Die Abenteuer von Mats Honigtau

Von Zeit zu Zeit suche ich auf YouTube nach „Schreibmaschine“ oder „Typewriter“ – und zwar nach aktuellem Uploaddatum geordnet. So bin ich auch auf Mats Honigtau aufmerksam geworden, einem kleinen Teddybären, der allerlei Abenteuer besteht. Eigentlich ist Mats Honigtau auf Instagram daheim, wo er auf vielen Fotos zu sehen ist. Doch es gibt auch einige Stop-Motion-Filme mit ihm. In einem Clip tippt er sogar mit einer grünen Olympia Monica auf einem Blatt.

Nein, nicht Blatt Papier, sondern auf einem echten Blatt von einem Baum. Ein sehr zauberhafter Film, eine bezaubernde Idee. Grund genug, den kreativen Kopf hinter Mats Honigtau anzuschreiben.

Die Spur führte zu Yvonne Eiting. Hauptberuflich arbeitet sie als Assistentin des Chefredakteurs der „Stuttgarter Nachrichten“. Da sie auf eine jahrzehntelange Karriere im Büro zurückblicken kann, ist ihr der Umgang mit der Schreibmaschine nicht fremd. Mit den Schreibmaschinisten sprach sie nun über Mats Honigtau und den Büroalltag in den 1980ern.

Die Abenteuer von Mats Honigtau sind für Eiting nur ein Hobby. Mats ist ein Stofftier der bekannten Firma Steiff. „Den Knopf hat er noch, das Fähnchen habe ich abgeschnitten, damit ich besser mit ihm arbeiten kann“, so die Stuttgarterin. Mats hat sogar eine eigene Seite auf Instagram (mats.honigtau.the.bear). „Es ist unglaublich, wie viele Leute dort Bilder von Bären oder anderen Stofftieren und deren Abenteuern posten. Meiner ist allerdings der einzige, der sie auch in Stop-Motion erlebt“, so Eiting. „Die Filme sind nur auf Youtube, weil einige Bekannte nicht bei Instagram sind.“ Ihr größter Erfolg bisher war ein „Kuchen“-Stop-Motion-Film anlässlich des 70. Geburtstages der „Stuttgarter Nachrichten“, der – direkt über die Facebook-Seite der Zeitung eingebunden – über 9.000 Mal angeklickt wurde.

Mats Honigtau ist für Eiting ein reines Fun-Projekt. „So lange es mir Spaß macht, mache ich weiter. Eigentlich wollte ich mit dem Bären meine Heimatstadt fotografieren und schöne Plätze vorstellen. Aber jetzt sind es halt auch Zeitraffer. Wenn ich aber merke, dass der Aufwand zu groß ist und zu wenige Leute auf Instagram die Filme anschauen, lass ich es wieder.“

Die grüne Olympia Monica gehört ihrem Mann. „Er hat sie sich in seiner Jugend – das ist auch schon wieder 30 Jahre her – für die Ausbildung gekauft.“ Auf die Idee für den Film kam sie, als sie während ihrer Ausbildung eine Fotografie von einem Baumblatt mit eingestanztem Text sah. „Ich habe das dann damals selbst gemacht – und jetzt ist es mir wieder eingefallen und ich habe es mit dem Zeitraffer nochmal verarbeitet.“ Im Grunde hat sie einfach ein Blatt von einem Baum eingespannt und darauf geschrieben. „Man muss halt das richtige Blatt nehmen, da nicht alle gehen. Jedenfalls nicht bei meiner Schreibmaschine. Manche Blätter sind zu dünn, manche zu dick, andere haben zu feste Adern… So richtig gelungen ist es ja auch nicht, wie man im Film sieht. Aber das war quasi alles live und in Farbe.“

