Das Wort zum Sonntag – 23.04.2017

Meine Olympia SF de Luxe denkt, dass der Film „Vielleicht lieber morgen“ ein ganz wundervoller Coming-of-Age-Film ist. Zumindest hat der Film von Stephen Chbosky – und das darauf basierende Buch (ebenfalls von Stephen Chbosky) – die wundervollste Szene, in der eine Schreibmaschine verschenkt wird.

© Rodja Pavlik

Und mal ehrlich, wer möchte sich nicht von Emma Watson eine Schreibmaschine schenken lassen?

Aber ich würde auch zu Tom Hanks nicht Nein sagen…

Rodja

© Ascot Elite

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Martin schreibt auf einer Olympia Splendid 33

Mein Name ist Martin Kellner. Ich habe eine Steuerberatungskanzlei in Köln. Meine Mitarbeiter und ich, wir sind ein richtig tolles Team. Bei uns wird viel gearbeitet und viel gelacht. Unsere Mandanten kommen zum großen Teil aus der Medienbranche oder aus künstlerischen Berufen. Wir sind für viele Menschen der erste Ansprechpartner in vielen Fragen. Und wir reden die Sprache unserer Mandanten. Das zeichnet uns aus. Wir lösen Probleme.

In unserer Kanzlei haben wir die allerneueste Technik im Einsatz; natürlich ist alles computerisiert und ganz viele Abläufe gibt es bei uns digital. Aber mir fehlt da etwas…

© Martin Kellner

In meinen Teenagerjahren hatte ich eine Olympia Monica. Ein ziemlich großes Teil, weiß, schwer, mit Riesenkoffer. Gott, habe ich das Ding geliebt. Darauf habe ich hunderte von Gedichten, Geschichten, sogar Theaterstücke geschrieben (hat nur nie jemand gelesen). Über die Tasten bin ich nur so geflogen. Ich habe ganze Reisen mit der Maschine unternommen. Ein Wort führte zum nächsten, Satz für Satz reihte sich aneinander und ich versank in Tiefseewelten, erkletterte das Dach der Welt und gelangte an den Rand von allem Bekannten – und noch einen Schritt weiter, und noch ein Wort weiter…

Irgendwann hat etwas gehakt, funktionierte nicht mehr richtig. Mein Vater wollte es reparieren, hat eine falsche Schraube gelöst und er hatte einen kleinen Haufen glänzender, unterschiedlich gebogener Drähte in der Hand. Das war das Ende der Olympia Monica. Nach einer schmerzlichen Entzugszeit ohne Maschine kam ich für wenig Geld, also Taschengeld-kompatibel, an eine elektrische Schreibmaschine. Es gab einen Korrekturspeicher von dreizehn Zeichen. Wahnsinn, zumindest für damals. Und das Schriftbild sah viel moderner aus, viel weniger Serifen. Wir sind viele Jahre unseren Weg gemeinsam gegangen. Aber richtig Freunde wurden wir nicht.

© Martin Kellner

Dann gab es für mich, als studierenden Germanisten und Historiker Zugriff auf den ersten tragbaren Koffer-Computer. Nochmals: Wahnsinn. Und das ging dann so weiter. Die Entwicklung des Berufs zog auch die Veränderung der benutzten Technik, von technischer Ausstattung nach sich. Ja, was hat sich denn wirklich verändert? Mittlerweile schreibt man ständig irgendwelche Texte in irgendwelchen digitalen Medien, man verändert sie, immer und immer wieder. Man druckt sie aus, Berge von Abfall entstehen, man versendet seine Nachrichten, die Belanglosigkeit greift um sich, alles versinkt in der Belanglosigkeit von digitalen Textnachrichten. Und die Finanzverwaltung will, dass wir das alles auch noch zehn Jahre speichern und aufbewahren. Ich kann nicht mehr.

Ich habe ziemlich lange versucht, herauszufinden, was mir fehlt. Das Schreibmaschinenschreibgefühl? Das Geklapper auf den Tasten? Ich habe es lange nicht herausgefunden. Mit unserem wirklich guten IT-Service im Büro habe ich einige Gespräche über gute Tastaturen geführt. Alles blieb aber unbestimmt, unbefriedigend. Durch einen Zufall, ja ich weiß, es gibt keine Zufälle, bin ich auf die Schreibmaschinisten gestoßen. Rodja im Urlaub auf Mallorca mit einer Hermes Baby. Was ist das denn: Hermes Baby? Ein paar Wochen hat es dann gedauert und ich wurde Besitzer einer Olympia Splendid 33. Warum habe ich nicht viel früher an diese Möglichkeit gedacht! Da sitze ich jetzt dran, das ist doch klar, und schreibe diesen Text… und denke nach.

© Martin Kellner

Etwas ist jetzt runder geworden, ist mir verständlich geworden. Buchstabe für Buchstabe wandert auf das Papier, unauslöschlich. Sätze formen sich, Stück für Stück. Die Beliebigkeit hat ein Ende bekommen. Mit dem Tippen arbeitet mein Gehirn irgendwie anders. Es formt. Sätze haben einen Anfang und bekommen ein Ende. Eine Geschichte erzählt sich mit dem Klappern der Tasten und der Typen auf dem Papier. Ohne Spuren nimmt man keinen Buchstaben vom Papier. Man muss schon die ganze Seite neu schreiben.

Natürlich: sich in der Öffentlichkeit hinzusetzen und auf Zuruf kleine Geschichten auf Postkarten zu schreiben, geht nicht mit dem Computer, das geht nicht mit Rechtschreibprüfung. Der Vorgang und das Ergebnis sind miteinander verwoben.

Die Splendid 33 fordert meine verweichlichten Finger und meinen Geist. Während ich hier am Tisch sitze, denke ich nach. In meinem Studium hatte ich die ältesten gedruckten Bücher, die im Besitz der Kölner Uni waren, in ehrfürchtigen Händen. Ich weiß, wie wichtig Schrift für die Entwicklung der Menschheit ist. Warum ist mir nicht früher aufgefallen, was durch die Digitalisierung verloren gegangen ist; warum ist mir nicht aufgefallen, welches Wunderwerk eine Schreibmaschine ist…

Jetzt muss ich ins Büro und arbeiten. Am Computer. Das ist in Ordnung. Ich komme ja wieder.

Martin Kellner

INFO: www.kellner-steuer.de

© Martin Kellner

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Der Onyx Boox Typewriter

Kenner dieses Blogs wissen ja, warum ich mit der Schreibmaschine angefangen habe. Ich habe nach einer Möglichkeit für ungestörtes Schreiben gesucht – und in der Schreibmaschine gefunden. Ein Gerät, das nur schreiben kann – keine Spiele, keine E-Mails, kein Internet, keine Filme. Eben ablenkungsfrei.

Natürlich interessiere ich mich da auch für andere Schreibmöglichkeiten wie den Freewrite, den ich sogar als Backer unterstützt habe. Letztendlich habe ich aber doch meine Unterstützung zurückgezogen, weil mir in den Vorführungsvideos doch Sachen auffielen, die mir nicht so ganz taugten. Trotz seiner Mankos halte ich den Freewrite dennoch für eine sehr spannende Alternative (nur eben für mich nicht).

Nun hat sich die auf E-Reader spezialisierte Firma Onyx Boox anscheinend zu einem recht interessanten Projekt entschlossen – dem Onyx Boox Typewriter. Zwar gibt es noch nichts Offizielles auf ihrer Homepage, aber einige Berichte von einer Messe in Hong Kong lassen aufhören. Der Plattform liliputing zufolge ist der Onyx Boox Typewriter eine Art auf E-Ink basierender Laptop mit abnehmbaren Bildschirm, den man separat als E-Reader verwenden kann. Man kann sogar mit einem speziellen Stift darauf schreiben bzw. zeichnen.

E-Ink hat nicht nur den Vorteil, dass sie sparsam ist. Nein, sie ist auch ungeeignet für Spiele und Video (daher für ablenkungsfreies Arbeiten geeignet) – und noch dazu schwarz-weiß und augenschonender. Außerdem ist der Bildschirm wesentlich größer als beim Freewrite.

Wie man beim Video von Vlogger Charbax sehen kann, ist beim Tippen keine solche Verzögerung zu bemerken wie beim Freewrite (siehe meine Kritik in oben angeführtem Link).

