Das muss dann mal weg!

Eigentlich wollte ich es nie wieder tun – die Postkarten-Challenge. Einen Postkartenkalender nehmen und die 53 Postkarten ein Jahr lang abarbeiten. Ich habe das einige Jahre lang gemacht, aber dann war es halt doch nur mühsam.

Doch als ich den Kalender von Krieg und Freitag (Facebook) sah, wusste ich, dass ich noch mal in den Ring steigen muss…

Wer also irgendwann einmal im Jahr 2023 eine Postkarte erhalten will, möge mir bitte seine postalische Anschrift an schreibmaschinist(at)gmx.at übermitteln. Die Adresse wird nur für diese Aktion verwendet und nach Gebrauch automatisch zerstört. Die Aktion gilt nur, so lange Postkarten da sind.

Rodja

Eine Aktion der Société des affaires anachroniques wider leere Briefkästen.

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Barbara Kaudelka: von Beruf Schauspielerin, von Berufung Schreibmaschinen-Kollekteuse

Auf diesem Blog hier stelle ich Leute vor, die – aus welchen Gründen auch immer – gerne mal in die Schreibmaschine hacken. Eine kleine Gruppe davon sind Filmemacher. So konnte ich schon Beiträge von Animationsfilmer Benjamin Swiczinsky (u.a. „Heldenkanzler“, Kurzfilm über den Austrofaschisten Engelbert Dollfuß) über seine Olympia Traveller de Luxe und Patrick Haischberger (Kurzfilm „Rainy Season“ nach einer Kurzgeschichte von Stephen King) über seine Olympia SM 3 hier einpflegen.

© Michael Taborsky

Nun darf ich zum ersten Mal jemanden vorstellen, die hauptsächlich vor der Kamera agiert: die Schauspielerin Barbara Kaudelka. Barbara und ich sind uns schon ein paar Mal im Rahmen meines Interesses für Indie-Filme über den Weg gelaufen. So spielte sie u.a. in „Katharsis“ von Kawo Reland und in der „Wienerland“-Webserie von Jan Woletz mit. (Das schreib‘ ich jetzt nur, um Schleichwerbung für meinen zweiten Blog HomeMovieCorner zu machen.)

Natürlich ist Barbara Kaudelka nicht für ihre Auftritte in Indie-Filmen bekannt. Bekannt wurde sie vor allem durch Filme und Fernsehserien wie „Janus“,„CopStories“, „Die Toten von Salzburg“ oder die US-Serie „Covert Affairs“. Natürlich ist sie auch auf den Brettern, die die Welt bedeuten – sprich: Theater – vorzufinden. Und ihre Stimme kennt man in Österreich auch aus Werbungen und Dokumentationen und als Erzählerstimme in der ORF-Serie „Walking on sunshine“. Ein richtiger Ohrwurm, sozusagen. Und wäre das nicht Multitalent genug, schreibt sie auch noch Kolumnen (u.a. für „VOR Magazin“ und „Schau Magazin“). Fehlt noch, dass sie ein Buch schreibt (na, wenn das jetzt kein Spoiler ist…).

Und obwohl sie so omnipräsent ist… es ist mir bis vor kurzem nicht in den Sinn gekommen, dass sie – laut Eigendefinition – eine richtige Schreibmaschinen-Kollekteuse ist. Dabei waren die Anzeichen mehr als deutlich. Ein Foto auf Instagram hier, ein paar Schreibmaschinen in einem Talk mit Regisseur Leo Bauer („Der Blunzenkönig“, „Die Lottosieger“) im Hintergrund da. Erst nach einem Artikel in der „Kurier Freizeit“ erlebte ich einen richtigen Aha!-Moment. Man muss sich das ungefähr so wie in jener Szene von „Die üblichen Verdächtigen“ vorstellen, als der Polizeiermittler anhand von zahlreichen Details entdeckt, dass der vermeintlich harmlose Kriminelle in seinem Büro der brutale und gemeingefährliche Gangster Keyser Soze ist. Genau so müsst Ihr Euch das vorstellen. Barbara Kaudelka ist mein „Keyser Soze“…

Natürlich war ich neugierig und wollte ihren „Leidensweg“ erfahren. Ich schrieb sie an und plante, mit ihren Antworten einen Artikel zu schreiben. Womit ich nicht gerechnet habe: Die Antworten waren so umfangreich, witzig, sympathisch, empathisch und klug, dass der innere Chefredakteur in mir aufschrie: „Ach, pfeif drauf. Wozu die Mühe machen? Stell’s einfach online.“ (Okay, ein bisschen Faulheit war auch dabei.) Die Dame kennt sich auf jeden Fall mit Schreibmaschinen aus – und es macht Spaß, sie darüber philosophieren zu hören.

© privat

PS: Ein kleines Dilemma habe ich aber schon damit. Ist der „Hanx-Effekt“ ein Begriff? Ich erkläre gerne: Der mehrfach Oscar-gekrönte Schauspieler Tom Hanks ist ebenfalls ein Schreibmaschinen-Fan. Und sobald er im Fernsehen oder in einem Internet-Clip mit einer Schreibmaschine zu sehen ist, bemerken amerikanische Sammler ein Steigen der Preise. Ich blicke sorgenvoll in die Zukunft: Wird das nun in Österreich auch mit Barbara Kaudelka passieren?

Und nun… Vorhang auf für Barbara Kaudelka…

Wie genau mein Faible für Schreibmaschinen begonnen hat, kann ich gar nicht mehr so im Detail rekonstruieren – das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass es mich schon seit frühester Kindheit begleitet. Diese Faszination ist etwas, das mich eng mit meinem Vater verbindet, wir teilen uns diesen Spleen.

© privat

Ich erinnere mich daran, wie ich als kleines Mädchen in seinem Arbeitszimmer gesessen bin und auf seiner Schreibmaschine herumgefuhrwerkt hab. Damals war ich noch so klein, dass es nur wildes Herumgetippsel war – das muss nervtötend gewesen sein, aber mein Papa hatte damals schon eine Engelsgeduld mit mir: er hat mir Papier eingezogen, die Rolle justiert, alles erklärt und mich einfach machen lassen. Ich erinnere mich noch genau daran, wie er mir dann gezeigt hat, dass man bei Doppel-Farbbändern auch in Rot schreiben kann und wie man damit Muster tippen konnte. Das weiße Blatt Papier ist zum Leben erwacht, das war magisch. Als ich dann in das Alter kam, in dem ich schon Schreiben und Lesen konnte, habe ich auf seiner alten Olympia meine ersten Kurzgeschichten geschrieben. Ich weiß noch ganz genau, was mein erster längerer Text war: eine Nacherzählung von Sir Arthur Conan Doyles „Der Hund von Baskerville“. Hier haben sich recht früh drei Leidenschaften getroffen: Grusel-Genre, das Schreiben per se und die Magie der Schreibmaschine. 

Wie viele Schreibmaschinen hast Du? Hast Du bestimmte Vorlieben? Hast Du ein Beute-Schema? Was müssen die Schreibmaschinen können? 

Wieviele? Never enough 😆 Schreibmaschinen sind meine Manolo Blahniks. Aber Spaß beiseite; aktuell sind’s 26, davon stehen zurzeit 15 offen in der Wohnung. Seufz, das Kreuz mit dem Platz…

Beuteschema habe ich eigentlich kein spezifisches. Ich bin begeisterte Sammlerin, mein Lebensgefährte nennt mich liebevoll seinen nerd, aber ich gehe nicht primär nach dem Wert der Maschinen. Das mag jetzt vielleicht seltsam klingen, aber eine Schreibmaschine muss „Ausstrahlung“ haben, um mich abzuholen. Da gehören natürlich auch Optik, Funktionalität oder Seltenheit dazu, aber mehr noch ihre Geschichte. Eventuell auch kleine Produktionsfehler, die das Stück einzigartig machen.

