Patrick schreibt auf einer Olympia SM3

Nach Benjamin Swiczinsky mit seiner Olympia Traveller de Luxe konnte ich nun einen zweiten Filmemacher für die Rubrik „… schreibt auf einer…“ gewinnen. Patrick Haischberger ist ein Schauspieler/Autor/Regisseur aus Bad Ischl. Zuletzt fiel er vor allem mit seinem Kurzfilm „Rainy Season“ (Trailer hier), einer Adaption einer Kurzgeschichte von US-Horrorautor Stephen King, auf.

© Patrick Haischberger

Aber wie kommt man denn an die Erlaubnis von so einem renommierten Schriftsteller? Ganz einfach, man schreibt ihn an. „Anfangs bekam ich auf meine Anfrage nur so ein Standard-Mail zurück, aber später schrieb mir King selbst, dass er mich gerne unterstützen würde“, erzählte Haischberger in einem Interview mit der „Kronen-Zeitung“.

Haischberger erhielt die Rechte für die Horror-Kurzgeschichte „Rainy Season“: „Ein abgelegenes Dorf, seltsame Bewohner, Menschenopfer – es war perfekt für mich.“ Er sandte King vorab das Drehbuch: „Ich habe dreimal mit ihm telefoniert, da war ich natürlich sehr nervös. Aber er segnete alles ab, obwohl ich das Ende geändert habe“, so Haischberger im Gespräch mit der „Kronen-Zeitung“.

Für den Kurzfilm konnte Haischberger bekannte österreichische Stars wie u.a. Sabrina Reiter („In 3 Tagen bist du tot“, „Blockbuster – Das Leben ist ein Film“, „Spuren des Bösen“, „Kaviar“), Thomas Stipsits („Jenseits“, „Vorstadtweiber“, „Baumschlager“) und Fritz Karl („Falk“, „Inspektor Jury“, „Meiberger – Im Kopf des Täters“) gewinne. Die Vorpremiere fand bereits am 5. Oktober 2019 statt, nun befindet sich „Rainy Season“ auf Festivaltour

Mit 35 Jahren ist Patrick Haischberger alt genug, um eigentlich nur mit dem Computer aufgewachsen zu sein – und dennoch ist die Schreibmaschine seine „weapon of choice“.

© Patrick Haischberger

“If you hear a soft creaking at the cemetery, do not be afraid. These are not bones rising from their graves, it’s just the sound my typewriter makes when I’m working here.”

Patrick Haischberger

Es ist zwei Uhr in der Früh, Schatten tanzen durch die Gassen, das Klacken der Schreibmaschine erfüllt die Nacht. Ich schreibe in diesen modernen Zeiten mit einer Schreibmaschine. Jeden Tag. Alles, egal ob Drehbücher, Kurzgeschichten oder der Roman, an dem ich gerade arbeite. Zumindest die erste Fassung. Dann tippe ich die Seiten in mein MacBook und überarbeite diese. Die Schreibmaschine ist etwas Mystisches für mich geworden, etwas Befreiendes und erfüllt mich mit Kreativität. Aber auch, wenn ich mit einer Schreibblockade konfrontiert bin, setze ich mich gerne zur Schreibmaschine. Das Gefühl ist einfach ein komplett anderes als am Laptop und gibt mir neue Energie.

Es ist doch so, wenn man stundenlang am Computer schreibt, ist man irgendwann ausgelaugt. Das Licht vom Monitor quält einen und ständig wird man vom Internet abgelenkt. Nachrichten von Sozialen Medien überfluten einen und der E-Mail Ordner geht mit Nachrichten, die beantwortet werden wollen, über. Dabei habe ich noch gar nicht Netflix, oder die unzählige Auswahl an Pornos erwähnt, die es zu bestaunen gibt. Diese Ablenkungen sind zwar ein netter Zeitvertreib, doch der Tod für jegliche Kreativität. Dann bin ich auf etwas gestoßen. Es war fast Magie. Nein vergesst das. Es war Magie. Pure Magie. Etwas aus längst vergangenen Tagen. Etwas völlig Analoges in einer digitalen Welt.

Die Schreibmaschine.

Inzwischen besitze ich mehrere Schreibmaschinen, wobei zwei Stück davon meine Lieblinge sind. Die Ico Olivetti, aus den 1930er Jahren. Die ich von einem schrulligen älteren Bibliothekar erhalten habe, der gerne meine Geschichten liest. Und die Olympia SM3, die ich euch jetzt vorstellen möchte.

© Patrick Haischberger

Gute Geschichten, Vorlagen für Filme, all das schrieb Alfred Hitchcock auf seiner Olympia SM3, einer mechanischen Schreibmaschine aus den 1950ern. Hitchcock war aber nicht der Einzige, der diesem Modell vertraute, auch Regisseur Woody Allen malträtierte die SM3.

Schön ist am Anfang allerdings nur ihr Anblick. Der Akt des Schreibens, er kostet Kraft. Physisch. Wer seine Sätze sonst auf der leichtfingrigen Tastatur eines Laptops hin hastet und gleich wieder neu aufsetzt, für den ist das kleine Ungetüm vor allem eines: ein formidabler Bremsklotz. Erst nach frühem kläglichem Vertippen zeigt sich die eigentliche Schönheit. Die Sinnlichkeit. Die Maschine riecht. Nach Tinte, Farbband, Bakelit und Metall. Der Geruch berauscht, er sagt dir: „Ich bin da.“

© Patrick Haischberger

Wie der Duft, der dich im Nacken deiner Liebsten umfängt. Dann die Tasten, die Typen, die nach vorne schnellen, knallen, schellen. Kein flinkes Fingerspiel, eine Massage, kraftvoll und genau an den richtigen Stellen. Bis sie stöhnt, nein: klingelt. Am Ende der Zeile. Das macht man nicht im Café. Keiner schleppt freiwillig einen kiloschweren Koffer mit sich und hämmert in der Menge herum. Das spleenige Liebemachen findet besser zu Hause statt, wo es auch hingehört. Schön langsam. Satz für Satz. Gedanke für Gedanke.
Schreibmaschinen wurden von Computern ersetzt. Doch es wird sie immer geben. Weil es noch Menschen gibt, die sie benutzen.

© Patrick Haischberger

Wenn man Bücher in einem Bücherregal betrachtet, dann wirken sie antiquiert in einer Welt, in der die meisten Bücher, auch in digitaler Form vorliegen. Ich glaube nicht, dass alle Bücher auf den Bildschirm wandern sollten. Ein gedrucktes Buch ist wie ein Hai, und Haie sind alt. Sie schwammen schon lange vor den Dinosauriern durch die Ozeane und der Grund, warum es noch immer Haie gibt, ist: Sie sind einfach besser darin, Haie zu sein, als andere es wären. Gedruckte Bücher sind zäh, schwer zu zerstören, badewasserresistent, sonnengeschützt, und sie liegen gut in der Hand. Sie sind einfach gut darin, Bücher zu sein, und deshalb wird es immer einen Platz für sie geben.

Faszinierende Menschen zu erschaffen ist immer ein Wetteifern mit Gott. Er hatte Sternenstaub zur Verfügung. Ich meine Schreibmaschine.

Patrick Haischberger

© Patrick Haischberger

Die Frankfurter TwitterSchreibmaschine

In Frankfurt gibt es ein kleines Blumensamen-Geschäft, in dem eine elektronische Schreibmaschine im Schaufenster steht. Von Zeit zu Zeit rattert sie los und schreibt wie von Geisterhand kurze Mitteilungen – und zwar immer dann, wenn irgendwo auf Twitter der Hashtag #samenandreas verwendet wird. Gestatten, die TwitterSchreibmaschine von Nils Andreas.

© Nils Andreas

Nils Andreas ist der Inhaber des traditionsreichen Geschäftes „Samen Andreas“ in der Frankfurter Innenstadt. Das Geschäft gibt es schon seit mindestens 1868 (soweit ist es dokumentiert), wahrscheinlich aber noch länger. Nächstes Jahr feiert das Fachgeschäft offiziell sein 150-jähriges Jubiläum.

Neben Blumen- und Gemüsesamen hat Nils Andreas, der den Fachhandel in fünfter Generation führt, auch noch andere Interessen. Er sammelt alte Computer und dazu passende Drucker. „Ich besitze eine ganze Reihe historischer Drucker, nur ein Typenraddrucker fehlte mir in meiner Sammlung“, erzählt Nils den Schreibmaschinisten auf Anfrage. Ein erster Versuch, einen solchen zu erwerben, ging leider schief. „Ein 40 Kilogramm schwerer Schatz aus den 1970ern kam komplett vernichtet hier an“, schimpft Nils über den schleißigen Paketversand.

Über Ebay fand er dann eine seinen Vorstellungen entsprechende Schreibmaschine, eine Olivetti compact ET60 mit Centronics Interface. Eine elektronische Schreibmaschine aus der Mitte der 1980er-Jahre, die über einen Computeranschluss auf der Seite verfügt. „Und sie druckt wirklich noch immer, wenn man sie über einen USB-Adapter an einen modernen Computer anschließt“, schwärmt Nils.

