Field Writing

Durch den deutschen Journalisten und Autoren Gerhard Richter (hier im Bild) bin ich auf Field Writing gestoßen. Zugegeben, ich habe hier noch nicht so viel dazu veröffentlicht, aber es hat schon etwas, sich irgendwo draußen hinzusetzen, sich von der Umgebung inspirieren zu lassen und Gedanken dazu zu verfassen.

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© Gerhard Richter

Wobei ich unter „field“ nicht nur die Natur verstehe. Nein, ich sehe es mehr als „Feldforschung“, also Beobachtung im „natürlichen“ Kontext, und das kann im Wald, auf der Wiese, im Zug oder in der Stadt sein. Wobei das Tippen im städtischen Bereich etwas mehr Überwindung kostet. Ich bin halt nicht so die Rampensau vor Publikum.

Hier in diesem Video erklärt Gerhard Richter seine Sicht des Field Writing. Und da bekommt man auch gleich Lust, sich im Sportsakko auf ein Waffenrad zu setzen und gemütlich einen Wiesenweg entlang zu radeln. Ich kann schon den heißen, süßen Pfefferminztee riechen, den ich in einer Isolierflasche mithabe. Echt, ein besseres Testimonial für Field Writing als Gerhard Richter kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Seine Texte veröffentlicht Richter übrigens auf der Plattform Riffreporter.

Zugegeben, bei einer Hermes Baby, wie Richter und ich sie benutzen, reichen eigentlich die Oberschenkel und Knie als Unterfläche. Und so kann ich auch auf einem Dreibein sitzen und zwei, drei Seiten tippen. Das Dreibein und die Schreibmaschine kann ich auch einfach in einen Rucksack geben und damit  auf einen Berg oder eine steile Anhöhe gehen. Aber bequem und elegant ist was anderes.

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© Rodja Pavlik

Da ist Gerhard Richter, wie üblich, mit mehr Stil unterwegs. Er hat auf einem Flohmarkt eine russische Feldstaffelei für Maler gekauft und sich daraus einen Klappschreibtisch gebaut. Die Fächer darin hat er seinen Bedürfnissen angepasst. Das Fach für die Hermes Baby hat er sogar extra mit Kork ausgekleidet.

Der Tisch hat ausziehbare Teleskopbeine aus Aluminium. Damit kann der Field Writer den Tisch auch gut an einem Hang positionieren, indem er die Beine so ausfährt, dass sich trotzdem eine gerade Tischebene ergibt.

Ich bin ganz fasziniert von dieser Konstruktion, von diesem einfachen Umbau. Ich habe schon einige Bilder von mobilen Schreibmaschinen, die bereits von Haus aus auf Tripods stehen, in amerikanischen Foren gesehen, weiß aber nicht, ob es solche Modelle auch im deutschsprachigen Raum gab.

Natürlich begab ich mich gleich auf die Suche nach einer ähnlichen Staffel. Doch das ist gar nicht so einfach. Die meisten Staffeln, die ich gefunden habe, sind für Leinwandmalereien ausgelegt. Die haben dann so ausziehbare Streben, die die Leinwand halten können. Eine ähnliche Staffel wie im Video gab es dann auf Ebay – eine russische um 120 Euro, und dann welche, die aus China stammten, um 70 Euro (wobei es so aussah, als würden die auch erst von dort exportiert werden).  

Letztlich ist mir dann klar geworden, dass es sich nicht um Feldstaffeleien für Maler, sondern für Zeichner handelt. Zeichner brauchen einen Tisch, eine feste Unterlage. So ließe sich dann doch die strebenlose Box von Richter erklären. Und eine heiße Spur dürfte die – der Werbung nach legendäre – Marke Podolsk (oder Podolsk Art Center bzw. Podolsk Art Tsentr) sein. Von denen dürfte auch das Modell stammen, das Richter verwendet. Hier ist ein Link zu einem russischen Anbieter, der den Tisch um 6.290,- Rubel (umgerechnet ca. 75 Euro) anbietet. Was da noch an Versand und eventuell Zoll dazukommt… keine Ahnung.

Als Sitzgelegenheit benutzt Richter einen klappbaren Einbeinsitzhocker, den er ebenfalls am Flohmarkt erstanden hat.

Rodja

INFO: https://autor-gerhard-richter.de/; https://www.riffreporter.de/de/magazine/field-writing

Drehbuch schreiben auf der Schreibmaschine

Wie vielleicht einige wissen, komme ich eigentlich aus dem Indie-Film-Bereich (davor Amateurtheater, davor Kurzgeschichten – und davor sogar Comics). Ich bin halt ein Gschichtldrucker. Meine Leidenschaft, Geschichten zu erzählen, führte mich ja auch zur Schreibmaschine. Natürlich versuchte ich mich auch an Drehbüchern, fertige habe ich bisher aber nur am Computer erstellt.

Doch bevor es zum Drehbuch kam, schrieb ich mir zuerst Notizen und Ideen zusammen, bevor ich ein Treatment aufsetzte. Und in der letzten Zeit hat es sich bei mir eingebürgert, dass ich Notizen mit Füllfeder in ein Notizbuch (pro Geschichte ein eigenes Notizbuch) schreibe, dann auf Karteikarten mit der Schreibmaschine tippe, herumshuffle (dafür eignen sich steife Karteikarten eben besser als normales A4-Papier) – und dann ein Treatment mit der Schreibmaschine tippe. Wenn dieses fertig ist, wird dann am Computer das Drehbuch mit einem entsprechenden Programm geschrieben. Wobei ich eigentlich noch immer das uralte Makros-Programm PlotPot (wird man wohl so nicht mehr finden) der Amateurfilmgruppe Halufilm (gibt es schon lange nicht mehr) benutze, manchmal auch eine alte Gratis-Version von CeltX. Die Programme sind dazu da, den Text in ein bestimmtes Drehbuchformat zu bekommen.