Zur Schreibmaschine allgemein hat sie eine besondere Beziehung. „Da ich Sekretärin bin, habe ich dementsprechend unzählige Stunden vor Schreibmaschinen gesessen. Meine liebste war die IBM Kugelkopf, die gab es in meiner damaligen Ausbildungsfirma in zig Varianten und Farben. Am Anfang ohne Korrekturband, später mit. Danach hatte ich eine Olivetti, die bereits einen Speicher mit Display hatte. Damit konnte man eine Seite abspeichern und diese dann am Stück auszudrucken. Die Kollegen machten riesige Augen, als das Teil zum ersten Mal losratterte und ich ein paar Meter weiter stand, um mir den Spaß zu gönnen, die Kollegen beim Staunen zu beobachten“, erinnert sich Eiting zurück. „Damit ich die Olivetti bekommen habe, umfasste die Begründung damals drei A4-Seiten und die Anforderung musste bis zur Geschäftsleitung.“ So beeindruckend dürfte die Olivetti aber aus heutiger Sicht wohl nicht mehr sein, denn: „Wenn ich den Platz hätte, würde ich mir eine IBM Kugelkopf einfach so in die Ecke stellen. Das war einfach die beste und sie hörte sich auch einfach super an.“

Dennoch ist Eiting über den Einzug des Computers im Büro mehr als froh: „Ansonsten war die Arbeit im Sekretariat damals mit der Schreibmaschine oft sehr… sagen wir… zäh. Man schrieb einen dreiseitigen Brief und dann kam der Chef auf die Idee, auf der ersten Seite noch einen Absatz einzufügen. Heißt: Man hat alle drei Seiten nochmal geschrieben. Oft mit mehrfachem Durchschlag, der keinen Fehler haben durfte“, erinnert sich Eiting an die Schattenseiten von damals. „Es gab zu meiner Anfangszeit 1982 nicht mal Faxgeräte und auch keine Kopierer. Den ersten Kopierer durften wir dann auch nicht selbst bedienen. Er stand in der sogenannten Hausdruckerei und nur die Kollegen der Druckerei durften ihn bedienen.“

Auch Ansagen nahm Eiting entgegen. „Oft wurde auf Band diktiert, oft per Steno – was zwei Arbeitskräfte band: Der Chef diktierte und grübelte, die Sekretärin hatte die Sätze manchmal schon fertig im Kopf, durfte aber erst schreiben, wenn der Chef dann soweit war. Saß also da und langweilte sich. Dafür war nicht alles so hektisch: Der Brief ging per Post raus. Bis er ankam, dauerte es zwei bis drei Tage. Bis dann die Antwort formuliert war und eintraf, waren nochmal drei Tage rum. Also nicht so wie heute, wo die Leute meinen, man sitzt auf E-Mails wartend vor dem PC, und schon telefonisch nachfassen, wenn man sich nicht innerhalb von drei Minuten meldet. Trotzdem vermisse ich die Schreibmaschine nicht. Immerhin war es in so einem Großraumbüro ganz schön laut bei dem Getippe.“

INFO: YouTube-Channel von Mats Honigtau; der Bär auf Instagram: https://www.instagram.com/mats.honigtau.the.bear/

PS: Für mich persönlich interessant ist die Tatsache, dass zwischen Eitings Arbeitsbeginn 1982 und meinem Eintritt ins Büroleben 1992 kein so großer Zeitunterschied ist. Gerade mal zehn Jahre. Und obwohl ich von meiner Ausbildung her (Handelsschule/Handelsakademie mit Stenografie und Maschinschreiben, im Aufbaulehrgang allerdings bereits rudimentäre Kenntnisse von CTV – Computertextverarbeitung) her auf Eitings Arbeitswelt eingestimmt wurde, fand ich jedoch ganz andere Verhältnisse vor: Computer, Netzwerkdrucker und Kopierer waren Standard. Eine Schreibmaschine gab es auch, aber ad hoc kann ich mich nicht erinnern, dass die damals je benutzt wurde.

Rodja

Veröffentlicht unter Schreibmaschinen im Fokus | Verschlagwortet mit , , , | 2 Kommentare

Das Wort zum Valentinstag

… getippt auf meiner Olympia SM2

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Okay, heute ist nicht Sonntag – aber zumindest Valentinstag.

