Ach, du heiliger Frust…

© Rodja Pavlik

Damned! Ich habe schon oft einige DVDs aus Amerika bestellt. Und bis jetzt hatte ich NIE ein Problem damit. Nie!!! Ich wusste zwar theoretisch, dass man da auf den Ländercode achten muss – aber eben… Nie ein Problem damit gehabt. War es eine urban legend? Ein Ding der Vergangenheit, das heute nicht mehr gilt?

Tja, und gerade bei dieser DVD hier schlug der Ländercode anscheinend zu. Ausgerechnet! Dabei habe ich mich soooooo sehr auf „California Typewriter“ gefreut. Jetzt habe ich eine DVD, die ich nicht abspielen kann. :-/

Muss mich jetzt mal schlau machen, ob es da nicht einen Hack gibt, um dieses Problem zu beheben.

Rodja

INFO: http://californiatypewritermovie.com/

EDIT 10.01.2018: Himmel… jetzt habe ich nach diesen Hacks für meinen DVD-Player gegoogelt. Das ist nicht unbedingt einfach. 😦

Aber ich habe eine andere Variante gefunden. Auf meinem Mac kann man sich den Film anschauen, wenn man den Ländercode ändert. Dazu braucht man nur das Passwort, das ich anno 2010 angelegt habe (*hüstel*).

Aber ich hab’s dann doch noch herausgefunden. Jetzt sehe ich mir die Doku halt auf dem iMac an.

Das Blöde an dem Ding: Der hat mir schon angedroht, dass ich den Ländercode nur noch vier Mal ändern darf. WTF?

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Das war 2017…

Wie schnell doch so ein Jahr vergeht… und wie schleißig man doch mit Vorsätzen umgeht. Im Jänner startete ich die Postkarten-Challenge – jede Woche eine Postkarte zu verschicken, versprach ich. Ach, hätte ich doch nicht den Mund so voll genommen. Jetzt sind noch so viele Postkarten übrig, die ich heute noch bis 24:00 Uhr in den Briefkasten werfen muss.

Aber dann habe ich die Challenge geschafft. (*hüstel*) Rein theoretisch, rechnerisch und mit viel Augenzudrücken habe ich 2017 im Durchschnitt pro Woche eine Karte geschrieben.

© Rodja Pavlik

2017 war eigentlich ein recht spannendes Jahr für diesen Blog. Ich habe viele schöne Geschichten erlebt – und auch sehr viel Unterstützung erhalten. Ad hoc fallen mir die „…schreibt auf einer…“-Geschichten von Adrian Straub (USB-Typewriter) und Martin Kellner ein, die Twitter-Schreibmaschine von Nils Andreas oder die Reise-Geschichte von Schreibmaschinen-Künstlerin Jorike van Werven. Auch, dass die Schreibmaschinen-Kunst von Robert Doerfler so viel Niederschlag in den Medien erhielt, soll nicht unerwähnt bleiben. Nur weiter so!

Für 2018 stehen zwei größere Projekte an. Das eine ist aber noch zu vage, um es überhaupt schon Projekt zu nennen (ehrlich gesagt, ich weiß nicht, wie sich das entwickeln wird), das andere ist schon im fortgeschrittenen Stadium. Bin mir nur nicht ganz sicher, ob es bei den Schreibmaschinisten bleiben wird, oder ob es eigenständig hervortreten wird. Es wird aber sehr retro sein. Man darf gespannt sein…

Euch – meinen lieben Lesern – wünsche ich auf jeden Fall noch einen guten Rutsch ins neue Jahr – und viel Erfolg, Liebe und Anerkennung.

Rodja

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Wenn eine eine Reise tut…

… dann hat sie viel zu tippen.

© Jorike van Werven

Jorike van Werven ist eine Schreibmaschinenkünstlerin. Genau wie der Deutsche Robert Doerfler, der hier schon öfters vorgestellt wurde, „malt“ Jorike mit ihrer Schreibmaschine. Sie tippt Bilder.

Die Niederländerin hat sich eine berufliche Auszeit genommen und unternahm mit ihrer Schreibmaschine eine Reise im asiatischen Teil der Welt. Die Auszeit hält nicht mehr lange an – rechtzeitig zu Weihnachten ist Jorike nach Hause gekehrt, um Weihnachten mit der Familie zu feiern und am 1. Jänner 2018 einen neuen Job anzutreten.

