Crowdfunding für Traveler gestartet

Im August habe ich hier bereits über den Traveler, dem kleinen Bruder des Freewrite geschrieben. Nun hat das US-Unternehmen Astrohaus, wie angekündigt, eine Crowdfunding-Aktion auf Indiegogo gestartet.

Wie der Freewrite ist auch der Traveler ein Computer, der auf das für ein Textverarbeitungsgerät Nötigste abgespeckt wurde. Es gibt nur eine rudimentäre Internet-Nutzung (gerade so viel, dass man die Texte in der Cloud abspeichern kann), keine Spiele – und somit auch keine Möglichkeiten, beim Schreiben von E-Mail, Twitter, aufpoppenden Nachrichten oder Facebook abgelenkt zu werden. Der 6-Zoll-Bildschirm wird mit E Ink betrieben, was die Augen schont und weniger Strom verbraucht als herkömmliche Laptops. Laut Herstellerangaben kann der Traveler bis zu vier Wochen mit einer Akku-Ladung auskommen.

© Astrohaus

Technisch gesehen basiert der Traveler auf dem Freewrite. Er ist aber kleiner, leichter (0,8 Kilogramm im Gegensatz zu den 1,8 Killogramm des Freewrite), zusammenklappbar und leichter verstaubar. Allerdings hat der Traveler keine mechanische Tastatur wie der Freewrite. Trotzdem soll die Tastatur höchsten Schreibkomfort bieten. Durch diese Form hat der Traveler für mich aber sehr viel Schreibmaschinenhaftes – so wie es der Freewrite hat – verloren.

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Eine entscheidende Änderung gibt es noch gegenüber dem Freewrite. Der Freewrite eignet sich vor allem für erste Entwürfe. Man kann nicht im Text herummanövrieren und irgendwo noch einen Text einfügen. Nein, dieses Gerät ist eigentlich nur für „straight forward“ schreiben gedacht. Das ist wichtig für zum Kopf entleeren. Einfach raus mit den Wörtern. Bearbeiten kann man schließlich noch später am Laptop. Einzig mit der Backspace-Taste kann man Wörter löschen. Das mag für viele Schreiber komisch klingen, aber nachdem ich jetzt schon einige Zeit mit der Schreibmaschine gearbeitet habe, kann ich diesem Argument durchaus etwas abgewinnen.

Aber nicht jedem Autor liegt diese Arbeitsweise. Und anscheinend gab es bei Astrohaus genügend Beschwerden, um ein Umdenken einzuleiten. Nun kann man mittels Shift + Tastenkombination W A S D herummanövrieren und Wörter oder Texte einfügen. Der Traveler ist also nicht nur für Entwürfe geeignet, sondern eben auch zum Bearbeiten. Und das ganz ohne störende Faktoren wie Facebook oder E-Mail.

(Da es sich bei dieser rudimentären Cursor-Funktion aber eigentlich um eine Software-Funktion handelt, könnte man dies – falls gewünscht – doch eigentlich auch beim Freewrite anbieten, oder?)

Im Gegensatz zur Schreibmaschine, wo man aber eine ganze A4-Seite überblicken kann, hat man hier nur ein paar Zeilen auf dem Bildschirm. Das finde ich für das Herummanövrieren schon ein bisschen unübersichtlich.

© Astrohaus

Astrohaus will nun mithilfe von Crowdfunding den neuen Traveler produzieren. Und das dürfte so gut wie sicher sein. Denn innerhalb weniger Tage nach Start der Aktion wurde die angestrebte Summe von 50.000 US-Dollar bereits um ein Mehrfaches überschritten (mit Stand 07.10.2018 derzeit bei gerundet 282.000 US-Dollar – und es sind noch 26 Tage Zeit). Wie beim Freewrite trifft auch der Traveler anscheinend einen gewissen Nerv bei den Leuten. Natürlich könnte man sich auch einen Laptop mit x-beliebigen und x-fachen Funktionen zulegen, aber anscheinend sehnen sich doch viele nach einem Gerät, mit dem man einfach nur schreiben kann.

Für 329 US-Dollar kann man sich schon so ein Teil sichern, regulär soll der Traveler im Handel später anscheinend 599 US-Dollar kosten. Weitere Perks sind zwei Traveler zum Preis von 558 US-Dollar und ein Set Freewrite + Traveler um 728 US-Dollar. Die erste Charge soll im Juni 2019 ausgeliefert werden.

Was mir schon bei anderen Crowdfunding-Aktionen aufgefallen ist (das ist nur als neutrale Anmerkung zu verstehen): Mir scheint, dass Crowdfunding immer mehr zu einem Art Bestellsystem verkommt. Man kann ein Stück (oder zwei) einer geplanten Charge bestellen.

Zwei Sachen, die mir beim Traveler vom Betrachten der Fotos und dem Durchlesen der Features aufgefallen sind. Erstens bin ich mir bezüglich des Winkels des Bildschirms nicht sicher, ob das angenehm ist. Auf der Crowdfunding-Site wird der Bildschirm mühelos aufgeklappt. Ist der Winkel aber regulierbar? Und hält die Scharniere auch bei ständigem Auf- und Zuklappen? Weil wenn ich mir den Winkel anschaue, mit dem die Frau unten im Bild arbeitet – das halte ich bei langem Arbeiten nicht gerade für angenehm.

© Astrohaus

Zweitens: Ist die Tastatur auch für hierzulande geeignet? Soweit ich das erlesen konnte, unterstützt der Traveler die deutsche Sprache. Man kann ihn so einstellen, dass man auf Deutsch schreiben kann. Allerdings… es wird nur die englische Tastatur geliefert. Man kann also QWERTZ auf QWERTY schreiben. Wenn man blind schreibt, ist das vielleicht kein Problem (obwohl es mich beim ersten Blick auf die Tastatur schon irritiert). Auch hätte ich bei Sonderzeichen wie dem @-Zeichen oder dem „ß“ schon gerne eine visuelle Bestätigung, wenn ich kurz auf die Tastatur schaue.

Das finde ich schon etwas ärgerlich. Wieso ist es nicht möglich eine QWERTZ-Tastatur anzubieten? Beim Penna war das sofort möglich – und auch der QWERKYwriter, bei dem anfangs QWERTZ anfangs verweigert wurde, gab es bei einer späteren Generation die Option auf eine QWERTZ-Tastatur.

Und wenn man beim Traveler schon keine Tastatur anbieten will, warum kann man nicht so kleine QWERTZ-Sticker anbieten, die sich deutschsprachige Kunden selbst draufpicken können? Die müssen natürlich qualitativ gut sein, damit sie durch ständige Benutzung nicht abgenudelt werden, aber das sollte wohl doch zu schaffen sein.

Rodja

INFO: Crowdfunding-Site für Traveler auf Indiegogo: https://www.indiegogo.com/projects/traveler-ultimate-distraction-free-writing-tool#/; Freewrite: https://getfreewrite.com/; Astrohaus: https://astrohaus.com/