Andreas schreibt auf einer Mercedes Superba

Anm.: Als ich die Rubrik „… schreibt auf einer…“ kreierte, hoffte ich, anderen Leuten Lust auf die Schreibmaschine zu machen. Was ich jedoch nicht bedachte… Ich könnte mir selbst Appetit auf neue Schreibmaschinen holen. Autor Andreas Freiherr Mattes von Rothenstein, der freundlicherweise zum zweiten Mal einen Beitrag für diese Kategorie geschrieben hat, hat mich ja schon auf eine Adler „angespitzt“. Und auch beim vorliegenden Artikel denke ich: „Mann, ich muss die mal ausprobieren!“

Komischerweise denke ich das jetzt auch bei einer elektrischen IBM Selectric, von der mir ein anderer Bekannter so vorschwärmt (Du! Ja, DU!!! Du weißt genau, dass ich Dich meine!!!). All diesen wunderbaren Menschen möchte ich ein aufrichtiges „Danke! Und F.U.!!“ ausrichten. ;-D Doch nun zurück zum eigentlichen Artikel.

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Kurvenreich und doch geradlinig? Kann das sein?

Memo an mich selbst: Stöbere nicht so viel im Internet nach Schreibmaschinen. Andererseits wäre mir dann diese Schönheit entgangen. Sie ist für mich eine der schönsten Kleinschreibmaschinen, die ich bisher gesehen habe. Und sie sieht nicht nur elegant aus, sie schreibt auch so. Die Mercedes Superba. Ein genaues Baujahr konnte ich nicht festlegen, irgendwann um 1940 herum dürfte sie hergestellt worden sein. Bis 1954 wurde sie von den Mercedes-Büromaschinen-Werken in Zella/Mehlis gebaut. Als ich sie auf den Fotos vom Verkäufer sah, dachte ich: „Huch, was ist das denn?“ Solch eine geschlossene Schreibmaschine hatte ich noch nie gesehen.

© Andreas Mattes

Meistens liegt das Typensegment ja offen und man kann den Typen bei ihrem Auf und Ab zusehen, wenn sie ihre Abdrücke aufs Papier bringen. Aber hier ist alles geschlossen, beim Schreiben tauchen die Typen nur einen kurzen Moment auf und verschwinden dann wieder im Gehäuse. Scheinbar fühlte sich der ein oder andere Büromensch durch die Bewegung der Typen beim Schreiben irritiert und ein schlauer Ingenieur sorgte für Abhilfe, in dem er die Schreibmaschine mit einem geschlossenen Deckel versah. Unter dem Deckel ist ein Filzpolster angebracht, welches zusätzlich die Tippgeräusche dämpft, man sieht also keine „zappelnden“ Typen und hört auch recht wenig von ihnen, was das Schreiben für alle im Raum Anwesenden wesentlich erträglicher macht. Auf unsere beiden Hunde wirkt das rhythmische Geklackere sogar schlaffördernd, ihre Schnarchgeräusche sind auf jeden Fall lauter als die Schreibmaschine.

© Andreas Mattes

Als mir die Maschine angeliefert wurde, war sie im originalen Holzkoffer, in dem sie wohl die meiste Zeit ihres Daseins verbracht hatte. Eigentlich hatte sie keinerlei Staub angesetzt, der Lack war schwarz wie die schwärzeste Nacht, einzig das kleine Schildchen für die Farbbandauswahl war abgelöst. Dieses erinnert mich irgendwie an die Flagge Frankreichs. Ein paar Tropfen Kleber und es war wieder an seinem Platz, unter dem schwarzen, gewölbten Deckel. Einmal mit der Druckluftpistole vorsichtshalber die Schreibmaschine ausgeblasen, eine Grundreinigung der Tasten, dann ein paar Tropfen Öl und ein neues, zweifarbiges Farbband eingelegt und sie war schreibfertig.

© Andreas Mattes

Ich bin begeistert von ihrer Formschönheit, die so selten zu sehen ist, sie ist ein wahrer Augen- und Ohrenschmaus und es macht richtig, richtig Spaß auf ihr zu schreiben, denn sie lässt sich sehr weich „anschlagen“.

