So ein Virus kann einem den Geburtstag schon ganz schön vermiesen

© Rodja Pavlik

Demnächst jährt sich mein Geburtstag zum 49. Mal. Diesen „Schicksalstag“ teile ich auch mit einem jungen Mädchen. Das Besondere: Wegen der Corona-Pandemie kann das Mädchen leider nicht wie geplant mit Freunden und dem Rest der Familie feiern.

Um dem Mädchen doch noch eine Freude zu bereiten, erfolgte in den Sozialen Medien der Aufruf, ihr doch eine Postkarte zu schicken. Eine nette Idee, wie ich finde – und der ich gerne Folge geleistet habe.

Rodja

Typewriterspotting: „Himbeeren“ von Kayo

Mit Linz, der Hauptstadt von Oberösterreich, verbinde ich nicht all zu viel: Stahlstadt (voest alpine, Linz-Donawitz-Verfahren), ars electronica, Industrie, Smog (war in den 1980ern ein Ding, das ständig in den Nachrichten kam), meine dänische Freundin als Au-pair in Linz-Leonding. Und musikalisch? Da fällt mir eigentlich nur österreichischer HipHop ein, vor allem durch die Vorreiter-Band Texta geprägt. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich da nicht so viel Ahnung habe – und ich daher auch musikhistorisch vielleicht nicht unbedingt richtig liege.

© Kayo

Nun hat vor kurzem der Linzer HipHopper Kayo das Video „Himbeeren“ veröffentlicht. (Vielen Dank an Filmemacher Markus Kaiser-Mühlecker fürs darauf aufmerksam machen.) „Himbeeren“ ist die Vorabsingle zu seinem zweiten Solo-Album, das voraussichtlich – so Corona will – im Sommer veröffentlicht wird.

Und was fällt mir in dem Clip auf? Schreibmaschinen, gleich drei Stück davon! Natürlich musste ich gleich nachfragen, was der Linzer Musiker, der auch das Video als Regisseur inszeniert hat, mit der Schreibmaschine so verbindet. Durch den kleinen Sketch in der Mitte des Videos nahm ich sogar an, dass Kayo seine Texte selbst mit der Schreibmaschine schreibt. Doch dem war leider nicht so. Dennoch setzt er beim Texten auf Old-School-Techniken, wie er den Schreibmaschinisten auf Anfrage verriet. Er erzählte auch, wie er auf die Idee mit den Schreibmaschinen kam – und wie er diese im Video umsetzte.

Kayo verbindet mit der Schreibmaschine in erster Linie ein Relikt aus vergangenen Tage. „Wie viele analoge Geräte aus früheren Tagen, strahlt auch die Schreibmaschine eine gewisse Faszination auf mich als Sinnbild für Entschleunigung aus. Außerdem bringt die Schreibmaschine beim Tippen eine gewisse Absolutheit mit, die man in digitalen Zeiten nicht mehr gewohnt ist“, erzählt der Musiker.

Er selbst habe damals in der Schule noch Maschinschreiben gelernt. „Auch meine Eltern hatten immer eine zu Hause, und da mich der kreative Schaffensprozess schon als Kind faszinierte und ich mir immer irgendwelche Dinge ausdachte und niederschrieb oder zeichnete, liebte ich auch diese Schreibmaschine, weil Ideen die man im Kopf hat plötzlich manifest werden konnten.“

Doch das ist schon lange her. Tatsächlich habe er bis vor dem Dreh schon lange nicht mehr mit der Schreibmaschine geschrieben. Doch wie kam er überhaupt darauf? „Die Idee, eine Schreibmaschine zu verwenden kam daher, dass ich den Songtext, der ja ausschließlich aus Schüttelreimen besteht, naturgemäß nicht schnell auf einer Schreibmaschine runtergetippt habe, sondern dass das schon ein paar Wochen dauerte bis ich alle Reime zusammen hatte. Ich fand es witzig, im Video zu suggerieren dass mir das alles gerade einfällt, während ich so auf der Schreibmaschine dahin schreibe“, erklärt Kayo. „Mir kam ein alter Video-Effekt in den Sinn, bei dem der Song beim Videodrehen in halber Geschwindigkeit gesungen wird. Wenn das Video dann in doppelter Geschwindigkeit abgespielt wird, passen die Lippenbewegungen wieder zum Original-Song, aber alle anderen Bewegungen sind sehr schnell. Ich dachte mir, dass dieser Effekt das Schreibmaschinen-Schreiben sehr lustig wirken lassen könnte, was sich nach ein paar Test-Shootings auch bestätigte.“

Was bei dem Clip auffällt, ist, dass der Text ohne Tippfehler geschrieben wurde. Kayo dementiert aber, dass ein „Stunt-Typer“ für den Dreh verwendet wurde. „Ich habe den Text selber getippt, das war aber nicht besonders schwer – wir wandten dazu auch den besagten Video Trick in Extremform an. Die Geschwindigkeit des Songs wurde für den Dreh 8-fach verlangsamt, so konnte ich sehr gemütlich tippen, und am Ende wurde das Video in 8-facher Geschwindigkeit abgespielt, und passte somit wieder zum Original-Song.“

Aber woher kommen dann die drei Schreibmaschinen (eine Triumph, eine Olympia SM und eine Olympia Traveller)? Vor allem zumindest noch eine gut funktionierende? „Als ich meiner Freundin von der Schreibmaschinen-Idee fürs Video erzählte, meinte sie gleich ihr Vater hätte noch zwei, drei Schreibmaschinen zuhause rumstehen. Er päppelte diese dann ein wenig auf und los ging’s“, erzählt Kayo.