© Nils Andreas

Schon vor Jahren hatte Nils bereits an einem Twitter-Drucker mit einem Bon-Drucker gebastelt. „Aber Twitter änderte die API’s (Anm.: Programmierschnittstellen) – und so ist das Ganze wieder in einer Schublade verschwunden“, erzählte Nils von den ersten Versuchen, alte Technik mit den Neuen Medien zu verbinden. „Vor 14 Tagen fand ich dann einen jungen Kerl (http://kris.cool), der auch so etwas gemacht hat. Dem seine Programme funktionierten aber alle noch“, so der Technikfan weiters. „Ich habe also alles wieder aufgebaut – Minicomputer RaspberryPi, USB Adapter auf alten Parallelport, WLan Dongle – und diesmal die elektronische Schreibmaschine dran geklemmt. Das Programm habe ich ein wenig an die Bedürfnisse der Schreibmaschine angepasst – und nun tickert alles 1A!“

Die Schreibmaschine steht nun in der Auslage seines Samen-Geschäfts „und wirbt ein wenig für mich“, erklärt Nils. Sobald auf Twitter eine Nachricht mit dem Hashtag #samenandreas getweetet wird, gerät die Schreibmaschine in Bewegung. „Der Hashtag muss klein geschrieben werden, sonst klappert es nicht!“

© Nils Andreas

Die Schreibmaschine und wie man sie mit modernen Computern ansprechen kann, hat Nils auf seiner Webseite Netzherpes.de dokumentiert. Nicht alles klappte anfangs reibungslos, vor allem mit den Umlauten gab es Probleme. Doch mit einer vor kurzem durchgeführten Programmanpassung funktioniert auch das jetzt.

Doch was ist mit den Zeichen @ und #, die es so nicht auf dem Typenrad gibt? Auch hier musste Nils das Programm so umschreiben, dass statt @ jetzt (at) und statt # jetzt (hash) getippt wird. „Jetzt ist es fertig, stabil und klackert“, ist Nils nicht zu Unrecht zufrieden.

Rodja

INFO: „Samen Andreas“, Töngesgasse 27, 63011 Frankfurt. Web: www.samen-andreas.de

© Nils Andreas

„Uncommon Type“ von Tom Hanks

Momentan erfahren Schreibmaschinen ja einen ziemlichen Hype – und dass so ein altes Gerät in den Mittelpunkt des Medieninteresses gerät, haben wir unter anderem einem Oscar-Preisträger zu verdanken: Tom Hanks, der selbst ein großer Schreibmaschinen-Enthusiast ist und über Hunderte von Schreibmaschinen sein eigen nennt.

Nicht nur, dass er sein prominentes Gesicht und seine Expterise der Dokumentation „California Typewriter“ leiht, nein, er hat auch ein Buch mit Kurzgeschichten veröffentlicht. „Uncommon Type“ (der deutsche Titel „Schräge Typen“ soll im Februar 2018 erscheinen) beinhaltet 17 Kurzgeschichten, die Hanks auf verschiedenen seiner mechanischen Schreibmaschinen getippt hat. “In den zwei Jahren, die ich an den Geschichten gearbeitet habe, habe ich Filme in New York, Berlin, Budapest und Atlanta gedreht und überall geschrieben. Ich habe in Hotels bei Presse-Tourneen geschrieben, ich habe im Urlaub geschrieben. Ich habe im Flugzeug, zu Hause und im Büro geschrieben”, teilte Hanks den Medien mit.

© Rodja Pavlik

Nun ist das Buch in Amerika bereits erschienen – und ich habe mir natürlich ein Exemplar besorgt, ein Paperback. Zwar habe ich noch nicht reingelesen (Zeit ist momentan ein äußerst kostbarer Luxus, den ich mir nicht leisten kann), aber allein die Aufmachung ist für Schreibmaschinen-Fans sehr interessant. Neben vier Postkarten (mit Buchcover und drei verschiedenen Schreibmaschinen – Olivetti Underwood, Groma Kolibri (kyrillische Schriftzeichen) und Continental als Motiven) befinden sich auch im Inneren des Buches Bilder der Schreibmaschinen, mit denen der Hollywood-Schauspieler seine Geschichten geschrieben hat (u.a. Olympia, Remington, IBM, etc., etc.). Die Bilder sind aber auf Papier gedruckt, so dass ein Laie wie ich nicht wirklich Details erkennen kann. Vielleicht bietet die teuere Hardcover-Version des Buches eine optisch bessere Qualität.

Momentan ist ja Hanks auf medialer Promo-Tour für sein Buch (wie in dem unten angeführten Clip von der TV-Show „CBS Sunday Morning“). Und ja, auch ich habe mit meinen bescheidenen Mitteln versucht, ihn für meinen Blog zu interviewen. Ich geb’s zu, ein bisschen größenwahnsinnig, aber ich wollte es zumindest ausprobieren. Und bis dato hat sich sein Agent eh noch nicht mit meinem Sekretariat in Verbindung gesetzt. (Nicht, dass ich wirklich damit gerechnet hätte, aber träumen wird man ja wohl noch dürfen, dass einen der Hauch von Hollywood streift.)

Wie gesagt, ich bin noch nicht wirklich dazu gekommen, das Buch zu lesen (da habe ich noch eine lange Liste abzuarbeiten). Die Reviews zu „Uncommon Type“ lesen sich aber auch sehr zwiespältig. Ich bezweifle aber, dass mein Englisch so gut ist, dass ich beurteilen kann, ob Tom Hanks‘ Kurzgeschichten gute oder schlechte literarische Qualität aufweisen. Aber eine Rezension werde ich definitiv noch nachliefern…

Rodja

PS: Was die Postkarten betrifft… Ach herrje, die sind mir schon fast zu schade, um sie wirklich zu verschicken… :-/

Bis die Finger bluten…

Früher war nicht immer alles einfacher…

Wenn ich mich so an die 80er-Jahre, Anfang der 90er-Jahre zurückerinnere, war es damals schon sehr schwer, ein eigenes Magazin auf die Beine zu stellen. Ich hatte zwar nicht so viel organisatorisch mit Schülerzeitungen zu tun, belieferte sie nur mit selbst gezeichneten Comics – aber dennoch kann ich mich an Endlos-Kopier-Orgien am schuleigenen und kostenintensiven Kopierer erinnern. Und heften. Und verteilen. Und kein Feedback bekommen. (Außer dass sich mal ein Religionslehrer über den Kondom-Cartoon von mir aufregte.)

Heutzutage macht man keine Fanzines mehr, zumindest keine aus Print. Heute macht man Blogs. Man ist dank dem Internet schnell vernetzt, bekommt schneller Infos – und die Veröffentlichung erfolgt quasi per Knopfdruck.

Vor kurzem stolperte ich über Adrian Straub und seine Mercedes-Schreibmaschine, die mit einem USB-Anschluss versehen wurde. Der junge Mann erstellt an der Schreibmaschine auch eine Familienzeitung.

© Dia Westerteicher

Das triggerte eine Idee in mir, über die ich ein anderes Mal berichten möchte. Aber diese Idee veranlasste mich, einige Hintergrundrecherchen zu Schülerzeitungen, Fanzines oder Grassroot Magazines anzustellen – und so stieß ich auch auf Dia Westerteicher, der in den 1980ern das Horror-Fanzine „Evil Ed“ herausbrachte. Das Fanzine wurde nun – eben ganz 2010er-mäßig – als Blog und als Podcast unter http://evil-ed.de/ wieder belebt. Und netterweise gibt es die alten Ausgaben auch als Download. Wer neben aktuellen Filmtipps auch etwas Filmhistorisches über den Kampf gegen die damals aufkommende Zensur durch die FSK (bedeutet Freiwillige Selbstkontrolle – man hat mir als Österreicher versucht zu erklären, was dieses quasi-verpflichtende „freiwillig“ bedeutet – ich hab’s bis heute noch nicht so richtig kapiert) lesen will, der wird hier bestens bedient.

Dia Westerteicher ist nun mein erstes Opfer (dafür war er aber ausgesprochen willig), der von den Zeiten damals an der Schreibmaschine erzählte. Hier sein Erfahrungsbericht, den er – eben einem richtigen Gorehound enstprechend – mit einem schön sinnlichen Titel verziert hat…

Bis die Finger bluten…

Meine Schreibmaschinen-Geschichte

Ich war ein anstrengendes Kind.

Wirklich, eines dieser Blagen, das sich mit viereinhalb Jahren das Lesen selbst beibringt und danach jede und jeden mit seinen Kenntnissen nervt. Der dem Opa abends mit: „Das steht da nicht!“ ins Vorlesewort fällt, darauf hin die Grimm’sche Gesamtausgabe an sich reißt und das Märchen vom „Sneewittchen“ (sic!) selbst, und mit verstellten Stimmen, vorliest.

Halt eine echte Nervensäge – besserwisserisch und altklug.

Ende der 60er Jahre in ein Schulsystem gestopft, das mir das mit der linken Hand schreiben noch mittels unsanfter Linealschläge abgewöhnen wollte, und in dem Aufrührer, die, im Alter von acht Jahren, mit dem Religionslehrer über die darwinistische Abstammungslehre diskutieren wollten, mittels eines gezielten Schlüsselwurfes aufs ebensolche –bein ruhig gestellt wurden.

Einzig und alleine die Deutschlehrer sind mir aus diesen unseligen Zeiten in Erinnerung geblieben. Mein zehnseitiger Aufsatz „Sonntag am Fenster“ aus der Serie „Wie ich mein Wochenende verbracht habe“ wurde zum Ende der Grundschulzeit in der Aula vorgelesen, Herr Lehrer Nehmer (Aufnehmer, Aufnehmer – hahaha) hatte sich dafür eingesetzt.

Dies war dann wohl auch der Auslöser dafür, dass mein größter Wunsch zu meinem zehnten Geburtstag im Jahr 1972 eine eigene Schreibmaschine war. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon großer Filmfan, verbrachte mindestens drei Nachmittage pro Woche in unserem Stadtteilkino und hatte meine ersten Romanentwürfe und Theaterstücke bereits, von Hand und im wahrsten Sinn des Wortes mit links geschrieben, in der Schublade.

