Tom Hanks und die drei Coronas

Dass Oscar-Preisträger Tom Hanks ein Fan von Schreibmaschinen ist, weiß man spätestens seit der sehenswerten Doku „California Typewriter“. Hanks gilt quasi als Poster-Boy der Szene – und es gibt auf diesem Blog hier viele schöne Geschichten, z.B. wie er Schreibmaschinen verschenkt oder sein verborgenes Talent zeigt.

© American Buffalo Pictures

Zuletzt bereitete der US-Filmstar seinen Fans aber große Sorgen, denn er und seine Frau Rita Wilson erkrankten in Australien an dem Coronavirus. Und zu dem Zeitpunkt hatte er eine Smith-Corona-Schreibmaschine mit, wie er nach der Genesung auf Instagram schrieb.

Nun, das ist Schnee von gestern. Hanks und seine Frau sind wieder gesund, zurück in den USA und in Selbstisolation. Das Ganze hat aber noch eine Nachgeschichte mit Awwwwwwww-Faktor.

Denn wie Nachrichtenportale wie z.B. „Südtirolnews.it“ berichteten, bekam Hanks von einem australischen Buben einen Brief. Der Achtjährige erkundigte sich nach Hanks‘ Gesundheit nach der Corona-Erkrankung und erzählte, dass er daheim wegen seinem Namen gehänselt wird – er heißt nämlich Corona de Vries. Und was tat der US-Filmstar? Er ließ es sich nicht nehmen und schrieb dem Buben zurück. Und nicht nur das, er schenkte ihm eine Schreibmaschine. Natürlich eine Smith-Corona.

https://platform.twitter.com/widgets.js

Der TV-Sender 9 News Australia brachte sogar einen Beitrag darüber.

Übrigens hatte Hanks nach seiner Genesung und seiner Rückkehr in die USA bereits einen ersten Fernsehauftritt – und zwar in der Comedy-Show Saturday Night Live (SNL). Normalerweise wird die Show aus einem Studio mit einem Live-Publikum gesendet. Doch in Zeiten von Corona sind alle Schauspieler daheim – und ein Publikum schon gar nicht erlaubt. Also nahmen die Schauspieler ihre Teile von daheim aus auf – und bei Tom Hanks, dem „celebrity canary in the coal mine for the corona-virus“, wie er sich selbst nennt, sieht man beim Anfangsschwenk gleich einen (sehr kleinen) Teil seiner Schreibmaschinen.

Rodja

Eminem: „Walk On Water“

Bitch, I wrote „Stan“ – Eminem

Ich gebe es zu… HipHop und/oder Rap sind nicht so wirklich was für mich. Ich wüsste ad hoc nicht einmal, ob es einen musikalischen Unterschied zwischen den beiden Wörtern gibt. Ja, doch, einige Songs, die zu diesem Genre dazu gehören, gefallen mir (siehe auch diesen Post hier). Aber es ist nicht so wirklich meine Richtung. Wobei ich betonen möchte, dass ich sehr wohl die Wort-Akrobatik der Musiker bewundere – und es würde mir nie im Traum einfallen, diesem Genre auch nur irgendwie eine Berechtigung abzusprechen. Es ist halt nur nicht mein Stil. Vor allem das Kompetitive, diese Battles, behagen meinem an sich introvertierten Charakter überhaupt nicht. So selbstbewusst und aggressiv sich selbst auf die Brust zu klopfen und dabei „Dei Mudda!“ intonieren… dazu gehört es Balls, die ich nicht habe.

Was mir aber immer getaugt hat, ist dieses Klischeebild von Rappern, das in Filmen und Musikclips so oft zitiert wird. So trägt Eminem in dem Oscar-gekrönten „8 Mile“ (Oscar für besten Filmsong von – eh kloar – Eminem) ständig ein Notizbuch mit sich herum, in das er seine Rhymes hineinkritzelt. Das erinnert mich auch an meine aktive Comiczeichner-Phase, als ich auch dauernd so ein Büchlein mit mir herumtrug, um Pointen, die mir einfielen, schnell aufzuschreiben.

Rapper haben es also mit Wörtern – und das gefällt mir. Sie machen sich Notizen – und einige setzen eben auf analoge Techniken, wie Eminem (im Film) auf Notizbücher oder Macklemore (wie im oben erwähnten Post ersichtlich) auf Schreibmaschine.

Im Dezember 2017 veröffentlichte Eminem sein neuntes Studioalbum „Revival“. Dazu brachte der 45-jährige US-Rapper (45?!? Verdammt, der hat sich gut gehalten) auch das Video zur Singleauskoppelung „Walk On Water“ heraus. Und in diesem Clip sieht man eine Klon-Armee von Eminems an Schreibmaschinen (Smith Corona Classic 12, laut einigen Kommentaren im Internet). Und diese Armee tippt und tippt manisch unsinnige Zeichenfolgen in ihre Scheibmaschinen. Doch langsam formen sich bei einem dieser Eminems so was wie Wortfragmente, sogar Sätze. Und letztendlich hat er einen fertigen Rhyme, den er triumphierend in die Kamera rappt.

– – –

Was mich an Eminem immer ein bisschen fasziniert hat, ist seine Art der Selbstreflexion. Einerseits lebt Rap von der Darstellung eines übersteigerten Selbstbewusstseins, andererseits zeigt Eminem immer wieder, dass auch er unsicher sein kann, dass er ein Mensch mit Fehlern ist, der von Zeit zu Zeit strauchelt. In „Walk on Water“ beschreibt der Rapper nun den Schaffungsprozess eines Songs. Seine Fans glauben immer, dass Eminem die Wörter und Reime nur so aus dem Ärmel schüttelt. Doch der Song/das Video zeigen, dass es harte, manische Arbeit ist, bis man den roten Faden findet – und von dem aus dann das Lied weiterspinnt.

Aber Eminem zeigt noch etwas. Nicht nur Talent und harte Arbeit zählen, sondern auch noch ein anderer, ganz wichtiger Faktor: der Zufall! Denn in dem Clip wird nämlich laut diversen Plattformen wie Genius.com auch das Infinite-Monkey-Theorem (auf Deutsch das Theorem der endlos tippenden Affen) zitiert.

Es gibt mehrere Varianten dieses Theorems. Ich kenne jenes, dass, wenn in einem Raum lauter Affen an Schreibmaschinen sitzen und tippen, irgendwann einmal ein Werk von Shakespeare rauskommt. Eine andere Variante besagt, dass auch ein Affe alleine das schafft, wenn er denn ewig tippt.

Ich glaube auch, dass Eminem dieses Theorem mit einem ironischen Augenzwinkern kommentiert. Denn obwohl viele Eminems an ihren Maschinen sitzen und in die Tasten hauen – und dementsprechend ein Meisterwerk rauskommen müsste, klingt der Reim, den Eminem am Ende in die Kamera schmettert, nach… nun ja… Anfänger-Niveau.

Rodja

PS: Und hier tritt noch zusätzlich der „Hanx-Effekt“ ein, der nach Tom Hanks benannt ist. Seit bekannt ist, dass der US-Schauspieler Schreibmaschinen sammelt, steigen die Preise für Vintage Schreibmaschinen. Im Fall von Eminem wird die Smith Corona Classic 12 auf Ebay quasi schon als „Schreibmaschine, die von Eminem benutzt wird“ verkauft.

disillusionment of 10 point font

Der Schreibmaschinen-Maler Robert Doerfler (über den hier schon öfters berichtet wurde) hat mich auf diesen kleinen Animationsfilm von Greg Condon aufmerksam gemacht. Der US-Künstler hat „disillusionment of 10 point font“ mit einer Smith Corona Galaxie Deluxe getippt.

© Greg Condon

Die Schreibmaschine gehörte seinem Vater, der sie irgendwann in den 1960ern kaufte, wie Condon den Schreibmaschinisten auf Anfrage verriet. Warum er in der heutigen Zeit mit einer Schreibmaschine arbeitet, verriet er auch: „Ich glaube, ich mag ganz einfach den Look einer maschingeschriebenen Seite. Ich finde den ganzen Arbeitsvorgang an sich sehr befriedigend.“

Rodja

INFO: www.hiddenjunk.net

Death Metal Typewriter

Mal was Leichtes, was Heiteres… ;-D

Musikalisch komme ich ja aus einem recht alternativen Eck. Metal, Punk, Klassik, Folk – so in die Richtung und alles kreuz und quer. Bei Metal eher NWOBHM, Power Metal bis zu Thrash Metal. Aber Death Metal? Na ja, da akzeptiere ich gerade einmal Death Angel. Aber bei Cannibal Corpse steige ich definitiv aus.

Nicht so der Youtuber Plum Jay, der mit drei Schreibmaschinen (zwei Smith-Corona und eine Royal) ordentlich Speed erzeugen kann.

Eben bei „Hammer Smashed Face“ von Cannibal Corpse

… und bei „Slit Your Guts“ von Cryptopsy.