Als die Schreibmaschinisten Jorike im Oktober kontaktierten, war sie gerade am Anfang ihrer Reise. Sie war von Amsterdam nach Moskau geflogen, wo sie den Transsibirischen Express Richtung Peking nahm. Als die Schreibmaschinisten sie per Facebook-Chat erreichten, war sie gerade in Irkutsk am Baikalsee. Jorike war vier Tage ohne WiFi – und das Signal in Irkutsk war auch schwach.

© Jorike van Werven

Mit auf ihrer Reise hatte sie eine Remington Envoy III Sperry Rand, mit der sie hauptsächlich malte, aber auch – zumindest am Anfang – ihren Reise-Blog mit Berichten befüllte. Das Projekt nannte sie „De Reismachien“ („The Travelling Typewriter“). „Dieses Jahr habe ich so viel gearbeitet, dass ich fast nie Zeit hatte, zu tippen. Jetzt habe ich sie!“, erzählte Jorike den Schreibmaschinisten über ihre Motivation, auf Reisen zu gehen UND eine Schreibmaschine mitzunehmen.

Die Seiten fotografierte sie mit ihrem Smartphone ab und lud sie auf ihre Homepage hoch. Die Zeichnungen selbst bewahrte sie während der Reise sicher in einer Mappe auf, die in einer extra für die Schreibmaschine gekauften Tasche transportiert wurde. Mitreisende reagierten neugierig-freundlich auf ihr Tippen. Wobei sie auch einmal folgende Konversation im Zug mitverfolgen konnte. „Da war eine Frau, die freudig ausrief: ‚Schatz, schau. Sie tippt auf einer Schreibmaschine. Darauf er grantig: ‚Ja, eh. Ich mach schon die Türe zu.’“

Die Remington sei nicht unbedingt ihr Lieblings-Schreibgerät, aber das war auch der Grund, warum sie ausgerechnet diese Schreibmaschine mitnahm. An und für sich hatte sie nämlich vor, die Remington in China oder Hongkong zurück zu lassen, damit sie dann in Vietnam nur noch mit leichtem Gepäck Land und Leute kennen lernen kann. „Doch mittlerweile ist mir die Schreibmaschine ans Herz gewachsen“, so Jorike. „Ihr Schriftbild ist so hübsch. Daheim dachte ich, sie ist nicht unbedingt die beste Schreibmaschine fürs Malen. Aber jetzt, wo ich damit geübt habe, geht das Malen jeden Tag besser damit.“ Natürlich hatte Jorike auch einen Laptop mit. Den benutzte sie aber hauptsächlich zum Filme schauen.

© Jorike van Werven

Diese Woche ist Jorike nun heim gekehrt. Bis zum Arbeitsbeginn hat sie noch Zeit, um ihre Eindrücke auf der Schreibmaschine zu verarbeiten. Und ja, auch die Remington ist wieder in die Niederlande zurück gekehrt. „Nach so einer großen Reise konnte ich sie doch nicht einfach zurücklassen“, erzählte Jorike heute den Schreibmaschinisten.

Rodja

INFO: Homepage: www.typischetekeningen.nl; Facebook-Site Typische Tekeningen van Jorike: https://www.facebook.com/typischetekeningen

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2. Type-In in Münster

Dieses war der erste Streich,
doch der zweite folgt sogleich…

© Ralf Börger

Man möge mir verzeihen, aber Weihnachten naht – und da ist es schwierig, Zeit für sein Hobby zu finden. Und so habe ich es vollkommen verschwitzt, dass in Münster bereits am 2. Dezember 2017 das erste Type-In der Stadt stattgefunden hat.

Doch das ist nicht ganz so schlimm, denn am 16. Dezember folgt bereits das zweite Type-In – und zwar ab 16:00 Uhr im Hansa-Coworking. Organisiert wird das Event von der Schreibmaschinenlyrikerin Marion Lohoff-Börger.

Insgesamt warten sechs Maschinen wie die Triumph-Matura oder eine rote (sic!) Olympia Monica darauf, von Interessierten ordentlich bearbeitet zu werden. So lässt sich die Weihnachtspost mit Vintage-Feeling prima erledigen.

Der Eintritt ist frei, eine kleine Spende für Materialkosten wird aber gerne gesehen.

Rodja

INFO: Marion Lohoff-Börger https://schreibmaschinenlyrik.jimdo.com/, http://www.marion-lohoff-boerger.de/. 2. Type-In in Münster, 16. Dezember 2017, ab 16:00 Uhr. Hansa Coworking, Dortmunder Str. 25, 48155 Münster. https://www.hansa-coworking.de/.