Da ich in eine finanziell eher schwach besaitete Arbeiterfamilie hineinadoptiert worden war, wurden nun also Weihnachten 71 und Geburtstag 72 zusammengezogen – und am Morgen des 11. März stand dann das gute Stück morgens auf dem Wohnzimmertisch. Eine herrlich orange PRIVILEG 3ooT wartete darauf, von mir gestreichelt zu werden, ein Meisterwerk ostdeutscher Maschinenkunst, vertrieben durch das Versandkaufhaus QUELLE, dem Inbegriff des Goldenen-Jahre-Kapitalismus.

An Papier hatte man auch gedacht, und so machte sich der kleine Dia (der damals noch ganz normal Dietmar hieß) ans Werk. Der halbe Samstag und der gesamte Sonntag gingen dahin. Während zu Beginn noch der einzelne Zeigefinger über der Tastatur kreiste und ab und ab nur mal für ein gut gezieltes „KLACK“ herunter schnellte, gesellten sich nach und nach mehrere Finger dazu und die Pausen zwischen den einzelnen „KLACKS“ wurden kürzer. Am Ende des Wochenendes machten sich innerhalb der Familie schon einige Zweifel breit, ob ein Schlagzeug nicht ein sinnvolleres Geschenk gewesen wäre.

In den folgenden Jahren ließ ich unter anderem Donald Duck gegen Godzilla antreten, überarbeitete einige meiner Schulaufsätze in kürzere Geschichten und schrieb Abenteuer, in denen meine ebenfalls Kino-verrückten Freunde in verschiedenste Filmfiguren schlüpften.

In späteren Jahren kamen dann Science-Fiction-Storys und Horrorheftromänchen dazu, in denen Charaktere mit Namen wie „Harry Kent“ mitspielten und die sich offensichtlich an dem orientierten, was ich damals las. Mit 14 Jahren kam dann, dank zweier Jahre im Konformationsunterricht zurückgehaltener eigener Meinung, die ersehnte Super 8-Kamera und der dazugehörige Projektor dazu – meine eigene Filmfabrik war fertig. Innerhalb der Woche gehörte die Freizeit dem Entwickeln und Niederschreiben von Geschichten und Drehbüchern, am Wochenende wurde das Geschreibsel in Bilder umgesetzt. Dafür – und für die kleine Sammlung an Super 8-Filmkopien – ging dann auch sämtliches Taschen- und, mittels des Austragens der „Bild am Sonntag“ verdiente, sonstige Geld dahin.

Nebenher las ich noch viel und war im Sci-Fi-Fandom recht aktiv, was mich dann auch in Kontakt mit den ersten Fanzines brachte. Abgesehen von ein paar experimentellen Werken von W.K. Giesa, der später zu einem gefragten Heftromanautor (u.a. bei Perry Rhodan) werden sollte und in seinen Fanpublikationen Comic und Kurzgeschichte verband, waren diese Frühwerke deutscher Fankunst aber eher geprägt von deutscher Gründlichkeit und brachten dem Leser mit ihrer steifen Ernsthaftigkeit eher Langeweile als Vergnügen. Matritzengedruckte Bleiwüsten bei denen das einzige Positive der angenehme Geruch von Eierlikör war.

Als es nach der Realschule dann an die Berufswahl ging, war es mir (und meinem damaligen Deutschlehrer) ziemlich klar, dass nur die Richtung Journalismus eingeschlagen werden durfte. Leider war das, bedingt dadurch, dass ich zu dieser Zeit in einer 1.000-Seelen-Gemeinde mitten im dunkelsten Westerwald lebte, nicht machbar. Die nächste Ausbildungsstätte wäre mindestens 100 Kilometer entfernt gewesen, zusätzlich machte mir meine – heute gebe ich das zu – aus Faulheit geborene, mittlere Reife das Leben schwer.

Also galt es das kleinere Übel in Kauf zu nehmen – ich entschied mich für eine Ausbildung als Schriftsetzer, da ich somit zumindest noch etwas mit Sprache zu tun haben würde. Zusätzlich hat Handwerk ja goldenen Boden, was in einer, wie bereits erwähnt, Arbeiterfamilie zum Ende der 70er Jahre hin, als sehr positiv aufgenommen wurde. Heute ist mir bewusst, dass dort der Gedanke „Das wird ihm die Flausen schon austreiben“ im Hintergrund deutlich mitschwang.

Meine Hoffnung, dass ich dort aber in irgendeiner Form auch nur einer meiner Leidenschaften frönen könnte, zerschlug sich aber recht bald. Bleisatz war angesagt, Buchstabe für Buchstabe wurde einzeln zusammengeführt, der vorhandene Fotosatzcomputer (ein damals ultramodernes Gerät mit Ein-Zeilen-Display) war dem Chef und dem ältesten Gesellen vorbehalten. Seit dieses Gerät im Einsatz war, wurde die ebenfalls vorhandene Zeilensetzmaschine nur noch für Standardprojekte wie Beerdigungskarten eingesetzt. Das war besonders traurig, war doch die „Lynotype“, dieses 2 Meter 50 hohe und vier Quadratmeter füllende Monster an deutscher Ingenieurskunst erstens mittels einer Tastatur bedienbar, zweitens in der Lage, es nahezu mit meinem Schreibtempo aufzunehmen und drittens bei der Besichtigung der Werkstatt einer der Hauptgründe für mich gewesen, den Vertrag zu unterschreiben.

Wem dieses Monster nichts sagt, es handelt sich um eine Maschine, in der für jeden Buchstaben eine (oder besser mehrere) Gussformen in einem Reservoir liegen und auf Tastendruck in eine Art Stempel fallen. Ist eine Zeile voll, wird sie tatsächlich in eine passende Menge flüssige Bleimischung getunkt, das Ergebnis ist eine fertige Buchdruckzeile, die wenige Minuten nach dem Satz direkt verwendet werden kann. Ein weiterer Vorteil ist natürlich, dass man diese Zeilen auch jederzeit wieder einschmelzen kann. Die Geräusche, die dieses mechanische Wunderwerk aus dem späten 19. Jahrhundert machte, während die oben angeordneten Vorlagen durch sie ratterten, der eigenständige Geruch des flüssigen Bleis und all die herrlichen beweglichen Teile werde ich nie vergessen.

Allerdings war dieses Gerät – ebenso wie mein Ausbildungsberuf – schon damals, Ende der 1970er Jahre, ein Museumsstück, und so endete meine Ausbildung mit dem letzte Gesellenbrief, der in Rheinland Pfalz noch an einen Bleisetzer vergeben wurde, und die Lynotype im Vorgarten der Druckerei, von wo sie dann Mitte der 90er Jahre auf den Schrott wanderte. Ebenso hätte ich auch mit dem Gesellenbrief verfahren können, der anhand der Noten (praktisch 4/theoretisch 1) deutlich zeigte, dass ich den falschen Beruf gewählt hatte.

Nach einigen dürftigen Monaten als Junggeselle (in beiderlei Hinsicht) zog es mich dann auch wieder zurück in die Großstadt, in der ich die ersten zwölf Jahre meines Lebens verbracht hatte. Dank einiger Überzeugungsarbeit und Ehrlichkeit in Bezug auf die misslungene Berufswahl, kam ich dann auch in einem modernen Satzstudio unter, in dem ich zumindest einige Zeit mal an einem modernen Fotosatzcomputer mit Seitenbildschirm (bedenket, wir reden hier von 1980/81) arbeiten durfte. Aber Kreativität blieb beim stumpfen Abtippen fremder Texte irgendwie auch auf der Strecke.

© Dia Westerteicher

Also wurde zum Leidwesen meiner (damals noch nicht und heutigen Ex-) Frau die alte Privileg wieder ausgepackt. Damals war ich, oder besser waren wir, sehr intensiv mit dem „Krieg der Sterne“-Virus infiziert und im zu dieser Zeit noch neuen Fandom organisiert. Neben den Treffen mit anderen Fans an fast jedem Wochenende, gehörte natürlich auch die Arbeit am eigenen Fanzine mit dazu. Also hieß es Artikel und Geschichten schreiben – die dann auch tatsächlich mal veröffentlicht wurden.

So war es mir möglich, erstmals in den Herstellungsprozess eines solche Magazins Einblick zu erhalten, und als dann der Stern der STERNE zu sinken begann, war ich bereits süchtig nach Selbstpublikation.

Ein neues Projekt zur Ablenkung von der Arbeit, die mittlerweile in Verpackungsdesign in einer Wellpappenfirma bestand, musste her. Da kam mir die FSK zur Hilfe, die sich in den Jahren seit 1983 langsam auf den Videomarkt gestürzt hatte und es im besonderen auf Horrorfilme – also mein Lieblingsfilmgenre – abgesehen hatten. Das war dann die Geburtsstunde des „Evil Ed“-Magazines, das auch heute noch online unter www.evil-ed.de zu finden ist, in dem ich erstmals komplett ohne Schranken DAS und SO schreiben konnte, wie es mir gefiel.

Allerdings hate die gute 300T mittlerweile mehr oder weniger die Zusammenarbeit aufgegeben, ihre Schreiblinie erinnerte mehr an einen Slalomkurs, und einige Typen waren tatsächlich mittlerweile beschädigt. Das alte Mädchen musste ersetzt werden, etwas Neues musste her.

Allerdings erwies sich das Neue als etwas tatsächlich viel Älteres, denn in einem Gebrauchtwarenhandel traf mich die berühmte Liebe auf den ersten Blick, als selbiger auf eine wie neu aussehende ADLER-Maschine aus den 50er Jahren fiel. Ein grau-grüner Koloss von zwölf Kilo Gewicht, aber durch gute Pflege viel gefühlvoller bedienbar, als es das alte Mädchen von Privileg jemals war.