Irgendwo habe ich auch gelesen/gehört, dass es zu dem Onyx Boox Typewriter auch Programme geben wird. Sicher für Autoren von E-Books interessant. Aber vielleicht gibt es auch dann ganz einfache Programme für Formate wie Drehbücher oder Theaterstücke.

Dem Vernehmen nach ist der Onyx Boox Typewriter noch nicht fix. Wahrscheinlich, dass die Produzenten erst herausfinden wollen, ob ein Markt für so ein Gerät besteht. Auf jeden Fall werde ich das Ding im Auge behalten.

Rodja

PS: Demnächst darf ich dank Autorenkollegen Anton Preinsack die Hände auf ein älteres Modell eines Word Processors legen, einen Alphasmart 3000. Da habe ich bis dato auch nur Gutes davon gehört.

INFO: https://liliputing.com/2017/04/onyx-boox-typerwriter-e-ink-2-1-laptop.html

Hier noch ein weiteres Video von der Plattform Notebook Italia.

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Vom Schwinden der Handschrift…

Ich muss zugeben, meine Handschrift ist eine Klaue – war sie immer schon. Und das obwohl ich seit der Schulzeit immer lieber mit der Füllfeder geschrieben habe – und das selbst zu einem Zeitpunkt, als man uns (für die meisten Schüler endlich) erlaubt hat, mit Kugelschreiber zu schreiben.

Ich hatte auch Brieffreundinnen, denen ich geschrieben habe. Natürlich mit der Hand. Erstens war mir Schreibmaschine in den 1980ern noch zu mühsam, zweitens galt das zu unpersönlich, weil Geschäftsbrief-mäßig. Heute schreibt man E-Mails, Chat-Nachrichten oder SMS ohne solche Gewissensbisse in Sachen Stil zu haben. Im Gegenteil: Schreibt man einen Brief mit der Schreibmaschine (statt mit dem Computer), gilt das schon als etwas Besonderes.

Für meine Challenge „Eine Postkarte die Woche“ schreibe ich in Blockschrift. Erstens, weil ich mich für meine Handschrift schon ein bisschen geniere (sie hat teilweise noch so etwas Volksschulmäßiges an sich), zweitens schreibe ich teilweise wildfremden Menschen, die meine Schrift nicht kennen – und eigentlich die Postkarten doch verstehen sollen.

Aber das Schreiben mit der Hand habe ich eigentlich nie ganz aufgegeben. Ich schleppe immer ein Notizbüchlein mit mir herum, in dem ich erste Gedanken festhalte. Und das Notizbuch und die Füllfeder sind quasi immer einsatzbereit – und das ohne Aufrufen eines Programms und Abwarten der Ladezeit.

Aber vielleicht sollte ich trotzdem etwas mehr mit der Hand schreiben. Ich merke schon, dass sich meine Hand etwas verkrampft, wenn sie länger einen Stift hält.

Vor kurzem hat es auf ORF in der Sendung „kulturMontag“ einen sehr sehenswerten Beitrag über das Schwinden der Handschrift gegeben.

Rodja

Das Schwinden der Handschrift

Die Handschrift ist zu einem schwindenden Gut geworden. Viele bevorzugen die digitale Niederschrift ihrer Gedanken. Auch im Schulbereich entwickelt sich ein Trend hin zu elektronischen Unterrichtsmaterialien.

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TV-Beitrag über The Boston Typewriter Orchestra

© The Boston Typewriter Orchestra

Vor einiger Zeit rief The Boston Typewriter Orchestra zu einer Crowdfunding-Aktion auf, um die Produktion der EP „Termination Withtout Prejudice“ zu finanzieren. Wie der Name der Band schon andeutet, verwendet das Orchester die Schreibmaschine als Percussion-Instrument. Natürlich war ich dabei und reservierte mir die Perks Digital Download, T-Shirt und Vinyl-EP. Als Vorgeschmack habe ich nun vor einiger Zeit die EP downloaden können. Teilweise eine richtige Kakophonie… aber interessant. Weiß nur nicht, ob ich ein ganzes Konzert aushalten würde. Aber vor allem die eher Blues-orientierten Sachen sind ein Ohrwurm.

Nun hat CNN für sein Video-Portal „Great Big Story“ einen kleinen Beitrag über das Orchester gebracht.