Doch warum dieses Format? Nun, das hängt zum einen mit der Lesbarkeit zusammen. Der Text ist recht übersichtlich gegliedert, der Schauspieler findet seinen Text leichter, etc. Außerdem ermöglicht diese Formatierung die Faustregel „1 Seite Skript = 1 Minute Film“. Das bedeutet, dass, wenn man einem Produzenten ein 95-seitiges Drehbuch auf den Tisch knallt, er sofort weiß: „Okay, das reicht schon mal für die Laufzeit von einem Spielfilm.“

Das ist zwar keine exakte mathematische Formel, aber für eine Überschlagsrechnung reicht es.

Nun habe ich einen Clip von Youtuber Sven Hartig gefunden, der auch seinen ersten Drehbuchentwurf auf Schreibmaschine tippt (um dann beim Überarbeiten in ein entsprechendes Computerprogramm abzutippen). Hartig erklärt in seinem Video nun etwas lang und breit, wie er das Problem mit der Drehbuchformatierung auf einer Schreibmaschine mit Tabulatoren löst.

Kurz gesagt: Rand 3 (Szenennummer links), Tab 10 (Szenenüberschrift, Szenenbeschreibung), Tab 18 (Dialog), Tab 23 (Anmerkungen), Tab 28 (Rolle), Tab 54 (Szenenübergänge), Tab 62 (Szenennummer rechts).

Das knapp 31-minütige Video sollte man sich trotzdem nicht entgehen lassen, denn Hartig gibt auch einen Einblick in Drehbuchprogramme und erklärt, wie er vom Computer-Format auf das Schreibmaschinen-Format kommt, was funktioniert – und was nicht. So lässt sich halt auf der Schreibmaschine die Größe der Schrift oder das Schriftbild an sich nicht verändern (Anm.: Ausnahmen sind die elektrischen IBM Kugelkopfmaschinen, siehe dazu „Erik schreibt auf einer IBM Selectric II“).

Hartig benutzt für seine Zwecke eine mechanische Olympia SM 3, die erste aus der SM-Reihe mit Tabulatoren. Es ist das gleiche Modell, das auch der legendäre (und mittlerweile berüchtigte) Filmemacher Woody Allen benutzt, wie Hartig weiß. Die SM 3 hat auf der Rückseite sechs Tabulatoren, das reicht knapp für die Einstellungen fürs Drehbuchformat. Spätere Schreibmaschinen haben ein sehr viel feinmaschigeres Netzwerk an Tabulatoren – da könnte man auch 20 oder mehr Tabulatoren setzen. Aber wie gesagt, für’s Drehbuch schreiben reicht die Olympia SM 3, die ein wirkliches Arbeitspferd ist, erst einmal.

Gegen Ende des Videos erklärt der deutsche Youtuber auch seine Arbeitsweise – und warum für ihn das Tippen an der Schreibmaschine Sinn macht. Da er eben nicht sofort gleich alles spurlos löschen kann, führt ihn das Schreiben an der Schreibmaschine zu einem durchdachteren und auch ablenkungsfreierem Arbeiten. Außerdem meint er, dass er so sogar schneller arbeiten würde als am Computer. Das sind Beobachtungen, denen ich auch persönlich zustimmen kann.

Ich nehme an, dass das Arbeiten mit Tabulatoren anfangs etwas ungewohnt ist. Wann kommt „Rolle“, ist jetzt Dialog der zweite oder der dritte Tab-Stopp? Aber auch das Arbeiten mit einem Drehbuchprogramm ist anfangs etwas beschwerlich, wenn man nur das Schreiben in Word gewohnt ist. Ich bin mir sicher, dass man das Benutzen der Tabs nach kurzer Zeit auf der Schreibmaschine blind beherrscht. Auf jeden Fall habe ich Lust, das auf meiner Olympia Monica de Luxe auszuprobieren.

Rodja

INFO: http://www.svenom.de; Sven Hartigs Youtube-Channel

Ein erfrischender Zufallsfund

Als ich heuer auf Urlaub nach Salzburg fuhr, musste ich mir den Wanderrucksack von meinem 2010 verstorbenen Vater von meiner Mutter ausborgen. Ein Ding, das sicher aus den 1980ern stammt. Keine Einteilung, einfach nur ein Sack zum Zusammenschnüren und ein Metallgestell innen drinnen (so typisch für die 80er). Mit dem Rucksack ging mein Vater oft Schwammerln suchen. 

Seit dem Tod meines Vaters lag der Rucksack unbenutzt in einer Ecke in irgendeinem Schrank herum. Als ich ihn nun öffnete, fand ich altes Zeug vor wie diese drei Erfrischungstücher von Lavex. Und irgendwie habe ich den Verdacht, dass die Tücher noch um einiges länger in dem Rucksack drinnen waren. 

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© Rodja Pavlik

Auf zwei Verpackungen der Feuchttücher sieht man einen Zugreisenden sowie einen Skisportler. Bei dem einen dürfte die Klimaanlage im Zugabteil ausgefallen sein, den anderen dürfte das Après Ski ordentlich mitgenommen haben. Ich bin zwar nicht der Kenner, aber vom Gefühl her würde ich das in die Werbeikonographie der Mitt-70er bis Mitt-80er einordnen. Außerdem steht da noch ein „Made in W-Germany“, das sah ich aber auch noch auf Produkten, die nach der Wiedervereinigung Deutschlands fabriziert wurden.

Als Schreibmaschinen-Fan erregte besonders das dritte Erfrischungstuch meine Aufmerksamkeit. Auf der Hülle sieht man eine Sekretärin an einer Schreibmaschine, die sich angesichts der brummenden Wirtschaftslage – angezeigt durch die steil nach oben gehende Wirtschaftsstatistik im Hintergrund – den Schweiß von der Stirn wischt. Wahrscheinlich muss sie aufgrund der vollen Auftragsbücher wieder einmal Überstunden machen und tausende Briefe tippen. Aber das alles zaubert ihr nur ein wissendes Lächeln ins Gesicht.

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© Rodja Pavlik

Irgendwie erheiterten mich die drei Bilder. Während die Herren der Schöpfung sich bei der Zugreise und beim Skisport verausgaben, ist die Sekretärin die einzige, die tatsächlich arbeitet.

Man könnte natürlich auch sagen, dass die Auftragsbücher nur deswegen so voll sind, weil der Geschäftsreisende im Zug von einem Deal zum nächsten fährt, während der Skisportler seine Geschäftspartner unter den Tisch säuft bzw. über selbigen zieht.

Rodja

Eine Schreibmaschine von LEGO

Warnung! Dies ist kein Spielzeug! … Na ja, zumindest nicht für Kinder.

Die Idee zu einer LEGO-Schreibmaschine geisterte ja schon einige Jahre hier herum – doch nun ist es soweit. Gestern, am 9. Juni, hat der Klemmbaustein-Hersteller aus dem dänischen Billund bekanntgegeben, dass offiziell am 1. Juli (für VIP-Kunden bereits ab 16. Juni) ein solches Set auf den Markt kommt.

Der Artikel stammt aus der LEGO Ideas Serie. Das bedeutet, dass ein LEGO-Fan eine Designidee auf der Plattform von LEGO Ideas einreicht. Dann stimmt die Community über das Projekt ab. Je erfolgreicher das Projekt ist, desto besser. Nach Abschluss des Votings setzt sich LEGO mit dem Design auseinander und entwickelt das Produkt zur Serienreife.

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© LEGO – Eine Hommage an die Schreibmaschine

Das ursprüngliche Design stammt vom Briten Steve „The Brick Consultant“ Guinness, der den Prototypen der Schreibmaschine bereits 2018 einreichte. „Ich wollte etwas vollkommen anderes erschaffen, etwas, das LEGO vorher so noch nie kreiert hat. Etwas, das zeigt, dass man mit LEGO einfach alles machen kann“, so Guinness in einem Interview. Zu Recherchezwecken kaufte er sich extra eine alte Schreibmaschine, deren Mechanismus er genau studierte. „Ich hoffe, es erweckt in älteren LEGO-Fans wie mir etwas Nostalgie – und in jüngeren Fan, die vielleicht noch nie eine richtige Schreibmaschine gesehen, so etwas wie Staunen und Neugierde darauf.“ Weiterentwickelt wurde die Schreibmaschine dann von den LEGO-Designern Wes Talbott und James May.

Das 2.079-teilige Set ist – wie man wohl sieht – nicht als Spielzeug gedacht, sondern als Modell. Als Altersgruppe wird auch 18+ angegeben. Es stellt eine dreireihige Fantasie-Schreibmaschine (die Ziffern-Reihe wurde eingespart) mit der englisch-sprachigen QWERTY-Tastenreihe dar. Die Tasten sind voll beweglich und gehen nach Tastendruck auch wieder in ihre Ursprungsposition.

Natürlich ist es keine richtige Schreibmaschine, sondern soll nur die Funktionsweise andeuten. So sind eben keine richtigen Typen vorhanden, die die Buchstaben durch ein echtes Farbband auf Papier pressen. Und wenn man genau hinsieht, so wird nur der mittige Typenhebel nach vorne katapultiert. Allerdings bewegt sich der Wagen mit jedem Tastendruck nach vorne. Auch lässt sich Papier „einspannen“. So weit ich das aber vom Video beurteilen kann, dürfte die Mechanik des Zeilenschaltens nur angedeutet sein (da kann ich mich aber auch irren). Und ob der Zeilenschalthebel einen festen Ruck aushält?

Auch bin ich neugierig, ob LEGO das Element der Glocke berücksichtigt hat. Ich bezweifle es, weil da hätte LEGO mit einem anderen Material als Plastik arbeiten müssen. Aber so ein helles Ping am Ende der Zeile… das hätte schon etwas.

Als zusätzliche Gimmicks gibt es eine Imitation eines Farbbandes sowie einen in Schreibmaschinen-Form geschriebenen Brief von LEGO-Geschäftsführer  Thomas Kirk Kristiansen in mehreren Sprachen, den man einspannt – und so die Illusion einer funktionierenden Schreibmaschine vervollkommnen kann.

Das Set „Typewriter“ wird mit der Nummer 21327 herauskommen und rund 200 Euro kosten. Gut, dafür könnte man mindestens vier echte, gut funktionierende Schreibmaschinen kaufen – dennoch finde ich es eine gelungenen Hommage an mein liebstes Schreibgerät. Auf jeden Fall besser als jene Plastik-Tippsen aus China, die vor einigen Jahren auf den Markt kamen, die tatsächlich schreiben konnten (aber trotzdem ein größerer Witz sind).

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© LEGO – Sicher ein begehrtes Sammelobjekt

Ich persönlich finde die Idee, die LEGO da verfolgt hat, ganz, ganz toll. Bin mir allerdings nicht ganz sicher, ob ich mir das Set leisten werde – vor allem, da man für das Geld gleich mehrere funktionierende Schreibmaschinen bekommen kann. Andererseits habe ich schon einen Haufen Schreibmaschinen-Accessoires – also warum nicht dieses auch? Na, über meine endgültige Entscheidung werdet Ihr eh hier lessen.