Aus persönlicher Erfahrung wissen die Schreibmaschinisten, dass der Gebrauch von Schreibmaschinen immer wieder Reaktionen hervorrufen. Größtenteils angenehme, manchmal auch weniger erfreuliche. Wie war das jedoch am Set? Laut Kayo war Schmunzeln und Verwunderung die häufigste Reaktion. „Darauf tippen wollten eher Kinder, da diese ja in der Regel noch nicht mit einer Schreibmaschine in Kontakt gekommen waren. Da ja eine Kamera involviert war hielten die Leute aber in der Regel einen gewissen Respektsabstand“, erklärt Kayo.

© Kayo

Ob der Linzer Musiker nach dem Dreh denn Lust bekommen habe, in Zukunft auf die Schreibmaschine zu setzen? Da winkt Kayo doch ab: „Es hat sehr viel Spaß gemacht, wieder mal eine zu benutzen, aber ehrlich gesagt kann ich es mir im Moment schwer vorstellen, dass die Schreibmaschine in meinem Alltag wieder mal eine Rolle spielen könnte. Aber falls es mich überkommt, ist es gut zu wissen, dass drei Schreibmaschinen allzeit bereit stehen. Die Schreibmaschinen werden natürlich weiter in Ehren gehalten und warten auf ihren nächsten Einsatz“, so Kayo.

Dennoch bleibt der HipHopper beim Texten dem Old School verhaftet. „Meistens schreibe ich mit Stift und Papier, alleine schon, weil ich auch meine Beats auf dem Rechner produziere und das Schreiben dann eine willkommene Bildschirmpause darstellt“, so Kayo. Aber so ganz will er auf Modernes nicht verzichten: „Unterwegs tippe ich immer Songideen und Reime in mein Handy, vor allem Schüttelreime.“

Rodja Pavlik

INFO: Mehr Infos zu Kayo auf www.kayo.at

Da freuen’se sich

Ich mag es, wenn ich auf Leute stoße, die Projekte mit ihrer Schreibmaschine machen. Ich bin fasziniert von Straßen-Poeten wie Fabian Neidhardt, Schreibmaschinen-Künstlern wie Robert Doerfler, (Schund-)Romanautoren wie Helmut „Jason Dark“ Rellergerd („Geisterjäger John Sinclair“) oder das Projekt „Galerie der verlorenen Heimat“ des Journalisten und Field Writers Gerhard Richter.

Aber es muss nicht immer so groß sein. Auch das Projekt von Rosa finde ich toll. Die 94-Jährige amüsiert nämlich mit ihrer Olympia Monica. Rund 100 Anschläge braucht sie auf ihrer Schreibmaschine für einen Lacher. Seit wann sie die Witze verschenkt, weiß sie gar nicht mehr. Rosa möchte einfach nur Menschen zum Lachen bringen.

Dieser Beitrag „Da freuen’se sich“ von Carolin Albers, Barbara Haas und Moritz Peters entstand im Rahmen des Lehr- und Forschungsbereichs Fotojournalismus und Dokumentarfotografie der Hochschule Hannover.

Rodja

PS: Ja, solche Geschichten mag ich sehr gerne. Falls also jemand etwas weiß…

Da freuen'se sich from Fotostudenten Multimedia on Vimeo.

Patrick schreibt auf einer Olympia SM3

Nach Benjamin Swiczinsky mit seiner Olympia Traveller de Luxe konnte ich nun einen zweiten Filmemacher für die Rubrik „… schreibt auf einer…“ gewinnen. Patrick Haischberger ist ein Schauspieler/Autor/Regisseur aus Bad Ischl. Zuletzt fiel er vor allem mit seinem Kurzfilm „Rainy Season“ (Trailer hier), einer Adaption einer Kurzgeschichte von US-Horrorautor Stephen King, auf.

© Patrick Haischberger

Aber wie kommt man denn an die Erlaubnis von so einem renommierten Schriftsteller? Ganz einfach, man schreibt ihn an. „Anfangs bekam ich auf meine Anfrage nur so ein Standard-Mail zurück, aber später schrieb mir King selbst, dass er mich gerne unterstützen würde“, erzählte Haischberger in einem Interview mit der „Kronen-Zeitung“.