Die Zeiten, in denen man ins Geschäft ging, um sich eine Schreibmaschine zu kaufen, sind lange vorbei. Heutzutage besorgt man sie sich von einem Vorbesitzer… oft sind es genau diese persönlichen stories, die eine Maschine besonders machen und mich letztlich zum Kauf bewegen. Wie weit ist sie gereist? Wer hat sie davor besessen, welche Lebensgeschichte zieht da gemeinsam mit der Schreibmaschine bei mir ein? 

Den Großteil meiner Maschinen hab ich ganz klassisch auf Flohmärkten oder auf gängigen Plattformen entdeckt, manche geschenkt bekommen. Vor Corona habe ich gemeinsam mit meinem Papa richtige Einkaufsfahrten unternommen: zuerst habe ich online ein paar Schreibmaschinen gefunden, Kaufinteresse bekundet, die Besichtigungs- und Abholtermine alle auf einen Tag gelegt, und dann sind wir zwei ins Auto gestiegen und oft quer durchs Land gefahren, um sie abzuholen. Abends sind wir dann mit breitem Grinsen und einem Kofferraum voller Schreibmaschinen wieder heimwärts getuckert. Herrlich!

Während der Pandemie hab ich das dann ein bisserl anders gehandhabt, da waren die Termine meist outdoor, teilweise waren das sehr lustige Begegnungen: Schreibmaschinen-Besichtigungen in Schrebergärten mit Armeen von Gartenzwergen um mich herum oder auch mal ein Tipptest auf einer Parkbank auf der Prater Hauptallee. Das Sammlerherz findet seine Wege. 😉

© privat

Ich lass es mir bei jedem Termin nicht nehmen nach der Geschichte hinter dem Verkauf, hinter dem Stück selbst zu fragen. So kommt man wunderbar ins Gespräch mit den Menschen und nicht selten sind da spannende Erzählungen zutage getreten – Lustiges, Berührendes, Skurriles. Oft sind es ältere Damen und Herren, die verkaufen.

Das sind meine Lieblingstermine – in sicherlich 95% der Fälle sind sie ziemlich verdutzt, dass jemand in meinem Alter sich für Schreibmaschinen interessiert. Mich amüsieren die überraschten Blicke insgeheim und wenn die Neugier dann siegt und sie kommt, die charmante Frage nach dem „Warum?“, freue ich mich jedes Mal, denn sie ist fast immer das Entrée zu einem interessanten Plausch.  

Immer wieder erreichen mich auch Emails von Menschen, die mitbekommen, dass ich Schreibmaschinen sammle und die mir Fotos von Fundstücken schicken, die sie irgendwo im Keller oder auf dem Dachboden herumstehen haben. Oft wissen die Verkäufer gar nicht, was sie da für Schätze loswerden wollen. Ich erinnere mich daran, wie einmal jemand die Schreibmaschine seines verstorbenen Großvaters weggeben wollte, um einen Pappenstiel. Das war ein zwar bisserl zernepftes, aber durchaus wertvolles Sammlerstück. Ich hatte damals schon ein Exemplar und hab’s nicht übers Herz gebracht, ihm das gute Stück so abzuluchsen. Ich hab ihm geraten den Preis zu verfünffachen und die Maschine an einen Sammler/Restaurator abzugeben; ein paar Wochen später kam dann noch ein Mail von besagtem Herren, in dem er sich bedankt hat und erzählt hat, dass er vom Erlös des Verkaufs seine Frau zum Jahrestag mal so richtig schick ausgeführt hat. Schön, oder? Hach, ich liebe solche Geschichten! 

© privat

Zu jeder Schreibmaschine, die ich besitze, gehört eine eigene story – und das macht sie für mich besonders. Egal, ob das meine Underwood ist, die ich von meinem Vater zu Weihnachten bekommen habe, oder eine antike Blickensderfer, die mir ein lieber Freund und Bestseller-Autor aus der Schweiz zum 40er geschenkt hat. Auch die wunderschöne, restaurierte Triumph, mit der mich zwei liebe Freunde überrascht haben, die ich vor einigen Jahren in einer freien Zeremonie „trauen“ durfte (ein Abend, der unvergesslich war) steht für ein besonderes Kapitel. Aber ebenso meine klapprige Olivetti Studio 45, die ein entzückendes Senioren-Ehepaar verkauft hat, weil es nach überstandener Krebserkrankung beschlossen hat eine Weltreise zu unternehmen, die blitzblaue Sperry-Remington, mit der ich mir das Baujahr teile (wir sind beide made in 1981), meine Continental aus dem Jahr 1932, die über die Jahrzehnte hinweg schon Besitzer in Italien, den USA und Skandinavien hatte, bevor sie bei mir in Wien gelandet ist oder die klobige, unscheinbare Büromaschine, die aber mal einem Top-Journalisten gehörte… it´s all about the story.  

Was machst Du mit Schreibmaschinen? Briefe schreiben? Romane? Artikel?  

In erster Linie sammle ich. Auch das Restaurieren macht mir Freude, oft brauchen die Schätzchen erst ein bisserl Zuwendung, wenn sie bei mir ankommen. 😉 Ich hab mir allerdings vorgenommen, das Vorwort zu meinem ersten Buch (an dem ich aktuell schreibe) an der Schreibmaschine zu tippen. 

Kennst Du noch andere Schreibmaschinen-Nutzer? 

Ja, einen sehr netten Typen namens Rodja Pavlik, der macht richtig lässigen stuff! 😉  (Anmerkung der Chefredaktion: Frau Barbara K. wurde weder bezahlt noch erpresst!)

Welchen Vorteil hat die Schreibmaschine gegenüber dem Computer? Was gibt Dir eine Schreibmaschine, was ein Computer nicht kann. 

Neben dem Offensichtlichen (eine Schreibmaschine funktioniert auch ohne Steckdose), isses natürlich die Haptik, die unerreicht bleibt. Es gibt zwar mittlerweile externe keyboards, die sowohl die Optik, als auch die typewriter-Tonalität imitieren, aber das ist nicht mehr als ein nettes gimmick, kein Vergleich zum Original … fast, als würde man eine Schreibmaschine auf wish bestellen. 😀  

Hast Du eine Lieblings-Maschine? 

Optisch steh ich ziemlich auf meine karamellbraune Olympia Splendid 33. Und auf meiner Hermes Baby schreib ich gern. Aber ganz ehrlich: ich lieb sie alle ❤️ 

© privat

Während der Corona-Lockdowns habe ich auf meinem Instagram-Account den #typewritertuesday gestartet: während um mich herum alle Bananenbrot gebacken oder sich in shape geturnt haben, hab ich meine Schreibmaschinen fotografiert, die persönlichen stories dahinter erzählt und historische Hintergrundinfos geteilt. Ich denk, ich werd jetzt wieder damit beginnen, hab durch das Interview direkt wieder Lust drauf bekommen 😉  

Nimmst Du Schreibmaschinen auch mit? Z.B. in den Urlaub?
 
