Martin schreibt auf einer Penna

Vor einiger Zeit hat Steuerberater Martin Kellner aus Köln hier über seine Erfahrungen mit einer Olympia Splendid 33 geschrieben. Wir dürften beide die taktile Erfahrung beim Schreiben gesucht haben – und waren neben der Vorliebe für Schreibmaschinen auch auf der Suche nach Alternativen zu herkömmlichen Computertastaturen, als da wären u.a. Freewrite oder Qwerkywriter. Ich muss zugeben, dass ich anfangs mit dem Qwerkywriter geliebäugelt habe. Aber erstens war er damals mir doch zu teuer, zweitens lieferten sie nur in QWERTY aus. Selbst auf Anfrage wollten sie von QWERTZ nichts wissen. (Mittlerweile haben sie aber QWERTZ im Angebot. Pff!)

Und dann kam die Crowdfunding-Aktion für das Penna-Keyboard/die Penna-Tastatur von Elretron. Das Ding wirkte zwar nicht ganz so hochwertig wie der Qwerkywriter, war aber doch um einiges billiger. Auf der Homepage boten sie es nur in QWERTY an, als ich aber nachfragte, antworteten sie binnen Stunden, dass auch QWERTZ möglich sei. Und auch auf der Page stand plötzlich QWERTY/QWERTZ/und andere Sprachen. Das, liebe Leute, nenne ich Dienst am Kunden. Also entschied ich mich für das Penna – zeitgleich eben wie Martin Kellner, der uns freundlicherweise einen Erfahrungsbericht zur Verfügung gestellt hat.

Der Bericht läuft sowohl in der Rubrik „…schreibt auf einer…“ als auch unter „Alternativen.“

– – –

Vor langer Zeit hatte mich Rodja durch einen Artikel auf ein Crowdfunding-Projekt aufmerksam gemacht: die Penna-Tastatur von Elretron. Wir haben uns im Vorfeld gedanklich ein bisschen darüber ausgetauscht – und dann beide entschlossen, den Schritt zu wagen und bei dem Crowdfunding mitzumachen.

Ich habe mich für eine schwarze Tastatur mit runden Tasten entschieden. Und, was kostet die Welt, auch eine Tasche für den Transport. Hin und wieder habe ich mitverfolgt, wie sich das Crowdfunding-Projekt im Laufe der Zeit entwickelte. Die Unternehmer haben ihr gestecktes Ziel offenbar um ein Vielfaches übertroffen. Das zeigte mir, dass es vermutlich doch eine Menge Menschen auf der Welt gibt, die Interesse am guten Tippen haben.

© Rodja Pavlik

Es hat gefühlt ewig gedauert, bis das Projekt verwirklicht wurde. Soll heißen, bis ein Paket bei mir ankam. Das war auch okay. Dadurch hat sich die Vorfreude, bekanntlich die schönste Freude, auch verlängert. Paket ausgepackt und gestaunt: Die Tasche besteht aus Kunstleder, ist aber haptisch sehr hochwertig und macht auch vom Aussehen etwas her. Das hätte ich so nicht erwartet. Die kann ich auch gut zu Mandantenterminen mitnehmen.

Auch die Tastatur macht, obwohl zum großen Teil aus Kunststoff, keinen billigen Eindruck. Ich hatte meine Erwartungen bewusst niedrig gehalten. Jetzt wurde ich angenehm überrascht.

Die Tastatur hat an der linken Seite einen Hebel. Der macht den Transport, auch in der vorgesehenen Tasche, sicher etwas schwierig. Da sich mir der Nutzen dieses Hebels noch nicht erschlossen hat, denke ich tatsächlich darüber nach, den Hebel abzuschrauben. Habe ich aber noch nicht gemacht, weil die Tastatur mit Hebel richtig gut aussieht.

So, jetzt zur Tastatur! Es ist natürlich selbstverständlich, dass ich diesen Text auf dem Penna-Keyboard schreibe. Im Grunde handelt es sich um eine Bluetooth-Cherry-Tastatur, die nett aussieht und sich an das Aussehen einer Schreibmaschine anhlehnt. Fest verbinden kann man sie mit fünf verschiedenen Geräten. Ich habe sie mit meinem Kindle 10 Fire Tablet verbunden. Das ging eigentlich recht einfach – dabei habe ich wirklich nicht viel technischen Sachverstand. Obwohl es eine deutschsprachige QWERTZ-Tastatur ist, hat sie leider auf dem Tablet doch etwas anders geschrieben – sie ist halt auf die englischsprachige QWERTY-Tastatur eingestellt. Das hat mich anfangs sehr irritiert. Nach zwei Tagen war mir klar, dass ich dafür noch eine Einstellung am Tablet selbst ändern musste. Das ging auch ganz leicht und ohne Hilfe. Und seitdem läuft alles wunderbar. Für jemanden, der wesentlich mehr mit aktueller Computertechnik zu tun hat als ich, wird das völlig selbstverständlich sein.

© Martin Kellner

Die Tastatur imitiert ein bisschen eine Schreibmaschinen-Tastatur. Die Tasten steigen sanft an. Am hinteren Ende, wo bei einer Schreibmaschine das Papier eingespannt wird, ist ein Schlitz, in den das Tablet gesteckt werden kann. Mein Tablet passt auch ganz wunderbar hinein. Und das Ganze sieht auch ziemlich stylisch aus. Zum transportablen Gebrauch ziemlich perfekt. Ich müsste mich mal damit in ein Starbucks unter all die Yuppies mit ihren iPads setzen. Das würde vermutlich Aufsehen erregen. Ja, das Penna-Keyboard finde ich richtig cool, gerade weil praktisch noch niemand so etwas gesehen hat.

Beim Schreiben am Tisch habe ich festgestellt, dass mir der Winkel des Tablets nicht ganz passt. Dafür habe ich mir bei Amazon von Lamicall für recht wenig Geld einen ziemlich hochwertigen Tabletständer besorgt. Jetzt benutze ich die Tastatur und habe das Tablet auf dem Ständer in einem schönen Winkel direkt dahinter. Das funktioniert super.

© Martin Kellner

Ich hatte ja schon erwähnt, dass die Installation zwei Tage gedauert hat. Keine Sorge, ich habe nicht wirklich so lange dafür gebraucht, nur abends mal 20 Minuten. Aber schon da habe ich auf der Tastatur herumgetippt, um das Schreibgefühl zu erleben. Und schon da war ich recht begeistert. Alle Tasten sind da, wo sie sein sollen, haben die richtigen Abstände zueinander. Ich finde blind alles, was ich brauche – und das ohne Vertipper, weil die Finger abrutschen oder so. Vertipper liegen dann wirklich nur daran, wenn ich unkonzentriert bin. Es gibt keinen Nummernblock, also nichts für Buchhalter. Aber sonst ist alles leicht auffindbar und so angeordnet, dass ich gar nicht suchen muss.

Das Schreibgefühl finde ich auch klasse. Und darum geht es ja. Die Tasten haben einen Druckpunkt, den man überwinden muss. Und sie geben ein angenehmes Klickgeräusch von sich. Bei der Konfiguration des Penna während des Bestellvorgangs hat man mehrere Optionen zur Auswahl. Ich habe bekommen, was ich wollte. Und ich stelle fest, dass das eine gute Entscheidung war. Ich komme beim Tippen ziemlich nahe an das Schreibmaschinen-Gefühl heran. Ich kann sogar sehr schnell damit tippen – und habe doch die Annehmlichkeiten moderner Technik.

Achtung! Das Penna ist nicht mit einer Schreibmaschine zu vergleichen. Das ganz sicher nicht. Aber wer keine Lust mehr auf diese schrecklichen standardisierten Laptop-Tastaturen hat, wird sich mit einem Penna vermutlich sehr wohl fühlen.

Martin Kellner

Penna – endlich ist es da!

Obwohl es vielleicht so aussehen mag, so ist dieser Blog nicht allein zur bedingungslosen Huldigung der Schreibmaschine gedacht. Nein, auch Alternativen wie mit der Hand schreiben (gestern war übrigens „Tag der Handschrift“) oder besondere Keyboards wird hier Aufmerksamkeit gewidmet.

So habe ich schon mehrmals über von der Schreibmaschine inspirierte Keyboards geschrieben, wie das Qwerkywriter oder das Penna . Beides waren Crowdfunding-Projekte, die mein Interesse weckten. Letztendlich entschied ich mich für das Penna, weil erstens billiger, zweitens verweigerte Qwerkywriter von Anfang an eine deutschsprachige QWERTZ-Tastatur. Erst beim zweiten Modell des Qwerkywriter wurde eine QWERTZ-Tastatur angekündigt (ist noch immer „coming soon“).

Penna bzw. die dahinter agierende Firma Elretron hatte da nie Probleme gemacht. Als die Firma das Projekt vorstellte, war von QWERTZ keine Rede. Erst auf Nachfrage antwortete sie zuerst persönlich – und hatte dann auch innerhalb von ein paar Stunden auf ihrer Site den entsprechenden Verweis, dass man auch ein deutschsprachiges Keyboard-Layout ordern kann.

Und nun liegt das Penna-Keyboard vor mir. Mit dabei ist auch eine Lederimitiat-Tasche, passend für das Keyboard und ein Tablet sowie ein paar Stifte und Utensilien. Das wertet das Ganze schon mal optisch auf.

© Rodja Pavlik

Sehr viel zum Ausprobieren bin ich noch nicht gekommen. Bisher hatte ich nur einige „Trockenübungen“ – und vom Gefühl her ist das schon einmal ein ganz anderes, sympathischeres Tippen als auf dem Macbook. Aber irgendwie klappt die Verbindung via Bluetooth zu meinem 2010er-Macbook nicht. Ich muss mich da noch mal so richtig schlau machen. Wozu der Hebel (eine Reminiszenz an den Zeilenschalthebel der Schreibmaschine) wirklich gut sein soll, erschließt sich mir auch nach mehreren Videos nicht. Es soll Wörter, Sätze und Absätze verdoppeln können. Na toll.

Von einem Bekannten, der leider auch noch nicht sehr viel Zeit zum Ausprobieren hatte, habe ich schon gehört, dass das Penna trotz QWERTZ-Tastatur noch auf QWERTY eingestellt ist. Aber das sollte eigentlich auch einfach zu beheben sein. Wenn man denn Zeit hat.

Rodja

Penna – ein von der Schreibmaschine inspiriertes Keyboard

Obwohl die Schreibmaschine an sich in der heutigen Zeit vermeintlich obsolet ist, hat sie doch noch immer eine ikonenhafte Ausstrahlung. Niemand – bis auf ein paar Verwegene – schreibt auf ihr. Und doch gilt sie als Inbegriff des Schriftstellertums. Sobald man ein Bild von ihr sieht, verbindet man sie automatisch mit produktivem Schreiben und einem Klick-Klack der Tastatur – selbst wenn man noch nie etwas mit ihr zu tun gehabt hat. Ich denke, dass das durch Medien wie Film und Fernsehen noch eine Zeit lang anhalten wird. Ein ähnliches Schicksal ist ja auch der Diskette vergönnt. Niemand speichert auf Disketten noch ab, aber dadurch, dass sie als Symbol fürs Abspeichern (siehe z.B. in Word) dient, wird sie uns noch erhalten bleiben.

Und auch die Schreibmaschine findet ihren Niederschlag in der heutigen Welt. Über das von ihr inspiriertem Keyboard QWERKYwriter habe ich hier ja schon öfters berichtet. Als ein weiteres Schreibmaschinen-inspiriertes Projekt wird der Lofree beworben – aber da spüre ich persönlich eigentlich nur einen Hauch von „retro“, von der Schreibmaschine an sich eher nicht so sehr.

Bei einem neuen Crowdfunding-Projekt, dem Penna von der chinesischen Firma Elretron Inc., wiederum empfange ich ganz starke Schreibmaschinen-Vibes.

© Elretron Inc.

Und wie man der Crowdfunding-Aktion auf Kickstarter entnehmen kann, herrscht bei den Usern anscheinend der Bedarf nach etwas Handfestem. Wahrscheinlich gibt es viel zu viele geräuschlose Touchscreens auf der Welt – hier giert man nach etwas Haptischem. Etwas, das den Fingern leichten Widerstand bietet, eine Geräuschkulisse, das Feedback über die eigene Produktivität gibt.

Anders lässt es sich nicht erklären, dass das ursprüngliche Crowdfunding-Ziel von 50.000 US-Dollar bereits um ein Vielfaches überschritten wurde – aktuell liegt der erreichte Betrag bei ca. 415.000 US-Dollar. Also über das 8-fache der gewünschten Summe. Und man kann das Projekt noch immer bis zum 6. Mai 2017 unterstützen. (Ehrlich, ich bin stark in Versuchung.)

Die Tastatur, die sich mit insgesamt bis zu fünf Geräten (egal, ob Windows, Android oder iOS) koppeln lässt, kommt wahlweise mit Diamond- oder Chrome Tasten geliefert, wobei letztere eher die Schreibmaschinen-Optik bieten. Die mechanischen Cherry-Tasten imitieren das Klick-Klack der Schreibmaschinen. (Obwohl… eine mechanische Schreibmaschine klingt einfach anders… seufz)

Im Gegensatz zum Qwerkywriter wird der Penna auch wahlweise mit der deutschsprachigen QWERTZ-Tastatur (also auch ä, ö, ü und ß) geliefert. Für mich definitiv ein Plus.

Auch farblich gesehen gibt es eine Auswahl: Von mattschwarz über Baby-pink bis hin zu olivgrün und weiß gibt es die Tastaturen. Was natürlich noch mehr Retro-Gefühle hervorruft. Ab 299 Dollar gibt es die Tastatur aber auch in Holz.

© Elretron Inc.

Ein großer Vorteil, den der Penna gegenüber dem Qwerkywriter hat, ist natürlich der Preis. Den Qwerkywriter gibt es laut Homepage regulär um 249 Euro (davor 349 Euro, für Crowdfunder damals 329 Euro). Den Penna gibt es in der Crowdfunding-Phase bereits ab 99 Euro (statt 180 Euro im Einzelhandel). Dabei schaut für mich der Qwerkywriter „wertiger“ aus, der Body besteht auch aus Metall, während der Penna halt Plastik (bis auf die teurere Holz-Variante) ist.

Wie beim Qwerkywriter hat auch der Penna einen dem Zeilenschalthebel nachempfundenen Hebel. Während beim Qwerkywriter damit tatsächlich Zeilen geschalten werden, hat der Hebel beim Penna eine Art Aufnahmefunktion. Sätze, die während des Aufnahmemodus getippt werden, können per Hebeldruck beliebig oft wiederholt werden. (Allerdings… wozu, zum Teufel, soll das bitte gut sein?!?)

Die Tastatur wird von zwei AA-Batterien betrieben, die sechs Monate halten sollen. Hier hat der Qwerkywriter einen Vorteil – er ist nämlich über USB-Kabel aufladbar.

© Elretron Inc.

Was mir bei der Aktion auffällt: Es scheint nicht wirklich um die Finanzierung eines Projekts zu gehen. Die Crowdfunding-Summe von 50.000 Dollar kommt mir nämlich nicht all zu hoch vor. Es wirkt eher so, als würden hier – wie man auch den Perks (es gibt im Wesentlichen nur die Keyboards als Preise) entnehmen kann – einfach Vorbestellungen entgegengenommen werden. Das ist jetzt nicht negativ gemeint, aber irgendwie geht mir doch etwas das Idealistische ab. Das Unterstützen einer Idee um der Idee willen. Die aktuelle Crowdfunding-Aktion ist einfach nur Business.

Rodja

PS: In Verbindung mit der Schreibmaschinen-App „Hanx“ (von Oscar-Preisträger Tom Hanks) stelle ich mir den Penna richtig cool vor. Natürlich wird mir das Keyboard NICHT die Schreibmaschine ersetzen. Aber ja, ich bin definitiv in Versuchung…

INFO: www.elretron.com; Crowdfunding-Aktion: www.kickstarter.com/projects/1950503124/penna-retro-bluetooth-keyboard-starting-as-low-as