Harte Rocker sind ja kommerziell dann am erfolgreichsten, wenn sie schmachtende Balladen schreiben. Beispiele gefällig? Bon Jovi mit „Bed of Roses“, Whitesnake mit „Is this Love?“, Bryan Adams mit seinem liebsäuselnden (und zum Kotzen erregenden) „(Everything I do) I’ll Do it For You“ (Adams hat ja ein paar solcher lebensgefährlichen Schnulzen zu verantworten) und – natürlich – Metallica mit „Nothing Else Matters“. Kein Mix-Tape von mir, das nicht ohne dem letztgenannten Song auskam.

Dieser klischeebeladene Kontrast – harter Metalhead, weiche Seele – das macht Frauen wuschi. Und Männer sind froh, wenn sie diese Songs spielen, weil sie auch offiziell endlich mal eine Träne verdrücken und sensibel sein dürfen.

Insofern finde ich schon einmal den Song „Safe Home“ von Anthrax herrlich erfrischend. Ein Powersong reinster Güte – und doch drückt er etwas aus, das ich selbst nicht besser in Worte fassen könnte, wenn es um meine aktuelle, seit 31. Dezember 2000 andauernde Beziehung geht. Wir haben Höhen erlebt, wir haben Tiefen durchschritten. Und was wichtiger ist – wir haben auch den Alltag gemeistert (Oder ist „durchkämpft“ das richtige Wort? Sag Du es mir, Christine.) Dieser Song ist für Dich – und nein, er ist nicht von Jackie Leven. (Auch wenn der oft mehr meiner Gefühlslage entspricht als Anthrax.)

Rodja

PS: Ja, das ist Keanu Reeves in dem Video…

Veröffentlicht unter Das Wort zum Sonntag | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Roland David, „Heimatleuchten“ und die Schreibmaschine

Ich schau sehr gerne die Doku-Schiene auf Servus TV – vor allem, wenn man so historisch-nostalgischen Sitten, Gebräuchen und Berufsbildern nachgeht. So geschehen auch am 11. November 2016, als die Sendung „Heimatleuchten – Alte Liebe rostet nicht“ (produziert von Cinecraft) lief, in der Maschinenliebhaber Roland David in Wien herumgondelt und diverse Werkstätten und Lokale heimsucht.

So besucht der Moderator u.a. die/das Buchhandlung/Café „Phil“ (ab ca. 6:29 Laufzeit), wo er „zufällig“ den Romanautor Bernhard Barta („Salzkammergut-Krimis“) trifft (ab ca. 7:30), der mit der Schreibmaschine arbeitet. (Im „Phil“ haben bereits Live-Poetin Nicola Gold und ich getippt.)

Weiters verschlägt es Moderator David zum Schreibmaschinenmeister Michael Schilhan in der Rochusgasse (ab ca. 9:00), wo er Wissenswertes über die Schreibmaschinen erfährt – und schließlich kommt er auch noch ins Café „Supersense – Home of Analog Delicacies“ (Heimatstätte von handgeschöpften Papierwaren, Polaroidkameras und -filmen sowie einer Aufnahmebox), wo Nicola Gold, Georg Sommeregger und meine Wenigkeit am 22. Juli 2015 das Erste Wiener Type-In veranstalteten.

Natürlich sind auch die anderen Beiträge über Waffenräder, alte Automotoren, den Prater und das Filmcasino sehr sehenswert – aus Bloggründen betone ich natürlich die Sequenzen mit Schreibmaschinen besonders. ;-D

Rodja

Veröffentlicht unter Schreibmaschinen im Fokus | Verschlagwortet mit , , | 3 Kommentare

Ich kleb‘ Dir eine!

Manchmal freue ich mich einfach diebisch, wenn ich auf Schreibmaschinen-Gimmicks stoße – so wie diesen Spender im Schreibmaschinendesign für Haftnotizzettel von Mustard. Ganz süß finde ich das Detail mit dem maschingeschriebenen Satz „Once upon a time…“ – da lacht mein Schriftstellerherz.