Wir begannen also im Februar 1986 mit der Herstellung unserer ersten Ausgabe und stießen dabei auf Probleme, die heutigen Magazinherausgebern nie wieder begegnen werden. Da wir ja nicht nur Textwüsten herausgeben wollten, galt es also nun beim Abtippen der Texte bereits für Fotos nötige Freiflächen einzuhalten. Also erstellten wir ein Formular mit einem umlaufenden Rahmen, um eine grundsätzliche Form zu haben und kopierten diese einige 100 Mal. Wohl gemerkt, wir reden hier von Kopiergeräten, bei denen man am Ende deutlich sah, dass es sich um eine Kopie handelte.

Für unsere erste Ausgabe suchten wir uns also nötige Fotos aus Magazinen und Büchern heraus, markierten die gewünschte Größe mit Bleistift auf unseren Grundformular und tipperten zielgerichtet darauf hin und daran vorbei. Dann kopierten wir die gewünschten Bilder von ihrem Originalort und klebten sie zu den Manuskripten. Natürlich sah das am Ende aus wie „kämpfende Schwarze im Tunnel“, denn Graustufen kannten damalige Kopierer noch nicht, gerasterte Bilder waren der damaligen Optik noch überlegen, und echter Offsetdruck war unerschwinglich teuer.

© Dia Westerteicher

Bereits für unsere zweite Ausgabe investierten wir also ein wenig Geld und kauften uns Rasterfolie, die, zwischen Originalbild und Kopiererglas gelegt, eine zusätzliche kopiergemäße Aufrasterung ermöglichen sollte. Trotzdem wäre nach dem Rasterungsvorgang ja noch ein weiterer verschlechternder Kopiergang nötig gewesen, also bissen wir in den sauren Apfel und schnitten die gewollten Bilder komplett aus, um sie ins Layout zu kleben. Noch heute stolpere ich ab und an über solcherart zerstörte Werke meiner Sammlung von Sekundärliteratur und könnte mich immer noch in den Allerwertesten beißen.

Aber das Leben ist (und sollte) ein ewiges Lernen sein und nach einem Jahr des fröhlichen Experimentierens und fünf Ausgaben fanden wir unsere Rille (den „Groove“). Mittlerweile tippte ich einen Text einfach nur runter, eine Freundin setzte das auf ihrer Arbeitsstelle (unserem Polizeipräsidium) während der Arbeitszeit mittels einer elektrischen und teilprogrammierbaren Maschine in Spalten um, und unser Layout entstand auf die klassische Art und Weise mittels Leuchttisch, Skalpell, Fixogum und Tusche.

Auch die Adler wich in dieser Zeit dann einer „modernen“ elektrischen Maschine, einer 60er Jahre Olivetti, die sowohl von der Größe mit ihrer 45 cm Wagenbreite, als auch vom Gewicht her, den mechanischen Metallklotz sogar noch überragte. Nach dem Einschalten, das immer vom Flackern des Lichtes in der gesamten Wohnung begleitet wurde, hörte man die Maschine immer im Leerlauf dumpf wummern. Ein Geräusch, das mir noch bis heute in den Ohren klingt.

Zusammen mit Carbon-Farbband und den mit einem Klick austauschbaren Kugelköpfen ergaben sich somit bereits ganz neue – und qualitativ erheblich hochwertigere – Möglichkeiten. Auch die Zeit des Punktekonfettis war nun endgültig vorbei, alle Buchstaben hatten die gleiche Anschlagsstärke und waren reinschwarz.

© Dia Westerteicher

Innerhalb der nächsten zwei Jahre (um genau zu sein 1989) kam dann auch der erste Heimcomputer ins Haus, damals ein Amiga 500. Der wurde dann um einen Laserdrucker ergänzt und im Jahr 1990 veröffentlichte ich mein erstes, komplett mit Computer erstelltes Magazin. Wobei ich damals noch – wegen mangelndem und unbezahlbar teurem Speicher – jede Seite in zwei Teilen ausdrucken musste, der Leuchttisch also dank des nötigen Zusammenfügens immer noch große Teile des Büroraumes blockierte.

Das Ende des fröhlichen Maschinengeklappers war allerdings erreicht und es galt, neue wichtige Techniken (wie den Affengriff, Strg-C und –V und das Gestalten einer autoexec.bat-Datei) zu lernen. Aber das ist eine andere Geschichte und sie soll ein anderes Mal erzählt werden.

Und heute?

Nach nahezu 25-jähriger Abstinenz befindet sich seit Ende letzten Jahres wieder eine Schreibmaschine in meinem Besitz. Eine klassische Continental aus den 40ern, die mich wieder in einem Second-Hand-Laden angesprungen hat und die ich mittels einiger Stunden Arbeit, einer Menge Maschinenöl und einem neuen Farbband tatsächlich wieder in einen schreibfähigen Zustand versetzt habe. Ich habe begonnen, wieder private Briefe auf ihr zu tippen, was – nach einer überraschend schwierigen Zurückgewöhnungsphase – schon fast zu einer meditativen Entschleunigung führt. Trotzdem, einen 2.000 Worte starken Text, wie den vorliegenden heute auf einer „Mechanischen“ zu schreiben, käme mir nicht mehr in den Sinn. So weit geht die Nostalgie dann doch wieder nicht.

Dia Westerteicher

INFO: http://evil-ed.de

Schreibmaschinen-Ersatzteile aus dem 3D-Drucker

© 3D Typewriter Parts.com

Schreibmaschinen sind an und für sich unkaputtbar. Pflegt man sie gut, halten sie ewig. Pflegt man sie nicht, halten sie unter Umständen auch ewig. Doch hin und wieder gibt es Teile, die verschleißen einfach. Die Füße zum Beispiel, oder der Drehknopf für die Walze. Oder die Farbbandspule. Im Glücksfall gibt es irgendwo noch eine baugleiche Schreibmaschine zum Ausschlachten – oft wird man da auch noch im Web fündig.

Aber da mechanische Schreibmaschinen kaum noch produziert werden – und die heutigen Schreibmaschinen kaum passende Teile für alte Maschinen aufweisen, ist diese Ressource begrenzt. Und hier könnte eine neue Technologie Abhilfe schaffen: Der 3D-Druck. Mittels eines detaillierten Plans werden Objekte schichtweise „gedruckt“ bzw. aufgebaut. Hat man also den Plan eines Schreibmaschinen-Fußes, kann man den beliebig oft ausdrucken.

Das Problem ist halt, dass man – neben der entsprechenden Hardware – auch diese Pläne haben sollte. Und hier kommt die Site 3dtypewriterparts.com ins Spiel. Die Webpage ist erst im Aufbau begriffen, beinhaltet aber bereits einige Pläne für u.a die Hermes Baby, die Erika 11 oder die Olivetti Lettera 32, um nur ein paar zu nennen. Hier gibt es keine Pläne von ganzen Schreibmaschinen, sondern eben von Einzelteilen, wie die vorhin genannten Füße und Spulen. Aber wer weiß, das kann sich mit zunehmendem Traffic auf der Seite auch ändern. Denn natürlich sind auch andere 3D-Druck-Spezialisten eingeladen, ihr Wissen und ihre Erfahrungen zu teilen.

Ich muss zugeben, dass ich mit 3D-Druck bis dato wenig am Hut hatte. Ich weiß zwar, dass es diese Technologie gibt, aber für meinen persönlichen Gebrauch hatte ich noch keinen Bedarf dafür. Allerdings finde ich es doch recht spannend, wie sich – nachdem die Industrie ja selbst kein Interesse an der Produktion von Schreibmaschinen hat – die Schreibmaschinen-Sammlerszene selbst Abhilfe schafft.

Rodja

INFO: http://3dtypewriterparts.com/

Die Abenteuer von Mats Honigtau

Von Zeit zu Zeit suche ich auf YouTube nach „Schreibmaschine“ oder „Typewriter“ – und zwar nach aktuellem Uploaddatum geordnet. So bin ich auch auf Mats Honigtau aufmerksam geworden, einem kleinen Teddybären, der allerlei Abenteuer besteht. Eigentlich ist Mats Honigtau auf Instagram daheim, wo er auf vielen Fotos zu sehen ist. Doch es gibt auch einige Stop-Motion-Filme mit ihm. In einem Clip tippt er sogar mit einer grünen Olympia Monica auf einem Blatt.

Nein, nicht Blatt Papier, sondern auf einem echten Blatt von einem Baum. Ein sehr zauberhafter Film, eine bezaubernde Idee. Grund genug, den kreativen Kopf hinter Mats Honigtau anzuschreiben.

Die Spur führte zu Yvonne Eiting. Hauptberuflich arbeitet sie als Assistentin des Chefredakteurs der „Stuttgarter Nachrichten“. Da sie auf eine jahrzehntelange Karriere im Büro zurückblicken kann, ist ihr der Umgang mit der Schreibmaschine nicht fremd. Mit den Schreibmaschinisten sprach sie nun über Mats Honigtau und den Büroalltag in den 1980ern.

Die Abenteuer von Mats Honigtau sind für Eiting nur ein Hobby. Mats ist ein Stofftier der bekannten Firma Steiff. „Den Knopf hat er noch, das Fähnchen habe ich abgeschnitten, damit ich besser mit ihm arbeiten kann“, so die Stuttgarterin. Mats hat sogar eine eigene Seite auf Instagram (mats.honigtau.the.bear). „Es ist unglaublich, wie viele Leute dort Bilder von Bären oder anderen Stofftieren und deren Abenteuern posten. Meiner ist allerdings der einzige, der sie auch in Stop-Motion erlebt“, so Eiting. „Die Filme sind nur auf Youtube, weil einige Bekannte nicht bei Instagram sind.“ Ihr größter Erfolg bisher war ein „Kuchen“-Stop-Motion-Film anlässlich des 70. Geburtstages der „Stuttgarter Nachrichten“, der – direkt über die Facebook-Seite der Zeitung eingebunden – über 9.000 Mal angeklickt wurde.