Der ideologische Wert dieses Sets ist aber nicht zu unterschätzen. LEGO hält mit diesem Produkt das Andenken an die Schreibmaschine am Leben. Es kann auch zu einem kurzlebigen Hype führen – vor allem, wenn man sich ansieht, wie viele Videos, Kommentare und Blog-Artikel zur LEGO-Schreibmaschine seit der offiziellen Bestätigung durch LEGO allein seit gestern herausgebracht wurden. Das ist ein Wahnsinn! Da sieht man, wie heiß ersehnt dieses Projekt war, welche Emotionen eine Schreibmaschine – und sei es nur als LEGO-Produkt – auslösen kann. Und vielleicht führt es dazu, dass sich LEGO-Kunden dann auch mit einer echten Schreibmaschine auseinandersetzen. Das wäre eine win-win-Situation.

Rodja

PS: Ich möchte daran erinnern, dass es noch immer kein Schreibmaschinen-Emoji gibt.

PPS: LEGO stammt von den Wörtern „leg godt“ ab. So heißt auf Dänisch „spiel gut“. Etwas, das mir meine dänische Freundin vor Urzeiten mal erklärt hat. Vielen Dank dafür, Solveig.

Ronny Rindler und der Freewrite, Teil 2

Der Freewrite? Das Freewrite?! Keine Ahnung, welcher Artikel da jetzt passt. Nachdem es ja eigentlich ein abgespeckter Computer ist, tendiere ich zu „der“. Das Gerät habe ich hier ja schon des Öfteren vorgestellt. Eigentlich würde mich das Ding ja schon sehr reizen… aber es ist mir doch einfach zu teuer. Und nachdem man den Freewrite nicht so einfach hierzulande antesten kann, sondern quasi blind aus den USA bestellen muss, habe ich vor einer Investition letztendlich zurückgescheut (obwohl ich das Geld bereits ausgelegt habe – aber letztendlich überwogen die Zweifel und ich zog mein Investment wieder zurück). Dennoch… die Versuchung ist stark.

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© Astrohaus

Einer, der sich den Freewrite geleistet hat, ist der in Wien lebende Schreibcoach und Autor Ronny Rindler. Ich durfte schon einmal ein Video von ihm hier posten, in dem er den Freewrite vorstellt. (Und er interviewte mich auch zum Gebrauch der Schreibmaschine hier.)

Nun hat Ronny vor einiger Zeit ein weiteres Video zum Freewrite gepostet. Anlass war der NaNoWriMo, der National Novel Writing Month, in dem Autoren den ganzen November Zeit (in Zahlen: 30 Tage!!!) haben, einen Roman mit mindestens 50.000 Wörtern zu verfassen. (Nicht irritieren lassen, der National Novel Writing Month ist auch international schon eine Institution geworden.) Aufgrund des NaNoWriMo konnte Ronny den Freewrite wieder auf Herz und Nieren (in diesem Fall wohl Platinen und Chips) testen und nun ein umfangreicheres Fazit auf Video abliefern. Enjoy!

Rodja

INFO: Ronny Rindler: https://www.rindlerwahn.de. Auf Youtube: RINDLERWAHN schreibverrückt

6 nützliche Tipps für die Schreibmaschine

Woran merkt man, dass Schreibmaschinen beliebter werden? Nun, zum einen daran, dass die Preise auf diversen Gebraucht-Plattformen langsam anziehen. Und zweitens, dass es Youtuber gibt, die sich mit dem Thema beschäftigen. Im englischsprachigen Raum gibt es die schon länger, aber hier im deutschsprachigen Raum sind mir erst vor kurzem gleich zwei Vlogger aufgefallen. Was ärgerlich ist, weil ich eigentlich auch ein paar Videos machen wollte. Aber jetzt habe ich ja keinen Grund mehr dazu. Pfffff….

Aber zurück zu den deutschen Vloggern. Bei diesen handelt es sich zum einen um Kolibri, der sich auf Schreibmaschinen aus der ehemaligen DDR zu spezialisieren scheint, und zum anderen um BADULAI, der Schreibmaschinen vorstellt, aber auch Tipps gibt.

Und sechs recht bemerkenswerte Tipps hat BADULAI in diesem englischsprachigen Video hier zusammengestellt.

An und für sich spricht BADULAI deutsch, warum er hier aber auf Englisch switcht, entzieht sich meiner Kenntnis. Dennoch sind die Tipps leicht zu verstehen – und ich muss zugeben, dass ich ein bisschen baff bin. Ich habe eigentlich nur einen Trick davon gekannt (Stichwort: Lineal) – und einen zweiten Trick kannte ich in der Theorie, aber erst durch diesen filmischen Beitrag wurde mir klar, wie er anzuwenden ist (Stichwort: fehlender Buchstabe – obwohl… Korex oder Tipp-Ex verwend ich nimmermehr). Dafür ein ganz großes Danke an BADULAI.

Auf jeden Fall habe ich die beiden abonniert und freue mich über weitere Beiträge.

Rodja

Erik schreibt auf einer IBM Selectric II

Hand auf’s Herz: Wie viele haben schon bei der Überschrift eine Schnappatmung bekommen? Kaum hängt an einer Maschine ein Stromkabel, so ist sie für viele Schreibmaschinen-Fans unattraktiv. Auch Richard Polt bricht in seinem „Typewriter Revolution“-Buch nur sehr bedingt eine Lanze für die elektrischen Maschinen. 

Im Prinzip kann ich es für elektronische Maschinen noch verstehen, auch wenn selbst diese Plastikbomber mit ihren Typenrädern ihre eigenen Fans haben. Alleine schon dieser seltsame Klang wenn das Rädchen gedreht wird und die Plastiktype auf das Papier trifft. Und trotzdem sind selbst diese Maschinen entschleunigender und die Schriftstücke brauchen mehr Hirnschmalz als bei irgendwelchen Computer-Pamphleten.  