(Es gibt so etwas auch im Polaroid-Motiv!)

Die Frage ist nur, wo man Nachschub für diese speziellen Klebezetteln bekommt. Die sind nämlich abwechselnd mal oben, mal unten beklebt, so dass man beim Abreißen eines Zettels gleich den nächsten in Position zieht.

Rodja

PS: Ständig bin ich darüber gestolpert, NICHT den allseits bekannten Markennamen Post-it zu verwenden.

© Rodja Pavlik

© Rodja Pavlik

Veröffentlicht unter News | Verschlagwortet mit , , , | 2 Kommentare

USB-Typewriter – die digitale Schreibmaschine

© Adrian Straub

© Adrian Straub

Adrian Straub liebt alte Technik und mechanisches Handwerk. Auf seinem YouTube-Channel stellt der deutsche Vlogger diesbezüglich immer wieder neue Projekte vor: So restauriert er ein Hercules-Fahrrad aus den 1950ern, stellt eine Mercedes-Schreibmaschine (Anm.: Haben! Wollen!) vor, renoviert Dampfmaschinen, repariert alte Radios – und stellt so Sachen auf der Werkbank her, einfach nur um so Sachen herzustellen.

Meine besondere Aufmerksamkeit erregte vor allem die Installation eines USB Typewriter-Kits in eine Schreibmaschine. Damit kann Adrian nicht nur normal auf ein Blatt Papier tippen, sondern gleichzeitig den Text über einen Umwandler auf den Computer übertragen. Man kann es als umfunktioniertes Keyboard betrachten – mit dem Vorteil, dass man die Schreibmaschine an den Computer anschließen kann, aber nicht muss. Das Wesen der Schreibmaschine an sich bleibt intakt, wurde nur um die Computer-Kompatibilität erweitert.

Die Schreibmaschinisten haben nun Adrian Straub um einen Erfahrungsbericht gebeten. Der Artikel fällt quasi in zwei Kategorien. Einerseits wird die USB Typewriter vorgestellt – und fällt somit in die Rubrik „Alternativen“, andererseits gibt Adrian Straub auch seine sehr persönliche Sicht auf Schreibmaschinen wieder – und ist somit ein „Adrian schreibt auf einer Underwood/USB-Typewriter“.

Hiermit nochmals ein großer Dank an Adrian Straub, der detailliert und verständlich Einblick in die Funktionsweise einer USB Typewriter gibt.

Schreibmaschinen sind für mich schon lange nichts Neues mehr. Mit vier habe ich die erste Bekanntschaft mit einer ausgemusterten IBM Kugelkopf in meinem Kindergarten gemacht. Wie auf Knopfdruck mit lautem Schlag plötzlich ein Buchstabe auf dem Papier erschien, faszinierte mich schon damals. Daheim fragte ich dann meinen Vater: „Haben wir auch eine Schreibmaschine?“ Mein Vater verschwand im Keller. Wenig später wuchtete er eine tonnenschwere Adler aus den 50ern auf den Tisch. „Da. Die gehörte mal meiner Mutter.“

Ich setzte mich an die Maschine und hackte wie blöde auf den Tasten herum, wie ich es auch auf der IBM getan hatte – mit wenig Erfolg. Denn die Typen verhakten sich andauernd und machten dem sinnlosen Schreiben ein rasches Ende.

Also begann ich, zu schreiben, was ich sah, dachte mir Geschichten aus, erzählte, was ich den Tag über erlebt hatte, ja, fing sogar mit einer Zeitschrift an. Natürlich reichte mir eine Schreibmaschine bald nicht mehr – auf dem Flohmarkt fand ich eine Triumph aus den 20ern, im Antiquitätenladen eine Continental, beim Garagensale eine Underwood – und binnen kürzester Zeit wuchs meine Sammlung auf ganze elf Maschinen an.