Mats Honigtau ist für Eiting ein reines Fun-Projekt. „So lange es mir Spaß macht, mache ich weiter. Eigentlich wollte ich mit dem Bären meine Heimatstadt fotografieren und schöne Plätze vorstellen. Aber jetzt sind es halt auch Zeitraffer. Wenn ich aber merke, dass der Aufwand zu groß ist und zu wenige Leute auf Instagram die Filme anschauen, lass ich es wieder.“

Die grüne Olympia Monica gehört ihrem Mann. „Er hat sie sich in seiner Jugend – das ist auch schon wieder 30 Jahre her – für die Ausbildung gekauft.“ Auf die Idee für den Film kam sie, als sie während ihrer Ausbildung eine Fotografie von einem Baumblatt mit eingestanztem Text sah. „Ich habe das dann damals selbst gemacht – und jetzt ist es mir wieder eingefallen und ich habe es mit dem Zeitraffer nochmal verarbeitet.“ Im Grunde hat sie einfach ein Blatt von einem Baum eingespannt und darauf geschrieben. „Man muss halt das richtige Blatt nehmen, da nicht alle gehen. Jedenfalls nicht bei meiner Schreibmaschine. Manche Blätter sind zu dünn, manche zu dick, andere haben zu feste Adern… So richtig gelungen ist es ja auch nicht, wie man im Film sieht. Aber das war quasi alles live und in Farbe.“

Zur Schreibmaschine allgemein hat sie eine besondere Beziehung. „Da ich Sekretärin bin, habe ich dementsprechend unzählige Stunden vor Schreibmaschinen gesessen. Meine liebste war die IBM Kugelkopf, die gab es in meiner damaligen Ausbildungsfirma in zig Varianten und Farben. Am Anfang ohne Korrekturband, später mit. Danach hatte ich eine Olivetti, die bereits einen Speicher mit Display hatte. Damit konnte man eine Seite abspeichern und diese dann am Stück auszudrucken. Die Kollegen machten riesige Augen, als das Teil zum ersten Mal losratterte und ich ein paar Meter weiter stand, um mir den Spaß zu gönnen, die Kollegen beim Staunen zu beobachten“, erinnert sich Eiting zurück. „Damit ich die Olivetti bekommen habe, umfasste die Begründung damals drei A4-Seiten und die Anforderung musste bis zur Geschäftsleitung.“ So beeindruckend dürfte die Olivetti aber aus heutiger Sicht wohl nicht mehr sein, denn: „Wenn ich den Platz hätte, würde ich mir eine IBM Kugelkopf einfach so in die Ecke stellen. Das war einfach die beste und sie hörte sich auch einfach super an.“

Dennoch ist Eiting über den Einzug des Computers im Büro mehr als froh: „Ansonsten war die Arbeit im Sekretariat damals mit der Schreibmaschine oft sehr… sagen wir… zäh. Man schrieb einen dreiseitigen Brief und dann kam der Chef auf die Idee, auf der ersten Seite noch einen Absatz einzufügen. Heißt: Man hat alle drei Seiten nochmal geschrieben. Oft mit mehrfachem Durchschlag, der keinen Fehler haben durfte“, erinnert sich Eiting an die Schattenseiten von damals. „Es gab zu meiner Anfangszeit 1982 nicht mal Faxgeräte und auch keine Kopierer. Den ersten Kopierer durften wir dann auch nicht selbst bedienen. Er stand in der sogenannten Hausdruckerei und nur die Kollegen der Druckerei durften ihn bedienen.“

Auch Ansagen nahm Eiting entgegen. „Oft wurde auf Band diktiert, oft per Steno – was zwei Arbeitskräfte band: Der Chef diktierte und grübelte, die Sekretärin hatte die Sätze manchmal schon fertig im Kopf, durfte aber erst schreiben, wenn der Chef dann soweit war. Saß also da und langweilte sich. Dafür war nicht alles so hektisch: Der Brief ging per Post raus. Bis er ankam, dauerte es zwei bis drei Tage. Bis dann die Antwort formuliert war und eintraf, waren nochmal drei Tage rum. Also nicht so wie heute, wo die Leute meinen, man sitzt auf E-Mails wartend vor dem PC, und schon telefonisch nachfassen, wenn man sich nicht innerhalb von drei Minuten meldet. Trotzdem vermisse ich die Schreibmaschine nicht. Immerhin war es in so einem Großraumbüro ganz schön laut bei dem Getippe.“

INFO: YouTube-Channel von Mats Honigtau; der Bär auf Instagram: https://www.instagram.com/mats.honigtau.the.bear/

PS: Für mich persönlich interessant ist die Tatsache, dass zwischen Eitings Arbeitsbeginn 1982 und meinem Eintritt ins Büroleben 1992 kein so großer Zeitunterschied ist. Gerade mal zehn Jahre. Und obwohl ich von meiner Ausbildung her (Handelsschule/Handelsakademie mit Stenografie und Maschinschreiben, im Aufbaulehrgang allerdings bereits rudimentäre Kenntnisse von CTV – Computertextverarbeitung) her auf Eitings Arbeitswelt eingestimmt wurde, fand ich jedoch ganz andere Verhältnisse vor: Computer, Netzwerkdrucker und Kopierer waren Standard. Eine Schreibmaschine gab es auch, aber ad hoc kann ich mich nicht erinnern, dass die damals je benutzt wurde.

Rodja

Teddy Podgorski: Die Geschichte meiner Schreibmaschine

© Red Bull Media House GmbH

© Red Bull Media House GmbH

Thaddäus „Teddy“ Podgorski ist ein Urgestein des österreichischen Journalismus. Er fing als Redakteur beim damals noch jungen ORF (Österreichischer Rundfunk) an, wurde TV-Moderator, Fernseh-Pionier (Erfinder u.a. der „Zeit im Bild“) und leitete von 1986 bis 1990 den ORF als Generalintendant. Weiters war er auch Schauspieler (u.a. „Der Bockerer“), Theaterregisseur und Buchautor (u.a. „Geschichten aus dem Hinterhalt“, Haymon Verlag).

Für das Magazin „Servus in Stadt und Land – Regionalausgabe Unser Wien“ (S 116 – 118) erinnert sich der 81-jährige Journalist in der Kolumne „Seinerzeit“ an seine Anfangszeiten, als die Schreibmaschine noch ein gewichtiges Instrument der Berichterstattung war. Das Magazin war so freundlich und stellte den Schreibmaschinisten den folgenden Artikel zur Verfügung.

Für mich persönlich interessant ist vor allem die Beschreibung einiger Arbeitsprozesse – und der Chauvinismus, der damals weit verbreitet war („Mad Men“ made in Austria, anyone?). Dieser Chauvinismus prägte auch meine Generation größtenteils in den 1970ern und 1980ern. Frauen als sexy Sekretärinnen – ja, das wurde uns auch noch über die Filme aus Hollywood beigebracht.

Was die Schreibmaschine betrifft… ich kann mich täuschen, aber ich glaube, dass sich Podgorski bei dem Modell irrt. Eine Olympia International ist mir noch nicht untergekommen. Aber Olympia hat sich ja prinzipiell schwer damit getan, seine Modelle ausreichend zu kennzeichnen. Vielleicht, dass man über die Seriennummer das Modell herausfindet.

Die Geschichte meiner Schreibmaschine
Olympia International Ser. Nr. 6849

Es ist eigentlich noch gar nicht so lange her, dass sie erfunden wurde, die Schreibmaschine. Schon ist sie wieder weg. Ab sofort wird lautlos geschrieben. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit.

Assyrer, Babylonier und Ägypter haben ihre Mitteilungen hell klingend in den Stein gemeißelt. Schon von weitem konnte man hören: Hier findet Literatur statt. Die Römer legten alles Wissenswerte mit aufjaulenden Griffeln auf Schiefertafeln nieder. Nur der Geheimdienst des Marcus Iunius Brutus arbeitete mit Wachstafeln.

Kreischende, sich spragelnde Federkiele – bald auch stählerne Federn – glitten mit lautem Stöhnen über das holzige Papier und ließen so manche blaue Träne fallen.

Mit den Maschinen des Industriezeitalters kam auch die Schreibmaschine. Ihr lautes Klopfen war im Lärm der ausbeuterischen Fließbandtransmissionen deutlich zu hören. Es war der Produktionslärm aller Arbeiter der Stirn. Die großen Wahrheiten der Menschheit wurden also sehr geräuschvoll auf die Welt gebracht.

Jetzt ist es still. Man hört nichts mehr. Was macht der Dichter von nebenan? Denkt er? Denken ist heute fast lauter als schreiben. Die Geburtswehen, mit welchen auch die trivialste Literatur geboren wird, bleiben fortan unbemerkt. Kein Durchschießen mehr, keine plötzlichen Pausen, kein Klingeln am Ende der Zeile, kein dumpfer Anschlag des Wagens, wenn er im Überschwang der Einfälle nach rechts geschleudert wird. Nichts.

Und außerdem: Wie soll man denn den Beginn der Arbeit hinausschieben? Man hat kein Papier mehr, das man umständlich einspannen könnte; es gibt kein Farbband mehr, das man nach umfangreichen technischen Eingriffen verkehrt einspannt, sodass es nur mehr rot schreibt. Es gibt keine Buchstabenklumpen mehr, die man vorsichtig trennen muss; mit einem Wort: Man hat keine Ausreden mehr, um den Anfang zu verzögern.