Für die Einstellung der Papierränder kippt man das Blech mit der goldenen Schrift „Mercedes“, an dem die ausklappbare Papierstütze befestigt ist nach vorne und gelangt so an die Randsteller, die ansonsten nicht zu sehen sind. Kommt man dann beim Schreiben an den Punkt wo es nicht mehr weitergeht, man aber mehr will, drückt man vorne, links oben über der Eins, einen gerändelten Knopf und kann dann bis zum Blattende weiterschreiben. Rechts außen am Gehäuse befindet sich ein ebenfalls gerändelter Drehknopf, mit dem man die Farbbandrollen umspulen kann, wenn eine Rolle während das Schreibens abgespult sein sollte.

© Andreas Mattes

Was sofort ins Auge springt, sind die roten Umschalttasten links und rechts an der Tastatur, die wunderbar aus dem glänzenden Schwarz hervorstechen. Aber nicht nur das Schreiben auf ihr macht Spaß, es ist auch eine Freude sie nur zu betrachten. Es soll tatsächlich Menschen geben, die finden Schreibmaschinen ästhetisch und der bloße Anblick einer solchen bringt die Augen zum Leuchten. Ich gehöre definitiv dazu.

Andreas

INFO: Autoren-Site von Andreas Freiherr Mattes von Rothenstein auf Facebook: https://www.facebook.com/ScriptoriumPoetas

USB-Typewriter – die digitale Schreibmaschine

© Adrian Straub

© Adrian Straub

Adrian Straub liebt alte Technik und mechanisches Handwerk. Auf seinem YouTube-Channel stellt der deutsche Vlogger diesbezüglich immer wieder neue Projekte vor: So restauriert er ein Hercules-Fahrrad aus den 1950ern, stellt eine Mercedes-Schreibmaschine (Anm.: Haben! Wollen!) vor, renoviert Dampfmaschinen, repariert alte Radios – und stellt so Sachen auf der Werkbank her, einfach nur um so Sachen herzustellen.

Meine besondere Aufmerksamkeit erregte vor allem die Installation eines USB Typewriter-Kits in eine Schreibmaschine. Damit kann Adrian nicht nur normal auf ein Blatt Papier tippen, sondern gleichzeitig den Text über einen Umwandler auf den Computer übertragen. Man kann es als umfunktioniertes Keyboard betrachten – mit dem Vorteil, dass man die Schreibmaschine an den Computer anschließen kann, aber nicht muss. Das Wesen der Schreibmaschine an sich bleibt intakt, wurde nur um die Computer-Kompatibilität erweitert.

Die Schreibmaschinisten haben nun Adrian Straub um einen Erfahrungsbericht gebeten. Der Artikel fällt quasi in zwei Kategorien. Einerseits wird die USB Typewriter vorgestellt – und fällt somit in die Rubrik „Alternativen“, andererseits gibt Adrian Straub auch seine sehr persönliche Sicht auf Schreibmaschinen wieder – und ist somit ein „Adrian schreibt auf einer Underwood/USB-Typewriter“.

Hiermit nochmals ein großer Dank an Adrian Straub, der detailliert und verständlich Einblick in die Funktionsweise einer USB Typewriter gibt.

Schreibmaschinen sind für mich schon lange nichts Neues mehr. Mit vier habe ich die erste Bekanntschaft mit einer ausgemusterten IBM Kugelkopf in meinem Kindergarten gemacht. Wie auf Knopfdruck mit lautem Schlag plötzlich ein Buchstabe auf dem Papier erschien, faszinierte mich schon damals. Daheim fragte ich dann meinen Vater: „Haben wir auch eine Schreibmaschine?“ Mein Vater verschwand im Keller. Wenig später wuchtete er eine tonnenschwere Adler aus den 50ern auf den Tisch. „Da. Die gehörte mal meiner Mutter.“

Ich setzte mich an die Maschine und hackte wie blöde auf den Tasten herum, wie ich es auch auf der IBM getan hatte – mit wenig Erfolg. Denn die Typen verhakten sich andauernd und machten dem sinnlosen Schreiben ein rasches Ende.