© Adrian Straub

© Adrian Straub

Sehr zum Verdruss meines Vaters hielt die Schreibwut an – er hält nicht viel auf gedrucktes Papier und scannte alles, was ich zu Papier brachte, ein. Erfolglos versuchte er, mich auf den Computer umzugewöhnen. Ein Unternehmen, was ihm mehr als eine zerstörte Tastatur einbrachte, war ich es doch schon seit Jahren gewohnt, mit voller Wucht auf die Tasten schlagen zu müssen – eine Wucht, die kein Mikroschalter der Welt lange aushält.

Die Geschichten wurden länger und länger – und so beschloss ich, meinem Vater etwas Gutes zu tun und zu sehen, was das Netz anzubieten hatte, um Schreibmaschinenschrift in Bits und Bytes umzuwandeln.

Mehr durch Zufall stieß ich auf die Seite www.usbtypewriter.com, auf der der Amerikaner Jack Zylkin sein Projekt vorstellte, welches genau das tat, was ich suchte: Ein Umwandler von Schreibmaschine zu Computer, ohne auf das einmalige Gefühl verzichten zu müssen, das nun mal nur eine waschechte Schreibmaschine vermittelt: Das Klackern der Typen, die fliegende Mechanik, die Klingel am Zeilenende, das Zurückschieben des Schlittens.

Das Prinzip ist überraschend simpel: Wird eine Taste auf der Maschine gedrückt, so schließt diese einen Stromkreis und löst einen elektrischen Impuls aus, der von einem Steuergerät registriert wird. Welche Taste nun gedrückt wird, differenziert das Gerät über eine breite Kontaktleiste. Je nach Schreibmaschinenmodell und Tastatur muss diese Kontaktleiste also eine andere Anzahl und Breite der Kontakte aufweisen, um sicher zu gehen, dass die Typenhebel auch wirklich alle auf einen Kontakt treffen. Zusätzliche Tasten, wie Rücktaste, Leertaste, etc. werden über Magnetschalter (Anm: die rote, ungelenke Markierung wurde von der Redaktion vorgenommen) mit der Schaltplatine verbunden.

© Adrian Straub

© Adrian Straub

Die Leiste wird unter der Maschine angebracht und ist somit von außen nicht sichtbar. Auch die kleine Steuerplatine lässt sich in der Maschine oder an der Seite verstecken.

© Adrian Straub

© Adrian Straub

Mein Vater war von der Idee hellauf begeistert. Zu Weihnachten lag das Ding unterm Tannenbaum. Ich hatte mich entschlossen, meine beste Schreibmaschine – eine Underwood No.11 aus den Kriegsjahren – damit auszurüsten. Für die Underwood-Modelle sieht Zylkin eine etwas rudimentäre Montage vor – die Rücktaste ist im Weg und wird daher abgesägt und zur Seite gebogen. Das wollte ich auf keinen Fall. Ich entschied mich also, die Leiste anders anzubringen – und bastelte mir dazu eine einfache Halterung, die von unten in zwei bereits vorhandene Bohrungen im Maschinenrahmen eingeschraubt wird.

© Adrian Straub

© Adrian Straub

© Adrian Straub

© Adrian Straub

Nun wurde es spannend. Würde das Gerät wirklich das tun, was es soll oder handelte es sich hier eher um einen Prototyp, der noch einen weiten Weg vor sich hatte? Billig war er ja nicht.

Zu Beginn muss der Apparat kalibriert werden. Im Bildfenster erscheint die zu drückende Taste, damit das Programm weiß, welcher Kontakt welchen Buchstaben ergibt. Tatsächlich kann man hier sogar Tasten wie F1-F12 belegen – die Schreibmaschine lässt sich also als vollkommener Computertastatur-Ersatz verwenden.

Ich begann, drauflos zu schreiben. Zu Beginn hakelte es noch etwas – hier und da bestand noch ein kleines Kontaktproblem. Mit etwas Schmirgelpapier waren diese Kinderkrankheiten aber recht schnell behoben.