Der Computer lässt uns keinen Spielraum mehr. Keine Pufferzone zwischen Wollen und Können. Kein Schlupfloch für den Selbstbetrug.

Die Schreibmaschine war toleranter und deshalb auch beliebter. Keine Frage. Außerdem war sie ein Instrument für Virtuosen. Fast jede Woche hörten wir von Weltrekorden mit tausenden Anschlägen pro Minute. Meist in der Kinowochenschau. Auch Österreicherinnen waren dabei – Schülerinnen der Handelsschule Weiss. Manchmal war es auch ein Mann – dann ging ein Raunen durchs Kino. Auch durchs Burg Kino. Das spielte nur Filme in Originalsprache.

Hier traf sich die Schickeria von Wien. Seht her! Ich spreche Englisch, Französisch oder Italienisch! Auch ich zerkugelte mich über englische Lustspiele, ohne ein Wort zu verstehen. Die Filme der Nouvelle Vague verbreiteten kollektive Lähmungserscheinungen. Bei „Letztes Jahr in Marienbad“ wurden immer wieder Fälle von Maulsperre bekannt. Vom Gähnen. Aber alle, die ihr Mundwerk noch gebrauchen konnten, versicherten einander im Flüsterton ihr Entzücken über den intellektuellen Anspruch des Films.

Bei so einem elitären Publikum war die Kinowerbung von besonderer Bedeutung. Bemalte Dias, die vom Operateur eingeschoben wurden: „Chat Noir“, „Panair do Brasil“ oder Ivellio Vellin – Schreibmaschinen Ankauf – Verkauf – Reparatur“.

Die größte Firma war aber damals zweifellos „Adolf Schuss und Söhne“. Ein Sohn des Hauses war einer der ersten Playboys von Wien. Zusammen mit Teddy Magrutsch (Wurstwaren), Kurt Barry (Reisebüro und Espresso) und etwas später Jochen Rindt. Sie hatten natürlich einen viel höheren Stellenwert als die heutigen Playboys, denn es gab viel mehr arme Leute. Aber keine Angst. Es wird schon wieder werden. Man kann darauf warten.

Der Terminus „Playboy“ kam natürlich erst durch die amerikanischen Besatzer zu uns. Ebenso wie der beliebteste Radiosender Österreichs, „Rot-Weiß-Rot“. Ich war dort Nachrichtensprecher und musste mir oft um fünf Uhr früh die Nachrichten aus der Redaktion holen, die im Kurier-Gebäude in der Seidengasse Nummer 11 untergebracht war. Das Studio war auf Nummer 13.

© Haymon Verlag

© Haymon Verlag

Schon von weitem hörte ich das Hämmern der Schreibmaschinen, die während der ganzen Nacht von hübschen jungen Damen bedient wurden. Sie waren eine Mischung aus Doris Day und June Allyson. Aber viel erotischer. An ihren riesigen Schreibmaschinen sahen sie aus wie lebenslustige Witwen vor den Grabsteinen ihrer endlich verstorbenen Millionäre.

Eine von ihnen, Anni Fromme, wurde später Chefsekretärin des Fernsehdirektors Gerhard Freund. Sie schrieb auf ihrer riesigen Olympia eine „Interne Mitteilung von Fernsehdirektor an Fernseh-Oberspielleitung Erich Neuberg: „Nach Lektüre des Drehbuches ‚Der Herr Karl’ ersuche ich um eine Besprechung zwecks Festlegung der Produktionstermine. Durchschlag ergeht an Herrn Qualtinger/Herrn Merz…“.

Durchschlag! Das war was. Es war gar nicht so einfach, das blaue oder schwarze Pauspapier richtig einzulegen. Jedenfalls nicht für durchschnittlich intelligente Maschinenschreiber wie mich. Nicht nur einmal hatte ich die Texte in Spiegelschrift auf der Rückseite des Manuskriptes. Vor allem wenn es schnell gehen musste wie beim Aktuellen Dienst, wo ich Redakteur war. Aber die Erfinder schliefen nicht. Bald gab es für die Redaktion der „Zeit im Bild“ verschweißte Manuskriptblöcke: ein weißes Originalblatt, ein Kohlepapier, ein Durchschlagsblatt, ein Kohlepapier, ein Durchschlag usw…. Eine Doboschschnitte des Weltgeschehens. Die Durchschläge wurden an die Mitarbeiter verteilt. An der Leserlichkeit beziehungsweise Unleserlichkeit ließ sich die Stellung des Mitarbeiters innerhalb der Hierarchie ablesen. Wer statt des dritten Durchschlags plötzlich den fünften bekommen hat, hatte zwar weniger Verantwortung, weil er ja fast nicht lesen konnte, was man ihm mitteilte, aber er musste auf der Hut sein. Der letzte absolut unleserliche Durchschlag ging in die „Ablage“, was natürlich heute die Identifizierung so mancher Archivfilme unmöglich macht.

Auf jeden Fall aber gab es damals in unserer Redaktion nicht mehr Redakteure als Durchschläge. Wir Redakteure schrieben unsere Texte allerdings ohne Durchschläge und gaben sie dann einer Schreibkraft, die sie ins Reine schrieb. Mit Durchschlägen. Eine Schreibkraft hat mich besonders beeindruckt. Sie konnte nicht nur in einem wochenschaureifen Tempo schreiben, sondern auch blind. Sie hatte einen derart großen Busen, dass es ihr unmöglich war, auf die Tastatur ihrer Schreibmaschine zu blicken. Sie konnte beim Schreiben auch an etwas anderes denken, ohne einen Tippfehler zu machen.

So saß sie also da, sah mit leerem Blick durchs Fenster auf die Meidlinger Singriengergasse und träumte davon, in einem Fellini-Film mitspielen zu dürfen, während ihre Finger unter ihren Brüsten über die Tasten rasten. Sie hieß Alice Straka. Ihr Busen spielte später in einem Fellini-Film.

Mit der Erfindung der Kofferschreibmaschine und deren Evolution zur Reiseschreibmaschine wurde die Schriftstellerei verwegener. Viele Dichter verließen ihre Schreibstuben, viele Journalisten ihre Redaktionen, Reporter warfen ihre Bleistifte weg und zogen mit ihren flachen, leichten Reiseschreibmaschinen in den Krieg oder in ein Stadion. Manche setzten sich aber auch nur in ein Kaffeehaus, hämmerten fesch drauflos und ließen sich bewundern.

Ich kaufte mir 1970 eine grüne Olivetti. Mit ihr reiste ich nach New York, um dort an Ort und Stelle, nämlich im Madison Square Garden, das letzte Kapitel meines Buches über Muhamad Ali zu schreiben. Das letzte Kapitel befasste sich mit dem sogenannten Kampf des Jahrhunderts zwischen Muhamad Ali und Joe Frazier.

Mein Freund Bill Cayton, der sämtliche Film- und Fernsehrechte aller WM-Kämpfe aller Zeiten besaß, weil er auch ein ungestörtes Verhältnis zum italienischsprachigen Bevölkerungsteil von New York hatte, stellte mich nicht nur dem großen Muhamad Ali vor, sondern verschaffte mir auch einen Platz am Ring, unweit von Norman Mailer, der dort auch mit seiner Reiseschreibmaschine saß.

Als ich am Vortag in den „Garden“ ging, um mich zu informieren, und die NBC-Leute bei ihren Vorbereitungen zur TV-Übertragung beobachtete, musste ich aufs Klo. Die Schreibmaschine nahm ich mit. Dort wusste ich dann nicht wohin damit und stellte sie neben der Waschmuschel ab. Als ich mich nach ihr umdrehte, fiel gerade ein Herr, der einen blauen Lurexanzug trug, darüber. Es war Burt Lancaster. Er präsentierte den Boxkampf fürs Fernsehen und kam von der Generalprobe.

Während des Kampfes war ich so aufgeregt, dass ich zu schreiben vergaß. Außerdem siegte der falsche Mann. Der Held meines Buches war geschlagen. Weltmeister war Joe Frazier. Das musste ich erst verkraften. Vor allem musste ich das letzte Kapitel im Flugzeug schreiben. Hier erwies es sich wieder einmal aufs Neue, dass den Appeal einer Schreibmaschine das Geräusch ausmachte, das sie verursachte. Die AUA-Maschine war halbleer. Ein Glücksfall, der heute nicht mehr vorkommt. Ich hatte eine ganze Sitzreihe für mich allein und hämmerte verbissen drauflos, in der Hoffnung, das Buch doch noch verkaufen zu können.

Das Klappern schwebte monoton durch die Kabine der Boeing 707 und war an der Türe zur First Class nur schwach zu hören, wie das ferne Stakkato eines bis in die Stratosphäre reichenden Klapotetz.

Die Hostessen gingen auf Zehenspitzen an mir vorbei und tuschelten mit fragenden Blicken. Sie ahnten ja nicht, dass ich über das grausame Handwerk des Boxens referierte. Vielleicht hielten sie mich sogar für einen Lyriker, der um eine Formulierung von der ewigen Liebe ringt? Vielleicht hielten sie mein Klopfen für Morsezeichen einer empfindsamen Seele, für Positionsmeldungen von einer intergalaktischen Reise des Intellekts? Nur so wäre es zu erklären, dass sie mich in den Tipp-Pausen, die ich brauchte, um nachzudenken, und in denen man einen Gesichtsausdruck annimmt wie ein Hund, der sein großes Geschäft verrichtet, nur so wäre es also plausibel, dass sie versuchten, mir jeden Wusch von den Augen abzulesen. Es gab keinen Zweifel: Begleitet von uniformierten Musen, flog ich hoch über den Wolken auf einem viermotorigen Pegasus.