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Die Frankfurter TwitterSchreibmaschine

In Frankfurt gibt es ein kleines Blumensamen-Geschäft, in dem eine elektronische Schreibmaschine im Schaufenster steht. Von Zeit zu Zeit rattert sie los und schreibt wie von Geisterhand kurze Mitteilungen – und zwar immer dann, wenn irgendwo auf Twitter der Hashtag #samenandreas verwendet wird. Gestatten, die TwitterSchreibmaschine von Nils Andreas.

© Nils Andreas

Nils Andreas ist der Inhaber des traditionsreichen Geschäftes „Samen Andreas“ in der Frankfurter Innenstadt. Das Geschäft gibt es schon seit mindestens 1868 (soweit ist es dokumentiert), wahrscheinlich aber noch länger. Nächstes Jahr feiert das Fachgeschäft offiziell sein 150-jähriges Jubiläum.

Neben Blumen- und Gemüsesamen hat Nils Andreas, der den Fachhandel in fünfter Generation führt, auch noch andere Interessen. Er sammelt alte Computer und dazu passende Drucker. „Ich besitze eine ganze Reihe historischer Drucker, nur ein Typenraddrucker fehlte mir in meiner Sammlung“, erzählt Nils den Schreibmaschinisten auf Anfrage. Ein erster Versuch, einen solchen zu erwerben, ging leider schief. „Ein 40 Kilogramm schwerer Schatz aus den 1970ern kam komplett vernichtet hier an“, schimpft Nils über den schleißigen Paketversand.

Über Ebay fand er dann eine seinen Vorstellungen entsprechende Schreibmaschine, eine Olivetti compact ET60 mit Centronics Interface. Eine elektronische Schreibmaschine aus der Mitte der 1980er-Jahre, die über einen Computeranschluss auf der Seite verfügt. „Und sie druckt wirklich noch immer, wenn man sie über einen USB-Adapter an einen modernen Computer anschließt“, schwärmt Nils.

© Nils Andreas

Schon vor Jahren hatte Nils bereits an einem Twitter-Drucker mit einem Bon-Drucker gebastelt. „Aber Twitter änderte die API’s (Anm.: Programmierschnittstellen) – und so ist das Ganze wieder in einer Schublade verschwunden“, erzählte Nils von den ersten Versuchen, alte Technik mit den Neuen Medien zu verbinden. „Vor 14 Tagen fand ich dann einen jungen Kerl (http://kris.cool), der auch so etwas gemacht hat. Dem seine Programme funktionierten aber alle noch“, so der Technikfan weiters. „Ich habe also alles wieder aufgebaut – Minicomputer RaspberryPi, USB Adapter auf alten Parallelport, WLan Dongle – und diesmal die elektronische Schreibmaschine dran geklemmt. Das Programm habe ich ein wenig an die Bedürfnisse der Schreibmaschine angepasst – und nun tickert alles 1A!“

Die Schreibmaschine steht nun in der Auslage seines Samen-Geschäfts „und wirbt ein wenig für mich“, erklärt Nils. Sobald auf Twitter eine Nachricht mit dem Hashtag #samenandreas getweetet wird, gerät die Schreibmaschine in Bewegung. „Der Hashtag muss klein geschrieben werden, sonst klappert es nicht!“

© Nils Andreas

Die Schreibmaschine und wie man sie mit modernen Computern ansprechen kann, hat Nils auf seiner Webseite Netzherpes.de dokumentiert. Nicht alles klappte anfangs reibungslos, vor allem mit den Umlauten gab es Probleme. Doch mit einer vor kurzem durchgeführten Programmanpassung funktioniert auch das jetzt.

Doch was ist mit den Zeichen @ und #, die es so nicht auf dem Typenrad gibt? Auch hier musste Nils das Programm so umschreiben, dass statt @ jetzt (at) und statt # jetzt (hash) getippt wird. „Jetzt ist es fertig, stabil und klackert“, ist Nils nicht zu Unrecht zufrieden.

Rodja

INFO: „Samen Andreas“, Töngesgasse 27, 63011 Frankfurt. Web: www.samen-andreas.de

© Nils Andreas

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„Uncommon Type“ von Tom Hanks

Momentan erfahren Schreibmaschinen ja einen ziemlichen Hype – und dass so ein altes Gerät in den Mittelpunkt des Medieninteresses gerät, haben wir unter anderem einem Oscar-Preisträger zu verdanken: Tom Hanks, der selbst ein großer Schreibmaschinen-Enthusiast ist und über Hunderte von Schreibmaschinen sein eigen nennt.

