Jonas schreibt auf einer Torpedo Modell 6 von 1949 

Moin! Ich bin Jonas, auf Instagram und auf YouTube auch als TheTypewriterKind unterwegs. Ich bin 23 Jahre alt und bin nun seit sieben Jahren Besitzer von mindestens einer Schreibmaschine. Außerdem schreibe ich auf einer meiner mittlerweile sechs Schreibmaschinen mein erstes Buch. Auf Instagram nehme ich Interessierte auf meiner Reise zum ersten Buch mit. Einige Reels mit Schreibmaschinen und mir am Kaffee saufen gibt’s auch schon. Die eine oder andere Story würde sich dann einfach darum drehen, wenn es Fragen gibt oder ich mich für etwas bedanken möchte. Noch ist die Seite recht klein, aber vielleicht kann man da ja was gegen machen 😉  

Über Instagram wurde ich dann auch von Rodja gefragt, ob ich nicht gerne einen Beitrag schreiben möchte, warum ich mit der Schreibmaschine schreibe und wie ich bei meinem Buch vorgehe. Ich habe natürlich zugestimmt! Wann bekommt man denn sonst die Möglichkeit, heutzutage über Schreibmaschinen zu schreiben? Ein Thema, das mich nun seit längerem fasziniert.  

Kommen wir erst einmal zu der grundsätzlichen Frage: Warum auf einer Schreibmaschine?  

Die Schreibmaschine bietet für mich die Möglichkeit, ohne Ablenkung zu schreiben. Kein Facebook, kein YouTube, kein Twitter, keine Nachrichten. 

Da ich normalerweise viel am Rechner zocke, sind natürlich auch Spiele darauf, alles Quellen, von denen ich abgelenkt werden kann. Nicht so bei der Schreibmaschine. Mein Hirn hat sich mittlerweile darauf trainiert: Wenn du an der Schreibmaschine sitzt = Schreibst du!  

Zudem schreibt man auf der Schreibmaschine langsamer. Klingt erst mal nach einem Nachteil, oder? Nicht ganz. Man denkt mehr über das nach, was auf das Papier kommt. Denn sobald ein Buchstabe das Blatt Papier erreicht und mit einem KLACK einen Buchstaben mithilfe des Farbbandes druckt, ist dieser Buchstabe auf dem Papier. Dieser ist auch nicht ohne weitere Hilfsmittel wieder zu entfernen. Man versucht einfach weniger Fehler zu machen, und damit meine ich nicht nur Rechtschreibfehler. Ich kann außerdem die beschriebenen Blätter herausnehmen, sie beiseite packen oder direkt nach dem Schreiben korrigieren. PER HAND! 

Ich schreibe mir Rechtschreibfehler auf, markiere sie. Mit einer anderen Farbe schreibe ich dann Verbesserungen in der Formulierung auf. Sollte ich ganze Absätze streichen, dann streiche ich sie wieder mit einer anderen Farbe. Am Ende habe ich also eine bunte Seite, mit vielen Kommentaren und Änderungen, allerdings lerne ich dabei und mache die Fehler im besten Fall nicht noch einmal oder formuliere Sätze anders, als ich es vorher getan hätte.  

Ich schreibe jeden Tag um die drei Seiten, wenn ich die Zeit dazu habe. Diese Seiten, werden dann von meiner besseren Hälfte abgelesen und sie gibt mir die Kritik die ich brauche, um das ganze entweder umzuschreiben oder zu korrigieren (Vorteile bei einer Lehramtsstudentin 😉   

Ich schreibe Korrekturen momentan alle auf den „First Draft“, also den ersten Entwurf. Wenn ich damit fertig bin, tippe ich noch einmal alles ab, mit all den Verbesserungen und Korrekturen die ich aufgeschrieben habe. Dabei bin ich nochmal „gezwungen“ alles zu lesen und damit auch den Lesefluss noch besser zu erkennen. Dann kommen da wahrscheinlich auch nochmal Korrekturen, die ich dann auf den PC auf Normseiten abtippe.  

Wie kommt ein damals 16 Jahre alter Junge dazu, eine Schreibmaschine auf eBay zu kaufen und diese dann auch noch zu benutzen? Gute Frage!  