Heute, fast 40 Jahre später, versucht einer meiner Freunde dasselbe Ansehen zu gewinnen – mit einem winzigen Laptop. Aber die Sache funktioniert nicht. Weder im Flugzeug noch in Kaffeehäusern, Nachtlokalen oder Hotels. Man hört ihn nicht. Man sieht ihn nur sitzen wie den oben erwähnten Hund und dann irgendetwas machen, das wie Läusesuchen aussieht. Und damit hat sich’s.

Vielleicht wird man irgendwann einen Computer bauen, der beim Schreiben Melodien produziert. Das kann doch nicht so schwer sein. Es ist nämlich wichtig, dass man einen Dichter bei der Arbeit belauschen kann.

Das „Kellerwerk“ und die Olivetti M40 Kr. (vereinfachte Kriegsausführung)

Upcycling – so wird der Prozess genannt, in dem aus Abfallprodukten oder (scheinbar) nutzlosen, weil nicht mehr verwendeten Stoffen oder Produkten andere, neuwertige Produkte entstehen. Wenn z.B. aus der Trommel einer alten Waschmaschine ein Hocker entsteht, oder aus alten Schwimmwesten aus Flugzeugen wasserabweisende, belastbare Rucksäcke werden. Aus einem alten Dia-Projektor eine Lampe gemacht wird. Aus den Tasten einer ausrangierten Schreibmaschine Manschettenknöpfe und Ringe… Yikes!!! Darüber hüllen wir jetzt aber rasch den Mantel des Schweigens…

But you get the idea. Das Ganze ist einerseits Ressourcen-schonend, andererseits auch etwas, das dem Lifestyle-Gefühl anspricht. Etwas Handgefertigtes mit einem Hauch von Historie. Und darauf haben sich eben Sascha Johannik und Romana Fürst vom Geschäft „Kellerwerk“ in der Gumpendorfer Straße im 6. Wiener Gemeindebezirk spezialisiert.

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Mir ist das Geschäft schon früher aufgefallen, weil ich schon länger nach einem strapazierfähigen Rucksack für meine Hermes Baby suche. Doch als ich voriges Jahr eines Tages an dem Geschäft vorbeikam, erregte etwas anderes meine Aufmerksamkeit.

Da stand sie – eine Olivetti M40 Kr. (vereinfachte Kriegsausführung) auf der Verkaufstheke. Ein Monstrum von einer Schreibmaschine, starr und unbeweglich. Natürlich ging ich sofort in das Geschäft.

Wie ich eintrat, bemerkte ich auch eine andere Schreibmaschine – eine Continental mit kyrillischen Schriftzeichen.

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Und gleich daneben… Ringe aus den Tasten einer Schreibmaschine. Oy, das tut weh. :-/ Natürlich hatte ich den Verdacht, dass auch der Olivetti M40 Kr. ein ähnliches Schicksal drohen würde. Doch da konnte mich Romana Fürst beruhigen. Nein, dieser Maschine würde man nicht die Tasten entfernen.

Sie würden aus der Schreibmaschine eine Lampe machen!

D’oh!

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Romana musste mir meinen Schock angemerkt haben, denn sie fragte mich gleich, wie viel ich für die ganze Schreibmaschine zahlen würde. Doch so ein sperriges Ding bei mir daheim? Leider habe ich nur Platz für Reiseschreibmaschinen, die man auch mal wegstellen kann.

Und so sehr mich das dräuende Schicksal der Olivetti M40 Kr. dauerte, so war ich doch recht neugierig. Man muss es ja so sehen. Diese Schreibmaschine will niemand. Sie wurde vielleicht schon seit Jahrzehnten nicht mehr gebraucht. Und macht es da nicht Sinn, etwas Neues daraus zu machen? Ich denke schon. So sehr mich auch der Gedanke schmerzt.

Und eine Lampe, der man den Schreibmaschinen-Ursprung ansieht, ist auf jeden Fall besser, als Ringe oder Manschettenknöpfe aus den Tasten.

Also bat ich Romana, mich über das Schreibmaschinen-Lampen-Projekt auf dem Laufenden zu halten, damit ich den Transformationsprozess für den Blog hier dokumentieren kann. Sie versprach es, betonte aber, dass es noch einige Zeit dauern würde.

Wochen, Monate vergingen – und nachdem ich keine Nachrichten bekam, schaute ich immer wieder bei „Kellerwerk“ vorbei. Vielleicht hatte man ja mich und mein Ansuchen vergessen. Aber da stand die Olivetti M40 Kr. noch immer auf der Verkaufstheke, noch immer unbehelligt.

Und dann passierte es: Wie ich wieder einmal ins Geschäft ging, um mich nach der Schreibmaschine zu erkundigen, sagte man mir, dass man die Lampen-Pläne ad acta gelegt habe und dass die Olivetti M40 als Dekoration im Shop bleiben würde. Vielleicht würde man sie für die Kunden zum Eintragen in einen Newsletter verwenden, auf jeden Fall sollte das sperrige Ding den hässlichen Belegdrucker verbergen, den man demnächst installieren würde.

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

So sehr der Transformationsprozess mich gereizt hätte, fiel mir doch ein Stein vom Herzen. Und ich bot gleich an, die nötigen Sachen zur Ingangsetzung der Schreibmaschine zu besorgen. Ich glaube, Sascha und Romana waren ein bisschen vorsichtig ob meines Enthusiasmus‘ – aber ich kann es ihnen nicht verdenken. Kommt da ein Typ ins Geschäft und bietet einfach von sich aus an, Sachen zu besorgen.

Ein kurzer Check zeigte, dass zumindest die Tasten und Typen einwandfrei funktionierten. Also besorgte ich noch ein Farbband (Gruppe 8) und zwei passende Metallspulen. Das hört sich so kennermäßig an, aber ohne Meister Schilhan in der Rochusgasse im dritten Bezirk hätte ich absolut keinen Tau davon gehabt.

Danach spulte ich das Farbband auf die Metallspulen und installierte diese in die Olivetti M40 Kr. – und voila… Nun steht eine funktionierende Schreibmaschine im „Kellerwerk“.

Rodja

Nachträgliche Anmerkung von Sascha Johannik und Romana Fürst: Vielen Dank für den sehr gelungenen Bericht. Die Schreibmaschine kommt mit neuem Farbband übrigens super bei unseren Kunden an. Vielen Dank nochmal!

INFO: Kellerwerk, Gumpendorfer Straße 48, 1060 Wien Di – Fr 11-18 h und Sa 10-15 h www.kellerwerk.at

Fabian schreibt auf einer Hermes Baby

Hurra, der zweite Gastbeitrag zu „…schreibt auf einer…“. Diesmal Fabian Neidhart, der von seiner Hermes Baby schreibt. Der 29-jährige Stuttgarter ist Straßenpoet, Sprecher und Botschafter des Lächelns. Auf seiner Homepage Mokita.de bietet er außerdem seinen Roman „Das Leben ist ein Erdbeben und ich stehe neben dem Türrahmen“ unter einer Creative Commons-Lizenz kostenlos an. Man kann das Buch aber auch um zehn Euronen über Amazon beziehen.

© Fabian Neidhart

© Fabian Neidhart

Meine Geschichte mit Schreibmaschinen beginnt 2010. Ich bin in Berlin, auf einer Lesung und verbringe ein paar Tage mit einer Freundin, die ich viel zu selten sehe. Und bei ihr im Zimmer steht eine Schreibmaschine. Es ist eine schwere, selbst für eine Schreibmaschine alte Maschine. Wenn ich davor jemals eine Schreibmaschine benutzt habe, kann ich mich nicht mehr dran erinnern. Meine Erinnerung an Tastaturen beginnt mit acht Jahren und dort ist das ein 386er mit Windows 3.11 und einem Speed-Button. Nichts mit Schreibmaschine. Aber eben dann.

© Fabian Neidhart

© Fabian Neidhart

Ich verbringe Stunden damit, mich mit der Maschine vertraut zu machen. Mit schmerzenden, geschwärzten Fingerkuppen fahre ich Tage später nach Hause und ich weiß, dies wird nicht meine letzte Begegnung mit Schreibmaschinen gewesen sein. Und tatsächlich, ziemlich bald darauf finde ich eine Anzeige, in der zwei Schreibmaschinen verschenkt werden, eine elektrische und eine manuelle. Ich melde Interesse an und schleppe ein paar Tage später zwei Koffer quer durch Stuttgart. Die elektrische Maschine ist direkt in den Keller gewandert, die andere auf meinen Schreibtisch, eine Triumph Norm von 1936. Damit ging es los.

Danach habe ich drei Jahre lang so ziemlich jede Schreibmaschine aufgenommen, die im Umkreis von Stuttgart verschenkt wurde. Deshalb stehen nun knapp 20 Schreibmaschinen auf dem Dachboden meiner Eltern, einige Olympia, ein paar Triumph und Adler und wenige Olivetti und noch ein paar andere. Meist Büromaschinen, wie sie in den 1970ern zum Arbeiten genutzt wurden. Und bis auf zwei IBM Selectric II alles manuelle Maschinen. Meine Lieblingsmaschine dabei ist die Hermes Baby von 1949. Sie ist neben einer Olivetti Valentine auch die einzige, für die ich Geld bezahlt habe. Einen Euro. Als einziger Bieter bei einer Auktion auf eBay, die nur Abholung anbot und zwei Straßen von mir entfernt war.

Wenn man sich mit Schreibmaschinen beschäftigt, stößt man unweigerlich irgendwann auf die Hermes Baby. Sie ist das MacBook Air der Schreibmaschinen, eine Reisschreibmaschine, auf der beispielsweise Steinbeck geschrieben hat und die Max Frisch in „Homo Faber“ verewigt. Mit ihr habe ich Anfang 2011 das Ding namens Straßenpoesie begonnen. Ich sitze mit ihr auf Designmärkten, Kunstausstellungen oder Parties, Passanten nennen ein Thema und einen Preis und ich schreibe dann Geschichten auf Blankopostkarten. Macht unglaublich viel Spaß. Und immer habe ich zu viel zu tun.