Nein, in den Urlaub kommen keine Schreibutensilien außer Papier und Füllfeder mit. Ich bin ein einziges Mal mit Schreibmaschine gereist, das war mit meiner Underwood Champion portable 1946. Ich hab sie im Ausland auf Geschäftsreise zufällig entdeckt und musste sie einfach mit nach Hause nehmen. So sind wir dann zusammen mit der Bahn zurück nach Wien gefahren. 

© privat

Kannst Du mit zehn Fingern blind tippen? Falls ja, hast Du es in der Schule gelernt oder selbst beigebracht? 

Ich bin nicht die begnadetste 10-Finger-Tipperin. Es geht schon, aber ich bin halt dann so langsam, da kommt keine Freude auf.  

Hast Du sonst noch analoge Vorlieben? Vinyl? Analoge Fotografie? Musikkassetten? 

Oh ja, ich liebe analoges Gerät, Medien insbesondere. Eine große Leidenschaft sind Hörbücher und Hörspiele, von denen hatte ich als Kind Unmengen… alle auf Kassette. Vieles davon hab ich auch heute noch und höre sie regelmäßig auf ebendiesen analogen Tonträgern, dieser körnige sound hat für mich etwas Magisches. Ich hab auch noch jede Menge VHS herumkugeln, von denen ich mich einfach nicht trennen kann. Ich bin halt ein waschechtes 80ies/90ies-kid. 

Soweit ich gelesen habe, reparierst Du auch Schreibmaschinen. (Wow! Daran habe ich mich ehrlich gesagt noch nie versucht – ich versuche immer Schreibmaschinen zu bekommen, die keine Probleme haben. Erstens habe ich nicht den Platz dafür, zweitens auch nicht die Zeit bzw. Geduld.) Wie informierst Du Dich darüber? Kennst Du jemanden, der sich mit Schreibmaschinen auskennt? Bist Du Mitglied beim IFHB (Internationales Forum Historische Bürowelt)? Hast Du entsprechende Literatur? 

Alles, was ich darüber weiß, hab ich von meinem Vater gelernt, er ist ein Technik-geek allererster Güteklasse und der unangefochtene König der (Schreibmaschinen-)Reparatur. Meine Affinität zu technischem Gerät, die Neugier zu wissen, wie genau etwas funktioniert, es auseinanderzubauen und wieder zusammenzusetzen, das hab ich definitiv von ihm.

Liebe Barbara, vielen Dank für das Interview.

INFO: www.barbarakaudelka.com; instagram.com/barbarakaudelka_official

Martin schreibt auf einem AlphaSmart Neo2

Martin ist ein „alter“ Bekannter der Schreibmaschinisten. Er hat hier bereits über seine Erfahrungen mit einer Olympia Splendid 33 und einer Penna-Tastatur geschrieben. Und anscheinend hat ihn mein Blog auch auf den AlphaSmart aufmerksam gemacht. Schön langsam sollte ich ein schlechtes Gewissen haben… Aber immerhin hat er damit schon am NaNoWriMo teilgenommen. Es bringt also tatsächlich etwas, diesen Blog zu lesen (*billigeEigenwerbungOff*)

Auf meiner Suche nach einem Schreibgerät, das meine Wünsche nach guter Tastatur und digitaler Erfassung erfüllt, bin ich auf den Freewrite Traveler von Astrohaus gestoßen und habe bei der Crowdfunding-Kampagne mitgemacht. Da hat es so viele Verzögerungen gegeben, dass ich mich trotz der Bestellung nach Alternativen umgesehen habe. Bei den Schreibmaschinisten habe ich dann in einem kurzen Kommentar den Hinweis auf den AlphaSmart Neo2 gefunden.

Die Produktion vom Neo2 wurde meiner Kenntnis nach in 2013 eingestellt. Die Geräte gibt es also nur noch gebraucht. Sie waren ursprünglich für den Schulunterricht konzipiert. Sie waren sehr preiswert auf Ebay zu beziehen, nur ein Zehntel von dem, was ein Freewrite Traveler kosten sollte. Dazu noch die Transportkosten. War aber immer noch okay. Ich wollte das Experiment wagen und bestellte es. Das Gerät kam erstaunlich schnell und in sehr gutem Zustand an.

Renaissance Learning

Das Gerät wird mit drei handelsüblichen AA-Batterien betrieben, die halten locker 150.000 Worte lang, eher sogar mehr. Es hat eine QWERTY-Tastatur für den englischsprachigen Raum. Bei Amazon habe ich mir 13x13mm Tastenaufkleber bestellt, die Z- und die Y-Taste ausgetauscht, den Rest, wo nötig, mit Aufklebern versehen. Auf dem kleinen Bildschirm kann man die Buchstabengröße einstellen und 4-, 5- oder 6-zeilige Ansicht einstellen.

Wenn ich auf dem AlphaSmart Neo2 in der deutschen Einstellung tippe, dann erscheint trotzdem auf dem Bildschirm amerikanischer QWERTY-Blödsinn. Daran gewöhnt man sich aber ganz schnell. Wenn ich die Daten mit einem Kabel auf meinen deutschen Rechner übertrage – es wird Tastenanschlag für Tastenanschlag übertragen – dann erscheint auf meinem Rechner der fehlerfreie deutsche Texte. Natürlich nur, wenn ich fehlerfrei getippt habe.

Der Neo2 hat acht Dateien, die man mit einzelnen Tasten anwählt. In jede Datei passen etwa 10.000 Worte, das ist richtig üppig. Auf der Rückseite sind Informationen zu shortcuts. Mehr braucht man eigentlich nicht.

Ich habe bei meinem ersten NaNoWriMo (Anm.: National Novel Writing Month ist ein kreatives Schreibprojekt, bei dem man während des Monats November einen Roman mit mindestens 50.000 Wörtern verfassen soll) das Gerät erstmals benutzt. Wir flogen in den Urlaub und ich wollte meinen Laptop nicht mitnehmen, Gewicht sparen. Schon auf dem Hinflug hatte das Flugzeug über eine Stunde Verspätung. Also habe ich den Neo2 aus dem Rucksack geholt und am Flughafen getippt, dann im Flugzeug, am Strand, am Pool im Sonnenlicht, quasi überall. Morgens bin ich früh aufgestanden und habe schon am Frühstückstisch getippt. Das geht sogar beim Autofahren – natürlich nur als Beifahrer! Keine Internetverbindung nötig, kein Ladegerät nötig, keine Updates nötig. Einfach nur Tippen.

Ganz toll: Eine richtig gute Tastatur, das Gerät ist ganz leicht und wird von mir überall hin mitgenommen. Für störungsfreies Schreiben ist es wirklich unglaublich. Herumscrollen, Korrigieren, das ist alles möglich. Auch sehr schnelles Tippen ist mühelos möglich.

Das Gerät hat Rechenfunktionen und noch andere Funktionen, aber damit kann ich nichts anfangen. Eine Anleitung, wenn man es braucht, kann man im Internet herunterladen.

Die Datenübertragung funktioniert so: Ich öffne am PC die Datei, in die die Daten gelangen sollen, also z. B. ein einfaches Word-Dokument. Dann mache ich den Neo2 an, öffne die Datei, aus der die Daten übertragen werden sollen. Dann verbinde ich beide Geräte mit Kabel und drücke, wenn die entsprechende Meldung auftaucht, auf die „send“-Taste. Die Daten, eigentlich die Tastendrucke, fließen dann vom Neo2 zum PC. Und zwar genau dahin, wo ein Dokument offen ist.

Wenn man während der Übertragung z. B. ein anderes Dokument aufmacht, dann fließen die Daten dort hinein, nämlich immer in das, was gerade offen ist, ganz egal, was es ist, ob Excel, Google-Suchfeld, etc.

