Wenn eine eine Reise tut…

… dann hat sie viel zu tippen.

© Jorike van Werven

Jorike van Werven ist eine Schreibmaschinenkünstlerin. Genau wie der Deutsche Robert Doerfler, der hier schon öfters vorgestellt wurde, „malt“ Jorike mit ihrer Schreibmaschine. Sie tippt Bilder.

Die Niederländerin hat sich eine berufliche Auszeit genommen und unternahm mit ihrer Schreibmaschine eine Reise im asiatischen Teil der Welt. Die Auszeit hält nicht mehr lange an – rechtzeitig zu Weihnachten ist Jorike nach Hause gekehrt, um Weihnachten mit der Familie zu feiern und am 1. Jänner 2018 einen neuen Job anzutreten.

Als die Schreibmaschinisten Jorike im Oktober kontaktierten, war sie gerade am Anfang ihrer Reise. Sie war von Amsterdam nach Moskau geflogen, wo sie den Transsibirischen Express Richtung Peking nahm. Als die Schreibmaschinisten sie per Facebook-Chat erreichten, war sie gerade in Irkutsk am Baikalsee. Jorike war vier Tage ohne WiFi – und das Signal in Irkutsk war auch schwach.

© Jorike van Werven

Mit auf ihrer Reise hatte sie eine Remington Envoy III Sperry Rand, mit der sie hauptsächlich malte, aber auch – zumindest am Anfang – ihren Reise-Blog mit Berichten befüllte. Das Projekt nannte sie „De Reismachien“ („The Travelling Typewriter“). „Dieses Jahr habe ich so viel gearbeitet, dass ich fast nie Zeit hatte, zu tippen. Jetzt habe ich sie!“, erzählte Jorike den Schreibmaschinisten über ihre Motivation, auf Reisen zu gehen UND eine Schreibmaschine mitzunehmen.

Die Seiten fotografierte sie mit ihrem Smartphone ab und lud sie auf ihre Homepage hoch. Die Zeichnungen selbst bewahrte sie während der Reise sicher in einer Mappe auf, die in einer extra für die Schreibmaschine gekauften Tasche transportiert wurde. Mitreisende reagierten neugierig-freundlich auf ihr Tippen. Wobei sie auch einmal folgende Konversation im Zug mitverfolgen konnte. „Da war eine Frau, die freudig ausrief: ‚Schatz, schau. Sie tippt auf einer Schreibmaschine. Darauf er grantig: ‚Ja, eh. Ich mach schon die Türe zu.’“

Die Remington sei nicht unbedingt ihr Lieblings-Schreibgerät, aber das war auch der Grund, warum sie ausgerechnet diese Schreibmaschine mitnahm. An und für sich hatte sie nämlich vor, die Remington in China oder Hongkong zurück zu lassen, damit sie dann in Vietnam nur noch mit leichtem Gepäck Land und Leute kennen lernen kann. „Doch mittlerweile ist mir die Schreibmaschine ans Herz gewachsen“, so Jorike. „Ihr Schriftbild ist so hübsch. Daheim dachte ich, sie ist nicht unbedingt die beste Schreibmaschine fürs Malen. Aber jetzt, wo ich damit geübt habe, geht das Malen jeden Tag besser damit.“ Natürlich hatte Jorike auch einen Laptop mit. Den benutzte sie aber hauptsächlich zum Filme schauen.

© Jorike van Werven

Diese Woche ist Jorike nun heim gekehrt. Bis zum Arbeitsbeginn hat sie noch Zeit, um ihre Eindrücke auf der Schreibmaschine zu verarbeiten. Und ja, auch die Remington ist wieder in die Niederlande zurück gekehrt. „Nach so einer großen Reise konnte ich sie doch nicht einfach zurücklassen“, erzählte Jorike heute den Schreibmaschinisten.

Rodja

INFO: Homepage: www.typischetekeningen.nl; Facebook-Site Typische Tekeningen van Jorike: https://www.facebook.com/typischetekeningen

„Uncommon Type“ von Tom Hanks

Momentan erfahren Schreibmaschinen ja einen ziemlichen Hype – und dass so ein altes Gerät in den Mittelpunkt des Medieninteresses gerät, haben wir unter anderem einem Oscar-Preisträger zu verdanken: Tom Hanks, der selbst ein großer Schreibmaschinen-Enthusiast ist und über Hunderte von Schreibmaschinen sein eigen nennt.