Also begann ich, zu schreiben, was ich sah, dachte mir Geschichten aus, erzählte, was ich den Tag über erlebt hatte, ja, fing sogar mit einer Zeitschrift an. Natürlich reichte mir eine Schreibmaschine bald nicht mehr – auf dem Flohmarkt fand ich eine Triumph aus den 20ern, im Antiquitätenladen eine Continental, beim Garagensale eine Underwood – und binnen kürzester Zeit wuchs meine Sammlung auf ganze elf Maschinen an.

© Adrian Straub

© Adrian Straub

Sehr zum Verdruss meines Vaters hielt die Schreibwut an – er hält nicht viel auf gedrucktes Papier und scannte alles, was ich zu Papier brachte, ein. Erfolglos versuchte er, mich auf den Computer umzugewöhnen. Ein Unternehmen, was ihm mehr als eine zerstörte Tastatur einbrachte, war ich es doch schon seit Jahren gewohnt, mit voller Wucht auf die Tasten schlagen zu müssen – eine Wucht, die kein Mikroschalter der Welt lange aushält.

Die Geschichten wurden länger und länger – und so beschloss ich, meinem Vater etwas Gutes zu tun und zu sehen, was das Netz anzubieten hatte, um Schreibmaschinenschrift in Bits und Bytes umzuwandeln.

Mehr durch Zufall stieß ich auf die Seite www.usbtypewriter.com, auf der der Amerikaner Jack Zylkin sein Projekt vorstellte, welches genau das tat, was ich suchte: Ein Umwandler von Schreibmaschine zu Computer, ohne auf das einmalige Gefühl verzichten zu müssen, das nun mal nur eine waschechte Schreibmaschine vermittelt: Das Klackern der Typen, die fliegende Mechanik, die Klingel am Zeilenende, das Zurückschieben des Schlittens.

Das Prinzip ist überraschend simpel: Wird eine Taste auf der Maschine gedrückt, so schließt diese einen Stromkreis und löst einen elektrischen Impuls aus, der von einem Steuergerät registriert wird. Welche Taste nun gedrückt wird, differenziert das Gerät über eine breite Kontaktleiste. Je nach Schreibmaschinenmodell und Tastatur muss diese Kontaktleiste also eine andere Anzahl und Breite der Kontakte aufweisen, um sicher zu gehen, dass die Typenhebel auch wirklich alle auf einen Kontakt treffen. Zusätzliche Tasten, wie Rücktaste, Leertaste, etc. werden über Magnetschalter (Anm: die rote, ungelenke Markierung wurde von der Redaktion vorgenommen) mit der Schaltplatine verbunden.

© Adrian Straub

© Adrian Straub

Die Leiste wird unter der Maschine angebracht und ist somit von außen nicht sichtbar. Auch die kleine Steuerplatine lässt sich in der Maschine oder an der Seite verstecken.

© Adrian Straub

© Adrian Straub

Mein Vater war von der Idee hellauf begeistert. Zu Weihnachten lag das Ding unterm Tannenbaum. Ich hatte mich entschlossen, meine beste Schreibmaschine – eine Underwood No.11 aus den Kriegsjahren – damit auszurüsten. Für die Underwood-Modelle sieht Zylkin eine etwas rudimentäre Montage vor – die Rücktaste ist im Weg und wird daher abgesägt und zur Seite gebogen. Das wollte ich auf keinen Fall. Ich entschied mich also, die Leiste anders anzubringen – und bastelte mir dazu eine einfache Halterung, die von unten in zwei bereits vorhandene Bohrungen im Maschinenrahmen eingeschraubt wird.

© Adrian Straub

© Adrian Straub

© Adrian Straub

© Adrian Straub

Nun wurde es spannend. Würde das Gerät wirklich das tun, was es soll oder handelte es sich hier eher um einen Prototyp, der noch einen weiten Weg vor sich hatte? Billig war er ja nicht.

Zu Beginn muss der Apparat kalibriert werden. Im Bildfenster erscheint die zu drückende Taste, damit das Programm weiß, welcher Kontakt welchen Buchstaben ergibt. Tatsächlich kann man hier sogar Tasten wie F1-F12 belegen – die Schreibmaschine lässt sich also als vollkommener Computertastatur-Ersatz verwenden.

Ich begann, drauflos zu schreiben. Zu Beginn hakelte es noch etwas – hier und da bestand noch ein kleines Kontaktproblem. Mit etwas Schmirgelpapier waren diese Kinderkrankheiten aber recht schnell behoben.