Das bedeutet, dass man während der Übertragung nichts am Rechner machen kann. Ist aber nicht so schlimm, ein paar Tausend Worte brauchen nur ein paar Minuten. Wenn die Datei übertragen ist, lösche ich sie vom Neo2.

Seit November 2019 nutze ich den Neo2 und bin richtig zufrieden, nein, ich bin schon fast ein Fan. Weil das Gerät genau das macht, was es soll: Schreiben ohne Schnickschnack.

Nachteil: Ich finde den Neo2 nicht sehr stylish. Richtig stylish ist aber auch der Freewrite nicht, ich finde ihn klobig und hässlich. Der schwarze Klavierlack vom Freewrite Traveler und das schöne kleine Format mit dem e-ink-Bildschirm zum Klappen, das ist stylish!

Es hat noch eine Weile gedauert, bis der Freewrite Traveler endlich bei mir eingetrudelt ist. Meine Erfahrungen über dieses Gerät werde ich gerne später berichten.

Herzlich Grüße

Martin

Meine 15 Minuten Ruhm

„In Zukunft wird jeder 15 Minuten weltberühmt sein.“

Andy warhol
3magazine
© Rodja Pavlik

Was haben das deutsche Magazin „schreibkultur“, „ChefInfo – Das Magazin der Führungskräfte“ aus dem österreichischen weekend-Verlag und das „Wiener Wohnen“-Mitarbeitermagazin „Hauspost“ gemeinsam? Sie alle haben heuer über Die Schreibmaschinisten bzw. meine Tätigkeiten als Schreibmaschinen-Fan berichtet. Wenn ich das so zusammenzähle, dann habe ich die 15 Minuten Ruhm in meinem Leben schon aufgebraucht.

Den Anfang machte das deutsche Magazin „Schreibkultur“ mit der Ausgabe 01/22, das mich bereits im Dezember 2021 angeschrieben hatte.

© Rodja Pavlik

Ich habe auch versucht, das Magazin mit anderen Schreibmaschinisten wie den Künstler Robert Doerfler, den Straßenpoeten Fabian Neidhardt oder den Field Writer Gerhard Richter zu vernetzen, damit diese etwas über das Tippen auf der Schreibmaschine erzählen können. Aber das ist natürlich auch eine Frage der Zeit – und so wurden die drei wenigstens mit ein paar eigenen Texten schön gefeatured.

© Rodja Pavlik

„Schreibkultur“ ließ mich auch einen Vorabdruck lesen – und da musste ich schmunzeln. Die Autorin hatte das Ganze so aufgebaut, als wäre das Maschinschreiben eher etwas Nostalgisches. Ich fühle aber eigentlich genau das Gegenteil. Die Schreibmaschine hat heutzutage ihre Berechtigung als Arbeitsgerät. Der Text wurde im Nachhinein etwas geändert bzw. entschärft, aber wenn man genau liest, dann spürt man noch den Hauch der Nostalgie.

Der zweite Wurf war dann „ChefInfo -Das Magazin der Führungskräfte“ mit Ausgabe März 2022.

© Rodja Pavlik

Diese Ausgabe gibt es wenigstens auch online als e-paper zu lesen (mich gibt es auf der nächsten Seite).

Den meisten Spaß hatte ich auf jeden Fall mit dem Team von Wiener Wohnen. Eigentlich wurde ich für den Podcast über mein Leben im Gemeindebau und mein Tun als Field Writer interviewt (hier zum Anhören: Episode 29: Der Schreibmaschinist Rodja Pavlik in der Görgengasse 9-11). Dafür wurde ich von einem Interviewer, der Fotografin Jennifer Fetz und einem Kameramann begleitet. Ehrlich, noch mehr Bauchpinselei geht kaum. ;-D

© Jenny Fetz – fotografiefetz.at

Das Material, das der Kameramann drehte, wurde dann für einen kurzen Teaser verwendet.

Quasi als Nebenprodukt ist dann dabei auch ein Artikel für die „Wiener Wohnen“-Mitarbeiterzeitschrift „Hauspost“ (Ausgabe 74/August 2022) angefallen.

Rodja Pavlik

So, jetzt eigentlich alles im Leben erreicht. Doch… was nun?

Rodja

PS: Falls jemand die Artikel lesen möchte, dann bitte melden. Ich kann gerne ein paar PDFs verschicken. E-Mail: schreibmaschinist(at)gmx.at

This is Freewrite Alpha…

Wie vielleicht einige Leser wissen, hat meine Suche nach dem (für mich) perfekten Schreibgerät damit begonnen, dass ich 2014 mit dem Hemingwrite (anfangs hieß er noch so, später und aktuell wurde daraus der Freewrite) von Astrohaus aus den USA geliebäugelt habe. Ich investierte sogar in die Crowdfunding-Aktion – doch dann hatte ich Bedenken. Ich stieg aus der CF-Aktion aus und bekam ohne Probleme mein Geld zurück. Danach landete ich erst bei der Schreibmaschine…

Trotzdem habe ich Astrohaus, den Freewrite – und später auch den kleineren Bruder Traveler – nie aus den Augen verloren. Aber diese Geräte kamen halt nie wirklich in meine Reichweite, so dass ich sie nie ausreichend testen konnte, um mir tatsächlich ein Urteil bilden zu können.

Eine kurze Chance hatte ich, als mich der Autor und Schreibcoach Ronny Rindler zu Schreibmaschinen interviewte. Das Video gab es auch auf Youtube, wurde aber – wie auch alle anderen Videos – von Ronny runtergenommen. Soweit ich weiß, hat Ronny seinen Lebensgefährten geheiratet und dessen Namen angenommen. Ich vermeine gehört zu haben, dass er sich mit dem neuen Namen auch neu positionieren will. Vielleicht hängt das damit zusammen.

Wie gesagt, ich konnte den Freewrite nur kurz testen. Und sah auch einige meiner kritischen Gedanken dazu bestätigt, wie das verzögerte Erscheinen des Textes nach dem Tippen auf dem Bildschirm. Aber dennoch hat das Gerät etwas – und ich würde es gerne ausgiebiger testen. Anscheinend habe ich Glück, denn eine Bekannte hatte sich den Freewrite zugelegt und möchte ihn abstoßen, weil sie vor kurzem ein neueres Modell mit zusätzlichen Features gekauft hat. (Sie ist anscheinend sehr davon überzeugt.)

Und nun bin ich auf das hier gestoßen… Astrohaus hat eine neue Crowdfunding-Aktion gestartet – und zwar für den Alpha.

© Astrohaus

Vorteile, soweit ich sehen kann: Alpha ist noch kompakter als der Freewrite und der Traveler – und er ist wesentlich billiger. Wenn ich mir über die Getfreewrite-Site den Freewrite (inkl. Lieferung nach Österreich) bestellen würde, würde ich 807,95 Euro bezahlen, für den Traveler 620,95 Euro. Den Alpha würde man in der Crowdfunding-Phase bereits für 275 Euro bekommen (Originalpreis 269 US-Dollar statt dem späteren Verkaufspreis 349 US-Dollar, das aber exklusive Lieferung und Zollgebühren).

Ich habe das Gefühl, dass Astrohaus sich hier formmäßig dem AlphaSmart annähert, einem Schreibcomputer der von den 1990ern bis 2013 in verschiedenen Versionen produziert wurde und heute noch eine große Fan-Community hat.