Ich habe mich schon immer für antike Sachen und Geräte interessiert. Dazu gehörte, dank meines Bruders, auch die Schreibmaschine. Ich wollte immer eine eigene und daraufhin habe ich mir eine Olympia SM2 auf eBay bestellt. Eine tolle Maschine, die noch immer neben meinem Schreibtisch steht. Sie wird außerdem regelmäßig benutzt, da ich mit ihr die Briefe für meine Brieffreundschaften schreibe. 

© Jonas Zaps

Das Gefühl, wenn man eine Taste drückt und sieht, wie ein Typenhebel nach oben gegen das Papier geworfen wird und nur mit einer kleinen Bewegung ein Buchstabe gedruckt wird, das Geräusch, wenn all die Mechanik unter den eigenen Fingern arbeitet UND das verlangsamte Schreiben ist eine Mischung, die ich am Computer nicht habe. Hier kann ich einfach alles wieder löschen, wenn es mir nicht gefällt. Das nimmt einiges an Bedenkzeit aus dem Schreiben selbst. Die Schreibmaschine gab mir dies jedoch wieder zurück.  

Und somit fing ich an, mal wieder auf eBay zu suchen. Denn die Olympia ist toll und eine wunderschöne Maschine, jedoch keine Maschine, an der ich jeden Tag mehrere Stunden verbringen möchte. Also habe ich nach einer großen gesucht. Was soll ich sagen? Die Torpedos haben es mir angetan. Ich habe mittlerweile drei verschiedene Torpedo 6 Modelle aus den Jahren 1939, 1949, 1951.  

Alle funktionieren und sehen wunderschön aus, doch die 49er ist schlussendlich diejenige geworden, die mich tagtäglich zum Schreiben bewegt. Es mag an den gläsernen, runden Tasten liegen, die mich anglitzern, sobald ich die Original-Haube abnehme. Ich kann nicht genau erklären, warum es genau diese ist, jedoch baut man beim Schreiben eine Beziehung mit dieser Maschine auf. Jede Maschine hat ihre eigene Persönlichkeit. Jede Maschine hat ihre eigenen Macken. Es gibt einfach keine perfekte Maschine, aber genau das macht sie aus. Die eine hat einen lahmen Schlitten, die andere mag das „K“ nicht gerade drucke, et cetera, et cetera. Für all das habe ich natürlich Werkzeug an meinem Schreibtisch, sollte also etwas nicht mehr funktionieren oder ich das Bedürfnis haben, etwas einstellen zu müssen, dann kann ich dies sofort tun.  

© Jonas Zaps

Im Grunde gibt es zwei Arten von Schreibern/Autoren (Natürlich gibt es auch welche die sich dazwischen einordnen würden UND sollten).  

1. Die Plotter: Das hat nichts mit einem kleinen Jungen und einer Blitznarbe an der Stirn zu tun, sondern erklärt die Herangehensweise an eine Geschichte/Erzählung. Ich bin also so ein Harry Plotter, der gerne die Story kennt, bevor er schreibt. Dies habe ich lediglich nur durch Übung und Versuchen erfahren. Man plant alle wichtigen Storyelemente im Vorfeld. Man plant seine Charaktere, deren Beziehungen, ihr Aussehen. Man plant die Geschehnisse innerhalb der Kapitel. Man weiß im Grunde schon alles über die eigene Geschichte, bevor sie aufgeschrieben wurde. Manche schaffen dabei allerdings nicht den Absprung vom Plotten zum Schreiben, man verliert sich in Details und Charakteren.  

Dann gibt es allerdings auch Personen, die lieber flexibel und spontan schreiben. Diese Personen würden sich dann wahrscheinlich eher in die:  

2. Pantser einordnen. Diese Schreiber, schreiben einfach drauf los. Sie wissen, dass sie ein Buch schreiben wollen, kennen das übergeordnete Thema und entwickeln daraus beim Schreiben eine Geschichte, die dann Sinn ergibt. 