Wie verhält sich der Apparat nun im Langzeittest?

Tadellos! Ich weiß schon lang nicht mehr, wieviele Seiten ich bereits mit der USB Typewriter geschrieben habe – aber es sind definitiv mehrere hundert. Und mein Vater musste fortan kein einziges Blatt mehr einscannen.

Fazit: Ich kann dieses Gerät wirklich nur empfehlen – besonders für den Vielschreiber. Es hat die Schreibmaschine für mich nochmals wertvoller gemacht – denn jetzt kann ich auch Emails auf der Schreibmaschine schreiben – und sogar dieser Bericht ist auf der USB-Typewriter verfasst.

Adrian Straub

INFO: Adrian Straubs YouTube-Kanal: www.youtube.com/user/lexander5

Die selbstschreibende Schreibmaschine

Seit einigen Jahren tauchen immer wieder Artikel (u.a. bei FAZ, Deutschlandfunk oder Golem.de) auf, dass Roboter oder Künstliche Intelligenz langsam Fuß im Journalismus fassen. Dass – wenn man sie mit den richtigen Daten füttert – sie eigenständig Sport- oder Finanznachrichten verfassen könnten, die kaum von menschlichen Autoren verfassten Texten zu unterscheiden sind. Roboterjournalismus nennt man das.

Als Agenturjournalist lacht man darüber – und hat doch ein etwas flaues Gefühl im Magen. Der Medienbranche geht es generell nicht gut, eine gewisse Gratis-Mentalität im Internet macht den Printmedien auch so schon schwer zu schaffen. Und nun droht der Job auch noch von einem Computer übernommen zu werden. Aber warum nicht? Nach Banken und Versicherungen kommt die Automatisierung nun auch im Journalismus an. Und dem Großteil der Leser ist qualität- bzw. lustvolles Lesen egal (siehe Erfolg der Gratiszeitungen).

Insofern beschreitet Mercedes Benz Research and Development Center of North America, eine US-Tochter des deutschen Autoherstellers, mit einem aktuellen Projekt keine neuen Wege. Allerdings ist die Art, wie die Forschungseinrichtung das macht, doch sehr reizvoll – und auch das Ziel ein anderes. Merchedes Benz hat laut einem Artikel des Technikportals SlashGear eine K.I. (auch Artificial Intelligence/A.I.) und entsprechende Mechanik in eine Schreibmaschine eingebaut.

Dem Roboter wurde befohlen, einen Text Buchstabe für Buchstabe aufzubauen. Dann wurde er mit Werken der Gebrüder Grimm gefüttert. Die K.I. weiß nun, dass sie immer weiter schreiben soll. Und wenn der menschliche Benutzer aufhört zu tippen, hat die K.I. den Text längst analysiert und nimmt den Faden der Geschichte dort auf, wo der Benutzer aufgehört hat – und schreibt selbstständig weiter. Wobei der Computer dann natürlich nicht die Geschichte des menschlichen Benutzers schreibt, sondern eine eigene.

Der Sinn dahinter besteht aber nicht darin, den Büchermarkt zu revolutionieren, sondern die K.I. weiterzuentwickeln. Die Erfahrungen aus der Konstruktion und der Programmierung der Schreibmaschine sind laut SlashGear für den Bau von selbstfahrenden Autos interessant. In naher automobiler Zukunft soll die Software Fußgänger und den teilweise unberechenbaren Verkehr rund um das Auto überwachen. Auch andere potentielle Gefahren wie wechselnde Wetterbedingungen soll sie erkennen und den Fahrstil entsprechend adaptieren – das alles in Echtzeit und nicht erst mit langen Berechnungszeiten.

Insofern… noch einmal Glück gehabt.

Rodja

PS.: Natürlich würde mich jetzt sehr interessieren, was für eine Schreibmaschine Mercedes Benz da umgebaut hat. Es dürfte allerdings keine Mercedes Schreibmaschine sein. Und warum man sie „Jericho Crane“ benamst hat – Arnold Schwarzeneggers Rolle als Satan-Bekämpfer in „End of Days“?

INFO: www.slashgear.com/mercedes-self-typing-ai-typewriter-harry-potter-magic-14467500/