Obwohl sie noch nicht beendet ist, ist die Crowdfunding-Aktion für den Alpha jetzt schon ein voller Erfolg. Mit Stand 15.10.2022 wurde die Zielsumme von 25.571 US-Dollar mit 357.533  US-Dollar um ein Zigfaches überschritten – dabei sind es noch 13 Tage bis zur Beendigung der CF-Aktion. 

Es besteht eindeutig ein Bedarf an reinen Schreibgeräten. User wollen sich konzentrieren und nicht immer abgelenkt werden. Und der bisherige Erfolg von Astrohaus mit dem Freewrite und dem Traveler gibt den Leuten auch Mut, sich dazu zu bekennen. (Als ich z.B. das erste Mal darüber schrieb, wie die Schreibmaschine meinen Schreibfluss verbesserte, wurde ich davon von einigen regelrecht angepflaumt.) Das ist Astrohaus hoch anzurechnen, dass sie da diesen Weg unbeirrt beschritten haben.

Doch nun zurück zum Alpha. Zum Crowdfunding gibt es noch dieses Promo-Video. Aber da habe ich mir dann gedacht: „Danke, aber nein, danke.“

Astrohaus

Mal abgesehen davon, dass Protagonistin Jane – von Inspirationen befallen – grimassenschneidend hin- und herbockt, als würde sie sich gerade für ein Video von Hysterical Literature bewerben, erscheint mir der Schoß nicht unbedingt die ideale Abstellfläche für den Alpha zu sein. Das Tablet ist viel zu leicht und schaukelt ständig hin und her. So habe ich auch mal versucht, auf einem externen Keyboard, verbunden mit dem Laptop, im Bett zu schreiben. Es stört einfach beim Schreiben, wenn die Schreibfläche wippt und nicht fest platziert ist. Dass der Alpha – ebenso wie der Freewrite oder der Traveler – einen stabilen Untergrund braucht, wird vor allem sichtbar, als Jane sich in den Fauteuil knozt, das große Glas Wein in Reichweite. Wie kann man bitte so gemütlich schreiben, ohne dass die Finger verkrampfen?

Das neue Hauptmanko ist für mich aber der immer kleiner werdende Bildschirm. Bereits beim Freewrite und beim Traveler kann man nur auf einen kleinen Teil des Textes zurückblicken. Und hier beim Alpha ist es noch weniger! Soweit ich mitbekommen habe, hängt das von der eingestellten Schriftgröße ab – aber allein das obige Produktfoto zeigt mir gerade mal drei Zeilen. Und selbst die dürften keinen echten Zeilen auf einem A4-Blatt entsprechen.

Das habe ich bei der Schreibmaschine echt zu schätzen gelernt. Ich beschreibe ein Blatt – und je mehr darauf steht, desto weiter kann ich zurückblicken. Bin ich noch in der gleichen Tonalität? Habe ich etwas vergessen? Wie bin ich – im Text – eigentlich bis zu diesem Punkt hier gekommen? Das ist alles leicht nachvollziehbar. Ich brauche nicht einmal so etwas wie eine Maus zum Scrollen. Und ich kann auch mehrere Seiten nehmen und durchlesen. Das Haptische gibt mir auch das Gefühl, etwas geleistet zu haben.

Der Pomera 6 – eine Alternative?

Das hier gehört nun nicht unbedingt zum Alpha – aber irgendwie möchte ich dafür keinen eigenen Beitrag beginnen.

Vor Jahren stieß ich auf Youtube auf ein Video über den Pomera. Damals war das Gerät nur für den japanischen Markt gedacht – und dementsprechend gab es viele japanische Schriftzeichen, so dass ich natürlich absolut nichts verstand. Doch eben durch die Recherche am Alpha stieß ich nun auf diesen Clip hier.

Das Ganze erinnert mich noch an meinen alten Palm, den ich auf eine ausklappbare Tastatur stecken konnte (irgendwo muss ich das Ding noch haben – ob er noch, zusammen mit meinem alten Laptop mit Windows 98, funktioniert?).

Aber irgendwie scheinen diese Modelle nicht so recht für den europäischen bzw. deutschsprachigen Markt gedacht zu sein. Es hat schon allein eine Zeit gebraucht, bis der Pomera auf Englisch herauskommt. Aber auch Schreibgeräte aus dem angloamerikanischen Sprachraum wie der Freewrite oder Keyboards wie der Qwerkywriter waren ursprünglich nicht mit QWERTZ-Tastaturen gedacht. Und auch heute kommt der Freewrite nicht mit einer deutschsprachigen Tastataur vom Werk. Nein, man muss sich die deutschen Tasten und eine spezielle Zange dafür um rund 44 Euro extra kaufen. Man muss über die USA bestellen (und im Falle einer Reparatur dann auch wieder Übersee schicken) – es gibt anscheinend auch keine Bemühungen, im deutschsprachigen Raum einen Vertreter zu finden. Das ist schon etwas, das mich davon abschreckt.

Rodja

INFO: Crowdfunding für Freewrite Alpha: https://www.indiegogo.com/projects/freewrite-alpha-distraction-free-writing-anywhere#/

Das hält doch eine Annie Wilkes nicht auf…

Es gab einmal eine Zeit in den 1980ern, da war ich ein richtiger Die-Hard-Fan von US-Autor Stephen King. Ich verschlang alles, was in der Bibliothek vorzufinden war oder dessen ich sonstwie habhaft werden konnte. Angefangen hat es mit „Brennen muss Salem“, dann „Carrie“, „Shining“, „Christine“, „Cujo“, „Der Feuerteufel“, „Der Talisman“ (zusammen mit Peter Straub), natürlich „Es“ – und auch Bücher, die er unter dem Pseudonym Richard Bachman schrieb, wie z.B. „Amok“, „Der Todesmarsch“ (da warte ich eigenlich auf eine Verfilmung) oder „Running Man – Menschenjagd“. Viele Bücher waren großartig, viele mittelmäßig und einige waren sogar ganz schlecht – aber das war egal. Wo King drauf stand, das MUSSTE einfach gut sein, selbst wenn ich es eigentlich anders empfand. Tatsächlich habe ich aber jetzt gerade beim Durchsichten einer Liste mit seinen Büchern oft feststellen müssen: „Ach, ja, das habe ich auch noch gelesen“, eben weil mich diese Bücher absolut nicht beeindrucken konnten.

Schlimmer war es mit den Verfilmungen seiner Romane. Alle schwärmten von „Carrie“ und „The Shining“, die mich aber ebenfalls nicht beeindruckten. Und ich ging zu einem Zeitpunkt ins Kino, da kamen anscheinend nur schlechte Stephen-King-Filme (wobei ich da schon einen Unterschied zwischen schlecht und trashig mache) heraus. „Kinder des Zorns“, „Cujo“, „Rhea M – Es begann ohne Vorwarnung“ (wo der Meister selbst als Regisseur tätig war), „Der Werwolf von Tarker Mills“ (wobei ich im Buch die Zeichnungen von Bernie Wrightson fantastisch fand), „The Last Stand“ (TV-Verfilmung). Ja, selbst die erste „Es“-Verfilmung (ebenfalls fürs Fernsehen – mit Stars, die ich gerne sah, wie John Ritter, Richard Thomas und Jonathan Brandis – und nicht zu vergessen mit Tim Curry als Pennywise) riss mich nicht vom Hocker. Es wurde viel verfilmt damals von Stephen King – und vieles ging in die Hose. Entweder man verfilmte ein schlechtes Buch und verfilmte es schlecht – oder man nahm ein gutes Buch und verfilmte es schlecht.

Erst „Friedhof der Kuscheltiere“ zeigte mir, dass man ein gutes Horror-Buch von Stephen King auch ausnahmsweise gut verfilmen konnte. Ja, „Stand By Me“ war vorher – und auch eine gute Verfilmung. Aber der Film basierte auf einer Coming-of-age-Kurzgeschichte mit null Horror, dafür mit Kindern, mit denen man sich identifizieren konnte.

Und dann kam „Misery“, der es sogar zu Oscar-Ehren brachte (wohlverdient: Kathy Bates als beste weibliche Hauptrolle). Da war ich vom Buch (deutscher Titel: „Sie“) begeistert – und der Film lieferte ebenfalls voll ab.

20th Century Fox

Spoilers ahead!!! Vorwarnung – ich gehe hier auf Inhalt von Buch sowie Film ein und setze voraus, dass man die Handlung kennt. Wer sich die Überraschung nicht verderben will, sollte nicht weiterlesen.

In „Misery“ geht es um den Bestseller-Autor Paul Sheldon, der nach einem Autounfall im verschneiten Colorado von Annie Wilkes gefunden und in ihr Haus gebracht wird. Glück im Unglück, sie ist eine ehemalige Krankenschwester. Unglück im Unglück, sie ist der größte Fan von Paul Sheldon – und noch dazu eine psychopathische Mörderin, die ihre Patienten tötete, ohne dass man ihr etwas nachweisen konnte. Als Annie erfährt, dass Paul ihre Lieblingsheldin Misery Chastain im letzten Band seiner Buchserie sterben lässt, rastet sie aus. Paul wird klar, dass er in diesem von der Außenwelt isolierten Haus nur überleben kann, wenn er nach ihren Regeln spielt. Und so setzt er sich an eine große, SCHWERE Royal 10 Schreibmaschine, bei der das „N“ fehlt, und schreibt an der Wiederauferstehung von Misery.

Ich möchte noch einmal betonen, dass die Schreibmaschine eine GEWICHTIGE Rolle sowohl im Buch als auch im Film spielt. Selbst die Wahl des richtigen Schreibmaschinenpapiers ist ein Thema.

Kommen wir nach dieser ausschweifenden Einleitung nun zum Grund dieses – mit einem Augenzwinkern zu verstehenden – Rants.

Vor kurzem kam ich an einem Buchgeschäft vorbei. In der Auslage waren jede Menge Bücher von Stephen King. Ich weiß jetzt nicht, ob das mit der Veröffentlichung seines aktuellen Buches „Fairy Tale“ zusammenhängt – oder ob sich der Verlag Heyne entschlossen hat, die alten Bücher neu herauszubringen. Auf jeden Fall fiel mir beim Cover von „Sie“ etwas auf.

Rodja Pavlik

Denn das da auf der Titelseite ist nämlich keine Royal 10. Im Grunde genommen ist das nicht mal eine Schreibmaschine! Das ist in Wahrheit eine aus Plastik gegossene Abscheulichkeit, die als Dekorationsgegenstand an eine Schreibmaschine erinnern soll. Nicht einmal einen Zeilenschalthebel hat die!

Ich stelle mir vor, wie Paul Sheldon im Finale die Schreibmaschine hoch hebt und sie auf Annie Wilkes Kopf niedersausen lässt – und dann die Schreibmaschine wie ein Gummiball abprallt und durch das Zimmer fliegt.

Nein, von so etwas würde sich eine Annie Wilkes nicht aufhalten lassen…

Ich frage mich, was sich die Cover-Designer von Heyne dabei gedacht haben? War das so ein kleiner Insider-Gag, dass man keine echte Schreibmaschine verwendet hat? Wurden sie auf Google nicht fündig? So ein Plastik-Dingens schaut nicht gerade vorteilhaft für einen Psychothriller aus…

Das auf dem Cover abgebildete „Modell“ erinnert mich übrigens an eine Govrland, eine Fantasie-Schreibmaschine, die Autor Richard Polt („The Typewriter Revolution“) in seinem Blog des Öfteren beschreibt.

Irgendwie schleichen sich diese Fake-Maschinen anscheinend immer mehr ins allgemeine Bewusstsein hinein. Und zwar so sehr, dass sie als echt wahrgenommen werden und z.B. als Referenzmodelle für Tätowierungen herhalten müssen, wie Richard Polt ebenfalls zu berichten weiß. Oh, was für ein Graus!

Ich hoffe wirklich, dass sich der Heyne-Verlag für eine neue Schreibmaschine als Cover-Modell entscheidet. Und bis dahin lasse ich Paul Sheldon das Ganze kommentieren…

Rodja


Edit 14.10.2022: Richard Polt hat auf seinem Blog bestätigt, dass es tatsächlich eine Govrland ist. Und er wies mich darauf hin, dass sie eher aus dünnem Blech als aus Plastik sein dürfte. Nach genauerem Betrachten der Fotos auf seiner Seite glaube ich das jetzt auch. Es würde trotzdem Annie Wilkes nicht aufhalten. Und Polt ist natürlich auch aufgefallen, dass das Geschriebene auf dem zerknüllten Papier ein Computerausdruck ist.

Youtuber Kolibri verlost eine Schreibmaschine

Seit einiger Zeit bemerke ich ein Erstarken der deutschen Schreibmaschinen-Szene. Vor allem Jüngere vernetzen sich – und das nicht nur beim I.F.H.B. und auf Facebook, sondern auch auch auf hipperen Plattformen wie Instagram, Discord oder Youtube.

Ja, vor allem deutschsprachige Youtuber schießen wie Schwammerln in die Höhe. Zugegeben, ich habe mich auch schon mal mit dem Gedanken gespielt, aber im Gegensatz zu mir machen die das tatsächlich!

© Kolibri

Einer davon ist Kolibri, der gerade die magische Zahl von 100 Followern überschritten hat. Zur Feier des Tages veranstaltet Kolibri ein Gewinnspiel und verlost eine Schreibmaschine, und zwar eine Optima Plana Tab von 1954 (inkl. Original-Holzkoffer).

Um an der Verlosung teilzunehmen, muss man einfach nur das unten stehende Video auf Youtube kommentieren. (Gegen ein kleines Abo zusätzlich hat Kolibri sicher auch nichts einzuwenden, also tut ihm den Gefallen.)

Zu gewinnen gibt es die Schreibmaschine, auch die Versandkosten innerhalb Deutschlands werden übernommen. Sollte jemand außerhalb von Deutschland gewinnen, so lässt sich da sicher auch eine – für beide Seiten – kostenschonende Möglichkeit finden. Einsendeschluss ist der 30. September 2022, die Verlosung findet dann Anfang Oktober statt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die genauen Bedingungen sind unter dem Video auf Youtube ersichtlich.

Ich wünsche dann einmal viel Glück (ich werd´s auch versuchen, eine Optima habe ich selbst auch noch nicht in den Händen gehalten).

Rodja

Field Writing Nr. 6: 480 m ü. A.

Vorsicht! Enthält Spuren von unbezahlter Werbung.

© Rodja Pavlik

Alle Wege führen auf die Jubiläumswarte. Nun, das ist nur teilweise wahr. Aber wenn man irgendwo am Satzberg oder am Hüttelberg im 14. Bezirk Wien-Penzing ausgesetzt wird und nur nach oben geht, dann trifft das wohl zu. Egal, ob man einen „kurzen“, stufenreichen Weg wählt oder entlang der mäandernden Straße nach oben geht – irgendwann steht man vor der 1956 erbauten Betonnadel am Gallitzinberg im 16. Bezirk (ich muss gestehen, dass ich nicht wusste, dass das schon Wien-Ottakring ist). Und jetzt sitze ich auf der Aussichtsplattform und tippe auf meiner Hermes Baby, die zwei Jahre älter als der Turm ist.

Und noch einen Spruch muss ich los werden. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Ich bin viel zu spät aufgebrochen – und nun sitze ich hier um 12 Uhr mittags auf der obersten Plattform, 480 m ü. A. – Meter über Adria (wieder was Neues gelernt – früher hieß das doch einfach nur „Meter über dem Meeresspiegel“, oder?). Und das noch dazu bei strahlendem Sonnenschein. Gottseidank habe ich vom letzten Mal Tippen im Gemeindebau etwas dazu gelernt: Sonnencreme und Sonnenhut mitnehmen.

Hitze spüre ich aber keine, denn dazu weht hier oben ein zu starker Wind. Dafür habe ich diese großen, schweren Krokodilklemmen vergessen, die man zwecks Beschwerung am Blattende befestigt. So fetzt es leider das Blatt Papier in der Schreibmaschine hin und her, dass es immer wieder nach vorne schlägt und vor die Typen gerät. Dann tippe ich unabsichtlich auf die Rückseite. Nein, so macht das Schreiben absolut keinen Spaß.

Ich mag die Gegend hier am Hüttelberg. Es gibt hier so viel zu sehen: Ob Hühner, schwedische Hausfantasien, Mini-Dioramen, opulente Mauer-Gemälde oder im Bambuswald lauernde Tiger. Ich glaube, ich werde diesen obskuren Details mal einen eigenen Field Writing Report spendieren.

Die ersten paar Male bin ich am Hüttelberg mit Nordic-Walking-Stecken raufgehirscht. Doch nicht heute. Heute bin ich sehr bedachtsam hier raufgewandert. Schritt für Schritt, das Gewicht des Rucksacks immer im Kopf. Vor allem, wenn ich auf Stufen unterwegs bin. Da zieht es schon einen nach hinten. Auf jeden Fall habe ich mir hiernach eine Stärkung verdient. Da bin ich vorhin am Kordon an einem Gasthaus vorbeigegangen. Ich glaube, nach der Sitzung hier werde ich mir dort etwas genehmigen.

Ach, ich vermisse Wandern. Vor Jahren bin ich mit einer Gruppe Freunden oft auf Touren gewesen. Nix Großartiges, was Höhenmeter angeht, aber mit Übernachten im Wald (ja, nicht ganz legal). Damit verbinde ich schöne Erinnerungen. Einfach in einer Gruppe schweigend wandern, manchmal Witze zur Auflockerung reißen. Das hat so etwas Zen-Buddhistisches an sich. Schritt für Schritt, der Weg ist das Ziel, die Gedanken nach innen gerichtet. Der Schweiß, der dazu gehört. Anfangs noch unangenehm, doch mit der Zeit vergisst man komplett darauf. Ach, good times…

© Rodja Pavlik

Ich war noch nicht sehr oft hier auf der Jubiläumswarte oben. Tatsächlich war ich das erste Mal vor einem Jahr hier oben, am 26. April 2021. An meinem 50. Geburtstag, quasi mein eigenes Jubiläum auf der Jubiläumswarte gefeiert – und das punktgenau. Damals war die Aussichtsplattform aufgrund von Corona-Lockdown-Maßnahmen noch gesperrt. Aber irgendwie hatte ich den Drang, da rauf zu müssen – und so überwand ich auch die Absperrung (die nicht wirklich diesen Namen verdient, aber ich muss sagen… elegant sieht anders aus, wie ich mich da rübergehievt habe). Ich war übrigens an dem Tag nicht der einzige.

Seitdem war ich noch zwei Mal hier oben, ein Mal sogar mit meinen Kindern. Heute, am 3. Juni 2022, ist es nun das vierte Mal. Eigentlich wollte ich schon am 26. April 2022 hier wieder sein, aber da war das Wetter zu grauslich. Auf nassem Papier lässt es sich nicht gut tippen – und einen Blitzschlag wollte ich hier oben auch nicht riskieren.

Heute habe ich einen Rekord aufgestellt – zumindest sage ich mir das augenzwinkernd so. Ich tippe wohl auf dem höchsten Punkt von Wien, der jemals mit einer Schreibmaschine betippt wurde. Also zumindest in den letzten 30 Jahren. (Beweist mir mal das Gegenteil!)

© Rodja Pavlik

Ich liebe den Ausblick hier. Höhe hatte schon immer etwas Faszinierendes und Verlockendes für mich – vor allem als kleines Kind. Immer, wenn ich irgendwo runterschaute, hatte ich sehr oft ein so merkwürdiges Nach-unten-ziehen im Gesicht und ein komisches Kribbeln in den Kniekehlen gespürt. So, als ob ich wissen wollte, wie sich das wohl anfühlen mag, einen Schritt ins Leere zu treten. Als ob die Schwerkraft mich zu einem kleinen Test auffordern würde.

Gottseidank habe ich nie auf meine inneren Stimmen gehört…

© Rodja Pavlik

Es ist einfach eine herrliche Aussicht. Zum einen über Wien, zum anderen über den Wienerwald. Als ich als Kind noch starke Fantasy-Tagträume hatte, bestritt ich in diesen Wäldern immer irgendwelche Abenteuer – und der Funkturm am Exelberg war entweder das Territorium des Feindes, das ferne Ziel einer Wanderung durch einen verwunschenen Wald, ein Überbleibsel von einem längst vergangenem Volk – oder ich musste jemand aus diesem Turm befreien. Für einen Träumer wie mich waren solche Aussichten ideal.

Heute kreuzen über mir schwere Passagiermaschinen den Himmel. Es hört sich arg an, wenn sie abbremsen und sich in den Landeanflug auf den Flughafen Wien-Schwechat begeben. So, als wäre ein Motor ausgefallen.

© Rodja Pavlik

Achtung, unentgeltliche Werbung!

Für den heutigen Field Writing Report bin ich wirklich mal ein Stückchen weit gegangen. Dafür habe ich mein Marschgepäck sorgfältig ausgewählt. Die Hermes Baby, weil sie leichter ist und das ideale Packmaß hat. Nur einen kleinen Reporterblock sowie den stylischen Drehgriffel – beides von Leuchtturm 1917, die ich mir beim Papierfachgeschäft Miller auf der Mariahilfer Straße gekauft habe. Von dort habe ich auch mein Ursus-Schreibmaschinenpapier (70 g/m²). Die Standard-Farbbänder (rot-schwarz) kaufe ich normalerweise auch dort ein – aber bei dieser Hermes Baby habe ich mich für ein grünes Farbband vom britischen Lieferanten Charlie Foxtrot Typewriters entschieden.

© Rodja Pavlik

Ich hätte mir den Dreibeinhocker ersparen können, weil es hier oben eh eine Sitzmöglichkeit gibt – und zwar sitze ich auf dem Sockel vom Münzfernglas. Da hätte ich mir einiges an Gewicht erspart. Aber sonst? Keine Ahnung. Wasserflasche und Sonnencreme waren Pflicht, auch ein bisschen Wegzehrung. Dann der Tisch, der zwar nicht sehr schwer und zusammenrollbar ist, aber dennoch… das Packmaß ist doch eher hinderlich. Da muss ich mir vielleicht noch etwas einfallen lassen, aber bei Campingtischen kenne ich mich nicht so wirklich aus.. Auch der Rucksack ist nicht gerade komfortabel. Der Hocker und der zusammengerollte Tisch kommen zwar irgendwie unter, das ist aber eher so behelfsmäßig und für eine länger Wanderung unpraktisch. Da muss ich mich auch noch nach etwas anderem umschauen.