Wie verhält sich der Apparat nun im Langzeittest?

Tadellos! Ich weiß schon lang nicht mehr, wieviele Seiten ich bereits mit der USB Typewriter geschrieben habe – aber es sind definitiv mehrere hundert. Und mein Vater musste fortan kein einziges Blatt mehr einscannen.

Fazit: Ich kann dieses Gerät wirklich nur empfehlen – besonders für den Vielschreiber. Es hat die Schreibmaschine für mich nochmals wertvoller gemacht – denn jetzt kann ich auch Emails auf der Schreibmaschine schreiben – und sogar dieser Bericht ist auf der USB-Typewriter verfasst.

Adrian Straub

INFO: Adrian Straubs YouTube-Kanal: www.youtube.com/user/lexander5

Veröffentlicht unter ... schreibt auf einer..., Alternativen | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Tristan schreibt auf einer Wanderer Continental

Tristan Fiedler ist ein deutscher Autor und Drehbuchschreiber. Im Rahmen der „Dollar Babies“-Aktion von Stephen King konnte er z.B. für den Filmemacher Michael Wolf die Geschichte „Nona“ des US-Horrorautors für einen Kurzfilm adaptieren. (Exkurs „Dollar Babies“: King stellt Filmstudenten seine Kurzgeschichten für eine nicht-kommerzielle Verfilmung zur Verfügung – und das für einen Dollar und so lange er im Besitz der Rechte ist.) Der gleichnamige Kurzfilm befindet sich gerade in der Festivalauswertung.

Obwohl Tristan Fiedler moderner Technik nicht abgeneigt ist – seinen ersten Roman „Das Dunkle Bild“ veröffentlichte er als E-Book – liebt er es, auf der Schreibmaschine zu tippen.

Schreiben ist harte Arbeit. Das vergisst man manchmal. Beim Schreiben auf dem Computer fühlt sich das gar nicht so sehr danach an. Kaum hat man sich eine Formulierung überlegt, schon steht sie da. Der blinkende Cursor wartet ungeduldig auf die nächste. Schreibt man per Hand oder mit der Schreibmaschine, sieht das schon ganz anders aus. Die Sätze huschen nicht so schnell auf das Papier, als gäbe es gar keinen Schreibprozess mehr, sondern nur ein „Direkt-auf-das-Papier-denken“. Und, vielleicht noch viel wichtiger: Die Sätze stehen tatsächlich auf Papier. Man kann sie nicht einfach markieren und wieder löschen, Satzteile umbauen oder rot unterstrichene Rechtschreibfehler einfach korrigieren. Schreiben bedeutet auf einmal: Nachdenken, was genau man da eigentlich schreiben will. Ist der Satz schon richtig formuliert? Ist es auch der richtige Satz an der richtigen Stelle?

Das Schreiben von Hand ist mir sehr wichtig, ich praktiziere es allerdings viel zu wenig – ich bin einfach zu faul. Die Schreibmaschine bringt für mich da irgendwie ein spielerisches Element hinein. Wie eine Modelleisenbahn. Das Ratschen des Papiers, wenn ich es hineindrehe, der Schlitten, der von rechts nach links wandert und wieder zurückfliegt. Und dann natürlich das „Pling“ des kleinen Glöckchens, wenn ich gewarnt werde: Gleich ist die Zeile zu Ende. All das macht das Schreiben auf meiner Schreibmaschine zu einem lebendigen Erlebnis.