Echt, da tun mir die Schreibmaschinen schon fast leid. Aber lustig ist es trotzdem. 😀

Rodja

Leroy Andersons „The Typewriter“ einmal anders

Mit „The Typewriter“ hat der US-Komponist Leroy Anderson 1950 nicht nur eine orchestrale Hommage an die Schreibmaschine komponiert, sondern auch die Schreibmaschine selbst als Musikinstrument etabliert. Interessanterweise ist der Song aber hauptsächlich nicht um seiner selbst willen bekannt, sondern eher durch einen Sketch von Jerry Lewis, den er in dem Film „Der Ladenhüter“ („Who’s minding the store?“ – USA 1963) aufführte.

Nun hat der in Istanbul lebende Musiker Tolga Gülen eine beeindruckende a cappella-Version des Songs aufgenommen. Dafür hat der Vokalartist – neben seiner Stimme – auch eine Smith-Corona von 1932 verwendet.

Die Schreibmaschine gehört dem Großvater seiner Freundin – und es ist das erste Mal, dass er für Musik die Schreibmaschine verwendet. Er plant aber, auch noch eine Version eines alten türkischen Tangos mit dem Titel „Typewriter“ aufzunehmen.

Rodja

INFO: www.tolgagulen.com.tr; Tolga Gülen auf YouTube: https://www.youtube.com/user/TolgaGulen; Tolga Gülen auf Facebook: https://www.facebook.com/tolgagulenofficial

Hier zum Vergleich noch die orchestrale Version – aufgeführt vom Strauß Festival Orchestra Vienna. An der Schreibmaschine sitzt der Percussionist Martin Breinschmid.

Und hier natürlich auch das bekannte „Original“ mit Jerry Lewis aus „Der Ladenhüter“.

Jerry Lewis hat den Sketch auch in seinen Shows als Solo-Nummer aufgeführt.

Welches Image Jerry Lewis dem Song von Leroy Anderson verpasste, zeigen zahlreiche Videos, in denen Fans den US-Komiker nachahmen.

The return of K-JiL!

Ich bin sehr im Wickelwackel. Eigentlich habe ich mit HipHop abgeschlossen – also zumindest mit dem, was mir bisher als solcher verkauft wurde. Punk, Metal, Klassik – ja, da kenne ich mich aus. Aber HipHop? Das sollte mir wohl auf ewig verschlossen bleiben.

Nun ja, heuer im Juli habe ich mein Vorurteil zumindest teilweise revidiert, als ich den Song „Typewriter“ von K-JiL gehört habe. Nicht nur, dass eine Smith-Corona prominent im Video platziert ist, nein, es geht auch inhaltlich um ein solches Gerät, wie die Schreibmaschinisten in einem Interview von dem US-Musiker erfuhren.

Nun habe ich herausgefunden, dass K-JiL (Facebook) mit „Returned“ schon vor einiger Zeit ein neues Video veröffentlicht hat. Und ich muss sagen, es hat einen ordentlichen, mitreißenden Beat (wie gesagt, HipHop ist mir eher fremd – aber ich weiß zumindest, wenn mir etwas gefällt). Und die Schreibmaschine wurde hier „zitiert“ – sprich: Man hat von dem letzten Clip ein paar Rückblenden dem eigentlichen Musikvideo vorgesetzt. Ich finde, es ist dennoch eine Erwähnung wert.

„Returned“

Und hier noch einmal „Typewriter“

Ein anderer US-HipHopper, der eine Schreibmaschine verwendet, ist übrigens Macklemore von Macklemore & Ryan Lewis. Allerdings muss ich sagen, dass mir seine elektronische Schreibmaschine nicht so taugt. Aber wenn sie für ihn praktisch ist und ihren Zweck erfüllt… wer bin dann ich, zu klagen?

Und hier noch ein Beispielsong von Macklemore & Ryan Lewis: „Downtown“. Der Song enthält zwar keine Schreibmaschine, man kommt aber gut rüber ins neue Jahr damit. In diesem Sinne noch einen guten Rutsch…

Rodja

„Pass the salt“ von Matthew Abeler

Der Fluch der modernen Kommunikation: Wir können mit der ganzen Welt kommunizieren, aber reden tun wir eigentlich mit niemandem.

Der US-Amerikaner Matthew Abeler (Facebook-Site Cedar House Productions) hat dieses Dilemma in dem Kurzfilm „Pass the salt“ thematisiert – und eine Smith-Corona prominent platziert.

Einem kurzen E-Mail-Wechsel habe ich entnommen, dass Abeler ein Filmemacher und Autor ist, der gerade überlegt, sich mehr mit analogen Geräten auseinanderzusetzen. Sprich: Er will fürs Schreiben auch auf die Schreibmaschine setzen.

Go for it, Matthew!

Rodja