Die Schreibmaschinen im Dienste des Orchesters werden ja nicht alt. Die Musiker lassen sie fallen und hauen mit voller Wucht auf die Tasten ein. (Ein Perk der Crowdfunding-Aktion war sogar eine abgewirtschaftete Maschine.) Aber immerhin enden die Maschinen quasi „im Dienst“ – und nicht so, als wenn jemand ihnen die Tasten abschneidet, um daraus Ringe zu machen. Insofern halte ich das Boston Typewriter Orchestra durchaus für Vertreter der von Richard Polt ausgerufenen Typewriter Revolution.

Rodja

INFO: www.bostontypewriterorchestra.com

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TV-Beitrag über „Schreibmaschinen-Doktor“ Michael Schilhan

Über das Geschäft „Büromaschinen Schilhan“ in Wien-Landstraße habe ich des Öfteren schon berichtet. Hier werden Schreibmaschinen noch so richtig offiziell von Meisterhand repariert. Scherzhalber nenne ich den Inhaber auch „Sankt Michael der Schreibmaschinen“. Und weil die Schreibmaschine ein kleines Revival erlebt, kommt der Büromaschinentechniker auch in den Medien herum – zuletzt gab es z.B. einen sehr netten Bericht in „Heimatleuchten“ auf Servus TV.

Nachdem der ORF bereits 2011 einen kleinen Beitrag über Schilhan brachte, war es nun im März wieder soweit. In „Heute Leben“ erzählt Michael Schilhan u.a., wie unterschiedlich doch Männer und Frauen an die Schreibmaschine herangehen.

Rodja

INFO: http://technikimbuero.at

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Das Wort zum Sonntag – 19.03.2017

Ein bisschen Melancholie schadet nie, meint meine orange Olympia Traveller de Luxe S.

© Rodja Pavlik

Über EMMA6 habe ich hier ja schon mal berichtet. Obwohl ich von der deutschen Band vorher noch nie etwas gehört hatte, war sie mir von Anfang an gleich grundsympathisch. Für ihr drittes Album „Wir waren nie hier“ teaserten sie mit kleinen Clips, auf denen eine orange Olympia Traveller de Luxe (ohne S – ohne Tabulator) zu sehen ist.

Logisch, dass ich da auch meine Traveller rauskramen musste.

Logisch, dass ich auch wissen wollte, ob die Band irgendetwas mit Schreibmaschinen am Hut hat. Doch die erste Anfrage knapp nach Weihnachten und kurz vor Silvester blieb unbeantwortet. Aber dann meldete sich Bassist Dominik Republik. Die Schreibmaschine gehört einer Freundin von ihm. „Als ich die nochmal bei ihr entdeckt habe, kamen wir ein bisschen ins Schwärmen, sind in Nostalgie verfallen und haben uns darüber unterhalten, wie viel Arbeit wohl früher das Verfassen von Texten war, und dass man sich vielleicht vorher sehr gut überlegt hat, was man schreiben möchte usw. Und dabei kam dann die Idee mit den Texten und den Albumteasern“, erzählte der Musiker den Schreibmaschinisten.

Doch beim Drehen zeigte die Schreibmaschine so manche divenhafte Macke: „Bei der ist es tatsächlich so, dass sie ab und zu um eine Stelle springt. Das hat bei den Aufnahmen der Albumteaser dazu geführt, dass wir den ein oder anderen Anlauf gebraucht haben, bis alles im Kasten war“, so Dominik. „Solche Dinge haben auf jeden Fall etwas Inspirierendes.“ Und einen kleinen Tipp gab er noch zum Abschluss: „Wenn du im Video zu ‚Das Haus mit dem Basketballkorb‘ ganz genau hinschaust, entdeckst du vielleicht etwas.“ (Anm.: Ja, ich habe sie entdeckt – ganz kurz.)

Nachdem ich auch entdeckte, dass auf dem Cover von „Wir waren nie hier“ eine Schreibmaschine zu sehen war, beschloss ich, dem Album eine Chance zu geben. Und tatsächlich, die CD hat jetzt schon Chancen in meinen Top Five des Jahres 2017 zu landen. Ich habe einen Hang zum Melancholischen, und da werde ich voll bedient.

Rodja

INFO: www.emma6.de

© Ferryhouse Productions (Warner)

Und nachdem hier auch noch Interrail erwähnt wird, ist mein Fazit: Nein, das kann keine schlechte Band sein.

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