Ich weiß, dass viele gerade diese wunderbare mechanische Eleganz der stromlosen Maschinen schätzen, aber wie sehr ist eine IBM Selectric erst ein Wunderwerk der mechanischen Technik? Eine Kugel, die gedreht und in vier verschiedenen Neigungswinkeln präzise das Papier erreichen muss? Filigraner kann Schreibmaschinentechnik fast nicht werden und nicht umsonst verzweifeln viele Hobbybastler an einer Selectric.  

© Eric Schlicksbier

Für mich erfüllt sie aber zwei ganz andere, elementare Zwecke. Zum einen bin ich ein absoluter Schriften-Fetischist. Schreibmaschinen mit der Pica-Schrift, egal wie selten ein Model sein mag, kann man mir nachwerfen und sie interessieren mich nicht. Abseits der Pica wird es spannend, was bei mir zunehmend zu einem Platzproblem führt. Bei einer IBM Selectric kann ich alle Schriften in einer Maschine haben — ich muss nur den Kugelkopf gegen den einer anderen Schrift austauschen, was auch wunderbar mitten im Text geht. So was eignet sich hervorragend um Zitate oder Zwischenüberschriften hervorzuheben oder Wörter durch kursive Auszeichnung hervorzuheben.

Apropos kursiv: Eine kursive Schrift ist noch immer mein Traum auf einer mechanischen Maschine. So was aber in einer haptisch vernünftigen Maschine in gutem Zustand und zu einem bezahlbaren Preis zu finden, gleicht fast einem Sechser im Lotto. Für die IBM kostet so eine Schrift in den geneigten Börsen nur ein paar Euro. 

© Eric Schlicksbier

 Nicht alles wurde von IBM perfekt designt. Die Schreibschrift fällt gerade in den Buchstaben „g“ und „f“ ganz deutlich im Vergleich zu den beiden RaRo-Schreibschriften (RAnsmeyer ROdrian Schriftengießerei) ab. Und bei dem „t“ der Dual Gothic fragt man sich endgültig, was die Designer da geritten haben mag. Angesichts der verfügbaren Schriften ist das aber Klagen auf hohem Niveau.

© Eric Schlicksbier

 Der andere Zweck, den sie für mich erfüllt, ist das schnelle Schreiben von Briefen. Ich muss zugeben, dass das eine sehr persönliche Problematik ist. Ich werde vielleicht nie verstehen können, wie Menschen es schaffen, auf einer mechanischen Maschine im 10-Finger-System brauchbar zu schreiben. Ich bekomme mit vielen Fingern nicht den notwendigen Druck hin, bzw. scheitere am richtigen Rhythmus so dass sich die Typen nicht ständig miteinander verhaken. Auch wenn ich auf einer mechanischen Maschine schnell zu schreiben vermag, so kommt es nicht im geringsten an meine Geschwindigkeit an einer IBM heran. Als zusätzlicher Bonus lassen sich Vertipper auch nahezu spurlos von dem Papier tilgen — egal, ob das Papier weiß ist oder nicht. 

© Eric Schlicksbier

 Neben den ganzen rationalen Gründen habe ich aber auch eine emotionale Bindung zu den Selectric Modellen, die mich vielleicht wohlwollender auf solch elektrischen Maschinen blicken lässt. Mein Vater war Chefarzt in einer Kinderklinik und fast immer wenn wir gemeinsam in der Stadt oder auf dem Markt unterwegs waren, wollte er „mal eben“ nach dem Rechten schauen oder hatte „nur kurz“ was zu erledigen. Nicht immer konnte ich bei den Visiten und Untersuchungen dabei sein und dann hat er mich immer in seinem Vorzimmer geparkt, wo ich die Selectric seiner Sekretärin für mich entdeckt hatte. Zwar kannte ich Schreibmaschinen von zu Hause, wo wir eine Olympia Color-Tip S, eine Olympia SF und eine elektrische Triumph Gabriele 5000 hatten, aber sie waren allesamt nicht vergleichbar mit der Magie und dem Klang eines rasenden und ratternden Kugelkopfes. Als die Leidenschaft für Schreibmaschinen wieder neu entfachte, war klar, dass irgendwann auch eine Selectric auf meinem Schreibtisch stehen musste.

© Eric Schlicksbier

Dieses Jahr habe ich mich dazu entschieden, Schreibmaschinen auch wieder beruflich zu nutzen. Als Fotograf und Podcaster muss ich immer wieder Konzepte und Texte erstellen. Ideen wollen gesammelt und ausgearbeitet werden. Allerdings bleibt die Selectric dafür ausgeschaltet und ich greife meist zu meiner Olympia SM3 mit der Congress Perl Elite Schrift (zu der vielleicht zu späterer Zeit mal mehr). Der Schreibfluss ist bei der Ausarbeitung solcher Konzepte ein völlig anderer. Längere Pausen des Nachdenkens sind nichts seltenes und in diesen Situationen bekommt das Grundsurren des Motors einer Selectric fast schon etwas Spöttisches: „Was? Du kommst schon wieder nicht weiter? Du musst schon wieder überlegen? Steckst Du fest?“. Eine mechanische Maschine wartet hingegen treu geduldig, bis die nächste Taste betätigt wird — egal, wie lange das dauern mag.

Erik

INFO: https://www.schlicksbier.com/

Andreas schreibt auf einer Mercedes Superba

Anm.: Als ich die Rubrik „… schreibt auf einer…“ kreierte, hoffte ich, anderen Leuten Lust auf die Schreibmaschine zu machen. Was ich jedoch nicht bedachte… Ich könnte mir selbst Appetit auf neue Schreibmaschinen holen. Autor Andreas Freiherr Mattes von Rothenstein, der freundlicherweise zum zweiten Mal einen Beitrag für diese Kategorie geschrieben hat, hat mich ja schon auf eine Adler „angespitzt“. Und auch beim vorliegenden Artikel denke ich: „Mann, ich muss die mal ausprobieren!“

Komischerweise denke ich das jetzt auch bei einer elektrischen IBM Selectric, von der mir ein anderer Bekannter so vorschwärmt (Du! Ja, DU!!! Du weißt genau, dass ich Dich meine!!!). All diesen wunderbaren Menschen möchte ich ein aufrichtiges „Danke! Und F.U.!!“ ausrichten. ;-D Doch nun zurück zum eigentlichen Artikel.

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Kurvenreich und doch geradlinig? Kann das sein?

Memo an mich selbst: Stöbere nicht so viel im Internet nach Schreibmaschinen. Andererseits wäre mir dann diese Schönheit entgangen. Sie ist für mich eine der schönsten Kleinschreibmaschinen, die ich bisher gesehen habe. Und sie sieht nicht nur elegant aus, sie schreibt auch so. Die Mercedes Superba. Ein genaues Baujahr konnte ich nicht festlegen, irgendwann um 1940 herum dürfte sie hergestellt worden sein. Bis 1954 wurde sie von den Mercedes-Büromaschinen-Werken in Zella/Mehlis gebaut. Als ich sie auf den Fotos vom Verkäufer sah, dachte ich: „Huch, was ist das denn?“ Solch eine geschlossene Schreibmaschine hatte ich noch nie gesehen.

© Andreas Mattes

Meistens liegt das Typensegment ja offen und man kann den Typen bei ihrem Auf und Ab zusehen, wenn sie ihre Abdrücke aufs Papier bringen. Aber hier ist alles geschlossen, beim Schreiben tauchen die Typen nur einen kurzen Moment auf und verschwinden dann wieder im Gehäuse. Scheinbar fühlte sich der ein oder andere Büromensch durch die Bewegung der Typen beim Schreiben irritiert und ein schlauer Ingenieur sorgte für Abhilfe, in dem er die Schreibmaschine mit einem geschlossenen Deckel versah. Unter dem Deckel ist ein Filzpolster angebracht, welches zusätzlich die Tippgeräusche dämpft, man sieht also keine „zappelnden“ Typen und hört auch recht wenig von ihnen, was das Schreiben für alle im Raum Anwesenden wesentlich erträglicher macht. Auf unsere beiden Hunde wirkt das rhythmische Geklackere sogar schlaffördernd, ihre Schnarchgeräusche sind auf jeden Fall lauter als die Schreibmaschine.

© Andreas Mattes

Als mir die Maschine angeliefert wurde, war sie im originalen Holzkoffer, in dem sie wohl die meiste Zeit ihres Daseins verbracht hatte. Eigentlich hatte sie keinerlei Staub angesetzt, der Lack war schwarz wie die schwärzeste Nacht, einzig das kleine Schildchen für die Farbbandauswahl war abgelöst. Dieses erinnert mich irgendwie an die Flagge Frankreichs. Ein paar Tropfen Kleber und es war wieder an seinem Platz, unter dem schwarzen, gewölbten Deckel. Einmal mit der Druckluftpistole vorsichtshalber die Schreibmaschine ausgeblasen, eine Grundreinigung der Tasten, dann ein paar Tropfen Öl und ein neues, zweifarbiges Farbband eingelegt und sie war schreibfertig.

© Andreas Mattes

Ich bin begeistert von ihrer Formschönheit, die so selten zu sehen ist, sie ist ein wahrer Augen- und Ohrenschmaus und es macht richtig, richtig Spaß auf ihr zu schreiben, denn sie lässt sich sehr weich „anschlagen“.

Für die Einstellung der Papierränder kippt man das Blech mit der goldenen Schrift „Mercedes“, an dem die ausklappbare Papierstütze befestigt ist nach vorne und gelangt so an die Randsteller, die ansonsten nicht zu sehen sind. Kommt man dann beim Schreiben an den Punkt wo es nicht mehr weitergeht, man aber mehr will, drückt man vorne, links oben über der Eins, einen gerändelten Knopf und kann dann bis zum Blattende weiterschreiben. Rechts außen am Gehäuse befindet sich ein ebenfalls gerändelter Drehknopf, mit dem man die Farbbandrollen umspulen kann, wenn eine Rolle während das Schreibens abgespult sein sollte.

© Andreas Mattes

Was sofort ins Auge springt, sind die roten Umschalttasten links und rechts an der Tastatur, die wunderbar aus dem glänzenden Schwarz hervorstechen. Aber nicht nur das Schreiben auf ihr macht Spaß, es ist auch eine Freude sie nur zu betrachten. Es soll tatsächlich Menschen geben, die finden Schreibmaschinen ästhetisch und der bloße Anblick einer solchen bringt die Augen zum Leuchten. Ich gehöre definitiv dazu.

Andreas

INFO: Autoren-Site von Andreas Freiherr Mattes von Rothenstein auf Facebook: https://www.facebook.com/ScriptoriumPoetas

Andreas schreibt auf einer Adler 7

Jede Dummheit findet einen, der sie begeht

Bisher fand ich Schreibmaschinen eher zum Sterben langweilig. Nie habe ich mir darüber Gedanken gemacht. Genauso wenig wie über Briefmarken. Briefmarkensammler fand ich sowieso immer irgendwie seltsam. Dass man aber auch Schreibmaschinen sammeln kann, erfuhr ich erst unlängst am eigenen Leib. Und das kam so:

Mitte des Jahres habe ich die kleine Kindergeschichte „Die Rückkehr der verlorenen Träume: Eine kleine Geschichte, nicht nur für kleine Ritter“ in Buchform über den Buchhandel veröffentlicht, so mit allem Drumherum, mit Verlag, Druckerei, Pressebericht und allem was dazu gehört. Und da ich eigentlich immer schon gerne geschrieben habe und auch im Internet mehr oder weniger anonym bereits mehrere Gedichte und kleinere Texte veröffentlicht habe, schimpfte ich mich, nach dem ich das erste, eigene Buch in den Händen hielt, stolz „Autor“. Und was gehört unbedingt zu einem richtigen Autor? Richtig, eine Schreibmaschine. Aber, dass eine Schreibmaschine unbedingt zu mir gehört, wusste ich eigentlich erst, als ich zufällig auf einer bekannten Internet-Auktionsplattform über eine aus den frühen 1930er Jahren stolperte. So etwas musste her, nur aus Jux und nur zur Dekoration und zum Angeben.