Nicht nur, dass er sein prominentes Gesicht und seine Expterise der Dokumentation „California Typewriter“ leiht, nein, er hat auch ein Buch mit Kurzgeschichten veröffentlicht. „Uncommon Type“ (der deutsche Titel „Schräge Typen“ soll im Februar 2018 erscheinen) beinhaltet 17 Kurzgeschichten, die Hanks auf verschiedenen seiner mechanischen Schreibmaschinen getippt hat. “In den zwei Jahren, die ich an den Geschichten gearbeitet habe, habe ich Filme in New York, Berlin, Budapest und Atlanta gedreht und überall geschrieben. Ich habe in Hotels bei Presse-Tourneen geschrieben, ich habe im Urlaub geschrieben. Ich habe im Flugzeug, zu Hause und im Büro geschrieben”, teilte Hanks den Medien mit.

© Rodja Pavlik

Nun ist das Buch in Amerika bereits erschienen – und ich habe mir natürlich ein Exemplar besorgt, ein Paperback. Zwar habe ich noch nicht reingelesen (Zeit ist momentan ein äußerst kostbarer Luxus, den ich mir nicht leisten kann), aber allein die Aufmachung ist für Schreibmaschinen-Fans sehr interessant. Neben vier Postkarten (mit Buchcover und drei verschiedenen Schreibmaschinen – Olivetti Underwood, Groma Kolibri (kyrillische Schriftzeichen) und Continental als Motiven) befinden sich auch im Inneren des Buches Bilder der Schreibmaschinen, mit denen der Hollywood-Schauspieler seine Geschichten geschrieben hat (u.a. Olympia, Remington, IBM, etc., etc.). Die Bilder sind aber auf Papier gedruckt, so dass ein Laie wie ich nicht wirklich Details erkennen kann. Vielleicht bietet die teuere Hardcover-Version des Buches eine optisch bessere Qualität.

Momentan ist ja Hanks auf medialer Promo-Tour für sein Buch (wie in dem unten angeführten Clip von der TV-Show „CBS Sunday Morning“). Und ja, auch ich habe mit meinen bescheidenen Mitteln versucht, ihn für meinen Blog zu interviewen. Ich geb’s zu, ein bisschen größenwahnsinnig, aber ich wollte es zumindest ausprobieren. Und bis dato hat sich sein Agent eh noch nicht mit meinem Sekretariat in Verbindung gesetzt. (Nicht, dass ich wirklich damit gerechnet hätte, aber träumen wird man ja wohl noch dürfen, dass einen der Hauch von Hollywood streift.)

Wie gesagt, ich bin noch nicht wirklich dazu gekommen, das Buch zu lesen (da habe ich noch eine lange Liste abzuarbeiten). Die Reviews zu „Uncommon Type“ lesen sich aber auch sehr zwiespältig. Ich bezweifle aber, dass mein Englisch so gut ist, dass ich beurteilen kann, ob Tom Hanks‘ Kurzgeschichten gute oder schlechte literarische Qualität aufweisen. Aber eine Rezension werde ich definitiv noch nachliefern…

Rodja

PS: Was die Postkarten betrifft… Ach herrje, die sind mir schon fast zu schade, um sie wirklich zu verschicken… :-/

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Die Dissertation auf der Schreibmaschine

Die österreichische Tageszeitung „Die Presse“ bringt auch „UniLive“, ein Magazin für Studierende, heraus. Die aktuelle Ausgabe befasst sich u.a. damit, wie die Neuen Medien sich auf das Studentenleben ausgewirkt haben. Ob man noch mit Buchseiten lernt, oder sich doch lieber auf Facebook in Studenten-Gruppen austauscht. Wie Beziehungen entstehen oder erhalten bleiben – z.B. nach dem Auslandssemester – über Video-Vorlesungen und die Konkurrenz für den Lehrveranstaltungsleiter, der um die Aufmerksamkeit der Studenten im Hörsaal buhlen muss, die lieber chatten wollen. Und mittendrin gibt es auch einen Artikel von Erich Witzmann, der bis 2009 das Bildungsressort der „Presse“ leitete. Er studierte an der Uni Wien Geschichte und Germanistik und schrieb seine Doktorarbeit über die Sozialstruktur Perchtoldsdorfs im 18. Jahrhundert auf der Schreibmaschine. Für „UniLive“ verfasste er nun einen Rückblick darauf.

Den Schreibmaschinisten wurde freundlicherweise gestattet, den Artikel hier abzudrucken.