© Tristan Fiedler

© Tristan Fiedler

Mein Modell habe ich auf der Auer Dult gekauft, einem Jahrmarkt, der dreimal im Jahr in München stattfindet – und eigentlich eher das Ziel älterer Herrschaften ist, die sich hier neben Gemälden, antikem Schmuck, kitschigen Porzellanengelchen oder Putzbürsten auf dem neuesten technischen Stand jede Menge antiquarischen Krimskrams kaufen können. Hier stand sie neben einem Stahlhelm aus dem Ersten Weltkrieg und sah aus, als sei sie die Waffe gewesen, die den Soldaten trotz Helm das Leben gekostet habe. Die Continental ist ein Modell aus den ersten Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts und wiegt 25 Kilogramm. Ein wahres Monstrum. Schreiben ist hierauf wirklich Arbeit. Und bedeutet im wahrsten Sinne des Wortes: Nachdenken, was man schreiben will. Die Typenhebel müssen einen weiten Weg zum Papier zurücklegen. Deshalb müssen die Tasten tief hinuntergedrückt und mit sehr viel Entschlossenheit bedient werden. Das laute „Wumm! Wumm!“, mit dem die Buchstaben sich dann in das Papier hineingraben, macht einem deutlich: Diese Worte sind für die Ewigkeit. Wähle weise.

Zum Glück haben meine Schwiegereltern auf ihrem Schwabinger Dachboden noch eine Continental Reiseschreibmaschine gefunden. Sie ist wesentlich kleiner, leichter und das Schreiben fühlt sich nicht so sehr danach an, als meißele man Worte in eine Steintafel. So kann ich je nach Laune wechseln. Meine langen Texte schreibe ich allesamt auf dem Computer, wie zum Beispiel meinen letzten SP-Roman „Das Dunkle Bild“ (erhältlich z.B. auf Amazon). Doch kleinere Kurzgeschichten, die ich zur Übung schriebe, Briefe an Freunde, Merkzettel oder Etiketten für Einmachgläser werden bei mir allesamt auf der Schreibmaschine geschrieben. Und durch das Schreiben auf der Continental hat sich auch meine Herangehensweise an Texte auf dem PC geändert. Ich denke mehr über die Sätze nach. Denn fast schon erwarte ich, dass ich wieder das laute „Wumm! Wumm“ höre, wenn ich die Tastatur bediene.

© Tristan Fiedler

© Tristan Fiedler

Wer übrigens am PC schreibt und sich immer schon gefragt hat, weshalb die Tastatur nicht alphabetisch geordnet ist: Auch hier hat die Schreibmaschine ihren Einfluss. Denn die Reihenfolge der Buchstaben wurde bei der Schreibmaschine so gewählt, dass die am häufigsten verwendeten Buchstaben möglichst weit auseinander liegen. So sollte verhindert werden, dass die Typenhebel sich auf dem Weg zum Papier und wieder zurück ständig ineinander verhaken. Auch das Lösen der Hebel gehörte beim Schreiben dazu. Die Schreibmaschine mahnte einen sozusagen zur Besonnenheit, wenn man sich zu sehr in Ekstase schrieb. Denn man sollte sich daran erinnern: Schreiben ist nicht nur Spaß. Schreiben ist harte Arbeit.

Tristan Fiedler

INFO: https://twitter.com/tristanfiedler1

Nona – Trailer from Michael Wolf on Vimeo.

Veröffentlicht unter ... schreibt auf einer... | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Helene Fischer macht auf Leroy Anderson

Also dass ich hier einmal Helene Fischer erwähne… nein, das habe ich mir nie und nimmer vorstellen können. Aber 2016 war ja das Jahr der Unmöglichkeiten („Die Briten werden doch nie so blöd sein und aus der EU aussteigen, oder?“ „Die Amis werden doch nie so blöd sein und den Trump wählen, oder?“) – also warum dann nicht auch Fischer?

Die Schlagersängerin, nein… sie ist schon ein richtiger Schlagerstar! (weshalb sie auch nicht in mein an sich breit gefächertes musikalisches Spektrum fällt)… macht mit TV-Koch Horst Lichter auf Leroy Anderson! War am 25. Dezember 2016 in der ZDF-Sendung „Die Helene Fischer Show“ zu sehen.

Rodja

Es gibt sogar eine Live-Aufnahme vom Publikum aus:

Veröffentlicht unter Schreibmaschinen im Fokus | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen