„Uncommon Type“ von Tom Hanks

Momentan erfahren Schreibmaschinen ja einen ziemlichen Hype – und dass so ein altes Gerät in den Mittelpunkt des Medieninteresses gerät, haben wir unter anderem einem Oscar-Preisträger zu verdanken: Tom Hanks, der selbst ein großer Schreibmaschinen-Enthusiast ist und über Hunderte von Schreibmaschinen sein eigen nennt.

Nicht nur, dass er sein prominentes Gesicht und seine Expterise der Dokumentation „California Typewriter“ leiht, nein, er hat auch ein Buch mit Kurzgeschichten veröffentlicht. „Uncommon Type“ (der deutsche Titel „Schräge Typen“ soll im Februar 2018 erscheinen) beinhaltet 17 Kurzgeschichten, die Hanks auf verschiedenen seiner mechanischen Schreibmaschinen getippt hat. “In den zwei Jahren, die ich an den Geschichten gearbeitet habe, habe ich Filme in New York, Berlin, Budapest und Atlanta gedreht und überall geschrieben. Ich habe in Hotels bei Presse-Tourneen geschrieben, ich habe im Urlaub geschrieben. Ich habe im Flugzeug, zu Hause und im Büro geschrieben”, teilte Hanks den Medien mit.

© Rodja Pavlik

Nun ist das Buch in Amerika bereits erschienen – und ich habe mir natürlich ein Exemplar besorgt, ein Paperback. Zwar habe ich noch nicht reingelesen (Zeit ist momentan ein äußerst kostbarer Luxus, den ich mir nicht leisten kann), aber allein die Aufmachung ist für Schreibmaschinen-Fans sehr interessant. Neben vier Postkarten (mit Buchcover und drei verschiedenen Schreibmaschinen – Olivetti Underwood, Groma Kolibri (kyrillische Schriftzeichen) und Continental als Motiven) befinden sich auch im Inneren des Buches Bilder der Schreibmaschinen, mit denen der Hollywood-Schauspieler seine Geschichten geschrieben hat (u.a. Olympia, Remington, IBM, etc., etc.). Die Bilder sind aber auf Papier gedruckt, so dass ein Laie wie ich nicht wirklich Details erkennen kann. Vielleicht bietet die teuere Hardcover-Version des Buches eine optisch bessere Qualität.

Momentan ist ja Hanks auf medialer Promo-Tour für sein Buch (wie in dem unten angeführten Clip von der TV-Show „CBS Sunday Morning“). Und ja, auch ich habe mit meinen bescheidenen Mitteln versucht, ihn für meinen Blog zu interviewen. Ich geb’s zu, ein bisschen größenwahnsinnig, aber ich wollte es zumindest ausprobieren. Und bis dato hat sich sein Agent eh noch nicht mit meinem Sekretariat in Verbindung gesetzt. (Nicht, dass ich wirklich damit gerechnet hätte, aber träumen wird man ja wohl noch dürfen, dass einen der Hauch von Hollywood streift.)

Wie gesagt, ich bin noch nicht wirklich dazu gekommen, das Buch zu lesen (da habe ich noch eine lange Liste abzuarbeiten). Die Reviews zu „Uncommon Type“ lesen sich aber auch sehr zwiespältig. Ich bezweifle aber, dass mein Englisch so gut ist, dass ich beurteilen kann, ob Tom Hanks‘ Kurzgeschichten gute oder schlechte literarische Qualität aufweisen. Aber eine Rezension werde ich definitiv noch nachliefern…

Rodja

PS: Was die Postkarten betrifft… Ach herrje, die sind mir schon fast zu schade, um sie wirklich zu verschicken… :-/

Goodies aus Amerika – The Boston Typewriter Orchestra

© Rodja Pavlik

Vor einiger Zeit unterstützte ich eine Crowdfunding-Aktion des Boston Typewriter Orchestra. Die Gruppe wollte eine Platte aufnehmen – so richtig auf Vinyl halt.

Das digitale Download-Package der EP „termination without prejudice“ habe ich schon längst erhalten. Aber erst diese Woche erhielt ich das Paket, auf das ich eigentlich gespitzt habe. Die EP auf Vinyl mit vier Songs („Angry Factory“, „Break Time“, „Harold“ und „Floating Holiday“) – und das absolut coole „Underwood Skull-Typewriter“-T-Shirt. Wird wohl mein neues Lieblings-T-Shirt werden.

Vielen Dank nach Amerika

Rodja

PS: So, was mache ich jetzt mit der Schallplatte? Ich habe ja leider keinen Plattenspieler mehr. Aber das kann sich ja noch ändern…

INFO: www.bostontypewriterorchestra.com

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USB-Typewriter – die digitale Schreibmaschine

© Adrian Straub

© Adrian Straub

Adrian Straub liebt alte Technik und mechanisches Handwerk. Auf seinem YouTube-Channel stellt der deutsche Vlogger diesbezüglich immer wieder neue Projekte vor: So restauriert er ein Hercules-Fahrrad aus den 1950ern, stellt eine Mercedes-Schreibmaschine (Anm.: Haben! Wollen!) vor, renoviert Dampfmaschinen, repariert alte Radios – und stellt so Sachen auf der Werkbank her, einfach nur um so Sachen herzustellen.

Meine besondere Aufmerksamkeit erregte vor allem die Installation eines USB Typewriter-Kits in eine Schreibmaschine. Damit kann Adrian nicht nur normal auf ein Blatt Papier tippen, sondern gleichzeitig den Text über einen Umwandler auf den Computer übertragen. Man kann es als umfunktioniertes Keyboard betrachten – mit dem Vorteil, dass man die Schreibmaschine an den Computer anschließen kann, aber nicht muss. Das Wesen der Schreibmaschine an sich bleibt intakt, wurde nur um die Computer-Kompatibilität erweitert.

Die Schreibmaschinisten haben nun Adrian Straub um einen Erfahrungsbericht gebeten. Der Artikel fällt quasi in zwei Kategorien. Einerseits wird die USB Typewriter vorgestellt – und fällt somit in die Rubrik „Alternativen“, andererseits gibt Adrian Straub auch seine sehr persönliche Sicht auf Schreibmaschinen wieder – und ist somit ein „Adrian schreibt auf einer Underwood/USB-Typewriter“.

Hiermit nochmals ein großer Dank an Adrian Straub, der detailliert und verständlich Einblick in die Funktionsweise einer USB Typewriter gibt.

Schreibmaschinen sind für mich schon lange nichts Neues mehr. Mit vier habe ich die erste Bekanntschaft mit einer ausgemusterten IBM Kugelkopf in meinem Kindergarten gemacht. Wie auf Knopfdruck mit lautem Schlag plötzlich ein Buchstabe auf dem Papier erschien, faszinierte mich schon damals. Daheim fragte ich dann meinen Vater: „Haben wir auch eine Schreibmaschine?“ Mein Vater verschwand im Keller. Wenig später wuchtete er eine tonnenschwere Adler aus den 50ern auf den Tisch. „Da. Die gehörte mal meiner Mutter.“

Ich setzte mich an die Maschine und hackte wie blöde auf den Tasten herum, wie ich es auch auf der IBM getan hatte – mit wenig Erfolg. Denn die Typen verhakten sich andauernd und machten dem sinnlosen Schreiben ein rasches Ende.

Also begann ich, zu schreiben, was ich sah, dachte mir Geschichten aus, erzählte, was ich den Tag über erlebt hatte, ja, fing sogar mit einer Zeitschrift an. Natürlich reichte mir eine Schreibmaschine bald nicht mehr – auf dem Flohmarkt fand ich eine Triumph aus den 20ern, im Antiquitätenladen eine Continental, beim Garagensale eine Underwood – und binnen kürzester Zeit wuchs meine Sammlung auf ganze elf Maschinen an.

© Adrian Straub

© Adrian Straub

Sehr zum Verdruss meines Vaters hielt die Schreibwut an – er hält nicht viel auf gedrucktes Papier und scannte alles, was ich zu Papier brachte, ein. Erfolglos versuchte er, mich auf den Computer umzugewöhnen. Ein Unternehmen, was ihm mehr als eine zerstörte Tastatur einbrachte, war ich es doch schon seit Jahren gewohnt, mit voller Wucht auf die Tasten schlagen zu müssen – eine Wucht, die kein Mikroschalter der Welt lange aushält.

Die Geschichten wurden länger und länger – und so beschloss ich, meinem Vater etwas Gutes zu tun und zu sehen, was das Netz anzubieten hatte, um Schreibmaschinenschrift in Bits und Bytes umzuwandeln.

Mehr durch Zufall stieß ich auf die Seite www.usbtypewriter.com, auf der der Amerikaner Jack Zylkin sein Projekt vorstellte, welches genau das tat, was ich suchte: Ein Umwandler von Schreibmaschine zu Computer, ohne auf das einmalige Gefühl verzichten zu müssen, das nun mal nur eine waschechte Schreibmaschine vermittelt: Das Klackern der Typen, die fliegende Mechanik, die Klingel am Zeilenende, das Zurückschieben des Schlittens.

Das Prinzip ist überraschend simpel: Wird eine Taste auf der Maschine gedrückt, so schließt diese einen Stromkreis und löst einen elektrischen Impuls aus, der von einem Steuergerät registriert wird. Welche Taste nun gedrückt wird, differenziert das Gerät über eine breite Kontaktleiste. Je nach Schreibmaschinenmodell und Tastatur muss diese Kontaktleiste also eine andere Anzahl und Breite der Kontakte aufweisen, um sicher zu gehen, dass die Typenhebel auch wirklich alle auf einen Kontakt treffen. Zusätzliche Tasten, wie Rücktaste, Leertaste, etc. werden über Magnetschalter (Anm: die rote, ungelenke Markierung wurde von der Redaktion vorgenommen) mit der Schaltplatine verbunden.

© Adrian Straub

© Adrian Straub

Die Leiste wird unter der Maschine angebracht und ist somit von außen nicht sichtbar. Auch die kleine Steuerplatine lässt sich in der Maschine oder an der Seite verstecken.

© Adrian Straub

© Adrian Straub

Mein Vater war von der Idee hellauf begeistert. Zu Weihnachten lag das Ding unterm Tannenbaum. Ich hatte mich entschlossen, meine beste Schreibmaschine – eine Underwood No.11 aus den Kriegsjahren – damit auszurüsten. Für die Underwood-Modelle sieht Zylkin eine etwas rudimentäre Montage vor – die Rücktaste ist im Weg und wird daher abgesägt und zur Seite gebogen. Das wollte ich auf keinen Fall. Ich entschied mich also, die Leiste anders anzubringen – und bastelte mir dazu eine einfache Halterung, die von unten in zwei bereits vorhandene Bohrungen im Maschinenrahmen eingeschraubt wird.

© Adrian Straub

© Adrian Straub

© Adrian Straub

© Adrian Straub

Nun wurde es spannend. Würde das Gerät wirklich das tun, was es soll oder handelte es sich hier eher um einen Prototyp, der noch einen weiten Weg vor sich hatte? Billig war er ja nicht.

Zu Beginn muss der Apparat kalibriert werden. Im Bildfenster erscheint die zu drückende Taste, damit das Programm weiß, welcher Kontakt welchen Buchstaben ergibt. Tatsächlich kann man hier sogar Tasten wie F1-F12 belegen – die Schreibmaschine lässt sich also als vollkommener Computertastatur-Ersatz verwenden.

Ich begann, drauflos zu schreiben. Zu Beginn hakelte es noch etwas – hier und da bestand noch ein kleines Kontaktproblem. Mit etwas Schmirgelpapier waren diese Kinderkrankheiten aber recht schnell behoben.

Wie verhält sich der Apparat nun im Langzeittest?

Tadellos! Ich weiß schon lang nicht mehr, wieviele Seiten ich bereits mit der USB Typewriter geschrieben habe – aber es sind definitiv mehrere hundert. Und mein Vater musste fortan kein einziges Blatt mehr einscannen.

Fazit: Ich kann dieses Gerät wirklich nur empfehlen – besonders für den Vielschreiber. Es hat die Schreibmaschine für mich nochmals wertvoller gemacht – denn jetzt kann ich auch Emails auf der Schreibmaschine schreiben – und sogar dieser Bericht ist auf der USB-Typewriter verfasst.

Adrian Straub

INFO: Adrian Straubs YouTube-Kanal: www.youtube.com/user/lexander5

Crowdfunding für The Boston Typewriter Orchestra

Zwar bin ich noch auf Schreib-Urlaub (Einreichfrist für ein Drehbuchtreatment erfordert drastische Selbstgeißelungsmaßnahmen) und habe dadurch meine Online-Aktivitäten extrem minimiert – aber das hier muss ich doch noch posten. The Boston Typewriter Orchestra hat eine Crowdfunding-Aktion auf Kickstarter gestartet. Das Ziel sind 3.000 US-Dollar, mit dem Geld soll die EP „Termination Without Prejudice“ auf Vinyl gepresst werden.

3.000,- – das sollte eigentlich zu schaffen sein. Aber jetzt sind nur noch vier Tage offen – und es fehlen noch ein paar Hunderter. Da muss ich doch eingreifen…

Die Perks hören sich eigentlich auch recht gut an. Bereits ab 5 US-Dollar bekommt man einen Download-Link für die EP, ab 15 Dollar (exkl. Versandkosten) schon die Vinyl-Ausgabe (inkl. Download). Wer tiefer in die Hosentasche greift und 150 Dollar spendiert, bekommt eine Schreibmaschine aus dem Arsenal des Orchesters. Entweder vollkommen in Ordnung oder vollkommen zerstört, das dürfte je nach Gusto des Crowdfunders sein. (Und wenn ich mir die Videos von The Boston Typewriter Orchestra anschaue, gehen die ziemlich brachial mit ihren „Musikinstrumenten“ um.)

Mich persönlich lacht ja der 35-Dollar-Perk an: eine Vinyl-Scheibe, ein Download-Link UND ein T-Shirt mit dem „Skullwriter“-Motiv.

Nur um Missverständnissen vorzubeugen – hierbei handelt es sich nicht um so liebliche Musik wie Leroy Andersons „The Typewriter“ (eventuell bekannt aus einem Jerry-Lewis-Film), sondern um eine ziemlich stakkato-mäßige Geräuschkulisse. Nicht uninteressant, aber auch nicht unbedingt jedermanns Geschmack.

Rodja

Edit 27.11.2016: Hurra, sie haben die Zielsumme erreicht!

INFO: www.bostontypewriterorchestra.com; Crowdfunding-Aktion auf Kickstarter: https://www.kickstarter.com/projects/bostypeorch/boston-typewriter-orchestras-new-album

Wie man Typen so richtig aufpoliert

Nein, das wird keine „Fight Club“-Anleitung…

Wenn eine Schreibmaschine nicht mehr ordentlich schreibt, Buchstaben nicht mehr ganz abgedruckt werden, so kann das daran liegen, dass die Buchstabentypen verschmutzt sind. Das Farbband, auf das die Typen hämmern, gibt ja nicht nur auf das Papier die Farbe ab, sondern auch auf die Typenbuchstaben selbst. Da kann dann so eine Art Schmiere entstehen, die auch noch den normalen Haushaltsstaub zusätzlich bindet.

Der Amerikaner Joe Van Cleave, der hier ja schon mal vorgestellt wurde, erklärt nun in seinem neuesten Video „Cleaning Type Slugs“ seiner „Typewriter Series“ anhand einer Underwood Universal, wie man diese Buchstaben mit Hilfe von Reinigungsalkohol, Zahnstocher, Zahnbürste und anderen Hilfsmitteln reinigt – und worauf man achten soll. Denn Reinigungsalkohol greift unter Umständen auch etwaige Plastikteile der Schreibmaschine an.

Um sich die Hände nicht all zu schmutzig zu machen, empfiehlt es sich, Einmalhandschuhe zu kaufen. Die Latexhandschuhe gibt es an und für sich beim DM oder Bipa in so einer 50er-Packung.

Rodja

INFO: http://joevancleave.blogspot.co.at/

Ein Fund, der zu Tränen rührt

Mein Vater ist 2010 gestorben, neun Tage nach seinem 64. Geburtstag, knapp fünf Monate nach der Geburt meines Sohnes. Das Jahr war eine Achterbahn der Gefühle für mich. Ich bewegte mich durch eine surreale Zeit, in der Freude und Trauer so eng nebeneinander lagen, dass mein Gehirn bei der Abwärtsfahrt einfach in den Leerlauf geschalten hat und die Hände vom Lenkrad nahm.

Was natürlich ein blöder Vergleich ist, denn bei einer Achterbahn braucht man ja nicht zu lenken. But you get the point…

Mein Vater war ein Kind seiner Zeit. 1946 geboren, in eine Zeit des Hungers und des Neuaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg. Essen, vor allem Fleisch, war Zeit seines Lebens ein großer Motivator. Bei drei Geschwistern und einer allein erziehenden Mutter blieb vom Essen kaum etwas übrig – und Fleisch gab es damals noch weniger, weil Mangelware und viel zu teuer.

Er wuchs auf, ging in die Lehre. Als er sie abschloss, war er einer der letzten Wiener Schmiede (Feinzeugschmied? Ich bilde mir ein, dass es das war, bin mir aber nicht sicher). Und er wusste bereits, dass der Beruf ausgestorben war. Gelernt für nix und wieder nix. Er sattelte um und ging in eine Feder-Fabrik, wo er Federn von klein bis groß herstellte. In den 1980ern produzierte seine Firma sogar Federn für ein Space Shuttle. Eine Feder meines Vaters war also irgendwann einmal da oben im All.

Mein Vater konnte gut zeichnen. Mit Bleistift, Radierungen, Aquarelle. Er versuchte sich auch an Ölmalerei. Dafür bewunderte ich ihn sehr. Ich glaube, wenn er zu einer anderen Zeit in eine andere Familie reingeboren wäre, dann hätte er ein Künstler werden können. Doch die Umstände waren damals andere. Trotzdem hatte er Phasen, in denen er kreativ wurde. Wenn ihn ein Maler interessierte, zeichnete und malte er diese Bilder nach. Das mag wenig künstlerisch klingen, doch für mich war das atemberaubend genug. Und ihm reichte es.

Aber das war nicht sein einziges Interesse. Er las recht gern – und das habe ich definitiv von ihm. Als ich ein Kind war, gab er mir „Die Schatzinsel“ zu lesen. Ich legte mich auf die Kinderzimmercouch und las durch. Danach war ich mit dem Lese-Virus infiziert – sehr zum Leidwesen meiner Mutter. Sie meinte mal, dass, wenn sie meinen Bruder bestrafen wollte, sie ihm verbot, in den Hof zu gehen. Bei mir wäre es genau andersrum – für mich wäre es eine Strafe gewesen rauszugehen und draußen zu spielen.

Meine Mutter arbeitete damals als Putzfrau für eine Amerikanerin, Mrs. Laura Hoelzinger. Wir hatten ein gutes Verhältnis zu der Familie, die auf einem Anwesen im 19. Bezirk wohnte. Für mich als kleiner Stöpsel unfassbar riesig. Ein Haus mit einem Geheimgang zur Garage – einem riesigen Garten, von dem ich nur einen Teil kannte. Mrs. Hoelzinger hatte auch eine alte, schwarze Schreibmaschine. Ich sage mal, dass es eine Underwood war. Ich bin mir dessen nicht sicher, aber Underwood war, glaube ich, die erste Schreibmaschinenmarke, von der ich gehört habe. Es war eine Maschine mit US-amerikanischer Tastatur. Und irgendwann einmal landete die Maschine bei uns daheim.

Natürlich war ich von dem Ding fasziniert. Allein, ich hatte damals mit meinen neun, zehn oder elf Jahren einfach nicht die Kraft – und vor allem die Geduld – ständig zu tippen. Lieber streunte ich damals mit meinem besten Freund Florian in verlassenen Häusern in Sievering herum. Ich weiß nicht, seit wann die Häuser leer standen, aber teilweise waren innen schon die Stiegen zusammengebrochen. Ich nehme mal an, dass sie seit dem Zweiten Weltkrieg leer standen. Und was man teilweise für Schätze darin vorfand. In einem Raum war sogar ein verfallenes Klavier. Ich fragte mich schon damals, was wohl Leute dazu bewogen hat, so ein wertvolles Stück einfach zurück zu lassen. Dass es auf einmal nicht wert ist, woanders mitgenommen zu werden. Was hat die Besitzer gezwungen, ihre Prioritäten so radikal zu ändern? Das beschäftigte mich damals sehr.

Ich erzählte meinen Eltern von unseren Abenteuern in Sievering, vom Kanal, den wir erkundeten. Es war eine fantastische Zeit. Und eines Tages setzte sich mein Vater hin und tippte auf der Schreibmaschine eine Kurzgeschichte – mit Florian und mir als Helden. Ich war hin und weg. Vor allem, weil ich gesehen hatte, wie sich mein Vater an dieses schwere, schwarze Monstrum im Wohnzimmer setzte und mit dem Adler-System (ein Finger kreist über die Tastatur und stößt hinab) sich mühsam Zeichen für Zeichen und Wort für Wort tippte. Und daraus wurde sogar eine ganze Geschichte! Ich war begeistert. Und mein Vater hatte ein neues Hobby.

Er schrieb noch drei weitere Kurzgeschichten um Florian und mich herum. Dann tippte er andere Kurzgeschichten. Ich hatte damals meinen ersten eigenen Comic-Helden entworfen, einen Privatdetektiv namens John Dunn. Und den wollte er auch in einen Roman einbauen. Aber in einen solchen, den ich damals noch nicht lesen durfte. Ich nehme mal an, dass Groschenromane wie „Jerry Cotton“ für meinen Vater Vorbild waren – obwohl ich selbst so etwas nie lesen durfte. (Wenn ich mich recht erinnere, habe ich ihn auch nie so etwas lesen sehen.)

Es ist nicht so, dass es große Literatur war. Aber es war für mich unterhaltsam. Und mein Vater, ein einfacher Hackler, nahm sich die Zeit, um etwas zu erschaffen! Das ist etwas, das mich heute noch sehr beeindruckt. Und deswegen denke ich, dass die schriftstellerischen Versuche meines Vaters, sein Interesse an Büchern, ja, sogar sein Interesse an meinen Geschichten, meine Versuche als Comic-Zeichner, Kurzgeschichtenschreiber und Drehbuchautor zwar nicht geprägt haben, aber dennoch die Initialzündung für meine kreativen Versuche waren.

Als mein Vater 2010 starb, ging ich einige Zeit wie benommen durchs Leben. Er hatte seinen Körper der Medizin vermacht, es gab keine Beerdigung. Und wenn ich heute sein Grab auf dem Zentralfriedhof besuche, dann ist es ein anonymes Massengrab. Er wollte es so. Für mich wäre es wohl einfacher gewesen, mich in einer Zeremonie zu verabschieden. Aber so war er halt.

Erst ein paar Jahre nach seinem Tod fielen mir seine Geschichten wieder ein. Ich fragte meine Mutter, die große Augen bekam. Sie hatte sie entsorgt. Ich war tief getroffen. Die Geschichten, die mein Vater für mich geschrieben hatte… einfach weg?!? Ich glaube, man kann sich vorstellen, wie schwer es mir fiel, ruhig zu bleiben. Ich war zu geschockt, um weiterzuforschen.

Erst vor kurzem wollte ich einige Bilder meines Vaters zu mir nach Hause mitnehmen. Ich suchte im Kasten im Wohnzimmer meiner Mutter und fand auch die Ölgemälde. Und auch eine zerfledderte Mappe. Als ich sie öffnete, flogen mir die Manuskripte meines Vaters entgegen. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie ich mich da fühlte. Gänsehaut, Tränen in den Augen – und ein großes Gefühl der Erleichterung. Die selbst getippten Kurzgeschichten – eine meiner liebsten und teuersten Erinnerungen – waren nicht weg.

Rodja

PS: Gestern wäre mein Vater 69 geworden. Alles Gute, Vati.

© Rodja Pavlik

© Rudolf Pavlik

„The Underwood Typewriter“ von Fionn Regan

And I’m changing the ribbon in this old Underwood

Ich stehe auf Punk. Auf Metal. Auf österreichische Bands. Auf Klassik. Ja, auch von Pop gefällt mir hin und wieder etwas. Aber ich mag auch die leisen Sachen. Jackie Levens „Fairytales for Hard Men“ ist für mich das beste Album, das es gibt. Punkt. (<- Das ist eine Empfehlung, also auf, auf… suchen und hören gehen!)

Schreibmaschinen-mäßig bin ich nun über den irischen Singer/Songwriter Fionn Regan (Site ist anscheinend momentan tot, auf seiner Facebook-Site gibt es aktuelle Infos) gestolpert. Genauer gesagt über sein „The Underwood Typewriter“ von seinem 2006 erschienen Album „The End of History“. Besonders mag ich dieses leise Tippgeräusch, das er in den Refrain eingebaut hat. (Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es echtes Tippen ist – oder mit irgendwelchen Percussions nachgemacht. Vermute eher letzteres). Das Lied erinnert mich stark an Ryan Adams „Heartbreaker“-Album – und das höre ich einfach immer wieder gern.

TV-Serienfans dürfte Fionn Regan kein Unbekannter sein. Sein Song „Be Good or Be Gone“ fand unter anderem in „Grey’s Anatomy“, „Nearly Famous“ und „Skins“ Verwendung. Was mich besonders erfreut: Für Fionn Regan ist die Schreibmaschine nicht nur ein Ding der Vergangenheit, etwas, das er als Metapher in seinen Songs verwenden kann. Nein, er schreibt tatsächlich seine Songtexte auf der Schreibmaschine, weiß Wikipedia zu berichten.

Regan states that he wrote character-based songs on his typewriter first, before putting the words to music, and notes that.

In einem Interview mit der irischen Radiomoderatorin Vanessa Monaghan auf ihrer Website über sein Album „100 Acres of Sycamore“ erzählte der Musiker, wie er auf die Schreibmaschine kam.

I got into that on the last record. Aesthetically, it’s beautiful and also it makes you think about things in a different way, the rhythm of it. I would say the rhythm of the typewriter, you could probably write a book about it, how that actually affected writing, how the actual physical.. I heard someone talk about Paul Auster and it sounds like someone is practising the drums when he is hammering out a book, it’s such a physical thing. You have to wait, you have to think about it, you really have to think about the process and what you’re doing before you commit to the page, otherwise you’ve got to roll it out and do it again.

It’s the same with music, I record to tape, I use, what for some people would be archaic techniques to make records. Analogue, tape machine, a room full of musicians, me set up here, strings set up over there, drums over there. Three takes of a song and that was it.

So, und jetzt bin ich auf, ein paar Scheiben von Fionn Regan zu suchen.

Rodja

INFO: Fionn Regan auf Facebook: www.facebook.com/fionnregan