Die Dissertation auf der Schreibmaschine

Einst mussten Uni-Arbeiten auf der Schreibmaschine geschrieben werden. Während man einen falschen Buchstaben noch halbwegs korrigieren konnte, sah es bei schiefen Sätzen anders aus: Was getippt war, das pickte.

Manchmal schaue ich den Schreibmaschinenkoffer noch liebevoll an. Manchmal, wenn auch selten, lese ich, dass ein Schriftsteller noch Tag für Tag eine alte Tipp-Schreibmaschine, also eine mechanische, verwendet. Ob ich dazu überhaupt noch fähig wäre, da ich doch vielleicht 30 Jahre eifrig und kraftvoll getippt habe, zuerst die Seminararbeiten, dann die Dissertation?

Warum nicht ein Selbstversuch? Ich hole die Schreibmaschine aus dem Abstellraum, öffne den Deckel. Die erste Überraschung ist, dass sich das Gerät in gutem Zustand präsentiert. Und dann: Das Tippen funktioniert noch, wenn auch das gut 20 Jahre lang nicht benutzte Farbband nur eine sehr, sehr blasse Schrift abdruckt im Vergleich zu früher.

Damals, also vor einem halben Jahrhundert, standen die ersten Übungsprotokolle und Seminararbeiten an. Also fiel ich gleich gegenüber dem Neuen Institutsgebäude der Universität Wien in ein Fachgeschäft ein. Um den Betrag eines Monatsstipendiums war ich dann Besitzer einer Olympia-Schreibmaschine, die im mittleren Preissegment lag. Sie war und ist 15 Zentimeter hoch, was gegenüber den billigeren flacheren Reiseschreibmaschinen ein Vorteil ist: Je mehr sich eine Buchstabenzeile von der anderen abhebt, umso kommoder und fehlerfreier ist das Tippen. Ein Nachteil: Das Gewicht von sieben Kilo. 9,3 mit Deckel.

© Erich Witzmann

Zwei Durchschläge mit Kohlepapier

Die wirklich große Bewährungsprobe kam mit den Dissertationsvorlagen, die der Doktorvater und der zweite Prüfer erhielten. Da hatte man neben dem ersten Originalpapier zwei Durchschläge einzuspannen, selbst wollte man ja auch ein Exemplar. Dazwischen je ein Kohlepapier. Benötigte man mehr als ein zusätzliches Exemplar von der Dissertation, musste man anstelle des normalen Papiers ein eigenes dünnes Durchschlagspapier verwenden, eine Art Seidenpapier. Damit der mit halber Kraft getätigte Anschlag auch auf den Durchschlägen gut zu lesen war. Fotokopien waren Anfang der 1970er-Jahre nicht üblich, Copy-Shops gab es es nicht.

Verglichen mit heute befand man sich wahrscheinlich noch in der maschinellen Steinzeit. Es gab keine Null, sondern nur ein großes O, kein Anführungszeichen, sondern nur ein Ausführungszeichen, Bindestrich und Gedankenstrich waren dasselbe Zeichen. Vor allem aber: Der Schreiber bestimmte selbst das Zeilenende, um dann den Schreibmaschinenbalken wieder in die Anfangsstellung zu bewegen. Bei 230 Dissertationsseiten zu je 30 Zeilen (ohne Tabellen- und Grafikseiten) waren das 6.900 Hebelbewegungen.

Der wirklich gravierende Unterschied lag im Vertippen. War ein Buchstabe falsch angeschlagen, dann musste ein Radex her. Dieses legte man über den falschen Buchstaben, tippte diesen noch einmal – und der Buchstabe war nun weiß wie das Papier. Nun konnte man den richtigen Buchstaben drübertippen. Bei den Durchschlägen funktionierte dies nicht, hier musste recht mühsam der falsche Buchstabe entfernt werden.
Der zweite große Nachteil gegenüber heute: Man konnte nicht einen früher getippten Satz korrigieren. Was tippt, das pickt. Es war also klar, dass handschriftlich vorformuliert bzw. Stichwörter angefertigt werden mussten.

Kam für die Dissertation das Okay vom Professor, dann galt es, eine professionelle Schreiberin – meist eine junge Sekretärin in Karenz – aufzusuchen. Diese fertigte das Hauptexemplar samt drei Durchschlägen an. Das Erstexemplar landete in der Universitätsbibliothek, ein weiteres in der Nationalbibliothek, zwei Durchschläge wollte ich haben.

Der Selbstversuch hat mir vor Augen geführt: Ich liebe meine alte Olympia. Auch wenn ich sie kaum noch benutzen werde.

Erich Witzmann

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