Haischberger erhielt die Rechte für die Horror-Kurzgeschichte „Rainy Season“: „Ein abgelegenes Dorf, seltsame Bewohner, Menschenopfer – es war perfekt für mich.“ Er sandte King vorab das Drehbuch: „Ich habe dreimal mit ihm telefoniert, da war ich natürlich sehr nervös. Aber er segnete alles ab, obwohl ich das Ende geändert habe“, so Haischberger im Gespräch mit der „Kronen-Zeitung“.

Für den Kurzfilm konnte Haischberger bekannte österreichische Stars wie u.a. Sabrina Reiter („In 3 Tagen bist du tot“, „Blockbuster – Das Leben ist ein Film“, „Spuren des Bösen“, „Kaviar“), Thomas Stipsits („Jenseits“, „Vorstadtweiber“, „Baumschlager“) und Fritz Karl („Falk“, „Inspektor Jury“, „Meiberger – Im Kopf des Täters“) gewinne. Die Vorpremiere fand bereits am 5. Oktober 2019 statt, nun befindet sich „Rainy Season“ auf Festivaltour

Mit 35 Jahren ist Patrick Haischberger alt genug, um eigentlich nur mit dem Computer aufgewachsen zu sein – und dennoch ist die Schreibmaschine seine „weapon of choice“.

© Patrick Haischberger

“If you hear a soft creaking at the cemetery, do not be afraid. These are not bones rising from their graves, it’s just the sound my typewriter makes when I’m working here.”

Patrick Haischberger

Es ist zwei Uhr in der Früh, Schatten tanzen durch die Gassen, das Klacken der Schreibmaschine erfüllt die Nacht. Ich schreibe in diesen modernen Zeiten mit einer Schreibmaschine. Jeden Tag. Alles, egal ob Drehbücher, Kurzgeschichten oder der Roman, an dem ich gerade arbeite. Zumindest die erste Fassung. Dann tippe ich die Seiten in mein MacBook und überarbeite diese. Die Schreibmaschine ist etwas Mystisches für mich geworden, etwas Befreiendes und erfüllt mich mit Kreativität. Aber auch, wenn ich mit einer Schreibblockade konfrontiert bin, setze ich mich gerne zur Schreibmaschine. Das Gefühl ist einfach ein komplett anderes als am Laptop und gibt mir neue Energie.

Es ist doch so, wenn man stundenlang am Computer schreibt, ist man irgendwann ausgelaugt. Das Licht vom Monitor quält einen und ständig wird man vom Internet abgelenkt. Nachrichten von Sozialen Medien überfluten einen und der E-Mail Ordner geht mit Nachrichten, die beantwortet werden wollen, über. Dabei habe ich noch gar nicht Netflix, oder die unzählige Auswahl an Pornos erwähnt, die es zu bestaunen gibt. Diese Ablenkungen sind zwar ein netter Zeitvertreib, doch der Tod für jegliche Kreativität. Dann bin ich auf etwas gestoßen. Es war fast Magie. Nein vergesst das. Es war Magie. Pure Magie. Etwas aus längst vergangenen Tagen. Etwas völlig Analoges in einer digitalen Welt.

Die Schreibmaschine.

Inzwischen besitze ich mehrere Schreibmaschinen, wobei zwei Stück davon meine Lieblinge sind. Die Ico Olivetti, aus den 1930er Jahren. Die ich von einem schrulligen älteren Bibliothekar erhalten habe, der gerne meine Geschichten liest. Und die Olympia SM3, die ich euch jetzt vorstellen möchte.

© Patrick Haischberger

Gute Geschichten, Vorlagen für Filme, all das schrieb Alfred Hitchcock auf seiner Olympia SM3, einer mechanischen Schreibmaschine aus den 1950ern. Hitchcock war aber nicht der Einzige, der diesem Modell vertraute, auch Regisseur Woody Allen malträtierte die SM3.

Schön ist am Anfang allerdings nur ihr Anblick. Der Akt des Schreibens, er kostet Kraft. Physisch. Wer seine Sätze sonst auf der leichtfingrigen Tastatur eines Laptops hin hastet und gleich wieder neu aufsetzt, für den ist das kleine Ungetüm vor allem eines: ein formidabler Bremsklotz. Erst nach frühem kläglichem Vertippen zeigt sich die eigentliche Schönheit. Die Sinnlichkeit. Die Maschine riecht. Nach Tinte, Farbband, Bakelit und Metall. Der Geruch berauscht, er sagt dir: „Ich bin da.“

© Patrick Haischberger

Wie der Duft, der dich im Nacken deiner Liebsten umfängt. Dann die Tasten, die Typen, die nach vorne schnellen, knallen, schellen. Kein flinkes Fingerspiel, eine Massage, kraftvoll und genau an den richtigen Stellen. Bis sie stöhnt, nein: klingelt. Am Ende der Zeile. Das macht man nicht im Café. Keiner schleppt freiwillig einen kiloschweren Koffer mit sich und hämmert in der Menge herum. Das spleenige Liebemachen findet besser zu Hause statt, wo es auch hingehört. Schön langsam. Satz für Satz. Gedanke für Gedanke.
Schreibmaschinen wurden von Computern ersetzt. Doch es wird sie immer geben. Weil es noch Menschen gibt, die sie benutzen.

© Patrick Haischberger

Wenn man Bücher in einem Bücherregal betrachtet, dann wirken sie antiquiert in einer Welt, in der die meisten Bücher, auch in digitaler Form vorliegen. Ich glaube nicht, dass alle Bücher auf den Bildschirm wandern sollten. Ein gedrucktes Buch ist wie ein Hai, und Haie sind alt. Sie schwammen schon lange vor den Dinosauriern durch die Ozeane und der Grund, warum es noch immer Haie gibt, ist: Sie sind einfach besser darin, Haie zu sein, als andere es wären. Gedruckte Bücher sind zäh, schwer zu zerstören, badewasserresistent, sonnengeschützt, und sie liegen gut in der Hand. Sie sind einfach gut darin, Bücher zu sein, und deshalb wird es immer einen Platz für sie geben.

Faszinierende Menschen zu erschaffen ist immer ein Wetteifern mit Gott. Er hatte Sternenstaub zur Verfügung. Ich meine Schreibmaschine.

Patrick Haischberger

© Patrick Haischberger

Sabrina schreibt auf einer Diplomat

Dem heutigen Gastbeitrag habe ich zwei wichtige Erkenntnisse zu verdanken. Erstens: Auch Wissenschafter können unter einer Schreibblockade leiden. Da muss ich tatsächlich sagen, dass mich das doch sehr überrascht hat. Hier beschreibt die Kärntner Filmwissenschafterin Sabrina Gärtner, wie sie dieses Problem dank einer sehr störrischen Schreibmaschine lösen konnte. Und hier die zweite Erkenntnis: Auch dank Widerstände kommt man ans Ziel – und manchmal sogar besser als gedacht.

© Sabrina Gärtner

Vor etwa zwei Jahren hatte mich eine garstige Schreibblockade fest im Griff. Stunden, Tage, nein: Wochen verbrachte ich damit, völlig unproduktiv auf ein leeres Word-Dokument zu starren. Wenn ich mich dann doch dazu überwinden konnte, einen Satz in die Tasten zu klopfen, hatte dieser selten lange Bestand. Hastiges, beinahe panisches Hämmern auf die Backspace-Taste machte jedem Wort, jedem Buchstaben nahezu augenblicklich wieder den Garaus. „Nicht gut genug. – Das ist doch kein anständiger Anfang. – Denk daran: Der erste Satz entscheidet über das Schicksal des Texts!“, murmelte ich vor mich hin und manövrierte mich damit in eine völlige Schreibstarre.

Weder die liebgemeinten Motivationssprüche aus meinem Umfeld („Schreib halt drauf los.“ – „Wie schwer soll das schon sein? Fang einfach an!“ – „Du kannst ja später alles überarbeiten.“) noch die zahllosen Schreibratgeber, die ich mir zu Gemüte geführt hatte, konnten mich auch nur ansatzweise aus meiner Lethargie reißen. Und während die Deadline des Grauens bedrohlich und unaufhaltsam näher rückte, begann ich mich langsam mit dem Gedanken anzufreunden, dass mein Schreibprojekt wohl beendet war, bevor es seinen Anfang gefunden hatte. In einem letzten verzweifelten Aufbegehren bekam ich völlig unverhofft einen Strohhalm zu fassen, der mein Schreiben von Grund auf verändern sollte. Oder anders gesagt: Auf einem Altstadt-Flohmarkt fiel mir eine muffige, staubige Uralt-Reiseschreibmaschine in die Hände.

© Sabrina Gärtner

„Eh nett“, kommentierte eine Freundin, als ich ihr voller Stolz via WhatsApp das erste Foto meiner Errungenschaft präsentierte. Mit ihrer unverhohlenen Skepsis stand sie längst nicht allein da: Während ich – beseelt von neuem Tatendrang – meine letzten Cent in einen unvernünftig großen Papiervorrat und ein passendes Ersatz-Farbband investierte, reagierte mein Umfeld recht verhalten: „Was willst du denn mit dem alten Ding?“ – „Irgendwie riecht die komisch.“ – „Hübsch ist anders, gell?“ – „Ist das dein Ernst? Du wirst dir beim Tippen die Finger brechen!“ Dass die ungebetenen Unkenrufe ihre Berechtigung haben würden, musste ich schon bei der ersten Inbetriebnahme erkennen, denn: Meine Diplomat war und ist in vielerlei Hinsicht eine echte Herausforderung.

© Sabrina Gärtner

Die „portable Kleinschreibmaschine“ stammt aus dem Hause Olympia, mein Modell dürfte etwa in den 1930er-Jahren auf den Markt gekommen sein und bringt stolze 5,1 Kilo auf die Waage. An heutigen Standards gemessen ist sie nur bedingt für den Transport geeignet – und will zudem partout nicht in meine Handtasche passen. Erschwerend kommt hinzu, dass sie sich auch in der Handhabung als äußerst unbequem zeigt, erfordert der Tastenanschlag doch ein wohldosiertes Maß an Kraft und Präzision. Drückt man die Tasten zu kräftig, stanzt man das ein oder andere Loch ins Papier. Schlägt man zu schwach an, muss man im Endergebnis fehlende Buchstaben beklagen. Tippt man jedoch zu hastig, verkeilen sich die Typenhebel. Auch beim Einspannen des Papiers empfiehlt sich Akkuratesse, bleibt die Kante doch gerne an den Farbbandklemmen am äußeren Geräterand hängen; zerrissenes Papier, noch bevor die erste Taste berührt wurde.

Die Kooperationsbereitschaft der Farbbandgabel ist indes von einer mysteriösen Tagesverfassung der Schreibmaschine abhängig und führt dazu, dass ich nie ein sauberes schwarzes Schriftbild erhalte, sondern sich immer ungewollte Rottöne einschleusen. Und selbst der Wagenrücklauf hat seine Tücken und will gefälligst (!) mit penibler Sorgfältigkeit und gleichbleibendem Druck betätigt werden – andernfalls drohen hässliche unregelmäßige Zeilenabstände.

© Sabrina Gärtner

Klingt alles nicht sehr einladend, oder? Meine Diplomat ist ein störrisches Biest mit unverschämten Allüren, wodurch der Schreibprozess zu einem physischen und psychischen Kraftakt mutiert. Und doch ist sie das Alpha und das Omega all meiner wissenschaftlichen Texte. Auf ihr tippe ich sowohl die ersten Rohentwürfe als auch die finalen Korrekturfahnen.

Das Ganze sieht dann so aus: Nachdem ich handschriftlich eine Grobstruktur in einen Collegeblock gekritzelt habe, nimmt ein peinlich-genau getaktetes Ritual seinen Anfang. Ich öffne meinen heißgeliebten Sekretär, hebe die Diplomat auf eine schwarze Filzunterlage, rücke meinen Drehhocker zurecht und nehme bedächtig Platz. Tief einatmen, ausatmen. Zwei Bögen Papier zur Hand nehmen, die Kanten bündig aneinanderlegen und sorgsam in die Maschine einspannen. Einatmen und ausatmen nicht vergessen. Behutsam rücke ich die Walze in die Ausgangsposition, lege die Finger an die Tasten… und los geht die wilde Fahrt. Mit Angela Lansbury in ihrer Rolle als J. B. Fletcher in „Murder, She Wrote“ (1984-1996) habe ich wenig gemein, eher fühle ich mich Jack Nicholson als Jack Torrance in „The Shining“ (1980, Stanley Kubrick) sehr nahe.

© Sabrina Gärtner

Kennt Ihr das Gefühl? Da glaubt man, einen großartigen Text geschrieben zu haben, geht erschöpft, aber zufrieden grinsend zu Bett und am nächsten Tag ist das Geschreibsel ein klarer Fall für den Papierkübel? Weil ich anfällig für die verpeilende Wirkung der „Schöpfungsendorphine“ bin, verschwindet meine Rohfassung zunächst immer einige Zeit in der Schublade. Erst wenn ich den nötigen Abstand gewonnen habe, überdenke und überarbeite ich den Text dann am Laptop.

Wenn ich schließlich weitgehend zufrieden bin – das kann ein wenig länger dauern und wirklich zufrieden bin ich nie! –, setze ich mich für die finale Korrekturfahne zurück an die Schreibmaschine. Im Anschluss wird der Rotstift gezückt und die maschinenbeschriebenen Seiten werden mit den nötigen Korrekturanmerkungen verunstaltet. Für den letzten Schliff und den abschließenden Versand an die Herausgeber/Verleger kehre ich erneut an den Laptop zurück.

© Sabrina Gärtner

Das liest sich mit fremden Augen wahrscheinlich eigenartig, umständlich und/oder lächerlich. Warum quält man sich freiwillig mit beschwerlichen, unangenehmen, Kräfte raubenden Stunden an einer alten Schreibmaschine – und das dann auch noch mehrfach? Wäre es nicht leichter und vor allem zeitsparender, alles von Anfang an in den Laptop zu tippen? Mit Sicherheit! Aber mir hilft der ritualisierte, strukturierte Ablauf, den ich rund um die Diplomat etabliert habe, beim Fokussieren. Ich schweife nicht so stark ab, verliere den Sukkus nicht aus den Augen, habe die Grundpfeiler meines Textes immer im Blick und verirre mich nicht hoffnungslos in gedanklichen Einbahnstraßen.

Der Diplomat verdanke ich außerdem – und das ist mir wohl das Wichtigste! – den Abschied vom vergeblichen Streben nach Perfektion. Ich verschwende keinen Gedanken daran, ob das Geschriebene denn gut genug sei, sondern verliere mich völlig im stetigen Rattern, Rumpeln und Klingeln des Geräts und bin doch hochkonzentriert. Mir ist dabei von Beginn an klar, dass der Text es in mehrerlei Hinsicht nicht fehlerfrei aus der Maschine schaffen wird. Und das verschafft mir eine ungemeine innere Erleichterung, die für mich den ungebrochenen Reiz des Ganzen ausmacht.

Sabrina

Sabrina Gärtner ist Filmwissenschafterin mit Fokus auf den Neuen österreichischen Film. Sie promovierte mit einer Arbeit zum Filmschaffen von Jessica Hausner („Hotel“, „Amour fou“, demnächst „Little Joe“) Ihre wissenschaftlichen Texte beschränken sich aber nicht ausschließlich auf österreichische Filme, generell ist sie sehr am Autor/inn/en-Kino interessiert und hat einen Faible für alle Facetten der Filmgeschichte. Hin und wieder schnuppert sich auch gerne mal ins Genre-Kino.

Was macht eine Schreibmaschine in der Bank?

Antwort: Nichts!

Doch zuerst zu etwas anderem: Vor einigen Tagen ging die Aktion „Helios“ zu Ende (siehe Bericht der „Kleinen Zeitung“ zum Anfang). Das Planspiel sollte simulieren, wie gut Österreich auf einen dreitägigen Blackout vorbereitet ist. Sprich: Wenn kein Strom da ist. Im ersten Moment denkt man sich: Tja, Leben geht weiter. Ein Stromausfall kann ja schon mal passieren. Aber man stelle sich vor… der Kühlschrank mit den Lebensmitteln, teilweise die öffentlichen Verkehrsmittel, die Zapfsäulen an der Tankstelle, die medizinischen Geräte, Computer, Internet, Smartphones, die ganze Telekommunikation… all das würde zusammenbrechen – und das über einen längeren Zeitraum! Was würde da wohl geschehen?

Für mich war natürlich ein gewisser Aspekt sehr interessant. Bei der Kommunikation, beim Überbringen von Nachrichten, Anweisungen oder Befehlen… würde man da wieder auf mechanische Schreibmaschinen setzen? Hätte man da ein paar Schreibmaschinen parat? Gewartet und bereit für den Einsatz?

Obwohl ich mir mit meiner mickrigen Website und Nischen-Interesse nicht unbedingt eine Chance ausrechnete, schrieb ich doch die Pressestelle des Innenministeriums an, ob man mir diesbezüglich Auskunft geben könnte.

Und dann geschah das Strache-Video, der Vizekanzler und ein Parteifreund traten zurück, die Regierung wurde gesprengt – und auch der Innenminister (FPÖ) musste den Hut nehmen. Tja, jetzt glaube ich noch weniger, dass ich eine Antwort bekommen werde. Aber damit kann ich sehr gut leben. 😀

Dafür bekam ich von unerwarteter Seite eine Antwort auf eine Frage, die ich vor Jahren gestellt habe.

Ein Freund von mir arbeitet bei der Bank Austria (früher Creditanstalt). Wir kennen uns seit Ende der 1980er. Gemeinsam besuchten wir den Aufbaulehrgang zur Handelsakademie – und haben quasi den gleichen schulischen Background. Wir hatten beide noch Maschinschreiben und Stenografie in der Handelsschule. Das Maschinschreiben konnten wir im Aufbaulehrgang noch brauchen, an Stenografie wurde nicht mehr gedacht. Und als wir ins Berufsleben eintraten – er Bank, ich Versicherungsmakler (damals) – hatten wir hauptsächlich nur noch mit Computern und Netzwerken zu tun, und kaum noch mit Schreibmaschinen. Und mit den folgenden Jahrzehnten verschwand die Schreibmaschine ganz aus den Büros.

Oder doch nicht? Denn als ich vor ein paar Jahren die Schreibmaschine privat wieder entdeckte, erzählte mir der Freund, dass sie in der Bank noch immer eine Schreibmaschine herumstehen haben. Irgendwo zumindest. Ich war entzückt – und bat um ein Foto bzw. um Bekanntgabe des Verwendungszwecks. Doch immer wieder wurde darauf von uns beiden vergessen. Irgendwann fragte ich nach – und dann kam die Antwort, dass er mal aus dem Urlaub zurückkam und die Schreibmaschine suchte. Und da sagte man ihm, dass sie entsorgt wurde.

Oder auch nicht. Denn an dem Tag, an dem das Strache-Video publik wurde, bekam ich das Foto einer elektronischen Olympia Carrera de Luxe zugeschickt. Mein Kumpel hatte die Schreibmaschine in der Bank doch noch gefunden!

© S.E.

Als ich den Verwendungszweck erfuhr, war ich überrascht. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass die Schreibmaschine für den Ernstfall (sprich: Zusammenbruch des Computernetzwerks) gedacht ist. Doch tatsächlich hat sie einen fixen Platz im Banken-Leben. Und das trotz Internet-Banking, Smartphones & Co. Allerdings wiederum nur theoretisch.

Die Schreibmaschine kommt dann zur Verwendung, wenn Bankschecks ausgestellt werden müssen, erzählte mein Kumpel. „Die müssen nämlich noch mit Schreibmaschine geschrieben werden.“ Doch das kommt relativ selten vor. „Wir haben das Ding seit ca. fünf Jahren – als Ersatz für eine mechanische.“ Und die „neue“ Schreibmaschine wurde noch nie verwendet.

Es gebe auch keine Dienstanweisung dafür – und gewartet wurde sie auch noch nie. „Ich hoffe, die Farbbänder sind noch nicht zu Staub zerfallen“, so mein Freund abschließend.

Das ist für mich als Schreibmaschinen-Afficionado natürlich unbefriedigend. Natürlich hoffte ich auf eine Geschichte à la „Und da hatten wir eines Tages einen Netzwerkzusammenbruch. Und nur mit der Schreibmaschine und Boten konnten wir mit anderen Filialen kommunizieren.“ Aber nix. Allerdings sieht man daran auch wieder, wie der aktuelle Stand der Schreibmaschine im Büroleben ist. Und auch das ist wiederum zumindest interessant.

Rodja

Rodja schreibt auf einer Olympia Traveller C

Die ganze Zeit über habe ich nette Mitstreiter gefunden, die hier von ihren Erfahrungen mit ihrer Schreibmaschine berichteten. Nur ich selbst habe in dieser Rubrik noch keinen Bericht abgeliefert – und das will ich hiermit nachholen.

© Rodja Pavlik

Lange habe ich überlegt, welche Schreibmaschine ich hier vorstelle. Die Schreibmaschine, mit der mein Hobby angefangen hat? Oder mit meiner Lieblingsschreibmaschine? Oder mit der subjektiv besten? Alle hier schwärmten von ihren Maschinen, schrieben von ihren positiven Erfahrungen. Was, wenn zur Abwechslung jemand mal das worst case scenario von einer Schreibmaschine beschreiben würde? Was, wenn jemand über die Olympia Traveller C schreiben würde? Quasi nach dem Motto: „Ich habe sie für euch getestet, damit ihr es nicht tun müsst.“

Die Olympia Traveller C ist meine dritte Maschine – und die erste, von der ich mich ersatzlos trennen werde. Kaum zu glauben, aber ich habe mir diese Maschine freiwillig ausgesucht – und war sogar glücklich, als ich sie um 20 Euro auf Willhaben.at erwarb.

Bis dato hatte ich nur die Olympia Monica de Luxe und eine Olympia Traveller de Luxe S. Die Monica betrachte ich als Schreibtisch-Maschine, aber ich wusste, dass ich auch eine portable Einheit brauchen würde. Also kam ich auf die Traveller de Luxe S. Und die war tatsächlich handlicher. Aber deswegen nicht unbedingt transportabler. Der Griff ist einfach mörderisch – und die Maschine auch nicht gerade ein Leichtgeweicht. Nach einem Tag hatte ich schmerzende Schwielen an der Hand vom Herumtragen. Also suchte ich nach einer noch leichteren Schreibmaschine. Und nachdem ich mit Olympia an sich zufrieden war, dachte ich mir, dass die Traveller C – das letzte mechanische Modell von Olympia – quasi die Krone der Schöpfung sei. Doch das Gegenteil ist der Fall doch, dazu später.

© Rodja Pavlik

Ich bekam die Traveller C fast neuwertig in der aufgebrochenen Originalverpackung, mit einigen Papieren, die zwecks Dokumentation recht interessant sind. Eine Rechnung von 1996 lag bei – und in die Schreibmaschine selbst war ein Blatt mit einem Testtext eingespannt. UND: Der Text war ein Tag nach Rechnungsdatum datiert. Das heißt, die Maschine wurde ausgepackt, kurz darauf getippt und wieder eingepackt – und dann all die Jahre nicht mehr benutzt. Ich hatte also eine fast neuwertige Schreibmaschine. Ich schätzte mich glücklich.

© Rodja Pavlik

Doch die Freude währte nur kurz. Aber bevor ich die schlechten Eigenschaften aufzähle, möchte ich doch kurz auf die positiven Aspekte eingehen. Und die gibt es tatsächlich.

Von den Features her baut die Traveller C auf der Traveller de Luxe S auf. Genau wie ihr Vorgänger hat die Traveller C einen Farbbandschalter. D.h., sie kann mit einem zweifärbigen Farbband betrieben werden. Und ebenso wie die Traveller de Luxe S hat die Traveller C fixe Tabulatoren in Zehner-Schritten. Um eine schnelle Tabelle aufzustellen reicht das allemal.

Darüber hinaus fallen aber noch ein paar andere Sachen auf:

1. Die Olympia Traveller C hat ein sehr interessantes, gebogenes Design. Meiner Meinung nach könnte sie auch so eine Stilikone wie die Olivetti Valentine sein. Sie wirkt wie aus einem Sci-Fi-Film der 1940er/1950er-Jahre… vorausgesetzt, dass sie damals noch nicht einmal eine elektrische Schreibmaschine gekannt hätten.

© Rodja Pavlik

2. Die Schreibmaschine hat einen Repeat Spacer. Das ist die rote Taste rechts unten, die es ermöglicht, innerhalb einer Zeile schnell voranzukommen.

© Rodja Pavlik

3. Die Olympia Traveller C ist tatsächlich die einzige Schreibmaschine in meinem Besitz, die die Ziffern 1 und 0 hat.

© Rodja Pavlik

Bei meinen anderen Maschinen fehlen entweder die Null oder die Null und die Eins, da muss ich mir immer mit klein „L“ – als l – als Eins behelfen, ober eben das große „o“ – also O -als Null behelfen. Und die Olympia Traveller C ist somit die einzige Schreibmaschine, bei der sich mein erlerntes Zehn-Finger-System quasi voll auszahlen würde. Schade eigentlich.

© Rodja Pavlik

Die Maschine ist nämlich der volle Plastikbomber, mit all den schlechten Eigenschaften, die man mit diesem Wort assoziiert. Sie ist ein Schandfleck in der sonst so ruhmreichen Historie der mechanischen Schreibmaschinen von Olympia. Und sie war ihr Sargnagel. Das kann man wirklich so verstehen, denn sie war das letzte mechanische Modell der deutschen Firma. Olympia glaubte wohl, mit diesem billig produzierten Ding made in China doch noch das Steuer herumreißen zu können. Denkste!

Wie gesagt, gefällt mir das Design recht gut. Erinnert mich auch ein bisschen an den legendären C64 von Commodore, den sogenannten „Brotkasten“. Nimmt man aber die Maschine auseinander, tut man sich beim Zusammenbauen ein bisschen schwer. Da will nichts so richtig ineinander gleiten und greifen – und mann muss oft ein bisschen herumwurschteln, bis die Schreibmaschine wieder passt.

Vom Material will ich gar nicht reden. Das Plastik ist wirklich schlechte Qualität. Die Bodenplatte zeigt schon einige Haarrisse rund um die Füße auf. Dabei habe ich nicht wirklich viel mit dieser Schreibmaschine geschrieben. Es gibt anscheinend keine Dämpfung zwischen Fuß und Bodenplatte, die die Wucht beim Hämmern auf die Schreibmaschine abmindert.

© Rodja Pavlik

Und auch das Metall scheint irgendein Weichmetall zu sein. Die Typen sowie der Farbbandwahlschalter und jener für das Einstellen der Anschlagsstärke lassen sich recht einfach verbiegen.

© Rodja Pavlik

Das Schreiben selbst ist eine Qual. Die Tastatur ist äußerst schwammig. Am Anfang fällt das einem nicht so auf, aber mit der Zeit ist das für die Hand äußerst irritierend und ermüdend. Man muss öfters pausieren, damit sich die Hand erholen kann.

Sieht man sich eine Schriftprobe der Traveller C an, fällt auf, dass die Großbuchstaben um eine halbe Stufe herabgesetzt sind. Zuerst dachte ich, dass das so gehört… dass das ein eigenwilliger Stil sei. Und irgendwie sieht das auch auch cool aus. Aber jetzt bin ich mir sicher, dass es einfach ein Fehler in der Höhenadjustierung ist.

© Rodja Pavlik

Beim Blick ins Innere fällt auf, dass die Mechanik sehr reduziert ist. Da ist so ein langes Gestänge, das eher sehr lose wirkt. Auch bei anderen Maschinen habe ich so ein Gestänge gesehen, aber es war viel kürzer und hatte nur einen kurzen Weg zu erledigen. Es wirkt bei den anderen Maschinen viel mehr ineinandergreifend, viel präziser. Bei der Traveller C wirkt es, als wäre es lose eingehängt und hätte die Hauptarbeit zu erledigen.

© Rodja Pavlik

Überhaupt scheint es mir, als würde es bei der Traveller C vor allem ums Reißen gehen. Die Typen werden mit voller Wucht auf das Papier geschleudert. Und nicht nur das: Während die Typen bei anderen Schreibmaschinen wie der Hermes 3000 brav in ihre Ausgangsposition zurückkehren und dort verharren, saust bei der Traveller C die Type zwar zurück, prallt aber in der Ausgangsstellung ab und wird wieder die Hälfte des Wegs zurückgeschleudert, bevor sie in ihre Ruheposition zurückfällt. Mechanische Präzision ist das jedenfalls keine.

© Rodja Pavlik

Nun bleibt mir nur noch, dieser seltsam misslungenen Maschine Lebewohl zu sagen. Eigentlich wollte ich sie aus Designgründen noch aufbewahren. Aber irgendwie bin ich ständig frustriert, wenn ich sie auseinandernehme und erst ein bisschen herumwerkeln muss, bis alles passt. Ich glaube, ich werde sie ein paar Kindern überlassen, damit sie das mal ausprobieren können. Bis dahin werde ich die Olympia Traveller C in ihr Cover schließen und nicht mehr hervorholen.

Rodja

© Rodja Pavlik