Nicht nur, dass er sein prominentes Gesicht und seine Expterise der Dokumentation „California Typewriter“ leiht, nein, er hat auch ein Buch mit Kurzgeschichten veröffentlicht. „Uncommon Type“ (der deutsche Titel „Schräge Typen“ soll im Februar 2018 erscheinen) beinhaltet 17 Kurzgeschichten, die Hanks auf verschiedenen seiner mechanischen Schreibmaschinen getippt hat. “In den zwei Jahren, die ich an den Geschichten gearbeitet habe, habe ich Filme in New York, Berlin, Budapest und Atlanta gedreht und überall geschrieben. Ich habe in Hotels bei Presse-Tourneen geschrieben, ich habe im Urlaub geschrieben. Ich habe im Flugzeug, zu Hause und im Büro geschrieben”, teilte Hanks den Medien mit.

© Rodja Pavlik

Nun ist das Buch in Amerika bereits erschienen – und ich habe mir natürlich ein Exemplar besorgt, ein Paperback. Zwar habe ich noch nicht reingelesen (Zeit ist momentan ein äußerst kostbarer Luxus, den ich mir nicht leisten kann), aber allein die Aufmachung ist für Schreibmaschinen-Fans sehr interessant. Neben vier Postkarten (mit Buchcover und drei verschiedenen Schreibmaschinen – Olivetti Underwood, Groma Kolibri (kyrillische Schriftzeichen) und Continental als Motiven) befinden sich auch im Inneren des Buches Bilder der Schreibmaschinen, mit denen der Hollywood-Schauspieler seine Geschichten geschrieben hat (u.a. Olympia, Remington, IBM, etc., etc.). Die Bilder sind aber auf Papier gedruckt, so dass ein Laie wie ich nicht wirklich Details erkennen kann. Vielleicht bietet die teuere Hardcover-Version des Buches eine optisch bessere Qualität.

Momentan ist ja Hanks auf medialer Promo-Tour für sein Buch (wie in dem unten angeführten Clip von der TV-Show „CBS Sunday Morning“). Und ja, auch ich habe mit meinen bescheidenen Mitteln versucht, ihn für meinen Blog zu interviewen. Ich geb’s zu, ein bisschen größenwahnsinnig, aber ich wollte es zumindest ausprobieren. Und bis dato hat sich sein Agent eh noch nicht mit meinem Sekretariat in Verbindung gesetzt. (Nicht, dass ich wirklich damit gerechnet hätte, aber träumen wird man ja wohl noch dürfen, dass einen der Hauch von Hollywood streift.)

Wie gesagt, ich bin noch nicht wirklich dazu gekommen, das Buch zu lesen (da habe ich noch eine lange Liste abzuarbeiten). Die Reviews zu „Uncommon Type“ lesen sich aber auch sehr zwiespältig. Ich bezweifle aber, dass mein Englisch so gut ist, dass ich beurteilen kann, ob Tom Hanks‘ Kurzgeschichten gute oder schlechte literarische Qualität aufweisen. Aber eine Rezension werde ich definitiv noch nachliefern…

Rodja

PS: Was die Postkarten betrifft… Ach herrje, die sind mir schon fast zu schade, um sie wirklich zu verschicken… :-/

US-Songwriter Ryan Adams über seinen kreativen Arbeitsprozess

Seit der CD „Heartbreaker“ (2000) bin ich ein Fan von Ryan Adams – und das war eine Zeit, wo man immer wieder betonen musste, dass NICHT Bryan Adams gemeint ist.

Vielleicht wäre ich sogar ein großer Fan geworden, aber erstens ist dieser Platz im Herzen schon für Jackie Leven reserviert, zweitens hatte Ryan Adams eine Phase, wo er innerhalb kürzester Zeit mehrere Alben veröffentlichte. Und da war – für meinen Geschmack – auch Unausgegorenes und viel Mediokres dabei. Aber ein paar Alben von ihm höre ich immer wieder gern.

In diesem Clip hier erklärt Adams seinen kreativen Arbeitsprozess – und der beinhaltet neben Wörterbüchern, Lexikons und Romanen eben auch eine Schreibmaschine. Eine Remington, wie ich mal seinem Gerede entnehme.

Und hier einer meiner Lieblingssongs von ihm: „To Be Young (Is to Be Sad, Is to Be High)“ – ich glaube, treffender hat wohl keiner meine Jugend beschrieben.

Rodja

Tom Hanks verschenkt Schreibmaschinen

© Denise Esposito

© Denise Esposito

Denise Esposito ist eine ausgezeichnete Zeichnerin, Fotografin und Künstlerin – und obendrein noch ein großer Fan von Oscar-Preisträger und Schreibmaschinen-Enthusiast Tom Hanks. Als der Schauspieler im Oktober beim Filmfestival in Rom war, überreichte sie ihm einen Moleskine-Block (ein bisschen Werbung schadet nie, hm?) voller fotorealistischer Zeichnungen von Hanks in verschiedenen Rollen.

„Er ist mein Lieblingsschauspieler und ich wollte ihm ein ganz besonderes Geschenk machen. Ich habe drei Wochen lang an den Zeichnungen gearbeitet und gehofft, dass es mit der Übergabe klappt“, erzählte Denise der US-Web-Plattform „LAist“. Hanks war sehr angetan von der Arbeit der Italienerin. Von der Übergabe gibt es auch ein Video.

Einen Monat später schickte der US-Filmstar Denise Esposito eine signierte Royal-Schreibmaschine und einen Dankesbrief mit einer Forderung: „Mach noch mehr Kunst!“

Die Schreibmaschinisten wollten noch ein paar Details wissen und erreichten Denise Esposito via Facebook. „Ja, ich wusste, dass er Schreibmaschinen mag. Also dachte ich mir, dass es cool wäre, das Skizzenbuch mit einem ‚Fortsetzung folgt‘ und einer Schreibmaschine zu beenden. Es werden ja noch viele weitere Filme folgen!“ Auf das Geschenk hin angesprochen, erklärte Denise: „Ich hatte noch nie eine Schreibmaschine. Die hier ist in der Tat meine erste. Aber ich wünschte, ich hätte diesen Thrill, auf diese alte Art und Weise zu tippen, schon früher erlebt. Die Schreibmaschine ist wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten für mich, ich werde sie sicher zu ganz besonderen Anlässen benützen.“

Momentan dürfte Hanks wohl einen Lauf beim Verschenken von Schreibmaschinen haben. (Ob ihm Ehefrau Rita Wilson ein Limit gesetzt hat und er ein paar abgeben muss? Wir werden es wohl nie erfahren.) So gibt es auch die entzückende Geschichte von Rosie King.

Die britische Teenagerin leidet unter einer abgeschwächten Form von Asperger. Trotz Autismus besucht sie einen Studienkurs für kreatives Schreiben, der ihr aber aufgrund ihrer Krankheit einiges abverlangt. Als Tom Hanks von der Geschichte in einer Talkshow hörte, versprach er, Rosie eine Schreibmaschine zu schicken. Und dass er Wort gehalten hat, beweist dieser Videoclip hier (den man leider nur verlinken und nicht einbetten kann). Rosie ist so gerührt über ihre Remington Streamliner, dass es eine wahre Freude ist.

Ach, das sind so Geschichten – und zwar alle beide -, die passen so richtig zur Weihnachtszeit. Schön!

Rodja

INFO: www.deniseesposito.com; Denise Esposito auf Facebook: www.facebook.com/DeniseEspositoArt; Instagram: www.instagram.com/deniseespositoart/

Das Wort zum Sonntag – 16.10.2016

Meine Remington Portable Model 5 hat den Wien-Blues und tippt das herrlich-geniale „Wien wort auf di“ der Band Granada. Deren gleichnamige CD läuft derzeit auf heavy rotation bei mir.

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Und hier noch das Original „Vienna“ von Billy Joel…

Im Chatroom mit der Schreibmaschine

Schreibmaschine "Dico": Look alt, Funktionalität neu (© asmarterplanet.com

Schreibmaschine „Dico“: Look alt, Funktionalität neu (© asmarterplanet.com


Der britische Student Joe Hounsham hat eine Remington Compact Portable aus den 1930ern fit für das 21. Jahrhundert modifiziert. Und das nur, um zu chatten. Und um irgendwie auf Datensicherheit im Internet hinweisen.

Wie Pressetext.com berichtet, hat Hounsham für sein Projekt „Dico“ den IBM Smarter Planet Award 2014 gewonnen. Dico bedeutet auf Lateinisch soviel wie sagen, sprechen, vorbringen, aber auch singen, dichten oder vortragen.

Von der Ferne sieht „Dico“ wie eine gewöhnliche Schreibmaschine aus. Doch nähert man sich ihr, wird man von einem Ultraschallsensor erfasst. Daraufhin wird aus dem Internet ein Chat-Partner nach dem Zufallsprinzip ausgesucht. Eine Botschaft wird mittels einer internen Mechanik von selbst auf das Papier getippt – und mittels der Schreibmaschine kann man dann darauf antworten.

Mit dem Projekt wollte Hounsham nicht nur dem altmodischen Gerät neues Leben einhauchen, sondern auch das Problem der Datensicherheit ins Rampenlicht rücken – weshalb die Schreibmaschine zufällig ausgewählte Nachrichten verschlüsselt. Dann muss der Nutzer zu einem Codebuch greifen, um den Inhalt in der analogen Welt wieder zu entschlüsseln. „Ich würde das gerne weiterentwickeln, vielleicht eine zweite bauen, damit sie sich den ganzen Tag lang unterhalten können“, meint Hounsham nun laut Pressetext.com.

Rodja

Neulich beim Tandler, erster Versuch

Die MA 48 (Magistratsabteilung) ist in Wien zuständig für die Abfallwirtschaft und die Straßenreinigung. Sie verwaltet auch die Mistplätze, auf denen Leute nicht nur Sperrmüll, sondern auch nicht mehr gebrauchte, aber einwandfreie Sachen wie alte Computer, Kleidung oder Möbel abliefern können. Und seit kurzem werden letztere Sachen nun auch wieder verkauft – und zwar beim 48er-Tandler in 1050 Wien. (Anm.: Tandler ist österreichisch für Klein-, Wander- oder Altwarenhändler)

Dementsprechend bietet 48er-Tandler unter anderem Vintage-Möbel und andere gebrauchte Sachen wie Geschirr, Kleidung, Bücher, Sportgeräte, Musikinstrumente, Schallplatten, Spielsachen und vieles, vieles mehr. Aus den Erlösen werden karitative Projekte, wie die Gruft (Betreuung von Obdachlosen), das Integrationshaus (Betreuung von Flüchtlingen oder das TierQuarTier Wien (Tierschutz).

Look, but don't touch - alles nur Dekoration © Rodja Pavlik

Look, but don’t touch – alles nur Deko hier © Rodja Pavlik

So etwas unterstützt man doch gerne. Vor allem wenn man annehmen kann, dass sich auch Schreibmaschinen unter den angebotenen Sachen befinden. Ich fragte per E-Mail an und bekam als Antwort.

Wir haben Schreibmaschinen zum Verkauf. Sammlerstücke sowie auch jüngere Modelle.

Oh, klang das verlockend. Allerdings deutete der Satz auch an, dass die Damen und Herren von der MA 48 wissen, dass sie die Schreibmaschinen nicht unbedingt billig abgeben müssen. Ich sah schon eine eigene Abteilung vor mir, wo man in Ruhe durchgehen und verschiedene Modelle nebeneinander ausprobieren konnte. Und so fuhr ich am Donnerstag hin (das Geschäft hat nur Donnerstag bis Samstag offen). Doch leider erlebte ich eine Enttäuschung.

Erstens war der Raum zwar groß, aber nicht so groß, wie man anhand der Angebotsliste hätte annehmen können. Schon beim Eingang stolperte ich zwar über eine Olympia SM9, aber danach wurde es auf den ersten Blick ziemlich mau. Ich erkundigte mich bei einer Angestellten, die jedoch ziemlich genervt wirkte. Generell wirkten die Angestellten eher unwirsch, was aber auch zum Teil an den potenziellen Kunden liegt, die durchs Geschäft gingen und alles möglichst billig, aber mit ganz viel Bedienung haben wollten. So verlangte jemand lautstark nach einer Kiste zum Transportieren. Gibt es nicht? Ah, ein großes Papiersackerl kann man haben. Was? Dafür wird 30 Cent verlangt?!? Die „Kundin“ drehte sich mit einer Handbewegung um, die an die Leichtigkeit, mit der ein Mittelfinger gezeigt wird, erinnerte. Oder eine andere Kundin, die quasi meinte, dass jemand auf ihre Kinder aufpassen müsste, damit sie sich in Ruhe in der Geschirrabteilung umschauen könne – denn sonst könnten die Kinder ja etwas ruinieren! Da kann ich mir schon vorstellen, dass die Angestellten gegenüber den Kunden eher „defensiv“ auftreten.

Deswegen fragte ich höflich nach, wo denn die Schreibmaschinen stehen würden. Und da bekam ich den bestimmten Fingerzeig in die ungefähre Richtung der Möbelabteilung. „Dort… Irgendwo. Aber nur jene, bei denen ein Preisschild ist. Die anderen sind nicht verkäuflich. Und…“ – sie zeigte auf die Olympia SM9 – „…die kann man auch kaufen. Obwohl da kein Preisschild drauf ist.“

Ausgestattet mit so präzisen Informationen machte ich mich auf den Weg… und fand nichts. Oder? Ja, doch. Da waren doch Schreibmaschinen. Und zwar jede Menge. An der Wand befestigt. Auf Regalen, gerade noch in Reichweite, aber so Monster-Trümmer, dass man sich nicht traut, sie alleine herunterzuheben. Gerade eine konnte ich von dem Regal herunterheben – und war sogleich verliebt. Eine Remington Noiseless 7, eine ausgesprochene Schönheit, die – wenn ich mich recht erinnere – auch von der „Blitzdichterin“ Nicola Gold verwendet wird. Aber siehe da: Kein Preisschild. Ich hievte die Maschine wieder aufs Regal zurück. Und dann erwischte ich einen Angestellten und fragte, was mit den Schreibmaschinen an der Wand sei. „Oh, die dienen nur zur Dekoration. Die sind nicht zum Verkauf bestimmt“, kam als Antwort. Was für eine bittere Enttäuschung. Und wo seien nun die Schreibmaschinen, die man kaufen kann? Darauf blickte sich der Verkäufer um… und um… und um. „Es gab einige. Aber die dürften schon alle weg sein.“

Und so stromerte ich enttäuscht durch die Halle, warf sehnsuchtsvolle Blicke auf die unerreichbaren Modelle – und landete immer wieder am Ausgangspunkt, der Olympia SM9. Schließlich fragte ich nach dem Preis. 25 Euro. Nicht schlecht. Wenn ich nicht meine Olympia Monica de Luxe hätte, hätte ich wahrscheinlich zugeschlagen. Die Olympia SM9 ist an sich keine Schönheit, sie ist aber ein echtes Arbeitstier. Auf die Tastatur kann man dreschen, dass es eine reine Freude ist. Und: Wenn man die Großschalttaste niederdrückt, drückt man den Wagen runter, um groß zu schreiben. Wenn man die Großschalttaste loslässt, gleitet der Wagen wieder in die ursprüngliche Position. Das hat den Vorteil, dass man bei der Großschaltung das Gewicht des Wagens nicht stemmen muss, sondern dieses sogar nutzen kann. Ganz anders als meine Olympia Monica de Luxe, bei der ich mit dem kleinen Finger kräftig die Großschalttaste drücken muss, um den Wagen nach oben zu stemmen. Schreibmäßig fühlt es sich bei der Olympia SM9 so an, dass es kaum einen Unterschied gibt, ob ich die Buchstaben tippe oder die Großschaltung drücke. Das ist echt angenehm.

Die SM9 im Laden selbst wirkte so, als hätte man sehr häufig damit gearbeitet. Auf den Typen waren so feine weiße Farbspritzer zu sehen. Tipp-Ex? Kores-Korrekturblätter? Ich weiß es nicht. Das Tippen ging recht flott und die Typen blieben nicht stecken. Alles in allem ein zufriedenstellender Eindruck. Und für 25 Euro ein recht gutes Angebot, wenn man nicht viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres legt. (Man wird da recht schnell verwöhnt, ich weiß.)

Eine Olympia SM9 - die einzig käufliche Maschine hier - © Rodja Pavlik

Eine Olympia SM – die einzig käufliche Maschine hier – © Rodja Pavlik

Schließlich fand ich doch noch eine Verkäuferin, von der ich mehr erfahren konnte. Ja, es hat einige Schreibmaschinen gegeben, die waren aber recht rasch verkauft – und das bei Preisen bis zu 120 Euro! Das erstaunte die Frau sehr. Und dass vor allem junge Leute die Schreibmaschinen gekauft hätten. Fast so, als ob die Maschinen ein Revival feiern würden. Die meisten Schreibmaschinen wären am Samstag verkauft worden. Es gebe noch viele weitere Schreibmaschinen, aber wann die im Verkaufsraum aufgestellt werden, konnte sie nicht sagen. Am besten, man rufe in der Früh an, dann könnte man besser Bescheid geben.

Fazit:Elf Schreibmaschinen, die als Dekoration an der Wand hängen – und nur eine Maschine, die man tatsächlich kaufen kann. Herrje, was für eine Enttäuschung. Aber noch will ich die Hoffnung aufgeben, deswegen werde ich noch zwei, drei Mal vorbeischauen. Allerdings: Man sollte sich bewusst sein, was man sucht. Die Angestellten dort wissen leider nicht immer, wie die Sachen, die sie verkaufen, funktionieren. Bei der Vielfalt der dargebotenen Waren ist das aber auch nicht ernsthaft zu erwarten.

Rodja

INFO: 48er-Tandler, Siebenbrunnenfeldgasse 3/Ecke Einsiedlergasse, 1050 Wien. Do. 10:00 – 20:00 Unr, Fr. & Sa. 10 – 18:00 Uhr. Tel.: 01/58817 48702. Weitere Informationen unter https://48ertandler.wien.gv.at