Zuvor wusste ich nicht einmal, dass es so etwas überhaupt noch gibt. Über diesen Fund war ich höchst erfreut und auch im Glauben, etwas höchst Seltenes entdeckt zu haben. Aber dem war nicht so, denn alte Schreibmaschinen gibt es noch wie Sand am Meer und so kam dann diese alte Mercedes Modell Nr. 6 zu mir aufs Sideboard. Aber sie tat nichts, außer gut aussehen, so ganz in Schwarz mit dem gewissen Etwas. Irgendwann dachte ich so bei mir, es wäre sicher toll, auf einer solch betagten Maschine zu schreiben. Und dieser Gedanke war bereits der Beginn einer Virusinfektion, die man nicht unterschätzen sollte. Langer Schwede, kurzer Finn, es kamen mehr und mehr funktionierende Schreibmaschinen hinzu.

Ich konnte alle wirklich für einen angebissenen Apfel und ein Ei im Internet erwerben, ok, manche kosteten zwei Äpfel und mehrere Eier, aber alles hielt sich im Rahmen. Die meisten waren Reiseschreibmaschinen im Koffer, aus den  50er/60er Jahren, die ich allein wegen der Optik ansprechend fand. Die Geschichten dahinter erforschte ich erst danach. Und dann fielen mir die Schreibmaschinen nur so zu, überall in meiner näheren Umgebung wurden welche angeboten, da konnte ich nicht „Nein“ sagen, zumal der Preis mir ein „Nein“ unmöglich machte. Nun hatte ich auch Schreibmaschinen von 1930 – 1940, die nicht nur toll aussahen, sondern auch tadellos funktionierten. Es sind keine spektakulären Maschinen, dafür gibt es weitaus wertvollere und seltenere, aber spektakulär müssen sie ja auch nicht sein.

Irgendwann vermittelte mir ein auf Facebook befreundeter Schreibmaschinist diese Adler 7, auf der ich gerade schreibe. Die Adler 7 war mir bereits ein Begriff, aber näher befasst hatte ich mich damit noch nicht. Sie wurde ihm angeboten, damit sie nicht beim Schrotthändler landet, aber er lehnte aus Platz- und Zeitgründen ab. Also schrieb ich der Besitzerin eine Mail, handelte einen Preis aus, nicht mehr als ein Menü bei McDonald’s für zwei Personen und bat sie, die Maschine gut zu verpacken, da sie ja versendet werden musste. Sie kam aus der Nähe von Bonn und ich wohne ihm Saarland. Ich schrieb, dass es schade um die Maschine wäre, wenn sie solange überlebt hätte und jetzt vom Paketdienst ein vorzeitiges Ende bereitet bekäme.

© Andreas Mattes

Dann kam es wie es kommen musste und die Vorbesitzerin brachte das Paket mit der Maschine zum Versandshop, wo das Paket dann, immerhin elf Kilogramm schwer, von der Angestellten vom Tresen unsanft auf den Boden befördert wurde, bevor der Zusteller es zu mir beförderte. All dies schrieb mir die Vorbesitzerin in einer Mail und hoffte, dass nichts kaputt ging. Gott sei Dank war dem auch so, die Maschine hatte Sturz und Transport unbeschadet überstanden.

© Andreas Mattes

Und da stand sie dann vor mir, eine der legendären Adler 7 von 1914, die alleine durch ihr schickes Aussehen, schwarz mit goldfarbenem, geschwungenem Schriftzug, beeindruckte. Leider funktionierte sie nicht auf Anhieb, aber mit einem stolzen Alter von einhundertsechs Jahren darf man auch mal ein Zipperlein haben. Da ich mich mittlerweile ein wenig in die Technik der Maschinen eingelesen hatte, war das Zipperlein auch schnell behoben und sie hätte funktioniert, wenn…. ich ein passendes Farbband gehabt hätte. Farbbänder dieser Maschinen haben nicht die 13mm Breite wie die meisten neueren Maschinen, sondern 25mm Breite. Dazu fand ich nichts Passendes im Internet, bis ich einen Tipp bekam, dass es Drucker gäbe, mit 25mm Farbband. Ich wurde dank Google gleich fündig und spulte das neue Farbband nach Erhalt auf die alten metallenen Farbbandspulen der Adler 7 um. Dass das bestellte Farbband 50m lang war, ich aber lediglich höchstens 10m bräuchte, war mir gleich, ich kürzte es auf die benötigte Länge. Also fädelte ich das neue Farbband auch in die Farbbandgabel ein und tat erst einmal nichts, außer ehrfürchtig vor der Maschine sitzen und sie zu bestaunen. Für all die Hebel und Rädchen dachte ich, benötigt man ja einen Maschinisten-Lehrgang.

Sie sah so ganz anders aus, als alles was ich bisher in und auf meinen Regalen hortete. Und auch die Anordnung der Buchstaben auf der Tastatur war anders. Die Adler 7 hat nur drei Tastenreihen, anstatt der gewohnten vier Reihen. Selbst einige Buchstaben sind anders angeordnet und nicht da, wo sie üblicher Weise zu finden sind. Das erschwert das Schreiben damit, weil man eigentlich mehr sucht, als tippt. Vielleicht kommt daher der Ausdruck „ADLER-Such-System“, wer weiß.

© Andreas Mattes

Und auch die Funktionsweise der Adler 7 ist anders, dort, wo sonst Typenhebel sitzen, hat sie Stoßstangen, die bei jedem Tastenanschlag pfeilgerade vorschnellen, wie die Zunge einer Schlange und ebenso schnell wieder zurückschnalzen. Und nimmt man den  schweren Verkleidungsdeckel mit dem goldenen Schriftzug ab, sieht sie aus wie ein Ungetüm aus grauer Vorzeit.

Einhundertsechs Jahre stehen da nun vor mir und ich überlege, wer damit wohl schon in all den Jahren geschrieben hat. Sicherlich auch den einen oder anderen Liebesbrief. Naja, aber wozu braucht man ein ¾ Zeichen oder ein ½ Zeichen oder  ein ¼ Zeichen in einem Liebesbrief? Entweder man liebt ganz oder gar nicht, aber nicht in Brüchen. Wie dem auch sei, ich liebe diese Maschine jetzt schon, obwohl sie mich zur Verzweiflung bringt, aber das tut meine Ehefrau ja auch und ich liebe sie.

Und dann fange ich an zu schreiben, erst zaghaft, dann kräftiger und sie funktioniert. Sie gibt mir tatsächlich Antwort, ich kann es auf dem Papier sehen. Die Maschine und ich müssen uns erst kennenlernen. Es ist ungewohnt, weil man ordentlich Druck auf die Tasten bringen muss, damit auch am anderen Ende der Stoßstangen auf dem Papier etwas zu sehen ist, aber es macht unheimlich Spaß, gerade weil sie irgendwie anders ist und herrliche Geräusche dabei macht. Für ein Großraumbüro mit mehreren solcher Maschinen ist sie ungeeignet, zumindest nach heutigen Maßstäben. Jeder Buchstabe eine Musik für sich.

© Andreas Mattes

Die verchromte Umschalttaste für Großbuchstaben und zugleich auch für Zahlen und Zeichen liegt außerhalb des Tastaturfeldes am linken unteren Rand der Maschine und gibt ihr unter anderem das  interessante Aussehen. Für all diese Funktionen wird nur eine Taste benötigt, die entweder nur nach unten gedrückt wird um groß zu schreiben, oder nach unten gedrückt und dabei seitlich weggeklappt wird, um Zeichen zu schreiben. Auch die Umlaute ä, ü und ö muss man sich selbst zusammenbasteln. Mit einer „Tot-Taste“, die den Wagenvorschub nicht auslöst, setzt man die Pünktchen über den gewünschten Buchstaben und macht so zum Beispiel aus einem a ein ä. Rechts an der Maschine befindet sich ein Knopf, den man drücken kann, vom Aussehen ähnelt er sehr dem Choke-Knopf meiner auch schon betagten Harley-Davidson. Jedoch dient er hier nicht um den Kaltstart zu verbessern, sondern wird betätigt, wenn das  liebliche „Pling“ der verchromten Glocke erklingt und man noch ein paar Buchstaben über den eingestellten Rand hinaus schreiben möchte.

© Andreas Mattes

Es ist, als wäre man immer ein Fahrzeug mit Automatikgetriebe gefahren und fährt jetzt plötzlich Schaltgetriebe. Man benötigt Zeit, um fehlerfrei mit ihr schreiben zu können, Zeit, die man sich sowieso nehmen sollte, wenn man mit einer Schreibmaschine schreibt. Denn Schreibmaschinen sind im wahrsten Sinne Zeitmaschinen, weil sie eben zum einen aus einer anderen Zeit stammen und uns zum anderen entschleunigen und den Blick aufs Wesentliche richten. Hierbei ist es egal ob sie einhundertsechs  Jahre alt sind oder nur dreißig. Es ist und bleibt etwas Besonderes. Und das Besondere sollten wir uns immer bewahren.

Andreas

INFO: Autoren-Site von Andreas Freiherr Mattes von Rothenstein auf Facebook: https://www.facebook.com/ScriptoriumPoetas

Die DIY-Farbband-Umspulungsmaschine

Seit Jahren bin ich ein Fan von Vlogger Joe Van Cleave aus Albuquerque/New Mexico. Der Amerikaner ist Fotograf und Schreibmaschinen-Enthusiast. Neben seinem Blog betreibt er auf seinem Youtube-Channel unter anderem die „Typewriter Video Series“, für die er schon mehr als 240 Episoden produziert hat. Ehrlich, ich wusste nicht, dass man so viele Videos über das Thema Schreibmaschine machen kann.

Nun hat er vor kurzem ein Video über eine DIY-Farbband-Umspulungsmaschine veröffentlicht, das ich – mit seiner Erlaubnis – hier veröffentlichen kann.

© Joe Van Cleave

Für den normalen Gebrauch (sprich: alle heiligen Zeiten einmal ein normales Farbband umspulen) ist das Gerät wohl eher nicht gedacht. Vielleicht mehr für den professionellen Schreibmaschinenhändler, der mehrere Farbbänder auf einmal umspulen muss – oder von einer größeren Farbrolle mehrere kleinere Spulen bespulen möchte.

Dennoch finde ich das Gerät nachahmenswert. Eine nähere Beschreibung findet man auf Joes Blog. Die amerikanischen Maße mögen vielleicht irritieren, aber ich bin mir sicher, dass man auch mit Daumen x Pi eine ähnliche Maschine im metrischen Maß herstellen kann. Das Video hier wiederum zeigt auch noch die Anwendung einer Bohrmaschine fürs Spulen.

Rodja 

INFO: https://joevancleave.blogspot.com