Heute gab es komischerweise keine Reaktionen auf mein Getippse. Es gibt zwar einige Besucher der Plattform, aber die scheint es nur wenig zu überraschen, dass da jemand einen kleinen Tisch mit einer Schreibmaschine aufgebaut hat.

Nun sitze ich im BergGasthof am Kordon und genieße ein großes Himbeer-Soda. Dazu eine Rindssuppe und danach Knödel mit Ei. Ich war schon einmal hier und habe das damals sehr genossen. So einen Tag für sich allein zu haben kann schon sehr entspannend sein. Das hier ist nicht unbedingt ein würdiger Abschluss, aber einer, wie er sein soll. Ich weiß nicht, irgendwie bin ich heute zufrieden mit mir und der Welt. Ob ich das demnächst mit der Hubertuswarte im Lainzer Tiergarten versuche?

Rodja
FW-Report Nr. 6, 3. Juni 2022

© Rodja Pavlik

Ich hab dich durchschaut, (Hermes) Baby!

Wer jemals einen Brief von der Hanseatischen Analogpost-Gesellschaft bekommen hat, weiß, wie viel Freude diese Gruppe aus Hamburg dem Empfänger bereiten kann. Ich habe schon einmal Fanpost für diese Seite hier bekommen und rannte mindestens eine Woche mit einem fröhlichen Lächeln herum.

Nicht nur, dass die Briefe formvollendet geschrieben/getippt sind, nein, auch die Kuverts sind wundervoll und fantasiereich gestaltet. Oft zieren seltene, manchmal auch eigens kreierte Briefmarken diese. Es macht auch immer wieder Spaß, kleine, zusätzliche Geschichten auf den Umschlägen zu entdecken. Das ist echte, wahre Brief-Kunst!

Und doch habe ich mit dieser Überraschung hier einfach nicht rechnen können. Ich bekam (schon voriges Jahr, komme aber erst jetzt dazu, es entsprechend zu würdigen) einen Packen Röntgenfotos von einer Hermes Baby!!!

© Rodja Pavlik

Ich war vollkommen perplex – und ich kann mich noch erinnern, dass ich so laut losgelacht habe, dass meine Kinder fragend aus ihren Zimmern kamen. Weil ohne es selbst zu wissen, dass ich so etwas will, ja, sogar brauche, hat die Hanseatische Analogpost-Gesellschaft mir damit ein wunderschönes Geschenk gemacht…

Auf die (unbewusste) Idee bin ich eigentlich gekommen, als ich in den Urlaub (siehe hier und hier) geflogen bin und mein Handgepäck gescannt wurde. Da sah ich zum ersten Mal die Röntgenfotos meiner Schreibmaschinen – und ich war vollkommen fasziniert. Zwar verharrte die Security immer bei der Schreibmaschine etwas länger als bei anderen Gepäckstücken – aber nie lange genug, als dass ich schnell ein Foto davon schießen hätte können. Außerdem bezweifle ich, dass die Security das gerne gesehen hätte.

© Rodja Pavlik

Und nun das hier: Echte Fotos und digitale Aufnahmen einer Hermes Baby, aufgenommen in einer Arztpraxis. Es ist zwar nicht genau das Gleiche wie ein Foto von der Apparatur mit dem Scan vom Flughafen zu haben – aber ich muss sagen, dass ich jetzt wenigstens diesen selbstmörderischen Drang, mein Smartphone zu zücken und Fotos am Flughafen zu schießen, nicht mehr ganz so stark spüre.

Die Röntgenaufnahmen haben auf jeden Fall einen Platz an der Wand verdient. Ich überlege auch, ob ich mir nicht einen Lichtkasten und so einen Ärztekittel zulegen sollte – und dann stellt Euch das Intro von „Scrubs“ mit mir mal vor. (Nun, wie Ihr das jetzt aus Eurem Kopf bekommt, ist Eure Sache. ;-D)

Rodja

© Hanseatische Analogpost-Gesellschaft

„Geisterjäger John Sinclair“-Erfinder Jason Dark und seine Schreibmaschine

2015 hatte ich das Vergnügen, den deutschen Schriftsteller Helmut Rellergerd zu interviewen. Den meisten ist er wohl unter seinem Pseudonym Jason Dark bekannt. Als solcher ist er das Mastermind hinter der Romanserie „Geisterjäger John Sinclair“. Seit Jahrzehnten tippt er auf seiner Olympia Monica mehrmals im Monat pro Romanfolge je 100 Seiten. Selbst im Zeitalter des Computers tippt er lieber auf seinem „Hackkasten“, wie er die Schreibmaschine im Interview mit den Schreibmaschinisten leicht despektierlich nennt.

Die Vorbereitungen für das Interview verliefen damals sehr problemlos. Ich schrieb den Verlag Bastei Lübbe direkt an und erklärte, dass ich Jason Dark bezüglich seiner Arbeitsmethode interviewen wollte – und nach knapp zwölf Stunden bekam ich als Antwort seine Telefonnummer zugeschickt, Jason Dark wisse bereits Bescheid, ich könne ihn ruhig anrufen. So unbürokratisch, das war wirklich eine tolle Erfahrung. Leider hatte der Verlag aber nur das typische Headshot-Foto von Jason Dark – und keines mit seiner Schreibmaschine.

Nun hat mir ein Bekannter vor kurzem den Hinweis geschickt, dass es von Jason Dark eine Minifigur mit Schreibmaschine gibt. Das machte mich neugierig – und so stieß ich auf die Webseite Dergeisterjaeger.de, auf der in offizieller Kooperation mit dem Verlag „John Sinclair“-Merchandise wie Romanhefte, Tassen, Themen-Dinnerabende und vieles mehr kaufen bzw. buchen kann – unter anderem eben auch Figuren. Und so kam ich auch mit Jörn Brom, dem Betreiber der Site, ins Gespräch.

© dergeisterjaeger.de

Brom, der auch einen Webshop für Spezialeffekte für Film und Theaterproduktionen betreibt, erzählte, dass die Idee zu der Mini-Büste zusammen mit dem Autoren entstand. „Ich hatte damals Jason Dark zuhause besucht und irgendwie ist die ganze Sache dann zusammen geflossen.“

Die Figur wurde schließlich von Character Designer Hauke Scheer nach Ideen von Jörn Brom (im Bild rechts neben Autorenlegende Jason Dark) entworfen, der letztendlich die Serie auch produzierte.

© dergeisterjaeger.de

Wie auf dem Bild ersichtlich, hat Jason Dark eine weiße Olympia Monica auf dem Tisch – von früheren Fotos weiß ich aber, dass er auch eine grüne besitzt (die – ich weiß nicht wieso – von der Farbe her mehr an die 1970er erinnert). Die grüne Farbe wurde letztendlich auch für die Schreibmaschine der Mini-Büste verwendet.

Das Tüpfelchen auf dem i ist auf jeden Fall, dass Jason Dark die Büsten höchstpersönlich signierte.

© dergeisterjaeger.de

Von der Figur stellte Jörn Brom auch einen größeren Pokal her, der auf einer Convention 2018 auch als Preis an Jason Dark überreicht wurde.

Rodja