(Anmerkung: Es gibt auch die Plantser – das wäre dann ein Mittelding aus Plotter und Pantser)

Ich habe vollsten Respekt, wer so seine Storys schreibt, denn auch ich habe das Ganze ausprobiert. Ich habe in der Vergangenheit oft versucht mit dieser Methode ein Buch zu schreiben, fand mich aber jedes Mal wieder in einem Werk voller Plotholes und Unsinnigkeiten wieder.  

Ich fange meine Planung mit einem Brainstorming an. Es gibt dabei KEINE dummen Ideen oder Ideen die zu viel/wenig wären. Einfach aufschreiben, damit das Ganze einen Platz in deinem visuellem Bewusstsein findet.  

Wie plane ich das Buch? Wie kann ich anfangen?  

Daraufhin sortiere ich aus. Ideen die mir nicht in den Kram passen, schmeiße ich raus. Ideen die ich toll finde, schreibe ich separat nochmal auf, genau wie Ideen, bei denen ich mir noch nicht sicher bin. Dabei kann es über den Ort des Buches, die Story, das Genre vielleicht auch einfach über den Hauptcharakter gehen. Für alles mache ich ein Brainstorming.  

Das Ganze wird dann geordnet aufgeschrieben. Ich schaue, dass ich eine Einführung, einen Höhepunkt und ein Ende habe, die mir wirklich gefallen und schreibe mir dann so viel wie mir einfällt auf, was dazwischen passieren soll. Was wohin führt und so weiter. Ich gehe sogar soweit, dass ich eigene Karten der Stadt male, damit ich genau sagen kann, wo die Protagonisten stehen und was sie sehen sollten. Dies entwickelt sich bei mir allerdings beim Schreiben selbst, damit ich mich in der eigenen Stadt nicht verlaufe. Ich habe außerdem immer einen Ringblock in einer meiner Taschen, auch bei meiner Arbeit. Wenn ich eine Idee habe, muss ich sie aufschreiben, bevor sie wieder weg ist. Ich kann so auch Dinge aufzeichnen, wie ich sie mir vorstelle. So kann ich mich besser darauf konzentrieren, wie ich es beschreiben muss, damit das Ganze auch wirklich rüberkommt. 

© Jonas Zaps

Irgendwann schreibt man also drauf los. Man weiß, wo man anfängt, man weiß, wo man endet, man weiß, was passiert, doch das Dazwischen muss gefüllt werden.  

Sollte ich in eine Sackgasse mit meinen Formulierungen geraten oder ein Plothole auftauchen, was mir vorher nicht aufgefallen ist, dann schreibe ich mir, wieder in meinen Notizblock, auf, was als Nächstes passieren kann oder wie ich dieses Plothole ausmerzen kann. Wieder ein kleiner Brainstorm. Wenn ich also wieder eine Idee habe, die mir gefällt, dann streiche ich die anderen und baue auf dieser Idee weiter auf, bis ich mich sicher fühle und weiter auf der Maschine schreiben kann.  

Das ist im Grunde, wie ich mein Buch anfange zu schreiben. Zu diesem Zeitpunkt bin ich etwa bei knapp über 90 A4 Seiten. Noch macht es mir Spaß und ich sehe noch kein Ende darin. Irgendwann muss man damit rechnen, dass man eine Schreibblockade hat, diese sollte man ausharren, aber danach auch wieder weitermachen. Das passiert jedem und das ist auch nicht schlimm. 

Eine Seite getippt entspricht etwa 1,1 oder 1,2 Seiten auf dem PC als Normseite. Da die Normseite noch immer aus dem Zeitalter der Schreibmaschinen kam, sind die Voraussetzungen natürlich super, um den Fortschritt in Seiten auszudrücken.

Ich für meinen Teil empfehle jedem, der ein Buch, Kurzgeschichten, Gedichte, Rezepte – eigentlich egal was schreiben möchte, eine Schreibmaschine zu Hause. Denn es gibt nichts Schöneres, als die kreative Geräuschatmosphäre einer klickenden Schreibmaschine – zumindest für einen selbst.  

Ich wünsche euch also alles Gute, bleibt gesund und schreibt fleißig auf euren Maschinen!  

Wunderschönen Tag noch 

Jonas

INFO: Jonas Zaps alias TheTypewriterKind auf Instagram bzw. Youtube.

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