© Fabian Neidhart

© Fabian Neidhart

2012 habe ich den Tumblr-Blog „typewriterspotting“ eröffnet, in dem ich Schreibmaschinensichtungen in Filmen, Serien und so weiter sammele.

Meine kleine Sammlung an Schreibmaschinen liegt mittlerweile auf dem Dachboden meiner Eltern. Ganz manchmal mache ich mit ihnen Workshops mit Jugendlichen. Führe sie an das Analoge und die Kreativität ran. Leider aber viel zu selten. Ich persönlich schreibe immer wieder auf der Hermes Baby. Es hat das Analoge eines Bleistifts oder eines Füllers und gleichzeitig das Bestimmte einer Computerschrift. Nur eben nicht so leicht auslöschbar. Man schreibt definitiv anders auf einer Schreibmaschine.

© Fabian Neidhart

© Fabian Neidhart

Für mein aktuelles Romanprojekt „Eine Nacht mit genügend Schlaf ist nur eine weitere, an die du dich nicht erinnern wirst“ habe ich die ersten fünf Seiten auf einer Schreibmaschine geschrieben. Für mehr bin ich leider zu faul. Deshalb nutze ich auch seit 2008 das gleiche Notizbuch, weil ich mir fast immer nur Notizen mache und den Rest dann am Computer schreibe. Ich will nicht alles doppelt abtippen müssen. Trotzdem, ich liebe diesen Grat von Altem und Neuem, und vor allem, die Verbindung dieser beiden Sachen. Und da gehören Schreibmaschinen definitiv dazu.

Fabian Neidhart
www.mokita.de
http://typewriterspotting.tumblr.com/

© Fabian Neidhart

© Fabian Neidhart

„Meine Schreibmaschine und ich“ – Thomas Glavinic

© Carl Hanser Verlag

© Carl Hanser Verlag

Früher war ich ein sehr intensiver Leser. So ein, zwei Bücher pro Monat – das ging sich schon mal aus. Aber das ist lange her, heute bin ich froh, wenn ich ein paar Seiten während der knapp 20-minütigen U-Bahn-Fahrt in die Arbeit schaffe.

Ich war nicht unbedingt ein Qualitäts-Leser, eher mehr so in der Sparte „Kraut und Rüben“ unterwegs. Der Titel war ansprechend? Die Inhaltsangabe auch? Dann gleich ausgeborgt aus der Bibliothek. Ich achtete kaum auf Namen und noch weniger auf aktuelle Rezensionen. Und so entging mir einiges an Zeitgenössischem. Zum Beispiel hat es der österreichische Buchautor Thomas Glavinic erfolgreich geschafft, längere Zeit unterhalb meines Wahrnehmungsradars zu agieren. Das ist nicht seine Schuld. Sein Name ist mir bekannt – und auch die Titel einiger seiner Werke. Z.B. „Der Kameramörder“ oder „Wie man leben soll“. Aber das wahrscheinlich eher dadurch, dass diese Bücher auch verfilmt wurden. Wobei ich auch die Filme wiederum nicht gesehen habe. Eben nur als „…verfilmt nach dem Buch von…“ wahrgenommen habe.

Und dann stoße ich auf sein Buch „Meine Schreibmaschine und ich“ (Carl Hanser Verlag, 2014). Die Texte stammen eigentlich aus einer Vorlesung, die der Schriftsteller 2012 im Rahmen einer Poetikprofessur an der Universität Bamberg gehalten hat. Für das Buch wurden sie noch einmal überarbeitet.

Natürlich wurde ich neugierig. Ein Autor, der tatsächlich noch mit der Schreibmaschine schreibt? Ich weiß selbst nicht, warum ich so erstaunt bin. Schließlich kenne ich mit Paul Auster und Jason Dark bereits zwei Schriftsteller, die so arbeiten. Mit Letzterem hatte ich ein Interview, von Paul Auster habe ich sein Buch „Die Geschichte meiner Schreibmaschine rezensiert.

Um es gleich einmal vorwegzunehmen: Der Buchtitel des in Wien lebenden Grazers ist eine Irreführung. Eigentlich hätte es „Meine Befindlichkeiten und ich“ heißen sollen. Ja, es kommt etwas Schreibmaschine vor, aber von den rund 115 Seiten passt das Geschriebene über die Schreibmaschine zusammengefasst auf 1 1/4 Seiten (in Worten eineinviertel) – wenn es hoch kommt. Etwas enttäuschend für Schreibmaschinen-Fans. Aber dennoch nicht uninteressant, zumindest für angehende Schriftsteller. Lässt man mal die Schilderungen von Glavinic der eigenen Befindlichkeiten weg. Und die gibt es en masse in Kapitel 1 („Was ich mag und was ich nicht mag“) und Kapitel 4 („Was andere denken“… sollte eigentlich „Was ich denke, was andere denken“ lauten). Es ist ein imaginäres Interview mit einem präpotenten Journalisten, der Glavinic ständig in eine Ecke drängen möchte. Sagt sehr viel aus, zumindest über das, was der Schriftsteller von den Journalisten denkt.

Das ist NICHT Glavinics Olivetti Lettera 32 © Georg Sommeregger

Das ist NICHT Glavinic‘ Olivetti Lettera 32 © Georg Sommeregger

Glavinic schreibt mit einer Olivetti Lettera 32 (siehe Symbolfoto), die er vor 20 Jahren von einer Bekannten bekommen hat. Er ist ein typischer Vertreter der „Mit einer Schreibmaschine schreibt man bewusster“-Mentalität. (Mit typisch meine ich, dass ich dieses Argument schon oft gehört habe – u.a. bei Paul Auster. Ich selber benutze die Maschine ja, um Gedanken hinzufetzen, bevor sie mir entwischen. Aber dazu ein anderes Mal mehr.)

Glavinic schreibt:

Ich schreibe an der Schreibmaschine und nicht am Computer, weil ich zu faul bin und mich durch die etwas komplexere Art des Arbeitsprozesses zu größerer Genauigkeit zwinge.

Ich denke länger nach, ehe ich einen Satz niederschreibe, ich gebe mich nicht so leicht zufrieden. Ich spüre seinem Klang so lange nach, bis ich meine, den perfekten Ton, die harmonischste Struktur gefunden zu haben, ich überlege wieder und wieder, ob er denn wirklich stimmig ist. Erst dann kommt er aufs Papier.

Allerdings beschreibt er ein Problem, das ich so nicht kenne:

Zudem habe ich kaum noch Farbbänder, was oftmals dazu führt, dass ich die Maschine öffnen und das Band manuell zurückspulen muss, um einen weiteren Absatz halbwegs leserlich tippen zu können.

Wirklich? Hm, dann muss etwas bei der automatischen Umschaltung der Laufrichtung defekt sein. Jedes Farbband hat an jedem Ende eine Metallöse. Wenn also das Ende des Bandes erreicht ist, löst die Öse einen Mechanismus aus, der die Laufrichtung ändert. Wenn man so will, kann man ewig schreiben – nur die Farbe wird halt immer blasser. Aber zurückspulen? Das bringt eigentlich genau gar nix. Auch verstehe ich nicht ganz, wie man in Zeiten von Amazon einen Mangel an Farbbändern haben kann. Oder man geht in Wien zum Miller auf der Mariahilfer Straße oder zum Michael Schilhan in der Rochusgasse und besorgt sich welche.

Allerdings – einen Tipp habe ich mir aufgeschrieben. Glavinic schreibt am Tag zwei Seiten. Und hört dann auf. Auch mitten im Satz. Zuerst fragte ich mich, was das soll. Aber der Autor hat einen wirklich guten Grund – und ich überlege, ob ich das in Zukunft auch so machen werde.

Und wenn ich sie geschrieben habe (Anm. die zwei Seiten), ist Feierabend. Mitten im Satz ziehe ich das Papier aus der Maschine, lege es zur Seite und sehe zu, dass ich vom Schreibtisch wegkomme. Was sonderbar klingen mag, doch für mich folgt diese Praxis einer zwingenden Logik. Es ist viel einfacher für mich, in den Text, in seinen Ton zurückzufinden, wenn ich morgens mitten in einem Satz oder Absatz weitermachen kann.

Natürlich ist auch Thomas Glavinic im Zeitalter des Computers angekommen. Aber die erste und zweite Fassung des Romans werden mit der Schreibmaschine geschrieben. Erst mit der dritten Überarbeitung wird der Text in den Computer übertragen. Danach kann es 10, 20 oder gar bis zu 50 Arbeitsgänge dauern, bis das Skript fertig ist.

Fazit: Das Buch „Meine Schreibmaschine und ich“ ist an und für sich recht unterhaltsam zu lesen. Letztendlich hat es Schreibmaschinen-Fans nicht wirklich etwas zu bieten. Im Grunde genommen tut das auch Paul Austers Buch „Die Geschichte meiner Schreibmaschine“ auch nicht, das ja eher einen Essay und Bilder eines mit Auster befreundeten Malers enthält. Es scheint, als könnte – außer in Sachbüchern – die Schreibmaschine kein ganzes Buch tragen. Für Fans von Thomas Glavinic und/oder angehende Autoren ist „Meine Schreibmaschine und ich“ durchaus unterhaltsam – und wenn man die Selbstbefindlichkeiten des Autoren außer Acht lässt, kann man vielleicht auch zwei, drei Tipps für das eigene Schreiben daraus ziehen.

Rodja

INFO: www.thomas-glavinic.de/