Die Royal Classic und der amerikanische Traum vom Teleshopping-Sender

Vor kurzem berichtete ich hier, dass eine neue mechanische Schreibmaschine auf den Markt gekommen ist: die Royal Classic, die auch tatsächlich von der renommierten US-Schreibmaschinenmarke Royal kommt, aber – im Gegensatz zu den historischen Schreibmaschinen der Firma – in China produziert wird.

Die Royal Classic weist auch erstaunliche Ähnlichkeiten mit der We R Memory Keepers auf, allerdings hat sie einen metallenen Korpus, während die We R Memory Keepers rein aus Plastik zu bestehen scheint. Anscheinend dürften beide Schreibmaschinen von der gleichen Firma in Shanghai hergestellt werden.

Allerdings hat die We R Memory Keepers einen gewaltigen Vorteil gegenüber der Royal Classic. Die Maschine wurde gezielt über die Warenhauskette und Online-Plattform Michael’s an Scrap Book Artists verkauft. Die Royal Classic hat diesen Distributionsweg nicht. Deswegen war ich auch auf die weitere Entwicklung neugierig.

Und hier ist sie auch schon. Die Firma Royal hat anscheinend den Weg über den Teleshopping-Sender QVC (Steht für Quality, Value, Convenience. Hab‘ ich auch nicht gewusst) gewählt. Einen entsprechenden Fernsehbeitrag gibt es schon, in dem zwei Moderatoren über die Vergangenheit schwadronieren und wie viel „Fun!!!“ doch die in mehreren Farben lieferbare Royal Classic biete.

Auf der QVC-Site wird die Schreibmaschine inzwischen um 229,95 Dollar angeboten. Zum Vergleich – auf der Royal-Site wird sie aktuell um 249,95 Dollar angeboten.

Da es von der US-Firma QVC auch einen deutschen Ableger gibt, bin ich gespannt, ob Royal Classic den Sprung über den großen Teich schaffen wird.

Rodja

Royal Classic – eine neue Schreibmaschine für 2019

2016 war ein besonderes Jahr für Schreibmaschinenfans. Da brachte die Firma American Crafts, spezialisiert auf Scrapbook Art, die mechanische Schreibmaschine We R Memory Keepers heraus. Eine NEUE Schreibmaschine, wohlgemerkt.

Die Fotos sahen gut aus – und die ersten Reviews, die ich fand, klangen auch recht vielversprechend. Mann, war ich angefixt. Aber ich glaubte nicht, dass ich jemals Hand an diese neue Schreibmaschine legen würde. Solange sie eine QWERTY-Tastatur hat – ausgelegt für den englischsprachigen Raum -, würde ich sie mir auch nie kaufen. Ich wollte die neue Entwicklung aber auch nicht aus den Augen verlieren und suchte immer wieder nach weiteren Reviews. Und mit der Zeit änderte sich der Tenor der Kritik, abhängig von der Erfahrung der Rezensenten. Vor allem in der Facebook-Gruppe Antique Typewriter Collectors wurde die Schreibmaschine sehr zwiespältig aufgenommen.

Nun hatte ich vor kurzem dank dem Analog-Shop „Supersense“ die Möglichkeit, so eine We R Memory Keepers Typewriter zu testen. Und was soll ich sagen? Der reinste Plastikbomber – und das würde man angesichts der Fotos gar nicht vermuten. Die Review dazu werde ich aber zu einem anderen Zeitpunkt abliefern, denn eigentlich wollte ich über etwas anderes schreiben. Nämlich dass eine neue mechanische Schreibmaschine aufgetaucht ist – und zwar von der Traditionsmarke Royal!!!

Was das aber trotzdem mit der We R Memory Keepers-Schreibmaschine zu tun hat, darauf werde ich noch eingehen…

© Richard Polt

Vor einigen Tagen kündigte der US-Philosoph Richard Polt, von dem das meiner Meinung nach wegweisende Buch „The Typewriter Revolution“ stammt, auf seinem Blog in einem Post die neue Royal Classic an. Eine mechanische Schreibmaschine aus 2019!!!

Royal… da klingelt es doch bezüglich Schreibmaschinen-Historie. Begonnen hat alles 1904 mit The Royal Typewriter Company. Damals wurden schwere, gusseiserne Maschinen produziert, von denen einige Klassiker wurden, wie z.B. die Royal 5 oder die Royal 10. Berühmte Autoren wie Ernest Hemingway oder Ian Fleming, der „Vater“ von James „007“ Bond, benützten Royal-Schreibmaschine. (Da ich momentan eine intensive „James Bond“-Phase durchlebe, interessiert mich das natürlich sehr. Lese zurzeit einige „007“-Romane, aber auch Autobiografisches über Ian Fleming.) Fleming kaufte sich sogar eine goldene Royal Quiet Deluxe, die Gerüchten zufolge von Bond-Darsteller Pierce Brosnan 1995 bei einer Auktion um rund 56.000 britische Pfund ersteigert wurde.

1926 wurde die millionste Royal Schreibmaschine hergestellt, 1957 war es die zehnmillionste Maschine. Doch mit dem Aufkommen des Computers schwand die Bedeutung der Schreibmaschine für das Unternehmen.

Das jetzige Unternehmen Royal Consumer Information Products, Inc. hat sich eigentlich auf Bürobedarf spezialisiert – auf Taschenrechner, Bleistiftspitzer, Laminatoren, Briefwaagen, Shredder, Kassen, etc. Schreibmaschinen wie der mechanische Plastikbomber Royal Epoch scheinen nur einen kleinen Teil des Repertoires auszumachen. Elektronische Schreibmaschinen wie die Royal Scriptor II dürften sogar nicht mehr lagernd zu sein. Alle Produkte größtenteils aus Plastik, und mich würde es wundern, wenn nicht ein Großteil davon made in China ist.

Und nun hat die Firma mit Royal Classic eine neue mechanische Schreibmaschine herausgebracht, die an die alte Tradition anschließen soll. Sie ist um 249,95 US-Dollar in den Farben Schwarz, Rot, Mint und Violett erhältlich. Und: Der Korpus ist aus Metall!

Doch im Gegensatz zu früher stellt Royal die Schreibmaschine nicht selbst her, sondern lässt sie in China produzieren. Und die Spur führt zur Shanghai Weilv Mechanism Company, die eben auch den We R Memory Keepers-Plastikbomber hergestellt hat. Zwar ist auf der Site kein Hinweis auf Royal zu finden, aber die Ähnlichkeiten zwischen der Royal Classic und der We R Memory Keepers Typewriter sind mehr als augenscheinlich.

Was das nun über die Qualität der Royal Classic aussagt, verheißt – laut meiner Erfahrung mit der We R Memory Keepers – nichts Gutes. Immerhin: Dass der Korpus aus Metall und nicht aus Plastik ist, ist eine Verbesserung.

In seiner Review schreibt Polt (der freundlicherweise das oben stehende Foto der Royal Classic uns zur Verfügung gestellt hat), dass aber nicht die ganze Schreibmaschine aus Metall ist. Einige Teile sind leider doch aus Plastik. Zum Beispiel eben auch die Typen selbst. Also quasi die „Stempeln“, auf denen die Buchstaben und Ziffern oben sind. Was ich davon halte, schreibe ich ein anderes Mal.

Polt ist in seiner Review kritisch, aber eher zurückhaltend optimistisch. Es gebe eine graduelle Verbesserung zur We R Memory Keepers – und eine neue Maschine ist immerhin ein Anzeichen dafür, dass ein Interesse an Schreibmaschinen besteht. Diesem Argument kann ich etwas abgewinnen.

Dennoch bin ich ein bisschen skeptisch, was den Erfolg der Royal Classic angeht. American Crafts hatte einen speziellen Markt vor Augen – und in Kooperation mit der Warenhauskette und Online-Plattform Michael’s auch einen sehr guten und eigenständigen Distributionskanal. Ob Royal diesen Buzz um seine neue Schreibmaschine wiederholen kann, bleibt abzuwarten.

Rodja

INFO: Royal Consumer Information Products, Inc.: http://www.royalsupplies.com/

Bier, ein Mord… und eine Schreibmaschine

Von Zeit zu Zeit habe ich so Phasen, in denen ich in der Nacht so um zwei Uhr aufwache und nicht mehr einschlafen kann. Dann schleppe ich mich ins Wohnzimmer und schaue fern. Oft bleibe ich bei der Serie „Medical Detectives – Geheimnisse der Gerichtsmedizin“ (OT: „Forensic Files“) hängen, in der reale Verbrechensfälle vorgestellt werden, wo forensische Spurensuche letztendlich den Täter überführt.

„Bitter Brew“ erzählt vom Entführungsfall von Adolph Coors, dem Erben einer der größten Bierbrauereien Amerikas. 1960 war der Mann auf dem Weg zur Arbeit – doch er kam nie an. Wenig später wird sein Wagen mit laufendem Motor und eingeschaltetem Radio auf einer Brücke vorgefunden. Von Coors selbst fehlt jedoch jede Spur. Am nächsten Morgen erhält Coors‘ Ehefrau eine Lösegeldforderung in Höhe von 500.000 Dollar. Der Brief wurde von jemandem geschrieben, der offenbar an der Schreibmaschine ausgebildet wurde. Die Familie Coors stellt das Geld bereit, doch der Entführer meldet sich nie wieder. Monate später wird Adolph Coors‘ Leiche gefunden. Die Polizei hat nur den Brief des Entführers, doch die Analyse des Schriftbildes reicht aus, um erste Spuren auf den Mörder zu legen…

Rodja

Video in Originalsprache:

Tom Hanks verschenkt Schreibmaschinen

© Denise Esposito

© Denise Esposito

Denise Esposito ist eine ausgezeichnete Zeichnerin, Fotografin und Künstlerin – und obendrein noch ein großer Fan von Oscar-Preisträger und Schreibmaschinen-Enthusiast Tom Hanks. Als der Schauspieler im Oktober beim Filmfestival in Rom war, überreichte sie ihm einen Moleskine-Block (ein bisschen Werbung schadet nie, hm?) voller fotorealistischer Zeichnungen von Hanks in verschiedenen Rollen.

„Er ist mein Lieblingsschauspieler und ich wollte ihm ein ganz besonderes Geschenk machen. Ich habe drei Wochen lang an den Zeichnungen gearbeitet und gehofft, dass es mit der Übergabe klappt“, erzählte Denise der US-Web-Plattform „LAist“. Hanks war sehr angetan von der Arbeit der Italienerin. Von der Übergabe gibt es auch ein Video.

Einen Monat später schickte der US-Filmstar Denise Esposito eine signierte Royal-Schreibmaschine und einen Dankesbrief mit einer Forderung: „Mach noch mehr Kunst!“

Die Schreibmaschinisten wollten noch ein paar Details wissen und erreichten Denise Esposito via Facebook. „Ja, ich wusste, dass er Schreibmaschinen mag. Also dachte ich mir, dass es cool wäre, das Skizzenbuch mit einem ‚Fortsetzung folgt‘ und einer Schreibmaschine zu beenden. Es werden ja noch viele weitere Filme folgen!“ Auf das Geschenk hin angesprochen, erklärte Denise: „Ich hatte noch nie eine Schreibmaschine. Die hier ist in der Tat meine erste. Aber ich wünschte, ich hätte diesen Thrill, auf diese alte Art und Weise zu tippen, schon früher erlebt. Die Schreibmaschine ist wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten für mich, ich werde sie sicher zu ganz besonderen Anlässen benützen.“

Momentan dürfte Hanks wohl einen Lauf beim Verschenken von Schreibmaschinen haben. (Ob ihm Ehefrau Rita Wilson ein Limit gesetzt hat und er ein paar abgeben muss? Wir werden es wohl nie erfahren.) So gibt es auch die entzückende Geschichte von Rosie King.

Die britische Teenagerin leidet unter einer abgeschwächten Form von Asperger. Trotz Autismus besucht sie einen Studienkurs für kreatives Schreiben, der ihr aber aufgrund ihrer Krankheit einiges abverlangt. Als Tom Hanks von der Geschichte in einer Talkshow hörte, versprach er, Rosie eine Schreibmaschine zu schicken. Und dass er Wort gehalten hat, beweist dieser Videoclip hier (den man leider nur verlinken und nicht einbetten kann). Rosie ist so gerührt über ihre Remington Streamliner, dass es eine wahre Freude ist.

Ach, das sind so Geschichten – und zwar alle beide -, die passen so richtig zur Weihnachtszeit. Schön!

Rodja

INFO: www.deniseesposito.com; Denise Esposito auf Facebook: www.facebook.com/DeniseEspositoArt; Instagram: www.instagram.com/deniseespositoart/

Death Metal Typewriter

Mal was Leichtes, was Heiteres… ;-D

Musikalisch komme ich ja aus einem recht alternativen Eck. Metal, Punk, Klassik, Folk – so in die Richtung und alles kreuz und quer. Bei Metal eher NWOBHM, Power Metal bis zu Thrash Metal. Aber Death Metal? Na ja, da akzeptiere ich gerade einmal Death Angel. Aber bei Cannibal Corpse steige ich definitiv aus.

Nicht so der Youtuber Plum Jay, der mit drei Schreibmaschinen (zwei Smith-Corona und eine Royal) ordentlich Speed erzeugen kann.

Eben bei „Hammer Smashed Face“ von Cannibal Corpse

… und bei „Slit Your Guts“ von Cryptopsy.

Echt, da tun mir die Schreibmaschinen schon fast leid. Aber lustig ist es trotzdem. 😀

Rodja

Katatonia: „Old Heart Falls“

Lyrik-Videos… wann ist das denn aufgetaucht? Wahrscheinlich, als man gemerkt hat, dass bei herunter geladenen Liedern keine Texte dabei waren? Egal, ich finde es im Prinzip nicht schlecht, bin nur ganz allgemein etwas verwundert über diese „Erscheinung“.

Katatonia ist eine 1991 in Schweden gegründete Metal-Band – und obwohl ich zu dem Zeitpunkt noch ein reiner Metal-Head war, kann ich nicht behaupten, dass ich von der Band je etwas bewusst gehört habe. Der Name kommt mir allerdings bekannt vor, kann sein, dass ich mal was im „Metal Hammer“ darüber gelesen habe.

Am 20. Mai bringt die Band ihr Studioalbum „The Fall of Hearts“ heraus – und eben erst hat sie das Lyrik-Video zum Song „Old Heart Falls“ veröffentlicht. Und ich muss sagen… ich habe noch kein schöneres Lyrik-Video geschaut, geschweige denn eine Schreibmaschine – eine Royal – für ein Musikvideo so schön abgefilmt gesehen.

Wie Gitarrist Anders Nystrom dem Magazin „Loudwire“ erklärte, wollten sie nicht so ein Lyrik-Video haben, in dem wie in einem Zirkus die Buchstaben und Wörter in verschiedenen Schriftarten und Größen herumjongliert werden. „Wir beschlossen, das Ganze sehr simpel, aber auch sehr realistisch darzustellen.“

„Vor 30 Jahren – als wir im Underground noch sehr aktiv Musikkassetten verkauften und versandten – gab es noch keine Computer. Wir mussten noch alle Briefe mit der Hand schreiben, oder – wenn wir besonders motiviert waren – mit der Schreibmaschine“, so Nystrom. „Ich kann mich noch erinnern, was das für ein Gefühl war, mit der Schreibmaschine zu schreiben, wenn das Farbband direkt auf das Papier gedruckt hat. Dieses Gefühl kann kein Computer nachahmen. Wir wollten dieses Feeling für ein paar Minuten lang wieder in Erinnerung rufen und erzählten unserem Freund Lasse Hoile (Anm.: Regisseur) unsere Idee.“

Herausgekommen ist meiner Meinung nach wirklich ein sehenswertes Video für Schreibmaschinen-Enthusiasten. Und falls mal eine österreichische Band auch so ein Clip machen möchte, dann biete ich mich gerne als „Hand-Modell“ an – und ich kann sogar das Zehn-Finger-System. Und Schreibmaschinen habe ich auch. 😀

Rodja

INFO: http://katatonia.com/

The Roving Typist

Der US-Filmemacher Mark Cerosimo hat mit „The Roving Typist“ ein kleines, aber äußerst feines Porträt des Schriftstellers C.D. Hermelin vorgelegt.

C.D. Hermelin ist ein Straßenpoet, ein „Roving Typist“, der im Park sitzt und auf seiner Royal Safari Geschichten für Passanten schreibt. Dabei setzt er auch auf Interaktion mit den betreffenden Personen, damit die Geschichten den ganz persönlichen Touch bekommen.

Rodja

INFO: C.D. Hermelin: www.cdhermelin.com; Filmsite „The Roving Typist“: http://rovingtypistfilm.com/ (auf der Site sind auch Deleted Scenes zu finden); Mark Cerosimo: www.markcersosimo.com

Wer will, kann auch auf C.D. Hermelins eigens eingerichtete „Roving Typist“-Site gehen und unter dem Motto „Story From Afar“ eine Geschichte übers Internet bestellen.

„The Roving Typist“

Wenn man C.D. Hermelin so das erste Mal sieht, drängt sich im ersten Moment der Eindruck eines Nerds oder Hipsters auf. Dass für ihn das Arbeiten mit der Schreibmaschine mehr ist, als nur ein hippes „in“-Ding, wird klar, wenn man den Video-Beitrag „I was a hated Hipster meme“ sieht.

„I was a hated Hipster meme“