich war einfach zu vollgestopft und ich musste einige Sachen erneut scannen lassen. Aber ansonsten gab es mit der Schreibmaschine keine gröberen Probleme – und das freut mich.

Rodja

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik